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Deutsche Leitkultur (X) / Dispositiv (X): Zwei Dankesreden für Preise im Vergleich: Carolin Emcke und Ellen Kositza. Oder: Die Spätmoderne im Widerstreit zweier Kulturalisierungsregimes

Ich habe Carolin Emckes Dankesrede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises 2016 gelesen und empfehle die Lektüre, wenn Sie sie noch nicht gelesen/gesehen/gehört haben sollten.



Nun kann man ja gegen das Vorgetragene einiges einwenden; - aus meiner Sicht vor allem, dass die Dankesrednerin nichts weiß oder nicht spricht oder sprechen will von Ökonomie und also den sozio-ökonomischen Bedingungen, unter denen Menschen so oder so denken, unter denen Moral überhaupt substanziell erfahrbar und lebbar sein kann (- ein altes Problem der Frankfurter Schule im Übrigen) .
Die Sorte Kritik aber, die die Rede einfährt, mag ich nicht :

Selbstgefällig, pathetisch, verurteilend: Carolin Emcke wird für ihre Rede in der Paulskirche kritisiert. Frontenbildung ist so alltäglich geworden, dass sie selbst da mitschwingt, wo es um Versöhnung geht.
Eine Kolumne von Margarete Stokowski (SPON, 25.10.2016)
    ... Neben viel Wohlwollen und Dankbarkeit erfährt die Rede auch einige Kritik und Missgunst, die im Großen und Ganzen darin besteht, einerseits zuzugeben, dass Emcke theoretisch mit allem recht habe, aber wenig Neues erzähle und sich in selbstgefälligem Pathos so ganz wohlfühle auf ihrer Kanzel. Das ist ein ziemlich eigenwilliger Widerspruch, wenn man bedenkt, was sie gesagt hat...
Was den Argumentationen dieser Kritiker gemein ist: Sie setzen einen neuen Standard: Man darf nicht Arschdenk veruteilen ohne Verständnis für Arschdenk zu äußern.

Vergleichen Sie mal:

- Literarische Welt | Gutmenschen-Treffen. Jeder kriegt den Preisträger, den er verdient
Von Thomas Schmid | Stand: 24.10.2016


- Die Gute und die Bösen. Carolin Emckes Rede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels war klug, persönlich und rigoros. Aber lässt sich Hass durch Verachtung der Hassenden bekämpfen? Ein Kommentar von Malte Lehming (Tagesspiegel, 24.10.2016)

- Carolin Emcke? Eine sehr, sehr originelle Wahl!
Von Hannah Lühmann | Die WELT am 24.06.2016
    ... Carolin Emcke würde nie auf die Idee kommen, aus dem Leiden anderer eine ästhetische Erfahrung zusammenzuzimmern. Carolin Emcke würde nie auf die Idee kommen, sich selbst zur moralischen Autorität zu erheben. Carolin Emcke hat weise Eulenaugen, die mahnende Leiderfahrung transportieren...
Das ist eher schmuddelig, aber bevor ich auf Hannah Lühmann zurückkomme noch dieser Hinweis auf einen, der sich echt Sorgen macht:
- Carolin Emcke und die Schwäche der Liberalkonservativen
Von Oliver Weber, Tichys Einblick, 25. Oktober 2016
Carolin Emcke würdigte mit ihrer Rede in der Frankfurter Paulskirche nicht nur überzeugend den Geist des Grundgesetzes. Sie bewies vor allem auch, wie erstaunlich wenig der liberal-konservative Flügel der Republik inzwischen zur Widerrede fähig ist.


Dass das so ist, könnte daran liegen, dass der liberal-konservative Flügel der Republik in der Tat inzwischen seine Deutungshoheit verloren hat, aber nicht an die Linke, sondern an die neue Rechte. Frau Lühmann war da kürzlich zu Besuch und nicht wenig fasziniert:
Ein Gespenst geht um
Von Hannah Lühmann | Die WELT 29.05.2016
Wie sind sie eigentlich privat, die neuen Rechten? Eine Reise in den deutschen Osten, auf ein Rittergut in Schnellroda, wo Götz Kubitschek lebt, der Chef des Antaios-Verlags
:
    Der Pflaumenkuchen ist noch warm, er wird im sogenannten „Rittersaal“ serviert. Ellen Kositza sieht aus, wie das Wort Rune klingt oder das Wort Alraune oder das Wort Undine.
    Nicht wegen des Inhalts, sondern wegen des Klangs. Schmal, schön, selten, vielleicht ein bisschen böse, fanatisch-apart...
Eine Analyse, wie Sie sie von Frau Emcke verlangen, ist das nicht, Frau Lühmann!

...

Ellen Kostiza ist verheiratet mit Götz Kubitschek
(Deutschlands stilvollstes Faschisten-Paar, taz), - die Kinder: Sieben an der Zahl. Sie stehen in einer Reihe und grüßen artig: Alruhn, Brunhilde, Fafnir, Alberich, Friggida, Nuspli und Skøl. Selbst gezeugt haben die Eheleute diese Kinder nicht. „Mann und Frau sind grundverschieden“, sagt Kubitschek. „Das ist wie mit Ethnien: Zu Verschiedenes sollte räumlich getrennt werden und sich nicht paaren.“

Ellen Kostiza
erhielt 2008 den Gerhard-Löwenthal-Preis für Publizisten durch die Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung (FKBF). Die Laudatio hielt der Deutschlandfunk- und JF-Autor Jürgen Liminski

Ich dokumentiere hier den 2. Teil ihrer Dankesrede, um deutlich machen, in welch völlig unterschiedlichen kulturellen Kontexten man/frau sich bewegen und auf welch unterschiedlichem intelletuellen Niveau man/frau reden.
[Nur zu Dokumentationszwecken: Ellen Kositza bei Sezession im Netz]




Die Spätmoderne im Widerstreit zweier Kulturalisierungsregimes

Einen interessanten Ansatz, die ganz offensichtlich völlig unterschiedlichen kulturellen Lebens- und Denkformen (Emcke - Kostiza) und die sie tragenden institutionellen Ordnungen zu deuten, finden Sie hier:

Andreas Reckwitz: Zwischen Hyperkultur und Kulturessenzialismus (Soziopolis, 24.10.2016)
    Eine der zentralen Widersprüchlichkeiten der globalen Gesellschaft der Gegenwart betrifft die Ambivalenz von Öffnungs- und Schließungsprozessen. Diese Zwiespältigkeit lässt sich auf verschiedenen Ebenen festmachen. Sie findet sich zum einen im Bereich der sozialen Ungleichheit, in der Gegenläufigkeit zwischen dem Aufstieg und der sozialen Mobilität einer neuen globalen Mittelklasse, vor allem in Asien und Lateinamerika, und der ‚schließenden‘ Zementierung einer neuen, post-industriellen Unterklasse, vor allem in den Industriegesellschaften. Die Ambivalenz zwischen Öffnung und Schließung lässt sich aber auch auf der Ebene der kulturellen Lebensformen und den sie tragenden institutionellen Ordnungen beobachten, um die es mir im Folgenden geht. Auf der einen Seite findet in der Spätmoderne eine historisch außergewöhnliche kulturelle Öffnung der Lebensformen statt, eine Pluralisierung von Lebensstilen, verbunden mit einer Öffnung und Pluralisierung von Geschlechternormen, Konsummustern und individuellen Identitäten, wie sie vor allem von der globalen Mittelklasse getragen wird und sich in den globalen Metropolen konzentriert. Gleichzeitig beobachten wir an verschiedenen Orten weltweit Tendenzen einer kulturellen Schließung von Lebensformen, in denen eine neue rigide Moralisierung wirksam ist. Das Spektrum solcher Schließungen reicht von den partikularen Identitätsgemeinschaften über einen Neo-Nationalismus bis hin zu den religiösen Tendenzen des Fundamentalismus. Die Öffnung der Kontingenz von Lebensformen einerseits, der Versuch ihrer moralischen Schließung andererseits, die wir seit der Jahrtausendwende beobachten, bilden offenbar zwei Tendenzen der globalen Gegenwartsgesellschaft, die vollständig unvereinbar erscheinen...
Als hilfreich zur Deutung aktueller Konfliktlinien (innen- wie weltpolitisch) erweist sich der Kuturalisierungsschema-Ansatz hier:
    Was wir in der Spätmoderne vielerorts beobachten, ist allenfalls vordergründig ein Huntington'scher Kampf der Kulturen, letztlich jedoch ein Widerstreit zwischen diesen beiden Kulturalisierungsregimes, zwischen Hyperkultur und Kulturessenzialismus. Erst wenn man diese abstraktere Sichtweise einnimmt, wird erkennbar, dass einander derartig feindlich gesonnene Gruppen wie die Salafisten oder Marine LePens Front National, die Evangelikalen und Putins Nationalismus dem gleichen Muster folgen, nämlich dem der Kulturalisierung II. Sie füllen den Kulturessenzialismus inhaltlich zwar unterschiedlich aus, teilen aber das gleiche Kuturalisierungsschema, was zur Folge hat, dass sie allesamt der Kulturalisierung I entgegenstehen. Religiöse Fundamentalismen, Rechtspopulismen und Nationalismen in ihren verschiedenen regionalen Spielarten würden für Huntington jeweils unterschiedliche ‚Kulturen‘ bilden, während nun deutlich wird, dass sie allesamt dem gleichen Muster der Kulturalisierung II folgen. Umgekehrt bildet ‚der Westen‘ nicht lediglich eine weitere Kultur, wie Huntington suggeriert, sondern in seiner spätmodernen Form eine grundsätzlich andersartig strukturierte Form der Kulturalisierung, die Kulturalisierung I der Hyperkultur.

    Räumlich stehen beide Regime einander im Übrigen durchaus nicht im einfachen Sinne einer Dramatisierung ‚The west against the rest‘ gegenüber. Die Kulturalisierung I der kulturellen Märkte und Selbstverwirklichungssubjekte mag historisch ihre Wurzeln in Europa und den Vereinigten Staaten haben, doch hat sie sich längst globalisiert. Sie findet sich mittlerweile in den entsprechenden avancierten Milieus sowohl in den ost- und südasiatischen als auch in lateinamerikanischen Metropolen. Umgekehrt ist die Kulturalisierung II keineswegs nur in Asien oder Osteuropa lokalisiert, sondern ebenso in Westeuropa oder den USA. Der ‚Westen‘ ist eben kein geografischer Begriff, sondern ein symbolischer.

    Wie lässt sich nun aber das Verhältnis zwischen beiden Kulturalisierungsregimes begreifen? ...
... und wenn der Autor nach Interaktionsmöglichkeiten zwischen Koexistenz und Konflikt von Hyperkultur und Kulturessenzialismus fragt.
Wie gesagt: Lesenswert!! - Auch wenn dem Soziologen (wie der Philosophin) die ökonomische Basis igendwie abhanden gekommen ist: Kulturalisierung I als eine der kulturellen Märkte und Selbstverwirklichungssubjekte zu charakterisieren, greift denn doch zu kurz, bräuchte eine Analyse, was denn kulturelle Märkte sind!
Man kann aber die mögliche Tragfähigkeit der These vom Widerstreit zweier Kulturalisierungsregimes noch einmal schön ausprobieren, wenn man sich ansieht:

Links und rechts wächst der Hass auf die Eliten
Von Ulf Poschardt | Die WELT, 25.10.2016
    ... Völkische wie sozialistische Ideen verfolgen ein ähnliches Ideal: Es geht um die Auslöschung der Differenz. Die Moderne als Ausdifferenzierung der Gesellschaft, ökonomisch wie ethnisch, wird als Problemfall einer Therapie unterzogen.

    Es ist ein Ressentiment, das links wie rechts Andersdenkenden, Anderslebenden oder auch nur anders Aussehenden entgegengebracht wird. In Fernsehkrimis bilden Superreiche dekadente Milieus, die aufgrund ihres maßlosen Vermögens jeden moralischen Halt verloren haben.

    Nach den linken Jahren der Stimmungsmache gegen die Eliten stimmen Absteiger und Abstiegsbedrohte von rechts in den Chor der Elitenhasser ein. Dass gerade sozial Schwache von der massiven und mitunter wenig leistungsgerechten Umverteilung profitieren, davon spricht niemand. Die Reichen haben keine Lobby.
Ein schönes Beispiel für grenzdebiles Hin-und-Her zwischen den Kulturalisierungsregimes!


Vgl. auch: Die Globale Klasse – Eine andere Welt ist möglich. Aber als Drohung. Von Michael Seemann (mspro)

Die Suche nach »Dispositiv « hat 21 Resultate geliefert.
Und siehe oben: Nochmal zur Rede von Carolin Emcke und ihren Kritikern - Dies ist der Schmutz, mit dem ihr alle jetzt spielen sollt. Das ist der Kick, der mich noch scharf macht...

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Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

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