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Aesthetik

Eine schöne Geschichte: Wie der deutsche Verriss-Spezialist MRR einmal an Jurek Becker scheiterte

- berichtet von Markus Joch im Freitag| Ausgabe 32/2017

    Diesen Sonntag vor 25 Jahren bewegte sich Marcel Reich-Ranicki am Rand des Tobsuchtsanfalls. Termingerecht zum 31. Jahrestag des Mauerbaus geißelt er im Literarischen Quartett Amanda herzlos, Jurek Beckers in der untergehenden DDR spielenden Liebesroman, als „verlogen von der ersten bis zur letzten Zeile“.
    Einen „verfluchten Terrorstaat“, „in dem Menschen gequält, gepeinigt, ja gefoltert wurden“, schildere ausgerechnet „Herr Jurek Becker“, der 1977 mit einem Dauervisum in den Westen übersiedelte, als „eigentlich ganz angenehm, sympathisch und nett“...

    Bleibt die Frage, wie das Fehlurteil im sommerlichen Salzburg zustande kam. Sonnenstich? Nockerlnintoleranz?
    Banaler, es war noch eine Rechnung offen, die vom 12. Februar 1990. Drei Monate nach dem Mauerfall ist Becker zu Gast im Quartett. Vorgestellt als vorzüglicher Drehbuch-Schreiber (Liebling Kreuzberg) und Autor des Welterfolgs Jakob der Lügner, des Ghetto-Romans von 1969, verdankt er die Einladung durch Reich-Ranicki auch seinem Dissidentenkapital von 1976/77. Nach dem Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung und dem Ausschluss aus der SED verhielt sich dieser Autor weit offensiver als Christa Wolf, attackierte die Partei über die West-Medien und ging. Also scheint er nun der ideale Kronzeuge gegen die in der DDR gebliebenen Schriftsteller. Doch „mein ganz alter Freund Jurek Becker“ spielt nicht mit.

    Als Reich-Ranicki, mit dem Konvertiteneifer des ehemaligen KP-Mitglieds, den Starrsinn von Stephan Hermlin skandalisiert, der seine Stalin-Ode von 1953 immer noch nicht zurückgenommen habe, wendet sich Becker an den Gastgeber: „Ist Ihnen das Phänomen des Starrsinns so fremd?“ Gelächter im Publikum. Den Unterhaltungswert des Formats wendet der Quertreiber bereits zu Beginn der Sendung gegen MRR. Diskutiert werden soll der neue Eco. Den hat Becker nicht gelesen. Also wolle er sich auch nicht äußern, „obwohl das in dieser Runde normalerweise kein Hindernisgrund ist“. Düpiert sieht sich der verstimmte Reich-Ranicki („diese Unterstellungen sind arg“) zuvorderst, über Beckers demonstrative Verwunderung, dass mit der Besprechung des Foucaultschen Pendel ein „kalkuliertes Industrieprodukt“ beworben werde, das ohnehin ein Kassenschlager sei. Die Bestsellerfixierung der Veranstaltung anzusprechen, hat in 14 Jahren (erstes) Literarisches Quartett kein anderer Gast gewagt....
Da hat Joch wohl recht: Und was ist daran noch heute erinnernswert? Nach dem 13. August 1992 werden televisionärer Literaturkritik erstmals die Grenzen aufgezeigt. Ist leider nicht viel von geblieben. Aber Jurek Becker war ein großartiger Autor und Analytiker!

Jurek Becker 2


Intertessantes Fundstück zur Literaturkritk: Ausgabe des Literarischen Kaffeehauses von Juni 1965 aus Zürich mit Marcel Reich-Ranicki, Hans Mayer und Friedrich Dürrenmatt als Gast


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Bild des Monats: Johann Heinrich Füsslis “Nachtmahr” (1790)

Eine sehenswerte Ausstellung - eigentlich zwei - im Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst (noch bis zum 15.10.2017):
Füsslis Nachtmahr - Vom Sublimen zum Lächerlichen


Das Bild muss man im Original sehen; Reproduktionen können nur informieren, was da zu sehen ist, aber nicht wirken: Dieses fiese voyeuristische Spiel, das Füssli mit der Betrachterin und dem Betrachter spielt. Ich habe zwei bzw. drei Wahrnehmungsschichten (Blickrichtungen) erfahren: - zuerst die auf den Alb, den Incubus, und auf das geblendete Pferd, - vermutlich weil die eigenen Nachtmahre einen einholen und den ersten Blick lenken, - dann auf die Frau:
Ergeben hängt sie kopfüber auf der Bettkante, die durchwühlte Decke zeugt von ihrem vergeblichen Kampf gegen das Grauen, welches nun vor ihrem inneren Auge abläuft. Der Alb, der sie „besitzt“, bringt Träume schrecklichster Art. Schrecklich? Eher wirkt es, als genieße sie. Sanft streicht ihr Arm über den Boden und sie reckt sich der Last entgegen, die sie doch quälen sollte. Lust und Leiden liegen hier dicht beieinander. (s.o.)
Schließlich die dritte Ebene: Die Details: der Fuß, die Schuhe, die Karaffe ...
Interessant wäre ja, wie unterschiedlich das Bild auf Frauen und Männer wirkt!

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8d/Johann_Heinrich_F%C3%BCssli_053.jpg/611px-Johann_Heinrich_F%C3%BCssli_053.jpg

Faszinierend - ebenfalls in der Ausstellung zu sehen - Die wahnsinnige Kate, 1806/07

https://1.bp.blogspot.com/-d40OFVKHaRk/UUblKYEYDMI/AAAAAAAA8ok/r2CEs1LBs7g/s1600/fussli.tif

http://images.zeno.org/Kunstwerke/I/big/1660080a.jpg
http://www.ernst-von-siemens-kunststiftung.de/files/evs/inhalte/foerderungen/ausstellungen/die-geister-die-sie-riefen-lust-und-angsttraeume-von-fuessli-und-janssen.jpg
DIE GEISTER die sie riefen. Lust- und Angstträume von Füssli und Janssen

_____________________________
Ganz großartig dann der Kontrast, wenn Sie in die nächste Etage gehen: F. K. Waechter - Zeichenlust

Da finden Sie auch Nachtmahre, aber die sind nicht sichtbar, die sind versteckt in der einzigartigen Ironie und künstlerischen Meisterschaft des F.K. Waechter:

https://www.karikatur-museum.de/media/images/11_WAE_0249.max-800x600.jpg

http://www.fkwaechter.de/tl_files/bilder/home/waechter_zitat.gif


Großartige Nachtmahre finden Sie auch in den Metamorphosen von Herrn G.:


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Schönen Abend noch!

Zuweilen ... (XXVII): Zum Tod Jeanne Moreaus

https://4.bp.blogspot.com/-wUmxlI61hNg/WX859yI62zI/AAAAAAACwyE/-vm13FkarfwT2KDLr6Kaq0KG0ytNA7Z1QCLcBGAs/s1600/jeanne-moreau-4.jpeg

Goodbye Jeanne Moreau! Here Are 30 Beautiful Black and White Photos of the Star of 'Jules et Jim' from the 1950s and '60s

Empfehlung: La baie des anges (1962)


View on YouTube - hier komplett!

Allein ihr Gesicht in der Totale reicht aus, um diese Mimik niemals mehr zu vergessen. Ihren strengen Blick, ihren herausfordernden Blick, doch ebensowenig der Schalk, der sich in ihrem Gesicht immer auch spiegelte ...
(Bersarin zum Tod Jeanne Moreaus - AISTHESIS)

Metamorphosis (III): One Day I Woke Up And I Saw Everything In Perspective ...

Sie kennen vielleicht diese "Kunst Aufräumen"-Bilder von Ursus Wehrli

https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/originals/9d/20/2c/9d202cf281f5c7b89fdde0f5517d364d.jpg

Der argentinische Video-Künstler Fernando Livschitz (Black Sheep Films) kann noch mehr. Er sortiert die Wahrnehmung von gewohnten Abläufen, Formen und Zusammenhängen so, dass einem nicht Hören, wohl aber Sehen vergeht und zuweilen angst und bange wird. Ganz großartig zB hier, wo sich die Frage aufdrängt, wieso das eigentlich alles überhaupt noch funktioniert (bzw. wie werden wir in diesen KI-autonomen Systemen überleben können)?


View on YouTube - Weitere Clips zB. hier im Atomlabor: Surreale Videokunst von Fernando Livschitz | Perspective x Rush Hour x Inception Park und mehr

Metamorphosis I

nabokov_on_kafka723818

Die GBlogSuche nach »Metamorphosis« hat 8 Resultate geliefert.

SENZA TEMPO

https://1.bp.blogspot.com/-psj8OMce_Ps/WUg3w1nKdRI/AAAAAAAANs0/OaLfOUDnJP0YQjHY5fDkhpzQm4WssbjaQCLcBGAs/s640/Fran%25C3%25A7ois%2BSola.gif

Via Planet Mocho

metamorphosen 05

Herr G. hat sich weiter an Metamorphosen abgearbeitet:


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Und woher weiß die Wahrheitsmaschine, dass dazu dies passt?? : Pretty Things - Parachute Plus 1970

Vgl. Archäologie (DXCII) : Headmaster's Metamorphosen

ALEGRIA

https://3.bp.blogspot.com/-ZiYAo6KI4Ww/WTW0sLs30MI/AAAAAAAANp4/29_qoB0Ct6kNZ0tfoHRFgY2B5OyLxUlzgCLcB/s640/tumblr_odi81tEMuW1sf9k2xo1_500.gif
Posted by mocho

Verlierer und Gewinner (II): Elon Musk im Kosmos Schwitters (aka Dada)

Heute am Maschsee: Die formidable Präsenz eines Start-Ups vor dem sog. Sprengel-Museum (bisschen unscharf: Oben zu sehen: "Kosmos Schwitters"), - farblich schön eingepasst.



Dazu passt: Andrian Kreye über die Ted Conference in Vancouver : Der irre Rausch der Zukunft (Süddeutsche, 06.05.)
    ... Alles sehr beeindruckend. Wo ist das Problem? Das beginnt mit den Grundstückspreisen von Los Angeles, die ähnlich wie in Moskau, London und München dazu geführt haben, dass selbst kleinbürgerliche Wohnverhältnisse nur noch für sehr wohlhabende Menschen bezahlbar sind. In Los Angeles hat das zum Phänomen der Superpendler geführt, die sich das Häuschen mit Garten in einem ordentlichen Schulsprengel irgendwo in der Wüste kaufen müssen und dann Fahrzeiten von bis zu drei Stunden pro Weg in Kauf nehmen. Die schwemmen jeden Tag aus allen drei Himmelsrichtungen in die Stadt und verstopfen die Freeways.
    Die betuchten Stadtbewohner ärgert das. Sie sind aber auch diejenigen, die sich heute schon Musks ökologisch korrekte Tesla-Elektroautos und später die Maut für seine Supertunnel leisten können, während sich das Gesindel in den Feinstaubschleudern der traditionellen Autokonzerne weiter in den Straßen stauen wird. Das aber ist der Hauptvorwurf an die Zukunftsfabriken: dass sie in erster Linie an Lösungen für die Probleme einer schmalen, wenn nicht gar winzigen Oberschicht arbeiten. Dass die Innovationskraft in einer Lebensfilterblase entsteht, die gerade jetzt im Zeitalter von Trump die Realitäten ausblendet. Und da schaltet sich seit einiger Zeit die Ted Conference als Ventil dazwischen, das die Weltfremdheit raus- und die Wirklichkeit und moralischen Verpflichtungen reinbläst in diese Welt...
Dazu passt:
    Der US-Ökonom Peter Temin, Professor am MIT, beschreibt in seinem neuen Buch „The Vanishing Middle Class: Prejudice and Power in a Dual Economy“ einen Vorgang, der seit einigen Jahrzehnten nicht nur in den USA, sondern in allen Industrieländern stattfindet: Die Teilung eines eigentlich reichen Landes in ein produktives, von gut verdienenden Spezialisten bewohntes – und ein armes Entwicklungsland mit Arbeitern im Agrar- und Dienstleistungssektor.
    Temin sieht die FTE-Branchen (finance, technology, and electronics) und ihre „Bewohner“ bei etwa 20% der USA-Bevölkerung.
    Die anderen 80% leben in einem Land ohne wirtschaftliche Aufstiegsmöglichkeiten, ohne reelle Bildungsschancen und Gesundheitsversorgung und ohne Gerechtigkeit in einer real existierenden Zwei-Klassen-Justiz. Die Wut der von Armut bedrohten weissen Unterschicht wird in Rassimus umgewandelt und dient dazu, den Reichtum der FTE-Bevölkerung auf Kosten aller anderen noch zu vermehren.
    Der MIT-Wissenschaftler stützt sich dabei auf die Vorarbeit des karibischen Ökonomen W. Arthur Lewis, der das nach ihm benannte Lewis-Modell aufgestellt hatte, um die prekäre Situation der Entwicklungsländer der Nachkriegszeit zu beschreiben. Heute wird dieselbe wirtschaftliche, politische und kulturelle Apartheid innerhalb der Industrieländer angewendet – hierzulande zuletzt durch die Agenda 2010 und die Umwandlung des Sozialstaates in ein Hartz-IV-Regime, das den Mittelstand erodiert und in einen Billiglohnsektor umwandelt.

    Via 11k2: Die USA, ein Entwicklungsland und Vorbild für den Rest der Welt
Und auch: Wofür steht Peter Thiel? Wie ein konservativer Tech-Prediger sich die Zukunft vorstellt. (Kim Ly Lam in der Berliner Gazette)
    ...Obwohl das kritische Untersuchen der Vorgänge im Silicon Valley längst auf der Agenda stehen sollte, genießt das Gebiet weiterhin eine bemerkenswerte Immunität. Seit Jahren äußern Futuristen, Ingenieure und Entwickler die radikalsten Ideologien unter dem Deckmantel der Technologie. So charakterisiert die Idee der Singularität viele Unternehmen und Vordenker des Silicon Valley. Sie zielt auf das Schaffen einer Superintelligenz und eines transhumanistischen Wesens ab, das mithilfe von Technologie von allen Zwängen befreit und grenzenlose Weite, Konnektivität und Potenzial erfahren soll. Eine faszinierende und zugleich abstoßende Vorstellung, die – würde ein politischer Machthaber sie äußern – weltweit für Furore sorgen würde...
Klingt wie
1924. Merz Magazine Layout by El Lissitzky

Archäologie (DXCII) : Headmaster's Metamorphosen

- Herr G. arbeitet sich - immer wieder produktiv - an Metamorphosen ab.


View on YouTube - dort geht's auch zu metamorphosen 01/02

Ich hatte das neulich mal versucht mit der Morbus-Bannon-Morphose von Landkarten: Archäologie (Ground Zero): After Steve Bannon's Fourth Turning

- Und Herr P. hat jetzt einen eigenen Verlag, den TellerRand Verlag, in dem auch sein erstes Buch erschienen ist: Ich seh’ die Welt mit anderen Augen


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Headmaster's Delight bei GBlog.

Nachgetragen: Zum Tod von Jewgeni Jewtuschenko

Am 1. April 2017 ist Jewgeni Jewtuschenko gestorben.

Jewgeni Jewtuschenko wurde mit seinem 1961 in der Literaturnaya Gazeta erschienenen Gedicht Babij Jar auch im Westen bekannt. Das Gedicht Jewtuschenkos verarbeitete Dmitiri Schostakowitsch in seiner 13. Sinfonie. Übersetzt wurde das Gedicht von Paul Celan.
– Der Zuhörer könne Musik nicht bis ins Letzte verstehen, mit Worten gehe es eher, so Schostakowitsch.
Das ist wohl so.
Vertrauen wir also auf das Wort, hören und sehen Sie Jewgeni Jewtuschenkos - fasziniernd inszenierte - Rezitation seines Gesichts "Babi Yar" with music from Shostakovich Symphony No. 13:


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Über Babij Jar, da steht keinerlei Denkmal.
Ein schroffer Hang – der eine, unbehauene Grabstein.

Mir ist angst.
Ich bin alt heute,
so alt wie das jüdische Volk.
Ich glaube, ich bin jetzt
ein Jude.
Wir ziehn aus Ägyptenland aus, ich zieh mit.
Man schlägt mich ans Kreuz, ich komm um,
und da, da seht ihr sie noch: die Spuren der Nägel.
Dreyfus, auch er,
das bin ich.
Der Spießer
denunziert mich,
der Philister
spricht mir das Urteil.
Hinter Gittern bin ich.
Umstellt.
Müdgehetzt.
Und bespien.
Und verleumdet.
Und es kommen Dämchen daher, mit Brüsseler Spitzen,
und kreischen
und stechen mir ins Gesicht
mit Sonnenschirmchen.
Ich glaube, ich bin jetzt,
ein kleiner Junge in Bialystok.
Das Blut fließt über die Diele, in Bächen.
Gestank von Zwiebel und Wodka, die Herren
Stammtisch-Häuptlinge lassen sich gehn.
Ein Tritt mit dem Stiefel, ich lieg in der Ecke.
Ich fleh die Pogrombrüder an, ich flehe – umsonst.
«Hau den Juden, rette Rußland!» -:
der Mehlhändler hat meine Mutter erschlagen.
Meinrussisches Volk!
Internationalistisch
bist du, zuinnerst, ich weiß.
Dein Name ist fleckenlos, aber
oft in Hände geraten, die waren nicht rein;
ein Rasselwort in diesen Händen, das war er.
Meine Erde – ich kenne sie, sie ist gut, sie ist gütig.
Und sie, die Antisemiten, die niederträchtigen,
daßsie großtun mit diesem Namen:
«Bund des russischen Volks»!
Und nicht beben und zittern!
Ich glaube, ich bin jetzt sie:
Anne Frank.
Licht-durchwoben, ein Zweig
im April.
Ich liebe.
Und brauche nicht Worte und Phrasen.
Und brauche:
daß du mich anschaust, daß ich dich anschau.
Wenig Sichtbares noch,
wenig Greifbares!
Die Blätter – verboten.
Der Himmel – verboten.
Aber einander umarmen, leise,
das dürfen, das können wir noch.
Sie kommen?
Fürchte dich nicht, was da kommt, ist der Frühling.
Er ist so laut, er ist unterwegs, hierher.
Rück näher.
Mit deinen Lippen. Wart nicht.
Sie rennen die Tür ein?
Nicht sie. Was du hörst, ist der Eisgang,
die Schneeschmelze draußen.
Über Babij Jar, da redet der Wildwuchs, das Gras.
Streng, so sieht dich der Baum am,
mit Richter-Augen.
Das Schweigen rings schreit.
Ich nehme die Mütze vom Kopf, ich fühle,
ich werde grau.
Und bin – bin selbst
ein einziger Schrei ohne Stimme
über tausend und aber
tausend Begrabene hin.
Jeder hier erschossene Greis -:
ich.
Jedes hier erschossene Kind -:
ich.
Nichts, keine Faser in mir,
vergißt das je!
Die Internationale —
ertönen, erdröhnen soll sie,
wenn der letzte Antisemit, den sie trägt, diese Erde,
im Grab ist, für immer.
Ich habe kein jüdisches Blut in den Adern.
Aber verhaßt bin ich allen Antisemiten.
Mit wütigem, schwieligem Haß,
so hassen sie mich –
wie einen Juden.
Und deshalb bin ich
ein wirklicher Russe.

In Babij Jar – einer Schlucht in der Umgebung Kiews – wurden am 29. und 30. September 1941, mehr als 33.000 Juden von deutschen Einheiten (des SD und der Wehrmacht) erschossen. In den folgenden Tagen wurde weitere 20.000 Juden umgebracht. Bis zur Einnahme Kiews durch die Rote Armee im November 1943 fanden weitere Massenerschießungen statt, bei denen sowjetische Kriegsgefangene und etliche Zivilisten unterschiedlicher Nationalitäten getötet wurden. Insgesamt betrug die Anzahl der Opfer unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 150.000 bis 200.000 Tote.

http://orf.at/static/images/site/news/20140313/petrowskaja_body02_ap.4548341.jpg

Zugabe:
Jewgenij Jewtuschenko: Der Hühnergott
Für die ZEIT aus dem Russischen übersetzt
18. Januar 1963


Mein Lieblingsroman: Beerenreiche Gegenden

Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

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