Der Steuerberater kommt - Oder: The Luxemburg Polka (II): LuxLeaks - zweite Welle

Erdogans neuer Palast?
Nee!
Die Gästeliste der abendlichen Gala war erstaunlich: Nicht nur der Luxemburger Premierminister Xavier Bettel und sein Finanzminister Pierre Gramegna hatten ihr Kommen zugesagt - sogar der Luxemburger Kronprinz Guillaume hatte sich angekündigt für diesen Abend Ende November. Es galt die feierliche Eröffnung eines neuen Gebäudes zu begehen, allerdings war es nicht das Gebäude eines Staatsunternehmens, wie man ob dieser Ballung der höchsten staatlichen Repräsentanten vielleicht vermuten könnte. Tatsächlich fuhren die Gäste am hell erleuchteten neuen Hauptquartier der Beratungsfirma Pricewaterhouse Coopers (PwC) vor, wo sie von einer Schar aufgeregter Parkeinweiser ihre Plätze zugewiesen bekamen.
Erstaunlich ist das auch deshalb, weil PwC just jenes Beratungsunternehmen ist, das im Zentrum der Luxemburg-Leaks steht, die das kleine Land Anfang November erschütterten. (Süddeutsche Zeitung, 10. Dezember 2014)
Den letzten Satz verstehe ich nicht: Ich hatte nicht den Eindruck, dass das kleine Land schwer erschüttert war. Mir war auch gar nicht bewusst, dass die einen Kronprinzen haben:
Guillaume Jean Joseph Marie von Nassau ... ist der älteste Sohn Henris, Großherzog von Luxemburg, Herzog von Nassau. Er trägt die Titel „Erbgroßherzog von Luxemburg“, „Erbprinz von Nassau“ und seit dem 18. Dezember 2000 auch „Prinz von Bourbon-Parma“ und wird auch gerne mal von Joachim Pflugscharen zu Schwertern Gauck von Mecklenburg-Rostock empfangen.

Großherzog Henri von Luxemburg (l-r), Bundespräsident Joachim Gauck, seine Lebensgefährtin Daniela Schadt, Großherzogin Maria Teresa von Luxemburg und Prinz Guillaume von Luxemburg stehen am Dienstag (24.04.2012) in Berlin im Deutschen Historischen Museum zusammen.
l-r scheint hier ein wenig verrutscht zu sein, aber ich finde es immer nett, wenn Monarchen und Pfaffen sich gut verstehen.
Im Übrigen ist es - wen's interessiert - lohnend, sich die luxemburgische Verfassung einmal genauer anzusehen:
Kapitel I
Vom Gebiete und vom König-Großherzog
immerhin schon 1998 geändert in
"Kapitel I.
Der Staat, sein Territorium und der Großherzog"
Art. 1. Das Großherzogtum Luxemburg ist ein unabhängiger, unteilbarer und unveräußerlicher und auf ewig neutraler Staat.
Durch Gesetz vom 28. April 1948 erhielt der Art. 1 folgende Fassung:
"Art. 1. Das Großherzogtum Luxemburg ist ein freier, unabhängiger und unteilbarer Staat."
Durch Gesetz vom 12. Januar 1998 erhielt der Art. 1 folgende Fassung:
"Art. 1. Das Großherzogtum Luxemburg ist ein demokratischer, freier, unabhängiger und unteilbarer Staat."
Immerhin: demokratisch schon seit 1998, also noch nicht so lange wie die ehemalige DDR, und die Idee der Volkssouveränität muss man länger suchen.
Und immerhin schon in
"Kapitel II
Die öffentlichen Freiheiten und die Menschenrechte"
geht es um Grundrechte, vornehmlich aber erstmal um die Frage der Eigenschaften eines Luxemburgers, womit nicht etwa Versiertheit in Steuerangelegenheiten, Gier usw. gemeint sind, sondern die Staatsbürgerschaft, die seit 2008 schlicht so geregelt ist:
"Die Eigenschaft eines Luxemburgers erwirbt, erhält und verliert man gemäß den Bestimmungen der Gesetzgebung. "
Interessant ist dann die weitere Arbeit am
Art. 11. Es gibt im Staate keine Standesunterschiede.
... und wenn es da heißt in
(6) Das Gesetz gewährleistet die Freiheit des Handelns und der Industrie sowie die Ausübung der freien Berufe und der landwirtschaftlichen Arbeit, vorbehaltlich der Einschränkungen, welche das Gesetz festlegt.
und das Gesetz halt keine Einschränkungen festlegt, dann ist doch im Sinne der Freiheit des Handelns und der Ausübung der freien Berufe rechtens, was Amazon und Ikea, Deutsche Bank und Eon, Pepsi oder FedEx, Skype, Disney, Bombardier oder Koch Industries und Reckitt Benckiser mit Hilfe von Pricewaterhouse Coopers da machen! (s. o. LuxLeaks 2)
Mit Demokratie hat das allerdings nichts zu tun.
gebattmer - 2014/12/10 19:02
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