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Aus der sozialen Überdruckkammer

#Heidelberg: Vom Tweet zur Tat : Germany hate crime - Nebst Fragen, ob es nicht "Nutz_er_in", "potenzielle_r Tät_er_in" und "Gefährd_er_in" heißen müsste

Gerüchten und Falschmeldungen zu der Todesfahrt von Heidelberg tritt das Polizeipräsidium Mannheim über seinen offiziellen Twitter-Account ungewöhnlich offensiv entgegen. Zudem würden rechtliche Schritte gegen beleidigende Tweets geprüft.
(heise online News 2017 KW 8 Polizei geht hart gegen beleidigende Tweets nach Todesfahrt von Heidelberg vor)
    1.Nutzer: "...He's a fucking Muslim. Fuck the lot of them out ofthe West." (etwa: Er ist ein verfluchter Muslim. Sie sollen sich aus dem Westen verpissen.)
    Polizei Mannheim: "WTF are you talking about?" (Über was zum Teufel reden Sie?)

    2. Nutzer: "EIL: Laut Freunden bei der Polizei ist der angeschossene Täter von #Heidelberg ein sogenannter #Flüchtling"
    Polizei Mannheim: "Nö, ist er nicht."

    3. Nutzer: "Wie sieht der Täter aus was für Herkunft hat der Täter? Erzählen Sie die ganze Wahrheit oder halten Sie ihr Maul."
    Polizei Mannheim: "Gute Kinderstube vergessen oder nie genossen?Alles zu seiner Zeit, sprich, wenn die Ermittlungen so weit sind."

    4. Nutzer: "Verstärkte Abschiebung muss von allen Bundesländern eingehalten werden ! Kein weiterer Zuzug !)"
    Polizei Mannheim: "Was willst Du uns mit diesem Tweet sagen? By the way: Keine Leerzeichen vor dem Ausrufezeichen!!!"

    5. Nutzer: "You should know how the person looks at the very firststages of the investigation. #Heidelberg" (Sie sollten schon zu Beginn der Ermittlungen wissen, wie die Person aussieht.)
    Polizei Mannheim: "What does the look of a person state" (Was sagt das Aussehen über eine Person aus?)

    6. Nutzer: "VIDEO #Anschlag - Muslimische Terrorist rast in#Heidelberg mit Auto in Menschenmenge #islam #Terror #deutschland"
    Polizei Mannheim: "Wie kommst du drauf?"


Germany hate crime: Nearly 10 attacks a day on migrants in 2016

Nearly 10 attacks were made on migrants in Germany every day in 2016, the interior ministry says.
A total of 560 people were injured in the violence, including 43 children.
Three-quarters of the attacks targeted migrants outside of their accommodation, while nearly 1,000 attacks were on housing.
Chancellor Angela Merkel’s decision to open up Germany to people fleeing conflict and persecution has polarised the country and boosted hate crime.
Germany is struggling with a backlog of asylum applications and there are fears about security following a series of terrorist attacks across Europe.
The interior ministry figures
    3,533 attacks on migrants and asylum hostels in 2016
    2.545 attacks on individual migrants
    560 people injured, including 43 children
    988 attacks on housing (slightly fewer than in 2015)
    217 attacks on refugee organisations and volunteers
But the number of asylum seekers arriving in Germany in 2016 was 280,000, a drop of more than 600,000 from the previous year, following the closure of the Balkan migrant route and an EU deal with Turkey.
Quelle: BBC via NachDenkseiten



... Also:
    Potenzieller 1. Täter

    Potenzieller 2. Täter

    Potenzieller 3. Täter ...

... oder hätte es heißen müssen: Potenzielle_r 1. Tät_er_in? Sorry!
Oder waren Sie in diesem Fall - also hier und oben bei Heise - bereit, die fehlende geschlechtersensible Formulierung vielleicht unbewusst (?) zu akzeptieren und also von einer männlichen Täterschaft auszugehen - obwohl Sie schonmal von Beate Tschäpe gehört haben - ?

Müssten die Nutz_er_innen nicht doch als Gefährd_er_innen klassifiziert werden?


Fragt auch Peter Eisenberg in seinem Essay: Das missbrauchte Geschlecht
Wie kann man Frauen in der Sprache sichtbarer machen? Muss man sich dafür zum Herren oder zur Herrin über die Grammatik aufschwingen? Mit dem Gendern gehen sprachpolizeiliche Allüren einher. (Süddeutsche Zeitung, 03.03.2017)


In diesem Zusammenhang möchte ich noch empfehlen:
Wulf Krause: Die Trump-Wahl und der Fundamentalirrtum des Feminismus (13 Dez, 2016, Gender-Diskurs)

Aus der sozialen Überdruckkammer (VIII): Denunziant erster Klasse

Eine schöne kleine Milieustudie von Wiglaf Droste (junge welt 27.09.2016)
    Freund Axel aus Hamburg erzählt, wie er von Berlin aus mit dem ICE zurückfuhr. Der Zug, bestehend aus zwei aneinandergekoppelten ICEs, hielt auf freier Strecke. Die Lautsprecherdurchsage meldete einen »technischen Defekt«; weitere Informationen würden folgen. Sie folgten: Einer der beiden Züge war defekt, die Fahrgäste wurden gebeten, in den anderen Zug umzusteigen. Axel, im Besitz einer Fahrkarte zweiter Klasse, sah sofort, dass die Reisenden sich in der zweiten Klasse ballten, stapelten und zusammenklumpten, und tat, was jeder vernünftige, halbwegs eigenständig entscheidungsfähige Mensch in einer solchen Situation tut: Er suchte sich einen freien Platz in der ersten Klasse und setzte sich.

    Die Schaffnerin vulgo Zugbegleiterin kam durch den Waggon; sie kontrollierte die Billetts der Fahrgäste nicht. Ein Erste-Klasse-Reisender stand auf und machte sich lauthals bemerkbar. Ob sie denn die Fahrkarten nicht kontrollieren wolle, fragte er die Schaffnerin, er habe das Gefühl – wobei er einmal von oben herab ins Rund sah –, dass jetzt auch Zweite-Klasse-Fahrgäste in der ersten Klasse säßen.

    Die Zugbegleiterin ließ das kalt. Sie werde nicht kontrollieren, konterte sie, die Fahrgäste könnten schließlich nichts dafür, dass einer von zwei Zügen defekt sei. Sie ging ihrer Wege; ein First-Class-Denunziant, der Geld mit einem Statussymbol verwechselte, mit einem Mittel der Hie­rarchisierung, sah ihr missmutig nach. Seine erkauften Privilegien waren hinfällig, und so blieb ihm nichts als er selbst, eine Mischung aus Blasiertheit, Denunzianz und Ignorantentum. Das Blasenleben ist verratzt, wenn die Dünkelblase platzt.
Via Axel Martens (Facebook)


Die GBlogSuche nach »Aus der sozialen Überdruckkammer« hat 8 Resultate geliefert.

Deutsche Leitkultur (III): Mit deutscher Musik in einem tieferen Sinne Deutscher sein - Sir Simon Rattle braucht einen Eimer

Gremliza nimmt sich in seinem aktuellen express (Konkret 09/2016) den Tilman Krause, Leitender Feuilletonredakteur der WELT, vor:
Deutsch werden und sein – das ist harte Arbeit! (Die WELT, 30.07.16 - Sie müssen das jetzt nicht lesen, lieber den Gremliza!)
Ein Auszug reicht:
    ... Wir selbst mögen unsere Literatur, heute speziell die der klassischen Moderne, für die Namen wie Thomas Mann oder Franz Kafka stehen, in ihrer existenziellen Dringlichkeit für wichtiger halten. Aber assoziiert werden wir nun mal vor allem mit musikalischen Hervorbringungen, und auch das nicht so sehr ihrer Qualität wegen, die ohnehin umstritten ist und auch Konjunkturen unterliegt.

    Nein, was die deutsche Musik so einzigartig macht, ist eine bestimmte Gefühlskultur, die in ihr zum Ausdruck kommt. Und wer mit der nichts anfangen kann, wer für sie unempfänglich ist, der sollte sich in der Tat mal fragen, ob er wirklich in einem tieferen Sinne Deutscher ist.

    Es gibt, beginnend mit Mozart und auslaufend in den Spätromantikern, in der deutschen Musik ein rauschhaftes Schwelgen in großen Gefühlen, von der tiefen Verzweiflung bis zum höchsten Jubel, das in dieser Amplitude nirgendwo sonst vorkommt..
Dazu fällt mir ein:
    Musik von Richard Wagner kann nach Ansicht des britischen Dirigenten Sir Simon Rattle zur Gefahr werden. "Wagners "Tristan" kann einen wahnsinnig machen", sagte der Chef der Berliner Philharmoniker dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung". "Die narkotische Musik kann zur Obsession werden."

    "Als ich meinen ersten "Tristan" dirigiert habe, stand ein Eimer neben mir, damit ich mich jederzeit übergeben konnte, so schlecht und schwindelig war mir", verriet Rattle. Wenn er über einen längeren Zeitraum Wagner probe, wache er nachts auf und spüre, wie die Musik in ihm arbeite. Sie habe ihn im Griff und sauge ihn wie ein Parasit aus, sagte der 61-Jährige, der im Herbst 2017 Chefdirigent des London Symphony Orchestra wird.
Oder auch:
    ...wenn man Platens Gedicht mit dem bezeichnenden Titel «Tristan» wieder liest, dessen Anfangszeilen sich Generationen von Lyrikliebhabern eingeprägt haben:

    Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, Ist dem Tode schon anheimgegeben

    Thomas Mann hat diese Verse als «platonisches und rauschvoll musikalisches Seelenwunder voll Faszination und Verführung» charakterisiert. Kaum verwunderlich, dass sich der Verfasser des «Zauberbergs» in dieser romantisierenden Konjunktion von Liebe und Tod wiedergefunden hat. «Platen - Tristan», diese zutiefst Wagner'sche Gleichung Thomas Manns hat jedoch vor der Geschichte nicht standgehalten. Der Verklärung des Liebestods steht bei Heine die so viel nüchternere Sicht auf die Sinnlosigkeit des Massensterbens in der Moderne gegenüber, die er in den «Pariser Zuständen» anlässlich der Choleraepidemie des Jahres 1832 evoziert: «Man kann an den Sterbebetten das Sterben lernen und nachher mit heiterer Ruhe den Tod erwarten; aber das Begrabenwerden unter die Choleraleichen, in die Kalkgräber, das kann man nicht lernen.» Mit dieser Radikalität konnte nur der jüdische Aussenseiter in seinem Pariser Exil die Absurdität des anonymen Massentods wahrnehmen, der zum Signum der gesellschaftlichen Moderne im 20. Jahrhundert geworden ist, und damit eine Gegenposition formulieren zu der ästhetischen Auratisierung des Liebestods, deren deutsche Tradition von der schwarzen Romantik bis zu Thomas Mann und darüber hinaus reicht.
    (Der Streit zwischen August Graf von Platen und Heinrich Heine, NZZ 6.7.2002)

Ästhetische Auratisierung des Liebestods vs. Absurdität des anonymen Massentods, der zum Signum der gesellschaftlichen Moderne im 20. Jahrhundert geworden ist


View on YouTube

Auf der Suche danach, was eine intensivere, gefühlvollere Bindung an das eigene Volk ermöglicht, als es als nur "Verfassungspatriotismus" könne (weil es ja durchaus legitim sei, wenn identitäre Bewegungen inzwischen in allen Ländern Europas einklagen, dass die Liebesgeschichte, die die meisten von uns mit ihrer Nation haben (und die auch den Hass umfassen kann), ausgelebt, will sagen gefeiert werden darf.), entscheidet sich der Leitende Feuilletonredakteur für die ästhetische Auratisierung des Liebestods und landet im romantisch-deutsch-nationalen Geschwurbel einer bestimmten Gefühlskultur, für die man empfänglich sein muss, um Deutscher sein zu können: Seelenwunder voll Faszination und Verführung
So Xavier-Naidoo-mäßig! ... Fefe meldet: Schusswechsel zwischen Polizisten und Reichsbürgern, Verletzte auf beiden Seiten.

https://3.bp.blogspot.com/-Z2buxXdgqjM/V72Mpfu38NI/AAAAAAAANDs/l33zHtpLgHo58H7nK9JjkD92kfXrCyjmACLcB/s1600/rk.jpg
via If Charlie Parker Was a Gunslinger ...


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Augmented Reality: Pokémon players don't understand the forces they're dealing with (II)

Sehr schön: Der Pokémon-Wahnsinn. Von Götz Eisenberg (Der neue Landbote, 18. August 2016)
    Hanswurste der Geräte

    Die Pokémon-Jäger verbindet überhaupt keine Idee, die diesen Namen verdient. Sie sind Kinder des Konsumismus; Lemminge, die sich auf Kommando von der digitalen Klippe stürzen; Hanswurste der Geräte, hinter denen sie herlaufen und in deren Anhängsel sie sich verwandeln. Mit Pokémon-Go werden die Überflüssigen bei Laune gehalten. Und die Leute zahlen auch noch für ihre eigene Verblödung und Versklavung. Dass sie nur bloß nicht zum Nachdenken kommen! Das Schlimmste am Handywahnsinn scheint mir zu sein, dass die Leute sich um das Schönste bringen, was das städtische Leben zu bieten hat: Das Herumflanieren mit offenen Augen und wachen Sinnen. Früher verließ man das Haus und hing seinen Gedanken nach. Schon diese Formulierung werden die meisten Zeitgenossen nicht mehr verstehen. „He, was? Seinen Gedanken nachhängen, was soll’n das sein?“ ...

    Die Pokémon-Spieler bilden ... ein Kollektiv, das seine Einheit von außen und oben (buchstäblich: durch einen Satelliten) empfängt. In Termini Sartres, der in seinem Buch "Kritik der dialektischen Vernunft" eine Theorie der menschlichen Kollektive entfaltet hat: Die Hippies waren eine „Gruppe“, während die Pokémon-Spieler eine Ansammlung mit einer „serieller Struktur“ bilden. Noch in der Masse bleiben sie isoliert und atomisiert. Sartre erläutert den Begriff der „Serie“ anhand eines Beispiels: Stellen wir uns eine Ansammlung von Leuten vor, die auf einen Bus warten. Obwohl sie ein Kollektiv bilden, bleiben sie isolierte Einzelne, die miteinander nichts zu tun haben, außer dass sie zufällig mit semselben Bus zur Arbeit fahren. Sie nehmen keine Beziehung miteinander auf, außer als Nummer in einer bloß quantitativ bestimmten Serie. Die Mitglieder eine Serie sind austauschbar. Ihre flüchtige Einheit wird durch ein Ding hervorgerufen, in diesem Fall einen Bus. Wir brauchen nur den Bus durch das Smartphone und die auf ihm vorhandenen Apps zu ersetzen und schon erkennen wir: Auch die Gruppenbildung der Pokémon-Spieler ist eine vom Typus der Serie. Man kann sehen, dass jeder einzelne austauschbar, unwesentlich, abgesondert und isoliert ist. Eine Beziehung besteht zwischen den Spielern und ihren Geräten, nicht aber untereinander. Das ist kennzeichnend für einen neuen Vergesellschaftungs-Typ, den man Vernetzung nennen kann. Die Macht, die ehedem darauf fußte, dass sie zerteilte, zerlegte, segregierte, stellt nun auf einer höheren Ebene zwischen den Segregierten und Atomisierten auch wieder Verbindungen her, telekommunikative Vernetzungen, die zugleich der Kontrolle von Herrschaft unterliegen und ihrer Aufrechterhaltung und Verfeinerung dienen...

Kompetenzkatastrophe (VI): ...

https://scontent.ftxl1-1.fna.fbcdn.net/v/t1.0-9/s851x315/13178960_1781350642099351_6722754795240049938_n.jpg?oh=a8a443941e7142752a3977a4ed200e01&oe=57E73762

... nichts gegen Tattoos. Hier geht's ja um etwas anderes. Gut gemacht. Laut gelacht.

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CRISIS , WHAT CRISIS ? (CIV): Folk Devils and Moral Panics

Folk devil is a person or group of people who are portrayed in folklore or the media as outsiders and deviant, and who are blamed for crimes or other sorts of social problems.
The pursuit of folk devils frequently intensifies into a mass movement that is called a moral panic. When a moral panic is in full swing, the folk devils are the subject of loosely organized but pervasive campaigns of hostility through gossip and the spreading of urban legends. The mass media sometimes get in on the act or attempt to create new folk devils in an effort to promote controversy. Sometimes the campaign against the folk devil influences a nation's politics and legislation.


1.
    Die „moralische Panik“, die nach Cohens Modell periodisch in Gesellschaften wie der unseren auftritt, ein kollektives Gefühl der Bedrohtheit, das in Aggression umschlägt, ist nicht ohne die Wirkung der jeweils aktuellen Medien zu sehen. Sie sind vielleicht nicht die Erzeuger, wohl aber die Verstärker dessen, was Cohen die „Abweichungsverstärkungsspirale“ (Deviancy Amplification Spiral) nennt: In einer Gruppe von Menschen, die sich durch eigene Charakteristika identifizieren, werden alle die Elemente übersteigert und rituell beschworen, die sich als bedrohlich oder auch nur „anders“ darstellen. Der Mainstream der Gesellschaft gruppiert sich um die Abwehr des Abweichenden und kommt bemerkenswerterweise – Stanley Cohens Hauptarbeitsgebiet war die Kriminologie – überein, bestimmte Werte und Gebote außer Kraft zu setzen. Im Zustand der moralischen Panik erlaubt sich die Gesellschaft passiv den Verzicht auf Gebote von Solidarität, Nächstenliebe oder Toleranz und aktiv die Hetze, die Abwertung und schließlich die Gewalt. Eine solche moralische Panik kann sich in einer Straße ausbreiten, in der sich etwas „Abweichendes“ oder „Fremdes“ niederlässt; zu einem makrosozialen Ereignis aber kann sie nur durch die mediale Verbreitung werden....
Georg Seeßlen, PEGIDA, AfD und die moralische Panik, GETIDAN 4. Mai 2016
Vgl. auch Suicide CCLXVIII – Deviancy Amplification Spiral und
Suicide CCCXCIII – KITNO (Killing In The Name Of)
Und vgl. auch CRISIS , WHAT CRISIS ? (XVI): Mechanismen der Eskalation - und ihre Bearbeitung im Politikunterricht

2.
Freihandel versus Demokratie – Sind CETA und TTIP mit der Demokratie vereinbar?
Audio von Markus Metz und Georg Seeßlen, GETIDAN 3. Mai 2016

Zündfunk Generator – Bayern 2 (Sendung von Sonntag, 24.04.2016)

Lesen/Hören!!


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Aus der sozialen Überdruckkammer (VII): Aus dem Sumpf des Unbewussten blubbert ...

...wie stinkende schweflige Lava der über viele Jahre
im Zaum gehaltene Antisemitismus wieder hoch. …
Meine Prophezeiung vor Jahrzehnten,
dass die dritte Generation
das Nazitum zurückbringen wird

Imre Kertész

Ein interessanter Essay von Götz Eisenberg:
Zum Verhältnis von Angst und Demokratie


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Abi-Krawalle in Köln: Gnadenlos platter, testosterongesättigter Männlichkeitskult mit christlich-abendländischem Hintergrund - „Von Reife kann man da nicht so ganz sprechen“

http://www.derwesten.de/img/gladbach/crop6549206/1673355295-cImg0273_543-w616-h225/koeln-gladbach-polizei.jpg
    Erneut haben rund 200 angehende Abiturienten in Köln randaliert. Zwei Jugendliche wurden in der Nacht zum Dienstag schwer am Kopf verletzt, als Schüler in rivalisierenden Gruppen aufeinander losgingen, wie ein Polizeisprecher sagte. Ein weiterer Jugendlicher sei leicht verletzt worden. Die Schüler waren am Humboldt-Gymnasium in der Südstadt aneinandergeraten. Nach ersten Erkenntnissen bewarfen sie sich mit Gegenständen, ein Polizeisprecher sprach von Wasserbomben, Farbbeuteln und Eiern. Die Polizei ermittelt wegen Verstößen gegen das Waffengesetz, Körperverletzung und Landfriedensbruch.

    Die Polizei prüft nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch einen Zusammenhang zu einem weiteren Vorfall in der Nacht: Auf einer Straße in Rodenkirchen seien Molotowcocktails gezündet worden. Allerdings sollen weder Menschen noch Gebäude beworfen worden sein. Ein Tatverdächtiger sei festgenommen worden, weitere seien flüchtig.

    Bereits in der Nacht zum Montag hatten mehrere Hundert Abiturienten insgesamt 15 Einsätze der Kölner Polizei ausgelöst und Sachbeschädigungen an sieben Gymnasien verursacht. Laut Polizei waren auch Anzeigen wegen teils gefährlicher Körperverletzung sowie Verstößen gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz geschrieben worden. Man habe Drogen sowie Baseballschläger und eine zur Schlagwaffe umgebaute Fahrradkette beschlagnahmt.
    (Der Tagesspiegel: heute 13:14 Uhr, Köln, vgl auch SPON: "Abi-Krieg" in Köln: Außer Kontrolle)
Bei den Tatverdächtigen soll es sich durchweg um dem Aussehen nach junge Menschen mit deutschem Hintergrund handeln; die Polizei will dazu zur Zeit keine genaueren Angaben machen. Es sind aber auf mehreren Fotos blonde junge Menschen ausgemacht worden. Dass es auch zu sexuellen Übergriffen gekommen ist, kann nicht ausgeschlossen werden. Einige der Tatverdächtigen hatten in sog. sozialen Medien angekündigt, einen gewissen Erich Kästner "ficken" zu wollen (#wirfickendenerich - wir verlinken hier nicht!). Da dort von "Entjungferung" die Rede ist, muss wohl von einer akuten Bedrohungslage ausgegegangen werden!

2016-03-15-17_34_52-wirfickendenerich-Instagram-Fotos-und-Videos

Auch das "Antanzen" soll im Rahmen der den Krawallen vorausgegangenen "Motto-Woche" beobachtet worden sein, wie der Kölner Stadtanzeiger berichtet (Kreatives Abitur Wir suchen das beste Abimotto!)

http://www.ksta.de/image/11858952/max/380/286/a8eadfe386dc8cff011b6051c1ce6a27/Dq/abi-1--1277143260380-.jpg

Reaktionen:
    „Von Reife kann man da nicht so ganz sprechen“, kritisiert Polizeipräsident Jürgen Mathies das Verhalten der Schüler.

    Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verurteilte die Vorfälle als „abscheulich und nicht hinnehmbar“; die offensichtliche Beteiligung von Menschen mit höherem Bildungshintergrund an den Taten dürfe aber „nicht dazu führen, dass nun Abiturienten gleich welcher Herkunft unter einen Generalverdacht gestellt werden“.

    Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sprach von einer „neue[n] Dimension der organisierten Kriminalität“. Gegenüber den Medien erklärte er: „Wenn zweihundert Abiturienten sich zu einer enthemmten Horde zusammen finden und das offenbar so geplant war, dann ist das nicht weniger als ein zeitweiliger Zivilisationsbruch“.

    Die ehemalige Bundesministerin Kristina Schröder (CDU) forderte dazu auf, „gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen in der christlichen Kultur“ zu diskutieren. Man dürfe das Thema „der Gewaltbereitschaft vieler deutscher junger Männer, die das Abitur ablegen wollen, auf keinen Fall totschweigen.“ Auch Julia Klöckner (CDU) forderte eine Debatte über „christlich- abendländische Männlichkeitsnormen“.

    De Maizière sprach sich dafür aus, die Abschiebung straffällig gewordener Abiturienten zu erleichtern und darüber zu reden, die Regel zu ändern, nach der nur eine Haftstrafe von drei Jahren oder mehr sich auf das Abiturzulassungsverfahren auswirke.

    Der Verfassungsrechtler und frühere Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz fordert mehr Prävention und eine Stärkung des Rechtsstaats. Scholz sieht ein wachsendes „Gefahrenpotenzial für die öffentliche Sicherheit“ durch die zunehmende Zahl von Abiturienten.

    Der Philologenverband Niedersachsen kritisierte in diesem Zusammenhang erneut die geplante Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe in Niedersachsen als „leistungsfeindlich“.
Nach: Wikipedia: Sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16. Das erste Photo oben: Zuletzt haben die rheinischen Derbys zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln einen massiven Einsatz der Polizei verursacht. (WAZ 13.04.2012)

So könnte man das hochjazzen. Tut man aber nicht. Sind ja deutsche Abiturienten, die nur spielen wollen.

Dass diese Erscheinungsform enthemmter Gewalt eher runtergespielt wird, kann man der Berichterstattung des Deutschlandfunks entnehmen: pikanterweise in Campus & Karriere wird heute kritisch berichtet - im Hinblick auf das Ausmaß der enthemmten Gewalt und das Versagen der zuständigen Behörden und der Polizei:
Abi-Schlacht in Köln - Polizei ergreift Gegenmaßnahmen [AUDIO]
Eher dummes Zeug redet dort dann die Kulturwissenschaftlerin Katrin Bauer: Abitur-Rituale im Wandel - Interview mit [AUDIO]

Ich bin nicht für Skandalisierung - und vielleicht sind die Abiturienten ja auch nur Opfer der sozialen Übrerdruckkammer, in der es keine sinnvollen Protestformen mehr zu geben scheint - ; mir fiel nur auf,
    - dass die mediale Präsentation der offenbar gewaltbereiten "Abiturienten" auf Inszenierungen sich bezieht, die auch der IS verwendet - ironische Distanz ist nicht erkennbar! - :

    2016-03-15-20_26_53-KKBN-2015-Elite15-RDK-YouTube
    KKBN 2015 - Elite15 RDK : Zum Ende der Mottowoche 2015 bescheren wir euch mit einem kleinen, aber feinen Video, denn KKBN wäre nicht KKBN, wenn es nicht noch ein abschließendes Präsent geben würde. Viel Spaß damit, liebe Freunde, und passt gut auf euch und eure Schulen auf! ;)

    - dass Krawalle medial doch recht unterschiedlich verhandelt werden.

Die GBlogSuche nach »Männlichkeitskult« hat 12 Resultate geliefert.

Es könnte das auch etwas zu tun haben mit der Kompetenzkatastrophe.

Archäologie (CDLXVIII): Tschechows Gewehr

http://2.bp.blogspot.com/-LLWohBffSmw/Vk3adarbunI/AAAAAAAA16Q/9SvSrtcJ2m8/s640/Bad%2BVintage%2BChristmas%2BAds%2B%25281%2529.png

Tschechows Gewehr bezeichnet eine literarische Technik: Ein Element wird in die Geschichte eingeführt, dessen Zweck nicht sofort klar ist, das aber später eine Rolle spielen wird. Der russische Schriftsteller Anton Tschechow sagte dazu: "Man kann kein Gewehr auf die Bühne stellen, wenn niemand die Absicht hat, einen Schuss daraus abzugeben" und "Wenn im ersten Akt ein Gewehr an der Wand hängt, dann wird es im letzten Akt abgefeuert".
... Tschechows Gewehr ist eine sehr nützliche Technik, die es vor allem möglich macht, dass Autoren später in der Geschichte ein Element verwenden können, ohne dass es wie Aus Dem Arsch herbeigezogen wirkt (Deus Ex Culus).

[http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/De/TschechowsGewehr]
Sehr interessante Seite übrigens: Dieses Wiki ist ein Katalog der Werkzeuge für das Verfassen von Fiktion.

Non-Fiction:
- Die Korrelation ist einfach: Der Besitz vieler Feuerwaffen - Pistolen, Revolver, Gewehre - geht mit hohen Todesraten durch deren Gebrauch einher. Wissenschafter der Medizinischen Universität von New York haben jetzt auf der Basis von offiziellen Statistiken 27 entwickelte Staaten verglichen. (derStandard.at 19. September 2013)
- Waffenbesitz in den USA - Wenn Kinder zu Mördern werden
Pro Tag sterben in den USA mehr als 80 Menschen durch den Einsatz von Waffen. Immer wieder geraten diese auch in Kinderhände. Mit tödlichen Folgen. (STERN 02. Mai 2013)

Aus der sozialen Überdruckkammer: They Shoot Horses, Don't They? - Überleben auf der Flucht als Qualifikationsnachweis

Immer wenn ich gegen Abend am Maschsee die jungen und early-middle-aged SelbstoptimiererInnen laufen sehe, muss ich an Sydney Pollacks großartigen Film (von 1969) denken: Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß - They Shoot Horses, Don't They?


von Sydney Pollack, mit Bonnie Bedelia und Bruce Dern

Man schreibt das Jahr 1932. Der Tiefpunkt der Depression in den USA ist erreicht, Amerika hat ein Riesenheer von Arbeitslosen, Resignierten und Verzweifelten. In Los Angeles findet in einem billigen Vergnügungsschuppen ein Tanzmarathon statt – Veranstaltungen für ein sensationslüsternes Publikum, wie sie damals häufig abgehalten wurden. Wochenlang quälen sich die Teilnehmer über den Tanzboden von der Hoffnung auf das Preisgeld von 1 500 Dollar getrieben – zum Schluss mehr tot als lebendig kriechen sie dahin. Wer vor Erschöpfung zusammenbrechen, wird weggeschleppt...

http://4.bp.blogspot.com/_5SMlnCFhaTA/TTmQvr7Fz0I/AAAAAAAARu4/1etzT7PVtXU/s640/photo_05.jpg

Den Film hier zu sehen (They Shoot Horses Dont They) sei empfohlen, weil er auch im akutellen Kontext etwas zu sagen hat.
In Rocky, dem Veranstalter des Marathons, erkennen wir Herrn Ingo Kramer:


Überleben auf der Flucht als Qualifikationsnachweis: "Gelobt sei, was hart macht!"


"Schauen Sie sich die Flüchtlingswege an: wie aufwendig und gefährlich die sind. Dies schafft
nur, wer sein Leben in die Hand nehmen will. So jemand hat doch hervorragende
Voraussetzungen, ... (Ein Junge aus Mali) hat mit seiner Flucht gezeigt, was für einen Willen
er besitzt. Sobald er dann auch noch Deutsch kann, sind das gute Voraussetzungen."


Der das in einem Interview von sich gegeben hat, ist nicht irgendjemand. Weder irgendein
kleiner Handwerksmeister, den seine Verbitterung über "die deutsche Jugend" zu so
mancher Faschisterei verleitet, noch ein aus der Spur gelaufener Pegida-Anhänger, der sein
Ideal von deutschen Tugenden auch schon mal an Nichtdeutschen entdeckt. Es ist der
Arbeitgeberpräsident höchstpersönlich, d.h. der Chef des Verbandes der deutschen
Unternehmer, Ingo Kramer, der in einem SZ-Interview zur Flüchtlingsfrage aus seinem
Arbeitgeberherzen keine Mördergrube gemacht hat. Bemerkenswert? ...
Dieser Unternehmervertreter verrät damit gar nicht nebenbei so Einiges über das Verhältnis
von Wille und Qualifikation, das er sich als Voraussetzung für Beschäftigung in deutschen
Betrieben wünscht. Es ist nicht der Wille zur Arbeit, den er fordert, auch nicht der Wille zur
Arbeit gegen Lohn im Dienste von Kapitaleigentümer bzw. Eigentümergesellschaften.
All das reicht ihm nicht, all das gilt ihm als eine selbstverständliche Voraussetzung in einer quasi
zur Naturnotwendigkeit erhobenen Wirtschaftsweise, in der nur derjenige an Geld
kommt, der sich eigentumslos, wie er ist, bereit erklären muss, sein Arbeitsvermögen ganz in den
Dienst der kapitalistischen Gewinnrechnung zu stellen. Ebenso abstrahiert der Herr Kramer in der
Stellungnahme erst einmal gänzlich von der Ausbildung, von Können und Wissen, also von
fachlicher Qualifikation. Allein die Kenntnis der deutschen Sprache erwähnt er als " gute Voraussetzung";
wobei wohl auch für ihn diese sachliche Ausstattung des Arbeitsvermögens mehrnationales Integrations-
als Arbeitserfordernis ist. Begeistert zeigt sich der BDA-Präsident dagegen von einem Willen, der rücksichtslos
gegen das eigene Leben an seinem Ziel festhält
- dessen nähere Würdigung im Fall dieser Flüchtlinge aus Afrika ihm allerdings völlig fern liegt....

Freerk Huisken - GegenRede 37: Überleben auf der Flucht als Qualifikationsnachweis; magazin-auswege.de – 16.9.2015

Das ist auch eine Gegenrede zu Gaucks Predigt an "uns, die Sorgenden und Besorgten"!

Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

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