Günter Amendt rezensiert im Freitag "I´m not there" (und zeigt dabei auch, was Filmkritik leisten kann/muss .... siehe einen weiter unten!):
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Haynes´ Film wäre wohl schon bald von der Bildfläche verschwunden, hätte er nicht Cate Blanchett als Jude Quinn einen großen Auftritt verschafft, der ihr bereits diverse Preise und eine Oscar-Nominierung eingebracht hat.
Blanchett spielt den hypernervösen, von Amphetaminen getriebenen und vom Starruhm gestressten Dylan der Jahre 1965 und 1966. Die optische, gestische und mimische Ähnlichkeit mit dem Original ist verblüffend. Die Episode ist inszeniert als Remake von D.ÊA. Pennebakers Don´t Look Back unter Einbeziehung von Murray Lerners Newport-Material, das in einer 80-Minuten-Fassung erst vor Kurzem unter dem Titel The Other Side Of The Mirror veröffentlicht wurde. Auch Martin Scorseses No Direction Home wurde als Vorlage benutzt. Doch was soll das? Welchen Sinn macht es, eine bereits inszenierte Realität noch einmal zu inszenieren, wenn am Ende nicht mehr herauskommt als eine Verdoppelung ohne Erkenntnisgewinn und ästhetischen Mehrwert? Die in Schwarzweiß gehaltenen Szenen verlieren schnell ihren Reiz und kippen ins Komische. Auch die Auftritte des Allen-Ginsberg-Doubles und die Szene, in der sich das Albert-Grossman-Double und das Pete-Seeger-Double hinter der Bühne prügeln sind nur komisch. Reines Laientheater. Und je länger man Blanchett bei der Vorführung ihrer Kunstfertigkeit zuschaut, desto mehr beschleicht einen das Gefühl, in eine kinematografische Karaoke-Show geraten zu sein. Es muss ein Film, wie der von Todd Haynes gewesen sein, der Adorno zu dem Aphorismus veranlasst hat: Am Film stören mich nur die Bilder.

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