GBlog&search

 

GBlog&count

GBlog&listen


Joe Hart Beth & Bonamassa
Seesaw (Ltd.Edition)



Dear Reader
Rivonia


The Pretty Things
Balboa Island



Billy Bragg
Tooth & Nail


Aaron Neville
My True Story


Diana Krall
Glad Rag Doll



Bill Fay
Life Is People


Animals As Leaders
Weightless


Stick Men
Open



Utopia
Ra


Spooky Tooth
Spooky Two


Richie Havens
Nobody Left to Crown




Dimitri Schostakowitsch, Mariss Jansons
Sinfonien 1-15


Moondog & the London Saxophoni
Sax Pax for a Sax

GBlog&read


Eva Menasse
Quasikristalle


Robert Menasse
Der Europäische Landbote


Owen Jones
Prolls






Roberto Bolaño
2666


Roberto Bolaño
Das Dritte Reich: Roman


Sibylle Lewitscharoff
Apostoloff: Roman


Tschingis Aitmatow
Ein Tag länger als ein Leben


Tschingis Aitmatow
Der erste Lehrer


Uwe Timm
Rot


Leonardo Padura
Adiós Hemingway


Antonio Skarmeta
Mit brennender Geduld


José Saramago
Der Doppelgänger


Jose Saramago
Die Stadt der Blinden


Edgar Hilsenrath
Nacht: Roman


Rolf Dubs
Lehrerverhalten

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Politik unterrichten

Ein zynischer Alptraum ...: Die Deutsche Bank

Es ist eine 45-minütige Anklageschrift. Ehemalige Mitarbeiter, enttäuschte Kunden, Wirtschaftsprofessoren und Richter erheben in der ZDF-Dokumentation Unheimliche Geschäfte - Die Skandale der Deutschen Bank ihre Stimmen gegen das größte Geldhaus des Landes.
[In der ZDF-Mediathek hier zu sehen.]
In der Tat ist die Liste der Rechtsstreitereien der Bank lang, ZDF-Redakteur Ulrich Stein greift die drei bekanntesten Fälle heraus: Es geht um den schmutzigen Handel mit CO2-Zertifikaten und die Vorwürfe, dass die Bank ihre Bilanz geschönt und ahnungslosen Kunden hochriskante Zinsprodukte angedreht haben soll. Neues haben die ZDF-Redakteure nicht entdeckt, aber sie vermitteln eines sehr klar: Diese Bank ist, so ihre These, nicht mehr die Bank, die sie vor einigen Jahrzehnten einmal war. Sie schert sich nicht mehr viel um ihre Kunden, ihr geht es um den Profit.

- So die Süddeutsche Zeitung, die auch nicht weiß, was die Deutsche Bank "vor einigen Jahrzehnten einmal war":
Eine verbrecherische Organisation, deren Liquidierung die Militärregierung der Vereinigten Staaten für Deutschland empfohlen hat! - Immerhin erstaunlich bei einer Zeitung, die sich als kritisches Leitmedium oder so ähnlich verkauft ...

Vgl. aktuell auch:
Deutsche Bank: Ein Slumlord in den USA? - dw.de
Wenn Banken ihre Versprechen brechen... tp
oder auch Die Deutsche Bank im GBlog
und Kriminelle Hauptgeschäftsstelle - Die roten Schuhe

Bands with weird names: KABUL GOLF CLUB

Fragen Sie mich nicht, wie ich auf diese Band gestoßen bin: It was just the name of the band!
Bands with weird names tend to also find themselves within the roads less traveled upon instrumentally. That statement also holds true for Kabul Golf Club from Limburg, Holland, whose latest EP is a crazed retrospective look at the 90s post-hardcore scene through a chaotic filter. [rockfreaks.net]
Mag sein, dass das PostHardcorePunkNoiseRock ist; interessanter finde ich wie gesagt diesen schwer ironischen Bandnamen. Insofern nun erstmal nicht die Band, sondern ein altes Photo der Familie Karsai:

karzei_klan
    For more than a decade, wads of American dollars packed into suitcases, backpacks and, on occasion, plastic shopping bags have been dropped off every month or so at the offices of Afghanistan’s president — courtesy of the Central Intelligence Agency.
    All told, tens of millions of dollars have flowed from the C.I.A. to the office of President Hamid Karzai, according to current and former advisers to the Afghan leader.
    “We called it ‘ghost money,’ ” said Khalil Roman, who served as Mr. Karzai’s deputy chief of staff from 2002 until 2005. “It came in secret, and it left in secret.”
    NYT April 28, 2013
... die Meldung ist nicht mehr neu und hat auch nichts mit dem Kabul Golf Club zu tun, aber alles zusammen ergibt ein schönes Bild des endgültigen politischen und moralischen Zusammenbruchs einer Politik, die unsere Freiheit am Hindukusch - so seinerzeit der zuständige Minister der rot-grünen Bunzregierung - verteidigen wollte.

Wenn Sie trotzdem mal hinwollen zum Kabul Golf Club, müssen Sie auf der A 1 kurz hinter Kabul rechts abbiegen:

kabul-golf-club

Sie können aber auch die A76 von Kabul nach Mazar-i-Sharif nehmen und dann links abbiegen; - auf jeden Fall sollten Sie diese Musik mitnehmen. Man muss sie nicht mögen, - sie ist auch nicht so virtuos wie die von Animals As Leaders, aber schön zornig:



Oder auch: "5 minutes 2 midnight" - Kabul Golf Club, taken from the EP "le bal du rat mort", produced by Micha Volders & released by Uproar For Veneration records. All images are sampled from the shortmovie Zoopraxiscope from Hieronim Neumann, 2005.

KABUL GOLF CLUB (II) : Le Bal du Rat mort: Drohnendesaster und Fähigkeitslücke für zivilen Aufbau. Oder: Mach mir den Immelmann-Turn!

Die Zulassungsprobleme, die zum Scheitern des Drohnenprojekts Euro Hawk führten, waren der Bundeswehr seit mindestens neun Jahren bekannt. Dies ergaben Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

200px-Immelmann_turn-svgJa, wer war denn vor neun Jahren hier Verteidigungsminister, welcher Regierung gehörte er an und welches Kabinett also hat die Beschaffung der "nicht-tödlichen"* Gurke, die vom Aufklärungsgeschwader 51 "Immelmann" vom Fliegerhorst Jagel betrieben werden sollte, in Gang gebracht?
... Mach mir den Immelmann-Turn** :
Sieht nach Rot-Grün aus!

Jürgen Trittin erläuterte zunächst sein Verständnis von »Militarisierung« und betonte, dass sich die Einstellung zum Militär gewandelt habe. Alte Assoziation ans Kaiserreich seien längst überholt und einer neuen Definition des Militärs gewichen. Die militärische Einbindung in EU und Nato sei Konsens aller Parteien, militärische Operationen würden nur multilateral und in der Regel mit einem Mandat (!!??) durchgeführt. Es ginge für ihn dabei aber vor allem darum, Konflikte zu begrenzen und Nation-Building zu betreiben. Deshalb verwende er den Begriff der »Militarisierung« eher zurückhaltend. Leider sei die Bilanz nach zwanzig Jahren Auslandseinsatz nicht eindeutig. Erfolge auf dem Balkan mündeten heute in die Perspektive einzelner Länder zur Aufnahme in die EU, andererseits sei es in Afghanistan nicht gelungen, geordnete Strukturen herzustellen. Das wertete Trittin aber nicht als militärisches Scheitern, sondern als eine »Fähigkeitslücke« für zivilen Aufbau...
Körber Debate: Militarisierung deutscher Außenpolitik?

Prima Jürgen, nochmal richtig einen draufgesetzt!

Aus diesem Anlass nochmal der Hinweis auf:
Georg Schramm | Bundeswehr in Afghanistan | 13.4.2010
_____________________
* "nicht-tödliche Ausrüstung" nennt man in NATO- bzw. EU-Neusprech das, was man z.B. an die Aufständischen in Syrien liefert.

** Diese Kunstflugfigur besteht aus einem halben Überschlag und einer unmittelbar anschließenden halben Rolle. Der halbe Überschlag wird aus der Horizontalen kommend ansteigend nach oben bis zur Rückenlage geflogen. Mit einer halben Rolle wird dann wieder in die Normalfluglage gerollt. Mit dem Immelmann lässt sich die Flugrichtung schnell und auf engem Raum umkehren und dabei Höhe gewinnen.
... passt doch gut zu "rot-grün", - na gut, wenigstens zu "grün". "Rot" kehrt seit 150 Jahren um und um und um ... und verliert dabei wuchtig an Höhe ...

Blair Witch Project - dem New Labour Tony zum 60.

Ein schönes Beispiel für Hofschranzenjournalismus im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: ein Beitrag des Reichssenders München, der offensichtlich heute Vormittag durch alle angeschlossenenen Rundfunkanstalten unserer Gaue gereicht wurde (gehört bei ndr info):

Tony Blair wird 60 - So schaut Großbritannien auf den Ex-Premier

ding_dongWie Großbritannien schaut, vermag ich dem Beitrag nicht zu entnehmen...
Was mich denn doch noch auf den kürzlichen Todesfall mit dem hübschen Nebeneffekt, dass Ding Dong The Witch Is Dead auf Platz 1 (?) der BBC-Charts kam, zurückkommen lässt, ist - neben dem zugegebenermaßen eher doofen Wortspiel - der (meinetwegen verschwörungstheoretische) Gedanke, dasss die beiden zusammen - eben in ihrem Blair Witch Project - Großbritannien zu dem gemacht haben, was Owen Jones eindringlich schildert:

How to ... Wie man die Arbeiterklasse abwickelt: "Prolls: Die Dämonisierung der Arbeiterklasse"


Die Musik zur Party hier!

Verstehe ich nicht: Hanns Martin Schleyer-Preis 2013

Der Hanns Martin Schleyer-Preis ist eine Auszeichnung für „Verdienste um die Festigung und Förderung der Grundlagen eines freiheitlichen Gemeinwesens“. Die Daimler AG stiftete den Preis 1982 aus Anlass des fünften Todestages von Hanns Martin Schleyer. Verliehen wird der Preis von der Hanns Martin Schleyer-Stiftung. Der Preis ist seit der Verleihung des Jahres 2013 (die die Ehrungen für 2012 und 2013 umfasst) undotiert, zuvor war er mit einem Preisgeld von 12.000 Euro verbunden. (wikipedia)
Hier auch die Hanns Martin Schleyer-Preis Preisträger und ihre Vortragsthemen, wobei auffällt, dass über die am 26. April 2013 zelebrierte Verleihung der Hanns Martin Schleyer-Preise 2012 und 2013 in der Presse doch recht einseitig berichtet wurde. Dass der Preisträger für 2013 ein Herr Maucher von der Firma Nestlé ist, war kaum zu lesen. Vielleicht war das peinlich, weil der sich mal mit dem von ihm geprägten Begriff Wohlstandsmüll (1997 Unwort des Jahres), mit dem er Menschen herabwürdigte, die arbeitsunwillig seien, um die Festigung und Förderung der Grundlagen eines freiheitlichen Gemeinwesens verdient gemacht hat!?
Der andere Preisträger war ein Herr Schmidt - wie ich schon erwähnte: ein aus mir unerfindlichen Gründen hierzulande sehr geschätzter Politiker, um den allerdings medial ein ziemliches Bohei veranstaltet wurde. Vgl z. B. die FAZ: Schmidt erhält Schleyer-Preis - Aussöhnung nach 36 Jahren .

Michael Schilling schreibt in seinem Nachruf voraus - Warum Helmut Schmidt nicht sterben darf:
34b3ae66415a4d5a7f013aba9bcff13e_image_document_large_featured_borderlessDie erste Großtat vollbrachte er 1962, indem er als Innensenator von Hamburg die Wasser der Sturmflut eigenhändig über die Deiche zurück ins Flußbett der Elbe schippte, wobei er einen Kommandoton anstimmte, der seinen Bürgermeister Nevermann fragen ließ: "Aber Helmut, die Hamburgische Verfassung gilt doch noch?" Sie galt nicht mehr. Das zweite Opus magnum war, den gelernten SS-Führer Hanns Martin Schleyer der RAF zu überlassen, nicht, freilich, damit sie nachhole, was das Nürnberger Tribunal versäumt hatte, sondern damit der Staat und sein Staatsmann sich als unbeugsam erwiesen.

Warum also haben die Schleyer- Nachfahren, wo doch Waltrude Schleyer zeit ihres Lebens kein Verständnis für die Härte des Staates hatte, ihm dem Preis rübergereicht? Vermutlich, damit er seinerseits die SS-Akten zumachen und nochmal richtig zu Staatsraison und Vernunft schwurbeln konnte:

Fragezeichen1Ich habe Hanns Martin Schleyer gut gekannt. Ich habe ihn geschätzt;
denn er war ein Mann, der sich um einen fairen sozialen Ausgleich
bemüht hat. Sein Leben bis 1977 spiegelt die deutsche
Nachkriegsgeschichte
...
Heute sind Menschen auf allen Kontinenten von links-extremen und
rechts-extremen Terroristen bedroht
. Aber heute wie damals können die
Regierenden und die Gesetzgebenden ihr Handeln und dessen Folgen
nur dann im eigenen Gewissen verantworten, wenn sie zuvor ihre
Vernunft auf das Äußerste angestrengt haben. ...


Helmut Schmidt - Stand: 15. März 2013 - Rede anläßlich der Verleihung des
Hanns Martin Schleyer-Preises an HS am Freitag, dem 26. April 2013 in Stuttgart

Zeitschriftenschau 5/13: Europa

europa
Eine schöne Zeichnung von Wieslaw Smetek aus dem aktuellen Heft von DIALOG - dem deutsch-polnischen Magazin (ich verwies schon früher), das ich heute im Briefkasten hatte.

Angesichts der aktuell überall aufflackernden nationalen Affekte muss - gegen die fürchterlichen Vereinfacher und widerlichen Nationalisten - die Idee eines nicht Maastricht-Nizza-Lissabon-marktintegrierten, sondern demokratisch legitimierten vereinten Europa verfolgt werden. TINA!!

Kay Sokolowsky über den deutschen Krisen-Chauvinismus: Kein Herz für Deutschland
KONKRET 5/13

Hans-Ulrich Wehler: Die Explosion der Ungleichheit - Ein Problem von Macht und Herrschaft
Blätter 4/13

Interessante Gedanken zu einer postnationalen Demokratie in Europa:

Wolfgang Streeck: Was nun, Europa? - Kapitalismus ohne Demokratie oder Demokratie ohne Kapitalismus
Blätter 4/13
(vgl. auch: CRISIS , WHAT CRISIS ? (LVI): La Fin Du Bal - Das Ende der Nachkriegsdemokratie)

Jürgen Habermas: Demokratie oder Kapitalismus
Blätter 5/13 - noch kein Link verfügbar

Elmar Altvater: Der politische Euro
Blätter 5/13 - noch kein Link verfügbar

Adam Krzemiński: Vaterland unserer Vaterländer?
Das Verhältnis zwischen den Nationalstaaten und der EU muss neu gestaltet werden
Ojczyzna naszych ojczyzn? Relacje między państwami narodowymi a Unią Eurpejską trzeba określić na nowo
Dialog 103/2013

Lesebefehl! - Und wenn es die Texte nicht online gibt, sollten Sie sie sich gedruckt besorgen!

Nachtrag: Wenn Sie nicht mehr so gut lesen, aber besser sehen & hören können:
Sehr anregend: Salongespräch: Wozu Europa? Gast: Robert Menasse. Moderation: Daniel Binswanger
Der österreichische Romancier und Essayist Robert Menasse hat mit "Der europäische Landbote" ein leidenschaftliches und kluges Plädoyer für die EU verfasst. Ein Gespräch mit einem unbeirrbaren Europa-Enthusiasten.

Archäologie CCXLXI b: Hitler-Tagebücher revisited: Jetzt lernen wir bei Rewe, warum wir stolz sein sollen, Deutsche zu sein

Herr Finkeldey (Kritik und Kunst: Alles klebte, schacherte, tauschte) gesteht:

Ich habe es getan!

Ich habe es mir besorgt.

Das neue Penny/Rewe/Nahkauf-Sammelalbum “Unser Deutschland – Eine Liebeserklärung in 180 Stickern”. Mit viel Erröten erstand ichs, im Penny meines Vertrauens. Und stammel seither, wenn mich die nette Kassiererin fragt “Sammeln Sie unsere Sticker?” ein “Ja”. Denn jetzt gilt es: Eifrig sammeln, kleben, schachern, tauschen. Damit es sich schnell füllt.

Und was da nicht alles die Liebe unserer Kinder zu “unserem” Land befeuern soll!
Lesebefehl!

Hektor Brehl auf vice.com hat sich die Bratze noch genauer angesehen und u.a. diese Kommentare auf der Rewe-Facebookseite gefunden:

rewe_facebook

Lesen - staunen - kotzen!

Ich fragte weiter unten: Könnte es sein, dass die oben erwähnten Gedanken über die moralische Legitimation eines neuen Gesamtdeutschland aus den 80ern sich weitgehend durchgesetzt haben bzw. durchgesetzt wurden?
Es sieht ganz so aus!

Da muss ich nochmal Hartmut Finkeldey zitieren, der auch zitiert:
" (Ich) habe (…) nie in meinem Leben irgendein Volk oder Kollektiv 'geliebt', weder das deutsche, noch das französische, noch das amerikanische, noch etwa die Arbeiterklasse oder was es sonst noch so gibt. Ich liebe in der Tat nur meine Freunde und bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig.” (Arendt, Hannah, Brief an Scholem, in: Arendt, Hannah, Ich will verstehen, Selbstauskünfte zu Leben und Werk, herausgegeben von Ursula Ludz, München 1996/97, p. 30-31)

Archäologie CCXLXI: Hitler-Tagebücher revisited - It was thirty years ago these days ...
Archäologie CCXLXI a: Beate Klarsfeld erklärt die Geschichte einer Ohrfeige - It was fourty five years ago these days ...

Archäologie CCXLXI: Hitler-Tagebücher revisited - It was thirty years ago these days ...

Als am 28. April 1983 der stern mit dem ersten Abdruck von Hitler-Tagebüchern erschien, lag die Auflage nicht wie üblich bei 1,8 Millionen Exemplaren, sondern bei 2,2 Millionen ...

Es ist immer wieder schön zu lesen, wie Herr Fülberth die jüngere deutsche Geschichte so verdichten kann, dass Erkenntnis sich einstellt. So kommt er in seiner Darstellung der größten Presse-Blamage in der Geschichte der Bundesrepublik (Posse mit Untergrund - im Freitag) denn auch auf das Wesentliche:
    So weit zur Kriminal- und Possen-Geschichte. Nun zur Politik...

    1983 begann man wieder öffentlich über die Beendigung der europäischen Nachkriegsordnung zu reden. Gegen Ende dieses Jahres wurden die US-Mittelstreckenraketen installiert, wodurch schließlich die Kapitulation der Sowjetunion 1990/91 herbeigeführt worden ist. Wer eine Spürnase hatte und sogar über eine Wiedervereinigung zu spekulieren wagte, musste sich Gedanken über die moralische Legitimation eines neuen Gesamtdeutschland machen. Hierher gehörte auch die Beurteilung der NS-Vergangenheit. Mitte der achtziger Jahre begann in der CDU/CSU eine Diskussion darüber, ob am deutschen Nationalstaat festgehalten werden solle. Ihr Fraktionschef Alfred Dregger erklärte den Krieg der Wehrmacht zum Verteidigungskampf gegen den Kommunismus. 1985 stand Kohl mit Reagan in Bitburg vor Gräbern von US-Soldaten und der Waffen-SS. Ein Jahr später begann der Historikerstreit um Ernst Noltes These, der Archipel Gulag sei „ursprünglicher als Auschwitz“ gewesen.

    Der Stern-Vorstoß von 1983 gehörte insofern zu einem Trend. Soweit der Inhalt von Kujaus Erfindungen bekannt wurde, ist Hitler dort teilweise ent- und seine Umgebung belastet worden. Dass der stern sich blamierte und Nolte nicht durchkam, steht auf einem anderen Blatt. Bundespräsident von Weizsäcker erklärte 1985 – gegen Dregger – den 8. Mai 1945 zum Tag der Befreiung, nicht der Niederlage. Insofern bildeten die damaligen Ereignisse eine Phase in der Mentalitätsgeschichte einer Generation ...

    Nachdem Beate Klarsfeld 1968 das ehemalige NSDAP-Mitglied geohrfeigt hatte, konnte niemand, der öffentlich wirken wollte, zugeben, ebenfalls einmal dieser Partei angehört zu haben. Dabei waren ihr doch sehr viele als 20-Jährige beigetreten. Noch Jüngere waren wenigstens in der Hitlerjugend gewesen und hatten sich an Fahrten und Lagerfeuern begeistert. Ab 1945 öffneten sie sich der Demokratie und spalteten ihre frühen Jahre von sich ab – die gehörten nicht mehr zu ihnen. Aber die eigene Biografie war noch da – und sei es unbewusst. Völlig heraushalten ließ sie sich nicht. Die Stern-Farce rührte an eine Saite, die längst entfernt schien.
Erstaunlich, wie lange die Abspaltung der frühen Jahre zuweilen gehalten hat. Ein hierzulande - aus mir unerfindlichen Gründen - sehr geschätzter Autor hat danach noch ziemlich lange gebraucht, um die Saite in sich zum Klingen zu bringen ... Und bei einem - aus mir unerfindlichen Gründen - hierzulande sehr geschätzten Politiker klingt da immer noch nichts ...

Könnte es sein, dass die oben erwähnten Gedanken über die moralische Legitimation eines neuen Gesamtdeutschland aus den 80ern sich weitgehend durchgesetzt haben bzw. durchgesetzt wurden?

Archäologie CCXLXI a: Beate Klarsfeld erklärt die Geschichte einer Ohrfeige - It was fourty five years ago these days ...

Um Fülberths Argumentation würdigen zu können, ist es hilfreich, der Bedeutung dieser Ohrfeige nachzugehen:



Beate Klarsfeld (* 13. Februar 1939 in Berlin), geboren als Beate Auguste Künzel, ist eine deutsche Journalistin. Bekannt wurde sie durch ihr Engagement bei der Aufklärung und Verfolgung von NS-Verbrechen. Um auf die Vergangenheit des damaligen Bundeskanzlers Kurt Georg Kiesinger (1966 bis 1969) als NSDAP-Mitglied hinzuweisen, initiierte Beate Klarsfeld verschiedene öffentliche Aktionen. So rief sie ihm 1968 im Bonner Bundestag „Nazi, tritt zurück!" zu und wurde abgeführt, aber alsbald freigelassen. Während des CDU-Parteitags in Berlin am 7. November 1968 bestieg sie das Podium, ohrfeigte Kiesinger und rief: „Nazi, Nazi, Nazi!" Sie wurde daraufhin noch an demselben Tag in einem beschleunigten Verfahren zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Ihre Gefängnisstrafe wurde 1969 zu vier Monaten auf Bewährung umgewandelt.

Arschdenk: Der doppelte Bärendienst - oder: Zur Verkommenheit des Wirtschaftsjournalismus

Ein schönes Beispiel für Arschdenk findet sich in meiner LieblingsHAZ vom Wochenende. Herr Ruzic, Wirtschaftsredakteur / Experte für regionale Wirtschaftsthemen, klärt im Wirtschaftsteil (S. 13) auf, warum die "Schlecker-Frauen" nur schwer neue Jobs finden. Dabei bezieht er sich - so sagt er jedenfalls - auf eine aktuelle IAB-Untersuchung, nach der bisher nur rund die Hälfte der Schlecker-Arbeitslosen wieder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden oder sich selbstständig gemacht hat. Dort heißt es:

Qualifizierung sei ein notwendiger wie erfolgversprechender Schritt, um die Schlecker-Arbeitslosen beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen – das betonen die 41 Fach- und Führungskräfte der Arbeitsagenturen, die im Rahmen einer qualitativen Studie vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) befragt wurden. Wegen der hohen Zahl an ungelernten Kräften sowie der veralteten technischen Ausstattung bei Schlecker, beispielsweise der Kassen- und EDV-Systeme, seien Qualifizierungsmaßnahmen zentrale Elemente im Vermittlungsprozess.

Weiter heißt es dann in der Presserklärung des IAB:
Die IAB-Befragung hat jedoch auch ergeben, dass von den Fach- und Führungskräften der Arbeitsagenturen Qualifizierung allein nicht als hinreichend bewertet wird. Gerade bei den Schlecker-Arbeitslosen sei die Konzessionsbereitschaft ein entscheidender Faktor. Die Bereitschaft, Einschnitte bei der Wiederaufnahme der Beschäftigung hinzunehmen, sei im Falle der Schlecker-Arbeitslosen von besonderer Bedeutung, da die von der Firma Schlecker gezahlten Löhne im Vergleich zu ähnlichen Tätigkeiten vergleichsweise hoch ausfielen ...
Die Fachkräfte der Arbeitsagenturen hätten sich damit gerade in den ersten Monaten nach der Schlecker-Insolvenz in einem Handlungsdilemma befunden, erklären die Arbeitsmarktforscher: Einerseits waren sie gehalten, die Schlecker-Arbeitslosen möglichst umgehend in den Arbeitsmarkt zu integrieren, auch um die Entstehung von Langzeitarbeitslosigkeit zu verhindern. Andererseits hätten nicht wenige der verfügbaren Arbeitsstellen für die Schlecker-Arbeitslosen einen erheblichen und damit teilweise rechtlich nicht zumutbaren finanziellen Abstieg bedeutet.


Was die IAB-Forscher als Handlungsdilemma der Fachkräfte der Arbeitsagenturen beschreiben, wird dem Ruzic zum mahnenden Beispiel für die Schädlichkeit einer Tarifeinigung mit der dem Anton " einst verhassten Gewerkschaft ver.di":
Plötzlich war der als Lohndrücker bekannte Konzern bereit, seine Mannschaft deutlich über dem Niveau des Flächentarifs zu bezahlen. Die Beschäftigten freute es, die Talfahrt des damals schon kränkelnden Riesen beschleunigte das Ganze noch. Am Ende stand eine der größten Pleiten der deutschen Nachkriegsgeschichte ... ... und "die schlechte Einmündungsquote" ist bei ihm die Folge der zuletzt so hohen der Löhne der "Schlecker-Frauen". Die veralteten Kassen- und EDV-Systeme, also das Qualifikationsproblem, das das IAB als zentral im Vermittlungsprozess beschreibt, erwähnt Ruzic nur kurz gegen Ende seines "Artikels", so dass die Moral dann so ausfallen kann:
Der Konzern hat dem Arbeitsmarkt also schlecht ausgebildete, relativ hoch bezahlte Beschäftigte überlassen – und ihnen damit einen doppelten Bärendienst erwiesen.
[20.04.2013 / HAZ Seite 13 Ressort: WIRT]

Wohlgemerkt: Ihnen - nicht dem Arbeitsmarkt ...!
Die Logik der Unmoral ist bestechend: Nicht mit der Gewerkschaft höhere Löhne durchsetzen, denn sonst wird's nach der Pleite nichts mit der Anschlussverwendung! Immer an die Zumutbarkeitsregelungen denken und mit dem Lohn hübsch drunter bleiben! Sonst Bärendienst!!
Oder - an die Adresse des anderen Sozialpartners -: Wer Beschäftigten relativ hohe Löhne zahlt, geht 1. selbst daran zu grunde und schadet 2. den Beschäftigten nur!
Oder auch: Nicht der Arbeitsmarkt hat ein Problem, sondern Sie haben eins!

Gustave Dore L'Ours Et L'Amateur Des Jardins La Fontaines Fabel L'ours et l'amateur des jardins (dt. Der Bär und der Gartenfreund) endet mit der Moral:

Rien n'est si dangereux qu'un ignorant ami
Mieux vaudroit un sage ennemi.

Nichts bringt so viel Gefahr uns als ein dummer Freund;
weit besser ist ein kluger Feind.


Wes dummer Freund der Ruzic ist, vermag ich nicht zu sagen;
- es könnt der Rösler sein:
„Jetzt gilt es für die Beschäftigten - mehr als 10.000 vornehmlich Frauen, einzelne Mütter und ältere Frauen - schnellstmöglich eine Anschlussverwendung selber zu finden.”

Wes dummer Feind der Ruzic ist,
liegt auf der Hand.

Zu Bärendienst fällt mir noch der Witz vom Jäger und dem Bären ein; - hier eine zweitklassige Fassung aus der Harald Schmidt Show. Baerenwitz_Schulz

Am besten wird der Witz erzählt von Karin in Frank Schulz' meisterhaftem Roman Das Ouzo-Orakel (S. 228 f.)

Zusammengefasst lautet also Ruzics Moral:
Besser sich vom Bären ficken lassen als nach der möglichen Pleite der Bär e.K. lange auf Anschlussverwendung zu warten.

__________________________
Dazu passt:
tp: Armut und Reichtum in deutschen Medien
Nach der Studie (Hans Jürgen Arlt und Wolfgang Storz : Portionierte Armut, Blackbox Reichtum) über die Berichterstattung großer deutscher Zeitungen findet eine kritische Auseinandersetzung mit der Macht großer Privatvermögen nicht statt ...

Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

Haftungsausschluss

The music featured on this blog is, of course, for evaluation and promotion purposes only. If you like what you hear then go out and try and buy the original recordings or go to a concert... or give money to a down on his luck musician, or sponsor a good busker, it may be the start of something beautiful. If your music is on this blog and you wish it removed, tell us and it shall be removed.

Aktuelle Beiträge

Ein zynischer Alptraum...
Es ist eine 45-minütige Anklageschrift. Ehemalige...
gebattmer - 2013/05/21 23:19
KABUL GOLF CLUB (II)...
Die Zulassungsprobleme, die zum Scheitern des Drohnenprojekts...
gebattmer - 2013/05/21 22:33
Das schönste Orgel-Intro...
Ray Manzarek, a founding member of the 1960s rock group...
gebattmer - 2013/05/21 22:27
Forms & Feelings...
Alexandre Forte is a Portuguese street artist, currently...
gebattmer - 2013/05/21 18:45
»Quasikristalle«...
Ganz wunderbar: gestern Abend im Literarischen Salon...
gebattmer - 2013/05/20 23:36
Bands with weird names:...
Fragen Sie mich nicht, wie ich auf diese Band gestoßen...
gebattmer - 2013/05/20 22:34
Einfach schön: Maß...
Paolo Conte - Max [Live Arena di Verona - 2005] Milonga...
gebattmer - 2013/05/18 00:07
He runs away and plays...
She shakes her head and says That her last word is...
gebattmer - 2013/05/18 00:01
Fast so gut wie die Pretty...
... nur die Halle war größer: The Rolling...
gebattmer - 2013/05/17 18:12
Die Ästhetik des...
Es zählt ohne Frage zu den wichtigsten Büchern...
gebattmer - 2013/05/17 17:52
Zeitschriftenschau 5/13:...
Eine schöne Zeichnung von Wieslaw Smetek aus...
gebattmer - 2013/05/17 17:36
Nietzsche’s Marginal...
How did the conservative ideas of Friedrich Hayek and...
gebattmer - 2013/05/16 16:36
Forms & Feelings...
Georg Seeßlen notiert am 29. April unter Kleinigkeiten...
gebattmer - 2013/05/15 21:17
Forms & Feelings...
Seit dem 6. Dezember - das kann ich genau sagen - stand...
gebattmer - 2013/05/15 20:28
Forms & Feelings...
Metamorphosis II Eine Muschel und ein Stein - gesehen...
gebattmer - 2013/05/14 23:26
Nachtrag zu: Mit 900...
Letzteres ist nicht etwa eine pubertäre Jackass-Aufgabe,...
gebattmer - 2013/05/12 23:59
Archäologie CCXLXII:...
Tony Slavin Hair Stylist, Liverpool 1957; via Abbey...
gebattmer - 2013/05/12 14:04
Verstehe ich nicht: Hanns...
Der Hanns Martin Schleyer-Preis ist eine Auszeichnung...
gebattmer - 2013/05/07 20:31
MittwochsTipp: Iggy &...
No one thought this would ever happen again. Iggy...
gebattmer - 2013/05/07 17:30
Also ...
Ich kann Deine Einschätzung, dass Helmut Schmidt...
Riffmaster (Gast) - 2013/05/06 22:46

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this topic

twoday.net AGB


Aesthetik
Archäologie
Aus der sozialen Überdruckkammer
Bildung
Kritische Psychologie
Lernen
Literatur unterrichten
Medial
Musik
Musikarchiv
Politik unterrichten
Trash
Unterrichten
Welterklaerung
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren