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Welterklaerung

Vermessung der Utopie

Nachdem ich kürzlich den FREITAG öffentlich (also jedenfalls Freitag-Community-öffentlich) gekündigt habe, worauf der Verleger selbst sich meldete (wen es interessiert: hier), bin ich nun doch wieder dankbar für den Hinweis auf Elmar Altvaters und Raul Zeliks Schrift und Debattenseite: Vermessung der Utopie - Mythen des Kapitalismus und die kommende Gesellschaft:

Wir – Elmar Altvater und Raul Zelik – möchten mit unserem Gesprächsbuch >Vermessung der Utopie< (Blumenbar-Verlag – als PDF-Download hier auf der Seite) einen Diskussionsanstoß geben. Der Staatssozialismus ist gescheitert, aber auch der real existierende Kapitalismus steuert zielstrebig auf seinen Zusammenbruch zu.

Höchste Zeit also, über eine Gesellschaft nach dem Kapitalismus zu sprechen. Dabei geht es nicht um phantastische Wolkenkuckucksheime, sondern um >konkrete Utopien<, also um politische Initiativen, die eine andere Gesellschaft möglich machen, aber in der Realität von heute angesiedelt sind....

Als Diskussionsgrundlage stehen hier auf der Seite 10 Thesen aus dem Buch zur Debatte.
  • »Als Historiker weiß ich, dass es keine Dauerlösungen gibt. Auch der Kapitalismus, egal, wie zäh er ist und wie sehr er auch in den Köpfen der Menschen als etwas Unabänderliches erscheint, er wird verschwinden, früher oder später.« Eric Hobsbawm, 2009
The proof of the pudding ...

Moral Education II

getimg-phpDie Deutsche Bank stößt mit ihrem Rückkaufangebot für zwei Lebensversicherungsfonds auf heftigen Widerstand. Eine Gruppe von Anlegern wirft dem Institut vor, für die Fonds von vornherein ein ungeeignetes Portfolio an Lebenspolicen gekauft zu haben - und die Probleme jetzt verschleiern zu wollen. Die Bank weist die Vorwürfe zurück, ihre Argumente stoßen bei Experten aber auf Unverständnis.
Stein des Anstoßes ist das Angebot der Deutschen Bank, Investoren bis 27. November die Anteile an den Fonds Kompass Life 1 und 2 zu 80 Prozent des ursprünglichen Anlagebetrags zurückzukaufen. In diese Beteiligungsmodelle haben Tausende Anleger vor vier Jahren 535 Mio. Euro gesteckt - und die Deutsche Bank zum Marktführer für Lebensversicherungsfonds gemacht.
Mit den Deutsche-Bank-Produkten beteiligten sich Anleger nicht direkt an US-Lebenspolicen. Vielmehr kauften sie Yen-Anleihen, deren Performance sie über Verträge mit der Londoner Niederlassung der Bank gegen die Entwicklung eines Policenportfolios tauschten. ..

(FTD 02.11.2009)
Die Fonds kaufen US-Bürgern deren Lebensversicherungen ab und zahlen weiter die monatlichen Raten. Stirbt der ursprüngliche Polizze-Nehmer, geht die Auszahlungssumme an die Fonds, so das Kalkül. Problematisch nur, wenn die Lebensversicherten nicht so schnell sterben, wie von den Finanzstrategen kalkuliert...
Die schlechte Performance der Fonds wurde kürzlich mit der steigenden Lebenserwartung der Amerikaner begründet, wegen der "weniger Polizzen fällig geworden sind als erwartet". Die Sterbetafeln, auf deren Basis die Banker ihre Fonds auslegen, seien geändert worden.

( DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.11.2009)




Wenn ich das richtig verstehe, kaufen die Fonds Menschen, die die Beiträge nicht mehr bezahlen können, die Policen ab und zahlen die Beiträge weiter, - in Erwartung der fälligen Lebensversicherungssumme. Das ist im Kapitalismus offenbar nicht verwerflich und also ein klarer Deal. Dass die DB das dann weitervertickt und über Yen-Anleihen aufhübscht, damit es nicht so aussieht, als warteten die Anleger gierig auf ein Massensterben der Alt-Eigentümer der Policen, ist unter herrschenden Umständen und für solcherart anlegende FDP-Wähler eine Geschmacksfrage. Dass die dann klagen gegen die DB, weil die Alteigentümer nicht rechtzeitig sterben, ist wohl doch moralisch zu bewerten, denn - wenn ich das richtig verstanden habe - haben sie doch Yen-Anleihen gekauft:
Kohlberg: Moralstufe 1.
Kohlberg_moral_stages_vop
Moral Education I

Aufklärung, nicht Arroganz

Herr K. gestern bei seiner Verabschiedung:
"Wo ich bin, kann es kein Einverständnis geben. Das ist Aufklärung, nicht Arroganz."

Notiz: Liminalität

Herr Rau berichtet, dass er die liminale Phase der letzten Schulwochen mag:
Liminale Phase: Schwellenzustand, in dem sich Individuen oder Gruppen befinden, nachdem sie sich rituell von der herrschenden Sozialordnung gelöst haben. (Wikipedia)

Ich mag liminale Phasen auch, aber ich beobachte auch, dass Liminalität nicht nur ein Phänomen der letzten Schulwochen ist!
Es lohnte, das Konzept zur Interpretation von Desintegrationsprozessen (nicht nur) in der Schule fruchtbar zu machen.

Weiter zu verfolgen ....

Kleinsamkeit


Der Schriftsteller Peter Glaser (der seinerzeit - 2002 - in Klagenfurt mit dem wunderbaren Text "Geschichte von Nichts" reüssierte, in dem sich so gr0ßartige Sätze finden wie dieser: "Das Universum ist wie Liz Taylor.") rezensiert in Technology Review regelmäßig zweifelhafte Produkte. Im jüngsten Verriss finden sich kluge Anmerkungen zum ökonomischen Sinn des Individualiserungswahns:

Heute gibt es den Bihänder unter den Verrissen: zwei Produkte – ein und derselbe falsche Gedanke.

My Room II
von Yamaha sieht auf den ersten Blick aus wie Werkzeughüttchen
für den Garten, ist allerdings für das Wohnzimmer gedacht und
auch da nicht für Werkzeug: der holzverkleidete Würfel mit
zwei Metern Seitenlänge kostet 700.000 Yen (etwa 5.300 Euro),
verfügt über eine eigene Klimaanlage, ist fensterlos und hat
aber immerhin einen schmalen Glasstreifen in der Tür. Laut
Hersteller eignet sich das Mikrozimmer, das man in seinen eigentlichen
Wohnraum stellen kann, ideal für Dinge, die man im großen
Zimmer nicht tun würde – etwa Karaokesingen, studieren, laut
fernsehen und so weiter. Mich erinnert das ganze eher an einen
Grabkammernsimulator, bestenfalls an eine Trainingseinrichtung für
jemanden, der vorhat, sein Leben in den Legebatterien von
Großraumbüros zu verbringen. Auch wenn in japanischen
Ballungsräumen, vor allem im Großraum Tokio, Wohnraum extrem
knapp beziehungsweise teuer ist, bin ich sicher, dass das Geld besser
angelegt wäre, wenn man sich damit ein paar Rendezvous oder
Verabredungen mit potenziellen Freunden gönnt, die einem
später sein kleines Wohnzimmer lebenswerter machen können
(oder man lädt seine Nachbarn ein, die sich dann bestimmt nur noch
zurückhaltend beschweren, wenn man wieder einen
Elvis-Nachsing-Koller kriegt).

Das deutsche Pendant dieser Art von Innenarchitektur für Klaustrophobie-Aficionados ist das Inhouse-Zelt Piilo des Industriedesigners Markus Michalsky,
das als "private, insgeheime Rückzugsmöglichkeit" gedacht
ist. Der futuristische, faltbare Jalousie-Kokon soll "Gefühle der
Zugehörigkeit und Sinnlichkeit" hervorrufen. In sowas
reinzukriechen, wird aber eher an jene Gefühle anknüpfen, die
einen als Kind anwandelten, nachdem man sich ein Zelt aus Decken gebaut
hatte – nach kürzester Zeit wurde man darin von Langeweile
und der drängenden Frage "Und was jetzt?" überfallen.

Die fortschreitende Individualisierung, von der der Nachkriegszeit
an vor allem aus wirtschaftlichen Interessen betrieben, schuf immer
kleinere gesellschaftliche Einheiten. Aus der Großfamilie
schnürten sich Kleinfamilien ab, die ihr eigenes Haus und Auto und
Zeug besitzen wollten. Danach der einzellebende Mensch, ob in einem
Wohngemeinschaftszimmer oder als waschechter Single, dem man neuerlich
jeweils eine Haushaltsgrundausstattung undsoweiter verkaufen konnte.
Danach wurde es schwierig. Wie kann man das Individuum weiter
atomisieren, um ihm wieder neue Dinge anzubieten? Zwar konnte man dem
linken Arm nicht etwas anderes verkaufen wie dem rechten, aber man mit
verschiedenen Identifikationsmustern funktionierte es. So ließen
sich aus einem konsumierenden Subjekt virtuell mehrere machen –
was zudem nicht mehr als Verkleinerung der Gemeinschaftlichkeit
empfunden wurde.

Es gibt durchaus Vereinzelungsbedürfnisse, die man mit einer
gewissen Toleranz für andere Kulturformen als zwar sonderbare,
aber pragmatische Lösungen ansehen kann, etwa die Ein-Personen-Sauna für prüde Amerikaner oder verschämte Briten, öffentliche Glaskäfige für Raucher oder für notorisch nichtöffentliche Menschen wie etwa Geheimdienstler etwas wie den extrem abhörsicheren WhisperRoom.

Andere Verkleinerungsformen stießen an biologische Grenzen.
Mit der seit den siebziger Jahren rapide zunehmenden Miniaturisierung
wurde ein übermütiger Konstrukteursgeist geweckt, der
Armbanduhren mit eingebauten Superwinztastaturen hervorbrachte –
die sich allerdings von keinem Finger mehr bedienen ließen, weil
sie einfach zu klein waren. In einem jahrzehntelangen Hinundher wurden
Gebrauchsgegenstände oder ihre Bedienelemente kleiner (downsizing)
und wieder größer (rightsizing), während der
menschliche Körper sich als Maß aller Dinge
verhältnismäßig veränderungsresistent zeigte
(außer durch veränderte Konfektionsgrößen infolge
kollektiver Überernährung).

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Hart an der Grenze zum Zynismus sind Kunstprojekte wie das von Michael Rakowitz mit dem Namen ParaSITE,
im Zuge dessen er aufblasbare Großstadt-Biwaks für
Obdachlose entwickelt. Die ParaSITE-Zelte nutzen die Abwärme von
Gebäuden, um sich aufzublasen und die Wärme zu speichern. Die
Verkleinerungstendenz beim persönlichen Lebensraum
stößt schnell auf konservative Barrieren. Freiwillig
einpferchen lässt sich der wie alle Lebewesen äußerst
auf sein Revier bedachte Mensch nur zeitweise (Dusche, Toilette), bei
spezieller Veranlagung auch etwas länger (U-Boot-Matrose,
Kampfjägerpilot, Astronaut) oder wenn ihm besonderes
Vergnügen verheißen wird (Samadhi-Tank).

Den schaurigen Kern von My Room II und des Piilo-Kokons legte der australische Künstler Adam Norton frei. Seine Generic Escape Capsule
ist ein modifizierter Kleiderschrank, in dem ein Mensch nur noch auf
eine Weise existieren kann, die, wenn sie einem Kriegsgefangenen
zugemutet würde, die Vereinten Nationen in Gang setzen würde.





Neumensch und Bedürfnisaufschieber

Unter diesem Titel weist chefarztfraulicher:beobachter - das journal für asymmetrische polemik auf ein schönes Beispiel für das Geschwurbel hin, das die Krise da hervorbringt, wo nicht gedacht werden kann oder darf:


Matthias Matussek im SpOn, das ist nicht bloß irgendeine Chance in der Krise, das ist die Gelegenheit - zu einem Vergnügen der anderen Art:

Die Lebensmaximen des Spätkapitalismus seien jetzt umzuprägen. Bedürfnisaufschub, Disziplin, Dienst und Pflicht - Matussek legiert ein bleigraues Amalgam aus protestantischer Arbeitsethik und katholischer Krypto-Masturbation. Unter Rekurs auf Peter Sloterdijk*, Ralf Dahrendorf und Wolfram Weimer poliert er reaktionäres Altmetall zu postmodernem Glanz, um sodann daraus die Matrize für den allerneusten Menschen, den ÜBERBÜRGER, zu schlagen. Ach, lest den Mist doch selbst.





In der Tat: Eine Wortkotze ohnegleichen, syntaktisch hemmungslos und mit schwach verankerten Sinngeländern:
Die überreife Kultur der Ironie, so Weimer (schreibt Matussek), bringt sich selbst ins Wanken - wenn Schulden nur als virtuelle Größe wahrgenommen werden, dann holt die Wirklichkeit diese Gesellschaften ein. Doch auch Weimer begreift die Rezession als Chance: "Wir wären ansonsten in unseren Wohlstandslounges bei Chillout-Musik eingeschlafen." In einem Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der "Brisanzkrise" empfiehlt Weimer einen "geistigen Instrumentenkasten", einen "Risikoschirm der Haltung, um unsere weltanschaulichen Einlagen abzusichern".
Schon klar: Wes weltanschauliche Einlagen strukturierten junk swaps gleichen, der schläft schon mal in der Lounge ein und hält das Wir der Anwesenden für den ideellen Gesamtburger dieser Gesellschaften und kann dann auch nicht anders, als in den Schirm-Metaphern der Bundesregierung weiterzudenken, sollte er noch mal wieder aufwachen. Ich war schon skeptisch, als die Konstruktivisten von einer umbrella theory zu reden begannen ... Das Fenster zu dem, was sie als Realität wahrnehmen, wird immer kleiner:
Der Mensch wird zum Übenden, und als Übender ist er ein Spezialist der Askese. Wir lebten in einer Situation, so Sloterdijk, in der die Siege des Eigenen nur mit der Niederlage des Fremden zu bezahlen waren. In ihr herrschten die Egoismen von Nationen und Unternehmen. Doch nun habe die Weltgesellschaft den "Limes" erreicht.
Limes? Erreicht? Der Mensch als Spezialist der Askese? ... siehe unten: Demon Alcohol!


Update:
So ähnlich: Villenviertel-Jan und Gutmenschen-Kai
Rudolf Stumberger 12.06.2009
Die neue Wahlverwandtschaft: Wo sich Spiegel und Bildzeitung geistig umarmen

Sloterdijk-Update hier

Bob Dylan: The Rolling Stones, Nazis and the difference between actors and singers


In a Telegraph online exclusive, Bob Dylan reveals what he thinks about The Rolling Stones, Nazis and the difference between actors and singers.

 
Bob Dylan interview
Dylan: 'Those fifties and sixties records were definitely important. That might have been the last great age of real music'


Hilfreich:
Anyway, if you don’t want to truck all over the web to read it or suffer through the ridiculous Flash™ nightmare that is BobDylan.com these days here’s a PDF I made of the six parts as one. (via http://croz.fm/)

Eine gute Rezension des Konzerts vom 31.03. in Hannover bei rockszene.de
So war es. Nichts hinzuzufügen, auch nicht von einem, der His Bobness zum erstan Mal gesehen hat. Vielleicht noch dies: Meine Tochter (19) war enttäuscht, dass er nicht zB The Times They Are A-Changin' zur Gitarre gesungen hat ...

Bob Dylan’s “Theme Time Radio Hour”

This is the last show (Goodbye) of season 3. It is uncertain if TTR will continue after this Goodbye Show (which was show # 100). But there are rumours that there maybe will a season 4 starting fall 2009.

Before and After III - Oder: Wishful Thinking

Aus Tom Sutpens Serie:
mariannebefore

marianneafter-1

In den unterschiedlichen Blicken in die Welt wird deutlich, dass wir nicht wissen können, welche Not-wendigen Ent-Täuschungen uns bevorstehen, und dass wir den nicht ent-täuschten Blick nicht zurückgewinnen können. Wer letzteres versucht wird blöd oder zur lächerlichen Figur.
(Vielleicht unterscheidet das Marianne Faithfull von Mick Jagger, aber das ist eigentlich auch wumpe ...)
... Das Produktive der Ent-Täuschung ....


Ein sehr schönes Video zu Wilco's sehr schönem Song "Wishful Thinking"
Vgl. Before and After I
und Before and After II

An einem Tag wie diesem ...

bier-her
... ist man in Hannover traurig und enttäuscht, dass ein belgisch-brasilianischer Großkonzern, der sein Geld mit Bier verdient, seine Plörre nicht mehr vor Ort herstellen will oder gar hannoversche Traditionsmarken, die gern auch lokal identitätsbildend wirkten, wie man jetzt festgestellt hat, ganz plattmachen will, und dass Großkonzerne Arbeitsplätze abbauen.

Inbev hat auch ein Leitbild undBernd Haase erinnert an die Vorgeschichte: Im November 2002 beginnt es in Hannover rund um die Gilde zu schäumen. Anfang des Monats sickert durch, dass der frühere Gilde-Vorstand Gerd Nienaber und der ehemalige Aufsichtsratschef Steffen Lorenz seit Sommer hinter den Kulissen den Verkauf des ältesten Unternehmens der Stadt Hannover eingefädelt hatten. Als die Pläne ruchbar werden, buhlen bereits vier Braukonzerne um die Gilde. Vor allem die Wernigeröder Premiummarke Hasseröder, die den Hannoveranern gehört, ist begehrt. Die Aktien der Gilde-Mutter Brauergilde sind breit gestreut und zu mehr als 80 Prozent in Privatbesitz. Einige davon sind seit dem Mittelalter vererbt worden. Die Stadt selbst ist mit zehn Prozent größter Anteilseigner, aber auch Land und Landeskirchenamt besitzen Scheine. Die Verwaltung mit Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg und seinem späteren Nachfolger Stephan Weil an der Spitze stemmt sich aus Sorge um den Standort und die Jobs umgehend gegen den drohenden Gilde-Verkauf, auch die 400 Mitarbeiter in Hannover gehen auf die Barrikaden. Der damalige Ministerpräsident Sigmar Gabriel spricht von einem miesen Spiel. Mit dem Widerstand von dieser Seite haben Lorenz und Nienaber wohl gerechnet. Sie organisieren deshalb die für den Verkauf notwendige Mehrheit bei den Kleinaktionären. „Es sind damals Mondpreise geboten worden“, sagt Weil rückblickend. Ein Anteilsschein ist am Ende 235 000 Euro wert, angesichts dieser Summe wollen genügend Teilhaber Kasse machen. Bei einer turbulenten Hauptversammlung im Hannover Congress Centrums bereiten sie mit einer Satzungsänderung den Weg für den Einstieg eines Investors. Wütende Gilde-Mitarbeiter vor dem Saal sprechen von „hannoverschen Pfeffersäcken“ und meinen das als Schimpfwort. Den Zuschlag erhält für rund 500 Millionen Euro die belgische Interbrew, die später in der heutigen Inbev aufging. Die Stadt verbucht einen Verkaufserlös von 52 Millionen Euro; außerdem handelt man den Belgiern ein paar Zusagen zu Standort und Arbeitsplätzen ab. Was die langfristig wert sein sollten, offenbart sich spätestens Ende 2004. Die neuen Besitzer ziehen das Management aus Hannover ab, streichen in der Folgezeit Arbeitsplätze, schränken den Vertrieb ein und reduzieren ihr Sponsoring. „Die Gilde“, sagt der frühere Betriebsratschef Werner Brünig, „ist verraten und verkauft worden.“
31.01.2009 / HAZ Seite 19 Ressort: HANN (Das Ressort Hann hier sehr kritisch; man müsste mal im Archiv nachsehen, ob nicht damals im Wirtschaftsteil begrüßt wurde, dass ein Investor ...., Global Player bla .... - ich würde fast meine Mütze drauf verwetten!)

ONKEL TEDDY UND SEINE ROCKING BOYS, Bier her, 1961







... muss man feststellen:

Briten schlecht gebildet
Mehr als die Hälfte der Engländer kann trotz Milliardeninvestitionen in die Bildung nicht richtig lesen und schreiben, drei Viertel können nicht richtig rechnen. Das sind die Ergebnisse eines Parlamentsberichts, der jetzt in London vorgestellt wurde. England habe „eine inakzeptabel hohe Anzahl an Menschen mit Lese-, Schreib- und Rechenschwächen“. dpa
30.01.2009 / HAZ Seite 2 Ressort: POLI

Wahrscheinlich ist deren Bildungssystem nicht von Bertelsmann getuned wie das niedersächsische, dessen Sprecher (also der des Kultusministeriums) gut rechnen kann:
„Wenn jeder der 10 000 Lehrer nur eine Stunde mehr arbeitet, haben wir 10 000 Stunden mehr“, rechnete Krischat vor. 30.01.2009 / HAZ Seite 5 Ressort: NIED

Dabei hatte der Brite doch schon früh Kontakt aufgenommen mit Bertelsmann:
Man höre:


Chris Howland: Mit freundlichen Grüßen überreicht von Chris Howland

bertelsmann-back

Die Musik stammt von zwei wunderbaren Blogs:
Berlin Beatet Bestes
Ostberlin Beatet Besseres

CRISIS , WHAT CRISIS ?

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An diesem Wochenende im Feuilleton der sz: Im Auszug aus einem Seminar, das er in München gab, blickt der marxistische Urbanist Mike Davis ("City of Quartz") alles andere als hoffnungsvoll auf die Zukunft unserer Städte in Zeiten der sich verschärfenden Klimakatastrophe. Alex Rühle ist nach Island gefahren, um die wie eine Naturgewalt über die Insel kommende Finanzkrise mit eigenen Augen zu sehen.
Sehr empfehlenswerte Texte!!

Im Übrigen: Statt von "Naturgewalt" und "Finanzkrise" sollte man von einem groß angelegten Menschenexperiment sprechen: An 300 000 Isländern ein weiteres Mal einen radikal neoliberal entfesselten Kapitalismus testen. Das kurz zuvor im Irak begonnene Experiment war zu dem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen, aber bereits grotesk gescheitert. Es läuft immer noch ...
Lesenswert dazu <a href="Klein-Bagdad-Null (pdf, 107 KB)">Naomi Kleins Irakreportage "Bagdad im Jahr Null" von 2004, - Auszug:
... gemäß der Überzeugung, dass Privatfirmen praktisch jede Aufgabe besser lösen können als Regierungen, beschloss das Weiße Haus die Privatisierung der Aufgabe, die staatsdominierte irakische Wirtschaft zu privatisieren. Zwei Monate vor Kriegsbeginn machte sich USAID1 an den Entwurf des Arbeitsauftrags für eine Privatfirma, die den „Übergang zu einem nachhaltig marktgesteuerten Wirtschaftssystem“ im Irak anleiten sollte. Das Dokument konstatiert, die beauftragte Firma (der KPMG2-Ableger Bearing Point, wie sich herausstellte) werde „die einzigartige Gelegenheit für schnelle Fortschritte auf diesem Gebiet, welche die gegenwärtige Konstellation der politischen Umstände bietet, angemessen nutzen“. Genau das geschah.
L. Paul Bremer, der vom 2. Mai 2003 an der US-Besatzung im Irak vorstand, bis er am 28. Juni 2004 den ersten Morgenflug aus Bagdad erwischte und verschwand, räumt ein: „Bagdad stand buchstäblich in Flammen, als ich vom Flughafen kam.“ Aber noch bevor wenigstens die Brände gelöscht waren, die die „shock and awe“-Angriffe hinterlassen hatten, setzte Bremer seine Schocktherapie in Gang. In einem einzigen heißen Sommer drückte er mehr schmerzhafte Veränderungen durch als der Internationale Währungsfonds in Lateinamerika während dreier Jahrzehnte. Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger und früherer Chefökonom der Weltbank, nannte Bremers Reformen eine „noch radikalere Form der Schocktherapie, als sie in der früheren Sowjetwelt praktiziert wurde.“


Wer das (besser) verstehen will, der sollte nicht nur vom Kapitalismus und seiner Zukunft reden, wie es nun wieder angesagt ist, er könnte sich zur Abwechselung ja einmal mit Kenntnissen seiner Geschichte ausstatten, - wie der kluge Herr Fülberth empfiehlt. Einen lesenswerten Abriss gibt er im Freitag:
Ein Schelm gibt mehr, als er hat - ANSICHTEN üBER AUSSICHTEN * Geschichtliches zur Zukunft des Kapitalismus

Ein schöner Kommentar auch von Herrn Pispers:

via Dauerfeuerverarsche.de

Und ich bin der Präsident (großartig: Rainald Grebe!!!)

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