Hotel Shampoo - Brick By Brick
Noch ein Tipp - wegen des Plattenspielers im Video:
via Kingblind
Woman... world !
Vinyl Kills
Archäologie CVXVVXXVII: Gordian Troeller
Schade, - wie Sie sehen wurden erst kürzlich hier und anderswo) fast alle bisher verfügbaren Trailer der Filme Troellers gelöscht! Dennoch der Versuch einer kurzen Würdigung seiner Arbeit.
Peter Zimmermann
Denn sie wissen, was sie tun
Zur Dekonstruktion eurozentrischer TV-Stereotypen über die »Dritte Welt«
Troeller steht ...in einer kolonial- und imperialismuskritischen Tradition, wie sie im Dokumentarfilm früh von Joris Ivens und im Fernsehen zuerst von Gert von Paczensky und der frühen Panorama-Redaktion geprägt worden ist. Seine Besonderheit besteht darin, daß er an dieser analytischen Betrachtungsweise selbst dann noch festhielt, als das Fernsehen und die Filmemacher der 'Neuen Linken' sich von ihr abwandten. Lag er in den siebziger Jahren im Trend, so wurde er in den Achtzigern und Neunzigern eher zum Außenseiter.
Diese hartnäckige Konsequenz, die ihm gelegentlich als Starrsinn vorgehalten worden ist, erweist sich unter den gewandelten Verhältnissen allerdings als neue Qualität. Mehr denn je liegen Troellers Filme mit ihrem aufklärerischen Anspruch und ihrer Parteinahme für die in Abhängigkeit und Armut gehaltenen Völker der Dritten Welt quer zur Depolitisierung nicht nur der Fernsehberichterstattung. Stärker noch als zuvor sind sie zum Stein des Anstoßes geworden, an dem sich der herrschende Konsens bricht. Während die am Vorbild der Live-Berichterstattung von CNN orientierten aktualitätsversessenen Reportagen immer reflektionsloser werden, konterkariert Troeller die Selbstverständlichkeiten, Mythen und Tabus der Fernsehberichterstattung durch provokante Gegendarstellungen, die oft heftige öffentliche Diskussionen auslösen. Gerade in dieser Funktion im Kontext öffentlicher Meinungsbildung erweist sich die Produktivität seiner Vorgehensweise. Zwei Beispiele liefern reichliches Anschauungsmaterial.
Mit der Reportage ...denn ihrer ist das Himmelreich eröffnete Troeller 1984 bei Radio Bremen seine neue Reihe Kinder der Welt. Am Beispiel der Missionstätigkeit der katholischen Kirche bei Indianern im tropischen Tiefland Boliviens beschreibt er Kindheit als Metapher für einen Erziehungs-, Unter-drückungs- und Anpassungsprozeß, der in der Entmündigung und 'Zivilisierung' von Naturvölkern durch die Agenten christlicher Religiosität und westlicher Kultur seine Entsprechung findet. Die katholische Kirche erscheint dabei nicht nur in historischer Sicht, sondern auch in ihrem gegenwärtigen Wirken als eine der stärksten Kräfte der Zersetzung einst autonomer indianischer Kulturen. Sie beantwortete diese journalistische Herausforderung nicht nur mit einem Aufschrei der Empörung, sondern vor allem auch mit einer gezielten Intervention in den Gremien und Rundfunkräten der ARD und Radio Bremens. Von »beispielloser Diffamierung der kirchlichen Missionsarbeit« war die Rede; man erwog strafrechtliche Schritte wegen Verächtlichmachung der christlichen Religion, und Forderungen nach Einstellung der Reihe und Kündigung der Zusammenarbeit mit Troeller wurden laut. Der Sender blieb den massiven Interventionen der katholischen Kirche gegenüber allerdings standhaft und stellte sich trotz heftiger Kritik auch aus den Reihen der ARD und des Rundfunkrats im Namen journalistischer Meinungsfreiheit hinter den Autor und seinen Film. ..
Antifaschist. Anarchist. Journalist.
Gordian Troeller berichtet
Erinnere ich mich an die Serien Im Namen des Fortschritts, Frauen der Welt und Kinder der Welt, so muss einerseits festgehalten werden, dass es in der Mediengeschichte der BRD sehr respektable Verantwortliche gab, hier zu erwähnen insbesondere Gert von Paczensky, seinerzeit Chefredakteur bei Radio Bremen, der Troeller stützte und schützte, und andererseits, dass, da es Dokumentationen dieser Qualität nicht mehr gibt, die Implosion des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens nicht zu übersehen ist.
Aktuell: Ohne eine kolonial- und imperialismuskritische Dokumentation der Vorgeschichte wird man zu keinem angemessenen Verständnis der Umbrüche in Nordafrika, im Nahen Osten kommen. Ich empfehle, erstmal auf Troeller zurückzugreifen. Z.B.
Der Fluch der Abhängigkeit
Algerien, 1974
Die Entwicklung zur Abhängigkeit in der Dritten Welt begann mit der Kolonialisierung. Durch die Umstrukturierung der Landwirtschaft wurden die regionalen Ernährungsgrundlagen zerstört und vorhandene Wirtschaftsgefüge aus dem Gleichgewicht gebracht. Dies führte zu der Verelendung, unter der die ehemaligen Kolonien noch heute leiden. Algerien hat den Versuch unternommen, die Unterentwicklung durch forcierte Industrialisierung zu überwinden - unter mehr oder weniger sozialistischen Vorzeichen. Zur Finanzierung dieser Umstrukturierung sollten die reichen Bodenschätze dienen. Sie auszubeuten setzte jedoch einen hohen Grad an Technisierung voraus, der nur mit Hilfe hochindustrialisierter Länder erreicht werden konnte. So vergrößerte sich die Abhängigkeit nach außen; auf der anderen Seite diente auch der Aufbau automatisierter Fabriken nicht der Schaffung von Arbeitsplätzen, so daß die Arbeitslosigkeit hoch blieb und die Produkte keine Käufer auf dem Inlandsmarkt fanden. Wegen seiner ehrgeizigen Industrieprojekte scheint Algerien für die Dritte Welt weniger ein Modell zu sein als ein Beispiel dafür, daß es keine Unabhängigkeit geben kann, solange sie auf dem "Fortschrittsgedanken" der Länder beruht, die Abhängigkeit und Unterentwicklung erst herbeigeführt haben.
Gordian Troeller und Marie-Claude Deffarge
Mitarbeit : François Partant
Kamera: Gordian Troeller
Ton : Didier Baussy
Schnitt : Ingeburg Forth
Länge : 43 Minuten
Erstausstrahlung : RB 18.11.1974 (!!!)
Troellers Filme kam man hier zum download kaufen. Das ist eine gute Lösung. Dass sich jemand um den Erhalt dieser einzigartigen Dokumentationen kümmert, muss honoriert werden.
Im Namen des Fortschritts: Die Sozialistische Internationale und die Schule der Diktatoren (feat. The Hannover Connection)
Was Gabriel nicht sagt: Welch führende Rolle die Schröder-SPD bei der Integration in den Weltmarkt bzw. Rehabilitation der demokratiemäßig und menschenrechtlich schmuddeligen Genossen gespielt hat:
Im Zusammenhang mit dem Abgang des Direktors der London School Of Economics verwies dieser darauf, dass das Institut ein ähnliches Verhältnis zu Libyen gepflegt hat wie die britische Regierung. Im Jahr 2004 besuchte der damalige Premierminister Tony Blair als erster westlicher Staatschef (und Vorsitzender einer Mitgliedspartei der SI) Gaddafi ... *
2004 hat auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (und Vorsitzende einer Mitgliedspartei der SI) den libyschen Machthaber Gaddafi besucht. Seitdem verbesserten sich die schwer belasteten offiziellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern, wie dradio weiß. Was man offenbar nicht so genau weiß: Ob Schröder damals auch vereinbart hat, dass deutsche Ausbilder Gaddafis Elitetruppen auf Vordermann bringen:
The training programs were allegedly agreed to in late 2004 when Gerhard Schröder, the former Social Democratic chancellor, made an official visit to Libya where he met with Gaddafi.
Schröder, who lost to Merkel in federal elections in September 2005, has denied media reports that the alleged training was in return for Libya helping to broker the release of foreign tourists, including a German family held by Muslim rebels on the Philippine island of Jolo in 2000. NYT 7.4.2008 via nahostinfos

Auch ein schönes Beispiel :

Verträge über 500 Millionen Euro unterzeichnet
Deutschland und Kasachstan wollen ihren Handel ausbauen. Beim Besuch von Bundeskanzler Schröder wurden Geschäftsverträge mit einem Volumen von mehr als 500 Millionen Euro unterzeichnet.
Bundeskanzler Schröder ist am Donnerstag in der kasachischen Hauptstadt Astana von Präsident Nasarbajew empfangen worden. Er leitet damit eine Reihe von Besuchen von Staats- und Regierungschefs aus der Europäischen Union dorthin ein, die das europäische Interesse an dem Öl- und Gaslieferanten dokumentieren und Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur dort fördern sollen...
Der Zeitpunkt der Reise war aus Sicht der Schröder begleitenden Wirtschaftsdelegation geeignet. Bis 2015 wolle Nasarbajew das Bruttoinlandsprodukt von derzeit 24 Milliarden Dollar auf 64 Milliarden steigern. Der auf Öl- und Gaslieferungen konzentrierte Warenaustausch mit Kasachstan solle diversifiziert werden. Die wirtschaftlichen Aussichten des Landes werden mit Kuwait verglichen. Kasachstan gilt als ein zuverlässiger Schuldner. Erwartungen gibt es aber, das Land werde sein "Reformtempo" noch steigern, was sowohl die Modernisierung der Infrastruktur als auch die ökonomischen Rahmenbedingungen angeht. Die Privatisierung staatlicher Unternehmen könne rascher vorangetrieben werden, hieß es.
Die Bundesregierung schätzt die wirtschaftliche Lage des - autoritär geführten - Landes als stabil ein...
Und dann: Deutsche Welle - dw.world.de: Der niedersächsische Unternehmer Günther Papenburg baut in dem Land eine Autobahn. 250 Kilometer soll sie lang werden.
- Ja, der Papenburg!
- Aus alter Verbundenheit während seiner Ministerpräsidenten-Zeit in Hannover gratulierte Kanzler Schröder im Mai 1999, als Papenburg in der Kiesgrube Wedemark-Negenborn seinen 60. Geburtstag feierte. Schröders mittlerweile abgetretener Nachfolger als Landesregierungschef, Gerhard Glogowski (SPD), hatte zuvor dazu beigetragen, dass die Festfreude nicht getrübt wurde: "Glogos" Mitarbeiter sorgten dafür, dass ein Kamel, das Papenburg als Geburtstagsgeschenk vom Staatspräsidenten Kasachstans erhalten hatte, am Flughafen Hannover unter Polizeischutz gestellt wurde und so nicht wegen Maul- und Klauenseuchen-Verdachts der Giftspritze eines Veterinärs zum Opfer fiel.
Hinterher allerdings entpuppte sich die Geburtstagsparty als Tanz auf einem gigantischen Müllberg. In der Halde steckten rund 200 000 Tonnen unsortierter Bauschutt - Abfall, den Papenburgs Leute dort abgekippt hatten. Ähnliches vermutete die Staatsanwaltschaft Hannover auch in zwei anderen Gruben und klagte Papenburg deshalb wegen unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Abfällen sowie unerlaubten Betreibens einer Abfallanlage an. Der Spiegel 27/2002: Tanz auf dem Müllberg

... oder auch: Die Sozialistische Internationale, die Hannover Connection und der Staatsmonopolistische Kapitalismus ...
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* In dem Artikel der Süddeutschen Zeitung dazu erklären Alexander Menden und Andrian Kreye
, wie man sich als Diktator mit der richtigen PR-Strategie erfolgreich als Beinahe-Demokrat inszenieren kann: "In den USA haben die Zeitschrift Mother Jones (hier) und die Journalistenvereinigung Politico (hier) unterdessen mit Hilfe von libyschen Oppositionellen aufgedeckt, dass die PR- und Beratungsfirma Monitor aus Boston im Auftrag Gaddafis an dessen Image als Intellektueller mit demokratischen Neigungen arbeitete. Für drei Millionen Dollar im Jahr karrte die Firma dem Diktator in den Jahren 2006 und 2007 hochrangige Intellektuelle aus den Ivy-League-Universitäten und den Thinktanks ins Land. Einige Wissenschaftler wie der Harvard-Politologe Joseph Nye Jr. und der Politologe Benjamin Barber, ehemaliger Berater von Präsident Bill Clinton, verfassten nach Libyen-Aufenthalten, die Monitor bezahlt hatte, wohlgesinnte Artikel."
E10 = die fehlenden 10% - oder: Wie das Einknicken vor der Autolobby hinter dem Chaos an der Tankstelle verschwindet
Deutsche Automobilindustrie erreicht Teilerfolg bei Grenzwerten für Kohlendioxidemissionen
Brüssel (Belgien), 06.02.2007 – Einen Tag vor der Tagung der EU-Kommission in Brüssel zeichnet sich ein Teilerfolg der deutschen Automobillobby in der Frage einer gesetzlichen Regelung der Abgaswerte für Kraftfahrzeuge auf europäischer Ebene ab. Die EU-Kommission wollte den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids (CO2) auf 120 Gramm pro gefahrenem Kilometer für die Flotte eines Herstellers gesetzlich begrenzen, wie sie bereits 1999 für den Fall, dass die Automobilindustrie ihre Selbstverpflichtung nicht einhalten sollte, angekündigt hatte. Der Widerstand der deutschen Automobilindustrie gegen diese Pläne, der vom deutsche EU-Kommissar Günter Verheugen (SPD) und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstützt wurde, hatte nun offenbar Erfolg. Wie aus EU-Kreisen am Montag verlautete, sieht der Vorschlag der EU-Kommission nun nur noch 130 Gramm pro gefahrenem Kilometer als Grenzwert vor. Die fehlenden zehn Gramm könnten durch Einsatz von Biokraftstoffen und die Verwendung effektiverer Getriebetechnik sowie verbesserter Reifen erbracht werden. Ursprünglich sollte der CO2-Grenzwert von 120 Gramm pro Kilometer, der als Zielvorgabe für 2012 anvisiert ist, allein durch verbesserte Motoren erzielt werden.
Die europäische Automobilindustrie hatte sich 1999 gegenüber der EU-Kommission eine freiwilligen Selbstverpflichtung zur Verringerung des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes auferlegt, die bis zum Jahre 2008 eine Verringerung auf 140 Gramm pro gefahrenem Kilometer vorsah. Bis 2012 sollte sogar ein Wert von 120 Gramm pro Kilometer erreicht werden. Dafür wollte die EU auf steuerliche Maßnahmen verzichten. Die Zielmarge wurde jedoch deutlich verfehlt. Daraufhin war bei den EU-Verantwortlichen die Position gestärkt worden, die gesetzliche Regelungen gegenüber dem Vertrauen auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie zur Reduzierung von Schadstoffemissionen befürworten.
Der CO2-Ausstoß der europäischen Autos liegt gegenwärtig durchschnittlich bei 161 Gramm pro Kilometer. Gegenüber der EU hat die Automobilindustrie jetzt mit einschneidenden Arbeitsplatzverlusten für den Automobilstandort Deutschland argumentiert, sollten die Pläne der Kommission wie angekündigt umgesetzt werden... Quelle: wikinews
Dezember 2008: Im vorigen Jahr weichte die EU ihre Klimaziele weiter auf: Zunächst hieß es, dass 10 Gramm CO2 - völlig unabhängig vom Verbrauch der Autos - für den geplanten Einsatz von Biosprit angerechnet werden sollen. Jetzt nutzten die Autohersteller das jüngste Absatzproblem mit Erfolg, um die künftigen Klimavorgaben weiter zu entschärfen. Dass die deutsche Autolobby intensiv gegen die Regeln gekämpft hat, ist leicht zu erklären: Ihre Modelle stoßen im internationalen Vergleich besonders viel CO2 aus. Auch der europäische Durchschnittswert lag 2007 mit 158 Gramm CO2 pro Kilometer weit über der Selbstverpflichtung. Aber die Autos von VW (167 Gramm pro Kilometer), BMW (173 Gramm), Daimler (184 Gramm), Audi (185 Gramm) und Porsche (287 Gramm) übertrafen diesen nach aktuellen Greenpeace-Berechnungen weit.
Allzu große Sorgen müssen sich die deutschen Autoproduzenten aber nicht
machen. In den Verhandlungen setzten sie nämlich durch, dass für die
Hersteller großer Autos höhere CO2-Grenzwerte gelten. Der Wert von 130 Gramm
CO2 pro Kilometer ist kein Maximalwert, den kein Fahrzeug überschreiten
darf, sondern ein europaweiter Durchschnitt. Für jeden Hersteller gilt eine
eigene Zielmarke, die vom Gewicht der jeweils produzierten Modelle abhängig
ist. Und diese Zielmarke, die zwischen 122 (Fiat) und 138 Gramm
(Daimler-Benz) liegt, ist wiederum der Durchschnitt aller von diesem
Hersteller produzierten Fahrzeuge...
Angesichts dieser Verhandlungsergebnisse sind die ersten Reaktionen von
Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und der deutschen Autoindustrie auf den
EU-Kompromiss nicht verwunderlich. Gabriel nannte die Einigung einen "guten
Kompromiss". Es sei für das Weltklima nicht entscheidend, ob die
Autoindustrie im Jahr 2012 bereits 100 Prozent der Auflagen erfülle oder nur
einen Teil, sagte er. Quelle: cl-netz.de

Gabriel mit A8 - Nach der verlorenen Landtagswahl im Februar 2003 und seinem Ausscheiden als Ministerpräsident war Gabriel zeitweise geschäftsführender Gesellschafter bei der Firma CoNeS Gbr in Halle an der Saale, berichtete "Focus Online" am Donnerstagabend. Das Unternehmen habe mit VW, in dessen Aufsichtsrat Gabriel als Ministerpräsident gesessen hatte, einen Beratervertrag für "europäische Industriepolitik" abgeschlossen. Das Auftragsvolumen belief sich laut "Focus" auf über 100.000 Euro. Der Beratervertrag mit VW begann demnach am 1. November 2003, wurde aber im Oktober vergangenen Jahres von VW gekündigt und lief zum 31. Dezember aus. Spiegel Online 2005
Schönen Dank für die Erinnerung ...
Weitere Links bei der sz: Was wird aus E10?
Adel VI: Herstellung außen- und sicherheitspolitischer Handlungsfähigkeit
Sein Buch heißt Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU. Wir wollen es einmal politisch lesen, denn es hat ein politisches Ziel: Aus der Europäischen Union soll ein Staat nach Art der USA werden. Deshalb vergleicht Guttenberg die Verfassung der USA mit den verfassungsähnlichen EU-Verträgen. Seine Frage, ob letztere zur richtigen Verstaatlichung der EU führen oder doch deren Stützpunkt sein können, bleibt immer erkennbar. Seine Linie ist originell: im Integrationsprozess der Europäischen Union nach Schwachstellen zu fahnden, die sich in Einfallstore für das Projekt der Vereinigten Staaten von Europa verwandeln lassen.
... Guttenberg stellt ... durchaus Verfassungsbegriffe vor und präferiert die Definition seines akademischen Lehrers Peter Häberle. Der betont, dass eine Verfassung nicht das abgezogene Muster eines vorhandenen Staates sein muss.
Guttenberg legt das weit aus: Eine Verfassung könne umgekehrt dazu beitragen, dass ein Staat mit Staatsvolk und den übrigen konstitutiven Eigenschaften zu allererst entstehe. Die wissenschaftliche Schwäche, auch die politische Unverfrorenheit liegen nicht hier, sondern woanders. Guttenberg setzt sich kaum mit dem Bundesverfassungsgericht auseinander, das eine ganz andere Linie vertritt als er. Während nämlich Karlsruhe immerzu Grenzen zieht, weil es die Europäische Union am deutschen Grundgesetz misst, misst Guttenberg gerade umgekehrt die Integration der EU an dem Staat, zu dem sie vielleicht nie werden wird. Wenn sein „lernende[r] Blick über den Atlantik“ schweift, weiß er genau, was er will: ein Europa erreichen, das „seine Fähigkeit verbesser[t], Entscheidungen schnell durchzuführen, insbesondere mit Nachdruck die Herstellung außen- und sicherheitspolitischer Handlungsfähigkeit * (entsprechend eines der Leitmotive der Federalist Papers)“. Da spricht der Chef der Bundeswehr.

Was die Federalist Papers waren, macht er deutlicher, als wir es in der Schule lernten. Bevor es nämlich die USA gab, waren die späteren Gliedstaaten ähnlich unklar verbunden wie heute diejenigen der EU. Der US-Gesamtstaat wäre nicht entstanden, hätten nicht die Politiker, die seine Väter waren, das Volk gegen einige Regierungen des bis dahin vorhandenen Gemeinwesen ausgespielt. Die Federalist Papers, eine Serie von 87 Artikeln, die 1787/88 in verschiedenen Zeitungen New Yorks erschienen, waren dabei das publizistische Trommelfeuer. Guttenberg zieht die „Lehre, daß man für politische Ziele dieser Größenordnung gewisse Wagnisse eingehen muss“. Bloß „eine Reihe ausgehandelter Verträge“ werde „nicht ausreichen“...

Rommelbild - von einer schauerlichen Seite namens Deutsche Erde
* Zur Zeit versuchen das einige mit militärischen Planspielen Libyen betreffend. Weil unsere Spezialkräfte schon da waren und unser famoses Deutsches Afrika-Korps (Rommel!!) sowieso mit der 15. Panzer-Division unter Kommandeuren wie Generalmajor Heinrich von Prittwitz und Gaffron, Generalmajor Hans-Karl Freiherr von Esebeck, Oberstleutnant Maximilian von Herff oder Generalmajor Gustav von Vaerst (komisch: keiner promoviert!), müssen den - auch humanitären - TransAllmachtsphantasten die völkerrechtlichen Grundlagen in Erinnerung gebracht werden.
Dazu ein sehr empfehlenswertes Interview mit Reinhard Merkel (Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Hamburg, u. a. durch seine völkerrechtliche Argumentation gegen den Nato-Krieg im Kosovo (1998/99) bekannt) in der taz vom 25.02.11, in dem er sehr präzise grundlegende völkerrechtliche Prinzipien erläutert (jedem/jeder Politiklehrer/in empfohlen!):
Z. B.:
... In Libyen herrscht eine Art Bürgerkrieg - und angesichts eines Bürgerkrieges gibt es grundsätzlich kein völkerrechtliches Interventionsrecht. Gäbe es in Libyen ein demokratisch legitimiertes Regime und bräche dort ein Aufstand los, dann dann hätte die Regierung das Recht, diesen Aufstand niederzuschlagen. Natürlich ist Gaddafis Regime nicht demokratisch legitimiert. Aber dessen Gewalt zur Aufstandsbekämpfung ist eben dennoch nicht dasselbe, wie wenn in Nazi-Deutschland Teile des eigenen Volkes grundlos systematisch ermordet werden sollen. Zur Vermeidung von Missverständnissen: Der Volksaufstand in Libyen gegen ein tyrannisches Regime ist intern gerechtfertigt und legitim. Aber das berechtigt externe Mächte noch nicht, zugunsten dieses Aufstandes militärisch einzugreifen. Grundsätzlich dürfen Staaten innere Rebellionen bekämpfen...
Legitimation, Legitimität, Rebellion, Intervention - solche Begriffe = Basiskonzepte müssen im Politikunterricht geklärt werden. Ich würde das Studium der Charta der Vereinten Nationen zum verbindlichen Unterrichtsgegenstand machen; - im Hinblick auf alle aktuellen Krisen insonders die Kapitel VI und VII ... Eine Chance, dem populistischen Diskurs zu entkommen.
Auf dieser Basis wäre dann z. B. zu fragen, welche Verpflichtungen z.B. die BRD als Mitglied der UNO hat, etwa dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen gegenüber ... So wäre der Wortkotze vom "Wir können doch nicht die ganze Welt retten" à la Mißfelder bei Will* wenigstens geltendes Recht - und nicht eine Meinung - entgegenzusetzen ...
* ... der wahrscheinlich nur Bosbachs Ausführungen im European wiedergekäut hat:
Inselkoller
Dass die tunesischen Flüchtlinge auf Lampedusa gut versorgt werden müssen, ist selbstverständlich. Doch ihre Verteilung in Europa ist keine Lösung, sondern sendet ein falsches Signal in die Herkunftsstaaten.
Sehr klar führt Bosbach hier noch am 28.02.11 aus:
FRONTEX alleine wird nicht in der Lage sein, gemeinsam mit den europäischen Mittelmeerstaaten diese EU-Außengrenzen wirksamer zu schützen, hierfür brauchen wir auch eine enge Kooperation mit den Herkunftsstaaten der Flüchtlinge bzw. mit den Transitländern, über die sie in Richtung Europa ausreisen. Vor einiger Zeit ist es Italien gelungen, ein entsprechendes Abkommen mit Libyen zu schließen. Eine ähnliche Vereinbarung sollte nunmehr mit Tunesien angestrebt werden...
Die nahostinfos kommentieren den Artikel und verweisen auch darauf, dass nachdem unter Rot-Grün mit England, Frankreich und Italien die Aufhebung der UN- und EU-Embargos betrieben wurde – im Jahr 2009 Deutschland (Bosbach-CDU-regiert) mit Lizenzen im Wert von 53.000.000 € [!] die Liste der Waffen- und Militärausrüstungsexporte der EU-Staaten nach Libyen anführt ...
Laboratorium einer Wende
Eine der Herausforderungen für die Beobachter der Aufstände in Nordafrika und Nahost besteht darin, in diesen nicht bloße Wiederholungen vergangener Ereignisse zu erblicken, sondern originäre, neue politische Möglichkeiten eröffnende Experimente, die für Freiheit und Demokratie über die Region hinaus von Bedeutung sein können. Unsere Hoffnung besteht in der Tat darin, dass die arabische Welt durch diese Kämpfe im kommenden Jahrzehnt zu dem wird, was Lateinamerika in der vergangenen Dekade war: ein Laboratorium politischer Experimente, betrieben von starken sozialen Bewegungen und progressiven Regierungen von Argentinien über Venezuela bis Brasilien und Bolivien.
Diese Revolten haben sofort eine Art ideologischen Kehraus bewirkt und die rassistischen Vorstellungen von einem Clash of Civilisations vom Tisch gefegt. Die Multituden in Tunis, Kairo und Bengasi haben die Stereotypen zerschlagen, nach denen Arabern nur die Wahl zwischen säkularen Diktaturen und fanatischen Theokratien offen stehe und Muslime nicht für Demokratie und Freiheit geeignet seien. Selbst die Rede von der Revolution scheint die Kommentatoren in die falsche Richtung zu leiten, wenn sie davon ausgehen, die Ereignisse müssten der Logik von 1789, 1917 oder anderen europäischen Rebellionen gegen Autoritäten der Vergangenheit folgen.
Die arabischen Revolten entzündeten sich an der Arbeitslosigkeit. In ihrem Zentrum standen gut ausgebildete, aber frustrierte Jugendliche, die viel mit den protestierenden Studenten in London und Rom gemeinsam haben. Obwohl die wichtigste Forderung überall die nach dem Ende von Tyrannei und autoritären Regierungen ist, steht dahinter eine ganze Reihe sozialer Forderungen in Bezug auf Arbeit und Leben, die über ein Ende von Abhängigkeit und Armut hinausgehen und letztlich auf die Autonomie einer intelligenten und hochkompetenten Bevölkerung abzielen. Dass Ben Ali, Hosni Mubarak oder Muammar al-Gaddafi die Macht abgeben, ist nur der erste Schritt.
Die Organisation der Revolten erinnert an das, was wir vor mehr als zehn Jahren anderswo gesehen haben – in Seattle und Buenos Aires, in Genua und Cochabamba: Ein horizontales Netzwerk ohne zentrale Führungsfigur. Eine traditionelle Opposition kann sich an diesem Netzwerk beteiligen, ihm aber nicht die Richtung geben. Außenstehende Beobachter haben von Anfang an versucht, eine Führungsfigur auszumachen: vielleicht Mohammed El-Baradei, vielleicht Googles Marketingchef Wael Ghonim. Sie fürchteten, die Muslimbruderschaft oder eine andere Gruppierung könnte versuchen, die Dinge unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie verstehen nicht, dass die Multitude fähig ist, sich ohne Zentrum zu organisieren und die Einsetzung eines Führers ihre Kraft untergraben würde. Dass soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube und Twitter eine Rolle spielten, ist ein Symptom, keine Ursache dieser organisatorischen Struktur. Es handelt sich um die Ausdrucksformen einer intelligenten Bevölkerung, die in der Lage ist, vorhandene Instrumente zu nutzen, um sich autonom zu organisieren. ...
weiter hier bei Freitag.de
Immortal Egypt / Revolution Dub الثوره by djzhao
Der Philosph Hans Schelkshorn sieht - aus anderer Perspektive - ebenfalls "Laboratorien gesellschaftlicher Selbstorganisation", die dem eurozentristischen Blick nicht zugänglich sind:
Der Revoltierende kann nach Camus seine Würde nicht behaupten, ohne zugleich die Würde aller anzuerkennen. Aus diesem Grund fordern heute die arabischen Völker von Europa zuallererst die Anerkennung ihres Befreiungskampfes als eines Kampfes um die Würde des Menschen und darin zugleich die Anerkennung als gleichberechtigte Mitglieder der Weltgemeinschaft. Ihre Revolte richtet sich daher auch gegen unsere Bilder von „Ölländern“ oder billigen Tourismusoasen, deren dumpfe Bevölkerung eben durch korrupte Machthaber in Schach zu halten sei. Auch für uns selbst wäre zu hoffen, dass die friedlichen Demonstranten, die sich bewaffneten Kräften gewaltfrei entgegenstellen, oder die hingerichteten Soldaten, die sich dem Befehl, gegen die eigene Bevölkerung das Feuer zu eröffnen, verweigerten, die verschütteten Quellen unserer moralischen Anlage zu neuem Leben erwecken.
Vor diesem Hintergrund sei zuletzt eine geschichtsphilosophische Überlegung gestattet. Demokratisierungsprozesse in anderen Weltregionen werden in Europa mit Hegel und Fukuyama stereotypisch als Ausbreitung der europäischen Aufklärung nach dem „Ende der Geschichte“ gedeutet. Es liegt mir fern, die Errungenschaften der europäischen Moderne zu schmälern. Zugleich scheint mir dennoch inzwischen unübersehbar zu sein, dass die gesellschaftlichen Entwicklungen weder innerhalb noch außerhalb Europas nach dem simplen Modell einer „nachholende Revolution“ angemessen verstanden werden können.
Erstens ist Europa selbst kaum mehr Modell für bloße Nachahmungen. Manche EU-Staaten entfernen sich in gefährlicher Weise von den Idealen eines demokratischen Rechtsstaates. Die wachsende soziale Ungleichheit bereitet einen gefährlichen Nährboden für den bedrohlichen Aufstieg neofaschistischer und auch offen faschistischer Bewegungen, die in manchen Staaten inzwischen Regierungsämter übernommen haben. Die Herrschaft von Parteien, die neofeudale Züge angenommen hat, und die Macht der Medienkonzerne unterminieren das Prinzip der Gewaltenteilung. So sind manche Staaten Europas zu Zerrbildern der Demokratie geworden; ihre Eliten gehören nicht zufällig zu den engsten Freunden der Despoten im Maghreb.
Zweitens widerstreben die gesellschaftlichen Verhältnisse in vielen Regionen der Erde der Strategie einer bloß nachholenden Entwicklung. Denn der Schock der europäischen Moderne hat zahlreiche Völker in einen existenziellen Kampf um politische und kulturelle Selbstbehauptung gezwungen. Der Freiheitskampf der arabischen Völker fügt sich daher in einen zweihundert Jahre anhaltenden Kampf um politische und kulturelle Selbstbehauptung, der sich in jüngerer Zeit immer stärker zu einem Kampf um demokratische Ordnungen wandelt.
Die lateinamerikanischen Staaten haben in den letzten beiden Jahrzehnten die bleierne Last der Militärdiktaturen abgeschüttelt. In Bolivien und Ekuador erproben indigenen Bewegungen neue Formen der Demokratie. In Asien führen buddhistische Bewegungen, vor allem der Dalai Lama, Thich Nhat Hanh, Buddhadasa Bikhu und Aung San Suu Kyi, einen gewaltlosen Kampf für Demokratie an. Kurz: Die kulturelle Heterogenität und die extremen Asymmetrien der weltwirtschaftlichen Machtverhältnisse haben in vielen Regionen neue Laboratorien gesellschaftlicher Selbstorganisation entstehen lassen, in denen jeweils europäische Ideen mit eigenen Denktraditionen kreativ verbunden werden.
Der Modernediskurs der postkolonialen Gesellschaften, dessen Anfänge bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, ist allerdings – von wenigen Ausnahmen abgesehen – von der europäischen Philosophie bis heute weitgehend ignoriert worden. So gibt es etwa im deutschen Sprachraum mehr wissenschaftliche Arbeiten über den politischen Islamismus als über moderne arabische Philosophen und der Aufklärung verpflichtete Theologen. Dieses Defizit ist nicht bloß eine innerakademische Nachlässigkeit. Denn der latente Zweifel Europas, ob die arabische Revolte von einem „geistreichen Volk“ getragen wird, hat in dem hartnäckigen Eurozentrismus der europäischen Philosophie eine nicht unbedeutende Stütze.
Gewiss setzen China und die asiatischen Tigerstaaten, aber auch Osteuropa, mit aller Vehemenz auf eine kapitalistische Modernisierung. Dennoch haftet an der Erfolgsgeschichte „nachholender Revolutionen“ ein schaler Geschmack. Denn die Vision einer bloßen Ausbreitung der Synthese von Marktwirtschaft und Demokratie (Fukuyama) hat die zwei zentralen Aporien des westlichen Zivilisationsmodells bislang nicht auflösen können, nämlich die fortschreitende Zerstörung der ökologischen Grundlagen menschlichen Lebens und die soziale Zerklüftung der Weltgesellschaft, die derzeit mindestens ein Fünftel der Menschheit zu einem unmenschlichen Kampf um die nackte Existenz verurteilt.
Vor diesem Hintergrund kommt eine weitere Tiefenschicht der erschreckenden Lähmung Europas gegenüber der arabischen Revolte zum Vorschein: Europa hat offenbar den Glauben an seine eigenen demokratischen Ideale und vor allem den Glauben an eine sozial gerechte Weltgesellschaft, an der Condorcet und Mill noch den Fortschritt gemessen hatten, verloren. Wenn die Steigerung der eigenen Wirtschaftsmacht zur alles bestimmenden Hauptagenda wird, fällt es nicht mehr schwer, sich in zweifelhaften Allianzen mit Diktatoren bequem einzurichten...
Weiter in der Frankfurter Rundschau
Zur CeBIT: Designed for the Dump
Rewind: Guttenberg-Gambolputty's letztes Interview
... bis auf den schönsten Nachruf - von Volker Pispers:
Terrorgefahr gebannt, Kriegsminister erklärt Kapitulation
via chefarztfraulicher: beobachter
... und doch noch einen Nachtrag:
Dieter Hildebrandt über das Verhältnis von Politik und Lüge bei DRadio Daily Agenda (siehe Sidebar rechts).
... und doch einer:
Georg Seeßlen über Berlusconismus - oder: Der Freiherr als Staubsaugervertreter
Guttenberg geht für den Moment, aber er wird wiederkommen. Ein vorläufiger Nachruf auf einen künftigen Politikertypus
Jedes europäische Land auf dem Weg in die Postdemokratie bekommt den Berlusconismus und seine Vertreter, die es verdient. In ihrer äußeren Erscheinung und in ihrer back story mögen sie unterschiedlich sein, die Postdemokraten in Italien, Frankreich, Russland, Polen oder nun eben Deutschland; das Grundmodell ihrer Macht dagegen ähnelt einander verblüffend.
Karl-Theodor zu Guttenberg begründete seinen Rücktritt als Verteidigungsminister mit der veränderten Wahrnehmung seiner Person durch die Medien. Das war keineswegs überraschend: Der berlusconistische Politiker erhält seine Macht nicht so sehr durch die parlamentarisch-demokratischen Institutionen und nicht durch die Hierarchien und Allianzen der Parteien, sondern vor allem durch die Medien. Nicht Wahl oder Diskurs entschieden über seine Macht, sondern seine mediale Präsenz – möglichst überraschend, möglichst „unpolitisch“.
Dementsprechend definiert er sich als meta-parteilich, als unabhängig und solitär. So wird er zur direkten Antwort auf die „Politikverdrossenheit“, die nicht zuletzt eine Parteienverdrossenheit ist: Berlusconismus ist, unter vielem anderen, Politik für Leute, die mit Politik nichts im Sinne haben, sowohl unpolitische Politik als auch politische Un-Politik.
Damit hängt zusammen, dass der berlusconistische Politiker sich nach den Gesetzen der Unterhaltungsindustrie inszeniert. So wie er selber als gecasteter Typus in einer politischen Seifenoper erscheint, verbindet er sich auf einer zweiten Ebene mit dem Entertainment: Der eine heiratet eine Schlagersängerin, der andere lässt sich von Quiz-Kasperles hoffieren, jener unterdrückt und dieser kauft die Zeitungen, die er braucht. Der unsere lässt seine Frau als Pädophilenjägerin im Privatfernsehen auftreten und ist mit eingebetteten Schreibern und Bildermachern unterwegs.
Zur Inszenierung gehört weiter, dass der berlusconistische Politiker Wert auf sein Erscheinungsbild legt, was durchaus karikaturistische Drastik beinhalten kann: Von „Burlesquonis“ Lifting zu Guttenbergs Haargel – stets erscheint eine Art bizarrer, etwas vulgärer Eitelkeit, ein polyvalentes sexuell-ökonomisches Bild. Nicht schön, aber laut....
Er erhält seine Zustimmung, wie medial diese auch immer manipuliert sein mag, nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Verstöße gegen Gesetz und die fundamentalen Regeln von Stil und Anstand. Er ist ein Volksheld auch in dem Sinne, dass er sich scheinbar ehrlich – „Blödsinn“ – zu seinem Verhalten bekennt: Ohne bescheißen kommt man zu nichts. Wesenszug dieses Populismus ist der Anti-Intellektualismus. Insofern geht es in der Zustimmung zum Bescheißen nicht nur ums Akzeptieren unehrenhaften Verhaltens, sondern auch um die Abwertung der akademischen Institutionen.
... weiter im Freitag 9/11
Einschnitte: Macht und Recht
Max Horkheimer: Dämmerung. Notizen in Deutschland, Gesammelte Werke Bd. 2, S. 386.
neulich zitiert bei Einschnitte
Neulich auf der Herrentoilette
7,5 Millionen Analphabeten in Deutschland (+1)
Zeit via nds
Nach den letzten Debatten hätte ich mit mehr gerechnet ...
Archäologie XXVI revisited: Bonzo Dog Band: Return To Jollity Farm
- Vivian Stanshall (1943 - 1995): trumpet, lead vocals
- Neil Innes (b. 1944): piano, guitar, lead vocals
- Rodney "Rhino" Desborough Slater (b. 1944): saxophone
- Roger Ruskin Spear (b. 1943): tenor sax and various contraptions
- "Legs" Larry Smith (b. 1944): drums

Here's a nice BBC Radio 2 doc from March 1997 - lots of insight and ace narration from Neil himself.

Archäologie CVXVVXXVI: Bohemian Rhapsody
Stormtroopers in Stilettos, the Queen 40th anniversary exhibition
Alter Witz über Gambolputty- oder: The Facebook Revolution
Kommt ein Manager aus der BRD (NSW!) zur Leipziger Messe und geht abends in die Oper. Der Tenor ist fürchterlich, dennoch gibt es am Ende der Aufführung für ihn stehende Ovationen. Immer wieder wird der Tenor auf die Bühne geklatscht, muss sich verbeugen ...
Fragt der Westmensch seinen Nachbarn: "Sagen Sie mal, der war doch furchtbar!?"
"Nuu - - -", antwortet der Leipziger, "dess wiss'ma ooch, aber heute machma'n ferrddisch."
Könnte das der facebook-Gruppe Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg mit ihren soeben 301.052 Gefallenden ähnlich sein ... ?
Vgl. z.B diesen Eintrag dort:

Herzlichen Dank und noch einen schönen Feierabend, Tobias :-)
Schöne Satire von Tobias zur facebook revolution: ab 499,00 € mittags schon die morgige BILD lesen können, - harr harr! - Da gibt er's doch mehrfach ironisch gewendet dem Guttenberg und dem Araber!! - Und da liegt der Tobias richtig: Wenn das die facebook-Revolution ist, bin ich geneigt, mit ihm eine Unterstützerseite für Gaddafi einzurichten. Melde dich, Tobias, ich bin dein Freund!
Focus kommentierte 1971:
vgl. Akkerman in der aktuellen Version
Guess Who: ... Straighten Out
... hat erneut eine über weite Strecken wirre Rede ans Volk gehalten. In einer Ansprache per Telefon, die vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlt wurde, machte er die Terrororganisation Al Kaida für ... verantwortlich.
- George W. Bush ?
- Thomas de Maizière ?
- Muammar al-Gaddafi ?
Die Lösung hier beim Öffentlich-rechtlichen Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland, - das sich in der Radioabteilung auch dies hier erlaubt
2. Guess Who Payed The Bill
Vor seiner umstrittenen Promotion an der Universität Bayreuth war Karl-Theodor zu Guttenberg dort gleichzeitig Student und Sponsor. Die Rhön-Klinikum AG, bei der die familieneigene Beteiligungsgesellschaft derer zu Guttenberg ein dickes Aktienpaket hielt, gehört zu den Stiftern des Lehrstuhls für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, der im Jahr 2000 eingerichtet wurde und bei der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät angesiedelt ist. Nach Tagesspiegel-Informationen fließt dafür pro Jahr von der Rhön-Klinikum AG ein sechsstelliger Beitrag. Zuwendungen dieser Größenordnung seien „eher selten“, heißt es in der AG. Geschäftsführender Direktor des Instituts, zur Zeit aber beurlaubt, ist der renommierte Medizinethiker, Transplantationsmediziner und Theologe Eckhard Nagel, der auch Mitglied im Nationalen Ethikrat ist.
Guttenberg, der an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät studiert und promoviert hat, saß von 1996 bis 2002 im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG. Danach verkaufte die Familie Guttenberg ihre Aktien mit hohem Gewinn an die HypoVereinsbank. Der Börsenwert soll bei 260 Millionen Euro gelegen haben.
Quelle: tagesspiegel.de via nds
3. Guess Who
... hat vor sieben Jahren, 2004, den libyschen Machthaber Gadaffi besucht? Seitdem verbessern sich die schwer belasteten offiziellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

4. Guess Who at Electric Ladyland Studios 1975: Straighten Out
Falsch Gm8 V: Freiwilliges Sitzenbleiben ...
Zu den Hintergründen siehe Falsch Gm8 I - IV
A Libyan Pastoral
Da hat der Vater der Revolution und faktische Chef der Sozialistischen Libysch-Arabischen Volks-Dschamahirija* aber nochmal gezeigt, was eine richtige Revolution ist: Surrealismus + Kampf gegen „Ratten“, „Kakerlaken“ und „Gangs“ von Rauschgiftsüchtigen; - nicht so'n neoliberales Facebook-Soros-Kinderding von wegen (Markt-)Freiheit. Wenn ihm nur nicht die Stämme einen Strich durch die verkommene Revolution machen ... "Demokratie" - was immer das sein mag - scheint nicht in Sicht ...
Stammes- und Clankulturen können wir hier besichtigen: Afghanistan, Kosovo, Kärnten (Die Austria-Connection der Gaddafis) ...
Welcome back to the middle ages!
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* Gemäß der Verfassung von 1969 ist Libyen ein basisdemokratischer Staat auf der Grundlage des Islam. Dem Generalsekretär des Allgemeinen Volkskongresses, Muhammad Abu l-Qasim az-Zuwai, steht als Staatsoberhaupt ein siebenköpfiges Generalsekretariat zur Seite. Die faktische Macht liegt jedoch beim Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Oberst Muammar al-Gaddafi. Der Allgemeine Volkskongress, dessen ca. 2.700 Delegierte von lokalen Volkskongressen (rund 600 für je durchschnittlich 10.000 Einwohner), Gewerkschaften, Streitkräften und anderen Massenorganisationen entsandt werden, ist die höchste politische Institution und besitzt sowohl legislative als auch exekutive Funktionen.
Im Jahr 2000 löste dieses Parlament aber auf Vorschlag Gaddafis die Zentralverwaltung des Landes weitgehend auf und übergab sowohl Gesetzgebung als auch Regierungsgewalt an regionale Parlamente und Ausschüsse. (wiki)
Was die "Jasminrevolutionen" (vgl. die Rosen- Orangen- usw. Veranstaltungen der letzten Jahre**) jetzt bringen sollen, ist dieses Demokratiemodell:
Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg entfielen...
* ... 43,0 Prozent aller möglichen Stimmen auf niemanden.
* ... 26,2 Prozent aller möglichen Stimmen auf die SPD.
* ... 11,9 Prozent aller möglichen Stimmen auf die CDU.
* ... 6,1 Prozent aller möglichen Stimmen auf die Grünen/GAL.
* ... 3,6 Prozent aller möglichen Stimmen auf die FDP.
* ... 3,5 Prozent aller möglichen Stimmen auf die LINKE.
Das größte Lager stellen die Nichtwähler - so groß war dieses Lager in Hamburg noch nie. Die absolute Mehrheit der Sozialdemokraten begründet auf etwa einem Viertel aller möglichen Stimmen. Selbst eine (hypothetische) Große Koalition würde nur etwas mehr als ein Drittel aller Stimmen hinter sich vereinen. Die Opposition ist indes ein Gegenspieler, der ebenso nur von einem Viertel aller Wähler installiert wurde. De Lapuente hat dankenswerterweise wieder gerechnet.
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** ... mit diesem idiotischen revolution branding werden die facebook-Revolutionäre vorsätzlich gegen die Wand gefahren, oder sie fahren selbst ... Vgl. dazu auch Lasst sie ihr Ich finden - Mona Sarkis bei tp
Archäologie CVXVVXXV: HWY: An American Pastoral
HWY: An American Pastoral is a film by Jim Morrison and Paul Ferrara and stars Morrison as a hitchhiker. It is a 50-minute experimental film in Direct Cinema style. It was shot during the spring and summer of 1969 in the Mojave Desert and in Los Angeles. (wiki)
Adel V: Pour Gambolputty-Guttenberg: Vian et Gainsbourg: Je bois ...
[aus: "Gainsbourg“ von Joann Sfar]
Selbstverständlich seien dem Kriegsminister bei dieser Gelegenheit auch die Ameisen und der Deserteur beigegeben.
Monsieur le Président
Je vous fais une lettre
Que vous lirez peut-être
Si vous avez le temps
Je viens de recevoir
Mes papiers militaires
Pour partir à la guerre
Avant mercredi soir
Monsieur le Président
Je ne veux pas la faire
Je ne suis pas sur terre
Pour tuer des pauvres gens
C'est pas pour vous fâcher
Il faut que je vous dise
Ma décision est prise
Je m'en vais déserter
Depuis que je suis né
J'ai vu mourir mon père
J'ai vu partir mes frères
Et pleurer mes enfants
Ma mère a tant souffert
Elle est dedans sa tombe
Et se moque des bombes
Et se moque des vers
Quand j'étais prisonnier
On m'a volé ma femme
On m'a volé mon âme
Et tout mon cher passé
Demain de bon matin
Je fermerai ma porte
Au nez des années mortes
J'irai sur les chemins
Je mendierai ma vie
Sur les routes de France
De Bretagne en Provence
Et je dirai aux gens:
Refusez d'obéir
Refusez de la faire
N'allez pas à la guerre
Refusez de partir
S'il faut donner son sang
Allez donner le vôtre
Vous êtes bon apôtre
...
dies grundsätzlich und akutell zum Attraktivitätsprogramm des Kriegsministeriums - siehe auch unten Adel IV
Gerade meldet die zuständige Presse, dass Guttenberg gestanden hat und nun sein Amt mit aller Kraft ausüben will.
Das sollte zu denken geben! Mit aller Kraft machen sie alles: Doktorarbeiten, Feldzüge (Von Biggles goes bombing with the RAF), Sozialabbau, Abschiebungen ...
Siehe dazu auch: "Guttenberg und das anti-elitäre Sarah-Palin-Ticket" - bei CARTA
Adel IV: Guttenberg-Gambolputty, Plagiat, Kritische Justiz, Kriegsministerium, Frontex und Exterritoriale Lager

Siehe auch die Dokumentation der Süddeutschen Zeitung

Wenn man schon seinen Namen
Johann Gambolputty de von Ausfern-Schplenden-Schlitter-Crasscrenbon-Fried-Digger-Dingle-Dangle-Dongle-Dungle-Burstein-von-Knacker-Thrasher-Apple-banger-Horowitz- Ticolensic-Grander-Knotty-Spelltinkle-Grandlich-Grumblemeyer-Spelterwasser- Kurstlich-Himbleeisen-Bahnwagen-Gutenabend-Bitte-Ein-Nürnburger-Bratwustle- Gerspurten-Mitz-Weimache-Luber-Hundsfut-Gumberaber-Shönedanker-Kalbsfleisch-Mittler-Aucher von Hautkopft of Ulm
nur mit copy+paste bewältigen kann, wie dann eine Doktorarbeit?
Im Übrigen ist das ja kein Gambolputty-Problem; - bei jeder Facharbeit, jeder Staatsexamensarbeit, jedem Entwurf für einen Prüfungsunterricht ist es ein Leichtes, eine Textpassage bei einer Suchmaschine einzugeben und das Original zu finden - Stefan Webers GuttenPlag Wiki
Zum eigentlichen Problem lese man bei Stefan Weber:
Das Google-Copy-Paste-Syndrom
Wie Netzplagiate Ausbildung und Wissen gefährden
Interessanter eigentlich dieses
Zitat
aus dem Attraktivitätsprogramm des Kriegsministeriums (financial-times-deutschland): «Angesichts der demografischen Entwicklung sowie der anstehenden strukturellen Anpassungen der Bundeswehr werden künftig verstärkt auch junge Menschen mit unterdurchschnittlicher schulischer Bildung beziehungsweise ohne Schulabschluss personalwerblich anzusprechen sein.»via chefarztfraulicher:beobachter
... die ja dann auch bei Frontex eingesetzt werden könnten, - einer Einrichtung, die die deutsche Öffentlichkeit erst seit kurzem kennt. Es ist erstaunlich - oder bezeichnend -, dass bei der Netzrecherche vor wenigen Tagen (für meinen aktuellen Politikunterricht) zum Problem nur der Hinweis auf ein SWF-NDR-Feature von 2008 gefunden wurde:
FRONTEX und der Krieg im Mittelmeer
Frontex und Exterritoriale Lager
Plötzlich sind der deutschen Mehrheitspresse sogar die exterritorialen Lager der EU bekannt, nach denen man sonst lange suchen musste:Fortress Europe: Grenze Sahara. Die Inhaftierungslager in der libyschen Wüste
Zum Kotzen! Vgl. Lutz Herden im Freitag von heute:
...Man muss besorgt sein, ob die Revolutionen in Arabien der Rhetorik überhaupt gerecht werden können, mit der sie Politik und Medien im Westen großzügig beschenken. Das wortschwülstige Sympathisantentum mit dem Aufstand in Ägypten scheint sich für nichts zu schade. Ausgenommen die Erinnerung an eigenes Sympathisantentum mit dem per Staatsstreich in die Pension entsandten Präsidenten Mubarak. Es nehmen Leute das Wort Revolution in den Mund, die sich noch vor Tagen beim Wort Kommunismus am liebsten öffentlich übergeben hätten. Dabei ist – nicht nur historisch gesehen – „die Revolution“ häufig auf dem gleichen Parkdeck zu Hause wie „der Kommunismus“. Jener hinterließ im Übrigen nicht nur die vielbeschworene Blutspur, sondern auch einen konsistenten Revolutionsbegriff. Wollte sich die arabischen Realitäten unserer Tage dem andienen, würde den hiesigen Revolutionschronisten vermutlich weniger falsches Pathos in die Feder schießen. Revolutionen bleiben dann im Wort, wenn sie gesellschaftliche Verhältnisse radikal umwälzen wie in Frankreich 1789 oder in Russland 1917...
Um so mehr darf sich Europa glücklich schätzen, wenn ihm unverhofft die Chance in den Schoß fällt, sich auf die Höhe der arabischen Umbrüche zu schrauben und den revolutionären Traktaten nun auch revolutionäre Taten an die Seite zu stellen. Dem alten Kontinent wird eine Art Revolutionsimport aus Nordafrika zuteil. Man muss jetzt nicht mehr für die „Massen auf dem Tahrir-Platz“ schwärmen, sondern kann ganz praktisch der Masse von Flüchtlingen helfen, die an europäischen Küsten stranden. Boatpeople aus Tunesien, die das andere Gesicht des Aufruhrs zeigen und zu verstehen geben, dass nichts ausgestanden, nichts vorbei, nichts wirklich besser ist, wenn sich die alte Macht als neue Regierung verkauft...
Und nun? Ich fürchte, die Angst vor dem Marsch geht um und wird weiter geschührt- oder:
Wer zu spät schießt, den bestraft das Leben... ad sinistram

Definition von Solidarität als “Verbindung von Zärtlichkeit und Fairness”
siehe unten!und noch weiter unten der