Griechenland befindet sich eine Minute vor Mitternacht“, lautet es in dem Artikel der FT, der eine Analyse bezüglich des verzweifelten Versuchs der Regierung, Gelder zu finden um die Raten zu zahlen, aber auch des letzten Schlags der Europäischen Zentralbank vornimmt, die Emission von Schatzbriefen in Griechenland über die Grenze von 15 Mrd. Euro hinaus zu verbieten... (Imerisia via Griechenland-Blog)
Live-Ticker sind der Online-Seitenstreifen, von dem aus wir Blut und Verzweiflung und Tod beobachten können, ohne selbst in Gefahr zu sein und ganz ohne Sicherheitsweste. Live-Ticker sind einerseits Echtzeitberichte, andererseits machen sie Katastrophen zu einer Art Theateraufführung, deren Zeugen wir sind. Wir sind betroffen, erschüttert, wir trauern, obwohl jeden Tag Menschen sterben, aus den unterschiedlichsten Gründen, Menschen, die wir nicht kennen, mit denen wir nichts zu tun haben. Aber Live-Ticker bringen uns die Katastrophen näher, ohne dass sie uns zu nahe kommen, wir blenden anderes Leid für einen Moment aus und fokussieren uns auf das, was wir im Minutentakt mitverfolgen können, ohne wirklich ein tiefes Gefühl dafür zu entwickeln... Jörg Wellbrock - blastingsnews
Und noch eine Frage: Woher wussten die Medien eigentlich, dass es sich bei dem Germanwings-Absturz nicht um einen Terroranschlag handelt?
Fragt fefe.
Und noch eine weitere Frage, nämlich die, warum Niemand fragt, ob die Faktenlage schon eindeutig klar ist und ob aus dem Mund der französischen Staatsanwaltschaft stets die Worte Gottes zu hören sind. Stumm sind jene zahlreichen Akteure, die sonst stets kritisch die Stimmen von Staatsvertretern kommentieren. Eine gewisse Vorsicht bei der Einordnung, Einschätzung und Wiedergabe von hochaktuellen Ereignissen wäre ein Gebot der selbstkritischen Vernunft.
Die Staatsanwaltschaft Marseille nannte am Donnerstag den Namen des Co-Piloten, der offenbar allein im verschlossenen Cockpit sass, als das Germanwings-Flugzeug abstürzte. Im Nu verbreitete sich der Name in den digitalen Kanälen der Nachrichtenanbieter. In den sozialen Netzwerken staut sich die Wut. Ein offensichtlich gefälschtes Twitter-Konto gibt den Mann den Schmähungen preis. Die Jagd ist eröffnet... (Der Co-Pilot, der Täter. Von Rainer Stadler, NZZBlog)
Anlässlich seines neuen Albums "Chambers" muss ich das dringend wiederholen.
An album for piano and string quartet, CHAMBERS re-imagines Romantic-era chamber music as today's addictive pop. Gestures from rap, ambient, easy listening and the avant-garde co-exist as always in Chilly Gonzales’ musical universe - this time with strings attached!
To guide fans into his Chambers, Gonzo introduces each song with a short note of intention and a dedication, download it here. Alex Rühle ist ebenfalls begeistert: Chilly Gonzales Ah! und Oh! statt E und U (Süddeutsche, 24. März 2015)
Außerdem:
Chilly Gonzales, the musical genius has been asked by the radio station WDR 1Live to explain some of today's pop music including Get Lucky (Daft Punk), Hold On (Drake), Entertainment (Phoenix), Fancy (Iggy), No Rest For The Wicked (Lykke Li) and Shake It Off (Taylor Swift).
This playlist contains Chilly Gonzales' other piano lessons as well: Chilly Gonzales - Pop Music Masterclass (1Live)
Ein schönes Beispiel für Gonzales' Schaffen: CHILLY GONZALES How a drummer plays piano | Soundboard.ca
Als mein Freund Herr G. noch seinen /8-W115 hatte, wollten wir eigentlich mal damit von Tallinn nach Triest fahren.
Das hätte ungefähr so ausgesehen und die 2438 km hätten wir sicherlich nicht in 29 Stunden abgerisssen, sondern in vielen interessanten Orten auf dem Weg angehalten.
1800 Kilometer, fünf Staaten, immer entlang der östlichen NATO-Grenze: "Dragoon Ride" nennt die US-Armee ihre Machtdemonstration Richtung Russland. Der Konvoi aus modernstem Militärgerät soll Anfang April in Bayern enden...
Die Übung sei als Zeichen der Verbundenheit der USA mit ihren NATO-Partnern zu verstehen, sagte der Kommandeur der US-Truppen, Christopher Boldt beim Zwischenstopp in der estnischen Stadt Turi. Normalerweise würde schweres Militärgerät auf der Schiene oder per Schiff transportiert. "Der 'Dragoon Ride' ist für uns etwas ganz Besonderes, denn es ist das erste Mal, dass eine Stryker-Einheit mit Radschützenpanzern so etwas macht. Es hilft uns, unsere Flexibilität zu stärken und zeigt, dass wir in der Lage sind, mit unseren NATO-Partnern zusammenzuarbeiten quer durch Europa, über fünf Grenzen hinweg." ...
Die Einwohner von Turi hatten die Gelegenheit, das moderne Kriegsgerät der US-Streitkräfte aus der Nähe zu bestaunen. Kinder durften hinter dem Steuer der Fahrzeuge sitzen und in die Panzer klettern.
Update:Herr G. schlägt vor die Reise alternativ mit diesem P3/Badewanne durchzuführen, ist mit mir aber einer Meinung, dass es besser wäre, wenn wir anstatt des 2nd Cavalry Regiment die Tour übernehmen:
Er würde den Taunus 17m sogar sauber machen. - Halte ich für sinnvoll, weil der Balte sonst vielleicht an uns nicht so interessiert wäre ...
Das Inkonsistenzproblem, das Phänomen Syriza und die Perspektiven der Eurozone
Mit dem Wahlsieg der linken Partei "Syriza" in Griechenland steht die EU vor einer neuen Herausforderung: Die als "Brüssel-Frankfurt-Konsens" bezeichnete Austeritätspolitik als Antwort auf die Krise der öffentlichen Haushalte wird von der Regierung eines EU-Mitgliedsstaates offen und vehement abgelegt - hierfür hat ihr der griechische Demos ein klares Mandat erteilt. Im vorliegenden Aufsatz wird argumentiert, dass diese Entwicklung, die auch andere EU-Mitgliedsstaaten erfassen könnte, das Ergebnis einer "unmöglichen Euro-Trinität" ist, in der sich die Unvereinbarkeit von neoliberaler Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik, dem Erhalt einer gemeinsamen Geld- und Währungspolitik und einer Legitimation der europäischen Integration zeigt, die sich auf die Erwartung wachstums- und beschäftigungsförderlicher Impulse des weiteren Zusammenwachsen der EU stützt...
(Arne Heise, tp 21.03.2015) Lesen!!
When Kenneth Jarecke photographed an Iraqi man burned alive, he thought it would change the way Americans saw the Gulf War. But the media wouldn’t run the picture.
Nicht zeigen weist doch wohl immer noch auf einen gewissen Respekt resp. Angst des Weltbildapparates vor der potentiellen Macht echter Bilder hin, die er nicht integrieren kann in sein System der Weltwahrnehmung. Es bleibt die Frage, wie wir echte Bilder identifizieren können!?
Mal wieder was von Georg Seeßlen gelernt - zur Wirkungsweise der Manipualtion, diesmal nicht der Bilder selbst (siehe unten #varoufake), sondern durch ihre Verwendung als Illustrationen in der Tagespresse.
Seit der deutschen Qualitätspresse zu Ohren gekommen ist, dass ihren Käufern das Lesen längerer zusammenhängender Texte zwischen den Werbungen schon arge Probleme bereitet, haben sie irgendwo in ihren Redaktionsräumen einen besonders forschen Praktikanten (er wollte ja eigentlich zum Fernsehen, aber, ach, da war er irgendwie überqualifiziert) sitzen, der sucht extrem endgeile Bilder heraus, wenn es zu einem Text jetzt eigentlich also so richtig gar keine Bilder bräuchte....,
... was mir bei meiner Lieblings-HAZ auch schon aufgefallen ist: Immer mehr und größere, text- und farblich belästigende Anzeigen (die als "Sonderveröffentlichungen" vom redaktionellen Text zuweilen kaum zu unterscheiden sind) und immer größere Fotos zu Illustration von Irgendetwas (Frühlingsgefühlen, Straßenschäden, Flüchtlingen ...). Seeßlen zeigt an einem akutellen Beispiel die perfide Wirkungsweise solcher Komposition:
Jetzt hat man ... in der Süddeutschen Zeitung als Aufmacher für das Feuilleton (16. März 2015) einen Text über die Drohung der griechischen Regierung „mit einer Flüchtlingswelle“. In dem Text wird kurz auch der Film World War Z erwähnt, in dem „Migrantenströme als mörderische Zombiemasse gezeigt werden“, was man eine, sagen wir, ein wenig vereinnahmende Interpretation lesen kann, aber sei’s drum. Darüber aber sehen wir ein großes Bild aus dem Film, in dem eben jene „Zombiemasse“ eine gewaltige Mauer erstürmt.
Der emotionale Überschuss eines solchen Bildes gegenüber einem Text, den man ohne es vielleicht ein wenig, äh, diskursiver läse, gehört der On-Beat-Schule der neuen Zeitungsillustration an ..., die FAZ, Süddeutsche und Welt pflegen [und die bezweckt] nichts als Verstärkung und Bestätigung, manchmal mit einer bildungshuberischen oder mit einer popkulturellen Nerd-Note. Und mit übrigens kognitiv verheerenden Folgen. Die Migrations-/Zombie-Analogie stellt die Metapher, die George A. Romero und die besseren seiner Nachfolger anboten (Zombies als Wiederkehr der „Verdammten dieser Erde“, wie Romero sagt), sozusagen auf den Kopf. Romero hat in den Zombies die Migranten gesehen; die FAZ [Seeßlen meint die Süddeutsche] sieht in den Migranten die Zombies....
Was die Ästhetik als Lehre von der Wahrnehmung angeht, kommt man, will man lernen, der eigenen Wahrnehmung neue Reflexionsebenen zugänglich machen, an Bazon Brock nicht vorbei:
Produkte des Weltbildapparates, in denen das Gehirn seiner eigenen Funktionsweisen ansichtig wird.
Inszeniertes Leben – inszenierte Fotografie
… beruht auf der Möglichkeit Medien objektivierend oder manipulierend einzusetzen.
„Wir fordern Sie auf, alles in Ihrer Macht stehende zu unterlassen!“
Mit anderen Worten: Wir sind an der Schwelle zu einer Erzählungsstruktur ..., die auch das zur geschichtlichen Realität werden lässt, was nicht passierte ...
... Die Geschichte wird um dem Teil der Ereignisse bereichert, die nicht geschahen, weil sie etwa verhindert wurden, und dieses Verhindern ist eine viel größere historische Tat als das tatsächliche Ausführen.
Als zwei der Organisatoren und Teilnehmer des Subversive-Festivals in Zagreb im Mai 2013 freuten wir uns sehr, dass Giannis Varoufakis unserer Einladung gefolgt war, einen öffentlichen Vortrag auf dem Festival zu halten und sein Buch "Der globale Minotaurus" vorzustellen. Als Antwort auf eine Frage aus dem Publikum zeigte Herr Varoufakis damals nicht Deutschland oder den Deutschen den Mittelfinger. Er bezog sich auf die Situation im Januar 2010. Sein Ansatz war, dass Griechenland damals besser bei seinen privaten Gläubigern hätte in Verzug geraten sollen, als riesige Anleihen bei seinen europäischen Partnern - einschließlich natürlich Deutschland - zu tätigen....
Das konnte allerdings jeder spätestens seit dem 12.02.2015 = dem Upload dieses Mitschnitts des Vortrags (mit anschließender Aussprache) von Yanis Varoufakis: The Global Minotaur: America, Europe and the Future of the Global Economy (6th Subversive festival, 15/05/2013, 18h, cinema Europa, Hall Müller, Zagreb, Croatia) wissen.
Hier können sie den kompletten Mitschnitt sehen;- die inkriminierte Stelle finden Sie ab 39:55. Sie können da auch den Zusammenhang erkennen, - aber es lohnt sich auch den gesamten Vortrag anzuhören.
Genial, wie Jan Böhmermann und sein „Neo Magazin Royale“-Team der ganzen (Medien-)Welt zeigen kann, wie bunzdumm und unfähig sie ist, wenn es im Laufe des heutigen Tages der Klarstellung bedurfte, dass es sich um Satire handelt. Das ist wunderbar: jeder Depp ist Chalie (oder besser: war vor kurzem Charlie, hat das aber schon wieder vergessen, weil er jetzt schon wieder wer anders ist ...), aber man muss ihm erklären, was Satire ist (vgl. Was ich durch #Varoufake gelernt habe - Stefan Niggemeier). Das ist in der Tat ein genialer Coup von Böhmermann.
Und Yanis Varoufakis @yanisvaroufakis Nachricht @janboehm : Humour, satire & self deprecation are great solvents of blind nationalism. We politicians need you badly.
... wenn sie denn existiert und nicht auch ein fake ist, lässt ja hoffen, dass er weiß, was er da sagt ...
Nachtrag: Böhmermanns spanischer Cutter erklärt Varoufake
Das ZDF wollte die Kohle für eine deutsche Fachkraft nicht springen lassen, also macht Gastarbeiter Juan Joya Borja den Job... (Schlecky Silberstein via phänomene)
Marcin Mamon schreibt in seiner Reportage aus Kiew, dass der Kampf einiger ukrainischer Nationalisten im Osten des Landes einen überraschenden religiösen Charakter habe.
"Korchynsky is nearly a caricature of a Russian-hating Ukrainian nationalist. His silver hair contrasts with his dark, bushy mustache, which is turned down at the edges in the Cossack style. The St. Mary’s Battalion, which is one of more than a dozen private groups fighting alongside the Ukrainian Army against Russian-backed separatists in eastern Ukraine, is Korchynsky’s creation. It is also one of the more unusual volunteer formations in the ragtag forces taking on the separatists, incorporating an ideology that manages to mix Christian messianism with Islamic jihadism."
(The Intercept vom 18.03.2015)
”Die Politik der kulturellen Identität besteht darin, Minoritäten innerhalb von Majoritätsgesellschaften anzustiften, ihre je kulturelle Autonomie zu behaupten, zur Not mit Gewalt. (...) Die Begriffserfindung der kulturellen Identität hat keine reale Entsprechung, sie ist ein Kontrafaktum, eine Konstruktion zur Erpressung der zu ihr gehörigen und zur ausbeuterischen Ausgrenzung aller nicht zu ihr gehörigen.”
Robert Wyatt, a music legend and a vindication of John Lennon's observation that a working-class hero is something to be. With Soft Machine, as a solo artist and as a collaborator with the likes of Elvis Costello, he transformed the British music scene; but just as important, he has clung all his life to the need of a still greater transformation: that of society as a whole. He has had his shoulder to the wheel in many great British struggles, not the least of them the miners’ strike 30 years ago. He came into the Sputnik studio to talk about politics, music and much more.
Via [E.O.M.S.]: Start at 13:02 to avoid all the wank beforehand!
... strips any pretense from Harold Arlen & Ted Koehler’s “Kickin’ The Gong Around,” acting out the lyric’s coke-snortin’ shakes in 1932’s The Big Broadcast.
Als Ergänzung zu meinem Hinweis neulich auf das phantastische musikalische Universum des Hal Wilner und da insbesondere auf Stormy Weather - The Music of Harold Arlen :
Kann es sein, dass dies in einer Zeitschleife The Artist formerly known als P or MJ ist?
Vgl. auch - was die Bühnenpräsenz angeht - Cab Calloway & his Band - Geechy Joe (Cab Calloway, Jack Palmer & Andy Gibson), with Lena Horne, dancer; Bill "Bojangles" Robinson, drummer; Zutty Singleton, bassist; Slam Stewart, Trumpeter; Benny Carter...
... ist der Titel einer sehr sehenswerten Ausstellung im Wilhelm Busch — Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst (auch wenn eigentlich nicht alles neuerdings reloaded sein müsste ...).
Wenn Sie also in Hannover oder in der Nähe sind, sollten Sie sich das nicht entgehen lassen:
So 08.03.2015 - Mo 25.05.2015
Der Göttinger Philosoph, Physiker und Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) gilt als einer der wichtigsten Impulsgeber der Aufklärung und wird als Mitbegründer deutschsprachiger Satire gerühmt. Bis in die Gegenwart begeistern sich Künstler für Lichtenbergs Humor, die Präzision seiner Formulierungen und seine tiefe Menschlichkeit. Die Ausstellung versammelt künstlerische Aussagen aus der jüngeren Vergangenheit und ergänzt sie durch zahlreiche exklusiv für das Projekt entstandene Werke. So werden Arbeiten aus den berühmten Lichtenberg-Zyklen von Horst Janssen, Rainer Ehrt und Robert Gernhardt gezeigt, ebenso wie Arbeiten von Loriot, Franziska Becker, F. W. Bernstein, Gerhard Glück, Rudi Hurzlmeier, Jakob Kirchmayr, Frank Hoppmann, Nicolas Mahler, Jub Mönster, Frank Kunert, Susannah Martin, Arndt Möller, Javier Mayoral, Til Mette, André Poloczek, Dorthe Landschulz, Piero Masztalerz u. v. a. - h1 Fernsehen zur Ausstellung.
... oder dies, bei dem ich an Gert Hofmanns Die kleine Stechardin denken muss: Es ist rührend, wie der 38 Jahre alte Universitätsprofessor und die 15-jährige Analphabetin sich einander vorsichtig nähern, bis sie sich endlich in den Armen liegen. "Die kleine Stechardin" ist ein naiv wirkender, skurriler, wehmütiger und melancholischer Roman. - meint Dieter Wunderlich. Lesen!! - (auch wenn das heute Edathy-mäßig unter Kindermissbrauchsverdacht geriete ...)
Historische Anthropologie begreift Geschichte als historische Praxis. Im Zentrum stehen Vielfalt und Veränderlichkeit kulturell geprägter Lebens- und Erfahrungsweisen. Alltagswirklichkeiten gelten in dieser Perspektive als von historischen Akteuren und Akteurinnen geformt und getragen, verändert oder zerstört. Nicht ‚anthropologische Konstanten' sollen erkundet werden. Fragen richten sich vielmehr auf das konkrete ‚Machen', ‚Tun' und ‚Ausdrücken' von Ereignissen und Konfigurationen sowie auf deren Wahrnehmungen. Die materialen Alltage der Menschen erweisen sich als veränderliche, zugleich als ihrerseits verändernde Momente historischer Prozesse. Dazu gehören die Profile von Interessen und Emotionen in ihren praktischen Wirkungen und Umsetzungen, aber auch in ihren medialen wie symbolisch-rituellen Voraussetzungen und Vermittlungen. Situative Verknüpfungen werden erschlossen; parallel gilt das Interesse gesellschaftlichen Kräftefeldern und Handlungsräumen, zugleich deren je unterschiedliche Zeitlichkeiten.
Den Ansatz fände ich interessant, aber wahrscheinlich etwas abgehoben-verschwurbelt, hätte ich nicht heute dies erlebt:
Ich hatte dienstlich in der L-Schule in H. zu tun und stand am Nachmittag vor dem Gebäude, das ich vor 50 Jahren selbst als Schüler täglich zu betreten hatte, und bemerkte, dass aus einem der hinterem Räume - leise und verweht und zunächst nicht auszumachen - eine irgendwie bekannte Tonfolge herüberklang.... Offenbar eine Schülerband, die sich der Rockmusik annähern will ... da da ... dadada ... ein Riff, das mir irgendwie bekannt vorkam, aber noch nicht zu erkennen war .... da da ... dududu ... Mehrmals im Kopf angestimmt hatte ich es: Louie Louie!! Double Fantasy: die gleichen Klänge, die die Schülerband meines alten Freundes Jürgen Rosenthal hervorgebracht hat, - vor fast 50 Jahren!!
Ist das nicht faszinierend, dass in den materialen Alltagen der Menschen, so veränderlich und veränderend sie sein mögen, doch so etwas wie historische Konstanten eingelagert sind, die ein simples, aber offenbar gleichermaßen zugängliches wie herausforderndes Riff wie das von Louie Louie in je unterschiedlichen ZeitlichkeitenEmotionen in ihren praktischen Wirkungen und Umsetzungen, aber auch in ihren medialen wie symbolisch-rituellen Voraussetzungen und Vermittlungen auslösen lassen, die seltsam überzeitlich sind??
Das war jetzt ziemlich verquast: Die Frage ist also: Wie lässt es sich erklären, dass ein 60 Jahre altes Riff die gleiche Motivation bei Jugendlichen hervorruft, es nachspielen zu wollen, wie das vor fast 50 Jahren - und später immer wieder (The Clash) - der Fall war? - Und woher kommt solch ein kultureller Fundus? Wie wird der tradiert?
1. Zugabe :Pictures of The World 50 Years Ago, in 1965 2. Zugabe: A little over 30 years ago, John Lennon and Yoko Ono posed for their “Double Fantasy” album cover. The resulting image, by photographer Kishin Shinoyama, was taken during one of the couple’s last photo shoots at Central Park, New York, just three months before Lennon’s untimely death in December 1980. Shinoyama made other photographs that day, but many of them have never been shown until now. (via vintage everyday)
Heute ist in den einschlägigen Blogs viel die Rede von Varoufakis' Stinkefinger und davon, ob der nun doctored ist oder nicht und aus welcher Perspektive Jauchs Redaktion den hätte eindringen lassen müssen.
Dazu treffend egghat: Dumpfbacke, aber von alleine kommt auch ne Dumpfbacke nicht auf diese Ideen. Da braucht es schon die seit langem bewährte Kombination aus volksverdummenden Boulevardzeitungen, schlechten Talkshows und populistischen Politikern …
Es war eigentlich schon in den 30er Jahren absehbar, dass das nichts werden würde: Wir arbeiten uns hier den Arsch ab, um aus der Krise 1929ff. rauzukommen und der Grieche sitzt da und glotzt auf's Meer ...
Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral
... und der Heinrich Böll (der hierzulande offenbar als toter Hund gilt und den die ihn - fälschlich - vereinnahmende - grüne - Stiftung immer mal wieder endgültig erledigen will) romantisiert das auch noch in einem Text, den er vermutlich geschrieben hat, um Schülerinnen und Schüler im Deutschunterricht zum sog. Nachdenken anzuregen.
Die Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoralschrieb Heinrich Böll für eine Sendung des Norddeutschen Rundfunks zum „Tag der Arbeit“ am 1. Mai 1963.
Wenn man das weiß und Ironie wahrzunehmen und historische Zusammenhänge mitzudenken in der Lage ist, dann lohnt es, die Anekdote nochmal zu lesen; - sonst sollte man es lassen.
Dann, ganz am Schluss, könnte man doch noch einen Kloß im Hals bekommen. Dann, wenn Manfred Krug "Ade" anstimmt, wenn er singt: "Es ist viel zu spät". Seine Stimme klingt so brüchig, so verletzlich, so hinfällig, als würde er nun bald tatsächlich Abschied nehmen müssen. Der Song ist alt, aus den späten 70ern, aber nun bildet er den allzu passenden Abschluss zu "Auserwählt", dem neuen Album von Krug, das er mit seiner langjährigen Weggefährtin Uschi Brüning eingesungen hat. Ein Album, das, sehen wir den Umständen ins Auge, sein letztes sein könnte. (ALTERSWERK Manfred Krug und Uschi Brüning veröffentlichen mit "Auserwählt" ein neues Album. taz)
Ich habe mir das Album vor kurzem als 180gr-Doppel-LP bei Buschfunk gekauft - ein ganz großes Erlebnis! - auch wenn ich dem Rezensenten der taz zustimmen muss, dass Krugs Stimme sehr brüchig klingt, eher merkwürdig hoch im Vergleich zu seinen frühen Aufnahmen, aber anhaltend wunderbar schräg wie damals ...
Man kann ja gegen Manfred Krug, geboren 1937, wegen seines Telekom-Fehlttritts alles Mögliche und Fragen wegen einiger Merkwürdigkeiten anlässlich seiner Übersiedlung von DDR nach BRD haben, aber einer, der mal in einem Tatort (als Stöwer) gesagt hat: "Manchmal beschleicht mich eine ungeheure Inländerfeindlichkeit" (oder so ähnlich, ich kann das nicht wiederfinden, jedenfalls mein erstes Lieblingszitat) und der mit Jurek Becker befreundet war (einem der wichtigsten deutschsprachigen Autoren überhaupt), der (mein zweites Lieblingszitat) in einem SPIEGEL-Interview 1980 einmal wunderbar den Interviewer abgebürstet hat:
SPIEGEL: SED-Chef Honecker hat nach dem Ausschluß der neun Schriftsteller ...
BECKER: Ach, sagen Sie doch bitte Staatsratsvorsitzender oder Erster Sekretär.
... der kann kein schlechter Mensch sein.
Paul Jones, born 1942, the legendary Manfred Mann frontman has only released two solo albums in the past 30 years and here’s the second – Suddenly I Like It. Paul’s produced and backed by the same team as 2009’s Starting All Over Again. Paul’s hits with Manfred Mann include Do Wah Diddy Diddy, Sha La La, Pretty Flamingo, Come Tomorrow, 5-4-3-2-1 (the Ready Steady Go TV theme), Oh No Not My Baby, If You Gotta Go – Go Now and The One In The Middle. Paul has had a BBC2 radio blues program for decades and he tours the world both with The Manfreds and The Blues Band.
Once again produced by Carla Olson Paul’s second solo album Suddenly I Like It is a great mix of classic and original blues & soul songs. Special guests on this album include Joe Bonamassa (lead guitar on Beggar For The Blues) and Jools Holland (piano/hammond B3 on Mountain Boogie, Trouble in Mind and Remember Me.) Siehe hier for more Paul Jones!
The Blues Band feat. Paul Jones - Suddenly I like It [2011]
Dave Kelly; Guitar,Vocals,
Gary Fletcher; Bass,Guitar, Vocals
Rob Townsend; Drums,
Paul Jones; Vocals, Harmonica,
Tom McGuinness, Guitar, Mandolin, Vocals
Ein Metöke (griechisch μέτοικος métoikos ‚Ansiedler‘) war in der griechischen Antike, insbesondere in Athen, ein dauerhaft in der jeweiligen Stadt lebender Fremder, der kein Bürgerrecht (und damit keine politischen Mitwirkungsrechte) besaß, aber meist auch Grieche war. Die Metöken mussten in Athen eine spezielle Steuer (μετοίκιον metoikion, vermutlich eine Drachme im Monat) entrichten und standen dafür unter einem gewissen Schutz des Staates. Vor Gericht und bei Rechtsgeschäften mussten Metöken sich durch einen Bürger vertreten lassen. Sie durften in Athen keinen Grundbesitz erwerben und waren daher überwiegend in Handel und Gewerbe tätig, wurden aber wie die Bürger zum Kriegsdienst herangezogen. Metöken konnten das Bürgerrecht nur durch einen Beschluss der Volksversammlung aufgrund besonderer Verdienste erlangen. .
Das Wort lebt pejorativ im französischen métèque und nahe verwandten Sprachen (katalanisch: metec; okzitanisch: metèc) fort und bezeichnet einen ungeliebten Fremden. Besonders bekannt geworden im deutschsprachigen Bereich ist dieser französische Begriff durch das gleichnamige Chanson Le Métèque von Georges Moustaki.
Diese Definition scheint mir vorzüglich zuzutreffen auf das Bild, das Herr Schäuble vom Griechen in Europa hat:
Problematischer als der borniert-arrogante Umgang des Ministers mit dem Griechen, der ihn eigentlich nur selbst als ökonomisch und politisch unfähig entlarvt, ist, dass das hierzulande offenbar gar nicht mehr wahrgenommen werden kann:
Deutschlands Medien haben sich, von wenigen lobenswerten Ausnahmen abgesehen, seit der Wahl der neuen griechischen Regierung in einen Kampfmodus hineingeschrieben, der seinesgleichen sucht. Da wird mit nicht einmal mehr verhohlener Diffamierungsabsicht von der “links-rechten Populistenregierung” geschrieben (SZ), mit erfundenen und aufgebauschten Vorwürfen gearbeitet. Es darf angenommen werden, dass dieses Bashing den beteiligten Journalisten nicht einmal mehr selbst auffällt. Man schreibt sich im Herdentrieb in einen Mainstream hinein und glaubt selbst noch, man würde die Realität objektiv abbilden. […]
Wagt man einen Blick in internationale Zeitungen wie den Guardian, den konservativen Telegraph, oder in die des Linksradikalismus völlig unverdächtige Financial Times und dem Wall Street Journal, dann bietet sich ein völlig anderes Bild: Nicht, dass diese Zeitungen durchgehend Syriza-freundlich berichten und kommentieren würden – aber es kommen eben unterschiedliche Stimmen zu Wort und die Mehrheit der Kommentatoren verschweigt nicht, dass die neue griechische Regierung grundsätzlich die makroökonomische Vernunft auf ihrer Seite hat: Austerität funktioniert nicht; das oktroyierte Sparprogramm hat den Krisenländern eine soziale Katastrophe beschert; die ganze Eurozone ist in eine Depression gestürzt und die Schulden könne man nie zurückzahlen, wenn man Länder wie Griechenland weiter stranguliere. In der New York Times wird gar mit der autoritativen Autorenzeile “By the Editorial Board” (was üblicherweise annonciert, dass es sich hierbei um die Meinung der Gesamtredaktion, nicht um die eines Journalisten handelt) gefordert: “Gebt Griechenland Raum zum Manövrieren.”
Von all dem bekommt der deutsche Leser nichts mit. Deutschland wird zum großem „Tal der Ahnungslosen“. (Robert Misik via Gegenblende via nds)
Wozu das führt, konnte man heute zB beim BILD-ähnlichen Nachrichtenportal von t-online beobachten, wo gemeldet wurde, dass sich laut "ZDF-Politbarometer" 52 Prozent der wahlberechtigten Bundesbürger gegen einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone aussprachen , im Februar waren es zuletzt 41 Prozent. Nur noch 40 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, dass Griechenland im Euro bleiben sollte, zuvor waren es noch 52 Prozent.
Bei der nicht repräsentativen Umfrage* von t-online.de kommt dann sowas heraus:
* Diese Nutzerumfrage ist nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Online-Umfragen sind einem hohen technischen Missbrauchsrisiko ausgesetzt, die Ergebnisse dieser Umfrage könnten eventuell von Dritten manipuliert worden sein.
Dass Sie dennoch veröffentlicht wird, lässt darauf schließen, dass der Veröffentlichende als Vierter gern selbst manipuliert, maW gern irgendwie rumfingert, um das von den Blödmaschinen angeregte Griechenbashing weiter anzuheizen. Die Kommentare jedenfalls zeugen überwiegend von völliger Unkenntnis der komplexen Sachverhalte und entsprechen damit dem Standard der Gesamtredaktion (s.o.), womit zur Erscheinung kommt, was offenbar das Wesen der deutschen Qualitätsmedien ist:
Keine Ahnung, aber wird sind ja Charlieund dürfen alles in die Gegend blasen, was wir für eine Meinung halten ...
Ναὶ ναί, οὒ οὔ ... Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein - oder 1/0
In der unten empfohlenen 3sat-Gesprächssendung "Vis-à-vis" spielt Frank A. Meyer im Zusammenhang mit dem algorithmischen Machbarkeitswahn die Bibel-Karte und zitiert Matthäus 5,33–37, also die Aussage Jesu gegen das falsche Schwören in der Bergpredigt [1] Dort heißt es:
33 Ihr habt weiter gehört, daß zu den Alten gesagt ist: "Du sollst keinen falschen Eid tun und sollst Gott deinen Eid halten." 34 Ich aber sage euch, daß ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl, 35noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel, noch bei Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt. 36 Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören, denn du vermagst nicht ein einziges Haar schwarz oder weiß zu machen. 37 Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.
Die Analogie der Forderung des Gottes zur zweiwertigen booleschen Variablen – wahr/falsch bzw. true/false oder 1/0 - ist offensichtlich (... wie auch der politische Bezug: der Grieche möge reden: Ναὶ ναί, οὒ οὔ). - Spielräume gibt es da nicht. Oder anders formuliert: Gott und die Mathematik(er) sind keine Dialektikter (- Varoufakis schon).
„Eure Rede sei aber: Ja – ja; nein – nein; was aber mehr ist als dieses, ist aus dem Bösen.“ Wenn unsere Worte aufrichtig und wahr sind, benötigen sie keine anderen Bestätigungen als ja und nein. Der Sinn der zweimaligen Erwähnung von ja und nein wird durch die sehr ähnliche Stelle in Jakobus 5,12 deutlich: das Ja soll auch wirklich ja bedeuten und das Nein wirklich nein. Alles, was darüber hinausgeht, ist nur ein Zeichen dafür, dass man es im Übrigen mit der Wahrheit nicht genau nimmt, und deshalb aus dem Bösen.
(Die Bergpredigt: Schwören - Ja oder nein? - bibelkommentare.de)
Wenn gelten soll, dass unsere Worte/Werte (1/0) aufrichtig und wahr sind und dass sie keine anderen Bestätigungen als ja und nein benötigen, gibt es kein anderes Wahrheitskriterium als das der Unterwerfung unter einen Gott bzw. eine formale Logik.
- Alles, was darüber hinausgeht ... , also der Zweifel, zB die Frage danach, ob bei der true/false-1/0-Entscheidung mitgedacht wird, dass wir als Gesellschaft abhängig von der Moral, dem Grad der Moral sind, den die Berechner/Entscheider einbringen in ihre Arbeit, oder eine Überlegung wie diese:
Formale Logik bezieht stationäre und sich nicht ändernde Größen ein: a=a. die Dialektik erwidert a<>a. Beide sind korrekt. A=a zu jedem gegebenen Moment. A<>a zu zwei verschiedenen Momenten. Alles fließt, alles verändert sich. (Leo Trotzki, Über dialektischen Materialismus)
- ist nur ein Zeichen dafür, dass man es im Übrigen mit der Wahrheit nicht genau nimmt, und deshalb aus dem Bösen ... : woraus in der Regel die Lizenz zur Ausschließung derer folgt, die die Ja/Nein-1/0-Logik nicht mitmachen; - sei es durch mehr oder weniger gewaltförmigen Ausschluss aus öffentlichen Debatten oder durch physische Gewalt bis hin zur Eleminierung; die Geschichte der Ausübung von Macht kennt da viele Formen der Exklusion. Es stellt sich der Eindruck ein:
Religionen und weltliche Denkverbotsgebäude sind da nicht zimperlich.
Könnte es sein, dass Religion und Mathematik gleichermaßen gefährlich sein können für's Denken, insofern sie als Binärsysteme potentiell exklusiv (als Adjektiv zu Exklusion, exkludieren) angelegt sind. Die Frage ist dann, wie man sich - und andere (Bildung und Erziehung) - imprägnieren kann gegen das Einsickern eines Totalitäts- und Exklusivitätsanspruchs ins Denken.
Eine interessante Aufgabe für die Didaktik der Mathematik.
Nebenbei bemerkt und weg von der Mathematik noch einmal zur sog. "christlich-jüdischen Tradition": "Der Antisemitismus gehörte, zumindest seit Beginn der Kreuzzüge und bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein, zu den Grundzügen der christlichen Kultur." (Goldhagen, Hitlers willige Vollstrecker, S. 58)
Soviel zur Frage nach Exklusion und schamloser Vereinnahmung.
Yvonne Hofstetter, Co-Founder von Teramark Technologies, beschreibt in ihrem Buch "Sie wissen alles" eine drohende Herrschaft intelligenter Maschinen. Nicht die Abschöpfung der Informationen eines jeden einzelnen sei das Problem sondern die Algorithmen, die analysieren, prognostizieren und schlussendlich das Leben berechnen, kontrollieren und bestimmen.
Eine interessante Begegnung.
In der 3sat-Gesprächssendung "Vis-à-vis" spricht der Publizist Frank A. Meyer mit Yvonne Hofstetter, die seit mehr als zehn Jahren intelligente Software-Systeme für Firmen in der Wehrtechnik, in der Sicherheitsvorsorge für Banken und Logistik-Unternehmen entwickelt.
Sehr sehenswert: Präzise Analyse, politisches Bewusstsein, verständliche Aussagen, z.B. zu Big Data und Algorithmen (ab 11:oo).
Interessant ist hier, dass sie das zunächst erläutert aB von Steuerungsprozessen "zum Beispiel in der Industrieautomatisierung" und "Wir haben das immer nur gebaut ..., wo es um die Steuerung von Objekten des Wirtschaftens geht und nie eingesetzt auf den Menschen, aber in den letzten Jahren ..." sei der - vernetzte - Mensch, der Daten erzeugt, in den Regelkreis einbezogen! Da setzt dann Frau Hoffstetters kritisches Denken ein (gut zusammengefasst hier: Die ZEIT vom 10.09.2014).
Daran finde ich interessant, dass der Mensch erst in den Blick genommen und sein Betroffensein als problematisch empfunden wird, wenn er als Konsument, als Privatmensch betroffen ist. Solange er nur Anhängsel der Objekte des Wirtschaftens ist, die qua kybernetischer Steuerung optimiert werden, wird er - auch von einer kritischen Denkerin - offenbar gar nicht wahrgenommen. Das mag an einem Mangel an marxistischer Grundbildung liegen; man könnte aber auch ohne eine solche darauf kommen, dass die angesprochene Industrieautomatisierung in Deutschland seit den zwanziger Jahren wesentlich gestaltet wurde durch und lange Zeit verbunden war mit dem Label REFA (gegründet 1924 als Reichsausschuß für Arbeitszeitermittlung!!), ansonsten als Taylorismus bekannt ist und immer gerichtet war auf
"das Schaffen eines aufgabengerechten, möglichst optimalen Zusammenwirkens von arbeitenden Menschen, Betriebsmitteln und Arbeitsgegenständen durch zweckmäßige Organisation von Arbeitssystemen unter Beachtung der menschlichen Leistungsfähigkeit und Bedürfnisse. Im besonderen besteht die Arbeitsgestaltung in der Neuentwicklung oder Verbesserung von Arbeitsverfahren, Arbeitsmethoden und Arbeitsbedingungen, von Arbeitsplätzen, Maschinen, Werkzeugen, Hilfsmitteln sowie in der ablaufgerechten Gestaltung von Arbeitsgegenständen.“ – REFA[1]
Vorbereitung zur Bewaffnung des Armstumpfes nach einer Operation von Professor Sauerbruch. - Zu berücksichtigen ist hier, dass es rationalisierungsmäßig zu der Zeit um die volkswirtschaftlich notwendige Nutzung der verbleibenden Arbeitskraft der Kriegsversehrten des ersten Weltkriegs ging. Daher wurden diese vermessen im Hinblick auf ihre weitere Vernutzbarkeit (Rationalisierung 1984. Hrsg. von der Staatlichen Kunsthalle Berlin und NGBK)
Sehen wir uns die Fabrikszene aus Chaplins "Modern Times" an, dann dürfte sinnfällig sein, dass die Steuerung von Objekten des Wirtschaftens immer eingesetzt war auf den Menschen, allerdings auf den auf seine Arbeitskraft reduzierten Menschen als Anhängsel der Maschine ...
Intreressant, wie gesagt, dass den Nicht-Proleten das Anhängsel-Werden - jetzt einer neuen Maschine (die aber eigentlich wie die alte auf Algorithmen aufsetzt, freilich komplexeren) - erst problematisch wird, wenn es für sie selbst soweit ist. Wie der unten bereitszitierte Karl Marx 1847 in "Das Elend der Philosophie" schrieb :
"Kam endlich eine Zeit, wo alles, was die Menschen bisher als unveräußerlich betrachtet hatten, als Gegenstand des Austausches, des Schachers, veräußert wurde. Es ist dies die Zeit, wo selbst Dinge, die bis dahin mitgeteilt wurden, aber nie ausgetauscht, gegeben, aber nie verkauft, erworben, aber nie gekauft: Tugend, Liebe, Überzeugung, Wissen, Gewissen etc., wo mit einem Wort alles Sache des Handels wurde." (MEW)
Eine Aufklkärerin ist sie also wohl, die Frau Hofstetter, auch wenn ihr das Wesen von ökonomischen Steuerungsprozessen (verkürzt gesagt C1 + V + M = C2) verborgen bleibt ...
Das schmälert aber nicht den Wert der Einsichten, wenn es zB um die Verantwortung der Mathematik (vorsichtiger formuliert: der Mathematiker(innen?) geht:
Yvonne Hofstetter und Frank A. Meyer über den kindlich-narzistischen Mathematiker (ab 44:00) und die nicht vorhandenen bösen Absichten derer, die mitmachen, die möchten einfach zeigen, was sie können und was möglich ist, nur: wir als Gesellschaft sind abhängig von der Moral, dem Grad der Moral, den diese Menschen einbringen in ihre Arbeit, ... die arbeiten in einem rechtsfreien Bereich ...
= ungehemmte Zweckrationalität
und die Frage nach der notwendigen Kontrolle - durch individuelle Moral, Gesellschaft und Staat (??)
Da oben gerade ein Mangel an marxistischer Grundbildung als hinderlich beim Erkennen von Zusammenhängen festgestellt werden musste, hier ein Hinweis, wie man sich einer solchen annähern kann:
Im „Radiokolleg“ auf FSK hat kürzlich eine Sendereihe begonnen, die sich in je einstündigen Sendungen und im Gespräch mit Georg Fülberth einer Einführung in die marxistische Theorie widmet. (via Audioarchiv kritischer Theorie & Praxis)
Die erste Sendung beginnt mit der Frage, wer Marx gewesen ist und zeichnet die Entwicklung des historischen Materialismus nach. In der zweiten Sendung unternimmt Fülberth noch einmal den Versuch einer Kurzdarstellung der Marx’schen Herangehensweise an die begriffliche Durchdringung der kapitalistischen Produktionsweise.
Troyka’s take-no-prisoners fusion approach ... They stir together prog-rock clamours, thrash-jazz, blues, minimalism and a cauldron of other volatile ingredients. Latest Album: Ornithophobia (2015)
Das sind nicht die (mehr oder weniger) smarten Boys von den "Institutionen", die Harald Schumann in seinem Film Macht ohne Kontrolle - Die Troika zeigt. (Die WELT headleint: ARD gönnt den Griechen einen Troika-Schauprozess - Syriza-Werbe-TV im Ersten: In einer Dokumentation über die Troika wird die Griechenland-Rettung als Untat am griechischen Volk dargestellt).
Also: Sehr sehenswert!
"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt."
Charles Lewinsky, Der A-Quotient
Wise Man Says II
"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater."
Frank Zappa
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