Stephan Hermlin war Kommunist und Ästhet. Er bezeichnete sich als einen spätbürgerlichen Schriftsteller, dem die französische Moderne näher lag als Shdanows Realismus-Begriff. Sein Name hatte in der DDR Gewicht. Aufgrund seines politischen Werdegangs - KP-Mitglied und Emigration -, hatte Hermlin Einfluss. Er gehörte zur alten Garde, wahrte aber Distanz zur Macht. Brechts Statement: "In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen", war für ihn Programm. Wenn es notwendig war, bot Hermlin der Macht Paroli. Er war prominent und er genoss Achtung, ein aufrecht Gehender. Doch die Anerkennung, die Hermlin genoss, galt mehr der Person und weniger seinen schriftstellerischen Arbeiten. Die in den DDR-Sozialismus Hineingeborenen konnten mit seinen Texten wenig anfangen. Das änderte sich, als 1979 "Abendlicht" erschien. In dieser Prosaarbeit, die sich durch eine beeindruckende sprachliche Virtuosität auszeichnet, erzählt Hermlin die Lebensgeschichte eines jungen Mannes, die Parallelen zu seiner eigenen aufweist...
When Islamist militants captured Timbuktu and banned secular music, the members of Songhoy Blues felt they had no choice but to leave their homes in the north and head south to the Malian capital, Bamako. They were traumatised by having to leave behind loved ones, but they also had some luck. British musician Damon Albarn and his Africa Express collective went to Mali in a gesture of solidarity, and Songhoy Blues was one of the bands they recorded for their Maison des Jeunes album.
Auf der Seite des Deutschen Bundestages kann man unter Waffenlieferungen an Peschmerga lesen:
Auswärtiges/Antwort - 23.02.2015
Berlin: (hib/AHE) Die Bundesregierung beabsichtigt, „anknüpfend an die bisher geleistete Unterstützung und synchronisiert mit der mandatierten Ausbildungsunterstützung“, weitere Waffen und Ausrüstung an die Regierung der Region Kurdistan-Irak für den Kampf gegen den „Islamischen Staat“ zu liefern. Wie es in einer Antwort (18/4028) der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (18/3828) weiter heißt, werde eine erste Lieferung „nicht letalen Materials (das heißt keine Waffen und Munition)“ noch für Februar 2015 angestrebt. Weitere Lieferungen, einschließlich Waffen und Munition, seien beabsichtigt, die Termine für diese Lieferungen derzeit allerdings noch nicht festgelegt.
Zu den bisherigen deutschen Waffenlieferungen schreibt die Bundesregierung: „Die kurdische Regionalregierung hat sich verpflichtet, die gelieferten Güter nur im Einklang mit dem Völkerrecht und insbesondere dem humanitären Völkerrecht einzusetzen.“ Ferner habe sie erklärt, dass die von der Bundesregierung bereitgestellten Güter nur im Kampf gegen ISIS und zur Verteidigung der Zivilbevölkerung genutzt werden....
Das Sturmgewehr G36 ist immer als nicht letales Material deklariert worden, so dass die aktuelle Aufregung darüber, dass das Ding nicht richtig trifft, völlig unverständlich ist.
Im Übrigen finde ich es immer besser, wenn Sturmgewehre nicht treffen. Die Bundeswehr fährt aber gerade diese "unser Equipment ist so im Arsch"-Kampagne, um mehr Kohle für den Verteidigungshaushalt klarzumachen, - wie Fefe schreibt und auch auf dies hinweist: Übrigens, ist euch aufgefallen, dass die Peschmerga-Kämpfer keine Probleme mit der G36 hatten?
Peschmerga mit G36 zufrieden
Die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Irak erklärten indes, sie haben keine Probleme mit dem G36. "Bei uns hat es keinerlei technische Probleme mit dem G36 gegeben. Im Gegenteil: Die Waffe ist super", sagte der Peschmerga-Minister Mustafa Sajid Kadir der Deutschen Presse-Agentur. "Sie funktioniert einwandfrei. Wir hätten gerne mehr davon."
Die Bundeswehr hatte den Kurden im vergangenen Jahr zusammen mit anderen Waffen 8000 G36-Gewehre für ihren Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" geschenkt. (tagesschau.de, 19.04.2015)
Andererseits wissen wir ja, dass der Kurde nicht sehr wählerisch ist ("Kurden rotzen das Magazin leer."), so dass der das Geschenk möglicherweise gar nicht richtig würdigen kann ...
Auch interessant: Kürzlich am Bodensee in einem sehr empfehlenswerten Gasthaus waren wir eines abends Zeugen eines netten Beisammenseins der Herren Tillich, Kauder und Lammert nebst ihrer Gattinnen. Man könnte davon bei den höflichen Paparazzi berichten, aber
... so dass ich nicht mehr sagen kann, als dass Herr K. das Gespräch doch schwer dominierte und die Damen kaum etwas beitragen konnten. Vielleicht noch dies: Beim Rauchen draußen traf ich einen Polizisten, der mich - auf meine Bemerkung hin, er sei wohl die Security - fragte, wieviel die Herrschaften denn noch in den Gläsern hätten. Ich musste ihm leider sagen, dass sie gerade noch eine Flasche bestellt hatten ... Lustig war noch, dass wir erst meinten, die 3 Herren, die am Tisch zwischen uns und der illustren Runde saßen, aufgrund ihres sächsischen Dialekts als Tillichs Leibgarde identifizieren zu können, um dann feststellen zu müssen, dass es sich um Monteure auf Dienstreise im Badischen handelte, die gekommen waren, Dächer zu decken. Es hätte mich nicht gewundert, wenn der Tillich von Tätowierten in T-Shirts bewacht würde, die ziemlich viel trinken ... Aber vielleicht war das ja doch nur Tarnung. Mehr darf ich nun wirklich nicht berichten; - ich hab's dem Harry Heine versprochen:
Das ist ein Zauberkessel, worin
Die magischen Kräfte brauen,
Und steckst du in die Ründung den Kopf,
So wirst du die Zukunft schauen –
Die Zukunft Deutschlands erblickst du hier,
Gleich wogenden Phantasmen,
Doch schaudre nicht, wenn aus dem Wust
Aufsteigen die Miasmen!«
Sie sprach's und lachte sonderbar,
Ich aber ließ mich nicht schrecken,
Neugierig eilte ich, den Kopf
In die furchtbare Ründung zu stecken.
Was ich gesehn, verrate ich nicht,
Ich habe zu schweigen versprochen,
Erlaubt ist mir zu sagen kaum,
O Gott! was ich gerochen! – – –
SH-H-H-H-H-H ist übrigens ein widerlicher Laut, der in dieser Schreibung gut wiedergegeben wird [ʃ ʃ ʃ ʃ ʃ]. LehrerInnen stoßen ihn häufig aus. In der Regel dann, wenn nicht mehr klar ist, worum es im Unterricht gerade gehen soll, die Schülerinnen und Schüler aber aufmerksam bleiben sollen. Das grenzt meist an Körperverletzung. Ohne gendermäßig verletzend werden zu wollen, muss doch festgestellt werden, dass Lehrerinnen hier vorn liegen, was die Schärfe und das Körperverletzungspotenzial der Ausstoßung dieses Lautes angeht.
Und was passiert dann im Hirn eines pubertierenden Jugendlichen? Dies:
Wenn Sie die wunderbar schrägen Klänge der twangy guitars und die herrlich naiv-optimistischen Harmonien des Surf Rock mögen
Surf music is a genre of popular music associated with surf culture, particularly as found in Orange County and other areas of Southern California. It was especially popular from 1961 to 1966, has subsequently been revived and was highly influential on subsequent rock music. It has two major forms: largely instrumental surf rock, with an electric guitar or saxophone playing the main melody, largely pioneered by Dick Dale and the Del-Tones, and vocal surf pop, including both surf ballads and dance music, often with strong harmonies that are most associated with The Beach Boys....
Surf music began in the early 1960s as instrumental dance music, almost always in straight 4/4 (or common) time, with a medium to fast tempo. The sound was dominated by electric guitars which were particularly characterized by the extensive use of the "wet" spring reverb that was incorporated into Fender amplifiers from 1961, which is thought to emulate the sound of the waves. Guitarists also made use of the vibrato arm on their guitar to bend the pitch of notes downward, electronic tremolo effects and rapid (alternating) tremolo picking. Guitar models favored included those made by Fender (particularly the Mustang, Jazzmaster, Jaguar and Stratocaster guitars), Mosrite, Teisco, or Danelectro, usually with single coil pickups (which had high treble in contrast to double coil humbucker pickups). Surf music was one of the first genres to universally adopt the electric bass, particularly the Fender Precision Bass. Classic surf drum kits tended to be Rogers, Ludwig, Gretsch or Slingerland. Some popular songs also incorporated a tenor or baritone saxophone, as on "Surf Rider" and "Comanche". Often an electric organ or an electric piano featured as backing harmony.
... „Misstraust du mir?“, fragte ich. Dann erklärte ich ihm, warum ich nicht verschlüssle, und zwar, weil sich die Metadaten, für die NSA & Co sich inzwischen interessieren, nicht mehr verschlüsseln lassen. „Du musst es ihnen so schwer wir möglich machen“, mahnte mein Freund. „Im Grunde geht es darum“, sagte ich, „ob du Vertrauenspraktiker oder Verschwörungstheoretiker sein willst.“ Alex schaute mich theoretisch an. „Ich habe gehört, dass NSA und Mossad jetzt auf Facebook den sogenannten Stupsnet-Wurm zum Einsatz bringen wollen.“ ... Verschwörungstheorien in Zeiten von NSA & Co. Von Peter Glaser, StZ 13. April 2015
Ich halte es für einen fruchtbaren Ansatz, dem Phänomen ISIS beizukommen, indem man es analysiert als neue Erscheinungsform des beinharten ökonomischen Konkurrenzkampfs auf dem Gebiet der privatisierten Kriegführung, - zu charakterisieren durch die Einführung noch brutalerer Varianten in den Markt und durch ein neuartiges Branding, das ISIS als eigene mediale Marke etablieren soll ("Pop-Dschihadismus").
In den Plänen, die der SPIEGEL nach mehrmonatigen Recherchen in Syrien exklusiv auswerten konnte, offenbart sich nichts von dem religiösen Fanatismus, mit dem der IS sich nach außen präsentiert. Die Dokumente enthüllen die Methoden eines hochkomplexen Geheimdienststaates, der sich auf flächendeckende Ausspionierung, Überwachung und Morde gründet.
Unter dem Deckmantel islamischer Missionierungsbüros wurden laut den Plänen in den Städten und Dörfern Nordsyriens als Prediger getarnte Spione ausgebildet. Sie sollten Machtverhältnisse und Schwachstellen der jeweiligen Orte in Erfahrung bringen.
In einem nächsten Schritt sollten charismatische Führungsfiguren und Rebellenführer von speziell etablierten Einheiten für "Ermordungen" und "Entführungen" beseitigt werden, um potenziellen Widerstand frühzeitig zu ersticken. Erst dann sollten militärische Angriffe erfolgen, unterstützt von "Schläferzellen" mit Waffen und Kämpfern....
Nichts da also mit Mittelalter und mangelnder Aufklärung! Im Gegenteil: Hochkomplexer Geheimdienststaat, HiTec-Governance und virales Marketing at its best ...
Heute um 13:28 Uhr meldet tagesschau.de: Flüchtlingsboot gekentert - bis zu 700 Tote befürchtet "Eine neue Ebene der Grausamkeit"
Von einem Schiffsunglück ist Rede, von einem gekenterten Boot, das seltsamer Weise erst kentert, als ein portugiesisches Containerschiff zum Rettungseinsatz naht.
Doch anstatt viele retten zu können, wurde die Besatzung der "King Jacob" Zeuge einer Katastrophe, berichtet Carlotta Sami, Sprecherin des UNHCR in Italien: "Als die Migranten und Flüchtlinge an Bord gesehen haben, wie sich diese Schiff nähert, waren sie wahrscheinlich aufgeregt. Und auf einem so vollen Boot reicht schon, wenn sich wenige Menschen bewegen, und das Boot kippt um, und alle fallen ins Wasser. Das passiert leider, denn diese Schleuser stopfen die Boote unwahrscheinlich voll", sagte Sami.
Das passiert, wäre hier klarzustellen, weil die EU die Seenotrettung im Mittelmeer eingestellt hat („Triton“ statt „Mare Nostrum“), - aus Kostengründen und in Verfolgung eines zynischen Prinzips.
Das Rettungsprogramm Mare Nostrum, das Italien nach der Katastrophe von Lampedusa begonnen hatte, ist beendet worden. Die EU hat sich geweigert, es zu finanzieren. Die Kosten für das Rettungsprogramm hätten denen entsprochen, die demnächst für den Gipfel der Staats-und Regierungschefs in Elmau aufgewendet werden müssen. Der dauert zwei Tage. Mit dem Geld könnte man 365 Tage Rettung organisieren. Sind das die Wertigkeiten, die in Europa gelten? Diese Union tötet; sie tötet durch Unterlassen, durch unterlassene Hilfeleistung.
Einer EU, die dem Sterben zuschaut, sollte der Nobelpreis weggenommen werden
Bundesinnenminister Thomas de Maizière sperrt sich gegen eine EU-Seenotrettung; damit arbeite man, sagt er, den Schleppern in die Hände. Das ist Zynismus. So werden Menschen verzweckt: Sie müssen sterben, um eine Kriminalität zu bekämpfen, die durch eine falsche EU-Politik produziert wird. Das Schlepperunwesen kann ja nur deswegen grassieren, weil Europa die Schotten dichtgemacht hat - weil es die Flüchtlinge mit allen, auch völkerrechtswidrigen Mitteln fernhält...
So ist das wohl, - und wenn dann Herr Gauck sich erschüttert zeigt und von der EU wirksame Maßnahmen fordert und Herr Steinmeier im "Bericht aus Berlin" der ARD von "unerträglichen Bildern" spricht und meint: Dennoch sei es nicht hilfreich, erneut etwa über mehr Polizeipräsenz im Mittelmeer zu diskutieren - auch diese notwendig sein möge. Er betonte, die politische Lage in Libyen müsse mittels einer Regierung der nationalen Einheit stabilisiert werden, um zu verhindern, dass das Land weiterhin von Schleppern benutzt werde. Zudem müsse diesen durch internationale Zusammenarbeit das Handwerk gelegt werden. (tagesschau.de: Erneutes Drama im Mittelmeer EU-Flüchtlingspolitik unter Druck, 17:29 Uhr)
... dann habe ich - kurz bevor ich kotzen muss - noch die Vision, Steinmeier wird Chef der Regierung der nationalen Einheit in Libyen und legt den Schleppern das Handwerk. Mit einer Agenda L2020 ...
Fuck me running und siehe unten: Eins auf die Presse: BILD-Titel vom 15/04/2015
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Was in der Berichterstattung und Kommentierung allgemein auffällt, ist deren zunehmende Alzheimerisierung. Was man vor 1, 2 oder auch 5 oder 6 - 7 Jahren wusste oder zumindest wissen konnte, spielt akutell keine Rolle mehr ...
Das (un-)professionelle Gedächtnis reicht dann gerade noch bis Lampedusa 2013, was in Kommentaren dann nicht mehr als Gauck'sches Aufseufzen hergibt, dass nun etwas geschehen müsse...
Alzheimerisierung der Berichterstattung und Kommentierung
... is a boogie-woogie song written by Don Raye. In 1940, it was recorded by members of the Will Bradley/Ray McKinley Orchestra as the "Will Bradley Trio" (a misnomer as Bradley does not perform on the song, while a fourth, the song's writer Don Raye, does). Three musicians are mentioned in the lyrics:
The drummer man's a guy they call 'Eight Beat Mack'
And you remember Doc and ol' 'Beat Me Daddy' Slack
"Eight Beat Mack" refers to drummer Ray McKinley, "Doc" refers to bass player Doc Goldberg, and "Beat Me Daddy Slack" refers to pianist Freddie Slack (a reference to "Beat Me Daddy, Eight to the Bar", a hit recorded earlier in 1940 by Slack with the Bradley/McKinley Orchestra). Vocals for "Down the Road a Piece" were provided by McKinley and Raye. ... subsequent recordings of "Down the Road a Piece" usually changed the lyrics that referred to the musicians. Amos Milburn, who recorded the song in 1946, started the tradition by including the reference to "Eight Beat Mack", but changing the next line to "You remember me doggin' old Beat me Daddy Slack." (Wikipedia)
Witzig: Seit 1965, als die Rolling Stones den Titel auf The Rolling Stones No. 2 veröffentlichten, dachte ich immer, der Vers hieße
The drummer man's a guy they call Charlie my boy --> Charlie Watts, aber jetzt habe ich mal genau hingehört und nachgesehen und festgestellt, dass das ein schönes Beispiel für misheard lyrics ist:
The drummer's man's a cat, they call Charlie McCoy
You know, remember that rubber legged boy? ... und Charlie McCoy is an American session musician noted for his work on a wide variety of instruments. In his career, McCoy has backed several notable musicians including Bob Dylan, Johnny Cash, Tom Astor, Elvis Presley, Chet Atkins and Ween. He has also recorded thirty-seven studio albums ...
Interessanter noch finde ich mal wieder das Phänomen der Zeitwahrnehmung, - genauer: der seltsam fokussierten Wahrnehmung vergangener Zeit. Das hat vermutlich etwas zu tun mit eigener Zeitgenossenschaft und mit medialer Vermittlung. Ich war Zeitgenosse von 3, so dass mir das näher ist als 2, obwohl sich die technische Qualität medialer Dokumentation von 2 und 3 nicht wesentlich unterscheidet, so dass hier für Nicht-Zeitgenossen Zeiten ineinander fallen mögen. Das ist schon wieder anders, wenn es um Tondokumente geht. Da klingt ein akuteller Remix der Aufnahme von 1965 nicht weniger frisch als zB Sonic Gypsy "BORN A ROLLING STONE!"
Zwischen 1 und 3 liegen 25 Jahre, zwischen 3 und heute 50 Jahre! (Ain't that strange, Mrs. Mop?)
Zuweilen bemerkt man erst (wie ich schon häufiger feststellte), wenn man vom Tod eines Menschen erfährt, wie wichtig er einem war. Eduardo Galeano ist am 13. April 2015 im Alter von 74 Jahren in seiner Heimatstadt Montevideo an den Folgen einer Erkrankung an Lungenkrebs gestorben.
Roberto De Lapuente schreibt heute in seinem Nachruf auf Galeano, den ich unbedingt zu lesen empfehle:
Am Montag ist ein großer Literat verstorben. Ein wortgewaltiger Mann. Seine Themen waren der Kolonialismus und sein Kontinent. Und die Einsicht, dass der Reichtum Südamerikas die Armut beflügelt. Er war nicht ganz so berühmt wie der, der am selben Tag wie er starb. Schade eigentlich...
(Ich stimme auch ausdrücklich De Lapuente zu, wenn er schreibt: Ich mochte Günter Grass nicht.. Das geht mir in jeder Hinsicht genau so!)
"Die offenen Adern Lateinamerikas" war für mich eines der Schlüsselwerke meiner politischen Sozialisation und ich gestehe, dass ich viel dafür getan habe, dass es das auch für meine Schülerinnen und Schüler wurde (in den 80er und 90er Jahren, als man als Politiklehrer noch politisch unterrichten konnte statt Zentralabiturmodule und Kompetenzen). - Vielleicht haben einige ja so die Kompetenz erworben, das Recht von einer besseren Welt zu träumen für ein Menschenrecht zu halten!
"Es fährt der Seemann zur See, obwohl er weiß, dass er niemals die Sterne berühren wird, die ihn leiten."
Mit „Erinnerung an das Feuer“ will Galeano der Geschichte ihren Atem und ihre Freiheit wieder geben und sie selbst zu Wort kommen lassen. Das perfide an der Geschichtsschreibung ist, dass sie immer von den Siegern aufgeschrieben wird... und so wird den Verlierern nicht nur Land, Bodenschätze, Kultur und Lebensstil geraubt, den Verlierern droht außerdem der Raub des kollektiven Gedächtnisses... und ohne das Bewusstsein eigener Wurzeln, gibt es kein Wachsen und Werden... nur ein Verbleiben im Verlust; während die Sieger immer weiter die Geschichte aufschreiben. Eduardo Galeano versuchte in diesem großen Essay, das ausschließlich aus sogenannten historisch gesicherten Quellen schöpft, eine Chronik seines Kontinents zu erstellen, die – ähnlich wie in den „Offenen Adern...“ – die Geschichte als Lebenswirklichkeit erfahrbar zu machen. Im Laufe der Jahre 1982 bis 1986 entstehen so die drei Bände dieses Projektes: 1982 der Band „Geburten“, 1984 der Band „Gesichter und Masken“ und schließlich 1986 der dritte Band „Das Jahrhundert des Sturms“...
Im ersten Teil des Buches also, der mit dem Untertitel „Erste Stimmen“ versehen ist, lässt Galeano die Mythen der Urbevölkerung über die Entstehung der Welt sprechen; interessant ist, dass auch darin eine Schöpfungsgeschichte gibt – sie dauert allerdings dreizehn Tage. Erstaunlich ist auch, dass die Motive der christlichen Genesis auch in diesen Mythen thematisiert werden; von der Entstehung des Himmels und der Gestirne, bis hin zur ersten Begegnung von Mann und Frau....
Wenn man das gelesen hat, fragt man sich, worauf denn die Hegemonie des christlich-jüdischen Schöpfungsmythos zurückgeht (der Teil der halluzinierten christlich-jüdischen Kultur des Abendlandes ist), wo doch die Mythen des vorkolumbischen Amerika so viel schöner sind. Die Antwort liegt wohl in den offenen Adern Lateinamerikas.
Ein Beispiel für die Schönheit dieser Mythen sei noch gegeben:
Die Liebe
Im Amazonas-Urwald sahen die erste Frau und der erste
Mann einander neugierig an. Merkwürdig, was sie da zwi-
schen den Beinen hatten.
- Ist es dir abgehackt worden? fragte der Mann.
- Nein, sagte die Frau. - Ich war immer so.
Er musterte sie aus der Nähe. Er kratzte sich am Kopf. Da
war eine offene Wunde. Er sagte:
- Iß keine Yucca und keine Bananen und überhaupt keine
Frucht, die reif geraspelt wird. Ich kurier dich. Leg dich in
die Hängematte und ruh dich aus.
Die Frau gehorchte. Sie schluckte geduldig Kräutertee und
ließ sich Salben und Tinkturen auftragen. Aber sie mußte
doch die Zähne zusammenbeißen, um nicht zu lachen, als er
sagte:
- Sei unbesorgt.
Das Spiel gefiel ihr, obwohl sie das Fasten und In-der-Hänge-
matte-Liegen schon ein wenig satt bekam. Wenn sie an Obst
dachte, floß ihr das Wasser im Mund zusammen.
Eines Abends stürzte der Mann durch den Wald heran.
Er hüpfte vor Freude und rief:
- Ich hab's! Ich hab's!
Er hatte eben gesehen, wie der Affe die Äffin im Baumwipfcl
kurierte.
- Es geht so, sagte der Mann und trat zu der Frau.
Als ihre lange Umarmung zu Ende war, erfüllte schwerer
Blumen- und Früchtegeruch die Luft. Ein ungeahntes Duften
und nie gesehenes Schimmern ging von den beieinanderlie-
genden Leibern aus, und sie waren so schön, daß die Sonnen
und die Götter sich zu Tode schämten. (59)
Eine wunderbare Vorstellung, dass die Götter sich zu Tode schämten, weil die Menschen entdeckten, was von beieinanderliegenden Leibern alles ausgehen kann. Eine Vorstellung im Übrigen, die Aufklärung eigentlich überflüssig macht. Womöglich ist das, worauf wir so stolz sind, ja nur Produkt eines die Welt quälenden historischen Irrwegs.
Der Feind lauert im Haus nebenan. Zwei Etagen, Fenster ohne Glas, auf dem Dach könnten sich Scharfschützen verschanzt haben. Der Auftrag des deutschen Oberfeldwebels ist klar: "Das Gebäude mit zwei Sturmgruppen nehmen", befiehlt er dem kurdischen Zugführer Mohammed, einem Mann mit kantigem Gesicht, der etwas unschlüssig schaut. Der Bundeswehr-Soldat spricht langsam, deutlich, aber mit entschiedenem Ton. Im Krieg muss jede Anweisung passen.
Wenig später stürmen die kurdischen Peschmerga auf das Gebäude zu, erobern den ersten Stock, dann den zweiten. Der Angriff läuft schleppend, aber immerhin: Das Ziel ist erreicht. Der Oberfeldwebel ist trotzdem nicht zufrieden ...
An Willen mangelt es den Kurden nicht. "Die Arbeit mit ihnen ist völlig unkompliziert", sagt der Leiter der deutschen Trainingsgruppe, ein Oberleutnant aus Bayern, dessen Name wie die der anderen Bundeswehrausbilder nicht an die Öffentlichkeit soll - zu groß ist die Angst vor Angriffen von IS-Extremisten. "Die Peschmerga sind hoch motiviert und sehr praktisch orientiert", sagt der 26-Jährige....
Ein Ausbilder formuliert es flapsig: "Wenn die Kurden angreifen, legen sie sich auf einem Hügel in eine Reihe und rotzen das Magazin leer." ...
Das größte Problem, das die Bundeswehrsoldaten sehen, ist jedoch ein anderes: mangelnde Führungsqualitäten der Peschmerga. Unteroffizieren und Offizieren fehlt es an der Fähigkeit, eine Lage zu analysieren und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen...</cite
Das ist das alte Problem mit den nicht so zivilisierten Stämmen: An Willen und Motivation mangelt es in der Regel nicht, aber was die höheren kognitiven Kompetenzen angeht, hapert's dann doch: Sollen sie ein Gebäude nehmen, dann geht's zwar schleppend voran, immerhin wird das Ziel erreicht, aber wenn sie richtig angreifen sollen, dann legen sie sich auf einem Hügel in eine Reihe und rotzen das Magazin leer... Was ist das? Die „Abteilung für Wehrmachtpropaganda“ unter Admiral Canaris, respektive deren (Ur-)Enkel, am Werk? Wer schreibt sowas? Und welcher leitende Redakteur kuckt da nochmal drauf? Und merkt nichts? Oder will das so?
A US marine suffering severe shell shock waits to be evacuated from the battle zone during the Têt offensive, Hué, Vietnam, February 1968 - by Don McCullin. (via HistoryPorn)
On July 26, 1956, the House of Representatives voted 373 to 9 to cite Pete Seeger and seven others (including playwright Arthur Miller) for contempt, as they failed to cooperate with House Un-American Activities Committee (HUAC) in their attempts to investigate alleged subversives and communists. Pete Seeger testified before the HUAC in 1955.
In one of Pete's darkest moments, when his personal freedom, his career, and his safety were in jeopardy, a flash of inspiration ignited this song. The song was stirred by a passage from Mikhail Sholokhov's novel "And Quiet Flows the Don". Around the world the song traveled and in 1962 at a UNICEF concert in Germany, Marlene Dietrich, Academy Award-nominated German-born American actress, first performed the song in French, as "Qui peut dire ou vont les fleurs?" Shortly after she sang it in German. The song's impact in Germany just after WWII was shattering. It's universal message, "let there be peace in the world" did not get lost in its translation.
Auflösung: Building of the Atomium in Brussels for the World’s Fair 1958
Zugabe: B-57B observing a nuclear test during Operation Redwing, Bikini Atoll, 12 July 1958 (via HistoryPorn)
"Du kannst nicht drogenabhängig sein und dann einfach so diese Musik erschaffen", sagt Cassandra Wilson über Billie Holiday, die vielleicht bedeutendste und ungebrochen populäre Jazz-Sängerin des 20. Jahrhunderts. "Irgendwie existiert diese Vorstellung, dass Leute wie Holiday rein zufällig zur Musik kamen und es einfach so aus ihnen rausfließt. Ich aber glaube das nicht. Es braucht eine Menge Disziplin." Wilsons Ärger gilt der stereotypen Zeichnung von Jazz-Sängern, die - im Gegensatz zu Instrumentalisten - oft als Randfiguren der Geschichte betrachtet werden. Dabei gilt Billie Holiday als Begründerin des modernen Jazz-Gesangs. Tatsache ist, dass Holiday ein tragisches Leben führte und an ihrer Drogenabhängigkeit letztlich zugrunde ging. Billie Holiday - A Sensation (Arte +7 bis 19/04/2015)
Ähnlich rekonstruiert Ralph Bollmann heute in der FAS die Strategie der BRD (Muss Deutschland zahlen? Die griechische Regierung verlangt 279 Milliarden Euro Kriegsentschädigung für die Verbrechen der Nazis. Die Bundesrepublik wehrt sich mit allen Tricks. Damit hat sie Erfolg - seit 70 Jahren, FAS 12.04.2015, S. 22). Gestützt wird die Annahme, die griechischen Forderungen seien berechtigt und Klagen hätten Aussicht auf Erfolg im Übrigen durch Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages (vgl. dazu aktuell 11.04.2015, FOCUS-Online-Experte Jorgo Chatzimarkakis - ach da ist der jetzt!)
Bollmann resümiert: So bleibt es aus Sicht der Historiker wie der Berliner Politik am Ende bei dem Argument von 1945: Förmliche Zahlungen an Griechenland würden vielfach höhere Ansprüche anderer Opfergruppen auslösen, die am Ende unbezahlbar wären - selbst für die Bundesrepublik von heute mit ihrer vielfach größeren Wirtschaftskraft...
"Wenn Griechenland 300 Milliarden fordert, was könnte dann Russland fordern? 100 Billionen?"...
"Dann müssten Sie Deutschland schließen", sagt der Historiker Aly. "Das wäre der größte anzunehmende Schaden für die Weltwirtschaft."
Wollen wir das einmal konsequent zu Ende denken?
Das Ende der Bundesrepublik Deutschland, wie wir sie kannten, - Reichsdeputationhauptschluss und Gründung der Vereinigten Staaten von Europa
Ob das der größte anzunehmende Schaden für die Weltwirtschaft wäre, sei mal dahingestellt (angenommen, die ökonomische Potenz der BRD wäre auch anders in die europäische und die Welt-Wirtschaft zu integrieren ...), aber wenn denn alle seit 1953 suspendierten Forderungen an den Nachfolgestaat des faschistischen Deutschland sich als rechtmäßige und völkerrechtlich durchsetzbare Titel erweisen würden, müsste man zu dem Schluss kommen, dass dies Konstrukt Bundesrepublik Deutschland nicht länger haltbar ist, weil auf falschen Voraussetzungen gegründet (Insolvenzverschleppung) und nachhaltig zahlungsunfähig.
Wäre das nicht eine einmalige Chance für Europa? Ein Reichsdeputaionshauptschluss, der die BRD als völkerrechtliches Subjekt liquidiert und deren ggfs. neu geordnete Verwaltungseineinheiten in die zu gründenden Vereinigten Staaten von Europa einbringt. In einem europäischen Verfassungskonvent wird beraten, wie die Verwaltungseinheiten aller bisherigen Nationalstaaten in die neue Union integriert werden; - nach den Grundsätzen der Europäischen Sozialcharta. Die Verträge von Maastricht, Nizza etc. erweisen sich im Wesentlichen als untauglich zu regeln, was nun zu regeln ist ...
Man wird ja wohl noch mal träumen dürfen ...
Sie können sich gern die gesamte Sendung ansehen, die ja seinerzeit wegen des Absturzes von Flug 4U9525 abgesetzt wurde - es lohnt sich -; ich möchte Ihre Aufmerksamkeit lenken auf den Schluss - ab 45:55
Die Inszenierung der Schlussszene folgt der aristotelischen Wirkungsästhetik der Tragödie; indem sie »Jammer« und »Schaudern« (griechisch »éleos« und »phóbos«) bewirkt, löst sie eine »Reinigung« des Zuschauers »von eben derartigen Affekten« aus. »Jammer« und »Schaudern« waren für Aristoteles in erster Linie psychische Erregungszustände, die sich in heftigen physischen Prozessen äußern. - Die neuzeitliche Diskussion des Katharsisbegriffs setzte mit dem Humanismus ein. Bei der üblichen Wiedergabe von griechisch »éleos« und »phóbos« durch lateinisch »misericordia« (Mitleid) und »metus« (Furcht; neben »terror« Schrecken) handelte es sich im Ansatz um eine Neuinterpretation. Der Begriff wurde ethisch gedeutet als Reinigung von den Leidenschaften, die in der Tragödie zur Darstellung kommen. Diese Umdeutung der aristotelischen Tragödientheorie wurde durch P. Corneille aufgegriffen. G. E. Lessing (»Hamburg. Dramaturgie«, 1768, 73.-78. Stück) übte deshalb wie auch J. C. Gottsched Kritik an der Katharsistheorie des französischen Klassizismus. Der entscheidende Affekt, den die Tragödie beim Zuschauer auslöst, ist nach Lessing das Mitleid; Furcht wird diesem subsumiert, unter Katharsis versteht er die »Verwandlung« der durch die Tragödie erregten Affekte »in tugendhafte Fertigkeiten«. (Universal-Lexikon)
Die Szene - ab 45:55 - vermag einen in der Tat zu Tränen zu rühren und den Wunsch auslösen, dass sich die solchermaßen erregten Affekte »in tugendhafte Fertigkeiten« verwandeln mögen. Allein: Wie könnten die sich konkret äußern? Was folgt daraus?
Die Entschädigungsansprüche von Argyris Sfountouris, der als Vierjähriger 30 Verwandte in Distomo verlor, habe die Deutsche Botschaft in Athen abgelehnt, weil das Massaker als „Maßnahme im Rahmen der Kriegsführung zu werten“ sei. (Focus)
Einstweilen bleibt es beim Mitleid ...
... eigentlich das leichteste der Welt
... oder - wenn nichts anderes übrig bleibt - bei einem Trinklied:
Nächtens ward ich trunken
In einem selten Loch
Bin gleich darin versunken
Weiland, trink ich wohl immer noch
Beider Arme Kraft wollt` stemmen
Mich aus des Loches Rund
Wollten trotzig Händ nicht fallen sehen
Lust`gen Becher in den Grund
Aus Loches Schmutz kroch bös Getier
Und eh ichs mir recht beseh
Nagts weg derweil all Fleisch von mir
Blieb nur der blanke Knochen stehen
[ These are Trinklied Lyrics on http://www.lyricsmania.com/ ]
Jeff Beck ruled the evening from his very first note. Dressed in black and white, he was joined by the fantastic Tal Wilkenfeld on bass, violinist Lizzie Ball, and drummer Jonathan Joseph. First tune was “Mna Na Heireann,” a beautiful Irish melody with fantastic interplay between Beck and Ball. Next up was a killer version of the Mahavishnu classic “You Know, You Know” that solidified that at age 68 Beck is at the top of his game. This was also Tal’s time to shine as she launched into a smoking solo with great playing by Joseph to back her up. The blues kicked in when Beth Hart came out to rock out the classics “I Ain’t Superstitious” and “Going Down.” The general consensus in the room was this was the pinnacle of the show. (20 Best Moments of Crossroads 2013)
"Strange Fruit" was written by the teacher Abel Meeropol as a poem. Abel Meeropol (February 10, 1903 - October 30, 1986) was an American writer, teacher and song-writer, best known under his pseudonym Lewis Allan. He was the writer of countless poems and songs, including the Frank Sinatra and Josh White hit "The House I Live In" (*) and the libretto of Robert Kurka's opera "The Good Soldier Schweik". Later, he and his wife Anne adopted Julius and Ethel Rosenberg's two sons, Michael and Robert, after their parents' executions.
In the late 1930s Meeropol "was very disturbed at the continuation of racism in America, and seeing a photograph of a lynching sort of put him over the edge."
Meeropol once said the photograph "haunted" him "for days." So he wrote a poem about it, which was first published in the Marxist publication The New Masses. An amateur composer, Meeropol also set his words to music. He played it for a New York club owner — who ultimately gave it to Billie Holiday.
When Holiday decided to sing "Strange Fruit," the song reached millions of people. While the lyrics never mention lynching, the metaphor is painfully clear:
Southern trees bear strange fruit,
Blood on the leaves and blood at the root,
Black bodies swinging in the southern breeze,
Strange fruit hanging from the poplar trees.
Pastoral scene of the gallant south,
The bulging eyes and the twisted mouth,
Scent of magnolias, sweet and fresh,
Then the sudden smell of burning flesh.
Here is fruit for the crows to pluck,
For the rain to gather, for the wind to suck,
For the sun to rot, for the trees to drop,
Here is a strange and bitter crop.
Und hier die Hommage von Beth Hart und Joe Bonamassa, different from the Billie Holiday rendition, but also bitter and desperate ...
Und hier the Tribute to Billie Holiday - Ein Abend mit Cassandra Wilson ( Arte Concert - bis 12/07/2015 )Seh- und Hörbefehl!!
Ein phantastisches Konzert mit unglaublich guten Musikern, - über die Band findet sich leider nirgendwo eine Information ... Im Übrigen geht Cassandra Wilsons Interpretation von Strange Fruit auf ihrem neuen Album Coming Forth by Day noch anders unter die Haut als Billies und Beths. Diese Frau ist einfach überwältigend!
"Du kannst nicht drogenabhängig sein und dann einfach so diese Musik erschaffen", sagt Cassandra Wilson über Billie Holiday, die vielleicht bedeutendste und ungebrochen populäre Jazz-Sängerin des 20. Jahrhunderts. "Irgendwie existiert diese Vorstellung, dass Leute wie Holiday rein zufällig zur Musik kamen und es einfach so aus ihnen rausfließt. Ich aber glaube das nicht. Es braucht eine Menge Disziplin." Wilsons Ärger gilt der stereotypen Zeichnung von Jazz-Sängern, die - im Gegensatz zu Instrumentalisten - oft als Randfiguren der Geschichte betrachtet werden. Dabei gilt Billie Holiday als Begründerin des modernen Jazz-Gesangs. Tatsache ist, dass Holiday ein tragisches Leben führte und an ihrer Drogenabhängigkeit letztlich zugrunde ging.
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* "The House I Live In" was a 1945 short film written by Albert Maltz and made by producer Frank Ross and actor Frank Sinatra, words by Lewis Allan (s. o.) to oppose anti-Semitism and prejudice at the end of World War II.
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Strange Fruit today: American police killed more people in March (111) than the entire UK police have killed since 1900
Vgl. Daily Kos und ThinkProgress vom 1. April 2015.
Es verwundert nicht: ...the deaths follow a national pattern: suspects were mostly people of color, mentally ill, or both.
Nachtrag: A propos mentally ill: Es war zu erwarten, dass sich schnell ein Quartalsirrer findet, der den Absturz von Flug 4U9525 [Die Ermittler gehen davon aus, dass der Copilot die Maschine in die Berge zwang. Was wir sicher über den Germanwings-Absturz wissen. Die ZEIT 10. April 2015 18:46 Uhr] nutzt, um ein Berufsverbot für Depressive zu fordern: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stellt sich tatsächlich hin und fordert ein Berufsverbot für psychisch erkrankte Menschen.
Nur noch mal kurz zu der Frage, warum der Russe zuweilen so sensibel reagiert, wenn ihm der Deutsche die Geschichte des 20. Jahrhunderts erklärt. Aus hannöverscher Sicht:
Im Bereich der Stadt Hannover existierten vor der Befreiung am 10. April 1945 mehr als 500 Lager für mehr als 60.000 Zwangsarbeiter, die vor allem in Rüstungsbetrieben arbeiten mussten, darunter die Außenlager des KZ Neuengamme (Stöcken, Ahlem, Limmer, Misburg und Mühlenberg) für den Arbeitseinsatz von mehreren tausend Häftlingen. Als Anfang April 1945 die westalliierten Truppen bereits an der Weser standen, wurden ab dem 6. April 1945 circa 4.500 noch gehfähige KZ-Häftlinge auf einen der sogenannten „Todesmärsche“ nach Bergen-Belsen geschickt. Etwas mehr als 1.000 kranke KZ-Häftlinge – vor allem aus den beiden Lagern in Stöcken – wurden in Güterwagen verladen und dann in einer Scheune in der Nähe von Gardelegen von Angehörigen der SS erschossen.
Ebenfalls am 6. April 1945 wurden sowjetische Kriegs- und Zivilgefangene von Ahlem aus auf einen Todesmarsch durch Hannover getrieben, die auf dem Seelhorster Friedhof selbst ihre Gräber ausheben, sich in Vierreihen aufstellen mussten und dann durch gezielten Kopfschuss durch Angehörige der Gestapo-Leitstelle Hannover erschossen wurden.
Insgesamt wurden so 526 Zwangsarbeiter und KZ-Insassen ermordet. (vgl. Wikipedia)
Den Todesmarsch hat wahrscheinlich kaum jemand mitbekommen; - wie sonst wäre es zu erklären, dass der Massenmord die Bevölkerung erst am 2. Mai 1945 erschüttert - wie die HAZ heute berichtet -, nachdem nämlich die Alliierten an diesem Tage Nazis zwingen, die Leichen zu zu exhumieren. Bürger müssen sich in den Trauerzug einreihen: Auf 15 Lastwagen werden die Leichen über die Hildesheimer Straße zum Ehrenfriedhof am Maschsee gefahren und dort würdig bestattet. Die Wagen sind mit weißen Fliederblüten geschmückt. Der Massenmord erschüttert die Bevölkerung....
Das wäre ein Echolot wert, die Gedanken derer zu rekonstruieren, die am Trauermarsch teilnehmen mussten. - Es war ja nicht die Rede davon, dass sich Erschütterte massenhaft spontan dem Trauerzug anschlossen ...
Grabmal auf dem Ehrenfriedhof am Maschsee-Nordufer in Hannover, 1945 von Muchin-Koloda entworfen, hier mit einem 2011 niedergelegten Kranz von Angela Merkel und Dmitri Medwedew
"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt."
Charles Lewinsky, Der A-Quotient
Wise Man Says II
"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater."
Frank Zappa
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