Hannah Arendt (geboren am 14. Oktober 1906 in Linden, heute ein Stadtteil von Hannover; gestorben am 4. Dezember 1975 in New York City, New York; eigentlich Johanna Arendt) war eine jüdische deutsch-amerikanische politische Theoretikerin und Publizistin. Den Hinweis, dass heute ihr 110. Geburtstag ist, verdanke ich einer sehr geschätzten Kollegin, Signora Carlezzi.
"Das beste Gespräch, das ich je geführt habe." (Günter Gaus) Im Zentrum stehen Gegenwartsfragen zu politischem Denken und Handeln. Einleitend wird das Spannungsfeld von Philosophie und politischer Theorie erörtert. Ein weiterer Aspekt sind Geschlechterrollen sowie insbesondere der Prozess gegen Adolf Eichmann. Das Buch von Hannah Arendt ("Eichmann in Jerusalem") war im Herbst 1964 in der Bundesrepublik und 1963 in den USA erschienen, Arendt nimmt hierzu Stellung. ("Zur Person", 28.10.1964)
Theodor Bergmann: ... Ich hatte eine Beschäftigung in der Landwirtschaftkammer Hannover, habe da Landarbeiter ausgebildet. Als es um die Anstellung ging, war mein Geburtsschein gefragt. Als ich den dann endlich 1956 besorgt hatte, sagte der Leiter der Personalabteilung: Wir wollen keine Juden. Da habe ich gesagt: Ich will meine Anstellung, sonst mache ich Krach. Ich wurde dann angestellt ... 1956 wurden Hunderte demokratische Kommunisten in Westdeutwchland eingesperrt, nur weil sie Kommunisten waren. Tausende verloren ihre Arbeit. Aber Jammern hat keinen Sinn. Mann muss sich wehren ...
Zu Gaus noch eine Bemerkung: „Zur Person“ - Günter Gaus’ Interviews am Beginn des Fernsehzeitalters sind ein gutes Beispiel dafür, dass öffentlich-rechtlicher Rundfunk eine wichtige zivilisatorische, eine schleichende Brutalisierung unserer Gesellschaft einhegende Funktion hatte. Ich kann die Sendezeiten nicht ermitteln, aber wenn ich mich richtig erinnere, liefen die zur "Hauptsendezeit" und wer fernsehen wollte, musste sich das ansehen. Und konnte nicht umschalten auf Ronald Schill nackt auf RTL. Allenfalls auf DDR-Fernsehen, wenn im Sendegebiet!
Es dürfte nicht zu leugnen sein, dass die privatsender-getriebene Verrohung der Medien und die darauf folgende Quoten-Geilheit der Öffentlich-Rechtlichen zur schleichenden Brutalisierung unserer Gesellschaft massiv beigetragen haben. Siehe unten.
Die Schüler treffen sich und besprechen, wie die komplizierte Matheaufgabe zu lösen ist. Jeder schlägt einen Lösungsweg vor, gemeinsam tüfteln sie an den Gleichungen. Das alles aber passiert im virtuellen Raum – tatsächlich sitzen die Schüler verstreut an verschiedenen Orten, der eine in der Schulmensa, der andere im Freizeitraum. So oder ähnlich könnte bald das digitale Lernen an Hannovers Schulen aussehen. ..
Ist ja nicht zu fassen: verstreut an verschiedenen Orten , die gesamte Schule als „Lernraum“ !?
Der Mehrwert der Verlegung des Treffens und Tüftelns in den virtuellen Raum ist, was Schule angeht, nicht unmittelbar ersichtlich, finde ich:
Na gut: „... Der soziale Raum wäre dann nicht mehr durch geographische Aspekte (Anordnungsmuster der Standorte von Menschen und Artefakten) bestimmt, sondern primär als ein Koordinatensystem von sozialen Handlungen bzw. sozialen Positionen (Bourdieu) oder als ein Netzwerk von Kommunikation (Luhmann), das sich von seinen geographischen Voraussetzungen weitgehend befreit hat.“
Das steht ja auch dringend an: die Befreiung von seinen geographischen Voraussetzungen. Auch 'ne Art Emanzipation.
Und wenn sich eh schon alle da treffen, im virtuellen Raum: Dann eben digitales Lernen! Milliarden-Programm für digitale Bildung an Schulen (Wanka)!
di·gi·ta̱l
Adjektiv [nicht steig.]
1.
techn.
so, dass es in Ziffern dargestellt ist.
2.
so, dass es im binären System erfolgt.
Im Binärsystem stehen zwei Ziffern zur Verfügung, die 0 und die 1.
Digitales Lernen? Digitale Bildung??
Können sich die Marketing-Abteilungen in den bertelsmannisierten Kultusministerien nicht wenigstens intelligentere Begriffe ausdenken? Andererseits sind diese Begriffskoppelungen ja auch verräterisch, weil denn doch treffend:
Es ist derzeit eines der heißesten Themen aus dem Silicon Valley: Education Technology, kurz EdTec. So jedenfalls nennen die Amerikaner das neue Feld des digitalen Lernens, für das sich auch viele Investoren brennend interessieren. In neue, außergewöhnliche Bildungsplattformen haben sie mehr als zwei Milliarden Dollar investiert - eine Steigerung um 45 Prozent binnen fünf Jahren. Und der Hype hat gerade erst begonnen.
Jeder, der ein gutes Geschäftsmodell dafür entwickelt, wie möglichst viele Menschen ihrem Interesse und ihren Fähigkeiten nach lernen können, kann im Valley derzeit eine Menge Geld in Finanzierungsrunden einsammeln....
Bang!!: In der neuen Lernwelt wird jeder individuell gefördert
Die Neurowissenschaftlerin Vivienne Ming gehört zu den Vorreitern der Bewegung - sie glaubt an eine wunderbare Zukunft dank der Digitalisierung. Eine ganz neue Lernwelt sei möglich, sagt sie. In dieser Welt spielen Klassenarbeiten und Tests keine Rolle mehr und jeder kann sein Potential frei entfalten, weil er individuell gefördert wird. Digitales Lernen und die Daten, die sich beim Lernen generieren lassen, machen es möglich....
Wie geht das nun konkret? Bei Studenten analysieren Mings Algorithmen die Beiträge aus Chat-Foren, auf denen sich zum Beispiel Biologiestudenten über ihr Fach austauschen. Bei Schülern gewinnt sie Datenmaterial aus dem ganz normalen Alltag, wenn sie beispielsweise in den Klassenräumen Unterrichtsstunden aufnimmt. „Wir haben ein System der Schülerbeobachtung aufgebaut, das aus dem, was es über den einzelnen Schüler weiß, genaue Prognosen über dessen Fortschritte machen kann.“ Sie weiß aus ihren Daten auch genau, welcher Schüler welche Stärken und Schwächen hat, und schafft damit die Grundvoraussetzung für den Einsatz digitaler Lernmethoden.
Nochmal Bang!!: - Datenmaterial aus dem normalen Alltag analysieren
Bei Studenten analysieren Mings Algorithmen die Beiträge aus Chat-Foren, auf denen sich zum Beispiel Biologiestudenten über ihr Fach austauschen. Bei Schülern gewinnt sie Datenmaterial aus dem ganz normalen Alltag, wenn sie beispielsweise in den Klassenräumen Unterrichtsstunden aufnimmt. „Wir haben ein System der Schülerbeobachtung aufgebaut, das aus dem, was es über den einzelnen Schüler weiß, genaue Prognosen über dessen Fortschritte machen kann.“ Sie weiß aus ihren Daten auch genau, welcher Schüler welche Stärken und Schwächen hat, und schafft damit die Grundvoraussetzung für den Einsatz digitaler Lernmethoden.
Ich hatte vor drei Jahren unter dem Titel Die Kompetenzkatastrophe (I) - Oder: Machtausübung durch Individualisierung: Pastoralmacht relaunched die Neuformatierung des noch so genannten "Bildungs"systems in den Blick zu nehmen versucht, und ich muss leider feststellen, dass das, was seinerzeit in den kritischen Bestandsaufnahmen befürchtet wurde, inzwischen Big-Data-EdTec-mäßig in der Tür steht, wenn nicht schon im (Klassen-)Raum angekommen ist - „Micro-Targeting“. Es spricht einiges dafür, dass diese Insemination dem Eskalationsmuster folgt, das Heitmeyer für die Ausbreitung Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit erkannt hat: Provokationsgewinne - Raumgewinne - Räumungsgewinne - Normalisierungsgewinne! (s.u.)
Und die Investoren sind brennend interessiert! (TTIP als nächste Etappe bei der Transformation des Bildungswesens zum Bildungsweltmarkt, auf dem heute schon rund zwei Billionen Dollar jährlich umgesetzt würden und weitere Rendite lockten, gelänge es, die staatliche Dominanz zu brechen und internationalen Bildungsunternehmen durch gelockerte Auflagen den Boden zu bereiten - FAZ, 02.06.2015)
Aus aktuellem Anlass noch einmal der Link auf: Wie Big Data das Wahlgeheimnis aushebelt Wir wissen, wen du wählen wirst (FAZ, 31.08.2013)
Moment der Wahrheit bei Google in Berlin: Ein amerikanischer Wahlkampf-Veteran schildert freimütig, wie sich Daten zur Wählerbeeinflussung nutzen lassen. Und bittet die Datenschützer im Saal, kurz mal Kaffee trinken zu gehen. Interessant zu lesen, wie das „Micro-Targeting“, die planvolle und gezielte Wähleransprache der Obama-Kampagne, funktionierte.
Ein Auszug:
Ausgangspunkt seien die in Amerika geführten Wählerlisten gewesen. Sie beinhalten Namen und Telefonnummern und führen auf, ob die Wähler an den demokratischen oder republikanischen Vorwahlen teilgenommen hatten. Im zweiten Schritt „haben wir uns einfach einen Haufen Daten gekauft“, sagte van de Laar. „Sie kennen Payback?“, fragte er ins Publikum. „Wir gehen da hin und sagen: ,Payback, bitte einmal die Daten ausspucken.‘“ Diese Daten, die das Einkaufsverhalten der Wähler aufzeigen, die die Payback-Bonuskarte verwenden – was van de Laar als ein Beispiel unter vielen nannte –, seien mit den Daten aus dem Wählerregister fusioniert worden.
Für jeden potentiellen Obama-Wähler wurde ein Datenbankeintrag angelegt und ständig erweitert. Auch das Verhalten im Internet war für die Wahlkämpfer von Interesse. Mit „Cookie-Targeting“ wurde das Online-Verhalten der Wähler über deren Computer ausgespäht und ausgewertet. „Social Media, Data Mining, Data Matching“ seien die Kernpunkte des Vorhabens gewesen, das sich „predictive analytics“ nennt –also auf Vorhersagen abzielte. „Wir wollten herausfinden, wer die Personen waren, die sehr wahrscheinlich nicht wählen gehen, aber uns wählen würden, wenn sie doch hingingen“, benannte van de Laar das Anliegen....
... Angriffe und Bedrohungen richten sich direkt gegen schwache Gruppen, sowie stellvertretend gegen jene, die sich für sie einsetzen. Es geht um ein Phänomen, das ich Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nenne. Die Zahlen und Entwicklungen sind bekannt. Es handelt sich um einen Eskalationsprozesse, um den inzwischen mehr als 20jährigen Autismus in großen Teilen vor allem konservativer politischer und journalistischer Eliten sowie der Zivilgesellschaft „aufzustören.“ Man muss sich als Wissenschaftler schon wundern, weshalb sich so viele Politiker, Journalisten etc. seit einiger Zeit so „wundern“, woher diese Entwicklung kommt. Es gibt dazu unsere Langzeitstudien des Bielefelder Instituts, die diese Entwicklung vorhergesagt haben. Es ist lange klar: Der Rechtspopulismus kommt nicht aus dem Nichts. Deshalb sollte man endlich damit aufhören von einem „Wehret den Anfängen“ zu sprechen. Das ist inzwischen eine realitätsblinde Floskel, die meist dann verwendet wird, wenn man nicht mehr weiter weiß.
Wendet man sich den schon länger ablaufenden Prozessen zu, dann lassen sich zwei Eskalationsmuster zeichnen....
Das erste Muster verläuft über vier Stufen. Zunächst sind es Provokationsgewinne, auf die Medien – übrigens nicht nur die Boulevardmedien – reagieren und für die Akteure zusätzliche Resonanz und Ermunterung bedeuten...
Die zweite Stufe sind Raumgewinne auf öffentlichen Plätzen zur Demonstration von Macht gegenüber anderen Gruppen...
Daran knüpfen Räumungsgewinne an, um verschiedene Gruppen beispielsweise aus Jugendclubs zu verdrängen oder durch Brandanschläge gegen Unterkünfte für Flüchtlinge deren Zuzug zu verhindern. Schließlich gibt es in dieser Eskalationslogik die Normalisierungsgewinne. Dies ist das gefährlichste Stadium, weil dadurch die demokratische Kultur in Gefahr gerät und immer häufiger auf der Kippe steht. Das Stadium scheint fast schon erreicht. Viele der rechtspopulistischen oder fremdenfeindlichen Äußerungen waren noch vor wenigen Jahren undenkbar...
Zu den aktuellen Machtspielen fiel mir vorhin eine faszinierende Stelle aus einem faszinierenden Roman ein: In "Die Reise der Elefanten" erzählt der portugisische Liternaturnobelpreisträger José Saramago die abenteuerliche Reise eines Dickhäuters von Lissabon nach Wien.... Salomon ist der Name des vier Tonnen schweren und drei Meter großen Helden dieser heiter satirischen Don Quijoterie. Vor gut zwei Jahren ist der Elefant mit seinem Mahut Subhro aus Indien nach Lissabon gekommen. Als verspätetes Hochzeitsgeschenk des portugiesischen Königs Johann des Dritten an Vetter Erzherzog Maximilian und seine Gattin Maria soll er im Jahr 1551 nach Wien reisen. So die Idee der königlichen Gemahlin Katharina von Kastilien. Die Übergabe Salomons wird im spanischen Herrschaftssitz Valladolid erfolgen. Wie der Elefant von da über die Alpen kommen mag, soll Sorge des Vetters sein. Für den Transport nach Valladolid wird im Auftrag des portugiesischen Königs eine stattliche Eskorte zusammengestellt....
Im Verlauf der Reise wird Salomon jedenfalls zum Objekt unterschiedlichster Projektionen, Spekulationen und Kalküle. Als Hochzeitsgeschenk des portugiesischen Königs an den spanischen Herrscher wird er zum politischen Instrument. In Castelo Rodrigo an der Grenze zu Spanien dient er als Vorwand militärischer Machtspiele zwischen portugiesischer Eskorte und einer Delegation des österreichischen Heeres.... [DLF Büchermarkt / Archiv / Beitrag vom 28.07.2010] Hier (klick oben) ein Auszug, der in Saramagos einzigartiger Art zu erzählen erkennen lässt, wie Gewalt im Kopf entstehen und wie sie eskalieren kann! Lesebefehl!! Bilderwelten - Weltbilder: Wenn es keine Metzgermeister mehr gibt, könnten Kriegselefanten helfen ...
Bei dieser Gelegenheit:
+ José Saramago: Kain Der liebe Gott muss dringend in Therapie [FAZ 15.08.2011]
... Wie Saramago selbst einmal äußerte, richtet das Buch sich nicht gegen Gott, sondern gegen die Menschheit, die ihn erfunden hat. Ob Christen, Juden oder Muslime: sie alle legten ihrem Glauben dasselbe anthropomorph-patriarchalische Scheusal zugrunde. Wer im Alter von fast neunzig Jahren, im Angesicht des nahenden Todes, dem Bankrott Gottes und seiner Heilsversprechen mit einer ähnlich unverschämten Gelassenheit entgegenblickt, hat zweifellos das epikureische Ideal der Ataraxie erreicht. Aus dieser angstlosen Ruhe heraus setzt Saramago bei den Wurzeln der abendländischen Überlieferung an und versucht, sie spielerisch zu dekonstruieren - um aufzudecken, dass die Seligkeit, die der monotheistische Gott verheißt, eigentlich die Hölle ist. Erst recht die Opfer, die sie kosten soll. „Die Geschichte ist zu Ende, mehr gibt es nicht zu erzählen“....
Immerhin! - Die rot-grüne Bundesregierung hatte das - also ein Mandat des Bundestags für den neuen Einsatz zu beantragen - 2003 nicht für nötig befunden und dafür ein Urteil des BVerG kassiert. GBlog zitierte - 2008/05/15 - und empfiehlt den Mitgliedern des Deutschen Bundestages vor der Abstimmung ("Die Zustimmung gilt als sicher ...") die Urteilsbegründung noch einmal zu studieren:
Einsatz deutscher Soldaten in AWACS-Flugzeugen über der Türkei bedurfte der Zustimmung des Bundestags
Für den Einsatz deutscher Soldaten in AWACS-Flugzeugen der NATO zur Luftraumüberwachung über dem Hoheitsgebiet der Türkei im Frühjahr 2003 hätte die Bundesregierung die Zustimmung des Deutschen Bundestags einholen müssen. Dies entschied der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts mit Urteil vom 7. Mai 2008. Der
wehrverfassungsrechtliche Parlamentsvorbehalt für den Einsatz
bewaffneter Streitkräfte greift ein, wenn nach dem jeweiligen Einsatzzusammenhang und den einzelnen rechtlichen und tatsächlichen Umständen die Einbeziehung deutscher Soldaten in bewaffnete Auseinandersetzungen konkret zu erwarten ist. Diese Voraussetzungen lagen hier vor. Mit der Luftraumüberwachung der Türkei in AWACS- Flugzeugen der NATO haben sich deutsche Soldaten an einem Militäreinsatz beteiligt, bei dem greifbare tatsächliche Anhaltspunkte für eine drohende Verstrickung in bewaffnete Auseinandersetzungen bestanden.
(Zum Sachverhalt vgl. Pressemitteilung Nr. 4 vom 21. Januar 2008)
In der Urteilsbegründung heißt es im Einzelnen:
... 3. Ein unter dem Grundgesetz nur auf der Grundlage einer konstitutiven Zustimmung des Deutschen Bundestags zulässiger Einsatz bewaffneter Streitkräfte liegt vor, wenn deutsche Soldaten in bewaffnete Unternehmungen einbezogen sind. Für den wehrverfassungsrechtlichen
Parlamentsvorbehalt kommt es nicht darauf an, ob bewaffnete Auseinandersetzungen sich schon im Sinne eines Kampfgeschehens verwirklicht haben, sondern darauf, ob nach dem jeweiligen Einsatzzusammenhang und den einzelnen rechtlichen und tatsächlichen Umständen die Einbeziehung deutscher Soldaten in bewaffnete Auseinandersetzungen konkret zu erwarten ist. Die bloße Möglichkeit, dass es bei einem Einsatz zu bewaffneten Auseinandersetzungen kommt, reicht hierfür nicht aus. Erst die qualifizierte Erwartung einer Einbeziehung in bewaffnete Auseinandersetzungen führt zur parlamentarischen Zustimmungsbedürftigkeit eines Auslandseinsatzes deutscher Soldaten. Hierfür bedarf es zum einen hinreichender greifbarer tatsächlicher Anhaltspunkte, dass ein Einsatz nach seinem Zweck, den konkreten politischen und militärischen Umständen sowie den Einsatzbefugnissen in die Anwendung von Waffengewalt münden kann. Zum anderen bedarf es einer besonderen Nähe der Anwendung von Waffengewalt. Danach muss die Einbeziehung unmittelbar zu erwarten sein. Ein Anhaltspunkt für die drohende Einbeziehung deutscher Soldaten in bewaffnete Auseinandersetzungen besteht, wenn sie im Ausland Waffen mit sich führen und ermächtigt sind, von ihnen Gebrauch zu machen.
4. Nach diesem Maßstab war die Beteiligung deutscher Soldaten an der Luftraumüberwachung der Türkei durch die NATO vom 26. Februar bis zum 17 April 2003 ein Einsatz bewaffneter Streitkräfte, der nach dem wehrverfassungsrechtlichen Parlamentsvorbehalt der Zustimmung des Deutschen Bundestags bedurfte. Mit der Luftraumüberwachung der Türkei in AWACS-Flugzeugen der NATO haben sich deutsche Soldaten an einem Militäreinsatz beteiligt, bei dem greifbare tatsächliche Anhaltspunkte für eine drohende Verstrickung in bewaffnete Auseinandersetzungen bestanden. Die eingesetzten AWACS- Aufklärungsflugzeuge waren Teil eines Systems konkreter militärischer Schutzmaßnahmen gegen einen befürchteten Angriff auf das Bündnisgebiet der NATO. Die Überwachung des türkischen Luftraums hatte von Beginn an einen spezifischen Bezug zu einer aufgrund konkreter Umstände für möglich gehaltenen militärischen Auseinandersetzung mit dem Irak. Auf eine solche Auseinandersetzung hatte sich die NATO spätestens ab dem 18. März 2003 ernsthaft eingestellt, weil der Beginn der Kampfhandlungen im Irak allgemein erwartet wurde. Es bestand ersichtlich mehr als eine lediglich abstrakte Möglichkeit bewaffneter Auseinandersetzungen. Es lagen vielmehr greifbare tatsächliche Anhaltspunkte vor, nach denen die Verwicklung der NATO in eine militärische Auseinandersetzung zu erwarten war...
Interessanter Umkehrschluss: Wenn die Bundesregierung jetzt den Bundestag beteiligt, dann tut sie das, weil sie den Kriterien des BVerfG für die Parlamentsbeteiligung folgt:
Erst die qualifizierte Erwartung einer Einbeziehung in bewaffnete Auseinandersetzungen führt zur parlamentarischen Zustimmungsbedürftigkeit eines Auslandseinsatzes deutscher Soldaten. Hierfür bedarf es zum einen hinreichender greifbarer tatsächlicher Anhaltspunkte, dass ein Einsatz nach seinem Zweck, den konkreten politischen und militärischen Umständen sowie den Einsatzbefugnissen in die Anwendung von Waffengewalt münden kann. Zum anderen bedarf es einer besonderen Nähe der Anwendung von Waffengewalt. Danach muss die Einbeziehung unmittelbar zu erwarten sein.
Oops! Ob den Abgeordneten des BT, die den Einsatz mandatieren werden, bewusst sein wird, dass sie die qualifizierte Erwartung einer Einbeziehung in bewaffnete Auseinandersetzungen voraussetzen, wage ich zu bezweifeln. Gespannt auf die sog. Bündnisgrünen. --> Wiedervorlage
Eine Anekdote aus Amendts Buch: Kurz vor dem Kosovo-Krieg wird ihm Rudolph Scharping als Dylan-Fan vorgestellt, und Amendt verspricht, ihm einen Konzertmitschnitt zu schicken, der eine hervorragende Version von "Masters of War" enthielte. Einige Monate später schickt der persönliche Referent des neuen Verteidigungsministers einen Brief: Schönen Dank, der Chef höre das Band oft im Büro. Zur gleichen Zeit führt Scharping den ersten deutschen Angriffskrieg nach dem Zweiten Weltkrieg. Günter Amendt: "Back to the Sixties. Bob Dylan zum Sechzigsten".
Fuck me running, masters of war ...
Das ging mir auch so, ebenfalls mit 14. In späteren pop-kulturellen Kontexten verlor ich etwas die Zuversicht of pop being something more than background music...
... aber das kann auch an den Frisuren gelegen haben. Times Have Changed. Oder wie His Bobness meint: Things Have Changed. - Die Differenz wäre noch zu klären.
Neulich in den Tiefen des Nachtprogramms sah ich mal wieder Convoy, ein Roadmovie von Sam Peckinpah aus dem Jahr 1978, das den amerikanischen Traum von Individualismus, Freiheit und Abenteuer wenn auch gebrochen, so doch feiert - der Outlaw Rubber Duck (Kris Kristofferson) gegen den Law and Order-Sheriff „Dirty Lyle“ Wallace (Ernest Borgnine). Erst ist man ganz bei Rubber Duck und seinen Kumpels und freut sich, wie sie eine von einem protofaschistischen, rassistischen Sheriff beherrschte amerikanische Kleinstadt schreddern. - Der antietatistische Impetus des Helden und seiner Klimakiller-Kameraden wird einem beim Zusehen heute aber zunehmend unheimlich und man möchte fast mit „Dirty Lyle“ Wallace sympathisieren, - denkt man an das, was bei der Tea-Party, beim Trump und der AfD draus geworden ist:
Wir waren in Baton Rouge.
Wir waren am Bahnhof da.
Und wir waren pleite.
Scheißgefühl. Du fühlst Dich abgewetzt.
Ungefähr so durchgescheuert wie meine Jeans.
Bobby hat dann einen Diesel angehalten - keine Sekunde zu früh: es fing wieder an zu schiffen.
Und der hat uns bis New Orleans mitgenommen.
Ich hab meine Mundharmonika aus’m Taschentuch gewickelt und angefangen zu spielen.
Mehr so traurige Sachen. Bobby hat Blues dazu gesungen.
Und der Scheibenwischer hat den Takt geliefert, und er hat meine Hand gehalten.
Irgendwann hatten wir dann so ziemlich alle Songs durch, die der Fahrer gekannt hat. Freiheit ist letzten Endes nur ein anderes Wort dafür, daß Du nix mehr zu verlieren hast.
Nix is’ zwar nix wert, aber kostet auch nix.
Aber wenn Bobby den Blues gesungen hat, dann war es kein Problem, sich gut zu fühlen.
Und das war gut genug für mich. Und für Bobby McGee.
Von Kentucky bis Californien war Bobby eigentlich immer mit dabei.
Hat jeden Winkel meiner Seele gekannt und mich am gehen gehalten. In jeder Scheiße.
Und Nacht für Nacht hat er mich warm gehalten.
Irgendwo bei Salinas hab’ ich ihn dann gehen lassen.
Er hat so was wie ein Zuhause gesucht. Hoffentlich findet er eines.
Ich würde so ziemlich meine gesamte Zukunft dafür geben,
ihn noch mal an mir zu spüren. swr3Lyrix - Kris Kristofferson: Me and Bobby McGee:
Wenn Freiheit ... letzten Endes nur ein anderes Wort dafür [ist], daß Du nix mehr zu verlieren hast, kannst Du auch Trump wählen (oder AfD) ... Dialektik der Rebellion.
Kon-genial: Prog Noir - by Stick Men
With riveting performances by the modern prog-rock legends Stick Men – Tony Levin, Markus Reuter and Pat Mastelotto – , "Prog Noir" is ambitious, achieving and immediately essential. Cinematic themes, towering grooves and intricate arrangements are all on tap, and shower down in abundance. Proving conclusively that the whole is indeed greater than the sum of its parts, this herculean effort exceeds any perceived limitations of the trio format -- satisfying even the most devout and demanding of listeners.
Long-time fans of Stick Men and King Crimson will revel in ecstasy, as the three sonic adventurers gleefully waltz to the outer fringes, while remaining sure-footed through every scene. The chemistry of Levin and Mastelotto has never been more evident, keeping a solid, propulsive undercurrent flowing beneath the soaring presence of the ingenious 'mad scientist' antics of Reuter. ... and a profound presence Markus Reuter does prove himself to be. One could be quickly forgiven for mistaking his avid, searching, convicted playing for that of Master Fripp, if administered under blindfold! ...
Freund Axel aus Hamburg erzählt, wie er von Berlin aus mit dem ICE zurückfuhr. Der Zug, bestehend aus zwei aneinandergekoppelten ICEs, hielt auf freier Strecke. Die Lautsprecherdurchsage meldete einen »technischen Defekt«; weitere Informationen würden folgen. Sie folgten: Einer der beiden Züge war defekt, die Fahrgäste wurden gebeten, in den anderen Zug umzusteigen. Axel, im Besitz einer Fahrkarte zweiter Klasse, sah sofort, dass die Reisenden sich in der zweiten Klasse ballten, stapelten und zusammenklumpten, und tat, was jeder vernünftige, halbwegs eigenständig entscheidungsfähige Mensch in einer solchen Situation tut: Er suchte sich einen freien Platz in der ersten Klasse und setzte sich.
Die Schaffnerin vulgo Zugbegleiterin kam durch den Waggon; sie kontrollierte die Billetts der Fahrgäste nicht. Ein Erste-Klasse-Reisender stand auf und machte sich lauthals bemerkbar. Ob sie denn die Fahrkarten nicht kontrollieren wolle, fragte er die Schaffnerin, er habe das Gefühl – wobei er einmal von oben herab ins Rund sah –, dass jetzt auch Zweite-Klasse-Fahrgäste in der ersten Klasse säßen.
Die Zugbegleiterin ließ das kalt. Sie werde nicht kontrollieren, konterte sie, die Fahrgäste könnten schließlich nichts dafür, dass einer von zwei Zügen defekt sei. Sie ging ihrer Wege; ein First-Class-Denunziant, der Geld mit einem Statussymbol verwechselte, mit einem Mittel der Hierarchisierung, sah ihr missmutig nach. Seine erkauften Privilegien waren hinfällig, und so blieb ihm nichts als er selbst, eine Mischung aus Blasiertheit, Denunzianz und Ignorantentum. Das Blasenleben ist verratzt, wenn die Dünkelblase platzt.
Frank Hanebuth kehrte erstmalig nach 3jähriger Zwangsabwesendheit nach Deutschland zurück und erfuhr einen herzlichen Empfang am Flughafen Hannover und nach sich anschliessender eskortierter Fahrt mit der Hummer- Limousine vor der Sansibar am Steintor, wo er dann mit hunderten Gästen in seinen Geburtstag hineinfeierte. Alle Fotos vom Geburtstag hier. Die Frank Hanebuth Doku 11.9.2016 unkommentiert. Eine www.unicutt.tv 2016 Poduktion
OFFICE MILITARY GOVERNMENT FOR GERMANY; UNITED STATES
FINANCE DIVISION - FINANCIAL INVESTIGATION SECTION
O.M.G.U.S.
Militärregierung der Vereinigten Staaten für Deutschland
Finanzabteilung - Sektion für finanzielle Nachforschungen
Ermittlungen gegen die Deutsche Bank
1946/1947
Empfehlungen
Es wird empfohlen, daß:
1. die Deutsche Bank liquidiert wird,
2. die verantwortlichen Mitarbeiter der Deutschen Bank angeklagt und als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden,
3, die leitenden Mitarbeiter der Deutschen Bank von der Übernahme wichtiger oder verantwortlicher Positionen im wirtschaftlichen und politischen Leben Deutschlands ausgeschlossen werden.
Das Glasnost-Archiv dokumentiert hier Auszüge aus dem OMGUS-Bericht (Kapitel I, Kapitel II, Kapitel III, Kapitel IX), die hinreichend deutlich werden lassen, welche Rolle die Deutsche Bank im NS-System spielte, so dass die Sondergruppe innerhalb der FinanzAbteilung der Militärregierung zu eben dieser Emfehlung kam.
Wenn Sie das interessiert und Sie forschen wollen: die OMGUS-Akten finden Sie hiernicht mehr!
Die Auszüge (und Anmerkungen) sind entnommen aus: Ermittlungen gegen die Deutsche Bank - 1946/1949 -, herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger, verlegt bei Franz Greno, Nördlingen 1985.
Nicht mehr verlegt in diesem Lande, aber antiquarischimmer noch zu haben. Auch nicht mehr!
Die Untersuchung der Deutschen Bank hat ergeben, daß sie eine ungewöhnliche Konzentration wirtschaftlicher Macht darstellte und an der Durchführung der verbrecherischen Politik des Naziregimes auf wirtschaftlichem Gebiet teilgenommen hat.(1)
Die Deutsche Bank war die größte aller deutschen Geschäftsbanken und schwang sich während des Krieges zur größten Bank des europäischen Kontinents auf. Sie besaß 1942 etwa 21 % der Gesamteinlagen und 18,5% des Gesamtvermögens aller 653 Geschäftsbanken des Großdeutschen Reiches. Außerdem errichtete und unterhielt sie ein umfangreiches Netz von Zweigstellen und Filialen nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch in den annektierten und besetzten Ländern sowie in den europäischen Satellitenstaaten. Auf dem Gipfel ihrer Macht unterhielt sie im Jahre 1942 etwa 490 Zweigstellen und Depositenkassen, etwa ein Drittel mehr als ihr schärfster Konkurrent, die Dresdner Bank.
Zur Deutschen Bank oder auch zu den anderen Berliner Großbanken gibt es in den Vereinigten Staaten kein Gegenstück. Sie stellte eine Universalbank dar, in ihrer Tätigkeit eine Kombination von kaufmännischem Bankgeschäft und Investitionsgeschäft, und kontrollierte und beeinflußte die Industrie in einem im modernen amerikanischen Bankwesen unbekannten Ausmaß.(2) Sie führte etwa 30% aller Aktienübertragungen der großen deutschen Aktiengesellschaften durch. Sie war die anerkannte Führerin bei der Auflage riesiger Aktien und Obligationsemissionen für die deutsche Industrie, und infolge ihrer Position auf dem Wertpapiermarkt wurde sie zur dominierenden Kraft an den führenden Effektenbörsen. Aufgrund des eigentümlichen deutschen Systems des Depotstimmrechtes kontrollierte sie in Unternehmen der Schlüsselindustrien große Aktienpakete und verfügte über ein entsprechendes Stimmrecht, obwohl ihr nur eine Minderheit der Aktien gehörte. Von den auf den Jahreshauptversammlungen eines einzigen Jahres vertretenen Anteilen übte sie bei der AEG für 28%, bei IGFarben für 38%, bei der DEMAG für 49% und bei den MannesmannRöhrenwerken für 53% der Aktien das Stimmrecht aus.
Am greifbarsten ist die Einflußnahme der Deutschen Bank auf Deutschlands Industrie und die von ihr ausgeübte Kontrolle in dem ausgedehnten System von Überkreuzverflechtungen in den Aufsichtsräten. Die führenden Repräsentanten der Bank die Mitglieder des Vorstandes, der Vorsitzende des Aufsichtsrates und die 14 Generalbevollmächtigten traten in die Aufsichtsräte von 379 Industrieunternehmen ein. Allein ihre 11 Vorstandsmitglieder hatten 76 Ämter als Aufsichtsratsvorsitzende und stellvertretende Vorsitzende in anderen Aktiengesellschaften inne.
Die Anwendung der verschiedenen Mittel, die der Bank für die Kontrolle der Industrie zur Verfügung standen, zeigte sich darin, daß einige Industrieunternehmen de facto von ihr beherrscht wurden. An erster Stelle sind hier zu nennen die MannesmannröhrenWerke, Deutschlands führender Röhren und Blechhersteller, DaimlerBenz, der zweitgrößte Automobilhersteller des Landes, und die Bayerischen MotorenWerke, die zusammen mit DaimlerBenz während des Krieges für die Luftwaffe etwa zwei Drittel aller Flugzeugmotoren herstellten. In dieser Beziehung spielte die Deutsche Bank eine Rolle, die weit über ihre Stellung als größte deutsche Geschäftsbank hinausging.
Mit ihren Beiträgen zum Wiederaufrüstungsprogramm wies die Deutsche Bank den anderen deutschen Geschäftsbanken den Weg. Sie versorgte das Reich mit riesigen Fonds für Wiederaufrüstungszwecke.(3) So investierte sie im Vorkriegsjahr 1938 bereits ungefähr 35% ihres Gesamtvermögens in Reichspapieren. Sie übernahm alleine oder gemeinsam mit einem Partner die Federführung in praktisch allen größeren Kreditkonsortien, durch welche die Finanzierung des gesamten Wiederaufrüstungsprogramms ermöglicht wurde. Sie lenkte die von ihr direkt kontrollierten Industriezweige in die Produktionsrichtungen, die von der Regierung und der Partei gewünscht wurden.
Die Deutsche Bank spielte eine führende Rolle unter den Geschäftsbanken bei der Ausbeutung der wirtschaftlichen Reserven der annektierten, okkupierten und zu Satelliten gemachten Länder Europas. Seit dem »Anschluß« im Jahre 1938 ging sie mit großer Aggressivität daran, ihr Bankimperium über die alten Grenzen Deutschlands hinaus auszudehnen. Sie übernahm die Kontrolle über den CreditanstaltBankverein Wien, die größte Geschäftsbank in Österreich, die mehr als 40 inländische Zweigstellen hatte. Sie übernahm die Kontrolle über die Böhmische UnionBank der Tschechoslowakei und bezog etwa 23 Zweigstellen dieser Bank in ihr eigenes Zweigstellennetz ein. Sie gelangte nach dem Fall von Frankreich und Belgien in den Besitz eines Großteils der von der Société Générale de Belgique, einer der größten Holdinggesellschaften Europas, im Bank und Industriewesen des Balkans gehaltenen Anteile, und gewann dadurch für sich eine beherrschende Position im Bankwesen der Balkanländer.(4) Die Auslandserwerbungen der Deutschen Bank wurden so umfangreich, daß sich die Zahl ihrer Zweigstellen und Filialen außerhalb Deutschlands von 1938 bis 1941 versechsfachte.
Auch diente die Deutsche Bank der deutschen Regierung mehr als einmal als institutionelle Speerspitze bei der wirtschaftlichen Durchdringung der annektierten, okkupierten und völlig abhängig gemachten Länder Europas. Die Kontinentale Öl AG, die im März 1941 von Göring gegründet wurde, um ein deutsches Ölmonopol in Europa zu schaffen, erwarb den Kern ihres ersten Aktienbesitzes die Mehrheitskontrolle über die beiden größten rumänischen Ölgesellschaften von der Deutschen Bank, die vorher, nach dem deutschen Sieg im Westen, diese Anteile von den ehemaligen französischen und belgischen Inhabern übernommen hatte.(5)
Die Deutsche Bank nahm an zahlreichen »Arisierungstransaktionen« in Deutschland sowie in den annektierten, okkupierten und zu Satelliten gemachten Ländern Europas teil und profitierte davon erheblich. Sie übernahm im Jahre 1938 ohne Gegenleistung die gesamte Praxis und Kundschaft des sehr prominenten, »nichtarischen« Bankhauses Mendelssohn & Co. Berlin und gründete im gleichen Jahr ein neues Bankhaus, um das Geschäft der großen privaten, »nichtarischen« Essener SimonHirschlandBank zu übernehmen.(6) Sie gewährte ihren Kunden in großem Umfang Kredite, um sie bei dem Erwerb und der Finanzierung nichtarischen Geschäftseigentums zu unterstützen. Sie beschaffte auch neue »Käufer« für Besitztümer dieser Art und wurde Konkurrentin der Dresdner Bank, deren Aggressivität auf diesem Gebiet im Wettrennen um Provisionen und Profite aus den mit der »Arisierung« verbundenen Transaktionen in Deutschland sprichwörtlich wurde.(7)
Das große Expansionsprogramm der Deutschen Bank wurde während der zwölf Jahre des Naziregimes in erheblichem Umfang durch die Gestaltung enger Beziehungen zu den Ministerien der Regierung und zur Partei sowie zu den angeschlossenen Organisationen verwirklicht. Emil von Stauß, das führende Vorstandsmitglied in den Jahren zwischen 1920 und 1933, hatte Hitler schon frühzeitig unterstützt und unterhielt auch weiterhin eine enge Beziehung zu ihm. Von Stauß stand auch mit Goebbels und Göring auf vertrautem Fuße und wurde im Jahre 1934 zum Vizepräsidenten des NaziReichstages ernannt.(8) Drei zuverlässige Parteigenossen wurden während des Naziregimes eingeladen, dem Vorstand beizutreten der SAOberführer Ritter von Halt, Mitglied des berüchtigten KepplerKreises, Heinrich Hunke, Gauwirtschaftsberater von Berlin, und Robert Frowein, dessen Ernennung die persönliche Billigung von Minister Funk fand.(9)
In den Aufsichtsrat der Deutschen Bank kamen immer mehr überzeugte Parteigenossen und gleichgesinnte Mitläufer. Genau ein Drittel der Mitglieder trug in Anerkennung der Rolle, die sie bei der Erfüllung der Anforderungen der Kriegswirtschaft spielten, den Titel eines Wehrwirtschaftsführers. Die Mehrheit des Leitungskomitees des Aufsichtsrates, des Arbeitsausschusses, waren ausgesprochene Parteigenossen. Der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates, Albert Pietzsch, war alter Parteiaktivist, Wirtschaftsberater von Rudolf Heß und Präsident der Reichswirtschaftskammer.(10) Zu den anderen einflußreichen Mitgliedern des Aufsichtsrates zählten Philipp Reemtsma, einer von Görings Hauptgeldgebern, Wilhelm Zangen und Rudolf Stahl, Präsident bzw. Vizepräsident der mächtigen Reichsgruppe Industrie in der Reichswirtschaftskammer, und Otto Fitzner, Gauwirtschaftsberater von Niederschlesien.(11)
Die Deutsche Bank steuerte während des Naziregimes auch große Summen für eine Vielzahl von politischen Fonds bei. Seit 1939 überwies die Bank während eines Zeitraumes von etwa 6 Jahren jährlich eine Summe von 75 000 Reichsmark an einen speziellen Fonds zum persönlichen Gebrauch Heinrich Himmlers.(12) Die Bank leistete über einen noch längeren Zeitraum einen jährlichen Beitrag von rund 300 000 Reichsmark zugunsten der AdolfHitlerSpende, die zur Verwendung durch die Partei und die ihr angeschlossenen Organisationen bestimmt war.(13) Die Deutsche Bank benutzte ihre gewaltige Macht in der deutschen Wirtschaft, um bei der Durchführung der verbrecherischen Politik des Naziregimes auf wirtschaftlichem Gebiet mitzuwirken. Die Verantwortung dafür liegt bei den Mitgliedern des Vorstandes, die solche Handlungen leiteten, bei den Mitgliedern des Aufsichtsrates, die ihre Zustimmung gaben, und bei den leitenden Mitarbeitern und Angestellten, die sie ausführten.
Der SPIEGEL 08.02.1999
HOLOCAUST: Die Augen fest zugemacht
Neue Aktenfunde belegen: Die Deutsche Bank gab Kredite für den Auschwitz-Bau, sie finanzierte auch Projekte der SS - und die damaligen Verantwortlichen wußten Bescheid.
Zugabe und Überleitung: Die deutschen Banken Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank hatten über Jahrzehnte Milliarden in das rassistische Apartheidregime in Südafrika investiert. Am 11. November 2002 haben schwarze Opfer der Apartheid diese Banken vor einem amerikanischen Gericht verklagt und Entschädigungszahlungen gefordert. Nach jahrelangem juristischem Tauziehen wurde am 8. April 2009 in New York das Verfahren wiedereröffnet und bis jetzt ist es zu keiner richterlichen Entscheidung gekommen. Südafrika: Apartheidopfer verklagen die deutschen Banken, 2. Juni 2010| Von Joe Dramiga
Sowas gab es mal: Artists United Against Apartheid was a 1985 protest group founded by activist and performer Steven Van Zandt and record producer Arthur Baker to protest apartheid in South Africa.
Regular readers here know I’ve been begging the Stones to make a full-on blues album for years. Well… it appears they now have. Their first studio album in over a decade is called Blue & Lonesome, and features a spat of blues covers made famous by the likes of Little Walter, Jimmy Reed & Howlin’ Wolf. Personally, I would have preferred originals ...Willard: Blue & Lonesome: The Original Artists
FilmMittwoch im Ersten: Bergfried | Video der Sendung vom 21.09.2016 20:15 Uhr | Verfügbar bis 28.09.2016 | Quelle: Das Erste
Ein idyllisches Alpendorf in den 80er Jahren. Im Gasthaus quartiert sich Salvatore (Fabrizio Bucci) ein, ein Italiener um die 40, dem die Einheimischen mit Misstrauen begegnen. Ihnen gefällt nicht, dass er überall herum fotografiert, sich Notizen macht, unangemeldet fremde Häuser betritt und ihren Frauen den Kopf verdreht. So auch Erna (Katharina Haudum), zu der sich sogar eine zarte Liebesbeziehung entwickelt. Doch Erna ahnt nicht, was Salvatore wirklich in ihr Dorf führt - er sucht den Mann, der 1944 in seinem toskanischen Heimatdorf seine Mutter, Geschwister und Großeltern erschossen hat. Sehenswert!Ganz großartig in einer Nebenrolle: Gisela Schneeberger!
Auszüge:
Mal so gefragt: Wenn Jesus Burka tragen würde, dürfte er dann noch am Kreuz in Klassen- und Amtszimmern hängen? Vor einigen Wochen hatte die laxe, aber durchaus verfassungskonforme Äußerung der frisch gebackenen niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan, Kreuze gehörten nicht in staatliche Schulen, eine kurze Erregung ausgelöst...
Ein paar Tage später machte die Nachricht Schlagzeilen, dass Belgien Burka und Nikab im öffentlichen Raum verbieten wolle; jetzt zieht Frankreich nach. Begeisterungsstürme lösen diese Gesetzesinitiativen nicht aus, wohl aber Verständnis. Immerhin ist das viel beschworene „mobile Gefängnis“, das in dieser Radikalität vom Koran nicht gefordert wird, weniger Ausdruck einer religiösen Pflicht als vielmehr horribles Instrument patriarchaler Gewalt. Frauen seien darin zu Insekten degradiert, so beschrieb es einmal die Journalistin Carolin Emcke, als sie unfreiwillig in eine Burka schlüpfen musste und sofort begann, sich vor sich selbst zu ekeln. Die Burka wirkt auf westliches Empfinden wie eine kafkaeske Verwandlung.
Ganz so harmlos ist der morbide Charme des Christenkreuzes allerdings auch nicht. Was heißt es eigentlich, dass eine Kultur ein Folterinstrument zu ihrem Wahrzeichen erhebt? Aus distanzierter Perspektive muss der exhibitionistische Leidensfetischismus der westlich-christlichen Bildtradition ebenso befremdlich wirken wie die absurden Verhüllungsgebote mancher islamischer Staaten. Wenn man sich nicht so sehr daran gewöhnt hätte, könnte man die in manchen Landstrichen überzählig herumhängenden Kruzifix-Leichname, vor Schmerz entstellt und mit bluttriefend gemalten Wunden, durchaus als Erregung öffentlichen Ärgernisses einstufen...
Das Kreuz, mit oder ohne Jesus, ist ein raffiniertes Symbol, es zeigt den Tod und bedeutet gleichzeitig seine Überwindung. Das Folterwerkzeug soll Zeichen der Hoffnung sein, weil ja der Gekreuzigte auferstanden ist. Aber das ist schwierig, denn fraglich ist, ob Bilder wirklich das Gegenteil von dem ausdrücken können, was sie zeigen. Jedenfalls kippt die feine Dialektik von Tod und Leben bedenklich in Richtung einer Überpräsenz dunkler Leidensmale, und in einer Gesellschaft, die an das Leben nach dem Tod nicht mehr glaubt, wird von all den Kreuzen als Zeichen der Erlösung wohl nur noch ein Friedhof übrig bleiben.
Es ist verständlich, dass die christliche Kultur für ihre Zeichen mehr Toleranz aufbringt als für die der Nachbarn. Dennoch sollte klar sein, dass ihre Symbole nicht harmloser sind...
Die 193 Mitgliedsländer der Vereinten Nationen haben sich auf einen besseren Schutz und mehr Hilfe für Flüchtlinge geeinigt. Auf dem ersten großen UN-Flüchtlingsgipfel verabschiedeten die Delegierten am Montag in New York per Akklamation die sogenannte New Yorker Erklärung. Damit reagiert die Weltgemeinschaft auf die größte globale Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg: Mehr als 65 Millionen Menschen sind derzeit auf der Flucht.
In 578 der 653 Wahlkieze sind die Nichtwähler mit 34,3 Prozent erneut stärkste Kraft geworden – wenn man sie als eine Partei betrachtet. In nur 75 Wahlkiezen konnte sich eine einzelne Partei gegen die Wahlverweigerer behaupten.
Der berlinweite Wahlsieger SPD ist eigentlich nur von 14 Prozent aller Berliner Wahlberechtigten gekürt worden – gefolgt von der CDU mit 10,7 Prozent, der Linken (10,6 Prozent) und den Grünen (9,7 Prozent). Die AfD wäre nach dieser Rechnung mit 9,3 Prozent auch im Parlament.
Eine sog. rot-rot-grüne Regierung wäre somit von 34,3% der Wahlberechtigten gewählt, die sog. bürgerlichen Parteien von ca. 23%.
Anmerkung von Burks:
„Die Arbeitslosigkeit liegt in Treptow-Köpenick bei 7,5 Prozent und somit deutlich unter dem Berliner Durchschnitt, das Nettoeinkommen der Haushalte übertrifft den Hauptstadt-Durchschnitt.“ Dort wurden die Salonfaschisten am stärksten. Nicht hier bei mir und meinen Nachbarn.
Die Gegenwart nannte er manchmal „unsere verhetzte Zeit“. Das erste, was einem einfällt bei Hilmar Thate, ist sein verstrubbeltes Haar, seine sonore, raue Stimme. Kantiger Typ, passend zum Namen, Lederjacke in Existentialistenschwarz, dickrandige Brille, Drei- Tage-Bart, aber im Gesicht eines Jungen. „Neulich, als ich noch Kind war“, hieß die 2006 erschienene Autobiografie des Schauspielers, der aus der DDR in den Westen gegangen worden war, weil er 1976 protestiert hatte gegen Biermanns Ausbürgerung, wie damals viele.
Er spielte die Ungehaltenen mit gütigem Blick die melancholischen Rebellen: Thate ist zeitlebens ein in die Welt gefallener Wildfang gewesen, ein Kämpfer und Träumer, Meister des Widerspruchs, des Widersprüchlichen. Einer, der die Zerrissenheit in sich vereinte wie kaum einer sonst, sagte der Regisseur Siegfried Kühn über ihn...
Bemerken Sie, dass die Ihnen Bekannten auf den Polaroids anders aussehen als Sie sie kennen - oder meinen zu kennen -? - Ich weiß nicht, was die Polaroid-Bilder abbilden: Kann es sein, dass sie ehrlicher sind als ein digitales Bild?
Glam-Rock, Blues und amerikanische Folkeinflüsse sind auf dem neuen Album von Ian Hunter zu hören, der mit "Fingers Crossed" sein 20. Soloalbum vorlegt.
Darauf beweist der mittlerweile 77-jährige Ex-Frontmann der Glam-Rock Band Mott The Hoople, dass er immer noch großartige Songs schreiben kann, so wie gerade zu hören mit "Dandy", einer Hommage an den alten Weggefährten David Bowie, der Mott The Hopple 1972 den Welthit "All The Young Dudes" lieferte. Und stimmlich ist Hunter immer noch unfassbar kraftvoll, erreicht mühelos die hohen Töne und raspelt wie Rod Stewart in seinen besten Tagen.
Musikalisch klingt das zugegeben ein wenig gestrig, macht aber ungeheuren Spaß. Ian Hunter unterstreicht auf seinem neuen Album mit großer Vitalität, dass er einer der besten noch aktiven Musiker der englischen Classic-Rock-Szene der 70er-Jahre ist. DradioKultur, 16.09.2016 - Alben der Woche
Something is happening – Mr. Jones
My brother says you’re better than the Beatles ‘n’ the Stones
Saturday nite ‘n’ Sunday morning
You turned us into ‘Heroes’ – can you hear the heroes sing?
Dandy – you’re the prettiest star
There ain’t no life on Mars
But we always thought there might be
Dandy – you opened up the door
You left us wanting more
And then we took the last bus home
Who let the Genie – outta the lamp?
And Little Lord Fauntleroy – who let him outta his amp?
Saturday nite ‘n’ Sunday morning
Trevor’s getting’ bolder – ‘n’ Woody loves to hit things
Dandy – the world was black ‘n’ white
You showed us what it’s like
To live inside a rainbow
Dandy – you thrilled us to the core
You left us wanting more
And then we took the last bus home
You beat up Goliath – you had it all
The voice, the look, the songs that shook
The gift of the gab ‘n’ the gall
Saturday nite ‘n’ Sunday morning
All we had to look forward to was the weekend
You made our lives worth living
Dandy - you’re still the prettiest star
There ain’t no life on Mars
But we always thought there might be
Dandy – You took us to the fair
Cabaret Voltaire – and then we caught the last bus home
Dandy – we’ve waited long enough
They should put a statue up
In Piccadilly Circus
Dandy – you blew us all away
Outta the drab ‘n’ the grey
And then we caught the last bus home
Dandy – the keeper of the flame
We won’t see your like again
No, Dandy was a one-off
Dandy – look what you’ve become
I guess I owe you one
So thanks for the memories
Eckhard Henscheid bildete zusammen mit F. K. Waechter, Hans Traxler und Robert Gernhardt das Herz der Neuen Frankfurter Schule um die Satire-Zeitschriften pardon und Titanic. Mit seinem autobiografisch gefärbten Romanwerk "Trilogie des laufenden Schwachsinns" - bestehend aus "Die Vollidioten", "Ein historischer Roman aus dem Jahr 1972", "Geht in Ordnung - sowieso - genau" und "Die Mätresse des Bischofs" - erlangte er in den 1970er-Jahren Kultstatus. Von Markus Metz und Georg Seeßlen - DLF 2016. Hörbefehl!!
Dass Metz und Seeßlen auf Henscheids späteren daherwalsernden Antisemitismus und seine Ausflüge in die Junge Freiheit nicht eingehen, müssten die mir nochmal erklären: Da war er selbst dummdeutsch und obszön (konkret).
United Nations Security Council Resolution 88, adopted on November 8, 1950, in accordance with rule 39 of the provisional rules of procedure, the Council summoned a representative of the People's Republic of China to be present during the discussion by the Council of the special report of the United Nations Command in Korea.
The resolution was adopted by eight votes to two (Republic of China, Cuba) and one abstention from the Kingdom of Egypt.
Das hat jetzt - im Hinblick auf die tolle Musik - erstmal nichts weiter zu bedeuten, kann aber eine Anregung sein, sich mal wieder mit dem Korea-Krieg zu befassen!
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Wie das Studium der Kriege und ihrer Ursachen heutzutage sowieso nicht schaden kann.
Assoziative Archäologie (II):
Auf den Spuren von John Lennon in Verden (NDR, 14.09.2016)
Das beschauliche Verden an der Aller hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem Pilgerort für Beatles-Fans entwickelt. Der Grund: Vor 50 Jahren war John Lennon für Dreharbeiten zu Richard Lesters Anti-Kriegsfilm "How I won the War" ("Wie ich den Krieg gewann") in der Stadt. Der legendäre Beatles-Sänger und Gitarrist spielte in dem Film einen Soldaten, der in einer Szene eine Handgranate sechsmal gegen eine Haustür warf.
These: Wenn man sich einen Text anhört, den der Komiker Jürgen von Manger 1967 im Auftrag des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit, also des Sozialdemokraten Hans-Jürgen Wischnewski bzw. seiner PR-Abteilung, verfasst hat (und den der große Kulturarchäologe Riffmaster kürzlich entdeckt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat), kann man eine Idee entwickeln, warum heute AfD, Front National, UKIP oder Donald Trump gewählt werden; - auch von Leuten, von denen man es eigentlich nicht erwartet hätte.
Hören Sie dazu zunächst Jürgen von Manger:
Das ist schon brillant, wie Manger das rassistische Denken der Zielgruppe in Figur und Rede des Adolf Tegtmeier aufnimmt, wie er seinen IG-Metall-Kollegen Wischnewski bei dessen sozialdemokratischer Facharbeiter-Ehre packt mit dem gleichen Argument, das Gabriel 2015 verwendet: „Und wir werden nicht die überzogenen Wahlversprechen einer zum Teil kommunistischen Regierung durch die deutschen Arbeitnehmer und ihre Familien bezahlen lassen.“, - um dann die Zielgruppe damit für Entwicklungshilfe einzunehmen, dass die ja deutsche Arbeitsplätze sichert:
Aber bitte schön, dat wissen die meisten nich: Daß dieses Geld, wat die sich ausleihen, wennse so mit ihre schwatte Aktentaschen in Bonn angewackelt kommen — dat dürfen die überhaupt nich mit zu Hause nehmen, sondern müssense hier in Deutschland gleich irgendwelche Traktoren oder auch schon mal Kunstdünger für kaufen, damit dieser Dünger dann gleich die deutsche Industrie wieder zugute kommt, und wir alle eine schöne Auftragslage, ne, also daß wir diese ganze Konjunktur nich mehr länger anne Talsohle „rumknabbern müssen, sondern die Wirtschaft schön am Laufen halten!
Wir können festhalten:
1. Dass Jürgen von Manger richtig lag mit der Annahme, dass auch die sozialdemokratische Wählerschaft des Jahres 1967 so (rassistisch) denkt und also die (nationalistische) Aufschwung-Werbung verfängt, dürfte nicht von der Hand zu weisen sein.
2. Es gibt offenbar einen relativ konstanten Anteil der deutschen Bevölkerung, der über ein „geschlossenes rechtsextremes Weltbild“ verfügt bzw. empfänglich ist für „rechtsextreme Denkinhalte“ (vgl. auch SINUS)
3. Es gibt ein Legitimationsproblem, wenn auf Dauer das Wachstums-Versprechen, von dem man profitieren werde, sich als Fake erweist und Deklassierung droht bzw. erfahren wird.
Die Frage ist dann: Warum wählen die jahre/jahrzehntelang die SPD (oder auch die Linke oder gar nicht) und jetzt AfD?
Mir ist durchaus bewusst, dass das Programm und der Erfolg des Front National in vielerlei Hinsicht von den Gefühlslagen der Arbeiterklasse in den 1960er und 70er Jahren geprägt bzw. hervorgerufen wurden. Hätte man aus dem, was tagtäglich in meiner Familie gesprochen wurde, ein politisches Programm stricken wollen, es wäre, obwohl man hier links wählte, dem der Rechtsextremen wohl ziemlich nahegekommen: Forderungen, Einwanderer wieder abzuschieben; „nationales Vorrecht“ auf Arbeitsplätze und Sozialleistungen; Verschärfung des Strafrechts und der Strafverfolgung; Beibehaltung und Ausweitung der Todesstrafe; die Möglichkeit, die Schule bereits mit vierzehn Jahren zu verlassen, usw. ...
Seine zentrale These: Wenn die Linke die Mobilisierbarkeit aus dem Selbstwahrnehmungshorizont der Gruppe löscht, dann rekonstruiert diese sich anhand eines anderen, diesmal nationalen Prinzips, anhand der Selbstwahrnehmung als 'legitime' Population eines Territorums, das einem anscheinend weggenommen wird und von dem man sich vertrieben fühlt ...
Es gibt keine Flüchtlingskrise, wohl aber eine Krise der Menschenrechte in Europa, schreibt Brunkhorst:
Und es ist eine Krise der öffentlich konstruierten Selbstwahrnehmung Europas - also gerade keine Krise der in Europa noch immer mehrheitlich überwiegenden Mentalitäten, sondern eine Krise des Systems der veröffentlichten Meinung. Dieses System ist völlig in die Rolle des Luhmann'schen Beobachters zweiter Ordnung geschlüpft: Es beschränkt sich darauf, dem Publikum die Politik nur noch so zu erklären, wie Eltern ihren unmündigen und unwissenden Kindern die komplizierte Welt, die sie nur berühren, an der sie aber nicht teilnehmen können ...
Sehr treffend: So fühle ich mich jeden Morgen in der Badewanne, wenn mir junge Menschen auf NDR-Info die Welt erklären.
Nicht erstaunlich, so Brunkhorst, wenn derart ausgeschlossene Bürger Diskussionforen nutzen, in denen sie ihre eigenen Differenzen, Kontroversen und Konflikte ausdrücken und austragen können. Dass das, nicht mehr moderiert durch verantwortungsbewusste Redakteure, vielmehr befeuert durch prokante Deutungsangebote, die Aufmerksamkeit garantieren (vgl. Petry und der Begriff "völkisch"), in die rechte Tonne geht, sollte nicht verwundern!
Italy has a long history of emigration. Between 1869 and 1939 eighteen and a half million Italians left their home country, travelling to all corners of the world.After the Second World War emigration started up again, particularly towards northern Europe, and there was massive internal migration as five million southern Italians came to the north of Italy to power ‘the economic miracle’, above all, in Turin, Genoa and Milan. Italy followed the trajectory of all industrializing nations, and emigration fell off as the country grew fat. However, and this is one of modern Italy’s dirty secrets, emigration has revived. From 2005 to 2015 emigration grew by an incredible 49%: and recent figures suggest that the trend is accelerating. Not only this, but the new migrants include a surprising number of young graduates and post graduates, many from the wealthier parts of northern Italy ...
... Wiederum lösten Pauperismus und eine anhaltende Wirtschaftskrise eine Massenemigration – die größte des 19. Jahrhunderts – aus; nun zogen die Auswandererströme fast ausnahmslos in die Vereinigten Staaten...
Zu der wirtschaftlich motivierten Auswanderung kam um 1848 auch eine politische, die ihren Höhepunkt nach der gescheiterten Märzrevolution fand. Diese Emigranten werden gemeinhin als Forty-Eighters („Achtundvierziger“) bezeichnet.
Nach 1855 ließ die Stärke der Auswanderung nach und kam während des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861–1865) fast vollständig zum Erliegen. Friedrich Naumann bezifferte 1916 die Zahl der zwischen 1821 und 1912 in die USA gegangenen deutschen Auswanderer auf 5,45 Millionen. (wikipedia: Auswanderung)
Hat das jetzt auch noch was mit deutscher bzw. europäischer Leitkultur zu tun??
Eines der letzten Bilder von Salvador Allende …
Es ist immer wieder zu erinnern an den anderen 11. September:
Augusto Pinochet war nicht nur ein blutiger Diktator. Er bereitete auch dem Neoliberalismus den Weg ...
Die Bedeutung des "Pinochetismus" geht zugleich über die Grenzen seines unmittelbaren Einflussgebietes hinaus. Der Putsch, 18 Tage, nachdem Pinochet der Regierung Allende seine Treue geschworen hatte, war schließlich nicht nur Höhepunkt eines Stellvertreterkrieges zwischen den damaligen Großmächten UdSSR und USA. Auf den Trümmern der gestürzten Regierung wurde auch das weltweit erste neoliberale Regime errichtet. Von Chile aus wurden die Militärregierungen in Südamerika ein Versuchslaboratorium für wirtschaftspolitische und arbeitsrechtliche Maßnahmen, die, bewährten sie sich, im Westen übernommen wurden...
GBlog: Tod eines Mörders ... 0 langhaariger Zauberer, komm zurück .... Pablo Neruda -Voy a vivir / Ich werde leben
Ich schrieb damals:
Nach aktuellen Kriterien der Bundesrepublik Deutschland, die keine sind, wäre Pablo Neruda auf der Flucht immer eine Person mit erkennbarer Nicht-Bleibeperspektive gewesen, weil immer eingereist aus rückkehrpolitisch relevanten Drittstaaten [neusprech.org]
Ich werde leben
Ich werde nicht sterben. In diesen Tagen
voller Vulkane gehe ich fort,
neuen Möglichkeiten entgegen, dem Leben zu.
Ich lasse alles geordnet zurück,
heute, da Banditen sich herumtreiben
mit der "westlichen Kultur" im Arm,
mit Händen, die in Spanien morden,
und den Galgen, die schwanken in Athen,
und der Schande, die Chile regiert,
und ich schweige.
Ich bin bereit,
mich auf die neuen Worte, Menschen und Wege
einzulassen, die mich erwarten,
die mit Bangen an meine Tür klopfen.
... typischer Fall von verordnetem Antifaschismus: Die Rockbands, Singegruppen und Schlagerfuzzies der DDR mussten was gegen den Putsch singen. (Ich bin nicht sicher, ob Leser/in in der Formulierung erkennen kann, dass ich für verordneten Antifaschismus bin!) - Hierzulande sagte CDU-Generalsekretär Bruno Heck, zurückgekehrt nach seiner "solidarischen" Reise aus Chile der Süddeutschen Zeitung am 18.10.73:
"Das Leben im Stadion ist bei sonnigem Wetter recht angenehm."
Ganz großartig gestern Abend die NDR Radiophilharmonie unter Andrew Manze im Kuppelsaal der Stadthalle.
Sie können das hier in der NDR-Mediathek nachsehen (ich weiß nicht wie lange) - Lassen Sie sich nicht vom Moderator abschrecken (Rolf Seelmann-Eggebert) und auch nicht von Titel, Inszenierung und Auswahl ("Stars and Stripes"). Was man dazu anmerken könnte, lasse ich mal weg.
Ich empfehle drei Höhepunkte: 00:05:30 Gershwins Rhapsody in Blue mit dem Pianisten Makoto Ozone. Ich dachte ja schon, dass Gustavo Dudamel und Herbie Hancock das rausgeholt haben, was man - Investigating The Rhapsody - da rausholen kann, aber was Ozone da reinimprovisiert hat, habe ich so noch nie gehört. (Wobei "improvisiert" nicht ganz trifft; - es geht um die parts der Rhapsody, die Gershwin dem Pianisten offen gehalten hat, und die wird der ja nicht jedes Mal neu füllen. Insofern können Sie auch George Gershwin's Rhapsody in Blue, performed by Makoto Ozone mit dem New York Philharmonic ansehen&hören = ähnlich faszinierend, wenn's die Mediathek nicht mehr hat):
View on YouTube - Bis ca 6'50 spielt er es, wie sie's alle spielen, und dann geht's richtig ab ...
01:01:30Die Sopranistin Angel Blue mit Leonard Bernsteins "Somewhere" und ab 01:12:00gemeinsam mit Makoto Ozone: "My Funny Valentyne"
Ein interessantes Phänomen möchte ich noch schildern, das ich nicht übersinnlich nennen möchte, sondern gerade eher sinnlich:
Immer wenn Angel Blue im Konzert zu singen begann, hatte ich das Gefühl, dass diese Stimme mich im Innersten berührt. In der Aufzeichnung, also in der elektronischen Reproduktion der Stimme stellt ich das nicht ein; - wiewohl ich großartig finde, wie sie Berlin, Rogers, Gershwin und Bernstein singt.
Auch hier ein anderes Angebot, diese einzigartige Stimme zu hören:
Chamber Orchestra of Spain, OCE, Angel Blue (soprano),
José Miguel Pérez Sierra (conductor), May 2010, Auditorio Nacional Madrid
"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt."
Charles Lewinsky, Der A-Quotient
Wise Man Says II
"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater."
Frank Zappa
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