Archäologie (CCCLXXIV): 27. Januar 1945 / 2015 - "Night Will Fall" hat mein Leben verändert - Zu spät? Antisemitische Reaktionen auf Tagesthemen-Kommentar und deutsche Identität mit und ohne Auschwitz: Nationaldrüsenfieber
Danke, Anja Reschke, für den Kommentar

... und für die Beschreibung Ihrer Reaktion auf “Night Will Fall” von Alfred Hitchcock(26.01.2015 | 73:05 Min. | UT | Video tgl. ab 20 Uhr - Verfügbar bis 03.02.2015 - ansonsten hier zu sehen!
Mir ging es genau so, anderen offenbar auch:
Mein Leben wäre anders verlaufen, wenn ich als Kind und Jugendlicher Hitchcocks “Night Will Fall“ gesehen hätte.
Manfred Fröhlich im FREITAG, 28.01.2015 | Night Will Fall hat mein Leben verändert - Zu spät?

Blogtagesschau.de über Antisemitische Reaktionen auf den Tagesthemen-Kommentar
Wenn Sie den Film gesehen haben und auch wieder diesen furchtbar hilflosen Zorn spüren, dann sollten Sie Billy Bragg + Wilco: Mermaid Avenue: The Complete Sessions: All You Fascists hören:
... und dann noch mal drüber nachdenken, ob Sie wirklich dem Gedenk-Identitäts-Geschwurbel des Bundespräsidenten sich anschließen möchten, das ja offensichtlich so formuliert ist, dass alle meinen, sich da wiederfinden zu können:
„Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz.“
Den Satz finde ich furchtbar. Wolfgang Lieb schreibt dazu:
Es gibt eine deutsche Identität mit Auschwitz.
Die müsste man dann wohl so beschreiben:
= Die Beförderung des Nationaldrüsenfiebers durch den Pflugscharen-zu-Schwertern-Präsidenten ...


... und für die Beschreibung Ihrer Reaktion auf “Night Will Fall” von Alfred Hitchcock
Mir ging es genau so, anderen offenbar auch:
Mein Leben wäre anders verlaufen, wenn ich als Kind und Jugendlicher Hitchcocks “Night Will Fall“ gesehen hätte.
Manfred Fröhlich im FREITAG, 28.01.2015 | Night Will Fall hat mein Leben verändert - Zu spät?

Blogtagesschau.de über Antisemitische Reaktionen auf den Tagesthemen-Kommentar
Wenn Sie den Film gesehen haben und auch wieder diesen furchtbar hilflosen Zorn spüren, dann sollten Sie Billy Bragg + Wilco: Mermaid Avenue: The Complete Sessions: All You Fascists hören:
... und dann noch mal drüber nachdenken, ob Sie wirklich dem Gedenk-Identitäts-Geschwurbel des Bundespräsidenten sich anschließen möchten, das ja offensichtlich so formuliert ist, dass alle meinen, sich da wiederfinden zu können:
„Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz.“
Den Satz finde ich furchtbar. Wolfgang Lieb schreibt dazu:
- Nach der Nachkriegsdebatte um die deutsche („Kollektiv“-) „Schuld“ am Holocaust, die zuerst Bundespräsident Theodor Heuss in eine „Kollektivscham“ und später Richard von Weizsäcker in eine „Kollektivhaftung“ umdeuteten, will sich nun Gauck mit dem umstrittenen Begriff der „deutschen Identität“ zu der Ausschwitz gehöre, in die Geschichtsbücher eintragen lassen.
„Aus dem Erinnern ergibt sich ein Auftrag“ sagt Gauck zum Schluss seiner Gedenkrede; erinnert er – oder sein Umfeld – sich denn gar nicht, dass schon der Begriff „nationale Identität“ den Keim der Ab- und der Ausgrenzung in sich trägt, die ja der Anfang von Fremdenfeindlichkeit meist verbunden mit Rassismus sind? Wer eine „nationale Identität“ postuliert und das noch ohne konkrete Definition, widerspricht sich selbst, wenn er ein paar Sätze später fordert, dass „wir uns jeder Art von Ausgrenzung und Gewalt entgegenstellen“... (Gauck: “Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz” – ein Widerspruch in sich; Wolfgang Lieb; nds)
Es gibt eine deutsche Identität mit Auschwitz.
Die müsste man dann wohl so beschreiben:
- Die meisten der Beteiligten traten oft bei meinen Kontrollgängen durch die Vernichtungsstellen an mich heran, um ihre Bedrückung, ihre Eindrücke an mich loszuwerden, um durch mich beruhigt zu werden. Aus ihren vertraulichen Gesprächen hörte ich immer und immer wieder die Frage heraus: Ist das notwendig, was wir da machen müssen? Ist das notwendig, daß Hunderttausende Frauen und Kinder vernichtet werden müssen? Und ich, der ich mir unzählige Male im tiefsten Innern selbst die Frage gestellt, mußte sie mit dem Führer-Befehl abspeisen, damit vertrösten. Mußte ihnen sagen, daß diese Vernichtung des Judentums notwendig sei, um Deutschland, um unsere Nachkommen für alle Zeit von den zähesten Widersachern zu befreien. Wohl stand für uns alle der Führer-Befehl unverrückbar fest, auch daß die SS ihn durchführen mußte. Doch in allen nagten Zweifel. Und ich selbst durfte auf keinen Fall meine gleichen Zweifel bekennen. Ich mußte mich, um die Beteiligten zum psychischen Durchhalten zu zwingen, felsenfest von der Notwendigkeit der Durchführung dieses grausam-harten Befehls überzeugt zeigen. Alle sahen auf mich. Welchen Eindruck machten solche Szenen, wie oben geschildert, auf mich, wie reagierte ich darauf. Daraufhin wurde ich genau beobachtet, jede Äußerung meinerseits durchgesprochen. Ich mußte mich sehr zusammenreißen, um nicht einmal in der Erregung über eben Erlebtes meine inneren Zweifel und Bedrückungen erkennen zu lassen. Kalt und herzlos mußte ich scheinen, bei Vorgängen, die jedem noch menschlich Empfindenden das Herz im Leibe umdrehen ließen. Ich durfte mich noch nicht einmal abwenden, wenn allzumenschliche Regungen in mir hochstiegen. Mußte kalt zusehen, wie die Mütter mit den lachenden oder weinenden Kindern in die Gaskammern gingen. [...] Ich mußte dies alles tun – weil ich derjenige war, auf den alle sahen, weil ich allen zeigen mußte, daß ich nicht nur die Befehle erteilte, die Anordnungen traf, sondern auch bereit war, selbst überall dabeizusein, wie ich es von den von mir dazu Kommandierten verlangen mußte ... (Martin Broszat: Kommandant in Auschwitz. dtv, München 1963, S. 197 ff. (23. Auflage. 2011)
= Die Beförderung des Nationaldrüsenfiebers durch den Pflugscharen-zu-Schwertern-Präsidenten ...

gebattmer - 2015/01/29 19:03
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