Oops! Linksextremistisches Potenzial: "Mehrheit vermisst in Deutschland echte Demokratie"
... so der Titel in der WELT heute zu einem Artikel, der dann etwas ganz anderes meldet, nämlich, dass die, die diese Ansicht teilen, dem schwer linksradidalen Potenzial zuzuordnen sind, das - so das Fazit des Artikels und der Studie, auf die er sich bezieht - viel gefährlicher ist als das rechtsradikale:
Studie: Linksextreme Einstellungen sind weit verbreitet
Wissenschaftler der Freien Universität Berlin präsentieren Ergebnisse eines Forschungsprojektes zu demokratiegefährdenden Potenzialen des Linksextremismus
Schon erstaunlich, was für einen theoretisch und methodisch schwach geländerten Unsinn die Freie Universität Berlin da als "Ergebnisse eines Forschungsprojektes" veröffentlichen mag (- eine Zusammenfassung von den Autoren in der FAZ). Wenn dann noch Reinhard Mohr in der WELT das verwurstet, kommt heraus:

... dass also der gesunde Menschenverstand, wenn er sich einmal nicht in Form historischer Dummheit und Instrument der herrschenden Klasse outet (vgl. Marx: Die moralisierende Kritik und die kritisierende Moral, in: MEW 4, 1974, S. 331 ff.), als linksradikal zu denunzieren ist:
Wenn man ein politisches Fazit der FU-Studie ziehen wollte, dann dies: Statt eines nachgeholten Antifaschismus, der sich in seiner moralischen Gratis-Überlegenheit sonnt, kommt es darauf an, die demokratische Mitte zu stärken. Von beiden Rändern des politischen Spektrums droht Gefahr, nicht zuletzt durch alte Ressentiments und einen neuen Irrationalismus, der der Vernunft den Kampf angesagt hat.
Die Message ist schon klar - und im Kern recht simpel: Erstaunlich bleibt, wieso die vom Forschungsverbund SED-Staat auf 653 Seiten aufgeblasen werden muss und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bezahlt wird ...
Update:
Irgendwelche Spaßvögel haben jetzt den Fragenkatalog der Studie als Online-Quiz ins Netz gestellt. Der Linksextremismus-Test im Netz umfasst wohl die 25 ursprünglichen Fragen aus der Studie, die auch in der Langfassung zu finden sind und gibt auch grob und vereinfacht die Einordnung in die Skala wieder. Sie können den Text z.B. beim Metronaut machen! Der i. Ü. treffend anmerkt:
Insgesamt halte ich diese Art von wissenschaftlichem Vorgehen, nämlich eine handvoll Fragen mit mehr oder weniger klassischen Aussagen aus dem linken Spektrum per repräsentativer Umfrage rauszuhauen, und daraus prozentual zu schließen, wie linksradikal/extrem die Bevölkerung ist, für methodisch mindestens schwierig. Man erkennt am Fragedesign vielmehr, was die Autoren der Studie für linksradikal oder linksextrem halten. Das ist ja auch eine Form der Erkenntnis.
Studie: Linksextreme Einstellungen sind weit verbreitet
Wissenschaftler der Freien Universität Berlin präsentieren Ergebnisse eines Forschungsprojektes zu demokratiegefährdenden Potenzialen des Linksextremismus
Schon erstaunlich, was für einen theoretisch und methodisch schwach geländerten Unsinn die Freie Universität Berlin da als "Ergebnisse eines Forschungsprojektes" veröffentlichen mag (- eine Zusammenfassung von den Autoren in der FAZ). Wenn dann noch Reinhard Mohr in der WELT das verwurstet, kommt heraus:

... dass also der gesunde Menschenverstand, wenn er sich einmal nicht in Form historischer Dummheit und Instrument der herrschenden Klasse outet (vgl. Marx: Die moralisierende Kritik und die kritisierende Moral, in: MEW 4, 1974, S. 331 ff.), als linksradikal zu denunzieren ist:
Wenn man ein politisches Fazit der FU-Studie ziehen wollte, dann dies: Statt eines nachgeholten Antifaschismus, der sich in seiner moralischen Gratis-Überlegenheit sonnt, kommt es darauf an, die demokratische Mitte zu stärken. Von beiden Rändern des politischen Spektrums droht Gefahr, nicht zuletzt durch alte Ressentiments und einen neuen Irrationalismus, der der Vernunft den Kampf angesagt hat.
Die Message ist schon klar - und im Kern recht simpel: Erstaunlich bleibt, wieso die vom Forschungsverbund SED-Staat auf 653 Seiten aufgeblasen werden muss und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bezahlt wird ...
Update:
Irgendwelche Spaßvögel haben jetzt den Fragenkatalog der Studie als Online-Quiz ins Netz gestellt. Der Linksextremismus-Test im Netz umfasst wohl die 25 ursprünglichen Fragen aus der Studie, die auch in der Langfassung zu finden sind und gibt auch grob und vereinfacht die Einordnung in die Skala wieder. Sie können den Text z.B. beim Metronaut machen! Der i. Ü. treffend anmerkt:
Insgesamt halte ich diese Art von wissenschaftlichem Vorgehen, nämlich eine handvoll Fragen mit mehr oder weniger klassischen Aussagen aus dem linken Spektrum per repräsentativer Umfrage rauszuhauen, und daraus prozentual zu schließen, wie linksradikal/extrem die Bevölkerung ist, für methodisch mindestens schwierig. Man erkennt am Fragedesign vielmehr, was die Autoren der Studie für linksradikal oder linksextrem halten. Das ist ja auch eine Form der Erkenntnis.
gebattmer - 2015/02/23 19:36
Trackback URL:
https://gebattmer.twoday.net/stories/1022401097/modTrackback