Historische Anthropologie: Louie Louie - Double Fantasy
Historische Anthropologie begreift Geschichte als historische Praxis. Im Zentrum stehen Vielfalt und Veränderlichkeit kulturell geprägter Lebens- und Erfahrungsweisen. Alltagswirklichkeiten gelten in dieser Perspektive als von historischen Akteuren und Akteurinnen geformt und getragen, verändert oder zerstört. Nicht ‚anthropologische Konstanten' sollen erkundet werden. Fragen richten sich vielmehr auf das konkrete ‚Machen', ‚Tun' und ‚Ausdrücken' von Ereignissen und Konfigurationen sowie auf deren Wahrnehmungen. Die materialen Alltage der Menschen erweisen sich als veränderliche, zugleich als ihrerseits verändernde Momente historischer Prozesse. Dazu gehören die Profile von Interessen und Emotionen in ihren praktischen Wirkungen und Umsetzungen, aber auch in ihren medialen wie symbolisch-rituellen Voraussetzungen und Vermittlungen. Situative Verknüpfungen werden erschlossen; parallel gilt das Interesse gesellschaftlichen Kräftefeldern und Handlungsräumen, zugleich deren je unterschiedliche Zeitlichkeiten.
Den Ansatz fände ich interessant, aber wahrscheinlich etwas abgehoben-verschwurbelt, hätte ich nicht heute dies erlebt:
Ich hatte dienstlich in der L-Schule in H. zu tun und stand am Nachmittag vor dem Gebäude, das ich vor 50 Jahren selbst als Schüler täglich zu betreten hatte, und bemerkte, dass aus einem der hinterem Räume - leise und verweht und zunächst nicht auszumachen - eine irgendwie bekannte Tonfolge herüberklang.... Offenbar eine Schülerband, die sich der Rockmusik annähern will ... da da ... dadada ... ein Riff, das mir irgendwie bekannt vorkam, aber noch nicht zu erkennen war .... da da ... dududu ... Mehrmals im Kopf angestimmt hatte ich es: Louie Louie!! Double Fantasy: die gleichen Klänge, die die Schülerband meines alten Freundes Jürgen Rosenthal hervorgebracht hat, - vor fast 50 Jahren!!
Ist das nicht faszinierend, dass in den materialen Alltagen der Menschen, so veränderlich und veränderend sie sein mögen, doch so etwas wie historische Konstanten eingelagert sind, die ein simples, aber offenbar gleichermaßen zugängliches wie herausforderndes Riff wie das von Louie Louie in je unterschiedlichen Zeitlichkeiten Emotionen in ihren praktischen Wirkungen und Umsetzungen, aber auch in ihren medialen wie symbolisch-rituellen Voraussetzungen und Vermittlungen auslösen lassen, die seltsam überzeitlich sind??
Das war jetzt ziemlich verquast: Die Frage ist also: Wie lässt es sich erklären, dass ein 60 Jahre altes Riff die gleiche Motivation bei Jugendlichen hervorruft, es nachspielen zu wollen, wie das vor fast 50 Jahren - und später immer wieder (The Clash) - der Fall war? - Und woher kommt solch ein kultureller Fundus? Wie wird der tradiert?
1. Zugabe : Pictures of The World 50 Years Ago, in 1965
2. Zugabe: A little over 30 years ago, John Lennon and Yoko Ono posed for their “Double Fantasy” album cover. The resulting image, by photographer Kishin Shinoyama, was taken during one of the couple’s last photo shoots at Central Park, New York, just three months before Lennon’s untimely death in December 1980. Shinoyama made other photographs that day, but many of them have never been shown until now. (via vintage everyday)
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Den Ansatz fände ich interessant, aber wahrscheinlich etwas abgehoben-verschwurbelt, hätte ich nicht heute dies erlebt:
Ich hatte dienstlich in der L-Schule in H. zu tun und stand am Nachmittag vor dem Gebäude, das ich vor 50 Jahren selbst als Schüler täglich zu betreten hatte, und bemerkte, dass aus einem der hinterem Räume - leise und verweht und zunächst nicht auszumachen - eine irgendwie bekannte Tonfolge herüberklang.... Offenbar eine Schülerband, die sich der Rockmusik annähern will ... da da ... dadada ... ein Riff, das mir irgendwie bekannt vorkam, aber noch nicht zu erkennen war .... da da ... dududu ... Mehrmals im Kopf angestimmt hatte ich es: Louie Louie!! Double Fantasy: die gleichen Klänge, die die Schülerband meines alten Freundes Jürgen Rosenthal hervorgebracht hat, - vor fast 50 Jahren!!
Ist das nicht faszinierend, dass in den materialen Alltagen der Menschen, so veränderlich und veränderend sie sein mögen, doch so etwas wie historische Konstanten eingelagert sind, die ein simples, aber offenbar gleichermaßen zugängliches wie herausforderndes Riff wie das von Louie Louie in je unterschiedlichen Zeitlichkeiten Emotionen in ihren praktischen Wirkungen und Umsetzungen, aber auch in ihren medialen wie symbolisch-rituellen Voraussetzungen und Vermittlungen auslösen lassen, die seltsam überzeitlich sind??
Das war jetzt ziemlich verquast: Die Frage ist also: Wie lässt es sich erklären, dass ein 60 Jahre altes Riff die gleiche Motivation bei Jugendlichen hervorruft, es nachspielen zu wollen, wie das vor fast 50 Jahren - und später immer wieder (The Clash) - der Fall war? - Und woher kommt solch ein kultureller Fundus? Wie wird der tradiert?
1. Zugabe : Pictures of The World 50 Years Ago, in 1965
2. Zugabe: A little over 30 years ago, John Lennon and Yoko Ono posed for their “Double Fantasy” album cover. The resulting image, by photographer Kishin Shinoyama, was taken during one of the couple’s last photo shoots at Central Park, New York, just three months before Lennon’s untimely death in December 1980. Shinoyama made other photographs that day, but many of them have never been shown until now. (via vintage everyday)
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gebattmer - 2015/03/16 19:36
Vielen Dank ...