Archäologie (CCCLXXXVI): Hannover, 6. April 1945
Nur noch mal kurz zu der Frage, warum der Russe zuweilen so sensibel reagiert, wenn ihm der Deutsche die Geschichte des 20. Jahrhunderts erklärt. Aus hannöverscher Sicht:
Im Bereich der Stadt Hannover existierten vor der Befreiung am 10. April 1945 mehr als 500 Lager für mehr als 60.000 Zwangsarbeiter, die vor allem in Rüstungsbetrieben arbeiten mussten, darunter die Außenlager des KZ Neuengamme (Stöcken, Ahlem, Limmer, Misburg und Mühlenberg) für den Arbeitseinsatz von mehreren tausend Häftlingen. Als Anfang April 1945 die westalliierten Truppen bereits an der Weser standen, wurden ab dem 6. April 1945 circa 4.500 noch gehfähige KZ-Häftlinge auf einen der sogenannten „Todesmärsche“ nach Bergen-Belsen geschickt. Etwas mehr als 1.000 kranke KZ-Häftlinge – vor allem aus den beiden Lagern in Stöcken – wurden in Güterwagen verladen und dann in einer Scheune in der Nähe von Gardelegen von Angehörigen der SS erschossen.

70 Tage Gewalt, Mord, Befreiung. Das Kriegsende in Niedersachsen
Ebenfalls am 6. April 1945 wurden sowjetische Kriegs- und Zivilgefangene von Ahlem aus auf einen Todesmarsch durch Hannover getrieben, die auf dem Seelhorster Friedhof selbst ihre Gräber ausheben, sich in Vierreihen aufstellen mussten und dann durch gezielten Kopfschuss durch Angehörige der Gestapo-Leitstelle Hannover erschossen wurden.
Insgesamt wurden so 526 Zwangsarbeiter und KZ-Insassen ermordet. (vgl. Wikipedia)
Den Todesmarsch hat wahrscheinlich kaum jemand mitbekommen; - wie sonst wäre es zu erklären, dass der Massenmord die Bevölkerung erst am 2. Mai 1945 erschüttert - wie die HAZ heute berichtet -, nachdem nämlich die Alliierten an diesem Tage Nazis zwingen, die Leichen zu zu exhumieren. Bürger müssen sich in den Trauerzug einreihen: Auf 15 Lastwagen werden die Leichen über die Hildesheimer Straße zum Ehrenfriedhof am Maschsee gefahren und dort würdig bestattet. Die Wagen sind mit weißen Fliederblüten geschmückt. Der Massenmord erschüttert die Bevölkerung....

Das wäre ein Echolot wert, die Gedanken derer zu rekonstruieren, die am Trauermarsch teilnehmen mussten. - Es war ja nicht die Rede davon, dass sich Erschütterte massenhaft spontan dem Trauerzug anschlossen ...

Grabmal auf dem Ehrenfriedhof am Maschsee-Nordufer in Hannover, 1945 von Muchin-Koloda entworfen, hier mit einem 2011 niedergelegten Kranz von Angela Merkel und Dmitri Medwedew
Ich empfehle für diese Tage dringend nochmals Night Will Fall - Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen
Vgl. auch Archäologie (CCCLXXIV): 27. Januar 1945 / 2015 - "Night Will Fall" hat mein Leben verändert - Zu spät? Antisemitische Reaktionen auf Tagesthemen-Kommentar und deutsche Identität mit und ohne Auschwitz: Nationaldrüsenfieber
Im Bereich der Stadt Hannover existierten vor der Befreiung am 10. April 1945 mehr als 500 Lager für mehr als 60.000 Zwangsarbeiter, die vor allem in Rüstungsbetrieben arbeiten mussten, darunter die Außenlager des KZ Neuengamme (Stöcken, Ahlem, Limmer, Misburg und Mühlenberg) für den Arbeitseinsatz von mehreren tausend Häftlingen. Als Anfang April 1945 die westalliierten Truppen bereits an der Weser standen, wurden ab dem 6. April 1945 circa 4.500 noch gehfähige KZ-Häftlinge auf einen der sogenannten „Todesmärsche“ nach Bergen-Belsen geschickt. Etwas mehr als 1.000 kranke KZ-Häftlinge – vor allem aus den beiden Lagern in Stöcken – wurden in Güterwagen verladen und dann in einer Scheune in der Nähe von Gardelegen von Angehörigen der SS erschossen.

70 Tage Gewalt, Mord, Befreiung. Das Kriegsende in Niedersachsen
Ebenfalls am 6. April 1945 wurden sowjetische Kriegs- und Zivilgefangene von Ahlem aus auf einen Todesmarsch durch Hannover getrieben, die auf dem Seelhorster Friedhof selbst ihre Gräber ausheben, sich in Vierreihen aufstellen mussten und dann durch gezielten Kopfschuss durch Angehörige der Gestapo-Leitstelle Hannover erschossen wurden.
Insgesamt wurden so 526 Zwangsarbeiter und KZ-Insassen ermordet. (vgl. Wikipedia)
Den Todesmarsch hat wahrscheinlich kaum jemand mitbekommen; - wie sonst wäre es zu erklären, dass der Massenmord die Bevölkerung erst am 2. Mai 1945 erschüttert - wie die HAZ heute berichtet -, nachdem nämlich die Alliierten an diesem Tage Nazis zwingen, die Leichen zu zu exhumieren. Bürger müssen sich in den Trauerzug einreihen: Auf 15 Lastwagen werden die Leichen über die Hildesheimer Straße zum Ehrenfriedhof am Maschsee gefahren und dort würdig bestattet. Die Wagen sind mit weißen Fliederblüten geschmückt. Der Massenmord erschüttert die Bevölkerung....

Das wäre ein Echolot wert, die Gedanken derer zu rekonstruieren, die am Trauermarsch teilnehmen mussten. - Es war ja nicht die Rede davon, dass sich Erschütterte massenhaft spontan dem Trauerzug anschlossen ...

Grabmal auf dem Ehrenfriedhof am Maschsee-Nordufer in Hannover, 1945 von Muchin-Koloda entworfen, hier mit einem 2011 niedergelegten Kranz von Angela Merkel und Dmitri Medwedew
Ich empfehle für diese Tage dringend nochmals Night Will Fall - Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen
Vgl. auch Archäologie (CCCLXXIV): 27. Januar 1945 / 2015 - "Night Will Fall" hat mein Leben verändert - Zu spät? Antisemitische Reaktionen auf Tagesthemen-Kommentar und deutsche Identität mit und ohne Auschwitz: Nationaldrüsenfieber
gebattmer - 2015/03/28 19:45
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