Wertegemeinschaft: Kein Asyl, keine Arbeit
Kein Asyl, keine Arbeit
Gespräch mit Martin Beisswenger, Referent für Migration und Integration bei der Caritas
Von den rund 22.000 bis 25.000 Flüchtlingen, die sich nach Lampedusa gerettet haben, kommt der überwiegende Teil aus Tunesien. Sie suchen kein Asyl, sondern Arbeit. Doch das "Visum", das die italienische Regierung ihnen zur Zeit in Aussicht stellt, nützt ihnen wenig – es berechtigt weder zum freien Reisen innerhalb Europas noch zur Arbeitssuche.
Nur rund zehn Prozent der Menschen, die über das Mittelmeer in Fischerbooten die Insel Lampedusa erreicht haben, wollen als politisch Verfolgte einen Asylantrag stellen. Sie kommen aus Somalia, Eritrea oder Äthiopien. Die anderen, zumeist Tunesier, möchten in Europa arbeiten und das Geld an ihre Familien schicken, was wiederum die wirtschaftliche Situation in ihrem Heimatland verbessern würde und so durchaus im europäischen Interesse läge. Doch niemand will sie aufnehmen.

Schwieriger Status
Nun will die italienische Regierung den Migranten auf Lampedusa ein Visum ausstellen – laut Schengener Abkommen beinhaltet ein Visum in Europa eine sechsmonatige Aufenthaltserlaubnis für Touristen oder Geschäftsreisende. Doch das Papier, das die italienische Regierung zurzeit den Flüchtlingen aus Tunesien in Aussicht stellt, hat damit nichts zu tun. Mit diesem "Visum" werden die Menschen kaum frei reisen können und schon gar keine Arbeitserlaubnis erhalten.
Die deutsche Caritas warnt in einer Stellungnahme davor, dass die Flüchtlingsfrage für die innenpolitischen Ziele einzelner EU-Staaten instrumentalisiert wird.
Im Gespräch mit DRadio Wissen erklärt Martin Beisswenger, Referent für Migration und Integration bei der Caritas, die juristische Situation der Migranten auf Lampedusa.
Mehr bei DRadio Wissen:
Lampedusa: Rechtliche Situation der Flüchtlinge.
Gespräch mit Flüchtlingsanwalt Reinhard Marx. (17.02.2011)
Tunesier versuchen nach Italien zu fliehen.
Gespräch mit Marc Dugge, ARD-Korrespondent für Nord- und Westafrika (15.02.2011)
Weitere Informationen:
Warum Schengen-Visa für Flüchtlinge unzulässig sind.
(focus.de, 11.04.2011)
Flüchtlingsproblem auf Lampedusa
Deutsche Grenzen sollen stärker kontrolliert werden. (11.04.2011)
(Youtube|Euronews)
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