Archäologie CCXLXI: Hitler-Tagebücher revisited - It was thirty years ago these days ...
Als am 28. April 1983 der stern mit dem ersten Abdruck von Hitler-Tagebüchern erschien, lag die Auflage nicht wie üblich bei 1,8 Millionen Exemplaren, sondern bei 2,2 Millionen ...
Es ist immer wieder schön zu lesen, wie Herr Fülberth die jüngere deutsche Geschichte so verdichten kann, dass Erkenntnis sich einstellt. So kommt er in seiner Darstellung der größten Presse-Blamage in der Geschichte der Bundesrepublik (Posse mit Untergrund - im Freitag) denn auch auf das Wesentliche:
Könnte es sein, dass die oben erwähnten Gedanken über die moralische Legitimation eines neuen Gesamtdeutschland aus den 80ern sich weitgehend durchgesetzt haben bzw. durchgesetzt wurden?
Es ist immer wieder schön zu lesen, wie Herr Fülberth die jüngere deutsche Geschichte so verdichten kann, dass Erkenntnis sich einstellt. So kommt er in seiner Darstellung der größten Presse-Blamage in der Geschichte der Bundesrepublik (Posse mit Untergrund - im Freitag) denn auch auf das Wesentliche:
- So weit zur Kriminal- und Possen-Geschichte. Nun zur Politik...
1983 begann man wieder öffentlich über die Beendigung der europäischen Nachkriegsordnung zu reden. Gegen Ende dieses Jahres wurden die US-Mittelstreckenraketen installiert, wodurch schließlich die Kapitulation der Sowjetunion 1990/91 herbeigeführt worden ist. Wer eine Spürnase hatte und sogar über eine Wiedervereinigung zu spekulieren wagte, musste sich Gedanken über die moralische Legitimation eines neuen Gesamtdeutschland machen. Hierher gehörte auch die Beurteilung der NS-Vergangenheit. Mitte der achtziger Jahre begann in der CDU/CSU eine Diskussion darüber, ob am deutschen Nationalstaat festgehalten werden solle. Ihr Fraktionschef Alfred Dregger erklärte den Krieg der Wehrmacht zum Verteidigungskampf gegen den Kommunismus. 1985 stand Kohl mit Reagan in Bitburg vor Gräbern von US-Soldaten und der Waffen-SS. Ein Jahr später begann der Historikerstreit um Ernst Noltes These, der Archipel Gulag sei „ursprünglicher als Auschwitz“ gewesen.
Der Stern-Vorstoß von 1983 gehörte insofern zu einem Trend. Soweit der Inhalt von Kujaus Erfindungen bekannt wurde, ist Hitler dort teilweise ent- und seine Umgebung belastet worden. Dass der stern sich blamierte und Nolte nicht durchkam, steht auf einem anderen Blatt. Bundespräsident von Weizsäcker erklärte 1985 – gegen Dregger – den 8. Mai 1945 zum Tag der Befreiung, nicht der Niederlage. Insofern bildeten die damaligen Ereignisse eine Phase in der Mentalitätsgeschichte einer Generation ...
Nachdem Beate Klarsfeld 1968 das ehemalige NSDAP-Mitglied geohrfeigt hatte, konnte niemand, der öffentlich wirken wollte, zugeben, ebenfalls einmal dieser Partei angehört zu haben. Dabei waren ihr doch sehr viele als 20-Jährige beigetreten. Noch Jüngere waren wenigstens in der Hitlerjugend gewesen und hatten sich an Fahrten und Lagerfeuern begeistert. Ab 1945 öffneten sie sich der Demokratie und spalteten ihre frühen Jahre von sich ab – die gehörten nicht mehr zu ihnen. Aber die eigene Biografie war noch da – und sei es unbewusst. Völlig heraushalten ließ sie sich nicht. Die Stern-Farce rührte an eine Saite, die längst entfernt schien.
Könnte es sein, dass die oben erwähnten Gedanken über die moralische Legitimation eines neuen Gesamtdeutschland aus den 80ern sich weitgehend durchgesetzt haben bzw. durchgesetzt wurden?
gebattmer - 2013/04/22 20:04
Schöne Grüße vom Schwarzen Berg