Neues (& Altes) vom Rechtsstaat & von mir
Dieser Titel stammt, wie man gleich sieht, von Arnfried Astel, dessen Sinn- und Stilübungen wieder mal zu lesen lohnt.

Wenn es - wie jetzt gerade - um Überwachung geht und dann gern laut "Stasi" gerufen wird, damit man sich schaudernd abwende, sollte doch erinnert werden an Le Berufsverbot:
Der sogenannte Radikalenerlass wurde im Januar 1972 von den Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzler Willy Brandt beschlossen. Bis Ende der achtziger Jahre mussten sich 3,5 Millionen Bewerber für den öffentlichen Dienst auf ihre Gesinnung überprüfen lassen, rund 10.000 "Berufsverbote" wurden ausgesprochen...
[Hinweis für Nachgeborene: Die Rede ist hier von der alten Bundesrepublik = BRD, "Westdeutschland" oder nur "Deutschland" genannt. Ich hatte auf einem meiner frühen Käfer (1302 LS) ein BRD-Nationalitätenkennzeichen: Das war hier verboten!! - Eine Abbildung davon gibt's nicht mal mehr im allwissenden www!]
Zum sog. Radikalenerlass ist kürzlich ein interessantes Buch erschienen:
Dominik Rigoll
Staatsschutz in Westdeutschland
Von der Entnazifizierung zur Extremistenabwehr
Eine weitere Rezension hier: dradio kultur am 04.04.
Eine interessante Lesart der Geschichte der BRD! Dazu passt: Von Waldmichelbach nach Zwickau - via Ermreuth: Zur NS-Untergrundarmee »Technischer Dienst des BDJ«.
Könnte es sein, dass das "antitotalitäre Narrativ" gouvernementalité-mäßig so nachhaltig implementiert wurde, dass einem eher ungeübten Denker zu "Prism" tatsächlich nur noch "Stasi" einfällt?
Fuck me running ...
Um den Bogen zu schließen, noch ein Astel:
Der Flachkopf
mit seiner flatrate
ruft mich an.
Dauernd ruft er an,
findet kein Ende.
__________________________
& von mir kann in diesem Zusammenhang nur insofern die Rede sein, als ich im Jahre 1979 auf Nachfrage, wie es denn mit meiner Bewerbung sei - viele hätten doch schon Einstellungsbescheide, von einem Beamten der zuständigen Behörde die lapidare Antwort erhielt: Sie können sich doch denken, wo Ihre Akte ist ....

Wenn es - wie jetzt gerade - um Überwachung geht und dann gern laut "Stasi" gerufen wird, damit man sich schaudernd abwende, sollte doch erinnert werden an Le Berufsverbot:
Der sogenannte Radikalenerlass wurde im Januar 1972 von den Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzler Willy Brandt beschlossen. Bis Ende der achtziger Jahre mussten sich 3,5 Millionen Bewerber für den öffentlichen Dienst auf ihre Gesinnung überprüfen lassen, rund 10.000 "Berufsverbote" wurden ausgesprochen...
[Hinweis für Nachgeborene: Die Rede ist hier von der alten Bundesrepublik = BRD, "Westdeutschland" oder nur "Deutschland" genannt. Ich hatte auf einem meiner frühen Käfer (1302 LS) ein BRD-Nationalitätenkennzeichen: Das war hier verboten!! - Eine Abbildung davon gibt's nicht mal mehr im allwissenden www!]
Zum sog. Radikalenerlass ist kürzlich ein interessantes Buch erschienen:
Dominik Rigoll
Staatsschutz in Westdeutschland
Von der Entnazifizierung zur Extremistenabwehr
- Bisher hatte man das Thema immer nur vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und des Konfliktes zwischen BRD und DDR betrachtet. Rigoll nun entschloss sich zu einer, wie er sagt, "Re-Lektüre" der Jahre 1945 bis 1972. Er nahm sich also die unmittelbare Nachkriegszeit vor – genauer die "Berufsverbote", die "im Zuge der Entnazifizierung gegen ehemalige Bedienstete des Dritten Reiches und andere NS-Funktionseliten ausgesprochen", aber bereits unter Adenauer wieder aufgehoben wurden – durch einen Erlass vom 19. September 1950. Rigolls Kunstgriff besteht darin, sich in die Perspektive der "45er" zu versetzen, die als ehemalige NS-Verfolgte oder Angehörige des Widerstands während der unmittelbaren Nachkriegszeit in Spitzenpositionen aufrückten. Nun mussten sie miterleben, wie sämtliche "Funktionseliten unterhalb der Reichsführer-Ebene" rehabilitiert wurden. Im Handumdrehen verdrängten diese "49er" die "45er".
Für Rigoll ist das die entscheidende Zäsur. Der Adenauer-Erlass von 1950 unterstellte, dass die alten Nazifunktionäre politisch und fachlich geeignet seien, ihren Dienst in der neuen Demokratie zu leisten. Fernzuhalten galt es von nun an stattdessen die KPD, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes sowie zwei neonazistische Splitterparteien. Wie aber konnte aus dem Blickfeld verschwinden, dass es ebenjene "49er" gewesen waren, die in den dreißiger Jahren geholfen hatten, "die Erste Republik in ein Drittes Reich zu verwandeln"?
Ein "antitotalitäres Narrativ" habe das "antifaschistische Narrativ" von 1945 ersetzt, lautet Rigolls These. Die Rolle dieser beiden "Erzählungen" in den folgenden Jahrzehnten bildet den Kern seiner Untersuchung....
Eine weitere Rezension hier: dradio kultur am 04.04.
Eine interessante Lesart der Geschichte der BRD! Dazu passt: Von Waldmichelbach nach Zwickau - via Ermreuth: Zur NS-Untergrundarmee »Technischer Dienst des BDJ«.
Könnte es sein, dass das "antitotalitäre Narrativ" gouvernementalité-mäßig so nachhaltig implementiert wurde, dass einem eher ungeübten Denker zu "Prism" tatsächlich nur noch "Stasi" einfällt?
Fuck me running ...
Um den Bogen zu schließen, noch ein Astel:
Der Flachkopf
mit seiner flatrate
ruft mich an.
Dauernd ruft er an,
findet kein Ende.
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& von mir kann in diesem Zusammenhang nur insofern die Rede sein, als ich im Jahre 1979 auf Nachfrage, wie es denn mit meiner Bewerbung sei - viele hätten doch schon Einstellungsbescheide, von einem Beamten der zuständigen Behörde die lapidare Antwort erhielt: Sie können sich doch denken, wo Ihre Akte ist ....
gebattmer - 2013/07/23 19:21
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