GBlog&search

 

GBlog&count



GBlog&listen


Van Morrison
Roll with the Punches


Chilly Gonzales und Jarvis Cocker
Room 29


Blackfield (Aviv Geffen & Steven Wilson)
Blackfield V


Jeff Beck
Loud Hailer




Daniel Hope
Escape to Paradise


Daniel Hope
Spheres


Jonathan Rudess
Explorations


Animals As Leaders
The Joy Of Motion


Colosseum
Valentyne Suite


Jack Bruce
Harmony Row


Spooky Tooth
Spooky Two



Utopia
Ra


Richie Havens
Nobody Left to Crown




Dimitri Schostakowitsch, Mariss Jansons
Sinfonien 1-15


Moondog & the London Saxophoni
Sax Pax for a Sax

GBlog&read - Nutzen Sie die Hinweise zur Orientierung und kaufen Sie dann beim Buchhändler um die Ecke



Uwe Timm
Ikarien



Christoph Ransmayr:
Cox oder Der Lauf der Zeit





Steffen Kopetzky
Risiko


José Saramago
Kain


Eva Menasse
Quasikristalle


Roberto Bolaño
2666


Tschingis Aitmatow
Der erste Lehrer


Uwe Timm
Rot


Leonardo Padura
Adiós Hemingway


Antonio Skarmeta
Mit brennender Geduld


Jose Saramago
Die Stadt der Blinden


Edgar Hilsenrath
Nacht: Roman



Rolf Dubs
Lehrerverhalten

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Medial

Archäologie CCI: Zarah bei Werner Höfer

Seinerzeit verwies ich unter dem Titel "Heute eher von Nachteil" auf diese interessante Notiz:

zarah2_1According to a 2004 book by Anthony Beevor (The Mystery of Olga Chekhova), Leander was in fact working for Soviet intelligence the entire time she was under contract to Goebbels, passing Nazi secrets on to the Russians whenever she visited her home in Stockholm.
Unter dem Titel Zarah Leander, The Shortest Distance from Hitler to The Velvet Underground eine interessante Zusammenstellung bei WFMU's Beware of the Blog .
For the last few years there has been a lot of speculation about Zarah Leander being a spy for Russia. According to Russian journalist Arkadij Waksberg she operated under the name Rosemarie. He also cites the succes of "Rose von Nowgorod" and thinks the song may contain a hidden message... Kluge Frauen sagen nur "vielleicht". Die Akte Zarah Leander - Von Jutta Jacobi; NDR 2004

Nun finde ich endlich - immer auf der Suche nach Filmdokumenten des Internationalen Frühschoppen (mit Rauchschwaden und den bekannten Agenten aus Ost und West) ein Interview von 1966, das Werner Höfer mit Zarah Leander führte. Ab 7:45 ist kurz von "jenen Jahren in Berlin" die Rede bzw. dann doch nicht die Rede ... Höfer, seit 1964 Leiter des 3. Programms des WDR, kannte sich da eigentlich ganz gut aus:
[wikipedia:] 1941 wurde er Pressereferent der Organisation Todt und danach im Rüstungsministerium von Albert Speer. Zeitungsartikel schrieb er danach in freier Mitarbeit. Als die B.Z. am Mittag eingestellt wurde, schrieb Höfer auch für Das 12-Uhr-Blatt. Zudem war er Mitarbeiter der NS-Propaganda-Zeitung Das Reich.
kreiten1Am 3. September 1943 wurde der junge Pianist Karlrobert Kreiten vom Volksgerichtshof wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und vier Tage später hingerichtet. Kreiten hatte einer Freundin seiner Mutter gegenüber unter anderem seine Zweifel geäußert, dass Deutschland den Krieg gewinnen könne. Am 15. September hatte Das 12-Uhr-Blatt darüber berichtet. Am 20. September kommentierte Höfer die Angelegenheit darin in einem kurzen Artikel unter dem Titel Künstler – Beispiel und Vorbild mit den Worten:

„Wie unnachsichtig jedoch mit einem Künstler verfahren wird, der statt Glauben Zweifel, statt Zuversicht Verleumdung und statt Haltung Verzweiflung stiftet, ging aus einer Meldung der letzten Tage hervor, die von der strengen Bestrafung eines ehrvergessenen Künstlers berichtete. Es dürfte heute niemand Verständnis dafür haben, wenn einem Künstler, der fehlte, eher verziehen würde als dem letzten gestrauchelten Volksgenossen. Das Volk fordert vielmehr, daß gerade der Künstler mit seiner verfeinerten Sensibilität und seiner weithin wirkenden Autorität so ehrlich und tapfer seine Pflicht tut, wie jeder seiner unbekannten Kameraden aus anderen Gebieten der Arbeit. Denn gerade Prominenz verpflichtet!“

Karlrobert Kreiten - Der Fall Werner Höfer

Urheberrechte kontrovers

Sven Regeners Wut-Rede "Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, ist nichts wert"

Kritik und Kunst : Urheberrechte kontovers

Kim Schmitz ist nichts anderes als das, was unser gemeinsamer Sonderkorrespondent Dr. Karl Marx einmal so herrlich als Lumpenproletariat bezeichnet hat. Und wenn ihr alles umsonst haben wollt, dann lasst doch Kim Schmitz alle Songs singen, die ihr hören wollt.
Youtube gehört Google. Das ist ein milliardenschwerer Konzern, der nicht bereit ist, pro Klick zu bezahlen. Nun hat aber weder Youtube noch Google uns irgendetwas zu bieten, außer das, was andere Leute geschaffen haben und da rein gestellt wird. Und da sind wir an dem Punkt, wo die Musiker sagen und die Gema sagt – und die Gema sind wir, die Komponisten und Textdichter – und wir sagen: ‘Nein, für dieses Geld kriegt ihr unseren Kram nicht. Wir sehen nicht ein, dass da Milliardengeschäfte gemacht werden, auch mit Werbung in diesem Bereich, und wir kriegen davon nichts ab. Wir sind sozusagen die Penner in der letzten Reihe. Das ist eine Unverschämtheit.”
“Das sollte sich jeder, auch junge Mensch, genau überlegen, ob er sich wirklich zum Lobbyisten von so einem milliardenschweren Konzern wie Google machen möchte. Und das sind große Lobby-Verbände diese Internetfirmen, und viel stärkere als zum Beispiel die Plattenindustrie. Und die bringen dann als Hilfstruppen die ganzen Deppen ins Spiel, die sagen: ‘Warum kann ich denn das Video nicht auf Youtube gucken?


Vgl. auch Regener: Der alte Mann und das Internet bei publikative.org

Was macht Wagner?

Wagner macht spät abends noch "Post":

03.01.2012 — 23:41 Uhr
Liebe Rente mit 67, 69 ...


was für ein schwieriger Brief, aber ich versuch’s mal.

Wer heute zehn Jahre ist, wird vielleicht so alt wie Jopie Heesters. 108. Stellen wir uns vor, Jopie wäre mit 65 in Rente gegangen. 43 Jahre hätte er Rente bekommen.

Wer um Gottes willen kann so eine Rente bezahlen? Was um Gottes willen kostet ein 108-jähriger Mann?

Seine Beinschienen, seine Bettpfannen, sein Pfleger, sein Rollstuhl, sein Toilettensitz.


aldiAbgesehen davon, dass ich die Wortkotze z. T. nicht verstehe, könnte ich mit einer Angabe aushelfen:
Toilettensitz kostet heute bei Aldi (-Nord) mit Absenkautomatik; Material: Duroplast; passend für alle handelsüblichen WCs; inkl. Montagematerial und Pflegeanleitung; in den Farben Weiß und Grau
je Stück 12.99

... Ein 70-jähriger Tischler macht einen Tisch. Ein 80-jähriger Klempner mit Glatze reinigt die Toilette. Ein 90-jähriger Gärtner schneidet die Hecken. Ein 100-jähriger Koch wirft die Bratkartoffeln in der Pfanne hoch.

Was ist daran so schlecht, wenn die Alten arbeiten?

Arbeiten ist Glück.

Ich jedenfalls kann mir ein Leben ohne Arbeit nicht vorstellen. Das Leben ist für mich ein Fahrrad, man trampelt und trampelt, und wenn man nicht mehr trampelt, fällt das Fahrrad um.

Ich liebe die Arbeit.

Herzlichst,
F. J. Wagner


Man könnte fast sagen: Arbeit macht frei. Oder: Das Leben ist ein Toilettensitz. Mit Absenkautomatik. Und wenn man nicht mehr wortkotzt, absenkt sich der Deckel.

Alle Jahre wieder: Ein Mann, ein Baum, ein Bundesadler

Wenzel Storchs Fernsehtipp vom letzten Jahr:
ZDF, 24. Dezember 2010, 17 Uhr

Als Höhepunkt des Fernsehjahres gilt in Deutschland die Weihnachtsfeier des Bundespräsidenten, seit 15 Jahren ausgerichtet vom Zweiten Deutschen Fernsehen. Nach dem schimpflichen Ende Horst Köhlers schien zunächst unklar, wie es mit der schönen Sendung weitergehen würde, doch ein Blick in die Fernsehzeitschriften beweist: Auch der neue Präsident wird am Heiligen Abend, pünktlich 17 Uhr, im ZDF Bescherung feiern.

Ort der Handlung ist dieses Mal die Berliner Nicolaikirche. Damit alles seine Richtigkeit hat, wird ein Mann den Regiestab führen, der schon das Vertrauen Horst Köhlers besaß: Kai von Kotze, Kennern als Regisseur von „Aktenzeichen XY … ungelöst“ ein Begriff.

2002 schenkte uns v. Kotze „eine Brandenburgische Weihnacht mit dem Bundespräsidenten“, meines Wissens sein Einstand und eine Sternstunde des Fernsehens, der er – im noblen Jahresrhythmus – sieben weitere folgen ließ, die nicht nur Anhängern der Parlamentarischen Demokratie viel Spaß und Freude bereiteten: 2003 „eine Nordrhein-Westfälische“, dann „eine Saarländische“, „eine Sachsen-Anhaltinische“, „eine Rheinland-Pfälzische“, „eine Hamburgische“, „eine Niedersächsische“ und schließlich „eine Bremische Weihnacht mit dem Bundespräsidenten“.

Die von Spöttern bereits prophezeite Trennung von Kotze, Kirche und Staat steht bis auf weiteres nicht ins Haus, wenn auch unklar ist, ob Christian Wulff das Weihnachtsevangelium nach Lukas – wie sein Vorgänger das tat – persönlich vortragen wird. Zweifel sind erlaubt, denn Jan Josef Liefers hat sich angekündigt, um eine Weihnachtsgeschichte vorzulesen. Dabei könnte es sich um eins der drei Weihnachtsevangelien handeln, wahrscheinlich steckt aber nur der übliche Ramsch von Lagerlöf, Lindgren und Co. dahinter...

Alle Jahre wieder – Eine Berliner Weihnacht mit dem Bundespräsidenten Christian Wulff
Moderation: Carmen Nebel
Gast: J. J. Liefers
Buch und Regie: Kai von Kotze
ZDF, 24. Dezember 2010, 17 Uhr


Was Christian Wulff 2011 eigentlich sagen möchte (dradio) und

Supply And Demand: Warum das Geschäftsmodell der Filesharing-Abmahnungen rechtlich zweifelhaft ist

Die Abmahnkanzlei Urmann und Collegen, versteigert – lediglich als Vermittler – offene Forderungen aus Filesharing-Abmahnungen in Höhe von ca. 90 Mio.EUR, wie Heise berichtet : Vivian Schmitt und die Anwaltskanzlei

Vor diesem Hintergrund wird auch verständlich, weshalb die Kanzlei U+C letzte Woche wieder einmal massenhaft gleichlautende Schreiben versandt hat, in denen jeweils zur Zahlung von EUR 1.286,80 aufgefordert worden ist. Betroffen von diesen Schreiben waren Abgemahnte, die das vorherige großzügige Angebot der Abmahner, pauschal EUR 650,- zu bezahlen, abgelehnt hatten. Mit dieser Versandaktion dürfte U+C die Forderungshöhe also um einige Millionen Euro erhöht haben... - so Internet-Law - Onlinerecht und Bürgerrechte 2.0

Siehe auch: "Die Abmahnindustrie" aus c't 1/2010

Arbeit am schönen Schein

Vor­letz­te Woche war auf DLF ein sehr hö­rens­wer­tes Fea­ture von Wal­ter van Ros­sum über die Kunst­po­li­tik im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus zu hören. Es wird unter an­de­rem das Ver­hält­nis der Nazis zur Mo­der­ne und den Avant­gar­den, zu Ex­pres­sio­nis­mus und Fu­tu­ris­mus und ins­be­son­de­re zu Gott­fried Benn und Ma­ri­net­ti be­leuch­tet und ana­ly­siert. Eine wich­ti­ge Rolle spielt die ne­ga­ti­ve Be­stim­mung der wah­ren völ­ki­schen Kunst über die ent­ar­te­te Kunst und die damit ver­bun­de­nen Kunst­ver­nich­tungs­ak­tio­nen. Das Fea­ture läuft zudem auf die Cha­rak­te­ri­sie­rung na­tio­nal­so­zia­lis­ti­scher Herr­schaft als Äs­the­ti­sie­rung der Po­li­tik (Wal­ter Ben­ja­min) hin­aus: die Über­tra­gung der Kon­zep­ti­on vom Ge­samt­kunst­werk auf die Ge­stal­tung der Volks­mas­se, die Volks­ge­mein­schaft als äs­the­ti­sier­te Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft und der Krieg als letz­tes und höchs­tes äs­the­ti­sches Er­eig­nis.
Audioarchiv vom 29.11.11

Der Text als pdf hier, der Beitrag als mp3 hier!

Tatort: Leitmayr in Dachau - Gorkow im Feuilleton

image-Tatort
Zuweilen sind Gorkows Previews in der Süddeutschen ja witzig und hilfreich, aber ich kann diese arrogante Haltung nicht mehr ertragen, die alles als Gutmenschen- oder Sozialpädagogenmäßig bemüht und daher misslungen abwatscht, was überhaupt noch versucht, - und das leisten viele Tatort-Folgen - gesellschaftliche Probleme im Fernsehen in Nicht-"Doku"-Formaten à la Knopp zu verhandeln oder Talk-mäßig zu erledigen.
Ich fand die Schlussszene des gestrigen Tatort sehr stark. Ohne Worte: Leitmayr fährt nach Dachau ..

Dachau-April-1945

Ein Bild aus Dachau - April 1945 - und - aus dem Deutschen Rundfunk Archiv via mutanten melodien (o-ton: befreiung des kz bergen-belsen 1945): Charlotte Grunow: Bericht über die Inhaftierung in Auschwitz und Bergen-Belsen (6:44)

Satire-Gipfel for Sale: Dieter Nuhr, der Westerwelle des Kabaretts

Kabarett sollte man das nicht nennen, Satire auch nicht. Erstaunlich, wie das ERSTE eine Gurkentruppe von schlechten Comedians die Tradition politischen Kabaretts in der ARD schlachten lässt: Nuhr bedient sämtliche Ressentiments der Teile der Mittelschicht, die sich nach rechts verabschiedet haben, dazu ein abgewrackter ffn-Depp, der - auch eine Premiere im Kabarett! - seinen schmierigen Text sitzend vom iPad abliest ...
Ich weiß nicht, ob es solche Überlegungen bei den Programmplanern gibt, vermute es aber: Wenn das ZDF jetzt mit der Anstalt das (traditionell linke) Kabarett besetzt, das früher zu unserem Markenkern gehörte, dann müssen wir jetzt das rechte Kabarett besezten!

Rechtes Kabarett gibt es aber nicht! - Zum Beweis, zu Studienzwecken und zum Kotzen hier:
SatireGipfel vom 10. Oktober in der Mediathek

"Satirisch ist der Dichter, wenn er die Entfernung von der Natur und den Widerspruch der Wirklichkeit mit dem Ideale (in der Wirkung auf das Gemüt kommt beides auf eins hinaus) zu seinem Gegenstande macht. Dies kann er aber sowohl ernsthaft und mit Affekt als scherzhaft und mit Heiterkeit ausführen; je nachdem er entweder im Gebiete des Willens oder im Gebiete des Verstandes verweilt. Jenes geschieht durch die strafende oder pathetische, dieses durch die scherzhafte Satire." - Friedrich Schiller, Über naive und sentimentalische Dichtung

Dazu müsste der Satiriker aber in seiner Haltung eine Idee des Idealen erkennen lassen, - wie zum Beispiel der große Moralist Georg Schramm - oder eine Sympathie für die seitlich Umgeknickten wie Hanns Dieter Hüsch - oder die immer infarktnahe Lust an der Empörung eines Wilfried Schmickler...

Schmickler_weiter11
... Schmicklers Pressefoto, das für mich diese Haltung zum Ausdruck bringt ... So wäre Nuhr nicht abzulichten ... (muss er ja auch nicht, er ist ja nicht Schmickler, aber er muss sich ja auch nicht so anbiedern ...)

Nachtrag:
Sehr treffend Tanja Kokoska in der taz-Kolumne Die Wahrheit vom 26.10.11:

Der Comedy-Star Dieter Nuhr ist das neue Gesicht einer Werbekampagne der schwarz-gelben Bundesregierung. Unter dem Motto "Wir sind's nuhr" soll in einer deutschlandweiten Plakataktion "für die Werte und Ziele der Koalition geworben werden", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert kürzlich auf einer Pressekonferenz. Nuhr sei dafür der ideale Kandidat gewesen. Zum einen genieße er ein positives Image, wofür es eigentlich überhaupt keinen Grund gebe. "Von dieser Gabe können wir uns schon mal eine große Scheibe abschneiden."

Zum anderen verbinde die Tatsache, "dass wir beide gar kein Programm haben - haha, kleiner Scherz", so Seibert. In Zeiten stabil schlechter Umfragewerte habe man eine allgemein beliebte Persönlichkeit gewonnen, die "unvoreingenommen an die Dinge herangeht" und komplizierte Sachverhalte "kurz und knackig auf den Punkt bringen kann".

Besonders durch seine Beiträge im Onlineportal Twitter sei man zu dieser Erkenntnis gekommen, sagte Kanzleramtschef Ronald Pofalla. "Sehr gut gefallen hat uns das Beispiel Steuerpolitik. Herr Nuhr twittert: ,Steuerkonzept der SPD ist da: 49 Prozent plus Soli plus Reichensteuer ergibt 54,68 Spitzensteuersatz + Vermögenssteuer. Gute Idee! Hoffentlich bleibt allerdings der eine oder andere im Land, der das dann auch zahlen möchte.' Das ist doch einfach genial! Herr Nuhr liefert die Texte gleich frei Haus, da sparen wir uns immense Kosten für die teuren Werbeagenturen und das ganze Drum und Dran."

Das Layout der Kampagne habe man ganz bewusst sehr puristisch gehalten, sagte Pofalla. "Nur ein lustiges Foto von Herrn Nuhr mit einem Zitat, fertig."

Der Hinweis www.bundesregierung.de falle kaum auf - das sei sehr wichtig, damit "Betrachter nicht sofort wieder abgeschreckt werden". Auch "sehr schön" sei Nuhrs Twittertext zur Debatte über die angeblich einseitige Lastenverteilung: " ,Zehn Prozent Bestverdiener zahlen 60 Prozent der Steuern. Untere 50 Prozent zahlen 3,6 Prozent der Steuern. Gut! Aber wo bleibt da die Ungerechtigkeit?' Das liegt genau auf unserer Linie!", begeistert sich Pofalla. "Die Tatsache, dass die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung mehr als 60 Prozent des vorhandenen Vermögens besitzen, lässt er einfach weg. Zu viele Zahlen verwirren die Leute ja auch. Und das muss nicht sein."

Thematisch sei die Kampagne aber breit aufgestellt. Zur Volksabstimmung über Stuttgart 21 gebe es den Slogan " ,Nuhr so ne Idee' ", sagte Seibert, "und dazu den Satz: ,Sollte man nicht noch ein AKW um den Bahnhof bauen, damit der Aufstand nicht ganz so absurd wirkt?' " Herr Nuhr habe verstanden, dass Politik sich eben nicht danach ausrichten könne, "wie viele Menschen gerade auf der Straße stehen", erklärte Seibert.

Dieter Nuhr selbst sieht durch das Engagement seine hauptberufliche Tätigkeit nicht beeinträchtigt: "Ich bin eben der ultimative Ratgeber für alles, warum nicht auch für die Bundesregierung? Was kann man schon damit erreichen, wenn man sich über Angela Merkel aufregt? Das war vielleicht früher subversiv, heute ist das populistisch." Sein Hauptanliegen, sich für die Regierung einzusetzen, sei die Verbreitung einer positiven Botschaft: "Ich kann die ganzen nörgelnden Blödmänner um mich herum nicht mehr ertragen und versuche deshalb, die Volkszufriedenheit zu heben."

Politikwissenschaftler Jürgen Nachtfalter erkennt in der Verpflichtung Nuhrs einen folgerichtigen "Synergieeffekt": "Einerseits sinkt das allgemeine Zutrauen in die Lösungskompetenz der Politik. Andererseits beeinflussen Menschen wie Dieter Nuhr längst die öffentliche Meinung. Es ist eben ein Unterschied, ob die Kanzlerin sagt: ,Deutschland hat eine hohe Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und wenig Arbeitslosigkeit. Das sind Dinge, um die andere Länder Deutschland nur beneiden können.' Oder ob Dieter Nuhr sagt: ,Deutschland blüht und gedeiht. Wir haben ein Gesellschafts-, Wirtschafts- und ein Sozialsystem, um die uns fast die ganze Welt beneidet.' Das ist zwar dasselbe, klingt aber doch ganz anders. Insofern ist es nur vernünftig, dass sich die Politik dieses Talent zu eigen macht."

Die ARD-Vorsitzende Monika Piel pflichtet Nachtfalter bei: "Die Zeiten, in denen Kabarettisten oder Moderatoren den Missbrauch von Macht anprangern, sind glücklicherweise längst vorbei, das ist doch Dieter-Hildebrandt-Geschwätz von gestern. Sie übernehmen heutzutage andere, versöhnende Aufgaben. Das erleben wir in unseren eigenen Talkshows oder beim sogenannten ,Satire-Gipfel', den Herr Nuhr sehr erfolgreich moderiert." Piel sagte, der Comedy-Star agiere sogar vorbildlich: "Politik und Medien, das ist heutzutage ein Geben und Nehmen. Wir sind ja schließlich nicht bei der Heilsarmee."


Zu Kokoskas Satire (!) auch ad sinistram: Ernstlich satirisch

Schön formuliert: Tatort & Al Qaida

1. Alexander Gorkow in der Fernsehkritik zum Tatort 26/2011:

9_Tatort_Borowski_u_d_Frau_am_Fenster

... Sibylle Canonica spielt diese Frau in einem irren, rothaarigen, blassen, gleichsam zarahleander- wie auch rammsteinhaften Zartbitter ..
Es ist echt eine Schande, dass sich im öffentlich-rechtlichen TV ständig pausbackige Trullas im Kreise drehen - und dass wir Sibylle Canonica so selten sehen ... wieso wir in einem Eilantrag dafür plädieren, dass sich SC bis auf weiteres nur auf Knien zu nähern ist ...

(sz vom 1./2./3. Oktober, S. 23)

2. Libyens gefährlicher Übergang - ave kommentiert den Rückzug Mahmud Dschibrils in der sz (1./2./3. Oktober, S. 4):

Der libysche Übergangspremier, der lange im Westen gelebt hat ..., scheiterte am Widerstand der Islamisten. Die Fundamentalisten, unter ihnen einige frühere Al-Qaida-Männer, haben beim Sturm auf Tripolis in vorderster Front gekämpft ... Der weltgewandte Dschibril war es, der in den europäischen Regierungszententralen die Klinken geputzt und so die Nato-Luftunterstützung für die Rebellen möglich gemacht hat. Nach dem Sieg intersssiert das keinen mehr. Längst wird um die Machtverteilung gekämpft im Zirkel der alten Aufständischen und der neuen Herren. Wie es aussieht, haben dabei Islamisten und Traditionalisten derzeit die Oberhand...

Wie ich seinerzeit schrieb: Da feiern sie den Sieg des Bündnisses von NATO, Taliban, Stammesführern, Sklavenhändlern und neoliberalen Öljunkies - wie weiland, als die NATO die Luftwaffe der UCK machte ...
... und nun steht es so in der Zeitung und der Kommentator wundert sich und fragt nicht, wie doof die englischen, französischen und amerikanischen Geheimdienste eigentlich waren in ihrer Einschätzung der libyschen Rebellen, bevor sie ihren Herren empfahlen, deren Luftwaffe zu machen. - Es sei denn, man hat es gewusst, - was naheliegt und die Schlussfolgerung näher legt - , dass die Al-Qaida-Karte anders gespielt wird als öffentlich getönt, d.h. so wie seinerzeit in Afghanistan oder auf dem Balkan. Aber solche Schlussfolgerung würde wohl wieder unter Verschwörungstheorie-Verdacht gestellt ...

Heimatkunde auf dem Boulevard: die HAZ

Für Eingeweihte war es spannend: Wann und in welcher Form würde die HAZ dem geneigten Leser den Wechsel in der Chefredaktion mitteilen? Welche Begründung würde man finden? Am Tag des Wechsels konnte man dann auf Seite 16 in geschönter Form die Neuerungen erfahren.
Fest steht: Der bisherige Chefredakteur Neufert wird nach nur sechsjähriger Amtszeit mit jungen 58 Jahren auf`s Altenteil geschoben. Dass für die wichtige Zukunftsaufgabe (Nachrichten für Tablet-PC) kein geeigneterer zu finden gewesen wäre als der bisherige Chefredakteur der HAZ, glaubt im Hause nicht einmal die Putzfrau.
Warum hat Madsack-Chef Flecken Ulrich Neufert abserviert? Offiziell wird man`s nicht erfahren. Ein möglicher Grund könnte die Koordinierung aller Chefredaktionen der Madsack-Blätter von der Küste bis nach Sachsen durch den neuberufenen und Flecken direkt unterstehenden Redaktionskoordinator von Thien sein...
pressekommentar: Koch und Brandt: Redaktion in neuer Hand

Über von Thien schrieb schon m Januar Ingeburg Peters (bzw. der Kress-Report)

epaper2... Die Geschäftsführung des Medienhauses aus Hannover werde ein Projekt starten, " in dessen Verlauf die redaktionellen Strukturen aller Zeitungstitel im Mittelpunkt stehen", heißt es in einer Madsack-Pressemitteilung. Dazu gehörten "die Optimierung der inhaltlichen Zusammenarbeit, eine verbesserte organisatorische Vernetzung der Redaktionen und die zentrale Bearbeitung überregionaler und internationaler Themen". Herbert Flecken, 60, Vorsitzender der Geschäftsführung, schreibt: "Unser Ziel ist es, Synergien zu definieren und nach sorgfältiger Analyse zu nutzen. Wir wollen die redaktionelle Qualität unserer Tageszeitungen weiter steigern." Manfred von Thien solle diesen Prozess einleiten, ihn begleiten und in enger Zusammenarbeit mit den Chefredakteuren aller Zeitungen der Mediengruppe Madsack vorantreiben. Er berichtet direkt an den Vorsitzenden der Geschäftsführung.

Von Thien hat sich bei Madsack in Sachen Synergien bereits Meriten verdient: Die RSG produziert seit 2008 Teile des Mantels und Serviceinhalte für "Lübecker Nachrichten" und "Ostsee-Zeitung". Die Zusammenarbeit hat das Madsack-Management offenbar so sehr beeindruckt, dass es von Thien jetzt zum Redaktionskoordinator macht. Einige weitere Schritte zu einer verstärkten Zusammenarbeit ist das Medienhaus in den vergangenen Monaten bereits gegangen: Im März fasste es die Berliner Korrespondenten aller Madsack-Zeitungen zusammen, einige Monate später kündigte Flecken an, dass die Serviceredaktionen des Hauses sich jeweils auf bestimmte Kompetenzen konzentrieren sollen...


Die HAZ hat unter der neuen Chefredaktion offenbar die Boulevard- und Schmierblatt-Kompetenz übernommen: Mit der Ausweitung der Rubik "Welt im Spiegel" auf zwei Seiten mit Null-Meldungen ist man jetzt auf diesem Niveau angekommen: Ich schlage vor, das so weiterzutreiben: Bushidos Mutter gibt ihn zur Adoption frei, Kachelmann und Stone (beide 53) heiraten und adoptieren Bushido (32), - dann kann der mit Mutter und Vater zuhause Gangbang-Koks-Parties feiern und muss seine Mädels nicht mehr zwischen 4.30 und 5.20 rausschmeißen, weil seine neue Mutter ja bestimmt - von Papa noch gefesselt - nicht so früh aufsteht ...

... derweil das Schwesterblatt Neue Presse klarmacht, in welcher Liga das poltitische Personal in Zeiten boulevardisierter Postdemokratie wirklich spielt, nämlich in einer mit Salsakönig Emile Moise!

HAZ_HP_06

Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

Haftungsausschluss

The music featured on this blog is, of course, for evaluation and promotion purposes only. If you like what you hear then go out and try and buy the original recordings or go to a concert... or give money to a down on his luck musician, or sponsor a good busker, it may be the start of something beautiful. If your music is on this blog and you wish it removed, tell us and it shall be removed.

Archiv

Mai 2018
April 2018
März 2018
Februar 2018
Januar 2018
Dezember 2017
November 2017
Oktober 2017
September 2017
August 2017
Juli 2017
Juni 2017
Mai 2017
April 2017
März 2017
Februar 2017
Januar 2017
Dezember 2016
November 2016
Oktober 2016
September 2016
August 2016
Juli 2016
Juni 2016
Mai 2016
April 2016
März 2016
Februar 2016
Januar 2016
Dezember 2015
November 2015
Oktober 2015
September 2015
August 2015
Juli 2015
Juni 2015
Mai 2015
April 2015
März 2015
Februar 2015
Januar 2015
Dezember 2014
November 2014
Oktober 2014
September 2014
August 2014
Juli 2014
Juni 2014
Mai 2014
April 2014
März 2014
Februar 2014
Januar 2014
Dezember 2013
November 2013
Oktober 2013
September 2013
August 2013
Juli 2013
Juni 2013
Mai 2013
April 2013
März 2013
Februar 2013
Januar 2013
Dezember 2012
November 2012
Oktober 2012
September 2012
August 2012
Juli 2012
Juni 2012
Mai 2012
April 2012
März 2012
Februar 2012
Januar 2012
Dezember 2011
November 2011
Oktober 2011
September 2011
August 2011
Juli 2011
Juni 2011
Mai 2011
April 2011
März 2011
Februar 2011
Januar 2011
Dezember 2010
November 2010
Oktober 2010
September 2010
August 2010
Juli 2010
Juni 2010
Mai 2010
April 2010
März 2010
Februar 2010
Januar 2010
Dezember 2009
November 2009
Oktober 2009
September 2009
August 2009
Juli 2009
Juni 2009
Mai 2009
April 2009
März 2009
Februar 2009
Januar 2009
Dezember 2008
November 2008
Oktober 2008
September 2008
August 2008
Juli 2008
Juni 2008
Mai 2008
April 2008
März 2008
Februar 2008
Januar 2008
Dezember 2007
November 2007
Oktober 2007
Juli 2007
Juni 2007
Mai 2007
April 2007
März 2007
Februar 2007
Januar 2007
Dezember 2006
November 2006
Oktober 2006
September 2006
August 2006
Juli 2006
Juni 2006
Mai 2006
April 2006
März 2006
Februar 2006
Januar 2006
Dezember 2005
November 2005
Oktober 2005
September 2005
August 2005
Juli 2005
Juni 2005
Mai 2005
April 2005
März 2005
Februar 2005
Januar 2005

Credits


Aesthetik
Archäologie
Ästhetik des Widerstands
Aus der sozialen Überdruckkammer
Bildung
Futurologie
Kritische Psychologie
Lernen
Literatur unterrichten
Medial
Musik
Musikarchiv
Politik unterrichten
Trash
Unterrichten
Welterklaerung
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren