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Archäologie CLXXXII: 2. Juni 1967

Willi Winkler gibt sehr gut den aktuellen Ermittlungsstand zur Liquidierung des Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 wieder: Berliner Polizei vertuschte den gezielten Schuss, Süddeutsche Zeitung von heute
Der letzte Absatz sei hier zitiert:

Kurras wurde in zwei Verfahren freigesprochen und konnte im Schutz seiner allzeit solidarischen Kollegen den Dienst an der Polizeiwaffe bis zur Pensionierung fortsetzen. In einem Feature für den NDR gab Anfang 1968 eine Journalistin ihre Verzweiflung über den Fall Kurras bekannt: "Wo Journalismus nur noch dazu da ist, Polizeieinsätze zu beschreiben, wo Polizeiknüppel, Wasserwerfer und Dienstpistole die logische, die ununterbrochene Fortsetzung von Journalismus sind (...), da hat die Demokratie aufgehört. Da hat der Polizeistaat begonnen." Die Autorin hieß Ulrike Meinhof.

Nachtrag:
Füchse jagen - Inzwischen ist erschöpfend geklärt, wer am 2. Juni 1967 in ­Westberlin beim Tod des Studenten Benno Ohnesorg ­die Fäden zog. Die DDR-Staatssicherheit war es nicht.
Rudolf Walther im Freitag

"Nord-Süd-Dialog" (II) - Eine Hochschule stellt Studenten und eine Rechnung

Nord-Süd-Dialog: MHH stellt jetzt Rechnung

In der Affäre um die Veranstaltungsreihe Nord-Süd-Dialog meldet sich nun die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) zu Wort. Die Klinik hatte für die Veranstaltung vor drei Jahren 44 Studenten als Service-Personal zur Verfügung gestellt - die Kosten dafür 5.245 Euro. Jetzt teilte die MHH mit, dass sie eine Rechnung dafür "erstmals am vergangenen Freitag" an den Veranstaltungs-Organisator Manfred Schmidt gesendet hat...

Was daran interessieren könnte:
  • Wie stellt eigentlich eine (medizinische) Hochschule Studenten zur Verfügung?
  • Wie mag ein Telefongespräch ablaufen, in dem die Staatskanzlei von einer Hochschule Studenten als Service-Personal für einen Herrn Schmidt und seine Gäste anfordert?
  • Ist die MHH ein Leiharbeitsunternehmen?
  • Wie sind die 44 Studenten ausgewählt worden?
  • Hat jeder der angeforderen Studenten 119,40 ausgezahlt bekommen?
  • Hat die MHH Vermittlungsgebühren einbehalten?

Wo sind wir hier eigentlich?
Wie lange machen wir das noch mit?

Ich bitte freundlich diese Fragen bis morgen 16.00 Uhr MEZ zu beantworten.
Ich bitte um Verständnis, dass ein weiterer Aufschub der geplanten Berichterstattung danach nicht möglich ist.

"Nord-Süd-Dialog", ein Verlag, ein Kochbuch und die Hofberichterstattung der HAZ

In ihrer aktuellen Ausgabe veröffentlicht die HAZ unter dem Aufmacher "Wulffs Regierung belog das Parlament" eine Information, von der man gerne wüsste, wie lange sie sie schon hatte und (so ähnlich wie bei den Kollegen von der BILD) warum sie sie erst jetzt raushaut:

Nach HAZ-Informationen hatte Glaeseker 2009 den Anstoß gegeben, 800 Kochbücher („Raspers Rezepte – Niedersachsens Küche neu entdeckt“) für die Gäste zu kaufen. Verkäufer war der Buchverlag der Mediengruppe Madsack, in der auch die Hannoversche Allgemeine Zeitung erscheint. Laut Rechnung hat das Landwirtschaftsministerium 3411 Euro für die Bücher gezahlt. Die Gesamtkosten lagen mit gut 12?000 Euro allerdings höher. Glaeseker und der Sprecher des Agrarressorts hatten dem Verlag nach Beauftragung drei Firmensponsoren aus dem Agrarbereich genannt, die letztlich jeweils knapp ein Viertel der Kosten übernommen hatten. Die Firmen wurden zusammen mit dem Land Niedersachsen auf einer Werbebanderole genannt, die zusätzlich zu den Büchern beim Verlag angekauft wurde.
21.01.2012 / HAZ Seite 1 Ressort: POLI

Es geht also um dieses Werk:
nord-sued-rezepteRaspers Rezepte: Niedersachsens Küche neu entdeckt [Gebundene Ausgabe]
Oliver Rasper (Autor), Christian Wulff (Vorwort), Madsack Supplement GmbH & Co KG (Herausgeber), Frank Wilde (Fotograf), Dirk Meussling (Fotograf)

... - laut WulffPlag hat Frau Glaeseker ebenfalls an diesem Buch mitgearbeitet.

Produktbeschreibung bei amazon (wo zZt nur 1 Exemplar, gebraucht für 47,29 zu haben ist - mal sehen, wie sich derPreis entwickelt, wenn Maschmeyer und die anderen ihre Geschenke von '09 auf den Markt werfen):
Jetzt wird aufgetischt. Und zwar die Wahrheit: Es gibt keine niedersächsische Küche. Aber es gibt eine Küche in Niedersachsen. Eine sehr gute. Sie sind verwirrt? Macht nichts. Begleiten Sie den Spitzenkoch Oliver Rasper auf seiner kulinarischen Entdeckungsreise zwischen Deich und Deister, und lassen Sie sich von seinen bodenständigen und zugleich kreativ komponierten Speisen begeistern...

Jetzt wird aufgetischt. Und zwar die Wahrheit: Eine gelungene Cross-border-PR-Aktion des Unternehmens, das jetzt Madsack Medienagentur GmbH & Co. KG heißt (vormals Madsack Supplement) - Geschäftsführer: Hendrik Brandt und also offenbar auch Herausgeber des Werks; seit 1. Juni 2011 auch Chefredakteuer der HAZ, - die nun am 20.01.2012 berichtet, dass "das Landwirtschaftsministerium bereits Monate zuvor 3411 Euro für Bücher bezahlt (hatte), die den Besuchern des Festes von dessen privatem Veranstalter Manfred Schmidt später als „Give-away“ geschenkt worden waren." Den Rest übernahmen im Rahmen des beliebten Public Private Partnership u. a. Abraham und Wiesenhof,- so dass sich das Projekt für die Madsack Supplement GmbH & Co KG wohl gerechnet hat.

nord-sued-logo

Der eben wie auch der oben zitierte Artikel wurde geschrieben vom HAZ-Redakteur Klaus Wallbaum, der es wissen muss, berichtete er doch am 11.12.2009 um 23.22 Uhr, sozusagen live vom Nord-Süd-Dialog :

... Wulff selbst sprach in seiner Begrüßungsrede gar nicht mehr vom Konflikt der Automarken, sondern vielmehr ausgiebig über den beruflichen Karrieresprung seines Stuttgarter Amtskollegen Günther Oettinger, der demnächst EU-Kommissar wird. „Hoffentlich kennst Du uns noch, wenn Du in Brüssel bist“, sagte Wulff an die Adresse seines politischen Freundes. Und der bedankte sich brav beim diesjährigen Gastgeber: „Wir wünschen Niedersachsen einen weiteren Aufstieg.“ ...

Seine Kollegen Stefanie Kaune und Dany Schrader ergänzten für die Lokalseiten der HAZ die Hofberichterstatung mit hübsch aufgesexten Beobachtungen aus dem Terminal C:
  • Der Begriff klingt nach politischer Klausurtagung. Doch der „Nord-Süd-Dialog“ ist alles andere als das, wie sich Freitagabend im Terminal C des Flughafens zeigte. Der Ort schien Symbol zu sein, die Veranstaltung hob so richtig ab. Man überbot sich selbst bei dem vor drei Jahren in Hannover aus der Taufe gehobenen und seither im Wechsel mit Stuttgart alljährlich gefeierten Ländertreffen zwischen Niedersachsen und Baden-Württemberg. So gut besucht, so prominent besetzt und so spektakulär in der Szenerie des Geschehens war der Gipfel der gepflegten Gespräche noch nie. Und nun überstrahlte auch noch ein echter Hollywoodstar die anderen ohnehin schon hochkarätigen rund 900 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Sport: „Oscar“-Preisträgerin Faye Dunaway (68) beteiligte sich am Partyplausch...

    Nord-Sued-Dialog-im-Flughafen_ArtikelQuerKlein Ministern aus beiden Ländern konnte Philipp Rösler (36) die Hände schütteln. „Schön, hier auch meine früheren Kollegen aus Niedersachsen wieder zu treffen“, meinte der Bundesgesundheitsminister. Wirtschaftslenker wie TUI-Chef Michael Frenzel (62), Flughafen-Vorstandschef Raoul Hille (49) oder AWD-Gründer Carsten Maschmeyer (50) leisteten ebenfalls ihren Beitrag zum Dialog...
    Maschmeyers Lebensgefährtin, Schauspielerin Veronica Ferres (44), die sich wieder ausgezeichnet mit Bettina Wulff (35) verstand, vertrat die Schauspielsparte ...
Keinem aufgefallen, dass da Bücher verschenkt wurden, die der eigene Laden zuvor dem Landwirtschaftsministerium verscherbelt hatte?? Keiner Zweifel gehabt ob der Boulevard-Schmierblatt-Berichterstatung, die mangelnde journalistische Distanz zu der Veranstaltung erkennen lässt wie mangelnde politische heute Wulff vorgeworfen wird?

Schmuddelig in jeder Hinsicht!
______________
PS:
Bilder vom NSD'08: Am Ende des Tages: Nord-Süd-Dialog: David Groenewold flirtete mit Frauen, Christian Wulff führte seine hübsche Gattin Bettina aus;
Paradise Castle ... und Party für die Lumpenbourgeoisie

Literaturempfehlungen: bpb

Ich habe hier schon mehrfach drauf hingewiesen, dass bei der Bundeszentrale für Politische Bildung offenbar ehrenwerte Leute arbeiten, die dafür sorgen, dass von dieser Einrichtung interessante Lektüre unters Volk gebracht wird, wenn das Volk denn wüsste, dass es hier recht günstig sich bilden kann. Einige aktuelle Empfehlungen (ich sagte schon: wer zu diesen Preisen nicht bestellt, ist doof!):

bpbDas-Ende-Schriftenreihe-Bd
Das Panorama der Zeit zwischen Sommer '44 und Mai '45, das Kershaw analytisch, aber auch berührend, in jedem Fall anschaulich zu zeichnen vermag, offenbart dem Rezensenten zum einen die Strukturen der NS-Herrschaft, zum anderen das ordinäre, rücksichtslose persönliche Movens aller Durchhalteparolen im Führerstab. perlentaucher
bpbInside-Job-DVD
Inside Job ist ein Dokumentarfilm von Charles H. Ferguson über die weltweite Finanzkrise ab 2007. Der Film wurde von Sony produziert und im Mai 2010 bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt. Er erhielt 2011 den Oscar.
bpbJugendkulturen-in-Deutschland-ZeitBilder-
Archiv der Jugendkulturen
bpbTraum-und-Exzess-Schriftenreihe-Bd
Als die Bilder sich ihre Zuschauer erfanden: Klaus Kreimeiers analytische Reise in die Pionierjahre des Kinos ist nicht nur für Experten ein Leseerlebnis.
Kreimeiers Seite

Wie Schröder, Scharping & Fischer einmal einen Angriffskrieg vorbereiteten (Kosovo revisited III) / Zeitzeugen

af88-bild14-farbe24.03.1999: "Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger. Heute Abend hat die NATO mit Luftschlägen gegen militärische Ziele in Jugoslawien begonnen ..." (Gerhard Schröder)
Im italienischen Piacenza starten deutsche Kampfjets gegen Jugoslawien. Es ist der erste Kriegseinsatz deutscher Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Henning Hensch aus Lütjenburg hat viel nachgedacht in den letzten zwölf Jahren. Er ist im Kosovo Teil einer Geschichte geworden, die ganz Deutschland bewegt hat. Eine Geschichte, mit der ganz Deutschland belogen worden ist - sagt er. Henning Hensch war Polizist. Er hatte schon viel gesehen vor diesem 29. Januar 1999 in der kosovarischen Ortschaft Rugovo, doch so etwas noch nicht. Vor allem hätte Henning Hensch es nicht für möglich gehalten, wie dieses Ereignis Monate später gedeutet wird. Rudolf Scharping, der damalige Verteidigungsminister, hat die Bilder aus Rugovo benutzt. Als Beweise für ein Massaker von Serben an unschuldigen Kosovo-Albanern. Doch für Henning Hensch beweisen die Bilder nicht ein Massaker, sondern sie sind Aufnahmen bei einem Gefecht. Nur habe das damals der Bundesregierung nicht gepasst. (NDR Fernsehen 15.01.2012 19:30 Uhr - Zeitreise: Als Beobachter im Kosovo - Videomitschnitt nicht mehr verfügbar)

Siehe auch:
"Es begann mit einer Lüge" - Reportage von Jo Angerer und Mathias Werth, WDR 08.02.2001 (!!)

Kosovo revisited I&II

Archäologie CLXXVIII: Antifaschistischer Widerstand - „Fragt uns, wir sind die Letzten.“ / Zeitzeugen

Erinnerungen von Verfolgten und Menschen aus dem Widerstand. Eine Interview-Broschüre, herausgegeben von der Berliner VVN-BdA, dort als download.

„Die Gespräche mit Überlebenden des Widerstandes, sie sind unersetzlich, denn sie haben erlebt, wie es anfing und endete. Die Begegnung mit ihnen – nichts Vergleichbares gibt es, aus dem so viel Mut, Beharrlichkeit und Zuversicht geschöpft werden kann.“
(Peter Gingold, antifaschistischer Widerstandskämpfer, 1916-2006)

Kapitalismus braucht keine Demokratie, aber (hierzulande) Antisemitismus

Die FAS heute: Politiker von Koalition und Opposition haben die Herabstufung wichtiger Euro-Länder durch die Rating-Agentur Standard&Poor‘s (S&P) als Angriff gegen den Euro bewertet. Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Fuchs sprach gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) von „Attacken auf den Euro“. Der Europa-Politiker Elmar Brok (CDU) sagte, die Herabstufung käme in der Konsequenz „fast einem Währungskrieg“ gleich. Der Vorsitzende der Sozialistischen Fraktion im Europaparlament Martin Schulz nannte die Herabstufung gegenüber der F.A.S. einen „gezielten Angriff auf die Stabilität des europäischen Rettungsschirms“.
Brok äußerte den Verdacht, dass die Agenturen „anglo-amerikanische Interessenpolitik“ betreiben.


Der WELT fällt immerhin auf
: Sprache ist verräterisch... Wer "anglo-amerikanisch" statt etwa das geläufigere "angelsächsich" sagt, tut das gemeinhin, um möglichst viel Abstand zu gewinnen.

Weil im "sächsischen" eben auch immer der deutsche Ursprung durchschimmert. Und wir haben ja nun gar nichts mit diesen "raffenden" Finanzjongleuren zu tun, wie die Nazis es ausdrückten, die ebenfalls gerne das Wort vom "anglo-amerikanischen Finanzkapital" benutzen – genauso gern wie linksradikale Kapitalismuskritiker.

Diese Begrifflichkeit dient dazu, die Finanzwelt als etwas Andersartiges, den Deutschen und den Europäern Fremdes auszugrenzen, um einen externen Sündenbock für die Euro-Krise zu finden. Und sie hat einen antisemitischen Unterton, denn, nicht wahr (zwinker, zwinker), wir wissen ja, wer an der New Yorker Börse eigentlich die Strippen zieht.

Es gibt inzwischen erstaunlich viele Politiker, die explizit wie Brok oder nur andeutungsweise an einer Verschwörungstheorie stricken, wonach London und New York den Euro kleinkriegen wollen.


Der Rest des Artikels geht der WELT voll in die Hose, weil die Krise wiedermal Ergebnis einer anderen Verschwörung ist – ... einer zwischen Regierenden und Regierten ... Aber immerhin nimmt da einer etwas wahr, das wahrzunehmen ich schon dachte, sei skuril geworden, weil ich "anglo-amerikanisch" immer noch mit den Luftlagemeldungen des OKW assoziiere: Anglo-Amerikanische Bomberverbände im Raum Hannover-Braunschweig im Anflug auf die Reichshauptstadt, also mit einem dummen, antisemitisch aufgeladenen Antiamerikanismus ... und mich schäme, wenn das jemand heute so ohne jedes Bewusstsein (oder gerade im vollen Bewusstsein) der historischen Kontexte rausrotzt.

Im Übrigen und was das Downrating angeht: Willkommen in der Realität, Michel!
Alles Leugnen, Hoffen und Betteln hilft nicht. Der ökonomischen Kontraktion wird sich die Bundesrepublik nicht entziehen können. Man darf gespannt sein, wie diejenigen, für die vor ein paar Monaten eine Rezession „nicht in Sicht“ war, mit der kommenden Entwicklung umgehen werden. Potenzielle Sündenböcke sollten schon mal Deckung suchen.

Es gibt ein paar einfache ökonomische Regeln, die nicht nur von Politikern gern übersehen oder nicht verstanden werden. Eine davon ist die nicht auszumerzende Verwechslung von „Bedürfnissen“ mit „Nachfrage“. Sie kennen das unselige Beispiel vom Krieg. Alles sei kaputt, deshalb gebe es eine hohe Nachfrage. Leider falsch. Es gibt unzählige Bedürfnisse, aber Nachfrage heißt, dass ich auch etwas anbieten kann. Wer nichts hat, fragt auch nichts nach.

Auch die schlichten Zusammenhänge zwischen den Exporten eines Landes und den Importen der Abnehmerländer sind offenbar aller Einfachheit zum Trotz unklar. Dabei ist das Prinzip einfach. Was niemand im Ausland nachfragt, das kann ich dort niemandem verkaufen. Haben mögliche Käufer weniger Mittel für Käufe im Ausland hergestellter Waren, dann sinkt die Nachfrage nach diesen und mit der Nachfrage schrumpfen auch meine Exporte. Zuerst zeigt sich ein Rückgang der Nachfrage bei den Auftragseingängen. Der unlängst für die deutsche Industrie gemeldete Einbruch auf Jahresbasis war der stärkste seit Oktober 2009. Willkommen zurück.
... Weiterlesen bei Bankhaus Rott!

S&P’s downgrade of a bunch of European sovereigns was no surprise. What was somewhat surprising — and which went unmentioned in almost all the news stories I’ve read — was why S&P has gotten so pessimistic. From their FAQs:
  • We also believe that the agreement [the latest euro rescue plan] is predicated on only a partial recognition of the source of the crisis: that the current financial turmoil stems primarily from fiscal profligacy at the periphery of the eurozone. In our view, however, the financial problems facing the eurozone are as much a consequence of rising external imbalances and divergences in competitiveness between the EMU’s core and the so-called “periphery”. As such, we believe that a reform process based on a pillar of fiscal austerity alone risks becoming self-defeating, as domestic demand falls in line with consumers’ rising concerns about job security and disposable incomes, eroding national tax revenues.
And today we read about the response:
German chancellor Angela Merkel has called on eurozone governments speedily to implement tough new fiscal rules after Standard & Poor’s downgraded the credit ratings of France and Austria and seven other second-tier sovereigns.
Still barreling down the road to nowhere.

Quelle: Paul Krugmans Blog via nds

_____________
Anmerkung: Es empfiehlt sich immer mal auf die Eigentumsverhältnisse zu schauen:

... Kritiker meinen, die Ratingagenturen machten von Nordamerika aus bewusst Politik gegen europäische Staaten und Banken und zugunsten amerikanischer Spekulanten. Dabei wird jedoch geflissentlich übersehen, dass Fitch zu 60 Prozent einer Holding gehört, die wiederum mehrheitlich von Marc Ladreit de Lacharrière kontrolliert wird – von einem Franzosen. Ist es ein Zufall, dass nun die französische Agentur Fitch den französischen Staat öffentlichkeitswirksam aus der Schusslinie des Finanzmarktes zu nehmen versucht – während S & P und Moody’s weiter damit drohen, Frankreichs Bonitätsnote herabzustufen? Klar ist nur: Falls es S & P oder Moody’s 2012 wagen sollten, an Frankreichs Zahlungsfähigkeit zu zweifeln, ist garantiert, wer zu den vermeintlich Bösen zählt und wer zu den vermeintlich Guten.
Badische Zeitung - Eilmeldung: Es passiert nichts

"Kapitalismus braucht keine Demokratie"

Ein Gastbeitrag von Ingo Schulze, Schriftsteller, in der sz vom 12.01.

Seit etwa drei Jahren habe ich keinen Artikel mehr geschrieben, denn ich weiß nicht mehr, was ich noch schreiben soll. Es ist alles so offensichtlich: die Abschaffung der Demokratie, die zunehmende soziale und ökonomische Polarisation in Arm und Reich, der Ruin des Sozialstaates, die Privatisierung und damit Ökonomisierung aller Lebensbereiche (der Bildung, des Gesundheitswesens, des öffentlichen Verkehrssystems usw.), die Blindheit für den Rechtsextremismus, das Geschwafel der Medien, die pausenlos reden, um über die eigentlichen Probleme nicht sprechen zu müssen (*), die offene und verdeckte Zensur (mal als direkte Ablehnung, mal in Form von "Quote" oder "Format") und, und, und. . .

Die Intellektuellen schweigen. Aus den Universitäten hört man nichts, von den sogenannten Vordenkern nichts, hier und da gibt es einzelnes kurzes Aufflackern, dann wieder Dunkel. Ich kann nur den Gemeinplatz wiederholen: Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste sozialisiert. Und ich wünschte, ich könnte Gegenbeispiele nennen.

Wenn man Tag für Tag den Wahnsinn als Selbstverständlichkeit aufgetischt bekommt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man sich selbst für krank und abnorm hält. Im Folgenden versuche ich, einige Gedanken zusammenzufassen, die mir wichtig erscheinen:
...

13 Thesen gegen die Ausplünderung der Gesellschaft. Lesebefehl!!
________________________________________

(*) Die Jagd auf unseren Bundespräsidenten wirkt immer bizarrer. Kaum auszudenken, die Antreiber würden so viel Eifer entwickeln, wenn es mal um wirklich Wichtiges geht. [...]
Wo sind die kritischen Geister, die danach schreien, dass Frau Merkel jetzt auch mal aufklären soll: zum Beispiel darüber, warum sie im Sommer bei der Euro-Rettung übereifrig Privatgläubiger in Haftung bringen wollte und damit, wie befürchtet, die nächste Finanzpanikwelle ausgelöst hat – wie sie beim letzten Gipfel zugeben musste, indem sie den Unsinn wieder zurücknahm. Für das Land kann das ziemlich teuer werden. Wo sind die, die jetzt einfordern, endlich offenzulegen, wer sie da beraten hat? Und wie so ein Fehler passieren konnte. Und was das kostet. Und wer dafür jetzt aufkommen soll.
Wie rechtfertigt Frau Merkel, dass ihre ökonomisch zweifelhaften Austeritätsempfehlungen an andere jetzt zigtausendfach dazu führen, dass Menschen, die für die Krise gar nichts können, ihre Arbeit verlieren, ganze Familien daran gerade kaputtgehen – ohne dass die Krise weg ist? Was ja mindestens so wichtig ist wie die Vergangenheit von Bettina Wulff.
Wo sind die Wulff-Kritiker, die aufheulen, weil es Josef Ackermann und dem Rest der Banker klammheimlich gelungen ist, die eigene Krise zur Staatsschuldenkrise umzudefinieren – obwohl die Finanzbranchenmisere der Hauptgrund dafür ist, dass die Staatsschulden seit 2007 weltweit so krass gestiegen sind? [...]
Wo sind umgekehrt die Kritiker, die mal damit nerven, ob Herr Steinbrück so ein toller Krisenmanager war, wie er das selbst sagt – wo er die Krise immerhin wochenlang falsch einschätzte und Fehlentscheidungen traf? Kompliziert? Klar. Zumindest schwerer als herauszufinden, wenn ein Schachbrett falsch herum steht.

Thomas Fricke – Sinnlose Hatz auf Wulff : FTD (via nds)

Failing States of Europe: Mafia ist Italiens solideste Bank

Die Mafia ist Italiens solideste Bank. Das organisierte Verbrechen kann mit einer Liquidität von 65 Milliarden Euro rechnen, so viel wie kein Geldhaus im Stiefelstaat, geht aus dem Jahresbericht des Kaufleuteverbands Confesercenti hervor. “In dieser Krisenphase ist die Mafia AG die einzige Struktur, die über liquide Mittel für Investitionen verfügt”, warnte Confesercenti-Präsident Marco Venturi. Die Mafia nutze die Krise aus, um immer tiefer in das Wirtschaftssystem in Nord- und Mittelitalien einzudringen. Das organisierte Verbrechen sei Italiens Unternehmen mit dem höchsten Umsatz. Wie aus der Studie hervorgeht, steht die Kriminalität in dem Mittelmeerland mit 140 Milliarden Euro Umsatz für sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Der Jahresbericht von Confesercenti nannte illegale Müllentsorgung, Schutzgelderpressung, illegalen Geldverleih, Diebstahl, Betrug und Schmuggel als Hauptgeschäftsbereiche der kriminellen Organisationen.
Quelle: Der Standard via nds oder Süddeutsche Zeitung

Archäologie CLXXV: The Superdupercommittee - Wir sinken nicht!



Der Untergang von "Atlantis West" aus der Komödie "Erik der Wikinger" von Terry Jones (Monty Python) mit Tim Robbins, John Cleese, u.a. Via als-ob-leben. Nunmehr 23 Jahre alt und wunderbar aktuell, dazu in großartiger Besetzung ...

+ Paul Krugman vs the superdupercommittee: Keynes was right in der NYTimes und heute in der Beilage der Süddeutschen Zeitung:

... So the real test of Keynesian economics hasn’t come from the half-hearted efforts of the U.S. federal government to boost the economy, which were largely offset by cuts at the state and local levels. It has, instead, come from European nations like Greece and Ireland that had to impose savage fiscal austerity as a condition for receiving emergency loans — and have suffered Depression-level economic slumps, with real G.D.P. in both countries down by double digits.

This wasn’t supposed to happen, according to the ideology that dominates much of our political discourse...

Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

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