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Come On and Sing



Die Rattles 1966 als Vorgruppe der Beatles im Circus-Krone-Bau in München. Der legendäre Auftritt mit Achim im Netzhemd (vgl. Niedecken in irgendeinem Interview - zur Ikonographie des deutschen Beat!)
via Schockwellenreiter

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit II

Ein feiner Leserbrief in der HAZ von hoite:

Zu dem Bericht „An den Gymnasien wird es eng“ vom 2. November:
Lehrermangel ist nur das vordergründige Problem unserer Gymnasien. In Wahrheit liegt es an der Vielzahl derjenigen Schüler, welche die Klassen überfüllen und mangels der erforderlichen Mindestbegabung für diese Schulform nicht zum Abitur kommen. Gymnasiallehrer sind nicht dazu da, Lernbehinderte durch eine verfehlte Schullaufbahn zu quälen.
Hannover Prof. Dr. G... A...off


Wie schon das Nds. Kultusministerium verlauten ließ, gibt es nicht unterversorgte oder überforderte Gymnasien, sondern nur zu hoch gegriffene Ansprüche (wo doch gerade den Unterschichten attestiert wurde, sie hätten den Aufstiegswillen verloren!). Der Herr Professor setzt nun noch einen drauf, wenn er von erforderlicher Mindestbegabung zu reden weiß (die man doch am besten mit Wiedereinführung des Probeunterrichts am Gymnasium feststellen könnte! Ich habe das 1960 mitgemacht...) und den nicht-gymnasialen Rest zu Lernbehinderten erklärt. So deutlich war das bisher nicht zu hören (und man darf fragen, warum die HAZ solch gruppenbezogen menschenfeindliches Geseire ins Blatt nimmt).
Na, da hat einer aber fein das "Mietmaul der C-4-Klasse" gemacht, zumal einer (wenn es der ist, den die einschlägigen Suchmaschinen finden, - mehr von ihm/über ihn allerdings auch nicht!), der selbst mit Lernbehinderten zu tun hatte, wenn auch nur (zumindest bis 1985, als die Pädagogischen Hochschulen in die Universitäten überführt wurden) an einem akademisch sozusagen zweitklassigen Insitut.
Ist es nicht seltsam, dass überall die Profiteure der sozialdemokratischen Bildungsexpansion der 70er Jahre nun für sich oder die eigene Brut oder auch nur als Mietmaul fordern, die Schotten dicht zu machen, um die Passagiere vom Unterdeck aus den Salons der höheren Bildung fernzuhalten?? - (Auch wenn sie selbst nicht so besonders gut mit der deutschen Sprache umgehen können, was das Anschließen von Relativsätzen und das Einziehen von Sinngeländern angeht ...)
1151068811

Tod durch Erhängen

Wenn wir diesen schrecklichen Mann hängen, hoffen wir, besser auszusehen als er und die Iraker daran zu erinnern, ihr Leben sei jetzt besser als es unter Saddam war. Auch wenn die Katastrophe grauenhaft ist, die wir über den Irak gebracht haben. Denn die Iraker leben jetzt schlechter, der Tod sucht heute mehr Menschen heim - wir können nicht einmal moralische Überlegenheit beanspruchen.

Wenn Saddams Bosheit der Maßstab ist, um über Frevel und Verbrechen zu richten - was geschieht dann mit uns? Wir haben doch bloß Gefangene sexuell missbraucht und ein paar von ihnen getötet, und wir sind illegal in ein Land eingedrungen, was den Irak läppische 600.000 Leben gekostet hat. "Mehr oder weniger", wie George Bush meinte, als er erklärte, es seien nur 30.000. Saddam war viel schlimmer. Uns kann man nicht vor Gericht stellen. Uns kann man nicht hängen.

Erinnern Sie sich des Händedrucks? Vor Gericht war es Saddam verboten, seine Beziehung zum jetzigen Verteidigungsminister Rumsfeld zu beschreiben. Ebenso wenig durfte er über den Beistand durch George Bush senior reden. Kein Wunder, dass irakische Offizielle behaupten, die Amerikaner hätten sie genötigt, Saddam unbedingt vor den US-Kongresswahlen zu verurteilen. Tony Snow, Sprecher des Weißen Hauses, tat kund, das Urteil gegen Saddam - wohlgemerkt, er sprach nicht vom Prozess selbst - sei "gewissenhaft und fair".

Um so mehr eine kleine Auswahl der Themen, zu denen Saddam nichts sagen durfte: Am 25. Mai 1994 verfasste das "Komitee für Bankwesen, Wohnungswesen und Städtebau" des US-Senats einen Bericht mit dem Titel Mit der chemischen und biologischen Kriegsführung der Vereinigten Staaten verbundene Exporte in den Irak mit doppeltem Verwendungszweck und ihre möglichen Einflüsse auf die gesundheitlichen Folgen (sic) des Golfkrieges. Gemeint war der Krieg von 1991. Der Report informierte über von der US-Regierung bewilligte Verschiffungen von biologischen Wirkstoffen, die von US-Firmen seit 1985 oder früher in den Irak dirigiert wurden. Dazu gehörte der Bacillus anthracis, der Anthrax erzeugt. Auch wurde festgestellt, die USA versorgten Saddam mit Material, das für sein Chemie- und Biologie-Waffenprogramm sowie sein Raketensystem nützlich gewesen sei.
....

weiter:
Robert Fisk im FREITAG 45

Frisks Text erinnert an "Der Präventivschlag" von Erich Fried - eine faszinierende kleine Erzählung.

The Pet Sounds Potcast Series

The Pet Sounds 40th Anniversary Podcast is a 15-episode series documenting the making of the Beach Boys' seminal 1966 album. We invite you listen to its creator, Brian Wilson, and fellow Beach Boys Mike Love, Al Jardine and Bruce Johnston share their thoughts on making this landmark album.

This 15-episode series includes an album overview, individual podcasts for each album track, as well as a bonus episode on the making of "Good Vibrations."

... und zu Weihnachten wünsch ich mir
briandoll-0

Lean Production

TeamworkUK2006

via The Goose.Org.uk

Lustiges kleines Ding

Free Image Hosting at ImageShack.us
Make your own 45 single vinyl record

“You don’t know yet what an awful place the world can be.”

mammaromablog

Bird

Tipi-with-raven

Zuweilen

kriegel
... bemerkt man erst sehr viel später, dass einem etwas fehlt. Volker Kriegel starb am 15. Juni 2003 an Krebs.
Beim Wiederentdecken von Topical Harvest, meiner ersten LP von Kriegel (MPS 1976), fällt auf, wie intelligent und elegant da einer Gitarre gespielt hat.

Außerdem hat Volker Kriegel wunderbare Bücher geschrieben und illustriert, z.B. das vom Rock'n' Roll König:

Der König liebte den Rock'n' Roll über alles in der Welt. Oft saß er nachts allein in seinem Thronsaal und spielte auf seiner wertvollen alten Martin-Gitarre die unvergänglichen schönen Songs von den Beatles und den Stones. "Pool On The Hill" war noch immer sein Lieblingslied, und er sang es mit seiner angenehmen Stimme, nicht zu laut, oft mehrmals hintereinander.

r-rKoenigEigentlich war der König ziemlich musikalisch. Er verfügte nicht nur über die bereits erwähnte, recht wohlklingende Stimme, der König hatte sich darüber hinaus im Lauf der Jahre recht ordentliche Kenntnisse über Harmonien und Akkorde angeeignet, er besaß ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis für Songtexte, und über sämtliche Neuerscheinungen auf dem Plattenmarkt war er stets bestens informiert.

Trotz allem aber war der König sehr unglücklich.

Es gab da ein Problem, das ihm mehr und mehr zu schaffen machte. Der König hatte nämlich, rundheraus gesagt, ein äußerst beschissenes Timing. Oder anders ausgedrückt: es mangelte dem armen König an einem elementaren Gefühl für Rhythmus. Und ein geradezu abartiges Verhältnis hatte er zu den Pausen. Wenn er ein ganz schlichtes Lied sang, beispielsweise "I Can't Get No Satisfaction", dann kippte er spätestens bei der kleinen Pause zwischen "I Can't Get No -" und "- Satisfaction" hoffnungslos aus dem Takt, und fast nie gelang es ihm, jemals wieder den rhythmischen Anschluß zu finden.

Und so nahm das Verhängnis seinen Lauf.

Die Einleitung war eben vorüber, "I Can't Get No", hatte der König gerade gesungen - da passierte es, in der kleinen Pause zwischen "I Can't Get No -" und "- Satisfaction": eine plötzliche Verwirrung überkam den König, ein jäher rhythmischer Abgrund tat sich auf, sozusagen ein leeres Nichts ... der König hatte eine Sekunde zu lange gezögert, wie so oft an dieser Stelle. In der verzweifelten Hoffnung, durch irgendein Wunder doch noch im richtigen Rhythmus zu landen, schob er viel zu hastig das Wort "Satisfaction" hinterher, obwohl ihn bereits die schmerzliche Gewißheit durchzuckte, daß es nichts mehr zu retten gab.

Schwindel und Panik überkamen unseren König, ohne ein Wort der Erklärung floh er hastig von der Bühne.
In dem jungen Mann, der fünf Minuten später unbemerkt das Schloß verließ, hätte beim besten Willen kein Mensch unseren König erkannt.

Entrepreneurs

Die Zahl der von privaten Sicherheitsunternehmen
angestellten Soeldner im Irak uebersteige gegenwaertig die
Zahl der britischen Truppen im Land um das Dreifache,
berichtet Richard Norton-Taylor. Ueber die Aktivitaeten
dieser Unternehmen gebe es kaum Informationen. "The
government admits that private security companies are here
to stay, and that their operations are likely to increase
further as pressures on the armed forces increase. (...)
Critics say the main problem is that they are
unaccountable. Non-Iraqi employees of private security
companies in Iraq were protected from prosecution under
Order 17 of the Coalition Provisional Authority, issued
shortly before it handed over power in 2004."
...
Hired guns

British private security companies have contracts in Iraq and Afghanistan worth £1bn. There are 48,000 employees of private security firms in Iraq - 21,000 of them British - according to War on Want. The total has now dropped to 10,000, British companies say. Aegis, which won a multimillion pound contract from the Pentagon to provide security in Iraq, saw its turnover increase from £500,000 in 2003 to £62m last year. ArmorGroup, a British company, trebled its turnover from £37m in 2001 to £122m. In Afghanistan, 150 employees of the US company DynCorp are protecting president Hamid Karzai. Blackwater has won contracts in Iraq and to combat opium cultivation in Afghanistan. Control Risks has contracts with UK and US agencies, including the Foreign Office, to provide security in Iraq.

Source: War on Want
(Guardian vom 31.10.2006)
Vgl. auch: http://worldcontent.twoday.net/

Interessant auch hier:
U.S. Department of Defense
Office of the Assistant Secretary of Defense (Public Affairs)
Contracts


Nachtrag:
oder auch hier!

Folk ohne Lore

nochmal Günter Amendt über Dylan: Wer hätte das gedacht? Bob Dylan ist nach dreißig Jahren wieder "Top of the Charts"
in Konkret 11/06:

Man kann diese Rückbesinnung auf die Tradition durchaus in einen politischen Kontext stellen. Während sich die Neokonservativen in den USA auf den Kampf der Kulturen im globalen Maßstab einstimmen, ist der Kampf um Kultur an der Heimatfront längst entbrannt. Selbst in der traditionell konservativen Countryszene werden Themen besprochen und besungen, die den Rahmen der Countrytradition sprengen: "Country music has become a cultural battleground", registriert die "New York Times". Viele US-Bürger, die sich dem fundamentalistisch-republikanischen Mainstream nicht zurechnen, beginnen sich unter dem Eindruck der globalen Abwertung, die ihr Land erfährt, zu fragen: Was heißt es eigentlich heute, Amerikaner oder Amerikanerin zu sein? Eine tief verunsicherte Bevölkerung ist auf der Suche nach Selbstvergewisserung: "Shame on your greed, shame on your wicked schemes/ I'll say this, I don't give a damn about your dreams", singt Dylan in "Thunder on the Mountain", dem, nebenbei gesagt, besten Eröffnungssong seit langem. Es geht um die Überprüfung von Traditionen. Die neue Platte, wie auch die Radio-Show, kann man als einen Beitrag zu dieser Rückbesinnung, die mit Nostalgie nichts zu tun hat, sehen beziehungsweise hören.

Gremliza in seinem ExPress hat folgendes entdeckt:

1 Hape Kerkeling Ich bin dann mal weg
2. Joachim Fest Ich nicht

SPIEGEL-BESTSELLER
Sachbücher 44/2006

Der entleerte Blick hinter der Kamera

Wehrmachtsfoto
















... Diese Fotos sind aus einer Perspektive der Entsubjektivierung aufgenommen. Sie setzen ein Auge voraus, das keine Beziehung zum leiblichen Ich des Fotografen hat und nach dem Blick aus einem zeit- und raumlosen Nirgendwo sucht. Kants Idee der reinen Interesselosigkeit, allerdings nun ohne» Wohlgefallen«, scheint im Blick durch diese Kameras ein unbestimmtes Leben zu gewinnen. Dieser Blick aus dem Nirgendwo läßt sich vielleicht als die letzte Steigerung im Prozeß der Rationalisierung des Blicks verstehen, den Erwin Panofsky mit der Erfindung der Zentralperspektive in der frühen Neuzeit beginnen sieht. In dieser Abstrahierung läßt sich gleichzeitig auch die Umkehrung des Blicks auf den Nirgendort der literarischen Tradition erkennen. Die idealisierten Gesellschaften der Utopien setzten politisch-moralische Positionen und die Idee der guten Gesellschaft voraus. Im Blick auf den imaginierten Ort schuf sich das vertrauensstarke Ich der frühen bürgerlichen Gesellschaft einen konturierten Raum, in den sich diese Inhalte projizieren ließen.
Der Blick aus dem Nirgendwo kann dagegen nur unter der Voraussetzung eines entleerten Ichs entstehen, das sich in einer ebenso entleer- ten Welt sieht und von dem Bedürfnis geleitet wird, seine eigene Identität zu sichern. Fotografie dient als Mittel dazu. Vor den Szenen der unglaublichen Gewaltsamkeit suggeriert der entleiblichte Blick aus dem Nirgendwo eine Macht, nicht über das Geschehen vor dem Objektiv, sondern über die gefährdete Identität des Ichs hinter dem Sucher. Solange eine Wirklichkeit, die alles Erwartete und bis dahin Gesehene sprengt, die alle Ideale von Humanität und alle Bilder vom Menschen widerlegt, dem organisierenden Blick aus der interesselosen Maschine Fotoapparat unterstellt werden kann, scheint das Ich von diesem Anblick nicht unmittelbar betroffen zu sein und kann sich der Hoffnung hingeben, über die Zeit hinweg seine eigene Konsistenz zu bewahren. Bei allen zukünftigen Zweifeln läßt sich auf die mimetische Macht der Fotografie zurückgreifen, deren Bilder eine gerahmte und perspektivische Ordnung herstellen. Der Auslöser wird mit der Erwartung betätigt, daß später der Blick auf das mechanisch produzierte Analogon die von subjektiven Unsicherheiten freie Gewißheit schaffe, wieder und wieder zu sehen, wie es wirklich gewesen ist.
Die ichstabilisierende Trennung in ein beobachtendes Subjekt und das Objekt einer fremden Bildwelt scheint sich durch die dokumentierende Kamera bestätigen zu lassen. Die mit dem Blick aus dem Nirgendwo auf- genommenen Bilder entstanden in der Hoffnung, mit der Kamera eine Welt konstruieren zu können, zu der der Fotograf nicht gehört, sondern der er gegenübersteht und zu der ihn die Kamera auf Distanz hält. Die Hoffnung darauf, dem eigenen Ich einen Raum zu erhalten, der von dem des dokumentierten Grauens unbeschädigt bleibt, schafft die Notwendigkeit zur» Entleiblichung« des Blicks. Qual, die nur leiblich erfahren werden kann, wird auf die andere Seite dieser zweigeteilten Welt geschoben. Die bevorzugten Fotos der Eigenrepräsentation zeigen Soldaten in lockeren, aber ordentlichen Reihen vor Gebäuden oder Treppen, mit sauberen Uniformen, entschlossenen Blicken und fester Haltung. Im Gegensatz zu den offenen Landschaften mit den Massen der Opfer, deren Körperkonturen oft unscharf verschwimmen, schaffen diese Auf- nahmen das Bild einer Welt militärischer Disziplin, die durch architek- tonische Konturen, Maschinen oder andere feste Strukturen eines äußeren Systems affektlos geordnet wird.
Das Zusammenwirken von Furcht vor dem Verlust und Hoffnung auf die Erhaltung der Macht über das Ich durch die Stabilisierung von Erinnerung schafft mit dem entleiblichten Blick gleichzeitig eine moralische Indifferenz gegenüber dem Abgebildeten. Nicht Bedürfnisse des» Motivs«, sondern die Ansprüche der entleerten Subjektivität lenken den Blick durch den Sucher und später den auf das Foto. Der Fotograf befindet sich gegenüber seinem Objekt prinzipiell in einer privilegierten Position der Macht. Sie ist im Fall der Fotografen von Gewalt gegen die Opfer im Weltanschauungskrieg und der Judenvernichtung unbegrenzt gesteigert. Die Fotografen scheinen dafür kein Gespür gehabt zu haben. Ihre Bilder zeigen nie Zeichen von Scham oder Beklemmung, und ihre sprachlichen Zeugnisse zeigen selten Andeutungen von Hemmung. Den Sinn für die soziale Situation, für den Zusammenhang, den der Blick zwischen dem Fotografen und seinem Objekt stets herstellt, scheinen diese Fotografen verloren zu haben. Das Auge hinter dem Sucher verhärtet sich in Analogie zum Objektiv selbst.22
Es gibt zahlreiche Fotos von nackten Menschen vor den Grubenrändern bei Massenerschießungen oder von nackten Frauen, die eine »Straße« im Lager Auschwitz hinuntergehetzt werden. Unter den Fragen, die diese Aufnahmen nahelegen, ist die nach der Person hinter der Kamera besonders bestürzend. Wer kann angesichts solcher letzten Entwürdigung des Menschen die Kamera zücken? Die moralische Frage ist gleichzeitig eine ästhetische Frage: Was haben diese Fotografen eigentlich gesehen, daß sie in der Lage waren, ein solches Geschehen im Leben zu einer Szene für die fotografische Abbildung zu machen? Wie haben diese Fotografen gesehen? Ihr Blick mußte mit einer herkömmlichen Vorstellung von »Sehen« gebrochen haben und kann eher das Anwenden des Auges als neutrales Instrument auf einen Fall von Körperbewegung verstanden werden. Für diese Instrumentalisierung des Sehens war die Kamera das geeignete Mittel der Distanzierung, und es lassen sich technische Spekulationen über die Bedeutung der Optik der Sucher von Kameras dieser Zeit anstellen. Fotografieren verstehen wir, selbst in seiner veräußerlichten Form des touristischen Schnappschusses, doch immer noch als eine Art, visuelle Erfahrungen zu machen. Die gesehene Wirklichkeit verändert sich in der Wahrnehmung durch das Auge des Fotografen und wird von einem Objekt zu einem Teil des Selbst. Er sieht sie als ein ausgeschnittenes Bild und stellt sich die Frage, wie es einmal auf dem Abzug oder als Dia »wirken« wird. Diese Erfahrung durch den Akt des Fotografierens scheint mir für die Fotografie der Massaker ausgeschlossen zu sein. Sie entstammen nicht dem »bösen Blick«, nicht dem verständnisvollen und schon gar nicht dem mitfühlenden, sondern einem entleerten Blick...


aus aktuellem Anlass aus:
Bernd Hüppauf: Der entleerte Blick hinter der Kamera -
Der entleiblichte Blick
in: Hannes Heer, Klaus Naumann (Hg.) Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 – 1944. Hamburger Edition HIS 1995
Vgl. auch: Kathrin Hoffmann-Curtius: Trophäen in Brieftaschen – Fotografien von Wehrmachts-, SS- und Polizei-Verbrechen


Wir sind nicht so tief gesunken, wie wir glaubten, meinte Sigmund Freud über das Erschrecken angesichts der Bestialität des Ersten Weltkriegs, weil wir auch nicht so hoch gestiegen waren, wie wir glaubten. Wer immer meinte, eine Bundeswehr im Einsatz sei etwas anderes als die Wehrmacht, die US-Army oder irgendeine andere Mörderbande, steht so dumm da wie die Beisitzer in meinem Anerkennungsverfahren als Kriegsdienstverweigerer im Jahre 1969 ...
. ..Es ist nicht irgendein ekliges Spiel, das hier aufgeführt wird, sondern ein Kriegsspiel. Es ist der Krieg, der solch eklige Rituale des Sieges und der Männlichkeit, eine solche Kultivierung des Martialischen hervorbringt...
(Thomas Steinfeld in der SZ vom 26.10.06)

Nachtrag: Einige Hintergrundinformationen zum Krieg in Afghanistan finden sich in meinen WeltUNOrdnungs-Blog.

Nachtrag 29.12.:
... ich zeig Ihnen mal wie richtiges Theater geht, und zwar Welttheater.Also da brauchen Sie erst einmal ein anständiges Kostüm. Und zwar eins, mit dem sie heutzutage in jedem Land der Welt eintreten, ich mein natürlich: auftreten können. Und dann brauchen Sie eine schockierende Requisite. Irgendeine blutige Sauerei, eine provokante Tabu-Verletzung, am Besten einen abgeschlagenen Kopf. Das muss jetzt nicht unbedingt der Kopf des Propheten sein, da können sie auch einfach nur irgendeine herumliegende Leiche schänden. So, und jetzt das ganze noch in ein morbides Zwielicht getaucht und dann geht's los:„Schwein oder nicht Schwein, das ist hier die Frage! Ob's edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks zu dulden, oder sich wappnend gegen eine See von Plagen durch Schabernack sie enden!"Ja, das ist schon ganz großes Theater, das unsere Jungs da in Afghanistan aufführen. Hamlet am Hindukusch!...
Der komplette Text:
Wilfried Schmickler in den Mitternachtsspitzen

Der bewachte Kriegsschauplatz

Im nächsten letzten Krieg wird das ja anders sein ... Aber der vorige Kriegsschauplatz war polizeilich abgesperrt, das vergißt man so häufig. Nämlich:

Hinter dem Gewirr der Ackergräben, in denen die Arbeiter und Angestellten sich abschossen, während ihre Chefs daran gut verdienten, stand und ritt ununterbrochen, auf allen Kriegsschauplätzen, eine Kette von Feldgendarmen. Sehr beliebt sind die Herren nicht gewesen; vorn waren sie nicht zu sehen, und hinten taten sie sich dicke. Der Soldat mochte sie nicht; sie erinnerten ihn an jenen bürgerlichen Drill, den er in falscher Hoffnung gegen den militärischen eingetauscht hatte.

Die Feldgendarmen sperrten den Kriegsschauplatz nicht nur von hinten nach vorn ab, das wäre ja noch verständlich gewesen; sie paßten keineswegs nur auf, daß niemand von den Zivilisten in einen Tod lief, der nicht für sie bestimmt war. Der Kriegsschauplatz war auch von vorn nach hinten abgesperrt.

"Von welchem Truppenteil sind Sie?" fragte der Gendarm, wenn er auf einen einzelnen Soldaten stieß, der versprengt war. "Sie", sagte er. Sonst war der Soldat ›du‹ und in der Menge ›ihr‹ – hier aber verwandelte er sich plötzlich in ein steuerzahlendes Subjekt, das der bürgerlichen Obrigkeit untertan war. Der Feldgendarm wachte darüber, daß vorn richtig gestorben wurde.

Für viele war das gar nicht nötig. Die Hammel trappelten mit der Herde mit, meist wußten sie gar keine Wege und Möglichkeiten, um nach hinten zu kommen, und was hätten sie da auch tun sollen! Sie wären ja doch geklappt worden, und dann: Untersuchungshaft, Kriegsgericht, Zuchthaus, oder, das schlimmste von allem: Strafkompanie. In diesen deutschen Strafkompanien sind Grausamkeiten vorgekommen, deren Schilderung, spielten sie in der französischen Fremdenlegion, gut und gern einen ganzen Verlag ernähren könnte. Manche Nationen jagten ihre Zwangsabonnenten auch mit den Maschinengewehren in die Maschinengewehre.

So kämpften sie.

Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.

Es ist ungemein bezeichnend, daß sich neulich ein sicherlich anständig empfindender protestantischer Geistlicher gegen den Vorwurf gewehrt hat, die Soldaten Mörder genannt zu haben, denn in seinen Kreisen gilt das als Vorwurf. Und die Hetze gegen den Professor Gumbel fußt darauf, daß er einmal die Abdeckerei des Krieges "das Feld der Unehre" genannt hat. Ich weiß nicht, ob die randalierenden Studenten in Heidelberg lesen können. Wenn ja: vielleicht bemühen sie sich einmal in eine ihrer Bibliotheken und schlagen dort jene Exhortatio Benedikts XV. nach, der den Krieg "ein entehrendes Gemetzel" genannt hat und das mitten im Kriege! Die Exhortatio ist in dieser Nummer nachzulesen.

Die Gendarmen aller Länder hätten und haben Deserteure niedergeschossen. Sie mordeten also, weil einer sich weigerte, weiterhin zu morden. Und sperrten den Kriegsschauplatz ab, denn Ordnung muß sein, Ruhe, Ordnung und die Zivilisation der christlichen Staaten.


Ignaz Wrobel
Ersterscheinung: Die Weltbühne, 04.08.1931, Nr. 31, S. 191.
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Merksatz

Die Väter von Herrn B., Herrn G. und Herrn H. waren während eines der letzten Kriege in Narvik.
Möglicherweise haben sie sich gekannt, aber sie konnten ja nicht wissen, dass wir uns kennen.

Nachtrag:
... betreffs Narvik vielleicht noch den Zusatz, den Yngve Moe von DWAS Appaz mitgegeben hat, als sie sich das erste mal gesehen haben:
"Don't mention the railway, and I won't mention the war."

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

Die Abstiegsangst hat die Mittelschicht gepackt - mit gefährlichen Folgen für das soziale Klima / Von Wilhelm Heitmeyer und Sandra Hüpping - heute in der sz:

Die aktuelle Debatte um die "Unterschicht" und ihre besondere Ausprägung in Ostdeutschland ist nicht in der Lage, die seit längerem existierenden Verschiebungen und ihre Ursachen angemessen aufzunehmen. Sie müsste sich vielmehr darauf konzentrieren, dass ein globalisierter und härter gewordener Kapitalismus keine soziale Integration erzeugt und nationalstaatliche Politik offensichtlich einen Kontrollverlust hinnehmen muss, also entweder nicht bereit oder nicht in der Lage ist, dagegen zu steuern.

Heitmeyers Forschungsprojekt wird hier vorgestellt: Die (Langzeit-) Untersuchung des sozialen Klimas erfasst sehr viel genauer die Dimensionen der sozialen Desintegration als das Unterschichten-Gerede ...:
(aus der Einleitung)

Die humane Qualität einer Gesellschaft erkennt man nicht an Ethik-debatten in Feuilletons meinungsbildender Printmedien oder in Talkshows, sondern am Umgang mit schwachen Gruppen. Der kann sich in vielen Facetten ausdrücken:

Ökonomische Umverteilungen von unten nach oben, Entfernungen aus dem öffentlichen „Verkaufsraum“, Generalverdächtigungen gegenüber Lebensstilen oder religiösen Überzeugungen ganzer Gruppen sind nur einige Varianten. Zum Teil werden Gruppen gegen andere instrumen-talisiert oder als Bedrohungspotential auf die öffentliche Tagesord-nung gehoben. Eine andere Variante ist, die Situation schwacher Gruppen gar nicht erst zu thematisieren, sie also aus der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion auszuschließen, zu vergessen; mithin sie nicht anzuerkennen, um nicht über Verbesserungen ihrer Lage nachdenken zu müssen. abbildung1Klammheimlich kann dazu auch die „Schuldumkehr“ eingesetzt werden, womit die Ursachen für Abwertungen – quasi gesellschaftsentlastend – den Gruppen selbst zugeschrieben werden.

Ein zentrales Problem unserer Gesellschaft steht hinter allen diesen Erscheinungsweisen, Instrumentalisierungen und Entwicklungen: Die Aufrechterhaltung oder gar Verstärkung der Ungleichwertigkeit von Gruppen und ihrer Mitglieder sowie die Auflösung von Grenzen zur Sicherung ihrer physischen und psychischen Integrität, die ihnen ein Leben in Anerkennung und möglichst frei von Angst ermöglichen.

Daher geht es immer wieder um die Frage, wie Menschen unterschied-licher sozialer, religiöser und ethnischer Herkunft mit ihren verschie-denen Lebensstilen in dieser Gesellschaft leben, Anerkennung erfahren oder aber sich feindseligen Mentalitäten ausgesetzt sehen.

Dabei sind wir mit einer bemerkenswerten Ungleichzeitigkeit konfron-tiert. Auf der einen Seite werden von der Politik durchaus Anstrengun-gen etwa zur rechtlichen Gleichstellung bzw. Anti-Diskriminierung unternommen. Auf der anderen Seite sind deren Effekte offenkundig nicht hinreichend für eine deutliche Veränderung von Einstellungen in der Bevölkerung und für ein besseres Zusammenleben von Gruppen.

Vor diesem Hintergrund sind für die Bundesrepublik vier zentrale Fragen ständig wieder neu zu klären:

* In welchem Ausmaß wird die Würde zahlenmäßig schwacher bzw. sog. beschwerdearmer Gruppen angetastet durch abwertende, ausgrenzende Einstellungen und diskriminierendes Verhalten anderer Personen?
* Welche Erklärungen sind dafür zu finden, dass sich menschenfeindliche Mentalitäten in dieser Gesellschaft hartnäckig halten bzw. ausbreiten?
* Wo werden Veränderungen in den Ausmaßen und Zusammenhängen im Zeitverlauf erkennbar?


Update Dezember 2009:
Die aktuelle Heitmeyer-Studie zeigt: Ressentiments gegen Frauen, Muslime oder Behinderte gehen zurück. Antisemitismus und Homophobie nehmen hingegen zu.... Deutsche Zustände in Zeiten der Krise

Nachtrag:
H.J.Krysmanski
Entwicklung und Stand der klassentheoretischen Diskussion

Geld

Nashaupts Kommentar hat mich auf die Spur gebracht:

Die Verkehrung und Verwechslung aller menschlichen und natürlichen Qualitäten, die Verbrüderung der Unmöglichkeiten – die göttliche Kraft –des Geldes liegt in seinem Wesen als dem entfremdeten, entäußernden und sich veräußernden Gattungswesen der Menschen. Es ist das entäußerte Vermögen der Menschheit.

Was ich qua Mensch nicht vermag, was also alle meine individuellen Wesenskräfte nicht vermögen, das vermag ich durch das Geld. Das Geld macht also jede dieser Wesenskräfte zu etwas, was sie an sich nicht ist, d. h. zu ihrem Gegenteil.

Wenn ich mich nach einer Speise sehne oder den Postwagen brauchen will, weil ich nicht stark genug bin, den Weg zu Fuß zu machen, so verschafft mir das Geld die Speise und den Postwagen, d.h., es verwandelt meine Wünsche aus Wesen der Vorstellung, es übersetzt sie aus ihrem gedachten, vorgestellten, gewollten Dasein in ihr sinnliches, wirkliches Dasein, aus der Vorstellung in das Leben, aus dem vorgestellten Sein in das wirkliche Sein. Als diese Vermittlung ist das [Geld] die wahrhaft schöpferische Kraft.

Die demande [3*] existiert wohl auch für den, der kein Geld hat, aber seine demande ist ein bloßes Wesen der Vorstellung, das auf mich, auf den 3ten, <566>auf die [anderen] ||XLIII| keine Wirkung, keine Existenz hat, also für mich selbst unwirklich, gegenstandlos bleibt. Der Unterschied der effektiven, auf das Geld basierten und der effektlosen, auf mein Bedürfnis, meine Leidenschaft, meinen Wunsch etc. basierten demande ist der Unterschied zwischen Sein und Denken, zwischen der bloßen in mir existierenden Vorstellung und der Vorstellung, wie sie als wirklicher Gegenstand außer mir für mich ist.

Ich, wenn ich kein Geld zum Reisen habe, habe kein Bedürfnis, d.h. kein wirkliches und sich verwirklichendes Bedürfnis zum Reisen. Ich, wenn ich Beruf zum Studieren, aber kein Geld dazu habe, habe keinen Beruf zum Studieren, d.h. keinen wirksamen, keinen wahren Beruf. Dagegen ich, wenn ich wirklich keinen Beruf zum Studieren habe, aber den Willen und das Geld, habe einen wirksamen Beruf dazu. Das Geld – als das äußere, nicht aus dem Menschen als Menschen und nicht von der menschlichen Gesellschaft als Gesellschaft herkommende allgemeine – Mittel und Vermögen, die Vorstellung in die Wirklichkeit und die Wirklichkeit zu einer bloßen Vorstellung zu machen, verwandelt ebensosehr die wirklichen menschlichen und natürlichen Wesenskräfte in bloß abstrakte Vorstellungen und darum Unvollkommenheiten, qualvolle Hirngespinste, wie es andrerseits die wirklichen Unvollkommenheiten und Hirngespinste, die wirklich ohnmächtigen, nur in der Einbildung des Individuums existierenden Wesenskräfte desselben zu wirklichen Wesenskräften und Vermögen verwandelt. Schon dieser Bestimmung nach ist es also schon die allgemeine Verkehrung der Individualitäten, die sie in ihr Gegenteil umkehrt und ihren Eigenschaften widersprechende Eigenschaften beilegt.

Als diese verkehrende Macht erscheint es dann auch gegen das Individuum und gegen die gesellschaftlichen etc. Bande, die für sich Wesen zu sein behaupten. Es verwandelt die Treue in Untreue, die Liebe in Haß, den Haß in Liebe, die Tugend in Laster, das Laster in Tugend, den Knecht in den Herrn, den Herrn in den Knecht, den Blödsinn in Verstand, den Verstand in Blödsinn.

Da das Geld als der existierende und sich betätigende Begriff des Wertes alle Dinge verwechselt, vertauscht, so ist es die allgemeine Verwechslung und Vertauschung aller Dinge, also die verkehrte Welt, die Verwechslung und Vertauschung aller natürlichen und menschlichen Qualitäten.

Wer die Tapferkeit kaufen kann, der ist tapfer, wenn er auch feig ist. Da das Geld nicht gegen eine bestimmte Qualität, gegen ein bestimmtes Ding, menschliche Wesenskräfte, sondern gegen die ganze menschliche und <567>natürliche gegenständliche Welt sich austauscht, so tauscht es also – vom Standpunkt seines Besitzers angesehn – jede Eigenschaft gegen jede – auch ihr widersprechende Eigenschaft und Gegenstand – aus; es ist die Verbrüderung der Unmöglichkeiten, es zwingt das sich Widersprechende zum Kuß.

Setze den Menschen als Menschen und sein Verhältnis zur Welt als ein menschliches voraus, so kannst du Liebe nur gegen Liebe austauschen, Vertrauen nur gegen Vertrauen etc. Wenn du die Kunst genießen willst, mußt du ein künstlerisch gebildeter Mensch sein; wenn du Einfluß auf andre Menschen ausüben willst, mußt du ein wirklich anregend und fördernd auf andere Menschen wirkender Mensch sein. Jedes deiner Verhältnisse zum Menschen – und zu der Natur – muß eine bestimmte, dem Gegenstand deines Willens entsprechende Äußrung deines wirklichen individuellen Lebens sein. Wenn du liebst, ohne Gegenliebe hervorzurufen, d. h., wenn dein Lieben als Lieben nicht die Gegenliebe produziert, wenn du durch deine Lebensäußrung als liebender Mensch dich nicht zum geliebten Menschen machst, so ist deine Liebe ohnmächtig, ein Unglück.

Karl Marx
Ökonomisch-philosophische Manuskripte


King Crimson - Easy Money

(Fripp/Wetton/Palmer-James)

Your admirers on the street
Gotta hoot and stamp their feet
In the heat from your physique
As you twinkle by in moccasin sneakers

And I thought my heart would break
When you doubled up at the stake
With your fingers all a-shake
You could never tell a winner from a snake

but you always make money
Easy money

With your figure and your face
Strutting out at every race
Throw a glass around the place
Show the colour of your crimson suspenders

We would take the money home
Sit around the family throne
My old dog could chew his bone
For two weeks we could appease the Almighty

Easy money

Got no truck with the la-di-da
Keep my bread in an old fruit jar
Drive you out in a motor-car
Getting fat on your lucky star just making

Easy money

Sprachproblem

Ich habe gerade bemerkt, dass auf dem Foto unten fast nur Neger (als Vertreter der Unterschicht) zu sehen sind. Das verschiebt das Problem natürlich ein wenig, m.a.W. : es würde, wenn der Betrachter es denn so sieht, soziale Konflikte zu ethnischen machen (die sie nicht sind bzw. zu denen sie in den letzten 15-20 Jahren gemacht wurden - siehe die Zerlegung Jugoslawiens).
Und wenn ich jetzt von "Negern" geredet habe, habe ich sie wahrscheinlich diskriminiert. Wenn ich African Americans geschrieben hätte, ginge es ihnen allerdings auch nicht besser.
So ähnlich ist das mit des Sozialdemokraten Leugnung der Unterschicht:

„Wenn die politische Korrektur der Sprache auf der irrigen Meinung beruht, durch bloße Namensgebung ließen sich die Verhältnisse und sogar die Gefühle der Menschen reformieren, so ist sie vermutlich Teil eines noch größeren, eines säkulären Aberglaubens: der Mensch, das Bewußtsein des Menschen sei Sprache und sonstnichts.“

Und in der Realität, d.h. an den Lebenssituationen benachteiligter Gruppen, hat sich dadurch auch nichts geändert. Eher ist die Sprache ihnen gegenüber ‚unehrlich‘geworden, da sie sie sprachlich integriert und aufwertet, aber die realen Verhältnisse verschleiert und beschönigt. Allein über die Sprache kann nach MARKOVITS an sich
nur ‚äußerlich‘ eine Integration angenommen werden.
„Schwächere Gruppen, wollen sie in dem ungleichen Gefecht mit Stärkeren überhaupt eine Chance haben, müssen sich zuerst eine Identität schaffen, innere Stärke und Sicherheit entwickeln. Ohne jegliche Form der Absonderung, der Abschottung gegenüber Mehrheiten käme ‚Integration‘ einem Verschlingen gleich, einer
demütigenden Assimilation, die in Sich-Aufgeben und völliger Niederlage münden würde.“


Früher hätte man das, was der Zitierte "schwächeren Gruppen" empfiehlt, Klassenbewusstsein genannt

Die Zitate finden sich in einem Aufsatz, den man bei google ziemlich weit oben findet, wenn man "political correctness" eingibt:
Linguistik-Server Essen
Andrea Wirthgen:
Political Correctness
Die „korrigierte“ Sprache und ihre Folgen


Als Einführung empfehlenswert.

Die andere Seite des Sprachproblems: Die Wahrnehmung, dass die verordnete Umbenennung nichts mit der Lage der Benannten zu tun hat und auch meine Wahrnehmung der Benannten nicht ändert, provoziert die - wiederum sprachliche - Rebellion gegen die Verordnung: Dann wird hemmungslos von Negern, Zecken usw. dahergeredet ...
Es spricht einiges dafür, dass das Zitat, das dem o.g. Aufsatz vorangestellt ist, etwas richtig benennt:
babel


„Solange wir nicht wissen, worin
die Probleme bestehen, solange
wir keine Analyse haben, macht es
überhaupt keinen Sinn, sie durch
die Einführung einer neuen
Sprache beseitigen zu wollen.“



- Andererseits können wir wissen, worin die Probleme bestehen und Analysen gibt es wohl auch.

Unterschichtenproblem II

gettinby
Nun haben sie (kurzfristig-in wenigen Tagen wird das kampagnenmäßig erledigt sein) ein Problem: Becks Amtsvorgänger, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, wandte am Montag ein, mit dem Wort „Unterschicht“ würden Menschen stigmatisiert. Bundesarbeitsminister Franz Müntefering bestreitet gleich alles: „Es gibt keine Schichten in Deutschland“, wandte er sich gegen den Begriff „lebensfremder Soziologen“. „Es gibt Menschen, die es schwerer haben, die schwächer sind. Das ist nicht neu. Das hat es schon immer gegeben. Aber ich wehre mich gegen die Einteilung der Gesellschaft.“ Und sein Sprecher Stefan Giffeler betonte: „Der Klassifizierung von Menschen schließen wir uns dezidiert nicht an.“
Angela Merkel wartete mit der Erkenntnis auf, das Thema „Spaltung der Gesellschaft“ hänge „ganz eng mit Familien zusammen“. Man müsse überlegen, wie die Erziehungsfähigkeit der Eltern durch den Staat gestärkt werden könnte. „Wir finden uns nicht ab damit“, versprach die Kanzlerin, „dass diese Spaltungen so existieren.“
Da ist nun die Kanzlerin heller als der Sozialdemokrat (der, wie schon bei den Heuschrecken, mal wieder gar nichts begriffen hat), wenn sie die Existenz von Spaltungen anerkennt. Sie meint das aber anders, nämlich so wie Beck: Dass die Leute selbst schuld sind. Aber glaubt die wirklich, dass die Leute ihre Kinder zu Unterschicht erziehen? (Klaus, du wirst mal Unterschicht, ne!? Keine Widerrede jetz!) Die Stärkung meiner Erziehungsfähigkeit durch den Staat stelle ich mir auch nicht so angenehm vor. (Vielleicht könnte sie im Hinblick auf die niedrige Geburtenrate die Zeugungsfähigkeit durch den Staat stärken ...)
Am besten aber gefällt mir der hier:
SPD-Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner: „Wenn es um Probleme der sogenannten Unterschicht geht, müssen wir uns ehrlich machen.“
Das "sogenannte" kenn ich noch von der DDR: die gab's eigentlich auch nicht und dann wirklich nicht mehr. Da sollten sich die Unterschichten vorsehen, wenn der Brandner sich ehrlich macht.
Biochemicalslang linkt zum gleichen Problem in den USA auf die NYT:
smaller-slice


...
In the United States, this economic slice, including wages, health insurance and pension benefits, declined 2.5 percentage points from 2000 to 2005, to 56.5 percent of gross domestic product, according to the United States Bureau of Economic Analysis. ...

In Western Europe, collective bargaining has been more successful in keeping wages up. These differences affect the distribution of the workers’ share. America’s low-wage labor market is virtually nonexistent in the European Union. There is no Western European equivalent of the American earning $5.15 an hour, the federal minimum wage, on the overnight shift as a convenience store cashier. A $7-an-hour baby-sitter is nearly impossible to find in London. Over all, the wage distribution in Europe is much less polarized than it is in the United States.

BUT the institutional differences have done little to halt the slide in the share of the economy that is devoted to workers’ compensation.

Mr. Blanchard suggested that the decline in the labor share in Europe might have been prompted in the 1970’s by strong unions pushing up employee wages — which led companies to shed workers, eliminating many occupations entirely — the late-night cashier, for example — and replacing others with machines.

“The decline in the wage share is bound to level off,” said David Grubb, a labor economist at the O.E.C.D. But the question is, when will it stop falling, and how?

If historical experience in the United States serves as any guide, workers’ compensation could still fall a long way. It was a different world then, but it is worth noting that in 1929, workers had less than half of the economic pie.


Interessant ist 1., dass die Einführung von low-wage labour hier wohl nicht zu einer nivellierten Mittelstandsgesellschaft führen wird (aber immerhin hat man dann statt der unemployed poor die working poor, was unter Verwertungs- und Kostengesichtspunkten und für FDP-Wähler, die sich gern den Einkauf einpacken lassen würden, sicherlich optimaler wäre - und 2., dass man nun weiß, wie weit es zurückgehen soll: 1929. Von da dann wieder vorwärts ...

Becks Unterschichtenproblem

Wenn die Politik auf "Werte" setzt, wird es in den unteren Etagen der Sozialstruktur meist ungemütlich. Denn "Werte" - also Innerliches - sind dann der Ersatz für Reales - also Äußerliches - wie soziale Leistungen. Auch die jüngste Ermahnung (1) des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck, den Unterschichten fehle es an sozialen Aufstiegswillen, passt in diesen Rahmen. Nicht an realen Arbeitsplätzen und sozialen Chancen mangele es, sondern eben am "Willen".

Soziologische Anmerkungen zu Kurt Becks Unterschichtenproblem
Rudolf Stumberger bei telepolis - 12.10.2006

Stumberger schlägt vor, statt eines untauglichen Unterschichtenbegriffs (der durch Harald Schmidts Gerede vom U-Fernsehen tatsächlich endgültig erledigt sein dürfte, was er i.Ü. wissenschaftlich schon Ende der 60er gewesen sein dürfte) Castels Zonenmodell zur Beschreibung der aktuellen gesellschaftlichen Spaltungsprozesse heranzuziehen. Mit dem Ansatz kommt man offenbar zumindest zu einer realistischeren Beschreibung, was unten los ist; - Machtverhältnisse blendet er aus.

1028_6934_beitragDas andere Problem sind die sozialen Aufsteiger wie Schröder, Beck u.a., die der Macht ewig dankbar sind, dass sie was werden durften, und sich dann gern mit dem Bourgeois über den doofen Proleten lustig machen.



"Walking down the street do you stare at your feet
and never do you let your eyes meet the freaks,
The deadbeat addicts, social fanatics,
they're a dime a dozen and they carry guns
Halloween, every other day of the week
Living in a cage in the USA
Living in a cage in the USA
Holy smoke, somebody blew up the pope
Living in a cage in the USA
All around us the rules are changing
Taller walls and stronger cages
Nothing is sacred or too outrageous
Taller walls and stronger cages
What in the world is happening to the world?"
Adrian Belew
aus "Cage",
© 1994 King Crimson - VROOOM.

Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

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