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(T)ERROR: Ναὶ ναί, οὒ οὔ · Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein - oder 1/0

In der unten empfohlenen 3sat-Gesprächssendung "Vis-à-vis" spielt Frank A. Meyer im Zusammenhang mit dem algorithmischen Machbarkeitswahn die Bibel-Karte und zitiert Matthäus 5,33–37, also die Aussage Jesu gegen das falsche Schwören in der Bergpredigt [1] Dort heißt es:
    33 Ihr habt weiter gehört, daß zu den Alten gesagt ist: "Du sollst keinen falschen Eid tun und sollst Gott deinen Eid halten." 34 Ich aber sage euch, daß ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl, 35noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel, noch bei Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt. 36 Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören, denn du vermagst nicht ein einziges Haar schwarz oder weiß zu machen. 37 Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.
http://cdns2.freepik.com/free-photo/_238849.jpg

Die Analogie der Forderung des Gottes zur zweiwertigen booleschen Variablen – wahr/falsch bzw. true/false oder 1/0 - ist offensichtlich (... wie auch der politische Bezug: der Grieche möge reden: Ναὶ ναί, οὒ οὔ). - Spielräume gibt es da nicht. Oder anders formuliert: Gott und die Mathematik(er) sind keine Dialektikter (- Varoufakis schon).
    „Eure Rede sei aber: Ja – ja; nein – nein; was aber mehr ist als dieses, ist aus dem Bösen.“ Wenn unsere Worte aufrichtig und wahr sind, benötigen sie keine anderen Bestätigungen als ja und nein. Der Sinn der zweimaligen Erwähnung von ja und nein wird durch die sehr ähnliche Stelle in Jakobus 5,12 deutlich: das Ja soll auch wirklich ja bedeuten und das Nein wirklich nein. Alles, was darüber hinausgeht, ist nur ein Zeichen dafür, dass man es im Übrigen mit der Wahrheit nicht genau nimmt, und deshalb aus dem Bösen.
    (Die Bergpredigt: Schwören - Ja oder nein? - bibelkommentare.de)
Wenn gelten soll, dass unsere Worte/Werte (1/0) aufrichtig und wahr sind und dass sie keine anderen Bestätigungen als ja und nein benötigen, gibt es kein anderes Wahrheitskriterium als das der Unterwerfung unter einen Gott bzw. eine formale Logik.

- Alles, was darüber hinausgeht ... , also der Zweifel, zB die Frage danach, ob bei der true/false-1/0-Entscheidung mitgedacht wird, dass wir als Gesellschaft abhängig von der Moral, dem Grad der Moral sind, den die Berechner/Entscheider einbringen in ihre Arbeit, oder eine Überlegung wie diese:
Formale Logik bezieht stationäre und sich nicht ändernde Größen ein: a=a. die Dialektik erwidert a<>a. Beide sind korrekt. A=a zu jedem gegebenen Moment. A<>a zu zwei verschiedenen Momenten. Alles fließt, alles verändert sich. (Leo Trotzki, Über dialektischen Materialismus)
- ist nur ein Zeichen dafür, dass man es im Übrigen mit der Wahrheit nicht genau nimmt, und deshalb aus dem Bösen ... : woraus in der Regel die Lizenz zur Ausschließung derer folgt, die die Ja/Nein-1/0-Logik nicht mitmachen; - sei es durch mehr oder weniger gewaltförmigen Ausschluss aus öffentlichen Debatten oder durch physische Gewalt bis hin zur Eleminierung; die Geschichte der Ausübung von Macht kennt da viele Formen der Exklusion. Es stellt sich der Eindruck ein:

Religionen und weltliche Denkverbotsgebäude sind da nicht zimperlich.
Könnte es sein, dass Religion und Mathematik gleichermaßen gefährlich sein können für's Denken, insofern sie als Binärsysteme potentiell exklusiv (als Adjektiv zu Exklusion, exkludieren) angelegt sind. Die Frage ist dann, wie man sich - und andere (Bildung und Erziehung) - imprägnieren kann gegen das Einsickern eines Totalitäts- und Exklusivitätsanspruchs ins Denken.
Eine interessante Aufgabe für die Didaktik der Mathematik.

Nebenbei bemerkt und weg von der Mathematik noch einmal zur sog. "christlich-jüdischen Tradition": "Der Antisemitismus gehörte, zumindest seit Beginn der Kreuzzüge und bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein, zu den Grundzügen der christlichen Kultur." (Goldhagen, Hitlers willige Vollstrecker, S. 58)
Soviel zur Frage nach Exklusion und schamloser Vereinnahmung.


Ναὶ ναί, οὒ οὔ ?


via Ute. Danke!

Vermessungs- & Vernutzungslogik (II): Die Verantwortung der Mathematik und der kindlich-narzistische Mathematiker

Yvonne Hofstetter, Co-Founder von Teramark Technologies, beschreibt in ihrem Buch "Sie wissen alles" eine drohende Herrschaft intelligenter Maschinen. Nicht die Abschöpfung der Informationen eines jeden einzelnen sei das Problem sondern die Algorithmen, die analysieren, prognostizieren und schlussendlich das Leben berechnen, kontrollieren und bestimmen.
Eine interessante Begegnung.

http://www.dw.de/image/0,,18137394_401,00.jpg

In der 3sat-Gesprächssendung "Vis-à-vis" spricht der Publizist Frank A. Meyer mit Yvonne Hofstetter
, die seit mehr als zehn Jahren intelligente Software-Systeme für Firmen in der Wehrtechnik, in der Sicherheitsvorsorge für Banken und Logistik-Unternehmen entwickelt.

Sehr sehenswert:
Präzise Analyse, politisches Bewusstsein, verständliche Aussagen, z.B. zu Big Data und Algorithmen (ab 11:oo).
Interessant ist hier, dass sie das zunächst erläutert aB von Steuerungsprozessen "zum Beispiel in der Industrieautomatisierung" und "Wir haben das immer nur gebaut ..., wo es um die Steuerung von Objekten des Wirtschaftens geht und nie eingesetzt auf den Menschen, aber in den letzten Jahren ..." sei der - vernetzte - Mensch, der Daten erzeugt, in den Regelkreis einbezogen! Da setzt dann Frau Hoffstetters kritisches Denken ein (gut zusammengefasst hier: Die ZEIT vom 10.09.2014).
Daran finde ich interessant, dass der Mensch erst in den Blick genommen und sein Betroffensein als problematisch empfunden wird, wenn er als Konsument, als Privatmensch betroffen ist. Solange er nur Anhängsel der Objekte des Wirtschaftens ist, die qua kybernetischer Steuerung optimiert werden, wird er - auch von einer kritischen Denkerin - offenbar gar nicht wahrgenommen. Das mag an einem Mangel an marxistischer Grundbildung liegen; man könnte aber auch ohne eine solche darauf kommen, dass die angesprochene Industrieautomatisierung in Deutschland seit den zwanziger Jahren wesentlich gestaltet wurde durch und lange Zeit verbunden war mit dem Label REFA (gegründet 1924 als Reichsausschuß für Arbeitszeitermittlung!!), ansonsten als Taylorismus bekannt ist und immer gerichtet war auf
    "das Schaffen eines aufgabengerechten, möglichst optimalen Zusammenwirkens von arbeitenden Menschen, Betriebsmitteln und Arbeitsgegenständen durch zweckmäßige Organisation von Arbeitssystemen unter Beachtung der menschlichen Leistungsfähigkeit und Bedürfnisse. Im besonderen besteht die Arbeitsgestaltung in der Neuentwicklung oder Verbesserung von Arbeitsverfahren, Arbeitsmethoden und Arbeitsbedingungen, von Arbeitsplätzen, Maschinen, Werkzeugen, Hilfsmitteln sowie in der ablaufgerechten Gestaltung von Arbeitsgegenständen.“ – REFA[1]

Vorbereitung zur Bewaffnung des Armstumpfes nach einer Operation von Professor Sauerbruch. - Zu berücksichtigen ist hier, dass es rationalisierungsmäßig zu der Zeit um die volkswirtschaftlich notwendige Nutzung der verbleibenden Arbeitskraft der Kriegsversehrten des ersten Weltkriegs ging. Daher wurden diese vermessen im Hinblick auf ihre weitere Vernutzbarkeit (Rationalisierung 1984. Hrsg. von der Staatlichen Kunsthalle Berlin und NGBK)

Sehen wir uns die Fabrikszene aus Chaplins "Modern Times" an, dann dürfte sinnfällig sein, dass die Steuerung von Objekten des Wirtschaftens immer eingesetzt war auf den Menschen, allerdings auf den auf seine Arbeitskraft reduzierten Menschen als Anhängsel der Maschine ...



Intreressant, wie gesagt, dass den Nicht-Proleten das Anhängsel-Werden - jetzt einer neuen Maschine (die aber eigentlich wie die alte auf Algorithmen aufsetzt, freilich komplexeren) - erst problematisch wird, wenn es für sie selbst soweit ist. Wie der unten bereitszitierte Karl Marx 1847 in "Das Elend der Philosophie" schrieb :
    "Kam endlich eine Zeit, wo alles, was die Menschen bisher als unveräußerlich betrachtet hatten, als Gegenstand des Austausches, des Schachers, veräußert wurde. Es ist dies die Zeit, wo selbst Dinge, die bis dahin mitgeteilt wurden, aber nie ausgetauscht, gegeben, aber nie verkauft, erworben, aber nie gekauft: Tugend, Liebe, Überzeugung, Wissen, Gewissen etc., wo mit einem Wort alles Sache des Handels wurde." (MEW)
Eine Aufklkärerin ist sie also wohl, die Frau Hofstetter, auch wenn ihr das Wesen von ökonomischen Steuerungsprozessen (verkürzt gesagt C1 + V + M = C2) verborgen bleibt ...

Das schmälert aber nicht den Wert der Einsichten, wenn es zB um die Verantwortung der Mathematik (vorsichtiger formuliert: der Mathematiker(innen?) geht:
Yvonne Hofstetter und Frank A. Meyer über den kindlich-narzistischen Mathematiker (ab 44:00) und die nicht vorhandenen bösen Absichten derer, die mitmachen, die möchten einfach zeigen, was sie können und was möglich ist, nur: wir als Gesellschaft sind abhängig von der Moral, dem Grad der Moral, den diese Menschen einbringen in ihre Arbeit, ... die arbeiten in einem rechtsfreien Bereich ...

= ungehemmte Zweckrationalität

und die Frage nach der notwendigen Kontrolle - durch individuelle Moral, Gesellschaft und Staat (??) Noch einmal also: Unbedingt ansehen (online sichtbar bis 07.03.2016 in der 3sat-Mediathek) und weiter denken!!

Und vgl. auch Ulrich Trottenberg: Als die Atombombe fiel, hatte die Physik ihren Sündenfall. Heute wird massenhaft überwacht, spioniert, berechnet. Müssen sich Mathematiker verantwortlich fühlen? (Süddeutsche Zeitung)


Bei "Vis-à-vis" ebenfalls interessant: Das Gespräch mit Jean Ziegler!

... à propos Marxistische Grundbildung

Da oben gerade ein Mangel an marxistischer Grundbildung als hinderlich beim Erkennen von Zusammenhängen festgestellt werden musste, hier ein Hinweis, wie man sich einer solchen annähern kann:

Im „Radiokolleg“ auf FSK hat kürzlich eine Sendereihe begonnen, die sich in je einstündigen Sendungen und im Gespräch mit Georg Fülberth einer Einführung in die marxistische Theorie widmet. (via Audioarchiv kritischer Theorie & Praxis)

Die erste Sendung
beginnt mit der Frage, wer Marx gewesen ist und zeichnet die Entwicklung des historischen Materialismus nach.
In der zweiten Sendung unternimmt Fülberth noch einmal den Versuch einer Kurzdarstellung der Marx’schen Herangehensweise an die begriffliche Durchdringung der kapitalistischen Produktionsweise.

der Freitag: Herr Harvey, unsere Gegenwart ist eine fantastische Zeit für einen Marxisten, oder?
David Harvey: Wenn man das so formulieren möchte: Ja. Wir haben aktuell die Chance, die alten Texte mit neuen Bildern zu füllen, auf höchst anschauliche Weise.

Interview mit David Harvey zu „Siebzehn Widersprüche und das Ende des Kapitalismus“ (im Freitag 1115)

How To Squeeze Greece (XIII): Troyka - Tax Return. Oder: Macht ohne Kontrolle



Troyka’s take-no-prisoners fusion approach ... They stir together prog-rock clamours, thrash-jazz, blues, minimalism and a cauldron of other volatile ingredients. Latest Album: Ornithophobia (2015)

http://www.naimlabel.com/img/gallery/troyka.jpg

Das sind nicht die (mehr oder weniger) smarten Boys von den "Institutionen", die Harald Schumann in seinem Film Macht ohne Kontrolle - Die Troika zeigt. (Die WELT headleint: ARD gönnt den Griechen einen Troika-Schauprozess - Syriza-Werbe-TV im Ersten: In einer Dokumentation über die Troika wird die Griechenland-Rettung als Untat am griechischen Volk dargestellt).
Also: Sehr sehenswert!

Update Ukraine (XXXIX): Landgrabbing

Wer verdient eigentlich am Krieg in der Ukraine? Wer gewinnt – und wer verliert? Wer hat welche Interessen? Das sind Fragen, die ich in den Medien beantwortet haben möchte. Mich interessiert nicht, was Putin, Merkel oder jemand anderes angeblich “wollen”. “Große Männer” (und auch Frauen) machen nicht die Geschichte. So dachte man im 19. Jahrhundert, und so “erklärte” man die Weltläufte. “Alle zehn Jahre ein großer Mann. Wer bezahlte die Spesen?” schrieb Berltolt Brecht...
Burk hat kurz die gängigen deutschen Wirtschaftsmedien zum Thema durchgesehen. Lesebefehl!

Vgl. Landnahme vor der eigenen Haustür - Auch in Osteuropa boomt das Geschäft mit Ackerland
+ Landgrabbing in der Ukraine - Ernährung und Landwirtschaft/Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke - 27.01.2015
+ FIAN-Studie: EU fördert Land Grabbing und Landkonzentration in Europa ... In der Ukraine kontrollieren die zehn größten Agrarholdings ungefähr 2,8 Millionen Hektar ...

Vermessungs- und Vernutzungslogik: Im Real Life gibt es Optimierungsbedarf - Oder: pplkpr dank Algorithmus = die Frage nach der Verantwortung der Mathematik

... Und Du willst mir erzählen wie scharf Dein Verstand ist
Und wie wild Deine Leidenschaft brennt
Und das Dein Geheimnis so tief wie das Meer ist
So tief das es sonst niemand kennt

Ich hab im Krieg die Seiten gewechselt
Und jetzt weiß ich die Zeit war verschenkt

Im Westen nichts Neues

Ein web-Magazin für digitale Arbeit & Kultur stellt uns eine App zur Vermessung und Optimierung sozialer Kontakte vor:
    Die Analyse-App für Beziehungen im Real Life regelt soziale Kontakte und berücksichtigt dabei, dass man sich mehr mit den Leuten trifft, die einem ein gutes Gefühl geben. Kontakte, die einen in Stress versetzen oder langweilen, werden dank Algorithmus in die hinteren Reihe der Kontaktprioritäten gerückt. pplkpr wertet hierfür die körperlichen und emotionalen Reaktionen aus, die der User im Gespräch mit einer Person veräußert. Hierfür kann etwa das Mio Wristband oder ein vergleichbares Wearable genutzt werden, dass über eine Blootooth 4.0 Schnittstelle verfügt und den Herzschlag, beziehungsweise Puls, misst und die Bewegungen registriert. Die kommende Generation der Smart-Watches wie auch die Apple Watch wird hierfür ebenfalls kompatibel sein....
    Mit Wearable oder Like-Funktion ...
    iOS-App pplkpr lernt dazu ...
    Facebook macht auch mit ...

    (Vgl. auch mashable und wired.de)
... dank Algorithmus ist grenzdebil-großartig formuliert; "Algo" hätte auch ausgereicht, um deutlich zu machen, dass man keine Ahnung hat bzw. nicht interessiert ist am "Algorithmus" als Problem und als Synonym für Allmacht. [Wir werden vermessen - Uwe Jean Heuser; DIE ZEIT Nº 07/2015]

Thorsten Schröder hat die App für die ZEIT getestet: Die Vermessung der Freundschaft - Wer tut uns gut, wer kostet Kraft? Mit der App pplkpr werden die Beziehungen zu Freunden einer Kosten-Nutzen-Rechnung unterzogen , - dringt aber auch nicht zum eigentlichen Problem vor:
    Mit pplkpr wollen die New Yorker Lauren McCarthy und Kyle McDonald die Quantified-Self-Bewegung auf die Außenwelt anwenden. Nicht mehr nur die eigenen Schritte, der eigene Schlaf und die eigenen Körperfunktionen werden protokolliert, sondern eben auch die Freundschaften und Bekanntschaften auf Kosten und Nutzen abgeklopft. Das Ziel bleibt dasselbe: Mithilfe von Technologie sollen wir lernen, gesündere Entscheidungen zu treffen.

Eine furchtbare Vorstellung:
Menschen unterwerfen sich und ihre sozialen Beziehungen - einschließlich solcher, die man Zuneigung oder gar Liebe nennen möchte - , freiwillig-quantified-self-mäßig der Kapitalverwertungslogik der Algorithmen des Abklopfens auf Kosten und Nutzen. Die Frage ist allerdings, ob das etwas Neues ist! Der derzeit etwas aus der Mode gekommene Ökonom und Politikberater Karl Marx schrieb 1847 in "Das Elend der Philosophie":
    "Kam endlich eine Zeit, wo alles, was die Menschen bisher als unveräußerlich betrachtet hatten, als Gegenstand des Austausches, des Schachers, veräußert wurde. Es ist dies die Zeit, wo selbst Dinge, die bis dahin mitgeteilt wurden, aber nie ausgetauscht, gegeben, aber nie verkauft, erworben, aber nie gekauft: Tugend, Liebe, Überzeugung, Wissen, Gewissen etc., wo mit einem Wort alles Sache des Handels wurde." (MEW)
Stefan Meretz warnte schon 1999 vor einem technizistisch verkürzten Algorithmusbegriff, denn: Die Entwicklung des Kapitalismus selbst läßt sich als Abfolge qualitativer algorithmischer Umwälzungen denken, als algorithmische Revolutionen. Sehr spannend, diesen Gedanken wieder aufzunehmen, weil sich damit auch die Frage stellt, was eigentlich Real Life ist?
(Vgl. Die doppelte algorithmische Revolution des Kapitalismus; Kritische Informatik Juni 1999)

Ich empfehle als erste Impfung gegen den sich immer noch auf höherem technologischen Niveau im Denken und Empfinden weiter verbreitenden Kapitaltransformationsalgorithmus eine Rückbesinnung auf Erich Fromm:

Fromm

Erich Fromm, psychoanalyst and social critic, talks to Wallace about society, materialism, relationships, government, religion, and happiness.
The Mike Wallace Interview - 5/25/58
    »Wenn unsere gesamte gesellschaftliche und wirtschaftliche Organisation darauf beruht, dass jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, wenn sie von dem Prinzip des Egoismus beherrscht wird, der nur durch die Moral der Fairness in Schranken gehalten wird — wie kann man dann innerhalb des Rahmens unserer bestehenden Gesellschaftsordnung überhaupt leben und gleichzeitig Liebe üben? Bedeutet denn das nicht, alle weltlichen Interessen aufzugeben und in völliger Armut zu leben?«
    Erich Fromm. Die Kunst des Liebens. Ullstein Buch Nr. 258 im Verlag Ullstein GmbH 1973

--> Weiter zu verfolgen: Die Frage nach der Verantwortung der Mathematik: Das ist keine Magie. Es ist Mathematik.
Vgl. z.B.
- Schulden-Theorie: Excel-Panne stellt Europas Sparpolitik in Frage
- Mathematik und Überwachung im Netz
- Neue Weltsprache

Archäologie (CCCLXXIX): Kid Kopphausen - Im Westen nichts Neues

Ein sehr schöner Titel von dem Album Kid Kopphausen der gleichnamigen Band aus Hamburg, die von Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen im Jahr 2011 gegründet wurde. Nils Koppruch verstarb am am 10. Oktober 2012 im Alter von 46 Jahren ("Und lebend gehn wir nicht mehr aus der Welt").

...
Wenn dies hier ein Ausdruck von Traurigkeit sein soll
Dann will ich nicht wissen was noch
Was wird erst geschehen wenn die Kugel ihr Ziel trifft
Und alles geht weiter wie sonst

Ich hab im Krieg die Seiten gewechselt
Und nichts wurde dadurch gewonnen

Der Vorhang geht auf und nackt singen sie Lieder
Und Kunstblut läuft unter den Tisch
Wahrscheinlich kommt gleich einer allein und führt vor
Wie er selbst seinen eigenen Arsch küsst

Ich hab im Krieg die Seiten gewechselt
Nur um zu sehen wie das ist
...



Hier bei BuschFunk zu finden.

The Fine Art Of Playing The Guitar (XIX): Krissy Matthews - Scenes From A Moving Window

Es ist einmal wieder ein sehr guter Gitarrist anzuzeigen:

Guitarist, songwriter and vocalist Krissy Matthews' new album sees this highly talented 22-year old join forces with the legendary Pete Brown, best known for co-writing many of Cream's celebrated hits of the 1960's with the late Jack Bruce, and for his work with such esteemed figures as Graham Bond, Peter Green and Jeff Beck. "Scenes from a Moving Window" includes a dozen songs, eleven of which written by the pair, with the Blind Willie McTell clasic "Searching The Desert For The Blues" also in the mix.The album was also produced by Pete Brown.



The Fine Art Of Playing The Guitar

Archäologie (CCCLXXVIII): Proletenpassion 1976/2015 ff. - Wider die Vernutzungslogik

Die Proletenpassion: Eine Revolutionsoper, die plötzlich völlig zeitgemäß erscheint ... - meint Misik zur Proletenpassion 2015 ff. im Wiener WERK X - und zitiert den Rezensenten von “nachkritik.de”, der noch in Morgengrauen in Begeisterung ausbrach:

“Endlich! Endlich einmal nicht durch ein Übermaß an Ironie zerbrochenes Schulterzucktheater, endlich einmal keine gelähmte Ratlosigkeit, nur weil die Welt nun einmal eben so (komplex, undurchdringlich und widersprüchlich) ist, wie sie ist, endlich einmal Mut zur klaren politischen Haltung, obwohl – oder gerade weil – eine klare politische Haltung so schwierig, kompliziert und vorbelastet ist!”


Proletenpassion - Dritte Station : Die Pariser Kommune (1976)
    ... Es muss für die Beteiligten an der jetzigen Produktion nicht leicht gewesen sein, sich diesem Stoff zu nähern: Wie entstaubt man eine Legende? Wie geht man mit dem Pädagogischen, dem Volksbildnerischen der Produktion um? Wie lässt man die versunkene Komintern-Romantik drin, ohne selbst unzeitgemäß zu werden? Wie schreibt man die Geschichte fort? Und: Will überhaupt noch jemand so ein Revolutionstheater? Keine leichte Aufgabe für Regisseurin Christine Eder, die Schauspieler Claudia Kottal, Tim Breyvogel, Bernhard Dechant und die anderen Beteiligten...
    Das Erstaunliche und Überraschende ist, dass all das funktioniert: Dass der Zuseher und die Zuseherin das Belehrende dieses Stückes, das Packende und Mobilisierende nicht etwa aus der Zeit gefallen und altmodisch erlebt, sondern es schier haben will. Dass wir das hören wollen: Dass die Geschichte des Fortschritts erst wieder in Gang kommt, wenn wir uns auf die Hinterbeine stellen und zusammentun. Proletariat? Papperlapapp. Wir sind die 99 Prozent! Utopien und der Glaube, dass es möglich ist, die Welt auf eine neue Spur zu bringen? Ja, bitte! Wir halten es ja nicht mehr aus in der Welt des alternativlosen Reichenrettens und des individuellen Hamsterradrennens. Der Agitprop ist plötzlich keine Schwäche mehr, er ist die Stärke dieser Produktion. Wer hätte das zu prophezeien gewagt? “Wir lernen im Vorwärtsgehen”, heißt es in der Schlusshymne.
Schön, dass es noch Anzeichen dafür gibt, dass eine Haltung des Lernens im Vorwärtsgehen offensichtlich noch/wieder fasziniert - in Zeiten, in denen schmerzlich deutlich wird, dass zB die verbleibenden sogenannten Sozialdemokraten sich nun auch noch von den letzten Resten ihres proletarischen Erbes verabschieden, wenn sie (von Gabriels widerlich-hilflosem TTIPP-Rettungsversuch ganz abgesehen) in Gestalt des Fraktionsvorsitzenden Oppermann - was ja auf den ersten Blick fortschrittlich aussieht - mehr Anreize für Zuwanderung fordern. Diese will er durch ein Punktesystem besser steuern.

Die widerliche Vernutzungslogik, die hinter solchen Konzepten steckt, wird nicht einmal im Ansatz problematisiert, ja vermutlich gar nicht mehr wahrgenommen. Im Gegenteil, damit wird geworben:
Die SPD will mit einem Einwanderungsgesetz vor allem den Nutzen ausländischer Arbeitskräfte für die deutsche Wirtschaft unterstreichen und damit die positive Seite der Zuwanderung herausstellen.

So ist das: Der Wert eines Menschen bemisst sich nach dem Nutzen für die deutsche Wirtschaft.
Und dass wir alle - gouvernementalitätsmäßig - das so sehen, bemüht sich die sog. deutsche Sozialdemokratie nach Kräften.
Ein schöner Beitrag zur Verlottterung der Sitten und zum Verlust der moralischen Urteilsfähigkeit.
Ich frage immer - und werde ob des Vergleichs oft gescholten - wie weit das entfernt ist von der Selektion an der Rampe in Auschwitz.
(Vgl. Gespenst der Aufklärung Was hat es mit den »Werten des Westens« auf sich? Von Claus Peter Ortlieb, KONKRET 3/15)
    Schließlich, kurz vor Ende, kommt (noch einmal) "der Markt" zu Wort: Bernhard Dechant zeichnet ihn als verschüchterten Weichling, der sich nervös für seine Verfehlungen rechtfertigt und nun verschämt den Wohlstand für alle predigt. Wir kennen diesen Markt, der den meisten von uns ein trockenes Dach über dem Kopf, einen vollen Bauch und außerdem ein Handy, einen Laptop und Fernseher gönnt – und nicht wenigen noch einiges mehr. Aufgefordert, ruhig zu sein, mit Widerspruch konfrontiert, windet er sich heraus, stottert immer weitere Zugeständnisse hervor, bemüht sich als Menschenfreund, gestikuliert beschwichtigend, ohne zu überzeugen...

Archäologie (CCCLXXVII): The #1 Song on the Day You Were Born

Ganz witzig:
Playback.fm | #1 Song On Your Birthday

Na gut, dass das If von Perry Como war, dafür können weder ich noch meine Eltern etwas. Dass auf die Frage Want to know what song you were conceived to? herauskommt:
Your parents were probably having some fun to the #1 song on Friday, July 14th 1950 which was:
The Third Man Theme by Anton Karas - gibt mir schon zu denken ...

Visit Cuba



NEW YORK taz | Wer Kuba noch einmal vor der Ankunft der McDonald‘s, Starbucks und Pizza Hut erleben will, muss sich beeilen. Denn die Annäherung mit dem großen Nachbarn geht plötzlich schnell voran....

Fidel Castro (Archivfoto vom April 2013): Kein Vertrauen zu den USA

Lang hat er geschwiegen, nun hat sich Kubas Revolutionsführer Fidel Castro wieder zu Wort gemeldet - und sich zur historischen Annäherung zwischen seinem Land und den USA geäußert. Er traue der Politik Washingtons weiterhin nicht. Trotzdem lehne er eine friedliche Annäherung mit dem früheren Erzfeind nicht ab, schrieb der frühere Machthaber an eine kubanische Studentenorganisation. (SPON)
Castro immer noch fidel – und misstrauisch - Harald Neuber, tp 28.01.2015

Pour une séance de remise en jambes indispensable avant le retour du printemps, retrouvons le "roi du mambo" et son orchestre dans El Pachuco Bailarin. - empfiehlt POUR 15 MINUTES D'AMOUR :

Putinismus als postmoderne Herrschaftsform

Der Putinismus speist sich demnach aus einem Gemisch verschiedener Ideologien: Liberalismus, Nationalismus, Konservatismus, christlich-orthodoxe Tradition, „anti-hegemoniale“ Außenpolitik. Der Schlüssel zum Erfolg dieses neuen Autoritarismus, schreibt Pomerantsev, liege darin, dass er „anstatt die Opposition bloß zu unterdrücken, wie noch im 20. Jahrhundert, in alle Ideologien und Bewegungen selbst hineinschlüpft, sie ausplündert und ins Absurde wendet“. Die Folge ist ein politisches System, das wie eine Demokratie aussieht, doch nichts von deren Substanz enthält. Die Wahlen sind manipuliert, die Parteien stehen unter Kontrolle des Präsidenten, die Medien tun, was ihre Besitzer sagen, und die Besitzer gehorchen dem Kreml.

Als wichtigsten Konstrukteur des Systems porträtiert Pomerantsev den Politiker Wladislaw Surkow, der nicht nur ein Strippenzieher sei, sondern zugleich „Ästhet, der Aufsätze zur modernen Kunst verfasst, Experte für Gangster-Rap, der auf seinem Schreibtisch ein Foto von Tupac neben dem Bild des Präsidenten stehen hat“. Wie Surkow könne auch das Regime mühelos seine Identität wechseln. „Es kann sich morgens wie eine Oligarchie anfühlen, nachmittags wie eine Demokratie, zum Abendessen wie eine Monarchie und zur Nacht wie ein totalitärer Staat.“


Tony Wood (The Guardian) im Freitag, Ausgabe 07/15 über
Nothing Is True and Everything Is Possible: The Surreal Heart of the New Russia - Peter Pomerantsev; Public Affairs 2014


Nemzov: "Russland wird faschistisch" - Florian Rötzer, tp 03.03.2015


+ Nochmaliger Verweis auf Tomasz Konicz (Mitgefangen, mitgehangen. Von wegen neuer Kalter Krieg: Russland und China sind Bestandteil des Weltkapitals. Erschienen in KONKRET 05/14) Der weist in einer sehr klugen Analyse darauf hin, dass das blindwütig um sich schlagende Racket, das wir gerade im Irak erleben, nur eine Seite der komplementären Krisenverlaufssymptomatik darstellt:
    Die mit der Krise des Kapitals immer stärker um sich greifende Barbarisierung könnte somit den Zivilisationsprozess zwischen zwei Mühlsteinen, die bereits jetzt oft genug in Wechselwirkung treten, zermalmen: dem verwildernden Leviathan und dem blindwütig um sich schlagenden Racket.
    Vielleicht erklärt dieser Umstand einer schleichenden Annäherung der Verfallsformen sowie des Repressionsniveaus zwischen Ost und West auch die ambivalente Haltung gegenüber Putin oder China in der deutschen Öffentlichkeit, die ja zwischen Bewunderung und offenem Hass pendelt. In dem Verständnis, das weite Bevölkerungsteile und viele Prominente – wie etwa der Altkanzler Helmut Schmidt – für Putins Agieren in der Krimkrise aufbringen, kommen die eigenen autoritären Dispositionen, die Sehnsucht nach der harten Hand, die dem Krisenchaos endlich ein Ende setzen möge, zum Ausdruck, während der Hass auf Russland – neben der oftmals vorhandenen „atlantischen“ Ausrichtung der entsprechenden Akteure – durch die wichtigste historische Leistung Putins wie der chinesischen „KP“ motiviert ist: Sie haben bis zum heutigen Tag verhindert, dass ihre Länder zu einer Peripherie des Westens zugerichtet werden konnten.
Letztere These ermöglicht einen hiesig-positiven Bezug auf die „anti-hegemoniale“ Außenpolitik. Man kann auch umgekehrt argumentieren. Der Glamour und die Korruption, die himmelschreiende Kluft zwischen Reichen und Besitzlosen bezeugen Russlands spezielle Einpassung in eine globalisierte neoliberale Ordnung. Und für uns sind sie ein Zerrspiegel unserer eigenen Wirklichkeit. (s. o. Jenseits von jedem)

We are Germans ... und wir freuen uns, wenn der KdF-Wagen 11.100.000.000 Euro Gewinn einfährt

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/92/12-01-03-autostadtl-by-RalfR-47.jpg/640px-12-01-03-autostadtl-by-RalfR-47.jpg
Der KdF-Wagen

Jahresbilanz: VW fährt elf Milliarden Gewinn ein (tagesschau.de)


Volkswagen bei GBlog, immer wieder gern der Hinweis auf den Frettchen-Cayenne-Krimi.

The Cliches Are Having a Ball: Highway To Hellas - V For Varoufakis ... Jedenfalls scheint dieser Griechenkerl bei den Deutschen akute kollektive Impotenzängste zu aktivieren ...

Lesen Sie, was der Text sagt auf Seite V für Varoufakis.
Über 11.000 Freunde hat bereits ein Tag legen Sie die Facebook-Seite, die durch die Lüfter Yannis Varoufakis , der hat eine Person von Tag zu werden.
Die Seite wird V für Varoufakis Titel, inspiriert durch den V for Vendetta und Projekte des Ministers Aussagen, sein Handeln und seine Botschaften. Verwandte Text Seite V für Varoufakis sagt:
"Diese Seite wurde als ein Versuch, zu unterstützen Verkehr Evakuierung aus Strenge vor allem durch die neue Finanzminister Yannis Varoufakis Ausdruck erstellt. Wir sind der Auffassung, dass die Verhandlungen müssen Personen, die verdient den Umständen vor Kreditgeber als echte Partner und nicht als einige, die Knechtschaft verdanken stehen kann. Weitersagen! "
Lesen Sie, was die Mutter Varoufakis John und was die Aussagen von Yannis Varoufakis bringen Optimismus den Griechen.


Gut, dass es den Google-Trnslator gibt: Genau so ist es! Und so sieht es Jan Böhmermann auch:

Liebe griechischen Leute, die Zeit ist gekommen, wir kapitulieren! Nehmen Sie all unser Geld, können Sie auch Helene Fischer, aber bitte, lassen Sie die Finanz Hercules aus uns. Wir konnten nur gerade mit Costa Cordalis tragen, so ist dies eindeutig zu viel!



Jan Böhmermann hat ein fabelhaftes Musikvideo über den griechischen Finanzminister Varoufakis gedreht, findet auch die Süddeutsche Zeitung.
Ich finde: Neben den Gemeinheiten im Spiel mit dem deutschen Auto-Stereotyp ein schönes Spiel mit den Bild-, Text- und Musikklischees der deutschen Bratz-Metal-Szene: The Cliches Are Having a Ball ...
Und eine fein eingebaute Provokation für all die Charlie-Darsteller aus der politischen Klasse und überhaupt, die neulich den Knut Tucholsky ("Satire darf alles!") für ihre zweifelhaften Zwecke entdeckt hatten:

His looks burn like fire
His body screams of sex
Our Minister of Finance
Doesn't even have legs ...


Was will man gegen diese Geschmacklosigkeit jetzt noch sagen? Satire darf doch alles!
- So kann einem die hemmungslose Forderung nach freedom of speech auf die Füße fallen.

Medien über Griechenland - NDR Kultur - 27.02.2015
Die Bild rief gestern auf, sich mit dem großen "Nein" ihrer Seite zwei zu fotografieren. Medienwissenschaftler Thomas Birkner mit einer Einschätzung zur Berichterstattung über Griechenland.

Und noch einmal: Nicht die Grenze, sondern die mangelnde Qualität von Satire ist das Problem! (Michael Feindler bei NDS) ... mangelnde Qualität bezieht sich aber ausdrücklich nicht auf Böhmermanns Beitrag! Wie gut der gemacht ist, bemerken sie erst, wenn Sie ihn ohne Bilder, also nur hören: Dann könnte es ein Hit werden: die kritische Botschaft wäre schlicht verschwunden, - es bliebe ein Scorpions-Lied ...

[Toll, was Pop kann und nicht kann, was Politik auch nicht kann. Man muss darüber nachdenken, wie politische Bewusstseinsbildung heute überhaupt gedacht werden kann. Im Hinblick auf die Didaktik der Politischen Bildung scheint mir der Abstand zwischen den tatsächlich poltitisch bildenden Sozialisationsinstanzen und dem schulischen Unterricht immer größer zu werden. Wenn der die nicht aufnimmt, hat er verloren. That Certain Goundhog Day Feeling ....]

No Cliches at All: Das phantastische musikalische Universum des Hal Wilner

So how do we describe Hal Willner?

http://www.elsewhere.co.nz/images/v95000/articles/37.jpg
    He's a musician and producer, of course. And while he's a music supervisor for Saturday Night Live (a role had throughout the Eighties) he also stages concerts based around concepts which interest him, like the songbook of Doc Pomus or civil rights songs.
    He's also a man with a very fat contact book because on tribute albums to Italian composer Nino Rota (Amacord Nino Rota of '81), jazz geniuses Thelonious Monk and Charles Mingus (That's the Way I Feel in 84, Weird Nightmare, '92), Kurt Weill (Lost in the Stars '85), Disney music, Harold Arlen and Leonard Cohen he has a rollcall of musical giants and outsiders.
    Flick across those albums – and his tribute to Harry Smith's collection of old weird American songs which appeared in 2006 – and you will see everyone from Tom Waits, Keith Richards, Elvis Costello, Lou Reed and Patti Smith to jazz musicians like Bill Frisell, Carla Bley, Charlie Haden, Branford Marsalis and many more.
    His 2006 double album project of sea shanties Rogue's Gallery – thought up while on the set of Pirates of the Caribbean with Johnny Depp – has now spawned another double album Son of Rogue's Gallery (reviewed here).
    Among the cast are Waits and Richards (together on a growling version of Shenandoah), Shane MacGowan, Beth Orton, Iggy Pop (on the bawdy Assholes Rule the Navy), Ed Harcourt, Macy Gray, Broken Social Scene, Dr John, Richard Thomson, Depp again, Sean Lennon . . .
    And some real oddities like the techno-song by Todd Rundgren.
    Willner speaks in a dry crackle (hints of William Burroughs with an aftertaste of Waits) and laughs frequently during the discussion. And he starts by asking:
    'So, you've survived listening to this monstrous record?'
    I've survived more than a few by Hal Willner in the past.

    HAL WILLNER INTERVIEWED by Elsewhere (2013)
Das erste Mal bin ich Hal Wilner 1985 begegnet , als er Lost In The Stars: The Music Of Kurt Weill gemacht hat. Das war eine Entdeckung, weil es zwar zB von The Doors die 1967 auf dem Album The Doors veröffentlichte Coverversion des Alabama Song, aber sonst wenig Bezüge auf Weil in der populären Musik gab.


The guest list here is a blast, even if some of the stylistic representations are sometimes foreign to modern ears. Just some of the varied participants include Tom Waits, Sting, Todd Rundgren, John Zorn, Lou Reed, Van Dyke Parks, Henry Threadgill, Elliott Sharp and Carla Bley… with others, lingering in the background and away from the spotlight, including Steve Swallow, Branford Marsalis, Anton Fig, Jim Keltner, Fred Tackett, Kathy Dalton, Lester Bowie, Ellen Shipley, Richard Butler (The Psychedelic Furs), Dagmar Kraus (Slapp Happy), Charles K. Noyes, Fred Frith, Bobby Previte, The Uptown Horns… am I leaving a few dozen names out? Marianne Faithfull’s grand dame delivery is a natural fit with Weill’s unique brand of German expressionism ...

Neugierig geworden besorgte ich mir das Doppelalbum That’s The Way I Feel Now – A Tribute To Thelonious Monk (1984) mit dem großartigen "Four in one" von Todd Rundgren und Gary Windo:


und danach viele weitere Alben.

Einen guten Überblick über Wilners faszinierendes Schaffen - mit einigen Hörproben - finden Sie in Willard's Wormholes
Da fehlt allerdings Stormy Weather - The Music of Harold Arlen (der Soundtrack zu Larry Weinsteins gleichnamigem Film).
Harold Arlen hat so phantastische Songs geschrieben wie Over the Rainbow, Ac-Cent-Tchu-Ate the Positive, Blues in the Night, That Old Black Magic, Ding-Dong! The Witch Is Dead, It’s Only a Paper Moon u.v.m. - Wenn Sie dies Album in die Finger bekommen: Unbedingt kaufen und hören, hören, hören ...





Hal Wilner war darüber hinaus
der musikalische Koordinator und damit verantwortlich für die interessanten musical mixes in Night Music, a late-night television show which aired for two seasons between 1988 and 1990 as a showcase for jazz and eclectic musical artists. It was hosted by Jools Holland* and David Sanborn, and featured Marcus Miller as musical director. Guests included acts such as Sonny Rollins, Shinehead, Sister Carol, Sonic Youth, Joe Sample, Slim Gaillard, Pere Ubu, Pharoah Sanders, and many others. In addition, vintage clips of jazz legends like Thelonious Monk, Dave Brubeck, and Billie Holiday were also featured. The show also featured a house band of Omar Hakim (drums), Marcus Miller (bass), Philippe Saisse (keys), David Sanborn (sax), Hiram Bullock (guitar), and Jools Holland (piano).

Damit man mal sieht, welch intelligente und anspruchsvolle Musiksendungen es einmal gab, hier - trotzt des Ruckelbilds und der störenden Untertitel - die Night Music #107 aus dem Jahr 1988 mit Marianne Faithfull, John Zorn, Aaron Neville, Rob Wasserman und NRBQ mit John Sebastian (ganz großartig übrigens zusammen mit dem NRBQ-Keyboard-Freak Terry Adams - ab 33:55!)



Empfohlen sei z.B auch Night Music #110 1988 Al Jarreau, Darlene Love, Johnny Clegg & Savuka, Bashiri Johnson und unbedingt auch
Night Music #201 1989 Stevie Ray Vaughan, Pharoah Sanders, Rahsaan Roland Kirk, Van Dyke Parks ...

* Jools Holland presents BBC Two's flagship music show, with legendary musicians and brand new acts from around the world, all performing live. Etwas Vergleichbares gibt es mW im hiesigen Rundfunkt leider nicht!

That Certain Goundhog Day Feeling ...

... stellt sich bei mir neuerdings immer häufiger ein, wenn ich die Nachrichten zu Griechenland, zur Ukraine usw. höre bzw. sehe; d.h. eigentlich ja nicht Nachrichten, sondern die Endlosschleife der Feier des deutschen Standpunkts, der ein Standpunkt ist. Und ein Standpunkt ist ein Standpunkt ... und ich habe Sonny & Cher im Ohr ...*

http://d15irhca3igrs6.cloudfront.net/wp-content/uploads/2015/02/Groundhog-Day-quotes-6.gif

Heute, 23.15 - 00.50 Uhr im WDR-Fernsehen:
Und täglich grüßt das Murmeltier: Groundhog Day


Ein Film mit großer Welterklärungskompetenz

Die besten Szenen hier!

Phil: can I buy you a drink?
...
Rita: - you speak french..
Phil: - oui!


Genial!

Vgl. auch
- Ewig grüßt das Notenbank-Sozialparadies
- You've had your debate: What would you do if you were stuck in one place and every day was exactly the same, and nothing that you did mattered?
- That Certain Feeling: Gershwin Plays Gershwin - The Piano Rolls - als Überleitung zu Gut gespielt: Investigating The Rhapsody

_____________________________________________
* Mrs Mop (vgl. Kommentar) empfiehlt zur Hebung der Laune in diesem erbärmlichen Berichtserstattungsjammertal Dijsselbloem vs Βαρουφάκης

Oops! Linksextremistisches Potenzial: "Mehrheit vermisst in Deutschland echte Demokratie"

... so der Titel in der WELT heute zu einem Artikel, der dann etwas ganz anderes meldet, nämlich, dass die, die diese Ansicht teilen, dem schwer linksradidalen Potenzial zuzuordnen sind, das - so das Fazit des Artikels und der Studie, auf die er sich bezieht - viel gefährlicher ist als das rechtsradikale:

Studie: Linksextreme Einstellungen sind weit verbreitet
Wissenschaftler der Freien Universität Berlin präsentieren Ergebnisse eines Forschungsprojektes zu demokratiegefährdenden Potenzialen des Linksextremismus


Schon erstaunlich, was für einen theoretisch und methodisch schwach geländerten Unsinn die Freie Universität Berlin da als "Ergebnisse eines Forschungsprojektes" veröffentlichen mag (- eine Zusammenfassung von den Autoren in der FAZ). Wenn dann noch Reinhard Mohr in der WELT das verwurstet, kommt heraus:

http://img.welt.de/img/deutschland/crop137728696/0429407143-ci16x9-w780/DWO-IP-Linksextreme-Aufm.jpg

... dass also der gesunde Menschenverstand, wenn er sich einmal nicht in Form historischer Dummheit und Instrument der herrschenden Klasse outet (vgl. Marx: Die moralisierende Kritik und die kritisierende Moral, in: MEW 4, 1974, S. 331 ff.), als linksradikal zu denunzieren ist:
Wenn man ein politisches Fazit der FU-Studie ziehen wollte, dann dies: Statt eines nachgeholten Antifaschismus, der sich in seiner moralischen Gratis-Überlegenheit sonnt, kommt es darauf an, die demokratische Mitte zu stärken. Von beiden Rändern des politischen Spektrums droht Gefahr, nicht zuletzt durch alte Ressentiments und einen neuen Irrationalismus, der der Vernunft den Kampf angesagt hat.

Die Message ist schon klar - und im Kern recht simpel: Erstaunlich bleibt, wieso die vom Forschungsverbund SED-Staat auf 653 Seiten aufgeblasen werden muss und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bezahlt wird ...

Update:

Irgendwelche Spaßvögel haben jetzt den Fragenkatalog der Studie als Online-Quiz ins Netz gestellt. Der Linksextremismus-Test im Netz umfasst wohl die 25 ursprünglichen Fragen aus der Studie, die auch in der Langfassung zu finden sind und gibt auch grob und vereinfacht die Einordnung in die Skala wieder. Sie können den Text z.B. beim Metronaut machen! Der i. Ü. treffend anmerkt:
Insgesamt halte ich diese Art von wissenschaftlichem Vorgehen, nämlich eine handvoll Fragen mit mehr oder weniger klassischen Aussagen aus dem linken Spektrum per repräsentativer Umfrage rauszuhauen, und daraus prozentual zu schließen, wie linksradikal/extrem die Bevölkerung ist, für methodisch mindestens schwierig. Man erkennt am Fragedesign vielmehr, was die Autoren der Studie für linksradikal oder linksextrem halten. Das ist ja auch eine Form der Erkenntnis.

Gut gesagt (EVERYONE'S A CRITIC II): Dialektik der Aufklärung - so ungefähr



Als Ergänzung zu "Christlich-jüdische Tradition", Aufklärung und Auschwitz
IÜ: Interessante Texte von der Antilopen Gang (auch wenn ich die Musik nicht mag) ...
via Alissa und Rosa B.

Gut gespielt: Investigating The Rhapsody

Ich bin begeistert: Gerade lief bei ARTE
Gustavo Dudamel und Herbie Hancock in L.A.
Los Angeles Philharmonic Opening Gala 2011
- Es gibt davon nur noch diesen teaser:



Fantastisch, wie Herbie Hancock die Rhapsody in Blue spielt. Das müssen Sie hören und sehen!
Deshalb das Photo hier: Achten Sie mal auf seine Blicke, seine Mimik, seine Hände - die suchenden Bewegungen und die List und Ironie in der Auseinandersetzung mit der Partitur. Endlich habe ich ein Bild davon, wie ich mir einen Künstler beim Hervorbringen von Kunst vorstellen kann! - Wunderbar auch zu sehen, wie Dudamel ihn dabei beobachtet: immer gespannt auf den nächsten Anschlag.
Hier ein Eindruck davon, besser hören (und sehen) Sie's bei ARTE+7.



Mark Swed schrieb dazu (LATimes September 28, 2011):
    Not surprisingly, Hancock had a distinctive approach to the "Rhapsody" as well. He played on a Fazioli piano, which is not as forthright as the orchestra’s Steinways, but it suited his delicate dreaminess. He played the score as written. And not as written.

    That is to say the notes were pretty much all there (Hancock’s classical technique is adequate but he labored through some of the flashier passages). But he didn’t so much play the “Rhapsody” as investigate it. He toyed with passages, trying things out one way, then another. Two similar measures were rarely approached similarly.

    Only once or twice did Hancock actually contribute a little something of his own, and perhaps he would have been less reticent had he not been required to stick to the printed page and had the concerto not just kept barreling along as concertos do.

    Dudamel followed Hancock respectfully. He encouraged individual players to make their own flourishes in response to the piano. He did not, however, hold back on the big orchestral effects, and again this made for Gershwin with a personality split between jazz and the grandly symphonic.

    Gershwin’s way, when playing the "Rhapsody," was to dazzle by being offhand. Hancock and Dudamel went their own radically different ways, but they didn’t, perhaps, go far enough. Hancock seemed itching to improvise. If so, he should feel entitled.
Stimmt, - zuweilen wünschte man sich, Hancock würde mehr Improvisation wagen; andererseits finde ich gerade dieses tastende Untersuchen faszinierend.

Jazz "ist wirklich ein Gemisch vieler Dinge. Er hat etwas vom Ragtime, vom Blues, vom Klassizismus und von den Spirituals, […] aber im Grunde ist er eine Sache des Rhythmus. Nach dem Rhythmus kommen bedeutungsmäßig die Intervalle, Tonintervalle, die dem Rhythmus eigen sind.“
(George Gershwin: Der Komponist und das Maschinenzeitalter. via Wikipedia)

Hancock about rhythm changes!!: "HERBIE HANCOCK: The Music of Gershwin" -



Dazzling by being offhand! Gershwin plays Gershwin: Rhapsody in Blue (solo piano) -

Gut gesagt (EVERYONE'S A CRITIC)

"Varoufakis erklärte in seiner Pressekonferenz, dass die meisten Finanzminister als gelernte Anwälte keine Ahnung von Ökonomie hätten. Sie würden vielmehr auf Regeln und vereinbarte Zahlen pochen."

Griechenland vs. Eurogruppe - Wassilis Aswestopoulos, tp 21.02.2015

Da könnte was dran sein!
Ich erinnere mich an eine sehr treffende Aussage von Hermann Kant zur "Wende" 1989/90, dass da nun die Rechtsanwälte (und die Pfarrer) das Volk vertreten wollten/sollten; - so hatte er sich das nicht vorgestellt. Kann ich immer noch gut nachvollziehen.

Economist James Galbraith recently spent a week with Greek finance minister Yanis Varoufakis. He shares with Fortune what he learned while looking at the nation’s fiscal crisis from the inside:
“They made the mistake of exposing to Yanis that they are playing a very hard game, but not playing it very well, from the point of view of basic political skills... I think the Europeans want to pretend to be confused, but the confusion exists in their minds, not in the Greek position.”
Greece’s fate: In Angela Merkel’s hands? by Shawn Tully; FORTUNE February 20, 2015

| Europäischer Frühling - Februar 2015 : interessante Linkliste bei Luxemburg-Online

Archäologie (CCCLXXVI): Die Enteignung und Ermordung griechischer Juden zur Stützung der inflationsgefährdeten Drachme zur Finanzierung der Besatzungskosten der Wehrmacht - Enteignungen, Deportationen und Massenmorde als Quelle der deutschen Staatsfinanzen

Wenn man ansatzweise verstehen will, worum es in dem vermeintlichen Schuldenstreit zwischen Griechenland und Deutschland geht, dann muss man - abgesehen von der aktuellen Auseinandersetzung um die Austeritätspolitik und Deutschlands Rolle in der EU - die Gechichtswissenschaft bemühen, und hier - das gibt es! - die Forschung zur deutschen Finanzpolitik im Nationalsozialismus.

Götz Aly hat in seinem 2005 erschienenen Buch Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus , das vor allem wegen der Tendenz zu einer monokausalen Erklärungsstruktur, die als „historisch-materialistisch gewendete Kollektivschuldthese“ bezeichnet wurde, schwer in der Kritik war, in den Teilen, in denen er sich mit der Kriegsfinanzpolitik der Nazis befasst, u.a. in Bezug auf Griechenland gerade heute wesentliche Zusammenhänge herausgestellt.
Danach wurde das Finanzierungsmuster Staatsanleihen bereits 1938 mit der sog. Reichspogromnacht etabiert:
    So setzte das Regime die Reichspogromnacht, an die sich die Umwandlung des gesamten Vermögens der deutschen Juden in unveräußerliche Staatsanleihen anschloss, genau zu dem Zeitpunkt in Szene, als die extreme Kreditkrise das Reich in den Staatsbankrott zu treiben drohte. Den "Cash flow" hielt es mit der so genannten "Judenbuße" aufrecht. Sie erhöhte die laufenden Reichseinnahmen mit einem Schlag um gut sechs Prozent. Rechnet man die Einnahmen aus der Reichsfluchtsteuer und andere Diskriminierungsprofite hinzu, zeigt sich, dass mehr als neun Prozent der laufenden Reichseinnahmen im letzten Vorkriegshaushalt aus Arisierungserlösen stammten, also den Volksgenossen überhaupt nicht belasteten. Damit war ein Finanzierungsmuster etabliert, das man im Krieg nur noch variieren musste.

    Die Kriegsfinanzpolitik der Nazis beruhte auf dem Grundsatz, dass die eroberten Länder die enorme Kriegsrechnung zu begleichen hätten. Die Wehrmacht und das Finanzministerium konfrontierten sie mit maßlos überhöhten Besatzungskosten und Kontributionen, die willige und einfallsreiche Beamte mittels Währungsmanipulationen und anderen Tricks bei Bedarf weiter nach oben schraubten. Nicht nur der Sold der Soldaten, Waffen, Rohstoffe und Dienstleistungen wurden in der Währung des jeweiligen Stationierungslandes bezahlt, sogar die Kosten der Luftangriffe auf England mussten in Francs beglichen werden, wenn sie von französischem Boden aus erfolgten.

    Der Raubkrieg füllte vor allem die Reichskasse, doch das Regime ermunterte auch seine Soldaten, die besetzen Länder leer zu kaufen. Sie mutierten zu "bewaffneten Butterfahrern" und schickten Päckchen und Pakete mit Schuhen aus Nordafrika, mit Samt und Seide, Likör und Kaffee aus Frankreich, mit Tabak aus Griechenland, mit Honig und Speck aus Russland und ganze Heringsfässer aus Norwegen. Heimaturlauber hatten nicht selten Pelze und Uhren im Gepäck, ganz Findige brachten äußerst günstig erstandene Möbel und Antiquitäten heim ins Reich. Die legalisierten Beutezüge stärkten die Kampfmoral der Soldaten und das Ansehen des Führers bei ihren so üppig versorgten Familien. Sie hatten aber noch einen anderen wohl kalkulierten Effekt: Die inländische Kaufkraft wurde abgeschöpft, Inflation, Mangel und Hunger exportiert.

    Dieser Mechanismus hätte versagt, wenn die Ausgeplünderten Zahlungsunfähigkeit hätten anmelden müssen. Doch da war das 1938 in Deutschland erprobte Modell vor. Obwohl Ungarn und Griechenland Götz Aly Akteneinsicht verwehrt haben und obwohl in der BRD wie in der DDR Dokumente vernichtet wurden, aus denen sich Restitutionsansprüche hätten ableiten lassen, kann der Historiker in detektivischer Kleinarbeit rekonstruieren, wie Beamte und Offiziere der deutschen Militärverwaltung überall in Europa dafür sorgten, dass vor den Deportationen das Vermögen der Juden erst akribisch erfasst, dann konfisziert und verkauft wurde. Die Erlöse aus dem Raub flossen in den jeweiligen Staatshaushalt, wurden nach den Regeln der Geldwäsche umgebucht und als Besatzungskosten an das Reich oder direkt an die Wehrmacht weitergeleitet. Der Mord an den europäischen Juden, das kann Aly überzeugend zeigen, folgte einer zweckrationalen Logik.
    (Rezension im Deutchlandfunk, Politische Literatur (Archiv) vom 11.04.2005)

Der Mord an den europäischen Juden folgte einer zweckrationalen Logik




Die Inhaltsangabe bei Wikipedia ist in diesem Falle hilfreich (nicht um sich damit zufrieden zu geben, sondern um angeregt zu werden, das zu nachzulesen!):
    Der zweite Teil des Buches, Unterwerfen und ausnutzen, behandelt ausführlich die Methoden, mit denen die Kriegskosten des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg auf die besiegten Länder abgewälzt wurden, um die finanzielle Belastung der Deutschen zu mindern. Neben der direkten Bezahlung der Besatzungskosten müsse hier laut Aly beachtet werden, dass deutsche Soldaten die besetzten Länder über das System der Reichskreditkassenscheine regelrecht leerkaufen konnten. Dass auch massenhaft Güter an die Heimat weitergeleitet wurden, wurde von der Regierung geduldet oder sogar gefördert. So seien Kriegsgewinne der breiten Bevölkerung zugutegekommen. Auch die Einziehung von Feindvermögen und das der Juden sowie der Einsatz von Zwangsarbeitern seien der deutschen Staatskasse und damit indirekt der deutschen Bevölkerung zugutegekommen. Im Laufe des Krieges sei die völlige Destabilisierung der Wirtschaft in den besetzten Gebieten in Kauf genommen worden, um die materielle Not im Reich in Grenzen zu halten und damit befürchtete Unzufriedenheit zu verhindern. Schon im Frühjahr 1941, vor Beginn des „Unternehmens Barbarossa“, sei ein Hungerplan entworfen worden, der zwecks Sicherung der Ernährung im Deutschen Reich die Dezimierung der slawischen Bevölkerung in den zu besetzenden Gebieten der Sowjetunion um viele Millionen Menschen vorsah.

    Thema des dritten Teils ist Die Enteignung der Juden. Aly zufolge führt „jede Konzeption, die sich allein auf die privaten Profiteure [der sogenannten Arisierung] konzentriert, in die Irre“ und verfehlt „den Kern der Sache, wenn die Frage beantwortet werden soll, wo das Eigentum der expropriierten und ermordeten Juden Europas geblieben ist.“ Tatsächlich sieht Aly nämlich das „Prinzip Staatsraub“ und in der Arisierung einen „groß angelegte[n] gesamteuropäische[n] Geldwäschevorgang zum Vorteil Deutschlands“. Im Weiteren werden beispielhaft Enteignungen bei Verbündeten und in besetzten Gebieten beschrieben, die stets der deutschen Kriegskasse, insbesondere der Versorgung der Wehrmacht dienten. Besonders ausführlich geht Aly dabei der Enteignung und Ermordung griechischer Juden nach. Diese dienten der Stützung der inflationsgefährdeten Drachme, was wiederum die Besatzungskosten der Wehrmacht zu finanzieren half.
Vgl. auch How To Squeeze Greece (VII) - DEGRIGES (Deutsch-Griechische Warenausgleichsgesellschaft mbH)


1. Fazit
Alys Buch besorgen - bei der Bundeszentrale für Politische Bildung für 4,50€ und lesen!!
Aktuell:
Die Spur des Goldes
Inflation in Griechenland 274
Die Juden von Saloniki 281
Gold an der Athener Börse 290
Deutsch-griechisches Schweigen 297
Von Rhodos nach Auschwitz 299

http://deutsch.llco.org/files/2011/06/aly.jpg
Der englische Titel ist eigentlich treffender als der deutsche "Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus". Dass der westliche Wohlfahrtsstaat auch auf Raub und Rassenkrieg beruht, dürfte hinlänglich bekannt sein, - man muss das dann nicht nationalen Sozialismus nennen, weil die Praxis einer partiellen Umverteilung der Beute zum Zwecke der Ruhigstellung der Massen im Faschismus nichts mit Wohlfahrtsstaat oder mit Sozialismus zu tun hat... Dazu mehr im

2. Fazit
Mit Alys These eines national-sozialistischen Volksstaats, einer "Gefälligkeitsdiktatur", von der Millionen Millionen Deutsche profitierten, während Hitler gleichzeitig einen Vernichtungskrieg in ganz Europa entfesselte, kann ich mich immer noch nicht anfreunden, aber ich bin da gerade wieder unsicher geworden.
Willi Winkler zitiert gestern in seiner Rezension von Melvin Laskys Deutsches Tagebuch 1945 eine Passage, die zu denken gibt:

Oberleutnant Lasky trägt zwar das fesche
Käppi der Army, poussiert auch mit
dem einen oder andern deutschen Frol-
lain, aber mehr als alles andere interessiert
ihn der deutsche Geist und wie er so he run-
terwirtschaften konnte. Das Schlimmste
sei die Kollaboration, schmettern zwei jun-
ge Frauen in Berlin, und sie meinen nicht
die mit den Nazis, sondern das Fraternisie-
ren mit den siegreichen Soldaten der Alli-
ierten. Hätten sie Pistolen gehabt, sie hät-
ten bis zur letzten Frau als Partisanen ge-
gen die Russen gekämpft. Lasky mag es
gar nicht glauben: "Wo war ihr Stolz, wo ir-
gendeine Form von Charakter? ( ... ) Die bei-
den Mittelschichtsmädchen, die ich hier
vor mir hatte, waren in ihr wahres jämmer-
liches Leben zurückgefallen; die Flucht
aus den kleinbürgerlichen Realitäten in
die fanatischen Fantasiebilder von einem
faschistischen Vaterland war vorbei.
Der Schein der Hingabe war verflogen,
die Schäbigkeit blieb
."


Die Flucht aus den kleinbürgerlichen Realitäten in die fanatischen Fantasiebilder von einem faschistischen Vaterland, das - wie Aly zeigt - ja auch materiell belohnt hat, ist schon ein interessantes Erklärungsmuster für Massenloyalität ...
Und: Man ist geneigt zu sagen: Da hat sich nicht viel verändert, wenn man sich die aus dem kleinbürgerlichen Leben hervorbrechenden Maulschaumteppiche in den Kommentaren zur aktuellen Debatte ansieht. Mir scheint allerdings die materielle Belohnung für die Masse akutell auszubleiben. - Was das Problem der Fantasiebilder nicht einfacher macht ... "Weimar and Greece, Continued" -->

How To Squeeze Greece (XII): "Weimar and Greece, Continued"

Paul Krugman (NYT Feb 15)

Try to talk about macroeconomics, and you’re sure to encounter accusations that your policies would turn us into Weimar Germany ...
Thinking about this led me to an interesting question. We know that part of the reason large postwar reparations were such an unreasonable and irresponsible demand was the dire, shrunken state of the German economy after World War I. So how does Greece compare? The answer startled me:




Austerity, it turns out, has devastated Greece just about as much as defeat in total war devastated imperial Germany. The idea of demanding that this economy triple the size of its primary surplus is … disturbing.

Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

Haftungsausschluss

The music featured on this blog is, of course, for evaluation and promotion purposes only. If you like what you hear then go out and try and buy the original recordings or go to a concert... or give money to a down on his luck musician, or sponsor a good busker, it may be the start of something beautiful. If your music is on this blog and you wish it removed, tell us and it shall be removed.

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