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Archäologie (CD): Joe Strummer & The Mescaleros - Safe European Home


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Hotel Europa

http://2.bp.blogspot.com/-ZnKTT2zGcIk/VSAp4xMfVsI/AAAAAAAAJlc/rUejowDpt2I/s1600/79dd3849dc5e2b3617deb9a9a1c2d2f0.jpg
via PLANET MOCHO
Schönes Photo, zu dem viele Geschichten erzählt werden könnten, - u.a. diese:

Asylentscheidungen in Deutschland: "Es zählt die Schilderung"

Archäologie (CCCXCIX): Franz Josef Strauß im MONITOR-Kreuzfeuer (1972)


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... mit Rudolf Rohlinger und Claus Hinrich Casdorrf

Für Nachgeborene: Franz Josef Strauß war ein deutscher Politiker der CSU, deren Vorsitzender er von 1961 bis zu seinem Tod war.

Schade, dass die beiden großartigen Journalisten nicht mehr zB den Pofalla kreuzfeuermäßig interviewen können ...

Individuelle Macht, subjektive Erinnerung und kapitalistische Produktionsweise: Zur Rolle des Porsche-Piëch-Clans bei Volkswagen. - Oder auch: Diese aufgebohrten Luftboxer-Schrottmühlen ...

frettchen1Der Abgang von Ferdinand Piëch aus dem Aufsichtsrat von Volkswagen ließ die Automobilindustrie erbeben. Die Beschäftigten hielten den Atem an – „Gott sei Dank nicht die Bänder“, so ein Aktionär – und öffentlich bedankten sich VW-Chef Winterkorn und der kommissarische AR-Vorsitzende Berthold Huber bei dem „genialen Techniker“ (Winterkorn), bei dem „großartigen Unternehmer, Ingenieur und Visionär“ der – so Winterkorn – die Automobilindustrie der zurückliegenden fünf Jahrzehnte geprägt hätte. Das sind übrigens die gleichen Zuschreibungen, die seinem Großvater Ferdinand Porsche (SS-Oberführer und Kriegsverbrecher) gemacht wurden – allerdings von Adolf Hitler, der den Titel „genialer Konstrukteur“ bei der Grundsteinlegung des Volkswagenwerkes am 26. Mai 1938 vor 70.000 begeisterten Claqueuren in die Welt setzte. Seither geistert mit Porsche das Attribut „genialer Konstrukteur“ durch die Welt und wird von interessierter Seite immer wieder befeuert.

Porsches Schwiegersohn Anton Piëch, dem fanatischen Nazi und Vater von Ferdinand Piëch, wurde diese zweifelhafte Ehre nicht zu Teil – schließlich war er als Jurist nur der „Geschäftsführer“ des Rüstungsbetriebes „Volkswagenwerk“, dessen Kasse mit 10 Millionen Reichsmark er bei seiner Flucht aus Wolfsburg im Frühjahr 1945 raubte und sicher nach Österreich brachte – eine der Quellen des Reichtums des Familienclans....

Stephan Krull - 16 Jahre lang Mitglied des Betriebsrates bei VW Wolfsburg - skizziert für die NachDenkSeiten seine Sicht der Entwicklung des vermeintlich „volkseigenen“ Unternehmens.
Sehr lesenswert!

Vgl. dazu auch:
- Die Familie Piech-Porsche und das VW-Imperium. Von Winfried Wolf
- GBlog Revisited: Der Frettchen-Cayenne-Krimi
- Stephan Krull (Hg.): 75 Jahre »Stadt des KdF-Wagen« / Wolfsburg

Aus meinem Photoalbum:

http://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/hitler-und-die-deutschen/en/pics/0225_450.jpg
Der Führer am und ich im Käfer ...


Nachtrag zur VW-Legende:

Jetzt schreibt man bereits das Jahr 1965. Mehr als 15 Jahre lang hatte man diskutiert und experimentiert, um einen Nachfolger für den Käfer zu finden und neue Modelle auf den Markt zu bringen. Alles vergebens. Als Heinrich Nordhoff im April 1968 stirbt, zählt man mehr als 70 verschiedene Prototypen, die unter seiner Regie entstanden waren - Autos ohne Zukunft, deren Entwicklung einen Milliardenbetrag gekostet hat... (VW-Prototypen der 50er und 60er. Autos ohne Zukunft. Von Christof Vieweg; Süddeutsche Zeitung 3. April 2015; vgl. auch 'Stiftung AutoMuseum Volkswagen: Prototypen)

... und so wurden uns diese aufgebohrten Luftboxer-Schrottmühlen bis 1974 verkauft, - wie zB mein wunderschönes, aber motormäßig katastrophales 1303 Cabrio (hier in Frankreich liegen geblieben wg wieder mal Kolbenfresser auf dem 3. Zylinder)



... anstatt schon 1955 diesen schönen EA 48 serienreif zu machen...

http://home.clara.net/hallvw/ea48vw.jpg
- Erinnert Sie der Entwurf an ein anderes legendäres deutsches KFZ?

Volkswagen: Eine (wessen) Erfolgsgeschichte?! Ein Mythos, der noch lange bedient werden kann ...
(We are Germans ... und wir freuen uns, wenn der KdF-Wagen 11.100.000.000 Euro Gewinn einfährt)

Splitter: -Parteien (XVI): Wahlen in Zeiten der Postdemokratie: Makes sense?

1. UK democratic system:

GREENS - 1.1M votes = 1 MP
SNP - 1.5M votes = 56 MPS
UKIP - 3.8M votes = 1MP
CON - 11M votes = 330 MPs

Makes sense? Fragt Tom Alterman.
[Wahlbeteiligung 66,1% (2010: 65,1%)]


2. Bremen demokratic system Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen wählten ...

... 50,0 Prozent aller Wahlberechtigten keine Partei.
... 15,9 Prozent aller Wahlberechtigten die SPD.
... 11,0 Prozent aller Wahlberechtigten die CDU.
... 7,4 Prozent aller Wahlberechtigten die Grünen.
... 4,7 Prozent aller Wahlberechtigten die Linke.
... 3,2 Prozent aller Wahlberechtigten die FDP.
... 2,4 Prozent aller Wahlberechtigten die AfD.

Die geplante rot-grüne Koalition hätte einen Rückhalt bei weit weniger als einem Viertel der Wahlberechtigten. Selbst eine theoretisch in den Raum geworfene Große Koalition könnte gerade mal etwas mehr als ein Viertel der Wahlberechtigten abdecken.
(ad sinistram)

Die Tagesschau rechnet jetzt auch schon so wie De Lapuente! Ein schönes Ergebnis seiner Bemühungen!
http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/150511_hdt_01.png

Auch die Süddeutsche hat's bemerkt: Wer die Grafiken zur Wählerwanderung studiert, stellt fest: Die Gruppe der Nichtwähler hat am Wochenende in Bremen mehr Stimmen dazugewonnen als jede Partei. ... und präzisiert: Arm wählt nicht (... und macht sich Sorgen um die - schwindenen - Integrationskräfte der SPD).
Interessant: Arm wählt nicht immer und überall nicht! Dazu zurück zu 1.: Im Wahlkreis Tottenham (das ist jetzt nicht Bremen) lag die Wahlbeteiligung immerhin bei 60,1%. Tottenham: - What has changed since the riots?

Humpty-Dumpty 2015: "Vorratsdatenspeicherung" heißt jetzt "Speicherpflicht und Höchstspeicherfrist für Verkehrsdaten" + The Killing of Osama bin Laden - written by Lewis Carroll

Lewis Carroll Alice hinter den Spiegeln:
    „Wenn ich ein Wort verwende“, erwiderte Humpty Dumpty ziemlich geringschätzig, „dann bedeutet es genau, was ich es bedeuten lasse, und nichts anderes.“
    „Die Frage ist doch“, sagte Alice, „ob du den Worten einfach so viele verschiedene Bedeutungen geben kannst“.
    „Die Frage ist“, sagte Humpty Dumpty, „wer die Macht hat – und das ist alles. […]“
Wir sind uns wohl weitgehend einig, dass uns unter dem Begriff Höchstspeicherfrist das Gleiche aufs Auge gedrückt werden soll wie unter dem Vorläuferbegriff Vorratsdatenspeicherung: eine Beschneidung unserer Rechte...
Über Nebelbomben-Euphemismen: Hermann Unterstöger in den Süddeutschen vom 04/05/:
    In der Euphemismus-Tretmühle richtet man sich nach dem Gesetz, wonach Euphemismen die negative Konnotation ihres Vorgängerausdrucks annehmen, solange sich die tatsächlichen Verhältnisse nicht ändern.
Die Suche nach »Humpty-Dumpty« bei GBlog hat 4 Resultate geliefert.
Vgl. auch: BANKSPEAK - The Language of World Bank Reports: Die Inflation des "und" zur Koppelung von Begriffen ohne erkennbaren Zusammenhang

Außerdem: Finden Sie nicht auch, dass "Höchstspeicherfrist für Verkehrsdaten" sprachlich irgendwie an Knaus-Ogino erinnert; - i. Ü. eine sehr unsichere Verhütungsmethode, deren Pearl-Index zwischen 9 und 40 liegt.

Der Pearl-Index (je höher, desto unsicherer die Methode) der Maas-Gabriel-Verhütungsmethode dürfte bei ca. 85 liegen, also etwa da, wo auch regelmäßiger, ungeschützter Geschlechtsverkehr ohne jegliche Form der Empfängnisverhütung landet. Das Infektionsrisiko im Hinblick auf Demokratie-Immunschwäche-Infektionen ist dabei noch unberücksichtigt.
Fuck me running ...

Humpty-Dumpty 2015 (II): The Killing of Osama bin Laden - written by Lewis Carroll

One of the best and most informed journalists covering America’s various wars has long been Seymour Hersh. His new essay for the London Review of Books absolutely eviscerates the official Obama administration version of the killing of Osama bin Laden, writing that “it might have been written by Lewis Carroll” - See more at: http://disinfo.com/2015/05/seymour-hersh-eviscerates-obamas-story-of-the-killing-of-osama-bin-laden/#sthash.egkTNyOi.dpuf

Oder auch: Das "Komitee für Täuschungsoperationen" hat wieder zugeschlagen: Obama benutzte Osama -Bin Laden-Tötung war Wahlkampf-Gag
„Die Frage ist“, sagte Humpty Dumpty, „wer die Macht hat die Regeln zu bestimmen – und das ist alles.“

Menschen, die man kennen sollte: Buffy Sainte-Marie (und der 8. Mai 1945)

http://2.bp.blogspot.com/-B-aRPv80L-8/VUssj3sOCHI/AAAAAAABVt4/mRXBT6-pCew/s1600/dsc_6351-credit-matt-barnes_wide-d9f6cc7d611ef8be7ab8906c97334b82787e6419-s800-c85.jpg

It's tempting to mythologize Buffy Sainte-Marie — to call her a folk-music mother of dragons, or at least a shaman calling up lost spirits in her music. It's easy, after all, to exoticize individualistic women, especially women of color; doing so can even feel like offering a compliment. But on Power In The Blood, her first studio album since 2008, the 74-year-old firebrand defies categorization, as she has throughout a half-century of recording....
(npr First Listen: Buffy Sainte-Marie, 'Power In The Blood'). Ihre beeindruckende Diskographie hier bei allmusic.
Wenn Sie Buffy Sainte-Marie, die vor langer Zeit "Universal Soldier" schrieb, nicht kennen, können Sie sie hier kennen lernen:


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He's five feet two and he's six feet four
He fights with missiles and with spears
He's all of 31 and he's only 17
He's been a soldier for a thousand years

He's a Catholic, a Hindu, an atheist, a Jain,
a Buddhist and a Baptist and a Jew
and he knows he shouldn't kill
and he knows he always will
kill you for me my friend and me for you

And he's fighting for Canada,
he's fighting for France,
he's fighting for the USA,
and he's fighting for the Russians
and he's fighting for Japan,
and he thinks we'll put an end to war this way

And he's fighting for Democracy
and fighting for the Reds
He says it's for the peace of all
He's the one who must decide
who's to live and who's to die
and he never sees the writing on the walls

But without him how would Hitler have
condemned him at Dachau
Without him Caesar would have stood alone
He's the one who gives his body
as a weapon to a war
and without him all this killing can't go on

He's the universal soldier and he
really is to blame
His orders come from far away no more
They come from him, and you, and me
and brothers can't you see
this is not the way we put an end to war.


Im Sinne dieser letzten Verse muss man (mit Arno Klönne, tp) fragen:

Archäologie (CCCXCVIII): 8. Mai 1945: "Tag der Befreiung"? - Inszenierungen

Befreiung wozu?
His orders come from far away no more
http://www.heise.de/tp/artikel/44/44847/44847_1.jpg
Die historische Chance zu erkennen
They come from him, and you, and me
and brothers can't you see
this is not the way we put an end to war

und die entsprechenden Schlüsse zu ziehen, wurde nicht genutzt, war vielleicht auch gar nicht gegeben.
Verlogen aber ist Heinrich August Winklers politische Botschaftt, unablässig den zunächst west-, dann gesamtdeutschen "Weg nach Westen" zu preisen, den einst die Kapitulation der Hitlerwehrmacht öffnete. Die Gelegenheit ist günstig, um deutsche Treue zu den USA (trotz mancher Unstimmigkeiten) zu beteuern. So lässt sich also, nachdem der östliche deutsche Teilstaat Vergangenheit ist, als geschichtsepochaler Effekt der "Befreiung" Deutschlands im Jahre 1945 die Zugehörigkeit der Bundesrepublik zum nordatlantischen Bündnis feiern. (Klönne, s.o.)

Die Inszenierung von Gedenken ...

Warum wurde gerade der Historiker Heinrich August Winkler eingeladen, zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs zu sprechen? (NDS)

Die andere Perspektive:
9. Mai – Siegestag im Zweiten Weltkrieg


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... und die Rede von der "verbrecherischen Annexion der Krim"


- Merkel nennt Annexion der Krim „verbrecherisch“ (FAZ)
- Russland hat völkerrechtliche Ansprüche der Ukraine verletzt. Aber man sollte die Kirche im Dorf lassen. Wer am lautesten nach Sanktionen schreit, lenkt nur ab von der eigenen Blamage. (FAZ)


Zugabe:


View on YouTube - National Anthem of the USSR 57:21

Vgl. No More Pomp and Circumstance - Dass solche Inszenierungen von Herrschaft obsolet geworden sind, scheint klar zu sein. Wo wir sie noch sehen, empfinden wir sie als albern und aus der Zeit gefallen. Das ist einerseits sicherlich gut, andererseits kann man fragen, welche Integrationskräfte Herrschaftsverbände überhaupt noch haben ...

Archäologie (CCCXCVII): Juliette Greco

http://3.bp.blogspot.com/-ydN6SVJBvuE/VUy7aneU2mI/AAAAAAAAdy0/Bejh5faE7x0/s640/greco_brel-1.jpg
via Voix de femmes 287 de ... Juliette Greco

Grammatik einer Geburt: Ein Königshaus fabriziert einen Satz. Oder: Making Thinking Visible: Semantische Rolle und syntaktische Funktion.

    Her Royal Highness The Duchess of Cambridge was safely delivered of a daughter at 8.34am. [Pressemeldung des Britischen Königshauses, auch per Twitter]
Die Passivkonstruktion "was delivered of a daughter" klingt gediegen altmodisch und damit very royal – und sie hat den Vorteil, dass ihre ex-bürgerliche königliche Hoheit, die Gräfin von Cambridge, als eher unbeteiligt an der ganzen Sache dargestellt wird. Sie hat kein Kind zur Welt gebracht, sondern sie ist (wörtlich übersetzt) „von einem Kind befreit worden“. Das passt erstens gut dazu, dass die eingeheiratete (und im Fall der Fälle jederzeit entsorgbare) Gräfin ja eigentlich nur als vorübergehendes Gefäß für das waschechte, in der Thronfolge immerhin an vierter Stelle stehende Königskind gedient hat, und zweitens dazu, dass Frauen sich bei Geburten sowieso nicht immer so in den Vordergrund drängen sollen.
Im Englischen ist das Verb deliver im Geburtszusammenhang perfekt dazu geeignet, die Gebärende in den Hintergrund zu stellen.
Dazu eine kleine Grammatikstunde:
Im Sprachlog
____________

Aber zunächst lade ich zu einem Umweg ein: Ich durfte heute eine Englisch-Stunde in Klasse 7 beobachten, in der die Lehrerin (34!!) Schülerinnen und Schülern im Sinne entdeckenden Lernens die Möglichkeit eröffnete, an Beispielen die Unterschiede in den Modes of Agency wahrzunehmen, zu beschreiben und sogar selbständig als Regeln zu formulieren.
Es war (wieder einmal) sehr spannend zu beobachten, wie Schüler/innen Denkwege (welche?) auswählen, ausprobieren, beschreiten ... und zu welch interessanten Ergebnissen sie dabei kommen. Was sie entdeckten und wie sie das begrifflich zu fassen versuchten, rechtfertigt unbedingt das Zutrauen in ihre Fähigkeiten, das die Lehrerin mit diesem Lernarrangement vermittelt hat.
Fruchtbarer noch war zu versuchen, der von den Schüler/innen nicht selbst zu überwindenden Barriere, die zur Lösung des Problems überwunden werden muss, auf die Spur zu kommen. Sehr schön wird diese Herausforderung in diesem Beitrag einer Schülerin zu dem Beispielsatz deutlich:
    A doctor examined the car driver and his passenger. / The car driver and his passenger were examined by a doctor.
    S: In the active sentence the subject is in front of the verb and in the passive sentence the subject is behind of the verb.
Im ersten, schnellen Zugriff könnte L klarstellen: Falsch! SPO!! ... Das Subjekt wird zum ... na??

Faszinierend aber, was L damit zertreten hätte:

1. Die Schülerin formuliert ihre Erkenntnis in der Fremdsprache, weicht nicht ins Deutsche aus, und es gelingt ihr mit den ihr zur Verfügung stehenden Redemitteln das beobachtete Phänomen hinreichend präzise zu benennen.
2. Die Schülerin versucht in ihrer Deutung das Problem zu lösen, dass da etwas nicht passt: Das Subjekt ist nicht mehr Subjekt, bleibt aber Subjekt - so wie sie Subjekt versteht -, und sie löst das so, dass sie dessen- veränderte- Stellung im Satz benennt. Und zwar die Stellung des Handelnden, den sie sinnvoller Weise, weil ihr ein anderer Begriff dafür fehlt, weiterhin als Subjekt bezeichnet (obwohl da was nicht passt).
3. Der Schülerin kann ein Bewusstsein davon unterstellt werden, dass ein Subjekt sich dadurch auszeichnet, dass es handelt (handlungsfähig ist), und so besteht sie darauf, dass auch in der Passivkonstruktion die Person, die zwar erst nach dem Verb genannt wird, dennoch die handelnde bleibt.

Wo also war die Barriere = dass da etwas nicht passt, die die Schülerin (und die anderern 33 mit ihr) nicht selbst überwinden konnte, wofür sie also eine didaktische Hilfe zur Überwindung bräuchte (und eben nicht eine Richtigstellung!)??

Was ihr offensichtlich fehlte, war die Denkmöglichkeit, logisches und grammatisches Subjekt, also semantische Rolle und syntaktische Funktion zu unterscheiden (was Schüler/innen dieser Alterstufe nicht können können - Piaget! - und also Hilfen benötigen):
    Das Agens (lat. agere „handeln“) bezeichnet in der Linguistik die semantische Rolle desjenigen Aktanten eines Satzes, der über die vom Verb des Satzes ausgedrückte Handlung Kontrolle ausübt bzw. sie verursacht. Der Gegensatz zum Agens ist das Patiens. Das Agens ist eine semantische Rolle, aber keine syntaktische Funktion, weshalb auch zwischen Agens und Subjekt klar unterschieden werden muss.
Das der Schülerin so zu sagen, wäre wenig hilfreich. In einem nächsten Schritt wäre also zu überlegen, wie die Analyse, dass eine Unterscheidung zwischen Agens und Subjekt hilfreich ist, überführt werden kann in eine Konzeption didaktischer Hilfen, die an den vorhandenen Denkwegen ansetzt und einen weiteren Denkschritt ermöglicht:
Dazu können wir zurückkommen auf die kleine Grammatikstunde im Sprachlog zur Grammatik einer Geburt:
    In aktiven Sätzen (z.B. Kate küsst William) ist das grammatische Subjekt (Kate) auch das logische Subjekt, also die handelnde Person, während William das grammatische Objekt (und das Objekt der Begierde) ist. In passiven Sätzen (William wird von Kate geküsst) ist William zwar das grammatische Subjekt, aber das logische Subjekt (die handelnde Person) ist immer noch Kate, obwohl sie nur noch am Rande vorkommt und sogar ganz weggelassen werden kann (William wird geküsst). Passive Sätze können so dazu dienen, den passiveren Beteiligten einer Handlung in die Subjektposition zu bringen (daher ja die Bezeichnung „passiver Satz“ oder „Passivsatz“), ohne diesem aber dadurch eine aktivere Rolle zuzugestehen (wenn William geküsst wird, heißt das nicht, dass er etwas dazu beiträgt).
Sehr schöne Ansätze, Schüler/innen Denkhilfen zu geben, liegen zuweilen sogar in den Begrifflichkeiten der Grammatiken selbst:
Im Englischen wird das im Deutschen mittels Präpositionalphrase ergänzte Agens (... von Kate geküsst) als by-agent bezeichnet. Das hat doch ein hohes Anschaulichkeits- und damit Merkpotenzial für Schüler/innen einer 7. Klasse:
The by-agent ist und bleibt der Handelnde, aber - betrachten wir den Satz als Satz - OOPS!: ist er nicht mehr das grammatische Subjekt!!
Die didaktische Herausforderung besteht dann wohl darin, das oops zu nutzen: Hier gibt es ja zwei Sichtweisen!
The Agent and the Sentence! (-ein fieser Link: The Signal and The Noise)

Eine solche Unterscheidung im Grammatikunterricht der Jahrgangsstufe 7 anzulegen, könnte helfen, die Denkmöglichkeiten zu erweitern (Ich spreche jetzt bewusst nicht von Kompetenzzuwachs!).

Denken und Denken lernen vs. Death by Worksheet

Archäologie (CCCXCVI): Udo Lindenberg & Udo Jürgens - Bel Ami


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Ohne weitere Worte als historisches Dokument dokumentiert.

Hirnforschung mit Schwächen (II): The Monkey's Uncle - "Reiche Kinder haben größere Gehirne"

http://www.heise.de/tp/artikel/44/44845/44845_1.jpg

Gibt es intelligentes Leben in den "bildungsfernen Schichten"? Hans-Dieter Rieveler, tp 06.05.2015


Lesenswert!

... "bildungsferne Schichten" .... auch so ein Humpty-Dumpty-Hohlwort!: ... das Gesetz, wonach Euphemismen die negative Konnotation ihres Vorgängerausdrucks annehmen, solange sich die tatsächlichen Verhältnisse nicht ändern ...

Hirnforschung mit Schwächen: The Monkey's Uncle

The Monkey's Uncle (III): Täuschung - Die Methode Reagan

http://www.virginmedia.com/images/reagan430x300.jpg

Das "Komitee für Täuschungsoperationen" *

Gestern Abend um 23:00 (!) Uhr lief eine arte-Doku von Dirk Pohlmann, die eigentlich zur besten Sendezeit des ZDF oder der ARD gesendet hätte werden müssen. Denn bei dieser Sendung konnte man viel lernen. Amerikanische Militärs räumen darin ein, in den 80ern Sichtungen angeblich sowjetischer U-Boote vor der schwedischen Küste mit eigenen Booten inszeniert zu haben. Das dadurch erzeugte Bedrohungsgefühl drehte die öffentliche Meinung gegen Olof Palmes Entspannungspolitik. Unterstützt wurden sie dabei von traditionellen schwedischen Machteliten einschließlich Teile des schwedischen Militärs.... (Albrecht Müller bei NDS)

*
- vgl. William J. Casey
- vgl. Update Ukraine (XXXVIII): Дама с собачкой - Oder: Wag The Dog. Spätfolgen
- vgl. The Monkey's Uncle (II), wo erläutert wird, dass the Monkey's Uncle auch bedeutet: Fuck Me Running!
+ vgl. Reagan might have been behind Soviet submarine running aground in Sweden in 1981. By kullin – June 13, 2004 (!!!)
+ vgl. akutell: Brief an finnische Reservisten über Vorbereitung auf Krisensituation; Jens Mattern, tp 04.05.2015

+ noch aktueller: SPON am 06.05.2015: Unterwasser-Objekte, Kampfflieger, Drohungen: Skandinaviens Angst vor Russland - Oder: Wag The Dog. Noch mehr Spätfolgen ...

Archäologie (CCCXCV): A Crazy Jimi Hendrix at the 'Love & Peace Festival' in Germany, 1970

http://2.bp.blogspot.com/-oMiTa6HKgb4/VSqGOhnyrQI/AAAAAAABbB0/YtckuWulV2Y/s1600/Crazy%2BJimi%2BHendrix%2Bat%2Bthe%2B%27Love%2B%26%2BPeace%2BFestival%27%2C%2B1970%2B(1).jpg

http://3.bp.blogspot.com/-5STt7_bmLPE/VSqGPz525tI/AAAAAAABbCE/0TS8tbQiItY/s1600/Crazy%2BJimi%2BHendrix%2Bat%2Bthe%2B%27Love%2B%26%2BPeace%2BFestival%27%2C%2B1970%2B(3).jpg
via vintage everyday

Zwölf Tage später starb Jimi Hendrix in London.

Das Love-and-Peace-Festival war ein Musikfestival mit insgesamt etwa 25.000 Besuchern, das vom 4. bis 6. September 1970 auf der Ostseeinsel Fehmarn beim Leuchtturm Flügge stattfand. Auf dem chaotisch verlaufenden Festival hatte Jimi Hendrix seinen letzten Auftritt.

http://www.fehmarnfestival1970.com/aufkleber_festival_gelb.jpg

Eine liebevoll gemachte Website, sorgfältig dokumentiert, zum Festival finden Sie hier.
Dieses Photo könnte das Zelt von Herrn K., Herrn R. und mir zeigen (in dem wir die meiste Zeit lagen, um es am Abheben zu hindern). Herr G. behauptet bis heute, ich habe einen weißen Mantel getragen ...

http://www.fehmarnfestival1970.com/dayone/festivalplatz_04.09.1970.jpg

Archäologie (CCCXCIV): Orson Welles - The Lives Of Harry Lime (1951 -1952)

http://v016o.popscreen.com/ejRyanZSWEtGMG8x_o_the-lives-of-harry-lime-art-is-long-and-lime---radio-.jpg

Orson Welles reprised his role of Harry Lime from the celebrated 1949 film adaptation of Graham Greene's novel The Third Man. The radio series is a "prequel" to the film, and depicts the many misadventures of con-artist Lime in a somewhat lighter tone than the character's villainy in the film.
Usage Public Domain - Alle 52 Folgen im Internet Archive.
Ich empfehle 52. Greek Meets Greek - 26:37

Asylentscheidungen in Deutschland: "Es zählt die Schilderung"

Heute um 18.40 ein sehr hörenswerter Beitrag von Swantje Unterberg im Deutschlandfunk:
Asylentscheidungen in Deutschland
Unvorbereitet, allein gelassen oder missverstanden


Besonders aufmerksam wurde ich bei dieser Passage - Es zählt die Schilderung:
    Auf Grundlage dieser einmaligen Anhörung prüft Dölz, ob gesetzlich anerkannte Asylgründe vorliegen – wie politische Verfolgung, Zugehörigkeit zu einer unterdrückten sozialen oder ethnischen Gruppe oder krankheitsbedingte Abschiebungsverbote. Und ob die Geschichte des Flüchtlings glaubwürdig ist. Auf handfeste Beweise kann das Amt meist nicht setzen. Also zählt: Ist die Schilderung der Antragsteller detailreich und plausibel: "Es ist ganz oft, dass ich sogar aus einem Land zwei Anhörungen habe, wo ein ähnlicher Vortrag ist, und der eine, der erzählt das ganz oberflächlich und pauschal, wie man so was nacherzählt, wenn man es gehört hat. Und ein anderer erzählt es im Grunde ähnlich, aber er hat es erlebt und das ist ganz anders, was er erzählt, was er für Worte wählt, wie er auch sich benimmt. Ich diktiere das auch mit wie die Körpersprache ist, also wenn er anfängt zu weinen oder wenn er zusammenbricht oder nestelt an seinem Taschentuch, und da sieht man dann schon auch die Unterschiede."
Dies hörend erinnerte ich mich plötzlich an Sätze aus dem Bescheid zu meinem Kriegsdienstverweigerungswiderspruchsverfahren (vom 3. Juni 1970):


    ... Vom Perönlichkeitsbild her ist festzuhalten, daß der Antragsteller der Kammer als aufrichtig, sensibel und idealistisch eingestellt erschien. Gestik und Mimik haben der Kammer gezeigt, daß der Wehrpflichtige hier eine ihn innerlich zutiefst verpflichtende Erkenntnis verfolgt ...
Bis heute finde ich frappierend, wie eine Kammer zu solch einem Urteil kommen kann. Wohl gemerkt: In der ersten Instanz war mein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung (Artikel 4 (3) GG) abgelehnt worden, weil er zu rational und auch politisch vorgetragen worden war.
Ich habe dann in der Beratung für Kriegsdienstverweigerer immer geraten, durch Gestik und Mimik in dem Verfahren, das wirklich so war, wie Degenhardt es verarbeitet hat, etwas zutiefst Innerliches erkennen zu lassen ...

Was mich heute umtreibt ist, dass offensichtlich immer noch nach den gleichermaßen willkürlich intrasparenten Maßstäben entschieden wird, ob einer anerkannt wird oder nicht. Wohlgemerkt: Es geht mir um Kriterien der Anerkennung, - wobei ich mich als Kriegsdienstverweigerer der Endsechziger Jahre der BRD überhaupt nicht vergleichen möchte mit jemandem aus Syrien, der sich heute auf den Artikel 16a GG (der damals nur lautete: Politisch Verfolgte genießen Asylrecht) zu berufen versucht.
    Im vergangenen Jahr wurde ein Drittel der Flüchtlinge anerkannt, ein Drittel abgelehnt. Und bei einem weiteren Drittel hat sich das Verfahren aus formellen Gründen erledigt, etwa weil der Betroffene in ein anderes EU-Land abgeschoben wurde. Aus dem Mund des Bundesamtspräsidenten Schmidt klingen diese Entscheidungen nach einem rationalen Verwaltungsakt. "Es gibt staatliche Entscheidungen, die werden gerichtlich überprüft, und dann steht ein rechtsstaatliches Ergebnis fest."
Hören/lesen Sie also unbedingt nach: Unvorbereitet, allein gelassen oder missverstanden

Basiswissen Asyl und Asylrecht - Pro Asyl

Archäologie (CCCXCIV): Vier Tage im Mai

Kriegsende 1945: Acht russische Soldaten werden von 80 deutschen eingekesselt. Sie belauern sich in dieser Patt-Situation. Zwischen den Fronten agiert Peter (Pawel Wenzel). Er dolmetscht, meldet. und kämpft vor allem für seine etwas ältere Freundin Anna (Angelina Häntsch). Doch er ist noch kein richtiger Mann. Seine Übersetzungen grenzen an die von ‘Das Leben ist schön‘. Erstaunlich gute Einstellungen (Sonnenstrahlen durchs Dach) erleichtern optisch die tragische Lage der beiden Parteien. Doch dann entwickelt sich der Film zu einer Antikriegs-Parabel: die Fronten werden aufgeweicht, Russen kämpfen gegen Russen, die feindlichen Deutschen mittendrin. Das geht ohne Ton, nur mit Musik. Zahllose Tote von allen Parteien liegen umher. Alle zahlen diesen Blutzoll. Sinnlos. Die Kamera streicht über Lebende und Tote, manche erkennt man wieder, manche nicht. Es gibt keine Sieger, keine Verlierer. Ein dumpf, deprimierender Schluss, ohne Kommentar, ohne O-Ton und irgendwie offen.
Die Sinnlosigkeit des Krieges wird deutlich, das Sterben wegen Nichtigkeiten, Geilheit, oder verletztem Stolz. Hier wird von der Hochrechnung der großen Strategien auf das Individuum, das dafür mit seinem Leben bezahlt, runtertransformiert und das manchmal ohne es zu wollen zum Helden wird, wie Hauptmann Kalmykov (Aleksey Guskov). Vier Tage sind eine kleine Zeitspanne, die für den Einzelnen die Welt verändert haben.
(critic.de)

Deutschland, Russland, Ukraine 2011. Regie: Achim von Borries. Darsteller: Pavel Wenzel, Aleksei Guskov, Grigorij Dobrygin, Angelina Häntsch, Gertrud Roll, Alexander Held. Video tgl. ab 20 Uhr, verfügbar bis 10.05.2015 | Quelle: Das Erste


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Der von Deutschland, Russland und der Ukraine* produzierte Film wurde erstmals am 9. August 2011 auf dem Internationalen Filmfestival in Locarno aufgeführt. In Deutschland fand die Erstausstrahlung am 29. September 2011 statt. Weitere Vorführungen fanden am 16. Februar 2012 in Russland, am darauf folgenden Tag in Kasachstan und am 23. Februar 2012 in der Ukraine statt.
__________________
* = Deutscher Filmförderfonds ..., Kultusministerium der Russischen Föderation, Staatliche Filmförderung der Ukraine, so im Vorspann zu lesen; - eine außerordentlich fruchtbare Kooperation, die so wohl nicht mehr möglich ist ... Schade eigentlich! Heute wird das, was der Film verhandelt, unwidersprochen so gesehen: Wir können uns alle sehr gut an den sowjetischen Einmarsch in die Ukraine und nach Deutschland erinnern.
Auch in diesem Sinne - als historisches Dokument - sehr sehenswert.

Archäologie (CCCXCII): The Fall Of Saigon In Vietnam On April 30, 1975

http://www.thomasbopedersen.org/heloevac.jpg-for-web-large.jpg
The last Americans and their Vietnamese dependents are evacuated from the roof of the US Embassy.

+ Vietnam War 40 Years Ago: 75 Breathtaking Color Photos of the Fall of Saigon in April, 1975 (vintage everyday)
+ Fall of Saigon 1975 (ColdWarWarriors/youtube)
+ Archäologie (CCCLXXXVII): Der Vietnamkrieg. When will they ever learn ...

Archäologie (CCCXCIII): Ray Davies

BBC 6 Tom Robinson Show : Hear Tom's candid chat with Ray Davies
BBC Release date: 30 Apr 2015

CRISIS , WHAT CRISIS ? (LXXXVI_reload): Baltimore = Tottenham revisited? Desintegration und Unruhezyklen

Man carried away by police during riots, Baltimore, Maryland, 1968. via reddit
Man carried away by police during riots, Baltimore, Maryland, 1968. - via reddit - HistoryPorn

Reloaded: Ein Beitrag vom 2014-08-20. Immer wieder empfohlen heranzuziehen: Heitmeyers Analyse der Unruhezyklen:

riots-Google-Suche

Können Sie die Bilder unterscheiden? - Los Angeles, Tottenham, Kairo, Athen, Odessa, Ferguson, Baltimore 1969, Baltimore 2015 ... to be continued ...
= Riots!? Is It An 'Uprising' Or A 'Riot'? Depends On Who's Watching (npr)

Wo Ordnungen zerfallen, Eliten versagen, Beziehungen sich auflösen und Wertschätzung ausbleibt, wird Gewalt zu einer höchst attraktiven Quelle der Anerkennung. Die Botschaft .... lautet: "Uns gibt es noch!", schreibt WILHELM HEITMEYER (in der taz vom 25.08.2011), seinen klugen Artikel über Mechanismen der Eskalation einleitend.
Heitmeyer fragt: Wie sind solche Unruhezyklen zu analysieren und zu erklären?
Es sind immer drei zentrale Faktoren zu untersuchen: die gesellschaftlichen Hintergründe, das Agieren politischer Eliten und die Mechanismen der Eskalation. (Klingt banal, ist aber offenbar nicht Standard!) Weiter hier: Mechanismen der Eskalation

Können Sie die Bilder unterscheiden? - Ferguson or Iraq? Photos Unmask the Militarization of America's Police (Mashable)

Vgl. ... Der verwilderte Leviathan.
In Betrachtung der akutellen Krisen- und Kriegsverläufe kann man feststellen, dass einiges für Tomasz Konicz' These spricht:

Die mit der Krise des Kapitals immer stärker um sich greifende Barbarisierung könnte somit den Zivilisationsprozess zwischen zwei Mühlsteinen, die bereits jetzt oft genug in Wechselwirkung treten, zermalmen: dem verwildernden Leviathan und dem blindwütig um sich schlagenden Racket...

________________________________

Zugabe 04/2015:

Ein Kunstwerk zeichnet sich dadurch aus, dass in einem (sprachlichen, musikalischen ...) Bild etwas verdichtet und sinnfällig wird, das Analyse und Begriff so nicht erfassen können und in dem der wunderbare Konjunktiv mitschwingt: Es könnte auch anders sein. Ein Beispiel:
    Randy Newman: Baltimore (1977)

    Beat up little seagull
    On a marble stair
    Tryin' to find the ocean
    Lookin' everywhere

    Hard times in the city
    In a hard town by the sea
    Ain't nowhere to run to
    There ain't nothin' here for free

    Hooker on the corner
    Waitin' for a train
    Drunk lyin' on the sidewalk
    Sleepin' in the rain

    And they hide their faces
    And they hide their eyes
    'Cause the city's dyin'
    And they don't know why

    Oh Baltimore
    Man it's hard just to live
    Oh, Baltimore
    Man, it's hard just to life, just to live

    Get my sister Sandy
    And my little brother Ray
    Buy a big old wagon
    To haul us all away

    Live out in the country
    Where the mountain's high
    Never comin' back here
    'Til the day I die

    Oh, Baltimore
    Man, it's hard just to live
    Oh, Baltimore
    Man, it's hard just to live, just to live

    Copyright Disclaimer Under Section 107 of the Copyright Act 1976, allowance is made for "fair use" for purposes such as criticism, comment, news reporting, teaching, scholarship, and research. Fair use is a use permitted by copyright statute that might otherwise be infringing. Non-profit, educational or personal use tips the balance in favor of fair use.

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Das folgende Video scheint mir ein schönes Beispiel dafür zu sein, dass es bei youtube echte Kunstwerke zu entdecken gibt:


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Eine tolle Bebilderung der - i.Ü. großartigen - Interpretation des Liedes von Nina Simone mit privaten Photos des Uploaders: Baltimore through my lens around 1969. The photos of the police on E. Chase Street were taken the day after MLK's assassination. They were sent to protect us from us. Of course this was long before the riverfront revitilization. That is why you see a few pictures of drunks and beggars. don't think that exists downtown anymore ...
Faszinierend: Bei jedem Photo hat man das Gefühl, es müsste etwas erzählt werden. Hier und da deutet sich beim Betrachten eine mögliche Erzählung an. Das Bedürfnis, etwas erzählt zu bekommen, wird immer drängender. Aber die Geschichte muss verborgen bleiben, weil sie nur erzählt werden könnte von denen, die abgebildet sind, oder von dem, der die Bilder gemacht hat. Der aber, als er sie gemacht hat, vermutlich auch keine Erzählung bebildert hat, sondern nur Augenblicke festgehalten hat. Dennoch entsteht so etwas wie ein Roman im Kopf ... faszinierend!

+ Udo Lindenberg - Baltimore (dt. Text Horst Königstein!)
+ Tamlins Feat. Sly & Robbie - Baltimore

Nachwort:

... Get my sister Sandy
And my little brother Ray
Buy a big old wagon
To haul us all away

Live out in the country
Where the mountain's high
Never comin' back here
'Til the day I die


Meine Schwester Sandy und mein kleiner Bruder Gregg
ich kauf' ein altes Auto, das bringt uns ganz weit weg
in die höchsten Berge und in das weite Land
da bleiben wir für immer
komm, nimm meine Hand ...


Die Vorstellung, die Hoffnung, es könnte auch anders sein, scheint sich in Baltimore erledigt zu haben. Wenn das alte Auto ein Boot ist, das die Schwester und den Bruder über's Meer bringen soll, ganz weit weg, nicht in die höchsten Berge, aber in das weite Land, dann gibt es sie immer noch. Hier an den Grenzen der Fortress Europe ...

Nachträge:


#BaltimoreUprising isn’t just about Baltimore - via disinformation

BALTIMORE (PRINCE feat. Eryn Allen Kane)

BANKSPEAK - The Language of World Bank Reports: Die Inflation des "und" zur Koppelung von Begriffen ohne erkennbaren Zusammenhang

Eine unglaublich spannende Analyse der Sprache der Weltbank. Erstaunlich, was quantitative linguistic analysis ans Licht bringen kann. (Hätte ich nicht gedacht):

New Left Review 92, March-April 2015
Franco Moretti & Dominique pestre
BANKSPEAK
The Language of World Bank Reports
    What can quantitative linguistic analysis tell us about the operations and outlook of the international financial institutions? At first glance, the words most frequently used in the World Bank’s Annual Reports give an impression of unbroken continuity. [1] Seven are near the top at any given time: three nouns—bank, loan/s,development—and four adjectives: fiscal, economic, financial, private. This septet is joined by a handful of other nouns: ibrd, countries, investment/s, interest, programme/s, project/s, assistance, and—though initially less frequent—lending, growth, cost, debt, trade, prices. There is also a second, more colourless set of adjectives—other, new, such, net, first, more, general—plus agricultural, partly replaced from the 1990s by rural. [2] The message is clear: the World Bank lends money for the purpose of stimulating development, notably in the rural South, and is therefore involved with loans, investments and debts. It works through programmes and projects, and considers trade a key resource for economic growth. Being concerned with development, the Bank deals with all sorts of economic, financial and fiscal matters, and is in touch with private business. All quite simple, and perfectly straightforward.

    And yet, behind this façade of uniformity, a major metamorphosis has taken place. Here is how the Bank’s Report described the world in 1958:

    The Congo’s present transport system is geared mainly to the export trade, and is based on river navigation and on railroads which lead from river ports into regions producing minerals and agricultural commodities. Most of the roads radiate short distances from cities, providing farm-to-market communications. In recent years road traffic has increased rapidly with the growth of the internal market and the improvement of farming methods.

    And here is the Report from half a century later, in 2008:

    Countries in the region are emerging as key players on issues of global concern, and the Bank’s role has been to support their efforts by partnering through innovative platforms for an enlightened dialogue and action on the ground, as well as by supporting South–South cooperation.

    It’s almost another language, in both semantics and grammar. The key discontinuity, as we shall see, falls mostly between the first three decades and the last two, the turn of the 1990s, when the style of the Reports becomes much more codified, self-referential and detached from everyday language. It is this Bankspeak that will be the protagonist of the pages that follow....
    (Open as a PDF/ Save a PDF file)
Eines der interessantesten Ergebnisse:

Das am häufigsten vorkommendes Wort überhaupt ist nicht, wie sonst in der englischen Sprache, das "the". Es ist das "and", das eine stetig wachsende Zahl von abstrakten Begriffen auch dann zu Aufzählungen koppeln muss, wenn die Glieder keinen erkennbaren Zusammenhang haben.
"Bankspeak", so das Fazit der Autoren, ist eine Sprache. in der alle ökonomischen und politischen Prozesse der Welt, an denen die Weltbank Anteil hat, vor allem eins sind: alternativlos.
(Das Verblassen der physischen Welt, Süddeutsche Zeitung pay)


How the language you speak changes your view of the world - via Mrs BBH

Wenn ein Millionenheer von Flüchtlingen ... (VIII): Not-wendige Klarstellungen: «Si les gens qui meurent étaient des Blancs, la Terre entière tremblerait» - Flucht der "Überflüssigen"


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    1 700 migrants ont perdu la vie en deux semaines en Méditerranée. Selon le Haut-commissariat aux réfugiés, 35 000 migrants sont arrivés par bateau dans le sud de l’Europe depuis le début de l’année. Fatou Diome, auteure du livre Impossible de grandir publié en 2013, était l’invitée vendredi 24 avril de Ce soir (ou jamais) ! sur France 2. Sujet du jour : «Après le drame de Lampedusa, peut-on accueillir toute la misère du monde ?» Indignée par le silence de l’Union européenne (UE) et celui de l’Union africaine (UA), la femme de lettres a levé la voix pour dénoncer la situation des migrants en Méditerranée.

    «Les gens, là, qui meurent sur les plages, et je mesure mes mots, si c’étaient des Blancs, la terre entière serait en train de trembler. Ce sont des Noirs et des Arabes, alors eux, quand ils meurent, ça coûte moins cher», lance-t-elle, furieuse. L’écrivaine franco-sénégalaise dénonce avec force l'«hypocrisie» européenne.
    «On ne peut pas trier les étrangers utiles et les étrangers néfastes»

    «Si on voulait sauver les gens dans l’Atlantique, dans la Méditerranée, on le ferait, parce que les moyens qu’on a mis pour Frontex, on aurait pu les utiliser pour sauver les gens», enchaîne-t-elle dans un monologue passionné. «Mais on attend qu’ils meurent d’abord. C’est à croire que le "laisser mourir" est même un outil dissuasif. Et je vais vous dire une chose : ça ne dissuade personne, parce que quelqu’un qui part et qui envisage l’éventualité d’un échec, celui-là peut trouver le péril absurde, et donc l’éviter. Mais celui qui part pour la survie, qui considère que la vie qu’il a à perdre ne vaut rien, celui-là, sa force est inouïe parce qu’il n’a pas peur de la mort.»

    «On ne peut pas trier les gens, avec les étrangers utiles et les étrangers néfastes», a-t-elle encore insisté. «Quand ils [les Européens] trouvent que mon cerveau est convenable, là ils l’utilisent. Par contre, ils sont embêtés à l’idée d’avoir mon frère, qui n’est pas aussi diplômé que moi.» Et de conclure : «On sera riche ensemble, ou on va se noyer tous ensemble.» La démonstration laisse sans voix les autres intervenants.... (Libération Video, 27 avril 2015)
Auch die Tagesschau berichtete (28.04.2015 11:52 Uhr). Interessant sind hier wieder einmal die Kommentare (wobei auffällt, dass je mehr Phrasenauswurf und Wortkotze - syntaktisch hemmungslos und mit schwach verankerten Sinngeländern -, desto geringer die Kenntnisse der Zeichensetzung und Rechtschreibung).

«Si les gens qui meurent étaient des Blancs, la Terre entière tremblerait»

Tomasz Konicz (Telepolis, 28.04.2015: Flucht der "Überflüssigen") liefert die notwendigen Fakten und die Analyse:
    Sind es Hunderttausende oder gar Millionen von verzweifelten Menschen, die an der Südküste des Mittelmeeres bereit sind, ihr Leben auf Spiel zu setzen, um der Hölle der beständig expandierenden Zusammenbruchsregionen in der Peripherie einer kollabierenden Weltunordnung zu entkommen?

    Die europäische Grenzschutzagentur Frontex rechnet mit 500.000 bis einer Million Menschen, die in diesem Jahr die mörderische Überfahrt wagen könnten. Damit dürften sich die Flüchtlingszahlen mehr als verdoppeln, da Frontex 2014 rund 218.000 Flüchtlinge zählte.

    Der rasche Anstieg dieser Fluchtbewegung wird aber erst aus längerfristiger Perspektive deutlich: 2010 wurden nur 10.000 Menschen bei ihrem Fluchtversuch über das Mittelmeer erfasst. Die Flüchtlingsströme schwollen im Zuge des "Arabischen Frühlings" 2011 auf 70.000 Boatpeople an, um dann im folgenden Jahr auf 22.000 erfasste Fälle abzusinken. 2013 wurden dann wieder 60.000 Mittelmeer-Flüchtlinge gezählt.

    Die europäische "Flüchtlingskrise" bildet dabei den Brennpunkt einer verhängnisvollen globalen Tendenz: Die Zahl der Flüchtlinge steigt global steil an, wie der UNHCR in seinem letzten Bericht Mitte 2014 warnte. Mehr als 50 Millionen Menschen befanden sich Ende 2013 auf der Flucht, was einen neuen Rekordwert seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges markierte - und es gilt als sicher, dass diese Horrorzahlen auch in 2014 und in diesem Jahr noch überboten werden.

    Selbstverständlich bilden die "gescheiterten Staaten" in den Zusammenbruchsgebieten des kapitalistischen Weltmarktes die wichtigsten Herkunftsregionen der global ansteigenden Fluchtbewegungen: Laut UNHCR sind dies unter anderem Afghanistan, Syrien, Somalia, Sudan, die Demokratische Republik Kongo und der Irak.

    Entgegen der landläufigen Meinung sind nicht die Zentren, sondern Länder in der Peripherie des kapitalistischen Weltsystems von den Folgen dieser Flüchtlingskrise hauptsächlich betroffen. Die fünf größten Aufnahmeländer für Flüchtlinge sind laut den Vereinten Nationen Pakistan, Iran, Libanon, Jordanien und die Türkei.

    Dies bedeutet selbstverständlich, dass die globale Flüchtlingskrise noch ein ungeheueres Eskalationspotenzial aufweist, da etliche der Länder, die bislang die Hauptlast der global anschwellenden Flüchtlingsströme getragen haben, wie etwa Pakistan oder Libanon, selber von staatlichen Erosionsprozessen und zunehmenden bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen gekennzeichnet sind, so dass hier mittelfristig weitere Fluchtbewegungen zu erwarten sind.

    Diesen verzweifelten, ausgestoßenen Menschenmassen eines in Agonie befindlichen kapitalistischen Weltsystems bleibt keine andere Option als die lebensgefährliche Flucht in die wenigen Zentren, die noch nicht in Anomie versinken.

    Das global anschwellende Flüchtlingselend stellt das Endprodukt der Weltkrise des Kapitals dar, das - an seinen inneren und äußeren Widersprüchen kollabierend - eine buchstäblich überflüssige Menschheit produziert. Es liegt ja offen auf der Hand, dass die zunehmenden globalen Fluchtbewegungen eine Folge der Zusammenbrüche staatlicher Herrschaft in der Peripherie des kapitalistischen Weltsystems darstellen, die inzwischen in einem atemberaubenden Tempo voranschreiten (Mad Max im Zweistromland)....
Lesebefehl!!
__________________________________________

+ In der Hörbuch-Reihe "Afrika erzählt" liest Martina Gedeck den Roman "Der Bauch des Ozeans" der senegalesischen Autorin Fatou Diome.

+ Die Suche nach »Wenn ein Millionenheer von Flüchtlingen« hat bei GBlog 10 Resultate geliefert.

+ Die Geheimdienste kennen die Schlepperbanden und ihre Komplizen im Ausland, Ablägehäfen, Bootsplätze und so weiter schon seit Jahren. (Basler Zeitung, 21.04.2015 - via Fefe)
    Glaubt man den italienischen Zeitungen, dann wissen die nationalen Geheimdienste genau Bescheid über die Banden und Milizen, über deren Köpfe und Komplizen im Ausland, über die Bootsplätze und Ablegehäfen im Westen Libyens, zwischen Zuwara und Zawiya, zwischen Khoms und Misrata. Offenbar geht das Wissen so weit, dass die Italiener über die Handynummern der Bosse verfügen. Und mit jeder Razzia unter den Verbindungsleuten in Italien er­fahren sie mehr.

    Am Sonntag nahm die italienische Polizei auf Anordnung der Staatsanwaltschaft von Palermo 24 Personen fest, die «wie eine Reiseagentur» für Migranten gearbeitet haben soll, all inclusive gewissermassen: vom Ursprung der Flucht in Afrika oder im Nahen Osten über Libyen, Italien bis nach Deutschland, Holland, Schweden, Norwegen. Die Ermittler haben die Geldströme verfolgt. Sie verdächtigen die Gruppe, eine kriminelle Organisation gebildet zu haben, um Profit zu schlagen aus der klandestinen Einwanderung. Mafia eben...
fancy-dress-outfits

Define: Völkermord

Bundesregierung: Deutschland hat keinen Völkermord an Herero und Nama begangen
    Die brutale Niederschlagung des Aufstandes der Volksgruppen der Herero und Nama durch deutsche Kolonialtruppen zwischen 1904 und 1908 im damaligen Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, kann nach Auffassung der Bundesregierung nicht nach den heute geltenden Regeln des humanitären Völkerrechts bewertet und daher auch nicht als Völkermord eingestuft werden. In einer Antwort (17/10481) auf eine Kleine Anfrage (17/10407) der Fraktion Die Linke erklärt sie, dass die für die Bundesrepublik Deutschland erst am 22. Februar 1955 in Kraft getretene Konvention vom 9. Dezember 1948 über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes nicht rückwirkend gelte. Auf historische Ereignisse, die vorher stattgefunden haben, könne sie daher nicht angewendet werden. Konkret schreibt sie: „Bewertungen historischer Ereignisse unter Anwendung völkerrechtlicher Bestimmungen, die im Zeitpunkt der Ereignisse weder für die Bundesrepublik Deutschland noch für irgendeinen anderen Staat in Kraft waren, werden von der Bundesregierung nicht vorgenommen.“ Was die historischen Fakten betreffe, so seien diese Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung.
Deutscher Bundestag: Menschenrechte/Antwort - 21.08.2012 (via Fefes Blog)

So wird denn auch das Steinmeier-Gestammel vom 19./04. erst so völlig verständlich: „Bewertungen historischer Ereignisse unter Anwendung völkerrechtlicher Bestimmungen, die im Zeitpunkt der Ereignisse weder für die Bundesrepublik Deutschland noch für irgendeinen anderen Staat in Kraft waren, werden von der Bundesregierung nicht vorgenommen.“:

"Man kann das, was damals geschehen ist, in dem Begriff des Völkermords zusammenfassen wollen, und ich kann die Gründe dafür und erst recht die Gefühle dazu gut verstehen."

Wenn nämlich die für die Bundesrepublik Deutschland erst am 22. Februar 1955 in Kraft getretene Konvention vom 9. Dezember 1948 über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes nicht rückwirkend gilt, dann ist diese BRD als völkerrechtliches Subjekt auch nicht mehr haftbar zu machen für den Völkermord des faschistischen Deutschland. Man nuss dann nur noch die Gründe dafür und erst recht die Gefühle dazu (das man das so sieht) gut verstehen.
"... noch für irgendeinen anderen Staat" kann also aktuell für die Türkei reklamiert werden, meint aber grundsätzlich eher das Deutsche Reich!
Insofern stellt sich die Frage, was es völkerrechtlich bedeutet, dass - nach geltender Rechtsprechung - die Bundesrepublik nicht der Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs, sondern mit ihm (teil)identisch ist . Und ob es dann wurst wäre, wann für die BRD ihrem seltsamen Selbstverständnis nach die Konvention in Kraft getreten ist, oder ob die wegen der (Teil-)Identität tatsächlich für das Deutsche Reich erst 1955 in Kraft getreten ist.
Fuck me running, - welche Sprengsätze in so einem Steinmeier-Geschwurbel verborgen sind ... Offensichtlich werden hier Pflöcke eingeschlagen mit Blick auf ausstehende Reparationsforderungen ...
    Das Grundgesetz - nicht nur eine These der Völkerrechtslehre und der Staatsrechtslehre! - geht davon aus, daß das Deutsche Reich den Zusammenbruch 1945 überdauert hat und weder mit der Kapitulation noch durch Ausübung fremder Staatsgewalt in Deutschland durch die alliierten Okkupationsmächte noch später untergegangen ist; das ergibt sich aus der Präambel, aus Art. 16, Art. 23, Art. 116 und Art. 146 GG. Das entspricht auch der ständigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, an der der Senat festhält. Das Deutsche Reich existiert fort... (!) [BVerfGE 36, 1 - Grundlagenvertrag]

Das Deutsche Reich existiert fort...

Ein Erzählen, das in der Sprache versucht, die Biographie der Wörter zu vergegenwärtigen - Uwe Timm (nachträglich) zum 75. Geburtstag

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a1/Uwe_Timm%2C_Frankfurter_Buchmesse_2013_1.jpg/640px-Uwe_Timm%2C_Frankfurter_Buchmesse_2013_1.jpg

Uwe Timm war kürzlich hier zu einer Lesung und es war ein wunderbares Erlebnis, ihn wieder einmal als Freund und Vertrauten (wir kennen uns gar nicht) zu erleben.
Dass ich das so empfinde, liegt einerseits daran , dass wir z.T. die gleichen Bekannten und Freunde haben (wenn ich ein freundschaftliches Verhältnis des Autors zu seinen Figuren unterstellen darf): ich kannte jedenfalls Kerbel recht gut, Ullrich war ich in Teilen selbst, und ich kannte auch Aschenberger – ich darf sagen – sehr gut (er setzt sich aus HP Bastian, der schon 1975 an Krebs verstarb, und Manfred Lauermann zusammen). Thomas Linde ist mir nicht so nah, aber ich muss gestehen, dass ich bei ihm Rat und Hilfe gefunden habe, als ich einmal die Trauerrede für eine langjährige Freundin und Kollegin halten durfte, die mit 52 Jahren an Krebs verstarb ...
Den anderen Grund für dieses Gefühl der Vertrautheit, vielleicht besser: des Vertraut-Seins vermute ich darin, dass ich als Lesender Uwe Timms Entwicklung als Schreibender und als an einer Haltung Arbeitender über 40 Jahre verfolgen konnte.
Das eine hat mir immer Vergnügen bereitet, das andere (aber das ist ja nicht zu trennen) habe ich immer sympathisch gefunden und mich darin auch wiedergefunden:

An einer Haltung arbeiten.
    "Man kann das schon bei Kindern beobachten, wenn sie aus Lust heraus hemmungslos schwindeln. Sie durchbrechen damit ja spielerisch den Druck der Notwendigkeit, dass alles so ist, wie es ist und vor allem: so sein soll. Es ist die phantasievolle Gegenwehr durch Erzählen, und so beginnt der wunderbare Konjunktiv. Es könnte auch anders sein. Darin liegt das utopische Moment von Literatur, und das ist ganz unabhängig von dem jeweiligen Inhalt."

Die Zartheit des Konjunktivs. Von Anahita Babakhani und Christof Hamann im Deutschlandfunk


Wenn Sie Uwe Timm beser kennen lernen wollen oder ihn schon kennen und gern sehen und hören, empfehle ich Uwe Timm - Lesung und Gespräch mit Christof Hamann:


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Interessant und aktuell auch:
Flüchtlingslager - Uwe Timm war eine Woche im Flüchtlingslager Breidjing im Tschad (ARTE)
5 Tage im Lager Breidjing

It's much more fun when you fuck it up

'It's much more fun when you fuck it up,' John Cleese tells a theatre audience in New York. He was speaking on stage at the Beacon Theater in New York City on Friday night alongside the other four surviving members of the Monty Python comedy troupe. Michael Palin, John Cleese, Eric Idle, Terry Jones and Terry Gilliam were reunited for a panel discussion at the Tribeca film festival - via The Guardian + dort anzusehen!

Die Scham nach dem, was sie Gedenken nennen ... Ravensbrück revisited

Vor 70 Jahren befreiten sowjetische Soldaten das Konzentrationslager Ravensbrück. Sie fanden etwa 2.000 kranke und gebrechliche Frauen, die die Nazis auf ihrer Flucht zurückgelassen hatten. Mindestens 28.000 Menschen sollen in Ravensbrück ermordet worden sein.
An diesem Wochenende wurde der Opfer gedacht. (rbb)

Und zwar so

... am Tisch der Lebensgefährtin des Herrn Gauck:
http://img.welt.de/img/deutschland/crop140120435/7770198099-ci3x2l-w780/ONLINE.jpg
... und so an den Tischen der 89 Ravensbrück-Überlebenden, die zur Feier kamen und Essensmarken bekamen.

"Es gibt zwei Gerüche, die ich nie vergessen werde: Das ist Chlor und wie es riecht, wenn Fleisch brennt."

Die Scham nach dem, was sie Gedenken nennen

... (Zeit / Spiegel)

Mit Scham ist's nicht getan. Es braucht Deserteure. Mein Kompliment an Hannah Rainer!

Les déserteurs

Esther Bejarano mit ihren Kindern und Microphone Mafia von dem Album „Per La Vita"


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"Les déserteurs", c’est le nom fictif d’un café légendaire d’Alger où se seraient croisés un soir, de grands poètes et de grands chanteurs , tels que Georges Brassens, Léo Ferré, Boris Vian, Louis Aragon, Bernard Lavilliers, Jean Ferrat ou encore le Grand Jacques.

HK présente Les déserteurs



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Archäologie (CCCXCI ): Fahrkarten von Thessaloniki nach Auschwitz

http://www.zug-der-erinnerung.eu/Bilder/salonika_holocaust12b.jpg
Foto: Fahrkarten von Thessaloniki nach Auschwitz (C: Staatliches Museum Auschwitz).
    In einem gemeinsamen Schreiben haben sich die deutsche Bürgerinitiative „Zug der Erinnerung“ und die Jüdische Gemeinde von Thessaloniki an den Vorstand der Deutschen Bahn AG (DB AG) gewandt. Die DB AG wird aufgefordert, sämtliche Einnahmen aus den antisemitischen Massendeportationen im besetzten Griechenland „vollständig zu kompensieren“, da die DB AG historische Erbin der NS-Reichsbahn ist.

    Die NS-Reichsbahn verschleppte 1943 über 58.000 griechische Juden in die Vernichtungslager Auschwitz und Treblinka, darunter mindestens 12.000 Kinder und Jugendliche. Die Opfer wurden dem sofortigen Tod in den Gaskammern ausgeliefert; nur wenige überlebten.

    Für die Todesfahrten stellte die Reichsbahn mindestens 570 Güterwagen bereit, um die jüdischen Einwohner von Thessaloniki den Massenmorden zuzuführen. Weitere kriminelle Transporte galten den jüdischen Gemeinden von Kreta, Korfu, Rhodos und Ioannina.

    Ihre Mordbeihilfe ließ sich die Reichsbahn bezahlen. Das staatseigene Unternehmen nahm von den Opfern und deren Vertretungskörperschaften mindestens 2,3 Millionen Reichsmark ein, heißt es in dem gemeinsamen Schreiben an den DB-Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube.

    Dies entspräche nach heutiger Kaufkraft und einschließlich der seit 1943 aufgelaufenen Zinsen in Höhe von 2,5% einem kumulierten Gesamtbetrag von 89.455.280.- Euro (Neunundachtzig Millionen vierhundertfünfundfünzigtausend und zweihundertundachtzig Euro). Er müsse der Jüdischen Gemeinde von Thessaloniki, der rechtmäßigen Vertretung der Ermordeten, vollständig und ohne Umwege zurückgezahlt werden. (trueten.de)
Gemeinsam mit der Bürgerinitiative "Zug der Erinnerung" und der Jüdischen Gemeinde von Thessaloniki fordere ich von der Deutschen Bahn AG und ihrer Eigentümerin, die verzinsten Fahrtkosten für die Massendeportationen aus Griechenland nach Auschwitz und Treblinka in vollem Umfang, ohne Umwege und unverzüglich an die Jüdische Gemeinde von Thessaloniki zurückzuerstatten.
Ich unterzeichne

Vgl. Archäologie (CCCLXXVI): Die Enteignung und Ermordung griechischer Juden zur Stützung der inflationsgefährdeten Drachme zur Finanzierung der Besatzungskosten der Wehrmacht - Enteignungen, Deportationen und Massenmorde als Quelle der deutschen Staatsfinanzen

Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

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