CRISIS , WHAT CRISIS ? (LVII): Nachlese
Zwei Wochen keine (deutsche) Zeitung gelesen, kein Zugang zum Internet: Anything new under the sun?
1. "Tischreise oder Bekomme den Platz von Professor Sauer!" Ein Brettspiel für die ganze Gesellschaft zur spielerischen Überwindung der eigenen Exklusionserfahrung
Matthias Dell machte im Freitag vom 02.08. Vorschläge zum Umgang mit den nun veröffentlichten Dokumenten zum „Abendessen zu Ehren von Herrn Dr. Ackermann, am Die., 22. April 2008, 19:00 Uhr, Bundeskanzleramt, 8. OG“. Sehr anregend auch seine Interpretation der Tischordnung des Abends mit Hilfe elementarer Benimmregeln ...

Grafik: Der Freitag
2. Target2
Michael Jäger erläutert in derselben Ausgabe des Freitag, was es mit dem Target2-Saldo auf sich hat. Nützlich zum besseren Verständnis des kursiernden Un-Sinns und der aktuellen Jubelmeldungen (Hurra, wir sind Weltmeister!) ...
3. UmFAIRteilen?

Inzwischen hat sich, wie ich lese, auch Herr Gabriel der Forderung angeschlossen, die ja erstmal sympathisch rüberkommt: Man kennt das von FairTrade, dass der Neger auch was für die Banane, die Rose, die Bohne oder das T-Shirt bekommen soll, und so ganz soll man sich der Logik nicht verschließen können, dass es irgendwie fair zugehen soll (wo doch auch gerade Olympische Spiele sind!).
Ganz abgesehen von der traurigen Grafik zur Aktion, die - bitte - was aussagt: Dass die Omma mit dem Rollator einkaufen fährt und der Oppa oder der Junior mit dem Rolls? - Was unser Mitleid erregt? Oder eher die neuere Variante der Anti-Compassion anregt!?
- und trotz aller interessanten Information : Es erinnert alles ein wenig an die 50er Jahre: Wir bitten den Sozialpartner um Verständnis, dass wir fair behandelt werden möchten ... Ich fürchte, die beteiligten DGB-Gewerkschaften und die Bündnispartner haben noch nicht mitbekommen: La Fin Du Bal - Das Ende der Nachkriegsdemokratie!
Vgl. auch Albrecht Müller: Wo sind eigentlich die deutschen Gewerkschaften? (nds)
Hartmut Finkeldey verweist in diesem Zusammenhang auf die Blogbeiträge unseres Sonderkorrespondenten Dr. Karl Marx (Brüssel, London), die nicht an Aktualität verlieren:
Wie man in der Krisenanalyse - anders als z. B. Streeck (s. u. Wolfgang Streeck: Die Geldunion selbst ist das Problem) - die Frage nach Macht und Interesse im anthropologischen Nebel auflöst, um im Denkwerk Zukunft die Funktionsfähigkeit einer Gesellschaft auch unter Bedingungen wirtschaftlicher Stagnation und selbst Schrumpfung aufrechtzuerhalten, demonstriert Meinhard Miegel im FAZ-Gespräch vom 11.08.; - u. a. mit einer "mental-kulturellen Geldtheorie":
Miegels Schlussfolgerungen lassen sich im Übrigen lesen als Beiträge zum ideologischen Überbau des Merkelianismus (Seeßlen).
Klartext spricht Broder:
Nordeuropa arbeitet – und zahlt für den Süden
Südeuropas Kaffeehauskultur ist lustiger als die Disziplin des Nordens. Doch mit dem Versuch, die Lebensverhältnisse in Europa zu homogenisieren, wird die Rechnung an den Norden weitergereicht. Von Henryk M. Broder
... und der Autor freut sich wahrscheinlicfh noch über zustimmende Wortkotze wie diese, die er provoziert:
Ich hatte im Urlaub die Möglichkeit das neue Buch von Herrn Broder zu lesen: " Vergesst Ausschwitz!" und war über seine Denkweise und seine klare und rationale Aussprache und Sichtweise sehr beeindruckt. Danke für die spassigen Stunden am Stand von Mallorca.
*
Prädikat: "Lesenwert"
*
Beispiel: Die Deutschen leiden an Hitler wie andere an Schuppenflechte. Aus dem Versuch, sich gegen die eigene Geschichte zu immunisieren, ist eine Autoimmunkrankheit geworden. Immer steht das Nazi-Menetekel an der Wand.
Schön, dass sich dieser Deutsche am Strand von Mallorca an Broders Schuppenflechten-Bratze aufgeilen konnte. Hatte der nichts anderes zu tun?
1. "Tischreise oder Bekomme den Platz von Professor Sauer!" Ein Brettspiel für die ganze Gesellschaft zur spielerischen Überwindung der eigenen Exklusionserfahrung
Matthias Dell machte im Freitag vom 02.08. Vorschläge zum Umgang mit den nun veröffentlichten Dokumenten zum „Abendessen zu Ehren von Herrn Dr. Ackermann, am Die., 22. April 2008, 19:00 Uhr, Bundeskanzleramt, 8. OG“. Sehr anregend auch seine Interpretation der Tischordnung des Abends mit Hilfe elementarer Benimmregeln ...

Grafik: Der Freitag
2. Target2
Michael Jäger erläutert in derselben Ausgabe des Freitag, was es mit dem Target2-Saldo auf sich hat. Nützlich zum besseren Verständnis des kursiernden Un-Sinns und der aktuellen Jubelmeldungen (Hurra, wir sind Weltmeister!) ...
3. UmFAIRteilen?

Inzwischen hat sich, wie ich lese, auch Herr Gabriel der Forderung angeschlossen, die ja erstmal sympathisch rüberkommt: Man kennt das von FairTrade, dass der Neger auch was für die Banane, die Rose, die Bohne oder das T-Shirt bekommen soll, und so ganz soll man sich der Logik nicht verschließen können, dass es irgendwie fair zugehen soll (wo doch auch gerade Olympische Spiele sind!).

- und trotz aller interessanten Information : Es erinnert alles ein wenig an die 50er Jahre: Wir bitten den Sozialpartner um Verständnis, dass wir fair behandelt werden möchten ... Ich fürchte, die beteiligten DGB-Gewerkschaften und die Bündnispartner haben noch nicht mitbekommen: La Fin Du Bal - Das Ende der Nachkriegsdemokratie!
Vgl. auch Albrecht Müller: Wo sind eigentlich die deutschen Gewerkschaften? (nds)
Hartmut Finkeldey verweist in diesem Zusammenhang auf die Blogbeiträge unseres Sonderkorrespondenten Dr. Karl Marx (Brüssel, London), die nicht an Aktualität verlieren:
- Durch ihre Finanznot war die Julimonarchie von vorn herein abhängig von der hohen Bourgeoisie, und ihre Abhängigkeit von der hohen Bourgeoisie wurde die unerschöpfliche Quelle einer wachsenden Finanznot. Unmöglich, die Staatsverwaltung dem Interesse der nationalen Produktion unterzuordnen, ohne das Gleichgewicht im Budget herzustellen, das Gleichgewicht zwischen Staatsausgaben und Staatseinnahmen. Und wie dies Gleichgewicht herstellen ohne Beschränkung des Staatsaufwandes, d.h. ohne Interessen zu verletzen, die ebenso viele Stützen des herrschenden Systems waren, und ohne die Steuerverteilung neu zu regeln, d.h. ohne einen bedeutenden Teil der Steuerlast auf die Schultern der hohen Bourgeoisie selbst zu wälzen?
Die Verschuldung des Staates war vielmehr das direkte Interesse der durch die Kammern herrschenden und gesetzgebenden Bourgeoisfraktion. Das Staatsdefizit, es war eben der eigentliche Gegenstand ihrer Spekulation und die Hauptquelle ihrer Bereicherung. Nach jedem Jahre ein neues Defizit. Nach dem Verlaufe von vier bis fünf Jahren eine neue Anleihe. Und jede neue Anleihe bot der Finanzaristokratie neue Gelegenheit, den künstlich in der Schwebe des Bankerotts gehaltenen Staat zu prellen – er mußte unter den ungünstigsten Bedingungen mit den Bankiers kontrahieren. Jede neue Anleihe gab eine zweite Gelegenheit, das Publikum, das seine Kapitalien in Staatspapiere angelegt, durch Börsenoperationen zu plündern, in deren Geheimnis Regierung und Kammermajorität eingeweiht waren. Überhaupt bot der schwankende Stand des Staatskredits und der Besitz der Staatsgeheimnisse den Bankiers wie ihren Affiliierten in den Kammern und auf dem Throne die Möglichkeit, außerordentliche, plötzliche Schwankungen im Kurse der Staatspapiere hervorzurufen, deren stetes Resultat der Ruin einer Masse kleinerer Kapitalisten sein mußte und die fabelhafte schnelle Bereicherung der großen Spieler. War das Staatsdefizit das direkte Interesse der herrschenden Bourgeoisfraktion, so erklärt es sich, wie die außerordentlichen Staatsverwendungen in den letzten Regierungsjahren Louis-Philippes bei weitem um das Doppelte die außerordentlichen Staatsverwendungen unter Napoleon überstiegen, ja beinah jährlich die Summe von 400 Millionen frs. erreichten, während die jährliche Gesamtausfuhr Frankreichs im Durchschnitt sich selten zur Höhe von 750 Millionen frs. erhob. Die enormen Summen, die so durch die Hände des Staates flossen, gaben überdem Gelegenheit zu gaunerischen Lieferungskontrakten, Bestechungen, Unterschleifen, Spitzbübereien aller Art. Die Übervorteilung des Staates, wie sie durch die Anleihen im Großen geschah, wiederholte sich bei den Staatsarbeiten im Detail. Das Verhältnis zwischen Kammer und Regierung vervielfältigte sich als Verhältnis zwischen den einzelnen Administrationen und den einzelnen Unternehmern.
Wie die Staatsverwendungen überhaupt und die Staatsanleihen, so exploitierte die herrschende Klasse die Eisenbahnbauten. Dem Staate wälzten die Kammern die Hauptlasten zu, und der spekulierenden Finanzaristokratie sicherten sie die goldenen Früchte. Man erinnert sich der Skandale in der Deputiertenkammer, wenn es gelegentlich zu Vorschein kam, daß sämtliche Mitglieder der Majorität, ein Teil der Minister eingerechnet, als Aktionäre bei denselben Eisenbahnbauten beteiligt waren, die sie hinterher als Gesetzgeber auf Staatskosten ausführen ließen.
Wie man in der Krisenanalyse - anders als z. B. Streeck (s. u. Wolfgang Streeck: Die Geldunion selbst ist das Problem) - die Frage nach Macht und Interesse im anthropologischen Nebel auflöst, um im Denkwerk Zukunft die Funktionsfähigkeit einer Gesellschaft auch unter Bedingungen wirtschaftlicher Stagnation und selbst Schrumpfung aufrechtzuerhalten, demonstriert Meinhard Miegel im FAZ-Gespräch vom 11.08.; - u. a. mit einer "mental-kulturellen Geldtheorie":
- ... Menschen, die über eine gemeinsame Währung verfügen, sollten sich in kulturellem Gleichklang befinden und sehr ähnliche Wertvorstellungen haben. Vor allem aber müssen sie so vertraut miteinander sein, dass sie einander trauen. Denn Geld ist ja nichts anderes als eben ein solches Vertrauen. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, wird es mit einer gemeinsamen Währung schwierig. Dann können auch wirtschaftliche und fiskalische Ausgleichsmaßnahmen im Ergebnis wenig bewirken. Sie können mentale und kulturelle Unterschiede bestenfalls ein wenig kaschieren; beseitigen können sie sie nicht. Und hier nun stehen die Europäer vor einer essentiellen und möglicherweise sogar existentiellen Frage: Sollen sie einer gemeinsamen Währung wegen ihre kulturellen Unterschiede einebnen? Das aber müssten sie, um mit einer gemeinsamen Währung erfolgreich zu sein. Ich bin da sehr zögerlich. Denn diese Unterschiede machen für mich Europa zu Europa. Das zeigt schon ein Blick auf die Weltkarte. Da sind diese riesigen homogenen Blöcke in Nord- oder Südamerika oder Asien. Und dann ist da dieses farbige Krisselkrassel Europa. Passt das wirklich unter eine Währung? ...
Miegels Schlussfolgerungen lassen sich im Übrigen lesen als Beiträge zum ideologischen Überbau des Merkelianismus (Seeßlen).
Klartext spricht Broder:
Nordeuropa arbeitet – und zahlt für den Süden
Südeuropas Kaffeehauskultur ist lustiger als die Disziplin des Nordens. Doch mit dem Versuch, die Lebensverhältnisse in Europa zu homogenisieren, wird die Rechnung an den Norden weitergereicht. Von Henryk M. Broder
... und der Autor freut sich wahrscheinlicfh noch über zustimmende Wortkotze wie diese, die er provoziert:
Ich hatte im Urlaub die Möglichkeit das neue Buch von Herrn Broder zu lesen: " Vergesst Ausschwitz!" und war über seine Denkweise und seine klare und rationale Aussprache und Sichtweise sehr beeindruckt. Danke für die spassigen Stunden am Stand von Mallorca.
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Prädikat: "Lesenwert"
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Beispiel: Die Deutschen leiden an Hitler wie andere an Schuppenflechte. Aus dem Versuch, sich gegen die eigene Geschichte zu immunisieren, ist eine Autoimmunkrankheit geworden. Immer steht das Nazi-Menetekel an der Wand.
Schön, dass sich dieser Deutsche am Strand von Mallorca an Broders Schuppenflechten-Bratze aufgeilen konnte. Hatte der nichts anderes zu tun?
gebattmer - 2012/08/12 20:31
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