I think we’re fucked: Alltägliche Menschenfeindlichkeit - hier im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
Herr Lanz hatte in einer Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen kürzlich Frau Wagenknecht zu Gast. Ich habe das nicht gesehen. Kann südtiroler Schmierlappen nicht ertragen (vgl. How I fell in Love with Katrin Sass).
Stefan Niggemeier hat dankenswerterweise mitgeschrieben:
Es ging in der Sendung vom 16.01. in Lanz' Vorführung der Sarah W. offenbar irgendwann darum, wie die CSU die Probleme mit der Einwanderung aus Bulgarien und Rumänien instrumentalisiert, was Jörges falsch fand, aber richtig... Die beiden hatten sich offenbar vorab zu einem Wettbewerb verabredet, wer Wagenknecht schneller, lauter und dümmer über den Mund fährt.
Abgesehen davon, dass dies den absoluten Nullpunkt des Journalismus markiert, was Lanz hier an Unprofessionalität (selbst gemessen am durchschnittlichen Talkshow-Niveau) vorführt, - was ja auch schon eine openPetition Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr! hervorgebracht hat [ Dazu lesenswert: Empörung und Widerstand - Von Andrian Kreye] -, und abgesehen davon, dass das auch erinnert daran, wie der der Sachverständige Kuczynski von den westdeutschen Richtern im Auschwitz-Prozeß ins Kreuzverhör genommen wird, und auch abgesehen davon, dass keiner der Anwesenden (Journalist Hans-Ulrich Jörges, Schauspieler Moritz Bleibtreu, Schauspieler Christian Kahrmann und Autor Philipp Möller) den Anstand zeigt, dem schleimig-ungehobelten Südtiroler einen Hinweis zu geben, dass man so mit Gästen nicht umgeht (anders als s.o. Katrin Sass und das Studiopublikum, das es wagte, Wagenknecht mehrfach zu applaudieren und von dem sich Lanz sofort distanzierte: Jaha, dafür bekomme man natürlich Beifall, wenn man so populistisch argumentiert), haben wir hier eigentlich ein ganz anderes Problem , das von dem ungezogenen Verhalten, auf das sich die Aufmerksamkeit richtet, verdeckt wird:
Die Rede soll sein von Einwanderung aus Bulgarien und Rumänien (was Herrn Lanz offenbar einen Dreck interessiert). Frau Wagenknecht versucht immerhin zu argmentieren:
Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien muss/kann akzeptiert werden, wenn die deutsche Wirtschaft profitieren kann (Migranten aus Rumänien und Bulgarien sind gut qualifiziert · In Deutschland tobt eine Debatte über Zuwanderung aus Südosteuropa. Migranten aus Bulgarien und Rumänien sind gut für die Wirtschaft, rechnen nun Wirtschaftsforscher des IW-Instituts vor. FAZ). Die Argumentation läuft darauf hinaus, dass wir den Rest unqualifizierter Zuwanderer akzeptieren müssen, um die Zufuhr Hochqualifizierter für die "Wirtschaft" nicht zu gefährden.
Was bitte ist diese Vernutzungslogik im Kern anderes als die der Rampe in Auschwitz? Ich weiß um die Problematik der Nazi-Vergleiche und selbstverständlich werden die „nicht arbeitsverwendungsfähigen“ nicht vernichtet, aber sie werden doch als solche in einer sog. Armutszuwanderungsdebatte nur abfällig (i. S. von Abfall) als politische Manövriermasse zur Erzeugung wahlweise dumpfer Stimmung oder kostenlosen Mitleids vernutzt; - oder sehe ich das falsch?
Wenn der Mensch zur Sache wird ...
Erich Fromm zur Ökonomisierung des Menschen:
Ich muss da mal einhaken. Ist das gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, wenn Sie feststellen - und ich lasse die 1. Stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE jetzt mal ausreden -, dass sich in Davos eine Parallelgesellschaft trifft, die die Grundsätze der Demokratie verachtet?
Ist das System lernfähig?
Stefan Niggemeier hat dankenswerterweise mitgeschrieben:
Es ging in der Sendung vom 16.01. in Lanz' Vorführung der Sarah W. offenbar irgendwann darum, wie die CSU die Probleme mit der Einwanderung aus Bulgarien und Rumänien instrumentalisiert, was Jörges falsch fand, aber richtig... Die beiden hatten sich offenbar vorab zu einem Wettbewerb verabredet, wer Wagenknecht schneller, lauter und dümmer über den Mund fährt.
- Wagenknecht: Indem man billige Ressentiments schürt, löst man das Problem nicht. Es gäbe andere Wege, das zu –
Lanz: Aber das machen Sie doch auch, Frau Wagenknecht.
Wagenknecht: Nein.
Lanz:Doch. (zu Jörges und mit dem Finger auf Wagenknecht zeigend:) Aber das macht sie doch auch.
Wagenknecht: Wo schüren wir billige Ressentiments?
Lanz: Das machen Sie doch auch.
Wagenknecht: Wenn wir zum Beispiel über Zuwanderung reden, dann müssen wir über niedrige Löhne reden. Dann müssen wir über Scheinselbständigkeit reden. Über all das. Das sind die eigentlichen Probleme.
Lanz: Heißt das, …
Wagenknecht: Und nicht 20.000 Menschen, die aus Bulgarien …
Lanz: Da muss ich einmal einhaken.
Wagenknecht: … die teilweise auch noch hochqualifiziert sind.
Lanz: Da muss ich einmal einhaken. Das heißt, Sie unterstützen Europa uneingeschränkt? Das finden Sie gut?
(Hier beim Lesen einmal kurz innehalten, um die Fragenschärfe von Lanz angemessen zu würdigen.)
Wagenknecht: Ja, was ist Europa?
Lanz: Ja, was ist denn Europa für Sie?
Wagenknecht: Ich unterstütze …
Lanz: Sagen Sie’s mal.
Wagenknecht:… europäische Werte. Ich finde die europäische Kultur …
Lanz: Die europäische Union.
Wagenknecht: … großartig. Und ich finde die heutige Politik der Europäischen Union zutiefst falsch, weil es eine Politik ist, die vor allem große Unternehmen, große Konzerne, große Banken begünstigt und –
Lanz: Raus aus dem Euro oder drinbleiben?
Wagenknecht: Ja, das ist überhaupt nicht die Frage. Der Euro –
Lanz: Raus oder rein?
Wagenknecht: Der Euro ist jetzt — Na, rein können wir nicht, wir sind drin, und ob man ihn auflösen sollte ist, denke ich, jetzt aktuell nicht das Problem. Wir müssen nur gucken, wie wir die Europäische Krise —
Lanz: Die Frage würde ich trotzdem nochmal gerne nochmal stellen. Euro — Ja oder Nein?
Wagenknecht: Der Euro ist doch Realität. Wir …
Lanz: Für Sie, Frau Wagenknecht.
Wagenknecht: … entscheiden uns doch nicht, rauszugehen. Ich vermute …
Lanz: Nein, aber Sie haben gesagt, Sie haben die besseren Ideen. Sie haben die besseren Ideen.
Wagenknecht: Aber Sie müssen mich auch ausreden lassen …
Lanz: Ja.
Wagenknecht: … wenn Sie mir Fragen stellen und ich kann nicht antworten.

Abgesehen davon, dass dies den absoluten Nullpunkt des Journalismus markiert, was Lanz hier an Unprofessionalität (selbst gemessen am durchschnittlichen Talkshow-Niveau) vorführt, - was ja auch schon eine openPetition Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr! hervorgebracht hat [ Dazu lesenswert: Empörung und Widerstand - Von Andrian Kreye] -, und abgesehen davon, dass das auch erinnert daran, wie der der Sachverständige Kuczynski von den westdeutschen Richtern im Auschwitz-Prozeß ins Kreuzverhör genommen wird, und auch abgesehen davon, dass keiner der Anwesenden (Journalist Hans-Ulrich Jörges, Schauspieler Moritz Bleibtreu, Schauspieler Christian Kahrmann und Autor Philipp Möller) den Anstand zeigt, dem schleimig-ungehobelten Südtiroler einen Hinweis zu geben, dass man so mit Gästen nicht umgeht (anders als s.o. Katrin Sass und das Studiopublikum, das es wagte, Wagenknecht mehrfach zu applaudieren und von dem sich Lanz sofort distanzierte: Jaha, dafür bekomme man natürlich Beifall, wenn man so populistisch argumentiert), haben wir hier eigentlich ein ganz anderes Problem , das von dem ungezogenen Verhalten, auf das sich die Aufmerksamkeit richtet, verdeckt wird:
Die Rede soll sein von Einwanderung aus Bulgarien und Rumänien (was Herrn Lanz offenbar einen Dreck interessiert). Frau Wagenknecht versucht immerhin zu argmentieren:
- Wagenknecht: Wenn wir zum Beispiel über Zuwanderung reden, dann müssen wir über niedrige Löhne reden. Dann müssen wir über Scheinselbständigkeit reden. Über all das. Das sind die eigentlichen Probleme.
Lanz: Heißt das, …
Wagenknecht: Und nicht 20.000 Menschen, die aus Bulgarien …
Lanz: Da muss ich einmal einhaken.
Wagenknecht: … die teilweise auch noch hochqualifiziert sind.
Lanz: Da muss ich einmal einhaken. Das heißt, Sie unterstützen Europa uneingeschränkt? Das finden Sie gut?
Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien muss/kann akzeptiert werden, wenn die deutsche Wirtschaft profitieren kann (Migranten aus Rumänien und Bulgarien sind gut qualifiziert · In Deutschland tobt eine Debatte über Zuwanderung aus Südosteuropa. Migranten aus Bulgarien und Rumänien sind gut für die Wirtschaft, rechnen nun Wirtschaftsforscher des IW-Instituts vor. FAZ). Die Argumentation läuft darauf hinaus, dass wir den Rest unqualifizierter Zuwanderer akzeptieren müssen, um die Zufuhr Hochqualifizierter für die "Wirtschaft" nicht zu gefährden.
Was bitte ist diese Vernutzungslogik im Kern anderes als die der Rampe in Auschwitz? Ich weiß um die Problematik der Nazi-Vergleiche und selbstverständlich werden die „nicht arbeitsverwendungsfähigen“ nicht vernichtet, aber sie werden doch als solche in einer sog. Armutszuwanderungsdebatte nur abfällig (i. S. von Abfall) als politische Manövriermasse zur Erzeugung wahlweise dumpfer Stimmung oder kostenlosen Mitleids vernutzt; - oder sehe ich das falsch?
Wenn der Mensch zur Sache wird ...
Erich Fromm zur Ökonomisierung des Menschen:
"Die humane Qualität einer Gesellschaft erkennt man nicht an Ethikdebatten in Feuilletons meinungsbildender Printmedien oder in Talkshows, sondern am Umgang mit schwachen Gruppen." Heitmeyer
Gruppenbezogene MenschenfeindlichkeitIch muss da mal einhaken. Ist das gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, wenn Sie feststellen - und ich lasse die 1. Stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE jetzt mal ausreden -, dass sich in Davos eine Parallelgesellschaft trifft, die die Grundsätze der Demokratie verachtet?
- „Wie die jüngsten Zahlen der Nichtregierungsorganisation Oxfam zur Reichtumsverteilung belegen, ist unser Wirtschaftssystem tödlich und mit den Grundsätzen einer Demokratie nicht vereinbar. Die 85 reichsten Menschen besitzen die halbe Welt beziehungsweise denselben Wohlstand wie die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung beziehungsweise dreieinhalb Milliarden Menschen. Diese perverse und nutzlose Anhäufung von Reichtum in den Händen einer Minderheit übertrifft die schlimmsten Zustände einer Oligarchie und ist sonst nur in Diktaturen anzutreffen.
In Davos treffen sich Eliten aus Politik und Wirtschaft, die für diesen Raubzug verantwortlich sind. Daher ist es nur konsequent, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Weltwirtschaftsforum teilnimmt. Unter seiner Führung entgehen Deutschland jährlich 160 Milliarden Euro bzw. ein halber Staatshaushalt durch Steuerhinterziehung und -vermeidung. Es gilt: Wer betrügt, fliegt nach Davos.
Allein das Vermögen der europäischen Millionäre und Multi-Millionäre übertrifft mit 17 Billionen Euro die Staatsverschuldung aller 28 EU-Staaten ... “
Ist das System lernfähig?
gebattmer - 2014/01/21 21:51
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