GBlog&search

 

GBlog&count



GBlog&listen


Van Morrison
Roll with the Punches


Chilly Gonzales und Jarvis Cocker
Room 29


Blackfield (Aviv Geffen & Steven Wilson)
Blackfield V


Jeff Beck
Loud Hailer




Daniel Hope
Escape to Paradise


Daniel Hope
Spheres


Jonathan Rudess
Explorations


Animals As Leaders
The Joy Of Motion


Colosseum
Valentyne Suite


Jack Bruce
Harmony Row


Spooky Tooth
Spooky Two



Utopia
Ra


Richie Havens
Nobody Left to Crown




Dimitri Schostakowitsch, Mariss Jansons
Sinfonien 1-15


Moondog & the London Saxophoni
Sax Pax for a Sax

GBlog&read - Nutzen Sie die Hinweise zur Orientierung und kaufen Sie dann beim Buchhändler um die Ecke



Uwe Timm
Ikarien



Christoph Ransmayr:
Cox oder Der Lauf der Zeit





Steffen Kopetzky
Risiko


José Saramago
Kain


Eva Menasse
Quasikristalle


Roberto Bolaño
2666


Tschingis Aitmatow
Der erste Lehrer


Uwe Timm
Rot


Leonardo Padura
Adiós Hemingway


Antonio Skarmeta
Mit brennender Geduld


Jose Saramago
Die Stadt der Blinden


Edgar Hilsenrath
Nacht: Roman



Rolf Dubs
Lehrerverhalten

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Politik unterrichten

Archäologie LXXVII: Die Mauer - von und mit Wolfgang Neuss

... tut mir leid: ein wenig zu spät für die Feierlichkeiten, aber besser als nicht gesehen:



via nebenbei bemerkt

"Da stand auf einem Transparent `Wir sind das Volk´, und daneben hat
einer geschrieben `Ich bin Volker´. Den Mann, der das geschrieben hat,
den brauchen wir in der nächsten Zeit. Es geht um die Stärkung dieser
Kräfte." - Heiner Müller - gefunden bei Zero G Sound

oder auch: Der Mann mit der Pauke: Das jüngste Gerücht (... zur Wieder-Vereinigung)



2322xt2

MehrNeuss: Wolfgang Neuss und die Kellerkinder
Ach das könnte schon sein: Neuss über Sarrazin ....

Sarrazin-Slaughterhouse III - Oder Archäologie LXXVI: Deutsche Eliten

Doch noch einmal, weil's so schön ist:
Die NDS verweisen heute auf einen älteren Beitrag, in dem es um den Frankfurter Zukunftsrat und das Frankfurter Kultur Komittee geht (ich wies seinerzeit darauf hin, als Maria-Elisabeth Schaeffler zur Kuratoriumsvorsitzenden des ersteren berufen wurde). Im Lichte der neueren Debatten lohnt es, noch einmal einen Blick auf diese Kreise zu werfen, um vielleicht mehr über die aktuelle Debattenanzettelungskompetenz in dem, was in Deutschland Öffentlichkeit genannt wird, zu erfahren:
Ich verkürze:

Das Frankfurter Kultur Komittee
als dessen Unternehmensmitglieder genannt werden
:
# ABN AMRO Bank N.V.,
Niederlassung Deutschland, Frankfurt am Main
www.abnamro.com

# Airrail Center Frankfurt
Verwaltungsgesellschaft mbH & Co. Vermietungs KG

# Bank of America,
Frankfurt am Main

# B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA,
Frankfurt am Main
www.metzler.com

# DekaBank Deutsche Girozentrale,
Frankfurt am Main
www.dekabank.de

# Deutsche Bank AG,
Frankfurt am Main
www.deutsche-bank.de

# Eichborn AG,
Frankfurt am Main
www.eichborn.de

# Eurohypo AG,
Eschborn
www.eurohypo.com

# Ferrero Deutschland GmbH,
Frankfurt am Main
www.ferrero.de

# Fraport AG,
Frankfurt am Main
www.fraport.de

# Gemeinnützige Hertie-Stiftung,
Frankfurt am Main
www.hertie-stiftung.de

# KPMG Deutsche Treuhandgesellschaft AG,
Frankfurt am Main
www.kpmg.de

# Landesbank Hessen-Thüringen,
Frankfurt am Main
www.helaba.de

# IVG Immobilien AG,
Bonn
http://www.ivg.de

# Mainova AG,
Frankfurt am Main
www.mainova.de

# Messe Frankfurt GmbH,
Frankfurt am Main
www.messefrankfurt.com

# Morgan Stanley Bank AG,
Frankfurt am Main
www.morganstanley.com

# Nestlé Deutschland AG,
Frankfurt am Main
www.nestle.de

# Pilati + Partner
60329 Frankfurt am Main
www.pilati-partner.de

# Sal. Oppenheim jr. & Cie. KGaA,
Frankfurt am Main
www.oppenheim.de

# Schenker Deutschland AG,
Frankfurt am Main
www.schenker.de

(... auf den ersten Blick also wirklich erste Adressen!! ...)

Pilati4... und in dessen Vorstand u.a. Kristina Gräfin Pilati von der Fa. Pilati + Partner (s.o.) sitzt - und dessen Beirat u.a. Herr Prof. Dr. Axel Honneth, Institut für Philosophie, J. W. Goethe-Universität, Frankfurt am Main, angehört, beruft einen Zukunftsrat, - nämlich den Frankfurter, dessen stellvertretende Vorsitzende u.a Dr. Bernhard Bueb, Theologe und Pädagoge / Ehem. Leiter Schule Schloß Salem Überlingen, und Dr. h.c. Wolfgang Clement, Bundeswirtschaftsminister a.D. sind und dem als Mitglieder u.a. angehören:

Friedrich Merz
Ehem. Vorsitzender der CDU/CSU Bundestagsfraktion Berlin, also das Mitglied der Kanzlei Mayer Brown, die z. B. den US-Finanzinvestor Lone Star beim Kauf der Mittelstandsbank IKB beraten hat;

Rudolf Scharping
Bundesverteidigungsminister a.D. RSBK GmbH Frankfurt am Main, also der Lover der o.g. Gräfin;

Prof. Dr. Peter Sloterdijk
Rektor Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, also der Revolutionär der gebenden Hand ...

... so kann man mit alten Freunden sich in immer neuen Runden zusammentun, um Spitzenforschern endlich die Möglichkeit für politischen Einfluss geben zu können.

Damit der Kreis sich schließt: Scharpings RSBK ist u.a. auf dem Gebiet PPP tätig und gibt dazu ein Handbuch heraus. Mit Beiträgen von ... raten Sie mal ... Peer Steinbrück, Roland Koch, Thilo Sarrazin ... Bingo!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


Nachtrag: Nochmal Bingo:
In der wikipedia heißt es zu "Gunnar Heinsohn":
Der Philosoph Peter Sloterdijk, der Heinsohn als „höchst anregenden Gelehrten, der die engeren Fachdisziplinen immer wieder zu wissenschaftlichem Nutzen überschreitet“ beschreibt, lobte Heinsohns Buch „Söhne und Weltmacht“ als „Pflichtlektüre für Politiker und Feuilletonisten“. Dort formulierte Heinsohn seine These, nach welcher ein Jungmännerüberschuss (youth bulge) einen Positionenmangel innerhalb einer Gesellschaft verursache. Dieser Überschuss müsse sich abbauen, was er in Kolonisation, Krieg, Bürgerkrieg oder heutzutage in Terrorismus tue. Reiner Klingholz rezensierte das Buch in der Wochenzeitung Die Zeit vom 26. Februar 2004 sehr negativ. Er bemängelte die fehlende „statistische Grundlage für die Theorie des kriegsträchtigen Überhangs an jungen Männern“ und stellte ihr die erst nach Heinsohns Buch publizierten Erkenntnisse des Berliner Demografen Steffen Kroehnert entgegen. Ähnlich scharf kritisierte Mohssen Massarrat Heinsohns Buch in der Frankfurter Rundschau vom 31. Januar 2007. Er stellt dort fest, dass Heinsohn Beispiele unterschlage, die – wie etwa die Bevölkerungsentwicklung in Bangladesch, China und Brasilien – zu seiner Theorie nicht passten. Das Postulat Heinsohns, dass internationale Hilfsorganisationen aufhören müssten, durch ihren Einsatz die „Kinderproduktion“ in Krisengebieten und Entwicklungsländern zu fördern, bezeichnet er als „zynisch“.

Ich kann Massarrats Kennzeichnung der Argumentation als zynisch folgen; ich sehe darüber hinaus Parallelen zwischen diesen neuen EliteversusPrekariats-Denkern und den Bevölkerungswissenschaftlern, deren Rolle in der Politikberatung des deutschen Faschismus Götz Aly (vor seiner totalitaristischen Wende) und Susanne Heim in "Vordenker der Vernichtung" für mich überzeugend herausgearbeitet haben. In einer Diktion, die den utilitaristischen Kern der bevölkerungsökonomischen Konzepte der Politikberater der 30er und 40er Jahre in Deutschland schön modernisiert, bringt sich dieser Professor für Sozialpädagogik (eine Disziplin, die wohl zu Unrecht immer noch im Ruf einer Kuschel- oder Gutmenschenwissenschaft steht) in die Debatte ein - bzw. erinnert daran, dass er dazu ja ciceromäßig schon vorgelegt hat:


Elterngeld – Fortpflanzungsprämie für Unterschicht
Von Gunnar Heinsohn 3. November 2009,

Heinz Buschkowsky hat recht mit seiner Kritik an der Familienpolitik. Denn anders als geplant, schafft das Elterngeld vor allem Gebäranreize in der Unterschicht. Von 100 Elterngeldbabys, die eigentlich alle von Karrierefrauen hätten kommen sollen, steuerten diese im Jahre 2007 gerade mal neun bei. Eine folgenschwere Entwicklung.

Schon vor Einführung des Elterngeldes warnt Heinz Buschkowsky vor dem Erkindern lebenslanger Finanztransfers. Damals macht die Berliner Führung die aufregende Entdeckung, dass nicht das vierte bildungsferne Kind der Sozialhilfemutter fehlt, sondern das erste oder zweite der hoch besteuerten und kinderlosen Karrierefrau.

Ein Jahr lang 1800 Euro monatlich soll sie in die Mutterschaft locken. Weil bundespolitische Parteigenossen des Neuköllners das ungerecht finden, erzwingen sie zusätzliche Gebäranreize für die Frauen am unteren Rand. Für die gibt es deshalb seit 2007 pro Baby und Monat auf die Sozialhilfe noch einmal 300 Euro drauf. Es werden sogar 450, wenn ihnen in 24 Monaten zwei Geburten gelingen.

Buschkowskys Befürchtungen erfüllen sich umgehend. Von 100 Elterngeldbabys, die eigentlich alle von Karrierefrauen hätten kommen sollen, steuern die im Jahre 2007 gerade mal neun bei. Im Jahre 2008 sind es sogar weniger als sieben. Dafür werden in einer sozialdemokratischen Hochburg wie Bremerhaven bereits 520 von 1000 Babys direkt auf die Transfergelder gezielt. Nur die Neuköllnerinnen liegen mit mehr als 700 Transferbabys unter 1000 Neugeborenen noch darüber.

Niemand zweifelt an der zukünftigen Fortpflanzungsfähigkeit des Zusatznachwuchses. Infrage steht seine Ausbildungsfähigkeit. Deshalb soll er mit weiteren 12.000 Euro Steuergeld pro Kopf und Jahr ab dem 18. Lebensmonat in Krippen intelligent gemacht werden.

Nun gibt es Eltern, die der Massenkindhaltung ein solches Wunder nicht zutrauen. ..

Gleichwohl kommt sie bei den Frauen in Buschkowskys Transferquartieren als Ermunterung zu weiterer Vermehrung an...


HeinsohnZit1


Welch verkommene Sprache, welch verkommenes Denken ...
und welch interessante Arbeitsteilung: einer wie Buschkowsky macht den sozialdemokratisch-populistischen Proleten, Heinsohn elaboriert schwer tabubrechend sozialpädagogisch-bevölkerungsökonomisch und Slaughterhouse und Bohrer nietzscheanisch-filosofisch ... und dann treffen wir uns alle bei der Gräfin ... Fällt mir noch ein: lt. wikipedia wurde Heinsohn in Gotenhafen geboren - das erklärt manches!

Niebel! Durchgreifen!!

... Niebel greift durch. Die Mitarbeiter im Ministerium hätten denn auch ziemlich "Muffensausen", beschreibt ein Insider die Atmosphäre angesichts der neuen Spitze. Mit dem ehemaligen FDP-Generalsekretär übernehmen gleich noch zwei weitere Parteifreunde Verantwortung ... Es heißt, Niebel werde im BMZ auch Abteilungsleiter austauschen und Gefolgsleute aus der FDP-nahen Naumann-Stiftung installieren... fr-online

Wollen wir mal darauf achten, ob der FNF-Vertreter in Tegucigalpa, Christian Lüth, demnächst im BMZ auftaucht: wegen seiner Verdienste um die Demokratie in Honduras?! :

378.000 Euro gegen die Demokratie

Bundesregierung legt auf Drängen der Linksfraktion Zahlen über Engagement der Naumann-Stiftung in Honduras offen.

Knapp drei Wochen vor der Bundestagswahl sorgt die Politik der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) für anhaltende Debatten in Berlin. Auf eine Anfrage der entwicklungspolitischen Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke, Heike Hänsel, nahm nun Reinhard Silberberg, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, zu der Unterstützung des honduranischen Putschregimes durch die Naumann-Stiftung Stellung.

Nach dem Sturz der letzten demokratisch gewählten Regierung in Honduras am 28. Juni hatte die FNF sich offen für die neuen Machthaber ausgesprochen. Während nach offiziellen Angaben bis zu zwölf Menschen politischen Morden zum Opfer fielen sprach der FNF-Vertreter in Tegucigalpa, Christian Lüth, von der Chance auf eine "Rückkehr zu demokratischen Verhältnissen".

In seiner elfseitigen Antwort auf die Kleine Anfrage aus dem Bundestagbüro Hänsel sieht der Staatssekretär darin kein Problem. "Als unabhängige politische Stiftung ist die FNF frei, Partner und Zielgruppen ihrer Tätigkeit selbst zu bestimmen", schreibt Silberberg, der Deutschland von 1987 bis 1990 als Botschafter in Guatemala vertrat. Die gezielte Unterstützung der Putschisten innerhalb der Liberalen Partei Honduras (PLH) durch die FNF bezeichnet der Diplomat als eine "auf gemeinsamen Werten beruhende Nähe zu bestimmten Parteien" und ein "Alleinstellungsmerkmal". Durch eine solche Zusammenarbeit werde womöglich gar ein "Beitrag zur Demokratisierung und Entwicklung eines Partnerlandes" geleistet.

Während der Staatssekretär die Kritik der Fragestellerin an der FNF-Politik offenbar nicht teilt, liefert er interessante Zahlen zur Unterstützung aus der Staatskasse. Demnach hat die Naumann-Stiftung in den Jahren 2000 bis 2008 mindestens 378.000 Euro für ihre Lobbyarbeit in dem kleinen Honduras ausgegeben. Vor allem die Arbeit mit jugendlichen Nachwuchspolitikern der Liberalen Partei stand dabei im Fokus. Im Jahr 2004 wurden dafür 25.000 Euro verwendet, im letzten honduranischen Wahljahr 2005 gar 110.000 Euro. 2007 und 2008 war der Naumann-Stiftung die Ausrichtung von Seminaren für die liberale Parteijugend 40.000 und 50.000 Euro wert.

Die wachsende Kritik an dieser massiven finanziellen Einflussnahme in dem kleinen 7,5-Millionen-Einwohner-Staat weist Diplomat Silberberg zurück. Die Stiftungen müssten "in eigener Verantwortung entscheiden", welche Rückwirkungen ihre Arbeit im Gastland haben. Die Überprüfung sei "Angelegenheit der Behörden von Honduras". Es wird spannend zu sehen, ob die Bundesregierung bei einer Ausweisung des deutschen FNF-Personals, das nach Informationen aus Tegucigalpa nach der Rückkehr Honduras' zur Demokratie zu erwarten ist, ebenso gelassen bleibt.

Harald Neuber bei Telepolis pnews 08.09.09

Eine schöne Aufgabe für Niebel!! In enger Zusammenarbeit mit dem AA Lüth ausfliegen lassen und zum Abteilungsleiter Mittelamerika im BMZ machen: Micheletti (Transportunternehmer = Mittelstand!!) den Putsch vorbereiten helfen und dann rechtfertigen entspricht doch der Linie (Silberberg ist offenbar schon mal Staatssekretär im AA geblieben!!); - zur Not müsste man den BMVg bemühen - :

Schwarz-Gelb will im vollen Namen des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) die erste Hälfte akzentuieren. Im Koalitionsvertrag liest sich das so: "Entwicklungspolitische Entscheidungen müssen die Interessen der deutschen Wirtschaft, insbesondere des Mittelstandes, angemessen berücksichtigen. " fr-online

Da wäre noch mehr drin: Niebel müsste mal Schünemann (Innenressort Niedersachsen) oder Schwarz-Grün in HH fragen, ob die Zusammenarbeit mit Passfälschern und/oder korrupten Beamten aus Guinea nicht auch unter Mittelstandsförderung fällt:

Kreise kaufen Abschiebepapiere aus Afrika
091030_1907_polempfaengerHannover. In der Auszahlungsanordnung des Landkreises Cuxhaven ist kein Empfänger vermerkt, keine Kontonummer, keine Bankleitzahl. Als Zweck ist lediglich „Passersatzbeschaffung“ notiert, die Höhe der Anweisung beträgt 2500 Euro. Mit dem Geld im Aktenkoffer ist am 17. März 2009 ein Beamter von Cuxhaven nach Hamburg gereist. In der Ausländerbehörde der Hansestadt fand noch am selben Tag ein Bargeschäft statt: Ein Vertreter der westafrikanischen Republik Guinea erhielt die 2500 Euro, der Beamte ein „Passersatzpapier“ des afrikanischen Staates. Eine Quittung werde, notierte der Amtsmann, „durch die Republik Guinea später ausgestellt“. Er war auch so zufrieden, denn jetzt kann der Landkreis den Schwarzafrikaner Alfa D. abschieben. Das war bisher daran gescheitert, dass der Mann keine Papiere besaß und außerdem behauptete, aus Guineas Nachbarland Sierra Leone zu stammen, wo Bürgerkrieg herrscht. Nun ist er, jedenfalls auf dem Papier, Guineer. Wie die Identifizierung stattgefunden hat, konnte beim Kreis später niemand beantworten. Hamburg unterhalte „nachhaltige Kontakte“ nach Guinea, heißt es dort. Niedersachsen bittet die Hansestadt in solchen Fällen daher regelmäßig um Amtshilfe. Flüchtlingsorganisationen wie Pro Asyl sprechen von einem „Bestechungsgeld“, das ein korrupter Staat für die Aufnahme abgelehnter Asylbewerber erhalte. Die EU erkennt die Militärregierung Guineas nicht an, hat Anfang dieser Woche neue Sanktionen verhängt; das Auswärtige Amt rät von Reisen in das Land ab. Und doch ist der Fall Alfa D. übliche Praxis in Niedersachsen. Auf dieselbe Art ist der Kreis Cuxhaven im vergangenen Jahr einen weiteren abgelehnten Asylbewerber losgeworden. Der Kreis Harburg hat es 2008 versucht, wurde aber vom Verwaltungsgericht Lüneburg gestoppt. In Langenhagen sitzt derzeit ein Mann aus Bramsche mit Passersatzpapieren aus Guinea in Abschiebehaft. ...
2005 und 2006 haben Beamte aus Guinea auch in Braunschweig Passersatzpapiere gegen Bargeld ausgestellt. Später stellte sich heraus, dass sie von der Regierung Guineas nicht anerkannt waren. Dennoch wurden in Braunschweig auch 2007 noch einmal 113 angebliche Guineer vorgeführt. Das Verwaltungsgericht Lüneburg hat die Praxis als „rechtsstaatlich zweifelhaft“ gerügt. Zudem könne bei 2500 Euro von einer Verwaltungsgebühr keine Rede mehr sein. Laut Innenministerium kosten Passersatzpapiere anderer Staaten etwas mehr als 300 Euro.

Meine Lieblings-HAZ sehr kritisch am 29.10.09 Vgl. auch AntifaNewsBlog

Update 22.11.09
Honduras: Liberale protestieren gegen Naumann-Stiftung
Volontäre und Exstipendiaten erheben Vorwürfe gegen die FDP-nahe Organisation wegen deren Unterstützung für das Putschregime - Neuber bei tp

Coalition Of The Billing

WACHSTUM. BILDUNG. ZUSAMMENHALT.
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP 17. Legislaturperiode

Entwurf

Einwurf

Sarrazin II: Aufklärung in the Slaughterhouse und die Architekten der deutschen Einheit

In einer Presseerklärung vom 19. d.M. kündigt der Presseerkärer von Cicero einen neuen robusten Tabubruch für den 22. d.M. an: Ein Herr Slaughterhouse werde den Sarrazin-Kritikern Feigheit vorwerfen:
Berlin. Der Philosoph Peter Sloterdijk wirft den Kritikern des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin Opportunismus vor. „Man möchte meinen, die deutsche Meinungs-Besitzer-Szene habe sich in einen Käfig voller Feiglinge verwandelt, die gegen jede Abweichung von den Käfigstandards keifen und hetzen“, wetterte Sloterdijk im Politikmagazin ‚Cicero’ (Novemberausgabe). Weil der Bundesbankvorstand so „unvorsichtig“ gewesen sei, „auf die unleugbar vorhandene Integrationsscheu gewisser türkischer und arabischer Milieus in Berlin hinzuweisen“, sei „die ganze Szene der deutschen Berufsempörer“ gegen Sarrazin auf die Barrikaden gegangen.

„Sobald einmal ein scharfes Wort aus einem anderen Narrenkäfig laut wird, bricht auf der Stelle eine abgekartete Gruppendynamik los“, kritisierte Sloterdijk. Dabei gehe es zu, „als gelte es, einen Wettbewerb in Empörungsdarstellung zu gewinnen“. Auch Bundesbank-Chef Axel Weber habe sich „gegen die Epidemie des Opportunismus als nicht immun“ erwiesen. Des Philosophen Fazit: „Das Beispiel zeigt, wie tief bei uns der Sprachkarren im Dreck steckt.“
[...]
Im Politikmagazin ‚Cicero’ veröffentlichte Sloterdijk nun ein Manifest mit dem Titel „Aufbruch der Leistungsträger – Zeitdiagnostische Bemerkungen“. Nach Ansicht des Philosophen taugen „die festgeschriebenen Identitäten, die Parteiträgheiten, die selbstgefälligen Meinungskonglomerate“ angesichts neuer Verhältnisse wenig. „Wer nur ‚meint’, lebt in der Vergangenheit. Wer sich nur selbst zitiert, ist überholt. Wir müssen die Fenster öffnen, um Zeitluft und Zukunftsmusik einzulassen“, forderte Sloterdijk. Vor allem gelte es, den Zuwanderern die Chance zu geben, „den Wohlstand zu erzeugen, der zur Hälfte ihnen selbst und zur Hälfte unserem Gemeinwesen weiterhilft.“

Zitate/Sloterdijk
(werden auch gleich angeboten, d.Verf.)
„Man möchte meinen, die deutsche Meinungs-Besitzer-Szene habe sich in einen Käfig voller Feiglinge verwandelt, die gegen jede Abweichung von den Käfigstandards keifen und hetzen“.
(Der Philosoph Peter Sloterdijk im Politikmagazin ‚Cicero’ (Novemberausgabe) über die Kritiker des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin)


20080713124311_slaughterhouseDas wiederholt angebotene Zitat finde ich persönlich jetzt nicht so doll; das mit dem Steuersatz von 50% für Zuwanderer habe ich nicht verstanden, aber wortkotzemäßig gelungen ist Slaughterhouse das mit den Meinungskonglomeraten und der Zeitluft und vor allem dieser alles bezwingende Hinweis auf die unleugbar vorhandene Integrationsscheu gewisser... Milieus.

Eingrenzung der Kampfzone - Von Harry Nutt
Steuern hatte Sloterdijk als staatliche Kleptokratie bezeichnet, und Bohrer kann sich über einen "allmählich verkommenden Sozialstaat" erzürnen, der ihn "und viele andere um die Pfründe wohlverdienten finanziellen Zugewinns bringt, sei es, dass er die Hälfte der beträchtlichen Summen für akademische Auszeichnungen oder für Kulturpreise wieder abnimmt - die gezielte Bestrafung von Individuen."

Auch wer keine Kulturpreise erhält, mag in den entsprechen Runden in eine sich steigernde Steuerklage einstimmen. Mittelständische Unternehmer haben oft noch mehr Grund dazu als die Empfänger von Preisen und Vortragshonoraren, die ja in der Regel erst durch staatliche Institutionen in Aussicht gestellt werden. So kleinlich und fiskalisch möchten Sloterdijk und Bohrer aber wohl nicht argumentieren.

Ihre nie ohne Leidenschaft vorgetragene Rhetorik ist angereichert durch zahlreiche philosophische Referenzen. Bohrer bietet Gehlen, Nietzsche und St. Just auf, um dann doch polemisch abzuholzen: "In einem Land, das seit Jahren durch das Schwinden des Freiheitsmotivs zugunsten des Gleichheitsprinzips an geistiger und politischer Attraktivität verliert, in einem Land, in dem seit Bismarcks Sozialgesetzen und der Nazis sowie der DDR-Kommunisten Zerstörung bürgerlicher Denk- und Verhaltensformen das Gleichheitsprinzip als das Selbstverständliche immer mehr vorherrscht, entblöden sich die beiden Philosophieprofessoren nicht, ihrer plebsfreundlichen Entrüstung den Anschein von längst erwiesenen Prinzipien zu geben."
Sieht man einmal davon ab, dass sich hier beachtlicher emotionaler Überdruck Luft macht, geht es um einen Begriff von sozialer Gerechtigkeit, der Chancengleichheit nicht nach Belieben gegen Chancengerechtigkeit ausspielt. Gewiss hat Bohrer Recht, wenn er von der Notwendigkeit sozialer Ungleichheit spricht. Sie ist Voraussetzung leistungsfähiger Gesellschaften. Diesbezüglich sind die Sozialwissenschaften übrigens um einiges weiter, als es Thilo Sarrazin mit seiner Sicht auf die Berliner Ökonomie zuletzt auf fatale Weise zum Ausdruck brachte.

Sloterdijk, Bohrer und Sarrazin brüllen Elitenbewusstsein herbei
itschAnstatt eine Debatte bereits an ihrem Beginn abzublasen, müsste sie hier wohl unter Berücksichtigung einer globalisierten Ökonomie und deren Vernetzungslogik geführt werden. Christoph Menke hat die entsprechenden Hinweise gegeben. "Indem er (Sloterdijk) den Einzelnen zur permanenten kreativen Selbstmobilisierung verpflichtet (...), produziert er notwendig die Gegen- oder Unterklasse der Immobilen, Nichtkreativen, Unfähigen, denen ihr Scheitern als Versagen vorgehalten werden kann."
Sloterdijk, Bohrer und Sarrazin brüllen, auf zugegeben sehr unterschiedliche Weise, ein Elitenbewusstsein herbei, das jene Ressourcen verkennt, die aus abgebrochenen Laufbahnen, Umwegen und Verschwendungen hervorgehen. Man muss kein linker Sozialromantiker sein, um einen flexiblen, von sozialer Differenz gesättigten Gleichheitsbegriff zu entfalten.
Bohrers Nachtisch für Sloterdijk ist allerdings vergiftet. Er nimmt Sloterdijks "Revolution der gebenden Hand" nicht ernst. "Ich las Sloterdijks Einfall als das, was er nur sein konnte: eine leider nie zu realisierende Utopie, sozusagen als eine (...) Allegorie auf den transzendentalen Realismus, sprich den Dreiklassenstaat."

--> Honneth versus Sloterdijk: „Ernstlosigkeit und Verquatschtheit!“. Zur Kritik der Kritik.

Dreiklassenstaat als leider nie zu realisierende Utopie ... Irgendwie erinnert das alles an das Geschwurbel der präfaschistischen rechten Intellektuellen am Ende der Weimarer Republik; - oder man muss es lesen als Anspielung auf ihres Kumpel Sarrazins konkrete Utopie bei der Planung der deutschen Einheit (s.u.)!

Exportabel kommentiert; hANNES wURST legt nach; Als Ökonom muss Sloterdijk noch üben - Vontobel; "Weiter geht’s – heute: Dünnbrettbohren" bei Metalust & Subdiskurse Reloaded; beim Berlin-Institut könnten die Jungs von der Firma etwas über Ungenutzte Potentiale erfahren, aber das wollen sie ja gar nicht. Ihr Reiz besteht darin, das von anderen längst Erarbeitete dank der zugeschalteten Aggressivität als persönliche geistige und moralische Heldentat zu erleben. (Stephan Speicher, Ungewaschene Helden, sz vom 24./25.10.09)

Nachtrag (der letzte, danach möchte ich dazu nichts mehr sagen):
Wie immer weiß Otto Köhler mehr:
...
»Sarrazin hat einen Dachschaden.« So versuchte sich letzte Woche noch die »Financial Times Deutschland« des Problems zu entledigen. Doch Sarrazins »Tiraden gegen die Unterschicht« entspringen nicht mangelndem Verstand, sie sind so eiskalt überlegt, wie sein Jünger Sloterdijk gern denken können möchte.

Sarrazin hat mit Pullover und einem Tagesverpfelgungssatz von 3,48 Euro den Standard für die Käfige gesetzt, in denen künftig die Unterschicht bis zu ihrem Ableben gehalten werden soll. Sein von Sloterdijk bejubeltes Interview legte fest, wer in die Käfige gesperrt werden muss.

Dass es da noch Widerspruch gab, dass mancher meinte, an der Spitze der Bundesbank sollte kein Mann stehen, der seine Gewaltphantasien an kleinen türkischen Kopftuchmädchen aufgeilt, musste den Bürger Sloterdjik verstimmen.

Er mag sich trösten: wir können soviel keifen und hetzen wie wir nur wollen – Sarrazin ist unabsetzbar. Nach dem Gesetz könnte ihn nur der Bundespräsident aus dem Vorstand der Bundesbank entlassen. Doch im Dach der Republik gibt es einen Schaden, der nicht mehr zu heilen ist: Thilo Sarrazin und Horst Köhler sind Komplizen, die genau wissen, wie man Unterschichten produziert.

Im Jahr der »Wende« hat der damalige Bonner Finanzstaatssekretär Horst Köhler seinen Mitarbeiter Sarrazin »als scharfsinnigen, einsatzbereiten und loyalen Beamten kennen und schätzen gelernt.« In aller Heimlichkeit planten sie schon im Januar 1990 einen »offensiven Lösungsweg«, nämlich die »Schaffung einer Wirtschafts- und Währungsunion zum frühestmöglichen Zeitpunkt.« Allerdings, so errechnete Sarrazin für Köhler, der DDR-Industriesektor sei »künstlich überdimensioniert«, weil hier 20,9 Prozent der Wohnbevölkerung arbeiteten, während es in der Bundesrepublik nur 14,2 Prozent sind. Sarrazin: »Hier wird und muss es erhebliche Freisetzungen geben. Bei Freisetzungen im Umfang von ca. 35 bis 40 v.H. der Industriebeschäftigten wäre der in der Bundesrepublik übliche Anteil der Industriebeschäftigten an der Wohnbevölkerung erreicht.«

Und Köhler, sachverständig wie er ist – er hatte schon 1977 seine Doktorarbeit dem »Freisetzen von Arbeit« gewidmet –, stimmte freudig zu.

Das gehört zu den wenigen Einzelheiten, die aus der klandestinen Anschluss-Arbeit der Gruppe Köhler-Sarrazin im Bundesfinanzministerium bekannt wurden. Aber Sarrazin weiß mehr, Sarrazin weiß alles, was damals für das Anschlussgebiet geplant wurde. Er weiß zu viel...


Mehr zur Köhler-Sarrazin-Connection:
Der Freund, der gute Freund von Otto Köhler mit mehr Einzelheiten über Sarrazins Rolle in der viersiebten Wirtschafts- und Währungsunion!

LaufzeitenExportWeltmeister

091015_pol_sewersk_2
091007_1509_titelbild_wahl
459_Krieg_und_Leichen___die_letzte_Hoffnung_der_Reiche
Atomkopulation
tomsk-7_4r0002
tomsk_7
Strahlendes Sibirien
"Euer Atommüll verrottet bei uns"
Alptraum Atommüll - (Frankreich, 2009, 98mn) ARTE F - Regie: Eric Guéret

Schönen Abend noch in D'yer Ma'ker!

Sarrazin und die Sarazenen: Robuster Tabubruch

"Immer fällt mir, wenn ich an den Indianer denke, der Türke ein. Das hat, so sonderbar es scheinen mag, doch seine Berechtigung." Karl May, Winnetou I

Die Wikipedia zur Etymologie des Begriffes Sarazenen:
Griechisch Sarakenoi, syrisch Sarkaye und lateinisch Saraceni bezeichnete in der Spätantike (2. bis 4. Jahrhundert) zunächst einen oder mehrere Nomadenstämme auf der Sinaihalbinsel, und zwar nach der Darstellung von Ptolemaios im Gebiet von Nabatäa. Die Herkunft des Wortes ist nicht sicher. Unter den zahlreichen Etymologien, die in moderner Zeit vorgeschlagen wurden, begegnet am häufigsten eine seit dem 18. Jahrhundert aufgekommene Herleitung aus arabisch scharqi („östlich, orientalisch, Orientale“). Ebenfalls bedenkenswert erscheint als mögliche arabische Wurzel sariq, Plural sariqin („Plünderer“).

Bedeutungsentwicklung
Die Bedeutung wurde seit der Spätantike sukzessive erweitert, zuerst auf die übrigen arabischen Stämme der vorislamischen Zeit (Eusebius, Hieronymus), und dann im Laufe der kriegerischen Auseinandersetzungen mit maurischen und arabischen Armeen in Europa auf die islamischen Völkerschaften schlechthin. In dieser erweiterten Bedeutung wurde das Wort seit der Zeit der Kreuzzüge aus dem Griechischen und Lateinischen auch in die europäischen Volkssprachen übernommen.

Der Gebrauch im christlichen Schrifttum war hierbei geprägt von einer die bezeichneten Völker abwertenden, gelehrten Volksetymologie. Bereits bei Hieronymus und Sozomenos, also in vorislamischer Zeit, erscheint die Worterklärung, dass die Agarener (oder Hagarener), die Nachfahren der Hagar, der verstoßenen Sklavin und Nebenfrau Abrahams, sich fälschlich als „Sarazenen“ bezeichnet hätten, um sich als Abkömmlinge der Sarah, der Freien und Ehefrau Abrahams auszugeben und sich dadurch aufzuwerten. Diese Worterklärung, die die Sarazenen als verkappte Agarener, und damit in Anknüpfung an die paulinische Deutung des alttestamentlichen Themas (Gal. 4,21-31) als Angehörige eines von Gott heilsgeschichtlich verstoßenen Volkes deutete, wurde bei den christlichen Autoren des Mittelalters seit dem Aufkommen des Islam zu einem anti-islamischen Topos, der in der europäischen Literatur über die Kreuzzüge und den Islam weitere Verbreitung erlangte.

Das Wort saracenus und seine volkssprachlichen Entsprechungen haben im Verlauf ihrer mittelalterlichen Bedeutungsentwicklung neben der primären ethnischen oder religiösen Bedeutung „islamischen Völkern zugehörig“ zum Teil auch die weitere Bedeutung „heidnisch“ oder allgemein „fremdartig, alt“ angenommen (so in Bezeichnungen von Bauwerken oder Ruinen der römischen Antike als „sarazenisch“, daher auch engl. sarsen (stone) für Megalithen in prähistorischen Monumenten), außerdem in bestimmten Zusammenhängen die übertragene Bedeutung „schwarz, dunkel“. Sprach- und sachgeschichtlich ist deshalb oft schwer oder nur anhand des jeweiligen Kontextes zu entscheiden, ob gegebene Verwendungsweisen auf der primären oder einer sekundären Bedeutung beruhen.

Als zu Beginn des 15. Jahrhunderts in romanischen und deutschsprachigen Ländern erstmals Gruppen der ursprünglich aus Indien stammenden, über Byzanz und den Balkan zugewanderten Roma auftauchten und von der einheimischen Bevölkerung als Angehörige eines fremden, dunkelhäutigen und aus dem Osten stammenden Volkes wahrgenommen wurden, wurde neben anderen Bezeichnungen wie „Ägypter“, „Zigeuner“ (beides schon im byzantinischen Sprachgebrauch vorgebildet), „Heiden“ und „Tataren“ zuweilen auch die Bezeichnung „Sarazenen“ für Roma verwendet, so hauptsächlich in romanischen Sprachen und unter deren Einfluss dann im 15. Jh. vereinzelt auch im Deutschen.

Abgeleitete Namen
Personennamen
Besonders in Frankreich und der Schweiz ist noch heute der Familienname Sar(r)asin bzw. Sar(r)azin verbreitet, in der deutschsprachigen Schweiz auch Saratz, in Italien und der italienischsprachigen Schweiz Sar(r)aceno, Sar(r)acino, im Englischen die aus dem Französischen bzw. Anglonormannischen noch weiter entwickelte Form Sarson. Vorläufer solcher Namen ist im Mittelalter ein in den lateinischen Quellen seit dem 11. Jh. vielfach dokumentierter Name oder Beiname Saracenus, der in vielen Fällen wegen einer „sarazenischen“ Herkunft des Trägers, in anderen Fällen aber auch nur wegen eines zeitweisen Aufenthaltes bei den „Sarazenen“ oder, wie lat. Maurus, nordfrz. Moreau, engl. Moore, zur Hervorhebung einer besonders dunklen Haut- oder Haarfarbe entstand. Sofern der Name erst im Spätmittelalter in Gebrauch kam, ist auch mit der Möglichkeit zu rechnen, dass er im Hinblick auf die mögliche Bedeutung „Zigeuner“ gewählt wurde.


PI-Werbung-7Wenn also der Name Sarrazin auf die sarazenische Herkunft des Trägers verweist, dann haben wir es hier mit einem interessanten Fall von kultureller Obsthändler-Identitätsdiffusion zu tun. Das muss ähnlich wehtun wie die Obsessionen eines Mr Liwek “Lionheart” Ozog aus Tombstone, AZ 85638, USA, der den Chef macht bei Fact - Fiction (a transatlantic press network based in the USA: ... widmet sich vornehmlich der Politik, der Wirtschaft, den Medien, der Geschichte und Zeitgeschichte. Es ist konservativ, politisch-inkorrekt, kapitalistisch, religiös neutral, anti-islamistisch, anti-ideologisch, vertritt aber die christlichen Wurzeln des Abendlandes und deutsche Interessen... - ein ähnlich bräunliches Gemisch also wie PI -), dessen deutscher Ableger mit viel islamophober Zustimmung die schönsten Passagen des Sarrazin-Interviews im Netz verbreitet.

Ist aber auch egal, denn:

Ob Sarrazin sich total geirrt hat oder nicht, ist in der Draufsicht auf das Problem des Landes völlig unwichtig, aber er hat sich als Tabubrecher für das Ganze nützlich gemacht. Und es wird noch viele Tabus zu brechen geben, wenn etwas Vernünftiges dabei heraus kommen soll.
Bettina Röhl als Gefangene der Sarazenen:


IFB-5735_Die_Gefangene_der_Sarazenen_I-1960_8p_3-00e
... Was Sarrazin gesagt hat, muss jemand sagen dürfen, ohne, dass er persönlich vernichtet wird. Sarrazin hat ein Recht, mit dem was er gesagt hat, auf das Gegenargument. Und die Gesellschaft und die Bürger dieses Land haben ein Recht auf Diskussion. Die Reaktionen, die Sarrazin erzeugt hat, beweisen, dass das Thema Integration von einem gefährlichen Ungeist totgebügelt wird, obwohl es das wahrscheinlich virulenteste Thema der Gegenwart ist.
Ohne jede Grundlage werden Phantastereien, Ideologien und alle möglichen Verklemmungen gepaart mit skrupelloser Karrieresucht und einem unerträglichen Gutmenschentum zu einer verquasten Pampe gerührt. Wie gesagt, ob Sarrazin unter- oder übertreibt, ob er überhaupt richtig oder gänzlich falsch liegt, oder ob Sarrazin sich im Ton vergriffen hat oder nicht, ist ein eigenes Thema für sich, dass aber nur diskutiert werden kann, wenn Meinungsfreiheit und wenn Fakten herrschen, respektive eine Chance haben, erkannt zu werden...



Eine Wortkotze ohnegleichen, - schön aber rührt sie den Topos des heroischen Tabu-Brechens in ihre verquaste Pampe; eine Technik, die auch als Plasberg-Methode in den öffentlichen Schein-Debatten grassiert:

... Und warum geht's im hiesigen Diskurs, was das Sortieren brauchbarer und unbrauchbarer Gruppen angeht, so verkrampft zu? Bei dieser Frage gäbe es eine Durchfallquote von null Prozent sogar bei Kopftuchmädchen. Plasberg durfte die Antwort vorwegnehmen, in Frageform: „Ist das ein Erbe der Nazi-Unkultur, dass wir solche Diskussionen nicht mehr führen können?“ Streberhaft preschte Oswald Metzger vor: „Aus meiner Sicht ohne jede Frage. Also, das Erbe der deutschen Geschichte des letzten Jahrhunderts wird uns ewig“ - hier stockte Metzger, und in seine „Ähs“ hinein, noch bevor er den Satz mit „bleiben“ beenden konnte, stellte Plasberg seine Anschlussfrage: „Zurecht oder zu Unrecht?“

Und das musste wirklich einmal gefragt werden. Dafür hat sich der ganze Lärm gelohnt. Auch wenn fünfundneunzig Prozent der türkischen Bevölkerung in Berlin von heute an aus lauter Trotz auch noch Kopftuchjungen produzieren, diesen Erfolg kann Thilo Sarrazin niemand mehr nehmen. Das Erbe der deutschen Geschichte ist für die Deutschen dauernde Belastung und Verpflichtung. Zurecht oder zu Unrecht? Rufen Sie Plasberg an, schicken Sie ihm eine Mail, und versäumen Sie nicht den Fakten-Check zum Holocaust und zum Existenzrecht Israels.

Plasberg wollte aber auch wirklich genau wissen, ob die geschichtspolitische Erblast unsere Debattenkultur erdrückt, und belohnte seinen Lieblingsschüler Metzger mit der Nachfrage: „Sollten wir uns jetzt davon befreien?“ Jetzt? Sofort, aus Metzgers Sicht. Oder nie, darum aber erst recht. „Aus meiner Sicht: Die Erblast tragen wir, aber wir können uns davon befreien.“ Durch enthemmtes Schwätzen.

Von der „Heftigkeit“ des Streits in seiner Sendung wollte Plasberg zurückschließen auf die Legitimität seiner Strategie der maßlosen Dramatisierung. Frage an Matussek: „Wofür ist Sarrazin das Indiz? Ist er eher der Brandstifter für Sie oder eher ein Ventil für einen Überdruckkessel?“ Matussek entschied sich erwartungsgemäß für Ventil und lieferte Plasberg das Stichwort der von Sarrazin verdienstvollerweise berührten „Tabufelder“. Plasberg, triumphierend: „Sehen Sie einmal, was da passiert, wenn man ein Tabu verletzt.“ Diesen Satz musste Plasberg nicht mehr als Frage formulieren. Er war die Antwort. In der verkehrten Welt der Fernsehdebatte ist ein Tabu dadurch definiert, dass es gebrochen werden muss.


Neu ist das ja alles nicht:
Robustest möglicher Schwachsinn // geändert in: Pack
Deutsche religiöser als vermutet - und man merkt es sofort
Hagen Rether in der Scheibenwischer Gala 29.12.07 : Der Islam<


Ansonsten: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
Oder immer gut gegen alle terribles simplificateurs: Theweleit: Play Station Cordoba. Yugoslavia. Afghanistan etc. Ein Kriegsmodell (nur noch hier: Booklooker)
”Die Politik der kulturellen Identität besteht darin, Minoritäten innerhalb von Majoritätsgesellschaften anzustiften, ihre je kulturelle Autonomie zu behaupten, zur Not mit Gewalt. (...) Die Begriffserfindung der kulturellen Identität hat keine reale Entsprechung, sie ist ein Kontrafaktum, eine Konstruktion zur Erpressung der zu ihr gehörigen und zur ausbeuterischen Ausgrenzung aller nicht zu ihr gehörigen.” Bazon Brock: Krieg und Kunst - Kulturelle Regelsysteme

Sieger - oder: Mission accomplished

hirschrufer_em_dpa_266x200St. Andreasberg. Andreas Töpfer aus Hann. Münden hat die neunten Hirschrufmeisterschaften im Harz gewonnen. Der Betriebsschlosser siegte vor St. Andreasbergs Bürgermeister Hans-Günter Schärf (SPD). Bei den Harzer Hirschrufmeisterschaften versuchen die Teilnehmer, die Rufe der Rothirsche mithilfe von Weizenbiergläsern, Küchenrollen oder Muscheln zu imitieren. Die Wettbewerber waren in den Disziplinen "Suchender Hirsch", "Kampfschrei" und "Sprengruf" gegeneinander angetreten. Den Sprengruf brüllt ein Rothirsch einem männlichen Hirsch hinterher, wenn er diesen im Geweihkampf besiegt hat. Dieses Projekt des Ex-Bundeskanzlers Gerhard Schröder hatte implizit das Schreddern der alten Volkspartei SPD zum Ziel. Die Mittel dazu waren politische Entscheidungen, die den Interessen der Mehrheit der SPD-Wähler entgegengesetzt waren: Deregulierungen (der Finanzmärkte), Privatisierungen (der Bahn), Hartz IV und die Agenda 2010, die Einführung der Praxisgebühr, schließlich die Rente mit 67 durch Müntefering. Seit 2003 sind für die SPD die Folgen ihrer Politik klar: Der Verlust von hunderttausenden Parteimitgliedern und die Abwanderung von Millionen Wählern. Die Partei verlor Wahl nach Wahl und rettete sich in die Große Koalition. Und auch im gegenwärtigen Wahlkampf stand die SPD mit ihrem Personal, allen voran Steinmeier und Müntefering, für diese desaströse Politik.
schroder-steinmeier-muntefering-struck-steinbruck
Mit dem Wahlergebnis nun ist das Schröder-Projekt praktisch erfüllt: Die SPD als große Partei des sozialen Ausgleiches, als Volkspartei der Arbeitnehmer und des fortschrittlichen Bürgertums, existiert nicht mehr. Und dies ist nicht die Folge der "Auflösung von traditionellen Milieus", sondern der ganz konkreten und bewussten Politik der SPD-Führung.
Ohne eine einschneidende Zäsur wird die SPD nur noch als Wurmfortsatz existieren. Zu dieser Zäsur wird der Satz gehören: "Hartz IV und die Rente mit 67 waren große politische Fehler." Bisher haben sich die Verantwortlichen lieber die Zunge abgebissenen, als diese Fehler öffentlich einzugestehen. Umso grotesker muten die angekündigten "Analysen" der Wahlkatastrophe und ihrer Ursachen an. Das ist so, als wenn man bei einem Harzinfarkt sich auf den Fußpilz konzentriert...

1. Meldung des Deutschen Depeschendienstes vom 26.09.09
2. Kommentar von Rudolf Stumberger vom 28.09.2009 bei tp.
3. Ergebnis der Bundestagswahl 2009 mit Nichtwählern bei blogwürdig:
Bundestagswahl-2009-ve-nw1

Siehe auch: De omnibus dubitandum

Zu Gelb siehe auch: Versicherungsvertreter im Bundestag

Metamorphosis II - oder: Postdemokratie

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in ...
einer Gesellschaftsform wieder, die die Demokratie mit sich herumschleppt wie einen kranken Verwandten:
... das ist eine Herrschaftsform, die Colin Crouch „Postdemokratie“ genannt hat: ein prekärer Zustand zwischen der Herrschaft des Volkes und der Herrschaft der Konzerne (die sich den Umstand zunutze machen, dass der Staat seine Bürger nicht mehr schützen will): „Das heißt nicht, dass wir in einem nichtdemokratischen Staat leben, der Begriff beschreibt jedoch eine Phase, in der wir gleichsam am anderen Ende der Parabel der Demokratie angekommen sind. Viele Symptome weisen darauf hin, dass dies heute in den Industrienationen der Fall ist, und wir uns vom Ideal der Demokratie fort- und auf das postdemokratische Modell zu bewegen.“


raabEin schönes Beispiel für die Symptomatik war eben auf Pro7 zu sehen: hier kam die mediale Inszenierung der Bundestagswahl zu sich selbst: zuerst waren wirkliche Politiker zu Gast, die für den Fleischwarenfachverkäufer den Affen machten, dann wurden Jugendliche - auf widerlichste Weise - vorgeführt, deren politische Unkenntnisse das Ergebnis 1. genau dieser Art von Fernsehen, 2. dieser Art von Politik und 3. des von dieser Art von Politik verordneten Politikunterrichts in den Schulen sind. Herzlichen Glückwunsch. Etwas irritiert war man dann, dass die Linke in vielen Bundesländern die stärkste Partei war - und insgesamt die zweitstärkste (und die FDP die drittstärkste) -, was nun so gedeutet werden könnte: Das Prekariat glotzt Pro7, weiß aber trotzdem, wo die Lampe hängt - oder:

Die Postdemokratie zeichnet sich dadurch aus, dass demokratische und nicht-demokratische Impulse einander durchdringen und dass dieser Prozess der inneren Zersetzung sich nicht in Form von großen Skandalen, Staatsstreichen oder Systemwechseln vollzieht, sondern in Form der schleichenden Erosion, der Gewöhnung, der „Alternativlosigkeit“. Man kann, so scheint es, einfach nichts dagegen machen: gegen die Anfälligkeit für direkte und mehr noch indirekte Korruption; gegen die Entmachtung der Parlamente durch eine Komplizenschaft der Exekutive mit der Wirtschaft; gegen das Privatisieren und Outsourcen, gegen die Erzeugung neuer bildungs- wie politik-, letztlich gar lebensfernen Subgesellschaften, die sich alle Freiheiten nehmen, weil es in ihren Ghettos (Plattenbau, Droge und Fernsehen) nichts zu verlieren gibt; gegen die Medialisierung und Infantilisierung der politischen Kommunikation zu einer Art von Democratainment, in dem Macht- und Entscheidungsfragen allenfalls in Form von Gerüchten und Affären behandelt werden und ansonsten eine Endlos-Show läuft; gegen die digitale Überwachungssucht, die Tendenz der Durchdringung von Wirtschaft und Politik; gegen den Sieg des Systemischen über das Moralische (Eigenart aller Fundamentalismen, so auch des kapitalistischen Fundamentalismus, des so genannten Neoliberalismus: Das System zu erhalten ist das einzig bedeutende Ziel, die Elemente – in diesem Fall: Menschen, Ideen und Projekte, sind demgegenüber völlig gleichgültig); gegen politische Entscheidungen, die aus Sachzwängen und Machtspielen entstehen, die Entstehung rechtsfreier Räume und demokratieresistenter sozialer Milieus; gegen die Auflösung der ideellen und politischen Konkurrenzen der Parteien in innerparteiliche Machtspiele und mediale Popularitätstests. Und so weiter.

Verzweifelt: die Mitte

Demokratische Formen der Regierung und der Kontrolle der Regierung ist das eine, eine Form der inneren Demokratie das andere. Diese „innere Demokratie“ einer Gesellschaft wäre ein System, in dem die einzelnen Elemente zugleich voneinander abhängig sind und voneinander unabhängig: eine Abhängigkeit, die sich aus Interesse und Wert zusammensetzen würde. Unabhängigkeit würde vielleicht mit weniger Sozialprestige und weniger Karriereaussicht, aber nicht mit dem sozialen Tod bedroht. Abhängigkeit wäre ein Pakt auf Zeit, der niemals, ich wiederhole: in einer demokratischen Gesellschaft niemals die Art von Abhängigkeit sein dürfte, die eine nach der Art einer Sklavenhaltergesellschaft von Herrn und Diener ist oder die nach Mafia-Art die einer unauflöslichen, verschworenen Gemeinschaft.

Im Neoliberalismus haben sich die Verhältnisse von Abhängigkeit und Unabhängigkeit ebenso verändert wie die Bedingungen einer politischen Kontrolle der Ökonomie und einer demokratischen Kontrolle der Politik. Wechselseitige Abhängigkeit verdichtet sich in der Mitte. Eine fundamentale zwischenmenschliche und soziale Unabhängigkeit dagegen entwickelt sich an den Rändern: Der Jugendliche U-Bahnschläger, für den es keine Hemmung gibt, einen anderen Menschen totzuprügeln, gleicht darin einem Millionen-Bankmanager, der nichts dabei findet, sein Unternehmen von der Allgemeinheit refinanzieren zu lassen und sich dabei erneut die eigenen Taschen mit „Boni“ vollzustopfen – beide müssen sich von niemandem wirklich abhängig fühlen. Für beide gibt es keine wechselseitige soziale Beziehung mehr, die eine Balance zwischen eigenen Interessen und denen von Mitmenschen oder denen des demokratischen Systems verlangen würde. Jenseits der demokratischen Abhängigkeit verhalten sich Menschen offensichtlich oben wie unten: barbarisch.

Die Mitte versucht verzweifelt, die ohnehin schon ausgeprägte wechselseitige Abhängigkeit noch zu erhöhen: Sie ruft nach noch mehr Kontrolle, meint und trifft dabei allerdings weniger die „unverantwortlichen“ Ränder als sich selbst. In der Mitte ist gegenseitige und hierarchische Abhängigkeit bereits wiederum so ausgeprägt, dass allerorten die Grenzen zwischen der demokratischen und der sklavenhalterischen oder der mafiösen Abhängigkeit überschritten werden. Das Gesetz der Abhängigkeit erlaubt es Menschen in der Mitte nicht nur nicht mehr, ihre Möglichkeiten zu entfalten. Es erlaubt ihnen nicht einmal mehr, ein Bewusstsein, eine Sprache für ihre Gefängnis-Situation zu haben. Wir nennen es Korruption, wir nennen es Feigheit, wir nennen es Unterwerfung; es ist indes nichts anderes als die zur alltäglichen Charaktereigenschaft in einem Lebenszusammenhang der fundamentalen Abhängigkeit gewordene Taktik des Überlebens: Dem Verlust an Wahlmöglichkeiten (und sei es die zwischen Sprechen und Schweigen) begegnen wir mit Wahl-Surrogaten wie der Wahl zwischen Aldi und Lidl oder der Wahl zwischen RTL und ProSieben, zwischen Infotainment, Dokutainment und Politainment. Und wir müssen nicht nur in Kauf nehmen, sondern sogar fordern, dass sich die äußere Surrogat-Demokratie der inneren Surrogat-Demokratie angleicht und also ein Wahlkampf vor allem an seinem Unterhaltungswert wie am „Mitspiel“-Wert gemessen wird. In Ergänzung zu Crouchs politischer Form der Postdemokratie müssten wir daher auch eine soziale Form der Postdemokratie beschreiben (die Ausbreitung von rechtsfreien Räumen, Inseln der feudalistischen und der mafiösen Herrschaft, Abhängigkeit in der Arbeit und über die Medien, die jenseits der Vorstellung vom freien Individuum liegen). Postdemokratisch ist nicht nur die Sphäre „da oben“, postdemokratisch ist auch unser Alltags-, Arbeits- und Kulturleben...

Georg Seeßlen
Die Wahl der Wahl


Oder auch:
Eine Masse, die ständig die Form wechselt
090923_wibi_schwarm_dpaEin Falke muss ein konkretes Einzelwesen anvisieren. Eine dichte Masse, die ständig die Form wechselt, sich ruckartig zusammenzieht, pulsiert oder Wellen bildet, überfordert ihn. In der Masse des Schwarms verschwimmen die Konturen der einzelnen Beutetiere zu einem großen Ganzen. Stare bewegen sich ganzjährig in teilweise riesigen Trupps und die ab Mitte Juni selbstständigen Jungvögel bilden ebenfalls sofort Schwärme.

"Stare wissen, was rund sechs bis sieben Nachbarn im Schwarm machen", sagt Berthold. Ändert der Nachbar Richtung, Geschwindigkeit oder Abstand, erlaubt ihre rasche Reaktionsfähigkeit es ihnen, diese Änderung unmittelbar zu registrieren und nachzuvollziehen. Ein Star im Schwarm achtet dabei nicht auf alle Vögel innerhalb eines bestimmten Umkreises, wie frühere Modelle annahmen. Er interessiert sich nur für die bis zu sieben Nachbarn neben, über und unter sich.

Das hat Cavagna herausgefunden, den die faszinierenden Flugmanöver der Stare über Rom und deren Koordination nicht los gelassen haben. Das von ihm geleitete, internationale und interdisziplinäre EU-Projekt Star-Flag hat die Flugfiguren mit Hochgeschwindigkeitskameras fotografiert, die von verschiedenen Standorten synchron zehn Mal pro Sekunde auslösten. "Wir wollten dreidimensional feststellen, nach welchen Gesetzmäßigkeiten das kollektive Verhalten und die Selbstorganisation einer Masse von Tieren funktionieren."

Ein System aus vielen kleinen Einheiten

Jeder einzelne Vogel versucht vielmehr, in der Mitte seiner Nachbarn zu bleiben, unabhängig davon, wie weit sie entfernt sind. Dies erklärt auch die variierende Dichte eines Schwarms, wenn er sich zusammenballt, auseinanderzieht, teilt und wiedervereint, ohne jedoch auseinanderzufallen. Die Forscher vermuten, dass die Gehirnkapazität des Vogels es nicht zulässt, sich auf mehr Artgenossen gleichzeitig zu konzentrieren. Dabei orientiert er sich nicht in Flugrichtung, da das Sichtfeld seitwärts ausgerichtet und nach vorne eingeschränkt ist.

"Wir haben bewiesen, dass ein System aus vielen kleinen Einheiten, die nur lokal aufeinander wirken, zu einem großen Ganzen mit gemeinsamen allgemeinen Eigenschaften wird", fasst Cavagna zusammen. "Vorher gab es zwar eine Reihe von Modellen und Theorien über Schwärme, aber keinerlei vor allem dreidimensionale Messwerte."Vielfach wurde Schwarmverhalten mittels Computermodellen wie dem von Jens Krause von der Universität in Leeds untersucht. Verhaltensbiologen haben nach dem Beobachten verschiedener Tierschwärme und Menschenmassen einige einfache Regeln abgeleitet, die für jedes Individuum im Schwarm gelten.

Anhand dieser versucht Krause in seiner Computersimulation das Verhalten des Schwarms vorherzusagen. Die Regeln lauten: Bewege dich zum Mittelpunkt deiner Nachbarn und in die gleiche Richtung wie sie, berühre sie nicht und weiche aus, wenn dir jemand zu nahe kommt. Stare, so Cavagnas Messungen, halten mindestens eine Flügelspanne Abstand zu einander. Da alle diese Regeln befolgen, kann jedes Individuum eine Richtungsänderung auslösen, woraufhin der ganze Schwarm sich neu formiert.

Nähert sich ein Feind, verdichtet sich der Schwarm, um das Anvisieren eines einzelnen Vogels zu erschweren, oder er weicht aus, teilt sich vor dem Räuber und fließt dahinter wieder zusammen. Krauses Computermodell hat die Wissenschaftssendung Quarks vor zwei Jahren im Menschen-Experiment überprüft.

Über 200 Freiwillige kamen in den Kölner Messehallen zusammen und schwärmten zunächst nach zwei Regeln umeinander: Bleib in Bewegung und halte immer eine Armlänge Abstand von den anderen Personen um dich herum. Verbale oder mimische Kommunikation war untersagt. Aus einer anfangs ungeordneten Wolke von Gehern formte sich schnell ein ringförmiges Band mit einem Loch in der Mitte.

Beim nächsten Versuch wurde der Schwarm von einem Jäger bedroht und es galt die Zusatzregel: Weiche dem Jäger aus und halte mindestens zwei Armlängen Abstand zu ihm. Das Ergebnis: Der menschliche Schwarm teilte sich vor dem Räuber, fand hinter ihm wieder zusammen und der Räuber konnte keinen Schwärmer erwischen. Fazit: Das Befolgen der einfachen Regeln führt ohne Befehlshaber, Leithammel oder Absprachen immer wieder zu spontaner Ordnung im Schwarm. Jeder einzelne Star handelt unter Beachtung der Regeln für sich alleine. EU-Projekt Star-Flag: http://angel.elte.hu/starling/

FR-online.de

Schwarmintelligenz!
Schwarmverhalten - The Next Social Revolution?!

FAZblog-StaMoKap

Die F.A.Z. Community diskutiert die Reichweite der Stamokap-Theorie!
Weissgarnix holt dazu einen interessanten Artikel aus dem Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung und verlinkt:
Aber die theoretische Analyse der Rolle des Staates im Kapitalismus bekommt heute ohne Zweifel einen Reiz, den die damaligen Kritiker des ML Diskurses kaum vorhersehen konnten. Rudzio 1979:

“Gerade die von der Stamokap-Theorie herausgestellte Integration des Staates in den ökonomischen Prozeß – verkörpert in Steuerungsmaßnahmen, öffentlichem Wirtschaftssektor und Infrastrukturbereich, staatlicher Umverteilung u. a. – könnte als Merkmal eines gemischten, nicht mehr nur kapitalistisch geprägten Gesellschaftssystems verstanden werden – liegt es doch nahe, vom demokratischen Staat nicht profit-, sondern wählerorientiertes Verhalten zu erwarten. Wenn die Stamokap-Theorie im Gegenteil hier vielmehr eine Zuspitzung kapitalistischer Ausbeutung, Widersprüche und Konflikte erblickt, so infolge ihrer Einschätzung des Staates als Stabilisator der Monopole mit der doppelten Aufgabe, sowohl die Monopolprofite zu steigern als auch die kapitalistische Ordnung insgesamt zu erhalten. Ausdehnung staatlicher Funktionen bedeutet in dieser Sicht also eine Stärkung der kapitalistischen Züge der Gesellschaft und nicht das Gegenteil.”




...

Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

Haftungsausschluss

The music featured on this blog is, of course, for evaluation and promotion purposes only. If you like what you hear then go out and try and buy the original recordings or go to a concert... or give money to a down on his luck musician, or sponsor a good busker, it may be the start of something beautiful. If your music is on this blog and you wish it removed, tell us and it shall be removed.

Archiv

Mai 2018
April 2018
März 2018
Februar 2018
Januar 2018
Dezember 2017
November 2017
Oktober 2017
September 2017
August 2017
Juli 2017
Juni 2017
Mai 2017
April 2017
März 2017
Februar 2017
Januar 2017
Dezember 2016
November 2016
Oktober 2016
September 2016
August 2016
Juli 2016
Juni 2016
Mai 2016
April 2016
März 2016
Februar 2016
Januar 2016
Dezember 2015
November 2015
Oktober 2015
September 2015
August 2015
Juli 2015
Juni 2015
Mai 2015
April 2015
März 2015
Februar 2015
Januar 2015
Dezember 2014
November 2014
Oktober 2014
September 2014
August 2014
Juli 2014
Juni 2014
Mai 2014
April 2014
März 2014
Februar 2014
Januar 2014
Dezember 2013
November 2013
Oktober 2013
September 2013
August 2013
Juli 2013
Juni 2013
Mai 2013
April 2013
März 2013
Februar 2013
Januar 2013
Dezember 2012
November 2012
Oktober 2012
September 2012
August 2012
Juli 2012
Juni 2012
Mai 2012
April 2012
März 2012
Februar 2012
Januar 2012
Dezember 2011
November 2011
Oktober 2011
September 2011
August 2011
Juli 2011
Juni 2011
Mai 2011
April 2011
März 2011
Februar 2011
Januar 2011
Dezember 2010
November 2010
Oktober 2010
September 2010
August 2010
Juli 2010
Juni 2010
Mai 2010
April 2010
März 2010
Februar 2010
Januar 2010
Dezember 2009
November 2009
Oktober 2009
September 2009
August 2009
Juli 2009
Juni 2009
Mai 2009
April 2009
März 2009
Februar 2009
Januar 2009
Dezember 2008
November 2008
Oktober 2008
September 2008
August 2008
Juli 2008
Juni 2008
Mai 2008
April 2008
März 2008
Februar 2008
Januar 2008
Dezember 2007
November 2007
Oktober 2007
Juli 2007
Juni 2007
Mai 2007
April 2007
März 2007
Februar 2007
Januar 2007
Dezember 2006
November 2006
Oktober 2006
September 2006
August 2006
Juli 2006
Juni 2006
Mai 2006
April 2006
März 2006
Februar 2006
Januar 2006
Dezember 2005
November 2005
Oktober 2005
September 2005
August 2005
Juli 2005
Juni 2005
Mai 2005
April 2005
März 2005
Februar 2005
Januar 2005

Credits


Aesthetik
Archäologie
Ästhetik des Widerstands
Aus der sozialen Überdruckkammer
Bildung
Futurologie
Kritische Psychologie
Lernen
Literatur unterrichten
Medial
Musik
Musikarchiv
Politik unterrichten
Trash
Unterrichten
Welterklaerung
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren