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Von Kälbern und Schlachtbänken

Bei duckhome findet sich ein Hinweis auf den Film "Der Fall Serrano" (Mort d'un pourri) von 1977:

mort d'un pourri

Kalbshaxe Bürgerliche Art

(...)

Nikolas Tomski (Klaus Kinski): »Indessen konstituiert sich die Internationale der Proleten. Dagegen etablieren wir die Internationale der Moneten. Sie verdient mehr Vertrauen, glauben Sie mir. Worte wie: ›Kriegführende Alliierte‹ gehören der Vergangenheit an. Wir haben keine ›Freunde‹ mehr, wir haben ›Partner‹. Wir haben keine ›Feinde‹ mehr, wir haben ›Kunden‹. Das Kapital kennt keine Grenzen mehr.«

Xavier Maréchal (Alain Delon): »Die Korruption natürlich auch nicht.«

Nikolas Tomski: »Deshalb wird auch die Veröffentlichung der Akte Serrano nicht das Geringste ändern. Ich werde demissionieren, zwei oder drei Politiker müssen ihren Hut nehmen, Sie landen im Gefängnis. Im Grunde wird sich überhaupt nichts ändern.«

Xavier Maréchal: »Sie vergessen dabei aber völlig die öffentliche Meinung.«

Nikolas Tomski: »In der Lockheed-Affäre hat sie geschlafen.«

Xavier Maréchal: »Und der Fall Nixon

Nikolas Tomski: »Da ging’s nicht um Geld, es war eine Frage der Moral.«

Xavier Maréchal: »Ah! Es gibt sie also, die Moral!?«

Nikolas Tomski: »Keine Aufregung, dieser Skandal wird sich nicht wiederholen. Monsieur Maréchal, sie haben eine vorsintflutliche Ehrauffassung. Sie hat keine Beziehung zur Wirklichkeit mehr. War es nicht Ihr letzter großer Staatschef, der einmal gesagt hat, daß sie alle Kälber wären? Und was stört es denn schon, das ›Kalb‹ (Deutungsvolle Geste zu Xav), wenn ein Kabinettschef oder ein Staatssekretär sich schnell mal ein bißchen bereichert? Sind Sie der Meinung, daß dadurch die wirtschaftliche Situation auch nur im Geringsten tangiert wird? Wichtig ist doch nur das Produzieren, das Verteilen. Die Bedürfnisse der ›Kälber‹ zu decken. Ihnen zu fressen, zu saufen und was zum lieben zu geben, mehr brauchen sie nicht. Und vielleicht noch einen kleinen Tapetenwechsel im Jahr...«

(...)

Dieser vortreffliche Dialog zwischen den Schauspielern Alain Delon und Klaus Kinski stammt aus dem Politthriller »Der Fall Serrano« (1977). Er ist nach wie vor aktuell. Oder lassen sich die »Kälber« nach 32 Jahren nicht mehr freiwillig zur Schlachtbank führen?


Archäologie LVII: Wie Deutschland wirtschaftlich ruiniert wurde

Wiedergefunden: Ein Aufsatz von Heiner Flassbeck aus dem Jahre 2004: "Wie Deutschland wirtschaftlich ruiniert wurde - Ein Bericht aus dem Jahre 2010":
0-1020-1321892-00In der Rückschau auf 2003/2004 wirkt manches absurd, weil man sich die Verhältnisse und die geistige Disposition der meisten Akteure zu Beginn des dritten Jahrtausends heute nicht mehr vorstellen kann. Gleichwohl ist gerade jetzt eine gute Zeit für einen Rückblick, weil der Anfang der ruinösen Entwicklung an einem politischen Programm festgemacht werden kann, das paradoxerweise „Agenda 2010“ (elegant „zwanzigzehn“ von den damals verantwortlichen Politikern ausgesprochen) hieß.
Wie konnte es zu solch „kollektivem Wahn“ einer ganzen Gesellschaft kommen? Wie konnte man in den Jahren 2003/2004 mit großer Leichtfertigkeit die verhängnisvollen Fehler von 1929/30 wiederholen, obwohl gleichzeitig jeder, den man gefragt hätte, fest davon überzeugt gewesen wäre, die Lektion der ersten großen Krise gelernt zu haben? Welche Rolle spielte die ökonomische Wissenschaft, welche die Medien? Ich will anhand von einigen Beispielen erläutern, wie es zu der großen Konfusion kommen konnte, die den tiefen Fall der deutschen Wirtschaft und das Abrutschen in eine Deflation zur Folge hatte.
Der Ausdruck „Reformen“ war in Deutschland das Mantra, das spätestens seit der im Jahr 2000 einsetzenden Stagnation der Weltwirtschaft jeder vor sich hertrug, der glaubte, ökonomisch bis drei zählen zu können. So könne es nicht mehr weitergehen, war 2003 die unter „Fachleuten“ wie Laien fest verankerte Vorstellung, weil nach drei Jahren wirtschaftlicher Stagnation und fast fünf Millionen Arbeitslosen ein „Ruck“ durch die Gesellschaft gehen müsse, so das berühmte Wort eines Bundespräsidenten der 90er Jahre. Auf die nahe liegende Frage, um welche Reformen es denn konkret gehe, wussten die meisten nur noch einige Schlagworte von sich zu geben: Die Steuern waren zu kompliziert und zu hoch, die Sozialleistungen zu üppig, die Gesundheit zu teuer, die Rente zu unsicher und die Bürokratie, so die allgemeine Auffassung, hatte sich wie Mehltau übers Land gelegt.
So einfach war das scheinbar. Natürlich, es konnte ja gar nicht anders sein.
Die Logik war der Alltagserfahrung entnommen...


Den Aufsatz zu lesen kann helfen die Frage zu klären, was man wissen konnte ...

1 Vortrag

Wenn Sie Interesse haben, einem guten Vortrag über fast 45 Minuten zu folgen, um etwas über die Krise zu erfahren, empfehle ich:
Sahra Wagenknecht über Ursachen der Wirtschaftskrise:


Rede als MP3-File downloaden
via NDS

plus 1 Viseo

The Crisis of Credit Visualized from Jonathan Jarvis on Vimeo.

Vgl. auch
Geld IV - Der Unsinn der Rede von der Verstaatlichung - oder: In wessen Sinn die Rede ...?
Schlamasselvisualisierung

Einnahmen in Geldeswert

Die Bundesregierung definiert die Abwrackprämie als eine "Einnahme in Geldeswert", berichtet die Lausitzer Rundschau".
Das bedeutet, dass die Prämie mit dem Hartz-IV-Grundeinkommen verrechnet wird.
SpOn
Nach der Rechtssprechung des Bundessozialgerichts gilt für Hartz-IV-Empfänger ein privater Pkw bis zu einem Wert von 7500 Euro als angemessen. Bestimmte Hersteller wie Dacia bieten Kleinwagen zu diesem Preis an. Unter Einschluss der Abwrackprämie wären für den Kunden nur etwa 5000 Euro für das Neufahrzeug fällig. Langzeitarbeitslosen würde die Differenz aber vom Regelsatz abgezogen werden. LRonline

Ein Gericht hat die Kündigung einer Supermarktkassiererin wegen Pfandbons im Wert von 1,30 Euro bestätigt - ein maßloses Urteil.
Es ist dies ein Urteil ohne Maß, ein maßloses Urteil. Es liegt aber nicht außerhalb der Rechtsprechung.

Denn im Arbeitsrecht kann mit dem Instrumentarium der Verdachtskündigung ein Lohnabhängiger schon entlassen werden, wenn es nur eine plausible Möglichkeit gibt, dass er sich in den Augen der Arbeitgeber eines Vergehens schuldig gemacht haben könnte. Dieses Instrumentarium, das den rechtsstaatlichen Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ für das Arbeitsrecht außer Kraft setzt, existiert schon seit Ende des 19.Jahrhunderts...

Die geplante 200-Millionen-Euro-Ausschüttung der angeschlagenen HSH Nordbank an Investoren sorgt im schleswig-holsteinischen Landesparlament weiter für Empörung. Dies wurde am Donnerstag im Finanzausschuss deutlich. Die Kritik entzündete sich über die Maßnahme selbst hinaus daran, dass sie in stundenlangen Beratungen am Dienstag nicht erwähnt wurde. Bankchef Dirk Jens Nonnenmacher bedauerte, dass er darauf nicht eingegangen war.

Update:
Dividenden - Konzerne verwöhnen Aktionäre
Die Dax-Konzerne verteilen Trostpflaster an die Anleger. Für fallende Aktienkurse werden die Eigentümer der großen deutschen Unternehmen nun mit steigenden Dividenden für das Geschäftsjahr 2008 entschädigt... Die 30 Dax-Konzerne werden im laufenden Jahr 23,5 Milliarden Euro an Dividende an die Aktionäre überweisen, schätzen die Analysten der Commerzbank. Das wären immerhin 17 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Gewinne sind im selben Zeitraum freilich um 35 Prozent auf 50 Milliarden Euro eingebrochen.
Die Frage ist doch, wer die Differenz bezahlt. Antworten vermutlich hier!

Kommentar I:
"Die Herren machen das selber, dass ihnen der arme Mann feind wird. Die Ursache des Aufruhrs wollen sie nicht wegtun. Wie kann es die Länge gut werden? So ich das sage, muss ich aufrührerisch sein." - Hochverursachte Schutzrede, 1524. (Thomas Müntzer)

Kommentar II:

"Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? ...

Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?" - Die Dreigroschenoper, Druckfassung 1931, Szene 9; Textstelle ursprünglich aus dem Stück "Happy End" von Elisabeth Hauptmann, 1929.

Wie meine LieblingsHAZ heute meldet, hat gestern ein verzweifelter Depp in Hochwasserhosen die Sparkasse am Raschplatz überfallen. Ersten Ermittlungen zufolge hatte der Täter die Bank gegen 15.20 Uhr durch den Eingang an der Passerelle betreten. Mit einer Pistole bedrohte er eine 55-jährige Angestellte und forderte Bargeld. Mit der Beute flüchtete er anschließend in Richtung Hauptbahnhof. Die Polizei leitete eine Großfahndung ein. ... Aus Kreisen von Sparkassen-Mitarbeitern war zu hören, dass die Beute des Mannes weniger als 1000 Euro betragen habe.
20.02.2009 / HAZ Seite 13 Ressort: HANN

Gestern hatte meine LieblingsHAZ gemeldet, dass Hypo Real Estate Berlin erschreckt habe.
Der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate bedroht den Finanzmarkt weit stärker als bisher vermutet. Mehrere Finanzexperten des Bundestages bestätigten am Mittwoch, dass der Münchener Finanzkonzern Kredit- und Derivatgeschäfte in Höhe von einer Billion Euro abgeschlossen hat...
Von einer Großfahndung war nichts zu lesen!

In Blogs kursiert in diesem Zusammenhang die Zahl 16.3 trillion:
Der englische Telegraph hatte in einem Artikel vor weiterem Giftmüll, wie wir in Deutschland gerne sagen, gewarnt:
European bank bail-out could push EU into crisis
A bail-out of the toxic assets held by European banks' could plunge the European Union into crisis, according to a confidential Brussels document.

By Bruno Waterfield in Brussels
Last Updated: 3:50PM GMT 11 Feb 2009
“Estimates of total expected asset write-downs suggest that the budgetary costs – actual and contingent - of asset relief could be very large both in absolute terms and relative to GDP in member states,” the EC document, seen by The Daily Telegraph, cautioned.
"It is essential that government support through asset relief should not be on a scale that raises concern about over-indebtedness or financing problems.”
The secret 17-page paper was discussed by finance ministers, including the Chancellor Alistair Darling on Tuesday. ...

Wenn Sie jetzt über diesen Link zur Quelle gehen, sehen Sie in der Adresszeile den Oringinaltitel des Artikels, der offenbar zenziert worden ist (wobei die url vergessen wurde; - man kann sie auch googeln!)
Wenn man nicht die URL sondern die Summe googelt, wirft Google erstaunlicherweise fast ausschließlich links auf Blogs aus. Was aber ist, wenn es so ist, dass 44 Prozent der Vermögenswerte europäischer Banken derzeit "faul" sind und dass eine Berichterstattung darüber verhindert wird, diskutiert Gary Noth bei globalresearch.ca. Ein beunruhigend lesenswerter Text; - das Problem ist allerdings, dass North ein notorischer Bibelausleger ist, der meint, eben aus der Bibel den freien Markt begründen und alle Formen von Sozialismus als Teufelswerk entlarven zu können. Nun wissen wir wieder gar nichts mehr; - könnten allerdings zumindest in Meyers Lexikon uns schlau machen, wie die nicht gewinnorientierte, also langweilige Deutsche Pfandbriefanstalt zur Depfa wurde und wie die zur HypoRealEstate kam und wie die aus der Fusion von Bayerischer Hypotheken- und Wechselbank AG und Bayerischer Vereinsbank herausgekrochen ist und wer da alles im Zuge des Thatcher-Kohl-Schroeder'schen Privatisierungswahns beteiligt war ...

Statt da mal genauer hinzusehen, spürt meine LieblingsHAZ das
Wir-Gefühl in Herzogenaurach
schaefflerneu_DW_Wi_756686gMaria-Elisabeth Schaeffler zeigte sich tief gerührt, die Belegschaft zu weiteren Aktionen fest entschlossen: Mehrere Tausend Arbeiter und Angestellte des Schaeffler-Konzerns haben am Mittwoch bei Kundgebungen staatliche Überbrückungshilfe für den hoch verschuldeten Autozulieferer gefordert. Die größte Aktion fand am Sitz des Konzerns im bayerischen Herzogenaurach statt. Dort zogen nach Polizeischätzungen rund 8000 Arbeiter und Angestellte vom Werkstor zum Marktplatz. Viele Bürger der fränkischen Industriestadt schlossen sich an und sorgten für dichtes Gedränge in der Altstadt. Maria-Elisabeth Schaeffler, Miteigentümerin des Familienkonzerns, begrüßte die Demonstranten am Werkstor und war von der Aktion sichtlich bewegt. Mit Tränen in den Augen dankte sie den Beschäftigten für ihre Unterstützung. „Ich bin ergriffen und dankbar für den Einsatz. Ich fühle mich darin bestärkt, weiterhin zu kämpfen“, sagte sie. Zusammen mit ihrem Sohn schloss sie sich dem Demonstrationszug an..., wie meine LieblingsHAZ ebenfalls gestern berichtete!


Was ist ein Zusammen bruch eines Bankensystems gegen ein Wir-Gefühl?
Die heilige Elisabeth der Schluchzhöfe begrüßt uns in der Deutschen Arbeitsfront!

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"Kriegsgeschäfte der deutschen Unternehmerfamilie Schaeffler aus den frühen 1940er Jahren sorgen für Debatten im südlichen Polen. Die Gründer der Firma, die sich derzeit um staatliche Milliardenbürgschaften bemüht, begannen ihre unternehmerischen Aktivitäten entgegen offiziellen Angaben nicht erst 1946. Vielmehr nutzten sie für ihren Nachkriegs-Start Know-How und Gerät einer ehemals jüdischen Fabrik in Kietrz nahe der polnisch-tschechischen Grenze, die sie sich bald nach Kriegsbeginn angeeignet hatten. Der kurzerhand in "Schaeffler AG" umbenannte Betrieb stellte bis 1944 Textilien und Panzerteile für die Wehrmacht her; Maschinen und Fachpersonal wurden Anfang 1945 in den Westen verbracht und ermöglichten der Schaeffler-Firmengruppe ihren schnellen Aufstieg. Hinweise von Historikern führen zu Geschäftsbeziehungen der Unternehmensgründer mit der Abteilung Menschenverwertung im Vernichtungslager Auschwitz."(...)
(...)"Historische Quellen belegen..., dass Mitarbeiter aus dem Conti-Werk die Häftlinge im Lager eingewiesen und angelernt hätten. Die Conti sei faktisch Arbeitgeberin gewesen. Die 10. Kammer des Arbeitsgerichtes gehe sogar davon aus, dass die Conti mit dem SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt ohne staatlichen Zwang einen "privatrechtlichen Dienstverschaffungsvertrag abgeschlossen hatte, um KZ-Häftlinge zu mieten". Die Vereinbarung habe den Einsatz der Häftlinge und das Entgelt für die "Vermietung" geregelt. Aus Sicht des NS-Regimes habe die Vereinbarung sogar das Ziel gehabt, die KZ-Häftlinge durch Arbeit zu vernichten."
notiz: "schaeffler" - noch eine *deutsche* kapitalistische erfolgsgeschichte [2.update am 05.02.]

Hinweis:
Auf der Seite zu H.J. Krysmanskis aktuellem Seminar Richistan - Sozialstruktur des Superreichtums finden sich viele hilfreiche Links , u.a. auf die Online-Version seines Buches
kryHirten & Wölfe
Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen oder: Einladung zum Power Structure Research

2004 - 205 S.
€ 15,30 - SFR 27,40
ISBN : 3-89691-602-5
Das Interesse an den Reichen und Mächtigen dieser Welt wächst, je mehr Globalisierung und Privatisierung Hand in Hand gehen. Dennoch sind die Oberschichten - längst die wichtigsten Geldgeber und 'Kunden' - von den Sozialwissenschaften immer noch weitgehend unerforscht. Andererseits gibt es in den USA seit dem 19. Jahrhundert eine Tradition der kritischen Beobachtung der Machenschaften 'derer da oben'. Im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Bush-Administration und den Diskussionen um ein amerikanisches Imperium nimmt diese Form der Herrschaftsstrukturforschung einen neuen Aufschwung und regt WissenschaftlerInnen und JournalistInnen in vielen Ländern zu eigenen Recherchen an. Fast schon ist es eine intellektuelle Graswurzelbewegung. Das Buch breitet Ergebnisse dieser Forschungen des Power Structure Research aus. Es ist zugleich Werkstattbericht, Ressource und Aufforderung, sich selbst an dieser Bewegung zu beteiligen.

***

Im Zentrum dieses Seminars steht die Frage nach den Folgen der Wall Street Krise für die kleine Schicht der Superreichen, die laut Ferdinand Lundberg dadurch definiert ist, dass sie - im Gegensatz zu den nur 'Reichen' - gar nicht abstürzen kann. Wie also sieht das ökonomische, politische, soziale und kulturelle Sicherheitsnetz dieser absoluten Oberschicht aus? Robert Frank, ein Autor des Wall Street Journal, hat ein Buch zu diesem Thema geschrieben, Richistan: A Journey Through the American Wealth Boom and the Lives of the New Rich (2007) und betreibt ein gerade jetzt sehr lesenswertes Weblog (das auch eine Hauptinformationsquelle für dieses Seminar ist):

WEBLOG 'WEALTH REPORT' von Robert Frank, Wall Street Journal

Archäologie LIII: 16.02.1974 : Kölner Bankier Iwan David Herstatt zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt

Heute Morgen im Autoradio:
forum-bild-plViereinhalb Jahre Gefängnis für einen besonders schweren Fall von Bankrott und Untreue. Die sechste Große Strafkammer des Kölner Landgerichts machte Iwan D. Herstatt am 16. Februar 1984 hauptverantwortlich für den Konkurs seiner Kölner Privatbank. Als sein Geldinstitut im Juni 1974 vom Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen geschlossen wurde, hatten Herstatts Devisenspekulanten 480 Millionen Mark verzockt("peanuts"; der Verf.). Doch noch bis 14 Tage vor der Schließung wollte der Bankier von allem nichts gewusst haben:

"Mir selbst als Leiter war bis zum 10. Juni von Verlusten nichts bekannt. Aber es ist also scheinbar doch so gewesen, dass die Devisenabteilung mehr Geschäfte gemacht hat, als sie der Geschäftsleitung gegenüber zugegeben hat."

Das aber nahmen ihm die Richter nicht ab, denn sie konnten ihm nachweisen, dass er schon für 1973 bewusst die Bilanz um 100 Millionen gefälscht hatte, um Verluste aus Devisenspekulationen zu kaschieren. Den Schwarzen Peter versuchte Herstatt an seinen Chefdevisenhändler Dany Dattel weiterzureichen. Dessen Fehlspekulationen, so Herstatt, hätten die Pleite maßgeblich verursacht. Doch Dattel wehrte sich:

"Er hat die Verantwortung zu tragen, das war seine Bank, das war seine Geschäftspolitik, und dazu hat er zu stehen."

"Geldanlegen darf kein Glücksspiel sein", ein Slogan, mit dem die 1955 gegründete Herstatt-Bank als zweitgrößte deutsche Privatbank auf Kundenfang ging. Man bot etwas mehr fürs Festgeld, nahm etwas weniger für Kredite und verstand sich ansonsten auf persönlichen Service. Das lockte mehr und mehr Kunden, ob einfache Bürger mit ihren Ersparnissen, Karnevalsvereine, den Kölner Stadtkämmerer, den Sparverein des Eroscenter oder das Kölner Erzbistum. Um alle kümmerte sich der große, zweieinhalb Zentner schwere Chef in seiner jovialen Art als Kölsches Urgestein.

"Na ja, wenn die Lawine mal läuft, dann läuft sie ja erfreulicherweise. Ich bin ja in 52 Vereinen gewesen, nicht, davon in zwölf Vereinen Schatzmeister. Und habe also nun auf allen Gebieten Beziehungen gesammelt und das natürlich immer mit der Akquisition eines Kontos verbunden."

Das Bankhaus lebte drei Jahre sehr gut von seinen Erträgen - weniger aus den mageren Zinsmargen, als vielmehr aus dem Glücksspiel des Devisenhandels, finanziert von den Einlagen der wachsenden Kundenschar. 1971 war das System der festen Wechselkurse gegen ein flexibles ersetzt worden und damit der spekulative internationale Devisenhandel geboren. Und Dany Dattel hatte ein besonders glückliches Händchen.

Er und seine sechs Mitarbeiter - Herstatt nannte sie seine Goldjungs - hatten enorme Gewinne mit einem fallenden Dollar eingefahren. Den Vorwurf des Glücksspiels aber wies Dattel zurück:

"Das ist eine sehr seriöse Arbeit. Das ist kein Spielcasino. Sie können nicht immer auf die Wohltaten dieses Systems zurückgreifen auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Mechanismen dieses Systems ignorieren oder gar verteufeln."

Irgendwann aber saßen Dattel und seine Mitarbeiter auf einem Haufen Dollar fest, der ständig an Wert verlor. Die "Goldjungs" kauften zu teuer und mussten zu billig verkaufen. Eine Todsünde in der Branche. Die Lawine begann in die falsche Richtung zu laufen. Erst 1983 erfassten Experten der Bundesbank das Ausmaß: In den letzten 18 Monaten bis zum Schließungstag wurden über 67.000 Devisengeschäfte mit einem Volumen von 1,5 Billionen DM abgeschlossen, täglich also telefonisch über vier Milliarden Mark weltweit hin - und herverschoben. Am Ende stand ein Verlust von 1,2 Milliarden Mark. Herstatt ignorierte die Tatsachen einfach.

"Ich hatte mir einen Freispruch erhofft, aber das ist eben nicht so gelaufen."

"Sie werden in die Revision gehen?"

"Selbstverständlich!"


Sein Anwalt schaffte tatsächlich die Aufhebung des Urteils. Während für die Bankkunden die Pleite dank eines Sicherungsfonds glimpflich abgelaufen war - Kleinanleger hatten ihre vollen Einlagen zurückerhalten, große Gläubiger bis zu 75 Prozent - wurde der Prozess um die Schuldfrage 1987 neu aufgerollt. Und der zog sich.

Ein medizinisches Gutachten bestätigte Herstatt ein sogenanntes Pickwick-Syndrom. Ein Phänomen, bei dem der Patient ständig drohte einzuschlafen. So saß während der Verhandlungen immer ein Arzt in der Nähe, um Herstatt notfalls wieder aufzuwecken. Immerhin, am Ende hieß es nur noch zwei Jahre auf Bewährung. Herstatt allerdings war bis zu seinem Tod 1995 von seiner Unschuld überzeugt.




Los0087
DLF Kalenderblatt von heute ...
Heute machen wir das anders (besser: lassen uns gefallen, dass das anders gemacht wird):
Steuerzahler stützen Wirtschaft mit 11.000 Milliarden Franken
Es ist die teuerste Rechnung aller Zeiten. Würde sie unter der Weltbevölkerung aufgeteilt, müsste sich jeder Bewohner mit 1665 Franken daran beteiligen. Bisher haben weltweit 37 Staaten, die EU sowie der Internationale Währungsfonds Rettungsmassnahmen für Banken und andere Firmen in der Höhe von 11 324 Milliarden Franken beschlossen. Dies ergibt eine Aufstellung der «NZZ am Sonntag», die mit Hilfe von Research-Abteilungen internationaler Grossbanken entstanden ist. Die Summe ist hundertmal so gross wie die jährliche Entwicklungshilfe derselben Industriestaaten, die nun ihre taumelnde Wirtschaft zu retten versuchen. Und sie entspricht 18 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts von 2007. Rund ein Fünftel von dem, was die Weltwirtschaft vor etwas mehr als einem Jahr erarbeitet hat, wollen die Staaten also nun für deren Rettung ausgeben.
Quelle: NZZ
via NDS

Geld IV - Der Unsinn der Rede von der Verstaatlichung - oder: In wessen Sinn die Rede ...?

Artikel 14 GG
(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig.... (!)

James Galbraith weist darauf hin, dass "Verstaatlichung" in den aktuellen Debatten politisch missbraucht wird. Seine Alternative (in der Zusammenfassung von Albrecht Müller):
* Galbraith meint, anstatt Milliarden in notleidende Banken zu pumpen, um sie zu stützen, sollte der Staat sie für insolvent erklären. – AM: Das wäre bei uns im Falle der HRE und der Commerzbank und wohl auch der Dresdner Bank nötig. Es wäre auch im Falle der IKB wichtig gewesen
* Das Management ersetzen, die Bank umorganisieren, Einlagen sichern, damit die Sparer ihre Ersparnisse nicht aus lauter Panik abheben. Dann solle die Bank unter neuer Führung wiedereröffnet werden, damit sie wieder als normale Bank solide arbeiten kann.
* Diese Schritte müssen so bald wie möglich eingeleitet werden, denn Verzögerung bedeutet, dass es noch länger dauert, bis der Kreditmarkt wieder funktionsfähig ist.
* Es sei wichtig, die Führung der insolventen Banken auszutauschen, denn auf die alte Führung könne man sich nicht verlassen, alles fair und ehrlich zu offenbaren, was tatsächlich in den Büchern steckt. - Ergänzung AM: Die alten Führungen haben auch ein Interesse daran, die Boni und Vergütungen wie verabredet auszuzahlen. Auch um mit diesem Skandal fertig zu werden, ist ein personeller Neuanfang notwendig.
...

Galbraith
With estimates of the cost of addressing the financial crisis exceeding $9.7 trillion, we speak with economist and University of Texas professor James Galbraith, author of The Predator State: How Conservatives Abandoned the Free Market and Why Liberals Should Too. Galbraith says rather than pouring billions into propping up troubled giant banks, the government should declare them insolvent. [includes rush transcript]

Weil Kommentatoren immer noch verkünden, es habe ja keiner wissen können, hier noch der Hinweis auf eine Erklärung an deutsche Kollegen und Kolleginnen, in der anlässlich der Schröderschen Agenda 2010 Galbraith und andere amerikanische Wirtschafts- und SozialwissenschaftlerInnen sich besorgt zeigen über die Pläne der deutschen Regierung, die deutsche Wirtschaft nach dem Muster des angeblichen „amerikanischen Modells" umzubauen und zu deregulieren. U. a. heißt es dort:
Die wichtigste Quelle des amerikanischen Wachstums war eine Politik niedriger Zinsen und reichlichen Kredits von Seiten der Federal Reserve Bank; sie hat eine enorme Welle der Konsumentenkredite und der Kreditaufnahme der Bundesstaaten und Gemeinden für Investitionsprojekte hervorgerufen. Bislang hat sich dies als erfolgreich erwiesen, insbesondere wenn man es mit der Stagnation in Europa vergleicht. Mittlerweile haben wir allerdings Befürchtungen hinsichtlich der Tragfähigkeit eines Booms, der auf solchen Grundlagen beruht. Die Konsumentenverschuldung ist, gemessen als Anteil am verfügbaren Einkommen, 20% höher als zu Zeiten des vorhergehenden Höhepunktes. Das amerikanische Handelsdefizit ist explodiert. Und der US Aktienmarkt hat die Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf mehr als das Doppelte ihres historischen Durchschnitts angehoben. Niemand kann sagen, wie oder wann diese Trends umkippen, aber sie sind offensichtlich gefährlich, und sie legen die Vermutung nahe, daß ein fortgesetztes amerikanisches Wachstum eine stärkere und nicht eine schwächere Rolle der Regierung in der Wirtschaft erfordert.
Kein genaues Datum gefunden, muss 2003 gewesen sein!
Aktuell auch: Die Weltfinanzkrise - und was der neue US-Präsident tun sollte
von James K. Galbraith
- in den Blättern für deutsche und internationale Politik
Zur Frage, was man wissen konnte, siehe auch hier.
Ansonsten:
1924-2013

Der kluge Herr Fülberth schließt im neuen Freitag:
... Es zeigt sich: Entgegen dem ersten Anschein ist die gegenwärtige Wirtschaftskrise gar nicht die Stunde der Exekutive. Für das, was jetzt zu stemmen wäre, ist der Appell an eine selbstbewusst wahrgenommene Volkssouveränität weitaus dringlicher. Im benachbarten Frankreich immerhin ist der Protest zumindest zeitweilig schon auf der Straße angelangt. Und auch in Deutschland täte es dem souveränen Volk gut, wenn es den Unterschied zwischen Unternehmensrettungen – bis hin zu Verstaatlichungen einzelner Banken – und den eigenen Interessen endlich zu seinem Thema machte.

Update:
Das bestätigt der kluge Herr Rügemer von Business Crime Control im Interview mit tp:
Scheinenteignung
Reinhard Jellen 09.03.2009

Der Korruptionsforscher Werner Rügemer über unbekannte Gläubiger, maßgeschneiderte Gesetze und Sonderrechte für Manager
Mit 102 Milliarden Euro ist der Staat bereits für die Hypo Real Estate in die Bresche gesprungen, ohne das ein Ende der Bankmisere abzusehen wäre. Eine radikales Mittel diesen Finanztransfer zu stoppen, wäre die Enteignung des Unternehmens nach den Maßgaben des Grundgesetzes. Jedoch stellt das von der amerikanischen Großkanzlei Freshfields abgefasste Finanzmarkt-Stabilisierungs-Ergänzungsgesetz, welches von der Bundesregierung am 18. Februar vorgelegt wurde, eher die Summe der Mittel dar, gerade dies nicht zu tun... Weiterlesen!

Und der kluge Herr Gisy stellt im Bundestag dazu die richtigen Fragen:

Untergang des Abendlandes

Warum die neuen Konservativen die kapitalistische Konsumkultur lieben, den hedonistischen Konsumenten aber verabscheuen. Robert Misik über die deutschen Neocons:

... Ein neuer Konservativismus macht sich breit.
41HavcKltUL-_SS500_Der ist zwar nicht in dem Sinne neu, als dass er nicht in das Klagelied einfiele, das Konservative seit jeher anstimmen. Aber er ist auf seltsame Weise schrill, schneidig, ja paranoid. Er muss den Werteverfall in den grellsten Farben schildern. Welche Probleme es in unserer Gesellschaft auch immer geben möge, die Autoren der neukonservativen Jeremiaden müssen sie stets besonders drastisch ausmalen. Der kleinste Nonkonformismus hat mindestens den Untergang des Abendlandes zur Folge und Wertepluralismus mündet in Handumdrehen in verderblichen Nihilismus. Wenn etwas den neuen Konservativismus auszeichnet, dann ist das eine überspannte Krisensemantik, dann sind das diese überhitzten Untergangsphantasien, die paranoide Angstlust vor dem absoluten Bösen, das sich breit mache in unseren modernen Gesellschaften.
Der Konservative fühlt sich maximal bedroht.
Dabei widerspricht sich der Konservative so herzerweichend, dass es oft richtiggehend drollig ist. Der totale Werteverfall wird beklagt, oft aber nur ein paar Sätze weiter in Richtung muslimischer Einwanderercommunities herrisch eingefordert, „sie" müssten sich zu „unseren" Werten bekennen. Nur, bitteschön, wie soll das gehen? „Sie" sollen sich zu etwas bekennen, was „wir" verloren haben? Das Emanzipationsbestreben der Frauen wird als Ausweis des Werteverfalls gesehen, dann aber wird die Gleichberechtigung der Frau als einer jener Werte angepriesen, den Einwanderer aus patriachaleren Kulturen unbedingt akzeptieren müssen. Mal ist der Feminismus also eine Bedrohung der westlichen Kultur, dann wieder integraler Bestandteil derselben. So schrill, wie der Neukonservativismus die alten Werte beschwört, so grell malt er deren Verfall, was schon ein bisschen unlogisch ist, wie auch denkfähigeren Neokonservativen auffällt...

Das erste Kapitel des Buches als Leseprobe hier!
Schon mal schön formuliert: Lesenswert!

Deutsche Unternehmer: Heute: Maria-Elisabeth und Thomas - oder Zähne und Zahnersatz

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via chefarztfraulicher:beobachter - journal für asymmetrische polemik

30.01.2009, 13:53 Uhr
Schaeffler-Eigentümerin wird Kuratoriumsvorsitzende des Zukunftsrates

Die Eigentümerin des hochverschuldeten Autozulieferers Schaeffler, Maria-Elisabeth Schaeffler, ist zur Kuratoriumsvorsitzenden des Frankfurter Zukunftsrates berufen worden. Das teilte die private Bildungsinitiative am Freitag mit. Eine Sprecherin begründete die Wahl mit der wichtigen Rolle Frau Schaefflers als Unternehmerin in Deutschland.

Der Frankfurter Zukunftsrat wurde im März 2008 als gemeinnütziger Verein von dem Historiker und Wirtschaftswissenschaftler Manfred Pohl gegründet. Vorstandsvorsitzende ist Sylvia von Metzler, einer ihrer Stellvertreter der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement. Zu den 30 Mitgliedern gehören unter anderem der Migrationsforscher Klaus J. Bade, der CDU-Politiker Friedrich Merz, die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro, der Philosoph Peter Sloterdijk und der Hirnforscher Wolf Singer.
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Eine erlesene Gesellschaft!!!

Update via WEISSGARNIX:
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... eine der Schefflerschen vergleichbare Bruchbude, die in diesem Fall ein Herr Middelhoff ruiniert hat.
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Schickedanz

Update 19.03.09 via NDS:
# Dicke Abschieds-Prämie für Middelhoff
Der Konzern ist ein Trümmerhaufen, trotzdem nimmt der Ex-Chef noch einen 2,3-Millionen-Bonus mit nach Hause. Seinem Nachfolger Eick bleibt für die Aufräumarbeiten nur wenig Zeit.
Quelle: FTD
Das Geld kann Middelhoff gut gebrauchen: Gemeinsam mit Unternehmensberater Roland Berger und Ex-Investmentbanker Florian Lahnstein gründet Middelhof den Finanzinvestor BLM Partners. Das Unternehmen suche ab sofort unterbewertete Firmen, um dort einzusteigen. “Wir haben Zugänge in Deutschland wie kaum ein anderer”, sagte Lahnstein der FTD. Dabei soll auch ihr Beirat helfen. Mitglieder sind der ehemalige Bertelsmann-Chef Mark Wössner, 70, Lahnsteins Vater Manfred Lahnstein, 71, Ex-Wirtschafts- und Finanzminister, sowie Wolfgang Clement, 68, ehemaliger Wirtschafts- und Arbeitsminister. So berichtete die FTD.

Update 17.05.09:
Konkurrenten wollen Arcandor filetieren
Metro und Otto, die wichtigsten Konkurrenten von Arcandor, fordern die Zerschlagung des Essener Handels- und Touristikkonzerns. Zugleich signalisieren sie Interesse, Teile von Arcandor zu übernehmen.
Guten Appetit!

Middelhoff-Update:
Der Schaumschläger

Archäologie L: 27. Januar 1945 - die Rote Armee befreit das KZ Auschwitz

ausch-lib1 Die Front hat in dieser Nacht Auschwitz erreicht. Schon seit Tagen fliegt die Rote Armee Luftangriffe. Für die Wehrmacht ist nur noch ein einziger Fluchtweg offen: der nach Süden in Richtung Bielsko.
Am Morgen sprengen die Deutschen die Brücken über die Sola, an deren Ufer auch das Konzentrationslager von Auschwitz liegt.

Das Lager ist wie ausgestorben. Etwa siebentausend Häftlinge befinden sich in Auschwitz, es sind die Kränksten und Schwächsten, die die SS zurückgelassen hat. Viele von ihnen haben die neun Tage seit der Evakuierung nicht überlebt. Überall liegen Leichen auf dem Boden.
Die SS lässt sich nur noch sporadisch im Lager blicken. Doch wenn, dann geschieht es in tödlicher Absicht. Auch an diesem Morgen betritt eine Abteilung der SS das Nebenlager von Auschwitz Fürstengrube. Sie erschießen über hundert Häftlinge und zünden den Häftlingskrankenbau an. Seine Insassen, etwa hundertdreißig Häftlinge, kommen kläglich in den Flammen um.
Am Nachmittag wird es plötzlich still in Auschwitz. In den letzten Tagen war der Geschützdonner immer lauter geworden. Jetzt schweigen die Kanonen. Die Häftlinge wissen: Es geschieht etwas. Aber sie können noch nicht einschätzen, ist es gut oder schlecht für sie? Haben die Deutschen die Russen zurückgeschlagen, ein letztes Mal, oder kommt sie nun endlich - die Befreiung?
Die Polin Wanda, die seit dem Warschauer Aufstand im August 1944 in Auschwitz gefangen ist und wegen ihrer Schwangerschaft von der SS zurückgelassen wurde, beschreibt diesen Moment so:
"Wir wissen ganz genau, dass etwas vorgeht, wir spüren es. Und dann sehen wir von Ferne über die Schneedecke Männer auf uns zukommen. Wir fürchten uns, weil wir nicht wissen, ob es Deutsche sind. Aber dann begrüßten sie uns mit "strastwutje". Das heißt guten Tag auf russisch. Wir fragten sie, wo die Deutschen sind, ob sie noch einmal zurückkommen. Aber sie sagten: Nein, sie kommen nicht mehr."

Es ist fünfzehn Uhr. Die ersten Aufklärungstrupps der Roten Armee haben das Lager erreicht. Wanda ist frei. Was fühlt sie in diesem Moment?

"Das ist, als ob sich alles auf den Kopf stellt, ich kann das schwer erklären. Plötzlich ist alles weg. Ich bin nicht mehr hungrig, mir ist nicht mehr kalt. Ich habe keine Schmerzen. Alles ist weg. Das ist der Schock, der große Freudenschock."

Die 60. Armee der 1. Ukrainischen Front marschiert in Auschwitz ein.
Siebentausend Häftlinge von Auschwitz sind frei. Tatsächlich frei, viele von ihnen nach vier und mehr Jahren Haft.

Aber die anderen dürfen nicht vergessen werden. Für alle Auschwitzhäftlinge, die auf die Evakuierungsmärsche gezwungen wurden, geht das Martyrium weiter. An diesem 27. Januar wird ein letzter Transport von 2000 Häftlingen das Frauenlager Ravensbrück erreichen. Dort verbringen sie die ersten 24 Stunden ohne Nahrung unter freiem Himmel. Nein, Auschwitz, und alles was es symbolisiert ist noch immer nicht vorbei. Die Nationalsozialisten und die SS-Schergen wüten und morden weiter.

Weitere Nachrichten aus Auschwitz

Niechaj na wieki bedzie krzykiem rozpaczy i przestroga dla ludzkosci to miejsce, w którym hitlerowcy wymordowali okolo póltora miliona mezczyzn, kobiet i dzieci, glównie Zydów z róznych krajów Europy.


Quelle: NACHRICHTEN AUS AUSCHWITZ

Siehe auch:
Archäologie XLI - 29.10.1965 - Die Ermittlung - Auschwitz auf der Bühne
Der entleerte Blick hinter der Kamera
... und mein Bild
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Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

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