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Politik unterrichten

Kurt Beck aus Sofakissen nachgebaut



Die Lobby Control-Studie mit dem Titel „Schaubühne für die Einflussreichen und Meinungsmacher - Der neoliberal geprägte Reformdiskurs bei ‚Sabine Christiansen’“ liefert eine umfangreiche Analyse der Zusammensetzung der Gäste und Themen der Sendungen von Januar 2005 bis Juni 2006. -> als pdf (535 kb).

siehe auch: Trash Beck - Beck Trash - Backlash

Karikaturen-Streit 2.0

Klaus Stuttmann war früher ein kritischer Karikaturist. Neuerdings macht er dumpfdummes Zeug und verkauft das an den Tagesspiegel (leider auch weiterhin an den Freitag). Im neuen Karikaturenwettbewerb zwischen Tagesspiegel und Wprost fallen Schamgrenzen: hier!- und nicht in der von Springer bereits journalistisch runtergewirtschafteten polnischen Presse:
...
sueddeutsche.de: Wird der antideutsche und antieuropäische Kurs von allen polnischen Medien gestützt?

Urban: Es gab darüber keineswegs einen Konsens in den polnischen Medien. Ich nenne als Beispiel Gazeta Wyborcza oder Polityka. Beide haben sehr kritisch über den Konfrontationskurs der Kaczynskis berichtet. Hier wurde eher die Auffassung vertreten, dass die Polen irgendwann für diese Politik werden bezahlen müssen.

sueddeutsche.de: In Polen sind Blätter aus dem Springer-Verlag - wie Fakt, Newsweek oder die an der Welt orientierte Tageszeitung Dziennik - sehr erfolgreich. Es heißt, zumindest das Boulevardblatt Fakt mische in der antideutschen Berichterstattung heftig mit.

Urban: Das traf zu, als Fakt im Herbst 2003 auf den Markt gekommen ist. Damals brachte das Blatt, wohl um den Beweis zu erbringen, von den Deutschen unabhängig zu sein, ein halbes Jahr lang eine antideutsche Geschichte nach der anderen. Das hat im Sommer 2004 aufgehört und ist auch nicht zurückgekommen. Newsweek und Dziennik treten gemäßigt auf. Sie haben ganz offensichtlich die Anweisung bekommen, deutsch-polnische Fragen nicht zuzuspitzen. Nichtsdestotrotz ist Fakt wesentlich härter als die Bild-Zeitung in Deutschland. Sie hat die Grenzen des guten Geschmacks weit nach unten verschoben.


Fakt ist, dass der Deutsche sich aufführt wie der Moslem im Karikaturenstreit 1.0 und - s.o. - dass einer wie Stuttmann nun offenbar auch meint, mit dem Tabubruch schön rauszukommen.
Zur Illustration des zunehmenden Verkommens der ehemals kritischen Stimmen (Federn) das schamlose Ding, das nun wirklich alles verkennt / verzeichnet, was an dem Kompromiss karikierenswert wäre und nur noch den dumpfen Reflex bedient:
stuttmann_quadratwurzel_ks_63x32
Neulich hat er - im Freitag - schonmal so ein dumpfes Ding abgeliefert, das Herr G. in einem Leserbrief kritisch würdigte, der dann aber seltsam sinnentstellend gekürzt veröffentlicht wurde, weshalb hier der ungekürzte Text zum Bild erscheint, der sehr schön deutlich macht, was einer wie Stuttmann offenbar nicht mehr mitdenkt - oder nicht mehr mitdenken will:
Stuttmann_Israel
"was soll diese karikatur von stuttmann in freitag 19?
meint er, leute, die antisemiten als solche bezeichnen, sind idioten? das passte natürlich zur berichterstattung des freitag der letzten jahre, in dem ja bevorzugt israel-kritische autoren zu wort kommen, die man natürlich gegen den antisemitismus-vorwurf schützen muss.
das geht hier aber ebenso gründlich daneben, wie öttingers reinwaschung des filbinger vom nazismus. der hätte sich genauso im grabe gedreht bei dem vorwurf, kein nazi gewesen zu sein, wie die frau in der karikatur von sich weisen würde, etwas für juden oder israel übrig zu haben. denn was für eine szenerie ist hier abgebildet? das verwendete ambiente ist kleinbürgerlich bis miefig deutsch. wie verdreht ist dann die aussage einer frau im morgenmantel mit dauerwelle und pantoffeln? also einer frau, die laut umfrage unter deutschen mit einer hohen wahrscheinlichkeit (zwei drittel der bundesbürger denken so) antisemitisch eingestellt ist?
auch diese form der zeitung passt nicht ins "bild", aber vielleicht sieht stuttmann so ja die klientel des freitag und ist der zeit bereits ein wenig voraus.
aktuell wäre es schon besser gewesen, den dynamischen "linken" palästinenserfreund ins bild zu setzen, also eine gründeutsche ikea-küchen-szenerie abzubilden, um der freitäglichen linie im blick auf israel treu zu bleiben."

Raider heißt jetzt Twix

... und wie damals die Titanic meinte:
Haider heißt jetzt Wix,
so heißt die Europäische Verfassung jetzt "Grundlagenvertrag"!



Der Ablauf der Geschehnisse war ein Musterbeispiel für ein perfektes Ablenkungsmanöver: Die Berichterstattung konzentrierte sich auf das banale, auf "Human Interest". Zeitungsartikel und Fernsehberichte wirkten wie eine Soap oder ein Fernsehspiel - mit allem was dazu gehört: von den [extern] osteuropäischen "Bösewichten" bis zum Friday-Night-Cliffhanger. Am Samstag früh, nicht um 5 Uhr 45, sondern um 4 Uhr 24, kam schließlich die "Erfolgsmeldung", dass sich die EU-Staats- und Regierungschefs auf den "Kompromissvorschlag" der Ratspräsidentin Angela Merkel geeinigt hätten, der vorsieht, eine Regierungskonferenz einzuberufen. Mit ihr soll der vom Volk abgelehnte Verfassungsvertrag doch noch oktroyiert werden.
Mühlbauer bei tp - - - Dort auch das niedliche Video der polnischen Zwillinge.

A propos Polen:
1. Wenn ich Pole wäre, würde ich mir auch Gedanken machen über die deutsche Rolle im europäischen Großraum.
2. Als ich vor Ostern gefragt wurde, was ich in den Osterferien machen würde, und darauf antwortete, dass ich nach Polen fahren wolle, gab es durchgängig zwei erstaunte Nachfragen - und zwar nicht von Unterschichtsendernutzern:
1. Nach Polen? Was willst du denn da?
2. Mit dem Auto?
Das zu der Frage, wie leicht man hier - auf übeltief verankerten Vorurteilen und Denkbarrieren - mit den tumben Twins eine üble Propaganda aufsetzen kann; - während alle trotz des betrunkenen Kärchers weiterhin die französische Lebensart schätzen.

Meine Empfehlung: Mal nach Krakau fahren:
Polen-April-07-013


31-03-07_2137 Dort findet man in der ul. Florianska 3 ''U Muniaka'', - eine typische Kraukauer Kellerkneipe. Der Besitzer Janusz Muniak ist ein international renommierter Saxophonist und hat mit vielen Jazzgrößen gespielt. Dass er von der Musik nie leben konnte, ist typisch für Krakauer Künstler seiner Generation. Muniak lebt von den Touristen, die den Club besuchen. Am Wochenende steht er dann persönlich auf der Bühne. Wenn er mit dem genialen Pianisten Paweł Kaczmarczyk auftritt, wird es Jazz vom feinsten - wie es ihn sonst nicht oft gibt!
Und einer der besten Italiener in Europa ist die Trattoria Soprano.

Update:
Etliche Haus- und Hofbesitzer in der polnischen Wojowodschaft Warmia i Masury, dem ehemaligen Ostpreußen, plagt derzeit wieder die polnische Urangst vor dem deutschen "Drang nach Osten". Die deutschen Vorbesitzer ihrer Grundstücke und Immobilien gehen in letzter Zeit dazu über, ihr ehemaliges Eigentum vor polnischen Gerichten einzuklagen – und sie erhalten recht. Im polnischen Dörfchen Narty müssen die ersten polnischen Familien ihre Häuser verlassen, weil ein Gericht den vormaligen Besitzern die Immobilien wieder übertrug. Inzwischen sind fünf Familien akut von einer Hausräumung bedroht.
Tomasz Konicz tp 09.07.2007
Wie deutsche Spätaussiedler um ihre ehemaligen Grundstücke in Mausren kämpfen und damit der extremen polnischen Rechten zuarbeiten

Update 19.07.07
Die deutsch-polnischen Beziehungen werden durch Vorurteile über den bösen Nachbarn und der Verstärkung in den Medien aufgeheizt
Die deutsch-polnische politisch-mediale Soap Opera geht in die nächste Runde. Doch das Schmierentheater vernebelt mehr oder weniger absichtlich die wahren Hintergründe eines politischen Machtkampfes. Sensationslüsterne Medien und rechtsnationale Scharfmacher auf beiden Seiten reiben sich die Hände. Doch was hat Kanzlerin Merkel und der ewige Hitler damit zu tun?

Was haben Merkel und Hitler gemeinsam?

Soziale Auslese für Fortgeschrittene

Nach der Veröffentlichung der 18. Sozialerhebung des Deutschen
Studentenwerkes ist die Diskussion um die beispiellose
Selektivität des Bildungs- und Hochschulsystems
neu entbrannt.

Niemand hätte ernsthaft damit gerechnet, dass die [extern] 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (PDF-Datei)), die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, eine positive Entwicklung des maroden Bildungs- und Hochschulsystems aufzeigen würde. Doch die Zahlen, die nun ungeschönt vor dem Betrachter liegen, beschreiben Sachverhalte, die grundsätzlich bekannt sind, eben doch mit besonderer Deutlichkeit.

Die Umfragen, die vom Hochschul-Informations-System ([extern] HIS)
im Sommersemester 2006 mit rund 17.000 Teilnehmern durchgeführt
wurden, zeigen einmal mehr, dass die deutschen Hochschulen vornehmlich im Hinblick auf die soziale Auslese ihrer Studierenden eine
internationale Spitzenposition beanspruchen können.

Von 100 Akademikerkindern können immerhin 83 ein
Hochschulstudium aufnehmen. Von 100 Kindern aus den sogenannten
bildungsfernen Familien schaffen es nur 23. Wer aus einer
Beamtenfamilie stammt, in der mindestens ein Elternteil eine
akademische Ausbildung genossen hat, bekommt demnach eine
fünfeinhalb Mal so hohe Bildungschance wie gleichaltrige und
vielleicht talentiertere Kinder aus Arbeiterfamilien.
...

Thorsten Stegemann bei tp



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Trash Beck - Beck Trash - Backlash

"Wo früher der Gewinn zwischen Kapital und Arbeit mehr oder weniger fair aufgeteilt wurde, erwarten die internationalen Finanzmärkte nun eine Maximalrendite auf eingesetztes Kapital und nehmen auf prekäre Löhne oder Arbeitsbedingungen kaum Rücksicht."

So schreibt Herr Beck, der Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei Deutschlands in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ein interessanter Ansatz, Geschichte zu betrachten: Welch idyllische Zeiten mag er im Sinn haben: die der Deutschen Arbeitsfront, fortgeführt in NordhoffPorschePiechs VW-IGM-SPD-Puff-Korporatimus (by the way: 1959 heiratete Ernst Piëch, einer der Enkel Ferdinand Porsches, des ehemaligen Wehrwirtschaftsführers Heinrich Nordhoff jüngste Tochter Elisabeth.)???

Es sei ihm eine Artikelserie aus der "Neuen Rheinischen Zeitung" vom 5. 6. 7. 8. und 11. April 1849 empfohlen, die seinerzeit zwei Politikberater, die der Sozialdemokratie nahestanden, veröffentlichten: Lohnarbeit und Kapital. Auch allen anderen LeserInnen empfohlen!

Albrecht Müller kommentiert Beck: Dieser Beitrag enthält nahezu keinen eigenständigen Gedanken, logisch nachvollziehbare sowieso nicht, aber dafür eine Unzahl von geliehenen Gedanken, Versatzstücken und Klischees. - und Lafontaines Rede vom 16.6.2007.

Robert Kurz ordnet ein - im Freitag:
Wenn die defensive Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn notwendig wird, ist das ein buchstäbliches Armutszeugnis für die herrschende Gesellschaftsordnung - Kampf um Mindeststandards kennzeichnete den Frühkapitalismus. Nach 150 Jahren sozialer und politischer Regulation haben die Krisenprozesse von Dritter Industrieller Revolution und Globalisierung Teile der Lohnabhängigen auf das Niveau des 19. Jahrhunderts zurückversetzt. Blamiert hat sich dabei jetzt schon die Gegenüberstellung eines angeblich sozialen "rheinischen" und eines neoliberalen "angelsächsischen" Kapitalismus. Tatsächlich ist die marktradikale Prekarisierung der Arbeit in Westeuropa nirgends so weit fortgeschritten wie hierzulande....

Oder auch: Schockwellenreiters Zitat zum Wochenende.

Fotos dazu?

Herr Beck von der sozialdemokratischen Partei:
img989141
und Herr Sattelberger, der über einen Herrn Schröder von verdi lacht:
img989262
Update 25.06.
Brüder, zur Sonne, zur Nichtigkeit - Ver.di erkämpft ein Debakel und geht mit festem Schritt auf die Selbstabschaffung zu .... als Illustration des demonstrativen Endes der Beck'schen Sozialpartnerschaftsbratze ....

Update 01.07.07:
EINE HISTORISCHE NIEDERLAGE * Robert Kurz: Nun sind auch Post und Bahn sturmreif - Das Lehrstück Telekom wird Schule machen

Sarkozy, breit

Er kommt ganz ausser Atem nach einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin (auf dem G8 Gipfel), zu seiner Pressekonferenz getorkelt und sagt:

"Meine Damen und Herren,
Ich bitte sie meine Verspätung zu entschuldigen,
(grossen Grinsen)
welche auf Grund der Länge des Gespräches,
(schelmisches Grinsen)
welches ich mit Monsieur Putin hatte, zustande kam.
(tiefes Luftholen)
Was möchten Sie das ich mache?
(leichtes torkeln)
Soll ich auf Fragen antworten?
(leicht betrunkener Gesichtsausdruck)
Also…
(breites, wankendes Grinsen)
…gibt es denn Fragen?
(Grinsen über beide Ohren + wankender Körper),
Na Fangen Sie an..
(tiefes Luftholen + schnaufen)
Tja, ja, ja
(wird wieder seriös)


via Auslandsjahr
Orthographie und Zeichensetzung übernommen. Ist so ähnlich wie bei vielen Schülern: Komma wenn man Luft holt ... I.Ü.: Eigentlich nicht wert verbreitet zu werden, um sich darüber zu empören, dass ein Mitglied der politischen Klasse im Dienst einen in der Mütze hat. Was erwartet man: Dass er sich ordentlich benimmt? Na schön, wenn wir damit zufrieden sein wollen ...
Ich finde, er kuckt so niedlich, wenn er breit ist ... daher hier:

Scham heute - der allgegenwärtige Pannwitz-Blick

Till Bastian entwickelt in einem hoch interessanten Artikel im heutigen Freitag die These:
Scham ist ... durchaus ein Problem der Moderne, und der "Pannwitz-Blick" ist gerade heute allgegenwärtig. Dieser die Grundfesten der Existenz bedrohende Affekt ist kein Aschenbrödel, sondern eher ein allgegenwärtiges Phantom: in immer neuer Gestalt sorgt er dafür, dass sich hilflose und ohnmächtige Menschen im Kern getroffen fühlen müssen, heute nicht weniger als vor tausend Jahren. Und manche Wunden der Scham heilen nie.

Die Ableitung der These kann den Leser schon mitnehmen:
schamWie aber steht es heute um Beschämung und Scham? Viele glauben, wir lebten in "schamlosen Zeiten". Diese Ansicht hat zum Beispiel der Ethnologe Hans-Peter Duerr in seiner Kritik an Norbert Elias (Der Mythos vom Zivilisationsprozess) vertreten, und ein Blick ins Fernsehprogramm, etwa in den Big-Brother-Container, scheint ihm recht zu geben. Es ist offenkundig, dass in der modernen westlichen Gesellschaft die Sexualscham von der Statusscham fast völlig verdrängt worden ist. Noch für Freud war die Scham ein Damm gegen sexuell motivierte Schaulust. In einer Zeit indes, in der Jugendliche sich auf dem Schulhof via Handy Sex- und Gewaltdarstellungen betrachten können, leben wir offenkundig unter anderen Bedingungen als einst in der viktorianischen Ära. Natürlich hat es auch früher Statusscham gegeben, aber sie bezog sich auf den Ehrenkodex privilegierter Schichten, etwa der homerischen Helden. Heute ist die Statusscham demokratisiert und infolgedessen allgegenwärtig; sie heftet sich vor allem auf die Verfügbarkeit über Gebrauchsgüter und Verhaltensoptionen. Ein Freund wurde etwa von seiner pubertierenden Tochter erbost zur Rede gestellt, weil er während des Schulfestes telefoniert hatte: "Wie kannst du mich nur so blamieren! Mit so einem alten Handy!" Das Wort "peinlich" fällt nicht ohne Grund in der Jugendsprache äußerst häufig. Die Scham ist der Unfähigkeit geschuldet, Dockers-Schuhe und Diesel-Jeans zu tragen. Die Bedeutung der visuellen Sphäre ist deutlich: Man schämt sich jetzt wie einst für den Anblick, den man bietet - aber nicht nackt und bloß, sondern uncool und ohne Markenware.

shame-marten-bigEine rituelle Beschämung findet aber auch statt in der weitgehenden öffentlichen Ächtung ausgegrenzter Bevölkerungsgruppen, etwa der "Hartz-IV-Empfänger", von Menschen also, die ein ehemaliger Spitzenmanager ungestraft als "Wohlstandsmüll" hat bezeichnen können. Wohin es führen kann, wenn große, ohnehin benachteiligte Randgruppen der Gesellschaft durch provokante Äußerungen schamfreier Politiker verhöhnt und beleidigt, also öffentlich beschämt werden, wie jugendliche Immigranten durch den damaligen Innenminister und heutigen Staatspräsidenten Sarkozy, ließ sich im Herbst 2005 in den Vorstädten unseres Nachbarlandes beobachten wie in einem sozialpsychologischen Experiment.


Interessant ist, wie Bastian die Verbindung zum Pannwitz-Blick herstellt ( einem Phänomen, das ich neulich in anderem Zusammenhang erwähnte Der entleerte Blick hinter der Kamera), den Primo Levi in seinen Erinnerungen an Auschwitz so eindringlich beschrieben hat. Dieser Blick des IG-Farben-Direktors Pannwitz richtet sich im Nebenlager Monowitz auf Häftling 174 517, auf Levi: "Mir ist, als müsste ich überall, wo ich hinkomme, Schmutzflecken hinterlassen", so erlebt sich der hilflose Auschwitz-Häftling unter dem Blick des übermächtigen Ariers, der - so Levi - "fürchterlich hinter einem wuchtigen Schreibtisch" thront *.

Die Spiegelung im Auge des Anderen
Das Gemeinschaftstier Mensch ist nun einmal dazu verurteilt, sich in den Augen der anderen zu spiegeln, auch dann, wenn diese Augen unbarmherzig sind. Wobei es für die tiefste Beschämung schon genügt, wenn wir sie für unbarmherzig halten, weil wir den abschätzigen Betrachter verinnerlicht haben. Bernard Williams hat auch dieses Thema erörtert: "Auch wenn sich die Scham und ihre Motivation in der einen oder anderen Weise immer auf den Blick des anderen beziehen, ist es wichtig, festzuhalten, dass für viele ihrer Operationen der imaginierte Blick eines imaginierten anderen ausreicht".

AmericanShame_Tz1xsLdNdYQhDie Spiegelung im Auge der anderen, ob imaginiert oder nicht, erhält jedoch eine neue Qualität durch die technische Reproduzierbarkeit der Abbildung und durch die damit mögliche zigtausendfache, auch weltweite Verbreitung ...




Den Artikel unbedingt lesen!



* Primo Levi - Ist das ein Mensch? Erinnerungen an Auschwitz, 1947:
Wie Pannwitz mit dem Schreiben fertig ist, hebt er die Augen und sieht mich an. Zwischen Menschen hat es einen solchen Blick nie gegeben. … der wie durch die Glaswand eines Aquariums zwischen zwei Lebewesen getauscht wurde, die verschiedene Elemente bewohnen … Der jene blauen Augen und gepflegten Hände beherrschende Verstand sprach: 'Dieses Dingsda vor mir, gehört einer Spezies an, die auszurotten selbstverständlich zweckmäßig ist. In diesem besonderen Fall gilt es festzustellen, ob nicht ein verwertbarer Faktor in ihm vorhanden ist.

Ray Davies - X-Ray:
Perhaps everyone exists half in somebody else’s imagination. No one is totally human. We are all facets of someone else’s internalization. Visions of what they want us to be.
What if ....

Update 2010:
Georg Seeßlen über die Gründe für die neue soziale Praxis des Fremdschämens:

1. Kann sich in einer medienpopulistischen Gesellschaft niemand mehr für sich selber schämen. Schamlosigkeit ist vielmehr die Voraussetzung für jede Karriere. Wer Erfolg haben will, und wollen wir das nicht alle, darf keinesfalls verschämt daherkommen. Haben Sie vielleicht schon einmal einen Finanzberater, einen Fernsehmoderator oder einen Wirtschaftsminister gesehen, der sich schämt? Das lassen die von anderen machen. Denn damit, dass man sich seiner selbst nicht mehr schämen darf, soll und kann, ist ein gewisses Scham-Bedürfnis des Menschen ja nicht vollständig aus der Welt geschafft. Die Lösung: Fremdscham.

2. Kann man umgekehrt in einer medienpopulistischen Gesellschaft auch niemanden einfach so verachten, bloß weil er oder sie brunzdumm, obszön, peinlich, aufdringlich oder sonstwie unerträglich ist. Das wäre nämlich arrogant und elitär. Die Lösung auch hier: Zeigt sich der Mitmensch als mehr oder weniger gewöhnliches Arschloch, dann verachten wir ihn nicht, wir schämen uns für ihn. Und zwar am besten so, dass er oder sie persönlich gar nichts davon merken. Eben das nennt man Fremdscham.

Politische Ökologie

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Davis zeichnet die globale Herausbildung der in den 1960er-Jahren als »Slums der Hoffnung« apostrophierten informellen Ansiedlungen nach – vom »Big Bang« der städtischen Armut im Verlauf der Verschuldungsdekaden der 1970er- und 1980er-Jahre bis hin zu den heutigen Megaslums von Sadr City oder Cape Flats. Von den überquellenden »Barricadas« in Lima bis zu den Müllhalden in Manila, überall hat sich die Urbanisierung von industrieller Entwicklung und ökonomischem Wachstum entkoppelt.

»Weder in der klassischen Sozialtheorie, weder bei Karl Marx noch bei Max Weber oder in der neueren Modernisierungstheorie wurde vorausgesehen, was sich in den Städten innerhalb der letzten 30 oder 40 Jahre entwickelt hat. Nirgendwo wurde die Herausbildung einer riesigen Klasse hauptsächlich junger Menschen vorausgesehen, die in Städten lebt, keine formelle Anbindung an die Weltökonomie hat noch irgendeine Chance, diese jemals zu bekommen. Diese informelle Arbeiterklasse ist nicht das ›Lumpenproletariat‹ von Karl Marx und sie ist nicht der ›Slum der Hoffnung‹. Diese informelle Arbeiterklasse repräsentiert eine von der Theorie völlig unvorhergesehene, beispiellose Entwicklung.«

In den armen Ländern des globalen Südens wird sich eine »gigantische Konzentration der Armut« herausbilden. Die Kapitalreproduktion in den Global Cities wird weitgehend ohne diese Menschen auskommen, die ihr Überleben auf dürftigstem Niveau werden organisieren müssen.

- als Aufsatz-Kurzfassung hier.

davis_cv

Ende des 19. Jahrhunderts zerstörten Dürren ungeheuren Ausmaßes wiederholt die Ernährungsgrundlagen in den Teilen der Erde, die heute "Dritte Welt" genannt werden. Zwischen 1876 und 1879 sowie zwischen 1896 und 1900 starben in den im Allgemeinen als klimabedingt definierten Hungerskatastrophen und nachfolgenden Epidemien in Äthiopien, Indien, China und Brasilien zwischen dreißig und sechzig Millionen Menschen. Als unmittelbarer Auslöser dieser wenig beachteten, aber ungeheuerlichen Massenvernichtung wurden in der Wissenschaft bisher Wetterphänomene wie El Nino verantwortlich gemacht. Doch die Natur allein ist selten so tödlich. Mike Davis legt in seiner faszinierenden und einzigartigen "Politischen Ökologie" des Hungers die Hintergründe zwischen Weltklima und Weltökonomie im imperialistischen Zeitalter frei, die zur "Geburt der Dritten Welt" führten und bis heute nachwirken. "Wir haben es mit anderen Worten nicht mit »Hungerländern« zu tun, die im Brackwasser der Weltgeschichte ins Abseits gerieten, sondern es geht um das Los der Menschheit in den Tropen, das sich just zu einem Zeitpunkt (1870-1914) änderte, als deren Arbeitskraft und Produkte zwangsweise in die Dynamik der von London gesteuerten Weltwirtschaft integriert wurden. Millionen starben nicht außerhalb des »modernen Weltsystems«, sondern im Zuge des Prozesses, der sie zwang, sich den ökonomischen und politischen Strukturen anzupassen. Sie starben im golden Zeitalter des liberalen Kapitalismus; viele wurden, wie wir sehen werden, aufgrund der dogmatischen Auslegung der orthodoxen Prinzipien von Smith, Bentham und Mill regelrecht ermordet."

Sehr empfehlenswert; wenn das Prädikat nicht so ausgeleiert wäre: spannend zu lesen, welch neue Perspektiven Davis' Politische Ökologie auf Geschichte eröffnet (als Paperback zZt für 20,00 € erhältlich).

Nachtrag:
Erklärung des Verlages Assoziation (in dem Planet der Slums erscheint, - gegenwärtig Platz 6 der Sachbücher des Monats ) zur Durchsuchung der Verlagsräume am 09.05.07 im Vorfeld des G8-Gipfels 2007 in Heiligendamm ...

A Birthday THEY Want YOU to Forget About


Keith LeBlanc (feat Malcolm X) - NO SELL OUT
Donny Hathaway - Someday We'll All Be Free
Above image courtesy of the "Official Malcom X Website"

Did you know that this past Saturday was Malcolm X's 82nd birthday? If not, I can empathize. There were no flags-at-half-mast. No video montages on the local news. No words of remembrance from our "civil rights leaders." No official national recognition. Just another Saturday. It even momentarily slipped under the radar screen, here at Biochemical Slang.

Eff supremacy. I'll be confident that supremacy is loosening it's grip around my neck when my government, at the very least, acknowledges the existence of Malcolm X. Every yin needs a yang. Every Martin needs a Malcolm. Turn the other cheek, with a clenched fist in your pocket.

Believe it or not, the hippies may be ahead of the game with this one. Believe it or not, Berkeley city offices were CLOSED in recognition of "Malcolm X Day:"

Mal wieder was von
Biochemical Slang


Wie funktioniert Geld?

"10-Punkte-Plan zur effizienten Ausbeutung eines Planeten mit halbintelligenten Lebensformen" - Erster Teil des 3-teiligen Animationsfilms zur Erklärung des Geld- und Bankenwesens von Max von Bock.




Teile 2 und 3

via H.J. Krysmanski: Wem gehört die Europäische Union?
- Strukturen und Akteure des Reichtums

Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

Haftungsausschluss

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