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Politik unterrichten

K(l)assenjustiz: - 6,5 Milliarden = + 50 Millionen/104

Tagesschau aktuell:
Die Commerzbank muss ehemaligen Londoner Investmentbankern der Dresdner Kleinwort nachträglich umstrittene Boni in Höhe von insgesamt rund 50 Millionen Euro zahlen. Das hat ein Gericht in London entschieden. 104 ehemalige Beschäftigte der Dresdner Kleinwort hatten auf die Auszahlung der Boni geklagt. Die Commerzbank, die im Spätsommer 2008 die Dresdner Bank übernommen hatte, ist Rechtsnachfolger der inzwischen liquidierten Investmentbank...

Der damalige Dresdner-Kleinwort-Chef Stefan Jentzsch hatte seinen Investmentbankern im August 2008 einen Bonus-Pool von 400 Millionen Euro versprochen. Die Frage vor Gericht war unter anderem gewesen, ob dies rechtlich bindend oder nur mündlich in Aussicht gestellt war. Dresdner Kleinwort hatte im Jahr 2008 einen Verlust von 6,5 Milliarden Euro ausgewiesen. Die Commerzbank selbst musste 18,2 Milliarden Euro Hilfe vom Staat in Anspruch nehmen.

Der Richter sagte, er sei zu dem Schluss gekommen, dass die Kläger ein Anrecht auf Auszahlung der Boni hätten, die ihnen angekündigt worden seien..


Nicht schlecht: 50 Mio durch 104 für 6,5 Milliarden Miese! Ich meine, da hat der Judge mal Recht gesprochen: angekündigt ist angekündigt! Kassenjustiz.

Da wird sogar Brechts berühmte Frage obsolet: Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?" - [Die Dreigroschenoper, Druckfassung 1931, Szene 9; Textstelle ursprünglich aus dem Stück "Happy End" von Elisabeth Hauptmann, 1929] - Vielleicht wird man heute eher im Tatort fündig: Die Ballade von Cenk und Valerie:

Cenk-und-Valerie

Und wie jeder Zocker weiß: am Ende gewinnt immer ...

Cenk2

So ungefähr stell ich mir die ehemaligen Londoner Piraten der Dresdner Kleinwort vor ...
... und empfehle dazu den "Mountain Song" von der Lokomotive Kreuzberg feat. Wolfgang Dauner und Ack van Rooyen:

Commons - Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat

Aus der Ankündigung der HBS:
commons-buch"Die Gemeingüter erleben angesichts der aktuellen Klima-, Finanz- und Ernährungskrise eine Renaissance. Das ist ein Fazit des 500 Seiten starken Sammelbandes „Commons - Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“, der von der Commons-Expertin Silke Helfrich und der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben wird. Über 90 Autorinnen und Autoren aus rund 30 Ländern stellen in ihren Beiträgen ein modernes Konzept der Commons vor, das klassische Grundannahmen der Wirtschafts- und Gütertheorie in Frage stellt und Wegweiser für eine neue Politik sein kann.
Commons sind wichtiger denn je. Sie beruhen nicht auf der Idee der Knappheit, sondern schöpfen aus der Fülle. Sie sind produktiv, ohne in erster Linie für den Markt zu produzieren. Sie existieren für und durch die Menschen und lösen konkrete Probleme."

Das Buch erscheint unter einer Creative-Commons Lizenz (CC-BY-SA) und darf beliebig oft vervielfältigt, bearbeitet und uneingeschränkt verbreitet werden.
Der Download des Buches ist kostenlos.
via keimform.de

Splitter: -Parteien VI

Roberto J. De Lapuente hat wieder nachgerechnet. Das ist angenehm, weil verlässlich; - man muss nicht jedesmal selbst umrechnen.
Bei der Landtagswahl in Schleswig Holstein wählten...

... 39,9 Prozent aller Wahlberechtigten niemanden.
... 18,2 Prozent aller Wahlberechtigten die CDU.
... 18,0 Prozent aller Wahlberechtigten die SPD.
... 7,8 Prozent aller Wahlberechtigten die Grünen.
... 4,9 Prozent aller Wahlberechtigten die FDP.
... 4,9 Prozent aller Wahlberechtigten die Piraten.
... 2,7 Prozent aller Wahlberechtigten die SSW.
... 1,3 Prozent aller Wahlberechtigten die Linke.
... 1,2 Prozent aller Wahlberechtigten ungültig.

Die als möglich erachtete Koalition aus SPD, Grünen und SSW hätte somit einen Rückhalt von 28,5 Prozent. Sie stützte sich damit auf etwas mehr als ein Viertel aller Wahlberechtigen. Selbst eine denkbare Große Koalition deckte mit 36,2 Prozent nur etwas mehr als ein Drittel ab und hätte weniger Wahlberechtigte hinter sich stehen, als die Partei der Nichtwähler. Diese ist in Schleswig-Holstein so groß wie nie.


I.Ü.: Die CDU hat im Vergleich zu 2009 fast 100 000 Zweitstimmen verloren ( = - 0,7!!), die SPD fast 4000 dazugewonnen (= + 5% !!!!)!?

In Griechenland ist es ähnlich:
Hier wählten
... 34,9% aller Wahlberechtigten niemanden;
... ca 12% aller Wahlberechtigten die Nea Dimokratia ... ca 8,5% aller Wahlberechtigten die PaSoK
  • die sich damit von 3.012.542 Stimmen im Jahre 2009 auf 833.036 geschreddert hat. Ein schöner Fall für Parteienforscher!
... und dies ist kein Spielplan für Fang den Hut, sondern das griechische Wahlergebnis!
griech-wahl

Fang-den-Hut-Das-Originalspiel-Ravensburger-Nr334c-kpl

Wo ist das Problem?
"Wenn du erst fragen musst, wirst du es nie verstehen.“ (s. o.)

WeltUNOrdnung: Afghanistan

Aktualisiert: Afghanistan aktuell:

Vorläufige Ergebnisse nach zehn Jahren Krieg

Archäologie CC: Was bleibt? Es bleibt die Muttersprache

Günter Gaus im Gespräch mit Hannah Arendt:

... Gaus: Gibt es in Ihrer Erinnerung ein bestimmtes Vorkommnis, von dem Sie Ihre Hinwendung zum Politischen datieren könnten?

Arendt: Ich könnte den 27. Februar 1933, den Reichstagsbrand und die darauf in derselben Nacht erfolgten illegalen Verhaftungen, nennen. Die sogenannten Schutzhaften. Sie wissen, die Leute kamen in Gestapo-Keller oder in Konzentrationslager. Was dann losging, war ungeheuerlich und ist heute oft von den späteren Dingen überblendet worden. Dies war für mich ein unmittelbarer Schock, und von dem Moment an habe ich mich verantwortlich gefühlt. Das heißt, ich war nicht mehr der Meinung, daß man jetzt einfach zusehen kann. Ich habe versucht zu helfen in manchen Dingen. Aber das, was mich dann unmittelbar aus Deutschland weggeführt hat – wenn ich das erzählen soll ... ich habe es niemals erzählt, weil es ja auch ganz belanglos ist –

Gaus: Erzählen Sie bitte....

Gouvernementalité neoliberale - oder: Der Totalitarismus des deutschen Modells

Der ökonomische Putsch - oder: Was hinter den Finanzkrisen steckt
Von Roman Herzog bei dradio

Gezielte Spekulationsattacken auf ganze Volkswirtschaften, unantastbare Finanzagenturen, die Regierungen in die Knie zwingen, und ohnmächtige Politiker, die gebetsmühlenartig wiederholen, es gäbe keine Alternative: Europa befindet sich im Wirtschaftskrieg.
Seit Jahrzehnten befinden sich Politiker im Bann neoliberaler Heilsverkünder. Wie entstand dieses heute unumstößlich scheinende System? Das Experimentierfeld Lateinamerika und die Analysen des Philosophen Michel Foucault aus den 70er- und 80er-Jahren machen Dynamik und Reichweite der neoliberalen Umstrukturierungen unserer Gesellschaften deutlich und erhellen die heutigen Finanzkrisen. Zum Vorschein kommt dabei ein Machtergreifungsmodell, das Politik, Gesellschaft und Individuen seit Jahrzehnten formt und konditioniert, ein ökonomischer Putsch, der heute den militärischen coup d'état abgelöst und eine globale Disziplinierung geschaffen hat.


Ein hervorragender Beitrag zum Verständnis des Totalitarimus des deutschen Modells - nachzulesen hier; - aber unbedingt anzuhören, - insbesondere wegen der Foucault-Zitate!!!
Man kann hier verstehen lernen, dass der Neoliberalismus kein US-amerikanisches Modell ist, sondern ein deutsches und dass es eines ist, dass nicht nur Ökonomie, sondern wesentlich Psyche organisiert. - Was letztlich auch erklären kann, warum Deutschland so funktioniert, wie es funktioniert ... Eigentlich ein Horrorszenario, weil Konturen eines Systems erkennbar werden, das offenbar in der Lage ist, Massenloyalität und Legitimation marktgesteuert zu generieren (vgl. Merkel) und so - herrschaftstechnisch gesprochen - effektiver ist als die faschistische Variante, aus der es hervorgekrochen ist: Wie Ludwig Erhard im Januar 1945 zusammen mit dem später gehängten SS-Einsatzgruppenführer Otto Ohlendorf die Soziale Marktwirtschaft erfand ...

Aktuelle Zitate der europäischen Presse zum deutschen Modell bei SPON!

Die KolumneHollande, le Schlossgespenst; Thomas Fricke bei ftd - Ein treffendes Resümee der Merkozy-Katastrophe ...

Vgl. auch: Archäologie XXXIX - pensée Tietmeyer (Oktober 1996)

Auf der Suche nach dem Neuen im Alten

1. Bedürfnisse ERmitteln oder VERmitteln?
Wie wird aus gesellschaftlichen Bedürfnissen Produktion? Das war die interessante Fragestellung bei der Jahrestagung der Loccumer Initiative ... Warum weder Markt noch Plan eine Antwort sein können und warum stattdessen die commons-basierte Peer-Produktion der richtige Ansatz ist, hat Stefan Meretz in seinem Vortrag dargestellt:

2. Alex Demirovic – Was ist Kritische Theorie?
Im Vortrag wird das Selbstverständnis von kritischer Theorie umrissen. Diese kann nicht als Theorie einzelner Personen verstanden werden. Vielmehr handelt es sich um ein Projekt, das tief in der bürgerlichen Gesellschaft verankert ist und an dessen Entwicklung viele Menschen seit vielen Jahrzehnten beteiligt sind. Entsprechend den historischen Veränderungen und gesellschaftlichen Herausforderungen verändert sich auch das Verständnis von kritischer Theorie. Es geht kritischer Theorie um Aufklärung und Emanzipation, um Mündigkeit, Einrichtung einer vernünftigen Welt, Weltfrieden, Demokratie. Seit Marx ist kritische Theorie nicht mehr naiv, sondern stellt die Frage danach, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit sich solche Ziele verwirklichen lassen. Horkheimer und Adorno haben danach gefragt, wieweit die Tradition der kritischen Theorie nicht naiv im Verhältnis zu sich selbst ist. Zu wenig kritisch gegenüber der eigenen Praxis, kann auch kritische Theorie autoritär werden. So stellt sich heute, angesichts einer neuen Phase kapitalistischer Vergesellschaftung die Frage nach einer erneuerten Befreiungstheorie.

3. Im Übrigen nochmals empfohlen:
Audioarchiv kritischer Theorie & Praxis
- dort insbesondere "Au­dio­phil":

File Added: Ador­no­_vs_­Geh­len-​1965-​30­min.​mp3
File Added: Ador­no-​Er­zie­hung nach Ausschwitz.​mp3
File Added: Can­di­de oder Hof­fen ler­nen nach Voltaire.​mp3
File Added: Det­lev Claus­sen im Ge­spräch über Adorno.​mp3
File Added: F. Wheen. Über 'Das Ka­pi­tal'.​mp3
File Added: Ernst Toller. Eine Jugend in Deutschland
und: - unbedingt anhören! -
Robert Gernhardt: Denk ich an Heine in der Nacht

Lese- Hör- bzw. Downloadbefehl!

Parlamentarischer Friedenskampf der Linken - Oder: Soldatensender 935 Relaunch

Wie ich höre, fordert die Linke im Bundestag mit eigenem Antrage (17/8795) "Umfassende und kostenfreie Kommunikation für Soldaten im Auslandseinsatz", also maW die steuerfinanzierte Flatrate für Berufs-------.
Das verdient die Note erstaunlich, zumal der Genosse Gehrke das auch noch als irgendwie subversiv begründet. Damit das besser durchgeht, beruft sich die Fraktion auf den Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus (FDP), der das Kommunikationsangebot als nicht zufriedenstellend bezeichnet habe.
Gehrke greift dabei wahrscheinlich auf Lenins „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution“ zurück, wo der darlegt, daß antiimperialistisch-demokratische Umwälzungen in dem Maße zur sozialistischen Revolution hinübergeleitet werden können, wie die Arbeiterklasse unter Führung ihrer Partei ihre Hegemonie verwirklicht und in der Lage ist, ein festes und breites Bündnis mit anderen werktätigen Klassen und Schichten einzugehen. So ergeben sich auch bei eigener zahlenmäßiger Schwäche revolutionäre Perspektiven, wenn die eigenen politischen Strukturen gut organisiert und die potentiellen Bündnispartner zahlenmäßig stark entwickelt sind, - was ja bei Königshaus' Truppe(n) in jeder Hinsicht der Fall ist.

Ich vermute, dass in Gehrkes Subversionsstrategie ein Relaunch der legendären Projekte Deutscher Freiheitssender 904 und Deutscher Soldatensender 935 als Internet-Radios geplant ist, um die Truppe durch ein zufriedenstellendes Kommunikationsangebot zusätzlich von innen aufzuweichen:



soldatensender

PS & Bekenntnis:
180px-Sternchen_radioIch habe als wohl 14Jähriger diese Sender spätabends im Bett mit einem Mittelwellentransistorradio gehört, weil die immer die neuesten Hits sendeten. Ich meine mich zu erinnern, hier zum ersten Mal Sam The Sham's Wooly Bully gehört zu haben, - sozusagen sponsored by the Nationalen Verteidigungsrat der DDR ... Wenn das der Gauck mitgekriegt hätte, als er noch Unterlagenbeauftragter war ...

Im Übrigen bleibe ich dabei: Archäologie LXXXVI: 9. Januar 1890 - 21.Dezember 1935 - Kurt Tucholsky und frage mich mit Pete Seeger weiterhin: When will they ever learn?

Obama's Data Mining - oder: Questa Nuova Realtà 2.0

Wenn ich das richtig sehe, gilt hierzulande auch unter kritisch eingestellten Menschen, auch solchen, die sich für sensibel halten, was den Umgang mit Daten angeht, Barack Hussein Obama II als "ein Guter" oder als "i.w.S. korrekt" (- auch wenn er Guantanamo nicht geschlossen hat).

Gestern in Deutschlandradio Kultur: Julius van de Laar im Gespräch mit Susanne Führer
    Führer: Wie sehen die Vorbereitungen für den Wahlkampf im Netz aus, was passiert da jetzt gerade?

    van de Laar: Obama startet natürlich in diesen Wahlkampf 2012 mit einem enormen Vorsprung. Wir wissen alle, wir können uns alle an den Wahlkampf 2008 erinnern, der so revolutionär im Internet geführt wurde. Viele Datensätze davon - und wir reden insbesondere im Wahlkampf im Netz, über den Datenwahlkampf insbesondere dieses Jahr 2012. Obama hat einen gigantischen Vorsprung, er hat im Moment 25 Millionen E-Mail-Adressen, 25 Millionen Freunde auf Facebook, die ihm folgen, 10 Millionen Leute auf Twitter, die er per Nachricht erreichen kann. …

    Führer: Also Daten werden erst mal gesammelt.

    van de Laar: Ja, ganz richtig, das ist ein ganz wichtiges Thema. Es geht natürlich darum, so viele Menschen, so viele Wähler wie möglich zu erreichen, aber noch viel wichtiger, die richtigen Wähler zu erreichen. Und da helfen uns natürlich Daten, genau vorzusortieren: Wer ist ein potentieller Wähler, wer ist jemand, der sowieso schon für Obama wählt, wo wir keine Ressourcen mehr verschwenden müssen, diesen Wähler anzusprechen. Wir wollen den transparenten Wähler haben, den gläsernen Wähler, wo wir ziemlich genau wissen: Was sind dessen Vorlieben, wie viel verdient er, ist er verheiratet, welche politischen Themen interessieren den, wollen dann sehr, sehr genau zugeschneiderte Botschaften genau an diesen Wähler kommunizieren.

    Führer: Und wie passiert das, wie finden die das raus?

    van de Laar: Das ist eine Kombination aus verschiedenen Schritten. In erster Linie muss man verstehen, dass es in den USA eine gigantische Datenbank gibt, die offen zugänglich ist für alle Kandidaten. Das ist die Voter File, also die große Datenbank aller Wähler, die einfach dadurch entsteht, dass sich Wähler in den USA registrieren müssen. Das heißt, ich habe da schon mal den Vornamen, den Nachnamen, die Anschrift in den meisten Fällen, vielleicht sogar eine Telefonnummer. Das sind so die Grunddaten, die ich habe. Das hilft mir aber noch nicht so wirklich wahnsinnig viel.

    Führer: Ach, und diese Daten, die können dann einfach von den Demokraten oder den Republikanern… die nehmen die sich einfach?

    van de Laar: Richtig, die werden erhoben von den Behörden und werden sozusagen zur Verfügung gestellt für Kampagnen, müssen natürlich auch gekauft werden, aber die werden zur Verfügung gestellt. Wie gesagt, die Daten sind schon mal ein guter Grundstock, helfen aber noch nicht wirklich viel mit dem Targeting, also den wirklich zugeschnittenen Botschaften versenden. Was wir uns jetzt vorstellen müssen, und wir kennen alle in Deutschland die Payback-Karten, also diese Punktekarten, wo Leute mit einkaufen gehen und ihre Daten gesammelt werden, wir kennen die Miles-and-more-Karten, unsere Flug-Freakin'-Flyer-Karten, die wir nutzen, wenn wir fliegen. Diese ganzen Datensätze von den verschiedensten Anbietern werden von den Kampagnen aufgekauft.

    Das heißt, da weiß ich auf einmal, was eine Person so im Supermarkt einkauft, wohin sie fliegt, dazu kommen natürlich noch sämtliche andere Datensätze, zum Beispiel, wenn ich mir eine Zeitung abonniere und ich vielleicht noch angebe, was ich im Jahr verdiene, diese ganzen Daten kommen dazu und werden mehr oder weniger direkt obendrauf gelegt. Also diese Daten von der Datenbank aller registrierten Wähler und diesen ganzen Lifestyle-Daten, wie wir sie nennen, werden zusammengeführt. Das heißt, ich bekomme da schon ein ganz gutes Gefühl dafür, wie so ein Wähler tickt, was er sich kauft, was für Vorlieben er hat, in was für einer Familiensituation er ist, diese ganzen Daten werden zusammengeführt. Und jetzt, 2012, kommt noch der X-Factor dazu, und das ist Social Media und das Internet, in dem wir so wahnsinnig viele Daten von uns preisgeben. Stellen Sie sich vor, die ganzen Likes, die jeder einzelne von uns auf Facebook hat - Obama hat 25 Millionen Facebook-Freunde, Leute, die ihn gut finden … und wie viel Daten wir alle über uns preisgeben, indem wir einfach sagen, uns gefällt dies und uns gefällt jenes und so etwas, daraus kann man wahnsinnig viele Rückschlüsse führen. Diese Daten werden noch mal oben drauf gelegt. Und da kommt schon ein ziemlich gläsernes Wählerprofil zusammen.

    Führer: Okay, aber was machen die denn damit, ich meine, sie werden ja nicht für jeden Einzelnen einen eigenen Wahlwerbe-Videoclip drehen, oder? Also für die verschiedenen - da gibt es die alleinerziehende Mutter, 30, hier gibt es den Rentner, 65, also …

    van de Laar: Genau, das Ganze wird noch mal runter segmentiert, und da kommt jetzt wirklich das wirklich Spannende dabei in diese Datenanalyse. Da gibt es Analysten, die nichts anderes machen den ganzen Tag, als verschiedene Scores, wie wir es nennen, Punkte für unterschiedliche Kriterien, hinzuzufügen. Das heißt, Sie müssen sich vorstellen, wir haben diesen kompletten Datensatz, diese Daten, und dann wird dort in die Datenbank reingegeben und es werden Umfragen in diese Datenbank eingegeben, also mit den Leuten, die sich dort dahinter befinden.

    Das heißt, wir machen eine Umfrage und sagen, wie wählen denn Leute, die etwa 35 sind, verheiratet sind, Kinder haben und ein Durchschnittseinkommen von - ich weiß nicht - 60.000 Dollar im Jahr haben, wie wählen die, und das selbe wird für die meisten Wählergruppen rausgefunden. Dann kann man eben darauf Rückschlüsse bieten, das heißt, diese Milliarden von Daten werden noch mal zusammengefügt, verdichtet, und dann in unterschiedliche Segmente verteilt, dass ich vielleicht am Schluss 15, 20, 35 verschiedene Segmente habe, die dann wiederum sehr, sehr spezielle Botschaften bekommen. ...
orwell_1984Das vollständige Gespräch können Sie hier anhören. Sehr empfehlenswert, weil der sehr kompetente Herr van de Laar Ihnen anschaulich erkärt, wie data mining funktioniert und was man mit aggregierten Daten in der Politik macht:

Message Matters
Wähler mit der eigenen Botschaft zu erreichen und die Werte und Gefühle der Bürger zu treffen wird im heutigen 24/7 NewsCycle immer schwieriger. Richtig genutzt, verschaffen Online- und Offline-Kampagnen den Zugang zu den gewünschten Zielgruppen. Doch nur das richtige Framing aktiviert und mobilisiert den einzelnen Wähler.
Framing the Debate
Wie erlange ich in der Kampagne die Deutungshoheit und definiere den Rahmen des öffentlichen Diskurses? Welche Attribute und Werte sollen den politischen Gegner charakterisieren? Mit welchen Werten soll der Wähler mich in Verbindung bringen? Die passende Botschaft, Authentizität und das treffende Framing entscheiden den heutigen politischen Diskurs.
Julius van de Laar - Strategische Kampagnen & Kommunikation

Das kann 1. wahrscheinlich Frau Schröder-Köpf ganz gut und das ist 2. im Ergebnis wohl das, was Schramm meint ... Mit demokratischer Willensbildung hat das offensichtlich so viel zu tun wie ein Puff mit Liebe (siehe unten)!

Siehe auch: Big Brother is watching you - critically correct
oder auch: Amazon Kindle sammelt heimlich Nutzerstatistiken ... und löscht "1984" von Kindles ...

Kommen Sie in das Puff, das Freiheit heisst

    Kommen Sie in das Puff, das Zukunft heißt
    und Wachstum, Profit und Ordnung!
    Wenn Sie auch einer sind, der aufs Weiterleben pfeift,
    dann sollten Sie das sofort tun.

    Wir bieten Ihnen Wohlstand und Sicherheit
    und unverwundbare Seelen.
    Sie geben Ihr Hirn am Eingang ab
    und brauchen sich nie mehr zu quälen.

    Zwar: Es hat in diesem Leben
    vieles nicht den rechten Sinn,
    denn der eine muß marschieren,
    und der andre sagt wohin.

    Doch wer soll das schon verstehen,
    besser hält man seinen Mund.
    Gestern war die Welt noch eckig,
    heute ist sie kugelrund.

    Kommen Sie in das Puff, das Freiheit heißt,
    die Kloake der Illusionen!
    Wer brav ins Töpfchen der Wahrheit scheißt,
    hat freies Essen und Wohnen.

    Die Nächte sind sternklar wie eh und je
    unter unserem künstlichen Himmel -
    im Sommer gibt´s Bräune, im Winter gibt´s Schnee,
    und das Lieben besorgt der Pimmel.

    Zwar: Es ist in diesem Leben
    vieles nicht im rechten Lot,
    denn die einen machen Menschen
    und die andern schlagn sie tot.

    Doch wer soll das schon verstehen,
    besser hält man seinen Mund.
    Gestern war die Welt noch eckig,
    heute ist sie kugelrund.

“Zwischen dem Starken und dem Schwachen ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit.” Rousseau

    Die Freiheit, das sind die Märkte und das Gesetz, das ist der Staat. Aber der Staat ist ins Gerede gekommen, und das Heil liegt im Privaten.
    Das ist die Ideologie der Starken, derer, die es sich leisten können, auf öffentliche Infrastruktur zu verzichten. Sie haben in einem Generationenprojekt durchgesetzt, dass die Steuern gesenkt wurden. Die Einnahmen, die dem Staat entgingen, wurden durch Schulden ersetzt. Dadurch konnte der Staat seine Leistungen eine zeitlang mehr oder weniger aufrechterhalten. Das war die erste Phase der Umerziehung.
    Jetzt kommt die zweite: die Schulden werden zurückgefahren. Weil aber die Steuern nicht erhöht werden, muss sich der Staat zurückziehen. Es bleiben die Schulen auf der Strecke, die Sportplätze, die Freibäder, die Jugendzentren. Es bleibt die Öffentlichkeit auf der Strecke. Man bringt den Leuten seit 30 Jahren bei, dass das der richtige Weg ist.
    Und sie glauben es.

    Die Ideologie der Starken - Eine Kolumne von Jakob Augstein bei SPON
Da ist Augstein mit seinem Bezug zu Rousseau unbedingt zuzustimmen: Ohne eine nähere Bestimmung des Begriffs der Freiheit im Sinne von "Freiheit von" und "Freiheit zu" bleibt Freiheit müllerwesternhagener Kitsch = falsches Gefühl.
Das ist auch ein schöner Kommentar zum Freiheitsgeseire des Herrn G., der hier jetzt den Bundespräsidenten und vergessen machen will, dass Demokratie gerade etwas blöd ist . Die Krisenländer brauchen jetzt alternativlos harte Reformer und gnadenlose Konsolidierung. Da stört der Bürger nur. Die Sache muss jetzt einfach mal durchgezogen werden und fertig...
(Thomas Fricke – Selbsterfahrungsgruppe Troika, ftd).

In Ergänzung zu Augstein:
'Big Government' Isn't the Problem, Big Money Is
Robert Reich - in: The Nation

Conservatives love to rail against “big government.” But the surge of cynicism engulfing the nation isn’t about government’s size. It flows from a growing perception that government doesn’t work for average people but for big business, Wall Street and the very rich—who, in effect, have bought it. In a recent Pew poll, 77 percent of respondents said too much power is in the hands of a few rich people and corporations...

Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

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