Ganz abgesehen davon, dass das ein phantastisches Photo ist: Was sagt uns unser Deutungsproblem über unsere Wahrnehmung des uns Fremden oder scheinbar Nahen? Bzw. über Wahrnehmungsmuster: Wenn man denn im ersten Zugriff das Photo im popkulturellen Kontext verortet? Oder sonstwo ...
In der Galerie C/O Berlin kann man bis Ende Januar eine Retrospektive von Corbijns Lebenswerk sehen.
Als unser Fotograf mit Kamera durch die Ausstellung ging, hielt ihn ein Besucher für Corbijn und fragte, ob er ein Buch signieren könne. Corbijn meinte später dazu nur: »Und, hast du?«
Zurück zu Bacons Head I: Ich mag immer noch nicht glauben, dass Human Life Is Concentrated Bestially In The Mouth, aber bei Betrachtung des Bildes verstört denn doch die Konzentration auf den Mund, die Reißzähne und die sich aufdrängende Frage nach der - not-wendigen - Einhegung der Aggression. Oder zerreißt nicht eher die erfahrene Aggression den Kopf? Ist das doch ein Opfer - der Folter, worauf einiges hinweist?
Wie nehmen wir Aggression und erfahrene oder drohende Gewalt wahr?
Morgen werde ich eine Unterrichtsstunde miterleben dürfen, in der es (in einem Kunst-Kurs) um Edward Hopper's Morning Sun von 1952 gehen wird, - genauer: um die Beziehung von Raum und Figur. Sehr gespannt, wie die Schülerinnen und Schüler damit umgehen werden.
A consideration of Hopper's work would be incomplete without looking at some of his later pictures, in which his ways of seeing and painting achieved full fruition. In connection with one of his early painting, Lighthouse Hill, we postulated an observer whose "absolute" way of perceiving does not categorize objects according to their usefulness nor seek to possess them. This way of perceiving the world, however, was not achieved by any of the human figures depicted in Hopper's paintings. Not until his later works did a changed view of man appear. In Morning Sun, for example, painted in 1952, a person is portrayed for the first time as a fully perceiving being; the picture successfully depicts the mediation between inner reality and the outside world. (s.o.)
Ein faszinierendes Gespräch mit Meryl Streep über Brechts Mutter Courage:
Brecht spricht in seiner "Mutter Courage" vom Krieg. Das Stück beginnt im Krieg und endet im Krieg. Nur einmal war Frieden, aber nur scheinbar. In Wirklichkeit mußte der Krieg sich nur verschnaufen. Er brauchte nicht lange dazu. Die Menschen können wieder in den alten Trott fallen. Mutter Courage kann wieder ihren Wagen quer durch Mitteleuropa ziehen und Branntwein, Salz, Spezereien, Schnallen verkaufen.
Die Courage ist eine "Hyäne des Schlachtfeldes". So nennt sie der Feldprediger. Sie verdient durch den Krieg, ein elendes Brot. Sie will den Krieg nicht, kann ihn aber nicht verdammen, ihre "Wut" ist nicht lang genug. Sie verfällt ihm immer wieder. Und was nachher kommt, weiß sie auch nicht. Helene Weigel war die Courage: sparsam und bedrängend echt, mit Witz, Treffsicherheit, Härte und Mütterlichkeit. DER SPIEGEL 3/1949
In den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts verfasste der Nobelpreisträger Pablo Neruda, während er auf der Flucht war oder im Gefängnis saß, den umfangreichen Gedichtszyklus Canto General.
Yo no voy a morirme. Salgo ahora
en este día lleno de volcanes
hacia la multitud, hacia la vida.
Aquí dejo arregladas estas cosas
hoy que los pistoleros se pasean
con la “cultura occidental" en brazos,
con las manos que matan en España
y las horcas que oscilan en Atenas
y la deshonra que gobierna a Chile
y paro de contar.
Aquí me quedo
con palabras y pueblos y caminos
que me esperan de nuevo, y que golpean
con manos consteladas en mi puerta.
Ich werde leben
Ich werde nicht sterben. In diesen Tagen
voller Vulkane gehe ich fort,
neuen Möglichkeiten entgegen, dem Leben zu.
Ich lasse alles geordnet zurück,
heute, da Banditen sich herumtreiben
mit der "westlichen Kultur" im Arm,
mit Händen, die in Spanien morden,
und den Galgen, die schwanken in Athen,
und der Schande, die Chile regiert,
und ich schweige.
Ich bin bereit,
mich auf die neuen Worte, Menschen und Wege
einzulassen, die mich erwarten,
die mit Bangen an meine Tür klopfen.
Die atemraubende Vertonung durch den griechischen Komponisten Mikis Theodorakis (1973/ 1974) beinhaltet 12 Lieder, dazu kommt das Requiem, das Theodorakis seinem Freund Pablo Neruda widmete, der am 23. September 1973, wenige Tage nach dem Militärputsch in Chile und unmittelbar vor der geplanten Uraufführung gestorben war.
Die Militärdiktatur in Chile war keine Einzelveranstaltung eines sadistischen Generals, dem als nun senilem Greis das Patent des Kriminellen verliehen wird. Es war dies in Wahrheit das Pilotprojekt für die folgende Einführung neoliberalen Wirtschaftens auf dem Globus. Mit viel Applaus von vielen Seiten: Dem Rackett der »Chicago Boys« um Milton Friedman, von Lady Thatcher und der CDU und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Es war dies aber auch noch etwas anderes – unvergessen: die mörderische Intervention gegen ein sozialistisches Experiment auf dem südamerikanischen Subkontinent. Vielen, die heute Pinochet verurteilen, war er damals grade recht. Erst dieser Blick auf die Vergangenheit erlaubt das historische Urteil.
"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt."
Charles Lewinsky, Der A-Quotient
Wise Man Says II
"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater."
Frank Zappa
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