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Kommunikation III

Carl Rogers gilt als ein herausragender Vertreter der humanistischen Psychologie und ist der Vater der Gesprächspsychotherapie. Der Südwestrundfunk hat über diese Therapieform und seinen prominenten deutschen Vertreter Reinhard Tausch eine Sendung gemacht (mp3-Datei). Wenn Sie lieber etws fürs Auge wollen, dann schauen Sie das Video:

 


via Interessante Zeiten

PISA, die Testindustrie und der Leviathan II

Hätten Sie den Grundschultest bestanden?


Machen
Sie den Test: Hannovers Grundschullehrer haben scharfe Kritik an den
bundesweiten Vergleichsarbeiten für Drittklässler geübt
auf HAZ.de finden Sie den Mathe- und den Deutschtest zum
Herunterladen als PDF-Dateien. Sie haben pro Test eine Stunde Zeit.


Die Tests,
die die Universität Koblenz-Landau im Auftrag der
Kultusministerkonferenz für alle deutschen Grundschulen erdacht
hat, seien zu umfangreich und zu schwierig, meinen die Pädagogen.
Am Montag hatten die meist acht- bis neunjährigen Kinder eine
17-seitige Deutscharbeit zu bearbeiten, an diesem Dienstag folgt ein
Mathetest von 21 Seiten. Dafür bekommen die Schüler eine
knappe Stunde Zeit. „Was ihnen dort vorgelegt wird, ist einfach
zu viel“, sagt Barbara Biadacz-Hennig von der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW).


Machen Sie den Test: Hier gibt's die PDF-Dokumente zum Herunterladen:


Dateiname : Deutschtest für Drittklässler
Dateigröße : 302,94 KBytes.
Datum : 06.05.2008 13:38
Download : Download NOW!





Dateiname : Mathetest für Drittklässler
Dateigröße : 277,75 KBytes.
Datum : 06.05.2008 13:37
Download : Download NOW!


1422_Deutschtest_04
Erste Ergebnisse:
Lösung eines Drittklässlers (ohne Mirgrationshintergrund, Vater Rechtsanwalt, Mutter Studienrätin am Gymnasialzweig einer Kooperativen Gesamtschule, beide Wähler der Grünen; konsumfreudige Citoyens; Stadtteil mit hohen Immobilienpreisen/ hohem Anteil von Eigentumswohnungen):
Das afrikanische Märchen, das an die deutsche Geschichte vom Hasen und vom Igel erinnert - ein Hinweis darauf, dass Märchen offenbar in unterschiedlichen Kulturen doch ähnliche menschliche Grunderfahrungen artikulieren -, kann einerseits gelesen werden als Kritik der direkten Demokratie: Die Basis - hier die Versammlung aller Tiere des Waldes - ist einfach zu beschränkt zu erkennen, dass ein Wettlauf zwischen Hase und Schildkröte nicht das geeignete Mittel sein kann, den Besten als Herrscher zu ermitteln. Sie treibt den Hasen geradezu in die Überheblichkeit, die ihn ausruhen lässt und damit um den verdienten Sieg bringt. Es kann aber anderereseits auch gelesen werden als Appell an die Leistungsträger nicht nachzulassen, nicht frühzeitig auszuruhen, weil sie so doch Gefahr laufen, von den Langsamen überholt zu werden, die dann das allgemeine Tempo bestimmen können. Hier droht die Herrschaft der Mittelmäßigkeit!
Björn-Emmanuel F. (7 J.)

Vgl. auch: PISA, die Testindustrie und der Leviathan

oder auch: Brügelmann zum Problem des Umgangs mit den Ergebnissen:
... Insbesondere das Versprechen, es werde kein Ranking geben, wird durch die Verpflichtung, allen Eltern nicht nur die Ergebnisse ihres Kindes, sondern ebenso die Durchschnittswerte seiner Klasse und der Schule mitzuteilen, faktisch wertlos. Wer in Ländern wie England und den USA beobachtet hat, welche Konsequenzen die Publikation von globalen Testdaten einzelner Schulen z. B. auf die Immobilienpreise von Stadtteilen hat, wird sich keine Illusionen machen, was den Umgang mit solchen Daten in der Öffentlichkeit betrifft. ...

Man könnte es auch umdrehen:
Gespräch mit Nobelpreisträger Heckman
"Die Mittelschicht soll Gebühren zahlen"
Der Ökonom und Nobelpreisträger James Heckman beschäftigt sich mit der Förderung von Minderheiten - und spricht über Bildung, Chancengleichheit und ein kleines Programm mit enormen Effekten.

Oder weiter im Privatisierungswahn:
Die NZZ berichtet über eine Studie zu Bildungsgutscheinen und Schulwettbewerb (via NDS):
Die Idee klingt ebenso genial wie einfach. Sie stammt vom neoliberalen amerikanischen Wirtschaftstheoretiker Milton Friedman und lautet so: Statt Schulen direkt zu finanzieren, gibt der Staat den Eltern für jedes Kind einen Bildungsgutschein (englisch Voucher) in die Hand. Diese wählen jene Schule, die sie für die beste halten – und bringen ihr mit dem Schüler auch die Finanzierung. Resultat: Aus machtlosen Eltern und Schülern werden finanzkräftige Kunden, was Schulen dazu zwingt, um sie zu werben und ihre Anliegen ernst zu nehmen. Wodurch zwischen den einzelnen Schulen Wettbewerb entsteht, wodurch das Produkt – nämlich Bildung und Betreuung – besser wird.
...
Skeptisch stimmt ... das Fazit aus weltweit gesammelten Evaluationen zur Wirkung von Bildungsgutscheinen: Nahezu überall, auch in Schweden, haben Vouchers die sozioökonomische Segregation der Schülerschaft verstärkt und dadurch die Schulqualität ungleicher gemacht. Von der Wahlfreiheit profitieren vor allem besser gebildete Familien mit mittleren bis hohen Einkommen. Zudem haben Vouchers, wo immer sie realisiert wurden, die Bildungskosten keineswegs gesenkt. Doch der gravierendste Befund von Oelkers' Bericht: Eine Leistungssteigerung als direkte Folge von Schulwahl und Vouchers lässt sich nur für seltene Einzelfälle nachweisen.


So ähnlich wie bei der neuseeländischen Eisenbahn oder bei Angebot, Nachfrage und Wirkungen von Nachhilfe

Die Kultusministerin bleibt blass



eZeitung

Beim Auftritt vor dem Schulleitungsverband erntet Elisabeth Heister-Neumann Unmut
Bei ihrem ersten Auftritt vor dem Schulleitungsverband wird die neue Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann grundsätzlich. Viel zu grundsätzlich, finden viele der rund 1000 Schulleiter, die am Donnerstag zur Tagung ihres Verbandes nach Hannover gekommen sind.
Nachdem die CDU-Politikerin ausführlich über den „Weg in die Wissensgesellschaft“, „Bildung als Kapital und Leiter nach oben“ und den Spardruck, unter dem das Land stehe, gesprochen hat, schwillt der Unmut in den Reihen der Zuhörer hörbar an. „Völlig unpräzise“, murmelt ein Mann. „Unverschämtheit“, erregt sich sein Nachbar. „Vor 20 Jahren wäre das eine tolle Rede gewesen, jetzt bin ich enttäuscht“, meint eine Grundschulleiterin aus der Region Hannover.
Später wird die Ministerin dann doch konkret. Sie verspricht den Schulleitern Entlastung bei den Unterrichtsstunden sowie bei Verwaltungsaufgaben. Heister-Neumann will eine eigene Arbeitszeitverordnung für die Schulleiter umsetzen, aber darauf, dass Schulleiter nicht mehr als zwei Stunden Unterricht täglich geben dürfen, will sie sich nicht festlegen. Das hatte Helga Akkermann, Vorsitzende des Schulleitungsverbandes, zuvor gefordert. Ihrer Meinung nach sollten Leiter großer Schulen wegen der zahlreichen Verwaltungsaufgaben zudem überhaupt nicht mehr unterrichten müssen. „Ich glaube nicht, dass man eine Stundenzahl verbindlich festschreiben kann, das müssen die Schulen selbst entscheiden“, entgegnet Heister-Neumann.
„Schulleiter haben eine Präsenzpflicht“, sagt die Ministerin. Den Zusatz aus ihrem Redemanuskript, dass sich diese auch auf Ferientage beziehen kann, soweit diese den Erholungsurlaub übersteigen, lässt sie in ihrem Vortrag dann doch lieber weg. Während die Schulferien rund zwölf Wochen im Jahr umfassen, liegt der Jahresurlaub in den meisten Branchen bei sechs Wochen. „Wir sind schon auch jetzt während der Ferien oft in der Schule“ sagt eine Sprecherin des Schulleitungsverbands.
Heister-Neumann spricht sich für mehr Lehrer und kleinere Klassen aus. Der Philologenverband verweist darauf, dass derzeit in jeder zweiten Gymnasialklasse 30 oder mehr Schüler sitzen. „Bei solchen Rahmenbedingungen zu verlangen, dass der Lehrer auf die individuellen Stärken und Schwächen jedes einzelnen Schülers eingehen soll, kommt der Forderung gleich, mit einem 100-PS-Auto Formel-1-Rennen zu gewinnen.“, kritisiert Verbandsvorsitzender Guillermo Spreckels.
Weitere Strukturreformen plane sie nicht, sagt die neue Ministerin. Das heiße aber nicht, dass sie Reformen ihres Vorgängers wie die Eigenverantwortliche Schule zurückdrehen werde. Aber: „Bildung braucht Muße, wir wollen die Langsamkeit neu entdecken.“
Was die Schulleiter zu Beifall hinreißt, stößt bei den Oppositionsparteien, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und zahlreichen Initiativen auf massive Kritik. Sie wollen Tempo, keine Langsamkeit. Im Streit um die Gründung neuer Gesamtschulen werfen sie Ministerpräsident Christian Wulff „Wortbruch“ vor. Dieser hatte vor der Wahl angekündigt, das Errichtungsverbot für Gesamtschulen aus dem Schulgesetz zu streichen.
„Die Regierung hält uns hin“, bemängelt GEW-Landesvorsitzender Eberhard Brandt und verlangt einen „umgehenden Gesetzentwurf“ der Koalition, damit neue Gesamtschulen bereits im August 2008 gegründet werden könnten. SPD, Grüne und Die Linke werden in die Landtagssitzung in der nächsten Woche eigene Gesetzentwürfe einbringen.

Ausgabe: HAZ Datum: 04.04.2008

update:
... wird aber rhetorisch immer brillanter:

... Anrede,
ich fasse zusammen:

Wir wollen, dass unsere Schülerinnen und Schüler im Wettbewerb auf Augenhöhe mit ihren Freunden aus den anderen Bundesländern stehen.

Das verlangt von allen Beteiligten, den Schülern, den Eltern, den Schulen, den Kommunen und dem Land Anstrengungen und Einsatzbereitschaft. Ich bin davon überzeugt, das Können und Motivation vorhanden sind und wir die Herausforderungen bestens bewältigen werden.

Wir werden dafür Sorge tragen, damit G8 in Niedersachsen ein Erfolg wird. Unsere Kinder sollen für Studium und Beruf ideal vorbereitet sein.

Und zuletzt ein Appell an Sie, meine Damen und Herren! Alle gemeinsam sollten wir das Abitur nach 12 Jahren als Chance sehen. Am Montag am runden Tisch habe ich zumindest festgestellt: Wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, dann wird G8 zu einer einmaligen Chance für die junge Generation!


"Wettbewerb auf Augenhöhe" ist gut, besser jedenfalls als weiter unten; was die Sprachrichtigkeit angeht: ein paar Fehler drin* ... aber das wird noch ... via Bildungsclick

*... so ähnlich wie bei Netto heute: Plakat über der Kasse, das für sowas wie die Nettopaybackkarte wirbt:
(Abb. ec-Karte:) "ohne Punkte" - (Abb. nettocard:) "mit Punkte"
logonetto

Siehe auch G8 revisited

G8 revisited

Zu dem Bericht Lehrerausbildung (doc, 274 KB)vom 4. März:
Dass unsere Kinder in der Schule belastet werden, steht außer Frage. Ob das Maß jedoch so hoch ist, dass Inhalte gekürzt werden sollten, ist fraglich. Schließlich sind die Schulen die Hälfte des Jahres völlig geschlossen (104 Sonnabende und Sonntage, 80 Ferien- und Feiertage). In der verbleibenden Schulzeit fällt der Unterricht flächendeckend bis zu 20 Prozent dann irgendwie aus. Im Abiturjahr fällt der Unterricht nach den schriftlichen Arbeiten zwei Monate bis zu 95 Prozent aus. Auch 32 Schüler in einer Klasse sind immer noch ein Lehrerorganisationsproblem. Statistisch stellte der Staat schon 2001 für 13 Schüler einen Lehrer zur Verfügung (laut Bundesamt für Statistik). Das dürfte sich noch verbessert haben. Durch Abschaffung der 13. Klasse des Gymnasiums wurden bundesweit weitere 50 000 Lehrer völlig vom Unterricht befreit. Was machen die eigentlich? Und Ruhe ist das Letzte, was die Schulen brauchen. Wir leben auf keiner Insel, sondern in globaler Konkurrenz. Nicht nur in Singapur, selbst in den Niederlanden sind viele Kinder freiwillig bereits bis 20 Uhr in der Schule.
Burgwedel Gerolf K.
Gymnasiallehrer


Dies war ein Leserbrief in meiner LieblingsHAZ zu einem Artikel, in dem ich zitiert wurde. Wie auch immer: Ich finde, so etwas darf man als verantwortlicher Redakteur nicht veröffentlichen: Der Mann zeichnet immerhin mit seinem Namen und einer Berufsbezeichnung und wird durch die Veröffentlichung als pisamäßig unterste Stufe und bar jeder Kompetenz, einen Gedanken verständlich zu äußern und mit dem nächsten sinnvoll zu verknüpfen, geoutet!
Was die 50 000 Lehrer machen werden, die durch die Einführung des G8 hoffentlich völlig vom Unterricht befreit sein werden, wenn das denn eintritt, könnte ich sagen: Die schreiben den ganzen lieben langen Tag Blogs über das völlige Versagen des deutschen Schulsystems voll... Schließlich verstehen sie was davon ...

Update
... so wie Frau H-N (war wohl noch sehr früh!):
Interviews | 06.03.2008 07:20 Uhr
"Unsere Schüler müssen Freude am Lernen haben"
Elisabeth Heister-Neumann, CDU, Kultusministerin in Niedersachsen, im NDR Info Interview vom 6. März 2008


NDR Info: Muss das Turbo-Abitur für die Schüler erträglicher gemacht werden?

ElisabethHeister-Neumann: Ich bin zunächst erst einmal davon überzeugt, dass das G8-Abitur vernünftig ist. Wir sind in Deutschland quasi Schlusslicht in der Umstellung – das ist also weltweit Standard. Die andere Frage ist, wie man umsteuert vom G9 auf G8. Bei dieser Umsteuerung stellen wir fest, dass zumindest in einigen Schulen doch Klagen geführt werden, dass es nicht reibungslos läuft. Dann kommt es genau zu den Punkten, die Sie angesprochen haben – eben eine stärkere Belastung der Schülerinnen und Schüler. Das kann nicht sein. Wir müssen sehen, dass unsere Schüler auch in der Schule Freude am Lernen haben und deshalb müssen wir in die Feinheiten schauen. Das wird sicherlich heute auch noch mal Gegenstand der Diskussion während der Kultusminister-Konferenz sein.

NDR Info: Welche Feinheiten haben Sie denn da im Auge?

Elisabeth Heister-Neumann: In Niedersachsen haben wir übrigens schon angefangen, dass bei der Vermittlung der Inhalte wirklich auch darauf geachtet wird, dass die Umstellung von Rahmenrichtlinien auf curricular auch tatsächlich durchgeführt wird. (...). Wir haben bislang immer schwerpunktmäßig eine ganz bestimmte Stofffülle ins Auge gefasst und diese wird abgearbeitet. Bei dem curricular ist es so, dass man bestimmte Notwendigkeiten formuliert, mit Methodenlehre gleichzeitig und dann exemplarisch sagt – an ein, zwei, drei Beispielfällen soll gelernt werden, wie man mit diesen Fragen umgeht. Und das heißt nicht die Ansammlung von reinem Wissen, sondern das heißt, exemplarisch an bestimmten Dingen eben lernen, wie so etwas zu erlernen ist. Und das kann man sicherlich in einem Zeitraum von G8 auch erreichen.

NDR Info: Und wer müsste das dann entscheiden? Macht das dann der Lehrer jeweils vor der Klasse?

Elisabeth Heister-Neumann: Es sieht so aus, dass es von den Kultusministern der Länder über die Kultusminister-Konferenz auch sogenannte Bildungsstandards gibt - bestimmte Bereiche. Und diese Standards müssen eingehalten werden, sonst ist das gesamte Abitur natürlich in den deutschen Ländern nicht vergleichbar. Der Weg dorthin bleibt zu einem großen Teil auch wirklich der Schule vor Ort überlassen.

NDR Info: Würde das denn auch bedeuten, dass man womöglich auf ganze Fächer verzichtet?

Elisabeth Heister-Neumann: Nein, auf keinen Fall. Erstens sollte nicht auf Fächer verzichtet werden und zweitens, das mir auch ganz wichtig (...), dass wir auch die Hausaufgaben mit im Blick haben. Denn das ist etwas, wo ich die meisten Klagen höre. Dass auf der einen Seite diese Veränderung des Stoffplans, aber gleichzeitig die nicht in dem Maße durchgeführte Einbindung der Hausaufgaben ein Problem ist. (...) In seiner Freizeit muss der Schüler noch andere Dinge machen können, die für die Entwicklung und Bildung von Bedeutung sind. Und deshalb müssen die Lehrer, meines Erachtens, die Hausaufgaben stärker in die Lehrpläne miteinbeziehen.


Update vom 04.04.: Kultusministerin bleibt blass
Der unfreundliche HAZ-Artikel ist offenbar noch sehr freundlich gehalten. Teilnehmer berichten von fachlichem Desaster ....

Text - Thema - Kohärenz


„Thema“ ist ein Begriff, mit dem man über den bloßen Inhalt eines Textes hinauskommen will. Um das Thema
geht es, wenn die Frage ansteht, ob ein Text „verstanden“
ist. Aber wie ermittelt man das Thema, wenn man nicht einfach ein paar
Stichworte des Textes herausgreift („Thema des Textes ist das
Drama ‚Don Carlos‘.“)
Hier setzen seit vielleicht 30 Jahren neue Theorien über Text und Textualität ein, die mit dem Begriff der Kohärenz eines Textes arbeiten (und diesen von Kohäsion,
also den sprachlichen Mitteln, auf der Oberfläche
Zusammenhänge herzustellen, unterscheiden). Zu den Begriffen der
Textualität und der Kohärenz verweise ich auf die beiden
Stichworte im Glossar zur Textlinguistik von Eva Schoenke (Uni Bremen):
http://www-user.uni-bremen.de/~schoenke/tlgl/tlgldl10.html
http://www-user.uni-bremen.de/~schoenke/tlgl/tlgldl2.html#Koh%E4renz
Außerdem gibt eine Vorlesung von Lenders an der Uni Bonn: „Kohärenzformen und Texttypen...“, diskurs_2.pdf (fabelhaft!) sowie
http://www.cl.uni-heidelberg.de/~hellwig/texttheorie.pdf
(Bei
teachsam kann man allenfalls sein Wissen zum Wiederholen
überprüfen; die Ausführungen sind viel zu knapp.) Das
alles kann man in der 6. Auflage des Grammatik-Dudens (1998), Nr. 1422
ff. und Nr. 1450 ff., nachlesen.
Hilfreich ist vielleicht auch der Begriff der Textfunktion, wie er im Grammatikduden Nr. 1434 ff. eingeführt wird.
Nun weiß ich seit einiger Zeit, dass man erklärende Texte (Texte mit Informationsfunktion) wesentlich vom Frage-Antwort-Schema
her verstehen kann: Der Autor (nicht der Text!) will in seinem Text
eine Frage beantworten; der Text ist die Antwort, die in einem
Gedankengang entfaltet wird. Es kommt darauf an, Frage und Antwort zu
verstehen und die einzelnen (vom Autor zurückgelegten oder
vorgezeichneten oder konstruierten) Gedankenschritte zu
beschreiben; das ist aber etwas ganz anderes, als einzelne Stichworte
am Textverlauf entlang zu wiederholen oder zu paraphrasieren!
Zu Frage / Antwort siehe:
http://www.goethe.de/Z/50/commeuro/i4.htm
(In der DDR gab es bereits ein Frage-Antwortsystem:
http://www.dataleum.de/FAS%20Konzept/FAS-Konzept.html,1983;
vgl. auch die Hausarbeit von Christian Simon:
Konzept zur automatischen Kohärenzanalyse mit prototypischen
Fragen und einer Frame-basierten Wissensbasis, 2005, eine .pdf-Datei)
http://norberto42.kulando.de/post/2005/12/21/theoretische_texte_analysieren
http://norberto42.kulando.de/post/2007/09/14/sachtexte_und_
http://aktuell.de.selfhtml.org/artikel/gedanken/metatext/ (Textmodell)
Jeder Lehrer weiß das eigentlich längst, wenn er den Schülern erklärt, wie sie lernen sollen: den Lernstoff als Antwort auf Fragen lernen! Vgl. „Grundwissen Deutsch in Frage, Antwort und Erklärung“ (http://alt.school-scout.de/Abitur_Grundwissen_Deutsch.cfm);
20 Regeln zur Formulierung des Lernstoffs: http://www.manfred-kremer.de/supermemo/articles/20rules.htm
Jeder Lehrer weiß auch, dass in einem Bericht die Frage, was passiert ist, mit Antworten auf die 6 W-Fragen beantwortet
wird; jeder Lehrer weiß, dass die Satzglieder potenzielle Fragen
beantworten (Kohärenz innerhalb eines Satzes).
Ich habe diese Ideen auch schon zur Konstruktion von Gesprächen mit Autoren der Weltliteratur genutzt, die aus deren Aphorismen und den dazu von mir gefundenen passenden Fragen bestehen: http://norberto42.kulando.de/post/2006/09/27/ und http://norberto42.kulando.de/post/2007/07/26/ sowie http://www.lehrer-online.de/nietzsche-gespraech.php




Sind wir verpflichtet, unsern Irrtümern treu zu sein?

Durchaus sinnvolle Hinweise

Jugendfreunde

upload by Herr G.

Warum? Darum!

1974 war der Zeitgeist bis ins Salemer Schloß vorgedrungen. Die Schüler verließen das durch Anspruch und Schulgeld als Eliteanstalt ausgewiesene Internat, um gegen die allzu rigide Schulordnung zu protestieren. Sie zogen vorübergehend zu den Bauern, in deren Scheunen sie ihre Porsches vor den Augen ihrer Erzieher versteckt hatten. Mit diesen Fluchtfahrzeugen entkamen sie hin und wieder dem asketischen Erziehungsarrangement von Salem mit kaltem Duschen, Morgenlauf und Schulappell. Damals verhandelte der frisch gebackene, gerade 34-jährige Schulleiter Bernhard Bueb noch mit Schülern, und man einigte sich im Gespräch auf eine neue Schulordnung.
Bernhard Bueb ist seit einem Jahr pensioniert. Er wurde nun von der in Bildungs- und Erziehungsfragen gleichermaßen engagierten wie kompetenten Redaktion der Bild-Zeitung zum „strengsten Lehrer Deutschlands“ ernannt. Diese Auszeichnung, denn als solche ist diese Zuschreibung gemeint, diese Auszeichnung bekam der Pensionär für sein Buch „Lob der Disziplin“. Darin fasst er seine Erziehungserfahrungen mit der angehenden Elite der Nation zusammen. Eine seiner Schlussfolgerungen: Verhandelt wird nicht mehr, damit hat er in 32 Jahren Salem nur schlechte Erfahrungen gemacht.
In englischen Internaten werde jede Aufforderung eines Erziehers reflexhaft mit einem „Yes Sir“ quittiert, so wie wir es auch aus den Filmen über amerikanische Kadettenanstalten kennen. Verlangte er dagegen von seinen Zöglingen, dass sie ihr Zimmer aufräumen oder den Mülleimer leeren, so bekam er immer nur ein „gleich“ oder gar ein „warum?“ zu hören. Damit muss Schluss sein, meint Bueb. Ja, das ewige Gerede um irgendwelche Kleinigkeiten, das kennen auch wir ganz normalen Eltern, und so fühlen sich auch die Bild-Leser, die seine Erziehungsratschläge als Serie verfolgen konnten, bei diesem Elite-Erzieher gut aufgehoben. Klare Ansagen brauchen die jungen Menschern, und auf die Nachfrage nach dem Warum schadet auch nicht eine so herrlich naive, wie er sagt, Antwort wie die seiner Mutter: Darum! Wahre Autorität braucht keine Legitimation, sagt er.
Schülermitverwaltung? Ein demokratischer Irrweg, meint Bueb. Viel besser funktioniert doch das englische System, wo Vertrauensschüler nicht gewählt, sondern ernannt werden und für ihre Aufgabe mit einer Reihe von Privilegien belohnt werden, bis hin zu Rangabzeichen, die er auch in Salem wieder einführen wollte. Endlich mal eine Schule, in der man wirklich etwas fürs Leben lernt.
Dass Autorität legitimiert sein will und hinterfragt werden muss – für Bueb ist das eine bedauerliche Spätfolge des Nationalsozialismus, der Autorität und Gehorsam in Verruf gebracht habe. Auch von dieser Erblast müssen wir uns befreien, meint er. Vergessen wir also, dass es einen realen Zusammenhang gibt zwischen dem autoritären Charakter und dem Nationalsozialismus, zwischen der Erziehung zum Kadavergehorsam, etwa in amerikanischen Offiziersschulen, und der Bereitschaft, Menschen zu demütigen und zu foltern, zum Beispiel in Abu Ghreib oder Guantanamo. Nun gibt es bei der Autorität ja immer die einen die befehlen wollen, und die anderen, die gehorchen müssen. Beides sind zwei Seiten ein und desselben autoritären Charakters. Und in Salem lernen potentielle spätere Alphatiere, wie Autorität funktioniert, erst mal als bedingungslose Befehlsempfänger, damit sie später ebenso bedingungslos befehlen werden.
Das Trachten des Menschen ist böse von Jugend auf, fasst er seine Erfahrungen mit faulen, lügenden, kiffenden und egoistischen Schülern zusammen. Für ihn ist Erziehung nichts anderes, als ständig dem Bösen im Menschen Grenzen zu setzen. Steht man nicht ständig regelnd und strafend hinter den Kids, dann laufen sie aus dem Ruder. Buebs Botschaft fällt auf fruchtbaren Boden bei einem Publikum, dessen Jugend-Bild geprägt ist von Berichten über die Rütli-Schule und vorm Computer verblödenden und vereinsamenden Kids. Und weil es so wenige Kinder gibt, haben auch immer weniger Erwachsene eigene Erfahrungen im Umgang mit ihnen. Kein Wunder, dass es mittlerweile kinderlose Menschen gibt, die sich nicht mehr trauen, mit der Straßenbahn zu fahren, weil da so viele Jugendliche sind.
Buebs Freund Frank Schirrmacher vom Feuilleton der FAZ hat ihn zum Schreiben des Buches ermutigt, er hielt bei dessen Vorstellung in Berlin die Laudatio. Schirrmacher lebt nun publizistisch davon, dass er die demografische Krise beschwört. Immer weniger Menschen sehen das Kinderkriegen als selbstverständlich an. Und nach der Lektüre von Buebs Ratschlägen werden sie sich fragen, warum sollten sie sich das antun und solch schwer zu bändigende, von Grund auf böse Wesen in die Welt setzen?

Von Karl-Heinz Heinemann
oder auch:
Über ein falsches Konzept und eine falsche Diskusion.
Zu dem Buch von Bernhard Bueb: Lob der Disziplin.2006.
SWR HF 2 AULA, 4.2.2007

Lehren als Lernbehinderung

Lehrer, Sisyphos der Schule
Lehrer zu sein, bedeutet einen unmöglichen Job zu machen: Schüler anerkennen zu wollen - sie aber in einem Auslesesystem demütigen zu müssen. Schule konditioniert darauf, Zertifikate zu ergattern, statt den eigenen Fragen an die Welt nachzugehen

...
die-lernendeBildungsadministrationen stecken heute viel Geld in die Fortbildung von LehrerInnen. Sie sollen "Methodentraining nach Klippert" üben - und zufrieden sein, wenn eine Schulklasse bei beliebigen Inhalten mit Spaß bei der Sache ist. Die Sache selbst ist nicht mehr näher begründungsbedürftig. Gelernt wird etwas, weil es eben dran ist und für die nächste Prüfung wichtig. Dieses Auf-die-Prüfung-Lernen macht die eigentümliche Struktur des Schulsystems aus. Es fußt gerade nicht auf der Anerkennung des Einzelnen mit seinen individuellen Interessen. Und es ist nicht an der Entfaltung seiner Weltsichten interessiert. Vielmehr stellt es ein System dar, das die Gesellschaft sich leistet, um Statuszuweisungen formal zu begründen.

Bei der notwendigen Gratifikationsvergabe in Form von Noten und Aufstiegsberechtigungen wird auch eine besondere Art der Anerkennung etabliert - allerdings nur für jene, die in den permanenten Notenwettbewerben in der Schule die Gewinner sind. Dazu zählen diejenigen, die "überm Strich" sind und sich für ihren Fleiß angeblich zu Recht zu den "Erfolgreichen" zählen. Dabei produziert das System unablässig aber eben nicht nur die Gewinner, sondern zugleich als unverzichtbares Komplement die Verlierer, die Versager und Gedemütigten.

Das alles ist durchaus bekannt, wird aber in der deutschen Variante besonders intensiv betrieben.

...

Guter Artikel von Frank Nonnenmacher in der taz vom 3.1.

oder auch heute: Wer länger zur Schule geht, lebt länger
Thomas Pany : Der "Education-Effect"

Ich hatte schon früher hingewiesen auf:
Klaus Holzkamp: Lehren als Lernbehinderung?
Schriften I, Berlin: Argument 1997

Man kann das alles wissen ...

As Time Goes By

zeitKurt Kister schreibt in der Wochenendausgabe der Süddeutschen darüber, wie unsere Kindheit, unser Leben, unsere Zeit vergeht:

Weihnachten ändert sich, so wie sich das Leben ändert, weil die Zeit fortschreitet. Am Anfang, in der ersten Phase, ist Weihnachten einfach. Die Mutter oder die Oma erklären dem Kind die wichtigen dinge mit dem Christkind, dem Weihnachtsbaum, dem Wunschzettel, der Krippe und so weiter…
So lange man dieses Weihnachten erlebt, so lange man daran glaubt, dass bei den Geschenken eine höhere Macht im Spiel ist, so lange man gerne die Hand von Mutter, Vater oder Oma nimmt, um sich durch den Tag bringen zu lassen, so lange also die Familie nicht zerbrochen oder verweht ist – so lange ist dieses Weihnachten einfach. Es kommt jedes Jahr und als Kind denkt man nicht, dass sich das einmal ändern wird. Die Eltern aber wissen, dass es sich ändern wird. Sie haben es selbst erlebt, deswegen hängen sie an jedem dieser einfachen Weihnachten. Sie wissen, dass sie für die Zukunft, wenn man sich nur noch daran erinnert, wie es früher einmal war, einen Vorrat anlegen müssen …


Von da aus beschreibt Kister, wie sich unsere Zeitwahrnehmung in unterschiedlichen Lebensaltern verändert.

Erinnert mich an etwas, das Alexander Kluge einmal in einer seiner Nachtsendungen sagte (hab ich nie in seinen Schriften gefunden): Die notwendige Ent-Täuschung, dass das Leben es nicht gut meint mit uns … Was aber auch heißt, das es notwendige Täuschungen gibt …!

Oder an Uwe Timm (in „Rot“):
Manchmal, überraschend, sehe ich mich in den Spiegeln einer Boutique, einer Parfümerie, eines Schuhgeschäfts. Meist kann ich das Bild, das in einem Augenblick vorbeigeht, nicht mit dem zusammenbringen, das ich von mir im Kopf habe. Meine innere Zeit hinkt gute acht Jahre hinterher. Ich vermute, es sind eben jene Jahre, in denen ich – in denen wir alle – noch nicht wissen, was Tod ist. Vielleicht ist das … der Rabatt, den wir auf unser Zeitempfinden bekommen … (Rot, S. 45)

Von den USA lernen heißt siegen lernen

testnpaeOutcomes based education requires pre-defined endpoints. Our educational system defines endpoints as "passing" and "graduating." The epitome of cover your ass; as long as the kid passes he's out of MY hair. He's YOUR problem now. CYA.

The No Child Left Behind Act has granted states autonomy in determining minimum proficiencies necessary to graduate or pass a grade. What's easier than fixing a problem? Working around it. If kids can't meet the standards, let's lower them. Outcomes-based education just needs outcomes, who cares how we GET there? Why jump over a hurdle when you can just walk around it?

An independent research group recently released a study, looking at twelve state's performances on state proficiency exam scores versus national proficiency exam scores. The results were not pretty. Ideal results would be similar scores on state and national exams. The results were unanimously dismal; students scores were significantly higher on state exams. At least I passed!

Outcomes based education has also yielded outcomes-based teaching. Classes have become Kaplan test-prep centers. Teachers have become automatons. Students have become bored. We've created a binary education system: pass or fail. Nothin in between. At least I passed! America has become a stagnant educational pool. Our kids are just wading. Our kids are just waiting.

School accountability will become a major issue in public debate. At least until the current election season is over. We all deserve "participant" medals.
sagt biochemicalslang

1 Anmerkung:

At least I passed - Die bigotte Revolte
Thomas Steinfeld weist - in der SZ vom 8./9.7. auf Widersprüche der neueren Studentenbewegung hin:
arschWährend nun ein paar Dutzend Studenten auf der Kreuzung sitzen, gehen einige ihrer Kommilitonen im gelben T-Shirt der Kampagne "Gegen Studiengebühren" durch die Schlangen der wartenden Fahrzeuge und verteilen die kleinen blau-gelben Flugblätter des Frankfurter Asta. "Argumente und Informationen" verspricht die Schlagzeile. Diese lauten dann so: "Durch Studiengebühren wird Bildung zu Ware. Bildung ist aber Menschenrecht und für unser Land der wichtigste Standortvorteil." Worin aber besteht ein ¸¸Standortvorteil", wenn nicht in der Funktionalisierung einer Ressource für den Erfolg der Nation auf dem Weltmarkt - in diesem Fall der Ressource "Bildung"? Im ersten Teil des Gedankens verwahren sich die Studenten gegen die Behandlung von Bildung als Ware, im zweiten Teil preisen sie selbst ihre zukünftige Bildung als Ware an.

Und so geht es weiter, mit Argumenten von erheblicher Niedertracht: ¸¸Viele AbiturientInnen werden sich für eine betriebliche Ausbildung entscheiden. Damit haben Haupt- und RealschülerInnen noch schlechtere Chancen auf einen Ausbildungsplatz." Die beiden Sätze sind ein Fall von versuchter Geiselnahme und lauten, in klares Deutsch übersetzt: ¸¸Wir wissen, dass wir uns in der Konkurrenz um die bessere schulische Ausbildung bereits durchgesetzt haben. Sollten wir dafür nicht belohnt werden, werden wir die Verlierer unseren Erfolg ein zweites Mal spüren lassen - durch ihre Degradierung zu Hilfsarbeitern." Und noch ein solches Argument: "Wir brauchen ein gerechteres Steuersystem. Gut verdienende Akademiker müssen entsprechend viel Steuern zahlen und dadurch ihr Studium nachträglich finanzieren." Das heißt: Weil diese Studenten glauben, der Staat schulde ihnen das Studium, melden sie schon einmal prophylaktisch einen Anspruch auf die oberen Gehaltsklassen an.

Hinter dem Polizeipräsidium versammelt der Staat seine Streitkräfte, zwei Wasserwerfer fahren auf, irgendwo im Hintergrund gibt es die ersten Verletzten. Auf der Straße tut sich ein Abgrund an Staatsidealismus, Nationalismus und Ranküne auf, nicht bei der Polizei, sondern bei den Studenten. Keiner dieser Studenten scheint auf den Gedanken zu kommen, dass die Bundesrepublik, in einem grundsätzlichen Unterschied zur Lage in den späten sechziger Jahren, diese "Bildung" nicht mehr braucht und die Studenten ihre Überflüssigkeit spüren lässt. Nein, diese Studenten sind große Patrioten und echte Liebhaber der staatlichen Ordnung: Wenn der Staat ihnen schade, schade er sich selbst, meinen sie, und umgekehrt: Wenn der Staat sie fördere, und sei es auch bei ihrem Triumph über die Kollegen aus den Haupt- und Realschulen, dann fördere er auch sich selbst. So artikuliert eine Studentenschaft, die sich selbst, offenbar weit gehend grundlos, für die Elite der Zukunft hält, ihre Ansprüche an das Gemeinwesen, immer verbunden mit einer Drohung: Wenn sich der Staat an uns vergeht, wird er dafür büßen müssen.



Steinfeld hat ja recht mit seiner Übersetzung, argumentiert aber so, als habe sich das neue Paradigma vom Bildungsmarkt (statt staatlicher Bildungsverantwortung) schon allgemein herumgesprochen. Wenn dies, wie ich meine, nicht der Fall ist, dann ist die Widersprüchlichkeit der studentischen "Argumente und Informationen" eher Ausdruck der Widersprüchlichkeit der Wahrnehmung der Lage: Die Mehrheit der Eltern, SchülerInnen und StudentInnen meint offenbar noch, die Outcomes based education (sprich Privatisierung und Entkoppelung von Bildund und Öffentlicher Hand) sei nur ein neues Mittel, das alte Ziel (über die politisch verantwortete Verteilung von Bildung als öffentlichem Gut ein Stück Chancengleichheit herzustellen) zu erreichen.
Dass das nicht so ist, macht Clemens Knoblich im Freitag klar:

Die neoliberale Vermarktung der öffentlichen Bildungseinrichtungen hat in den letzten Jahren erheblich an Fahrt gewonnen. Je prekärer die beruflichen und ökonomischen Perspektiven breiter Schichten werden, desto besser lassen sich "Bildungsreformen" verkaufen, scheint doch die "gute Ausbildung" die beste und einzige Rückversicherung gegen die Wechselfälle eines harten globalen Arbeitsmarktes zu sein. Es ist freilich ironisch und paradox, dass ausgerechnet der traditionelle Bildungsaufstieg, der Berufschancen an öffentliche Bildungsdiplome bindet, als Motiv für Privatisierung und Entkopplung von Bildung und öffentlicher Hand herhalten muss. Denn am Ende dieser "Reformen" wird Bildung kein öffentliches Gut mehr sein, über dessen politisch verantwortete Verteilung ein Stück Chancengleichheit hergestellt wird - sondern eine Markenware.

Gefunden:
href="www.erzwiss.uni-hamburg.de/Personal/Lohmann/Materialien/bennhold.pdf">Die Bertelsmann Stiftung, das CHE und die Hochschulreform:
Politik der ´Reformen´ als Politik der Unterwerfung

s.o. 20.08.

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