- wie die große Marlene schon 1948 in Billy Wilders A Foreign Affair erklärt:
Want to buy some illusions,
Slightly used, second hand?
They were lovely illusions,
Reaching high, built on sand.
They had a touch of paradise,
A spell you can't explain:
For in this crazy paradise,
You are in love with pain.
Want to buy some illusions,
Slightly used, just like new?
Such romantic illusions -
And they're all about you.
I sell them all for a penny,
They make pretty souvenirs.
Take my lovely illusions -
Some for laughs, some for tears
Matti Geschonnecks und Magnus Vattrodts Film "Das Zeugenhaus" (24.11.2014, 20:15 Uhr im ZDF) empfehle ich nachzusehen, wenn Sie ihn nicht gesehen haben.
Sehr interessant ist Achim Zons Bericht über die Entstehung des Films ("Das Spiel der Raubtiere" in der Süddeutschen vom 22./23. November), lesenswert auch die Rezension von Sven Sakowitz (in der taz vom 24. 11. 2014), der auch auf biografische Bezüge hinweist:
„Der Film erzählt nicht vordergründig von den großen Kriegsverbrechern, sondern von denjenigen Menschen, die eng verwoben mit den Mächtigen gelebt haben, deren Macht stützten, deren Verbrechen mit ermöglichten“, sagt Geschonneck. „Ohne jeden Selbstvorwurf haben sie ihr Leben mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit weitergelebt, waren von ihrer Redlichkeit überzeugt. Sie haben mit ihrer opportunistischen Gabe gut überlebt. Auf der Nürnberger Anklagebank saß nur ein Bruchteil derer, die tatsächlich da hingehörten.“
In Geschonnecks „Zeugenhaus“ ereifern sich die Mitglieder dieser Opportunisten-Fraktion nun in teils brillanten Dialogen über den vermeintlichen Schauprozess der Alliierten und das schlechte Essen, sie schönen ihre Lebensläufe und preisen die Gemälde des Führers.
Ihr ganzes Verhalten ist gleichzeitig abstoßend und unterhaltsam, in höchstem Maße irritierend und von Schauspielern wie Udo Samel, Gisela Schneeberger und Tobias Moretti glänzend gespielt. Diese Mitläufer sind keine durch und durch bösen Menschen, einige von ihnen scheinen wie aus dem heutigen Alltag gegriffen. Das macht sie so unheimlich. Ihre Darstellung wirft aktuelle Fragen auf: Wäre das heute nicht alles noch genauso möglich? Wie hätte man selbst sich verhalten?
Schockierend und empörend wird ihr selbstgerechtes Gehabe vor allem durch die Kontrastierung mit den im Haus lebenden, ehemaligen KZ-Insassen: „Die Lebensgeschichte meines Vaters hat gewiss Einfluss auf die Inszenierung dieser Szenen genommen“, sagt Geschonneck. Erwin Geschonneck trat 1929 der KPD bei und war während des Nationalsozialismus sieben Jahre lang in Konzentrationslagern eingesperrt: in Sachsenhausen, Dachau und Neuengamme.
In der DDR gehörte er zu den beliebtesten Schauspielern, 2008 starb er im Alter von 101 Jahren. Matti Geschonneck wuchs nicht bei ihm auf, hatte aber in dessen letzten 20 Lebensjahren ein enges Verhältnis zu seinem Vater: „Über seine Zeit im KZ hat er nie viel geredet, denn es erschien ihm beinahe unmöglich, diese Erlebnisse nachvollziehbar darzustellen. Seine Haltung wird im Film in einigen verhaltenen Dialogen spürbar.“ ...
Natürlich gab es unter den Gefangenen Freundschaft und Solidarität, aber eben auch Verrat und Brutalität untereinander. Diejenigen, die sich da durchgesetzt haben, überlebten mit schwerem Seelenballast. Das Paradox: Schuldbewusstsein gab es nach dem Ende des Nationalsozialismus eher auf Seiten der Opfer.“
Weshalb das hilfreich ist für das Verstehen des Films? Denken Sie nochmal an (oder achten Sie auf) die Figur des Gärtner (Edgar Selge) und wenn sie die genauer wahrgenommen haben und mit der ekelhaft-dummdreisten Selbstgefälligkeit anderer Figuren vergleichen, wird deutlich, was an der westdeutschen Nachkriegsgeschichte so hassenswert ist.
In diesem Zusammenhang sei noch einmal verwiesen auf die (leider) einzigartige zivilisatoische Leistung der Anti-Hitler-Koalition, mit den Nürnberger Prozessen unhintergehbare Standards des Völkerrechts gesetzt zu haben:
Anklageschrift
Der Internationale Militärgerichtshof
Die Vereinigten Staaten von Amerika, die Französische Republik, das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland und die Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken haben die Unterzeichneten, Robert H Jackson, François de Menthon, Hartley Shawcross und R. A. Rudenko, rechtmäßig zu Vertretern ihrer Regierungen zum Zwecke der Untersuchung der Beschuldigungen gegen die Hauptkriegsverbrecher und zu deren Verfolgung bestellt in Ausführung des Londoner Abkommens vom 8 August 1945 und des diesem Abkommen beigefügten Statuts des Gerichtshofes, beschuldigen die obengenannten Regierungen, der Verbrechen gegen den Frieden, der Verbrechen gegen das Kriegsrecht und der Verbrechen gegen die Humanität in dem im folgenden erörterten Sinn, und eines gemeinsamen Planes und einer Verschwörung zur Begehung dieser Verbrechen, wie diese in dem Statut des Gerichtshofes definiert sind, und klagen dementsprechend wegen der weiter unten aufgeführten Punkte an: Hermann Wilhelm Göring, Rudolf Heß, Joachim von Ribbentrop, Robert Ley, Wilhelm Keitel, Ernst Kaltenbrunner, Alfred Rosenberg, Hans Frank, Wilhelm Frick, Julius Streicher, Walter Funk, Hjalmar Schacht, Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, Karl Dönitz, Erich Raeder, Baldur von Schirach, Fritz Sauckel, Alfred Jodl, Martin Bormann, Franz von Papen, Arthur Seyß-Inquart, Albert Speer, Constantin von Neurath und Hans Fritzsche, und zwar als Einzelpersonen sowie als Mitglieder der unten genannten Gruppen und Organisationen...
Nachtrag: Die Bundesrepublik verweigert einer UN-Resolution gegen die Verherrlichung von Nationalsozialismus und NS-Kollaboration [1] ihre Zustimmung. In der vergangenen Woche hat das Dritte Komitee der Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution verabschiedet, in der etwa die Errichtung von Denkmälern für NS-Funktionäre und die Stilisierung von NS-Kollaborateuren zu "Freiheitskämpfern" massiv kritisiert werden. Deutschland und die übrigen EU-Staaten enthielten sich; die USA, Kanada und die Ukraine stimmten sogar gegen das Dokument, dessen Inhalt von 115 Ländern unterstützt wurde. In Berlin und Brüssel heißt es, man habe nur deshalb nicht zustimmen wollen, weil Russland die Resolution initiiert habe. Tatsächlich müsste eine Unterzeichnung des Dokuments zu heftigen Auseinandersetzungen sowohl innerhalb der EU als auch im Verhältnis zu wichtigen internationalen Verbündeten führen: In EU-Staaten wie Ungarn oder den baltischen Ländern, aber auch in der Ukraine werden berüchtigte NS-Kollaborateure in zunehmendem Maße öffentlich verehrt - teils von Kräften, die an der jeweiligen nationalen Regierung beteiligt sind...
[1] United Nations General Assembly: Sixty-ninth session of the Third Committee. Agenda item 66 (a): Elimination of racism, racial discrimination, xenophobia and related intolerance. A/C.3/69/L.56/Rev.1. 19.11.2014
Quelle: German Foreign Policy
Nichts mehr übrig geblieben von der zivilisatoischen Leistung.
The full, unredacted text of the FBI’s supposedly anonymous letter to Martin Luther King has been unearthed at the National Archive by Beverly Gage, an historian from Yale University. It has to be read to be believed:
Laut einem Bericht des ARD-Magazins Panorama nutzt die Propaganda-Abteilung des IS einen "Neonazi-Internetdienst" für den Mailverkehr. Im Bericht wird die Beziehung als "kurios" bezeichnet - angesichts der "HoGeSa"-Demonstrationen, an denen sich Rechtsextremisten beteiligten und gegen Salafisten demonstrierten. Für Beobachter der Szene zeigt sich die unterstellte Kooperation freilich in einem etwas anderem Licht: Sie passt ins Bild einer Zusammenarbeit zwischen Neonazis und radikalen Islamisten...
(Thomas Pany, tp 20.11.2014)
What the world has been experiencing since at least 2001 and certainly for years earlier than the attack on the World Trade Center and the Pentagon has been what analysts refer to as “asymmetrical warfare” conducted by “non-state actors.” This is a technique that was developed to perfection by Skorzeny and the other leaders of what we have called ODESSA. The fact that the Western intelligence agencies turned a blind eye to Skorzeny’s activities has contributed to our inability to confront and defeat what we have called Islamist terrorism. Arms dealing, covert international banking systems, targeted assassinations, terror bombings, the “strategy of tension” as it was described and defined by fascist terrorist Stefano della Chiaie, already existed as part of an underground terror network long before al-Qaeda was born...
Al-Qaeda, Hamas, Hizbollah, Fatah, Jemaah Islamiyyah, Lashkar- e-Taiba, etc. are all children of ODESSA. The pact between Nazi anti-Semitism and Arab anti-Semitism was made with Hajj Amin al-Husseini all those years ago—and has been renewed every decade since with refinements as necessary to reflect emerging political realities in the aftermath of the fall of the Soviet Union. Skorzeny, al-Husseini, Genoud: one big happy family...
Das klingt erstmal nach wüster Verschwörungstheorie (und bei Levenda muss man aufpassen, weil's ins Okkulte rüberschwappt), aber zumindest sind bestimmte Verbindungen nicht zu bestreiten und dass das Terror-Netzwerk SS (ob es nun ODESSA gab oder nicht, die Ratlines gab's) auch nach 1945 aktiv war und gemeinsam mit islamischen Antisemiten an Strategien der asymmetischen Kriegführung gearbeitet hat, dürfte wohl auch nicht zu leugnen sein...
It is well known that legendary American gangster Al Capone once said that 'Capitalism is the legitimate racket of the ruling class', - and I have commented on the links between organised crime and capitalist accumulation before on this blog, but I recently came across the following story from Claud Cockburn's autobiography, and decided to put it up on Histomat for you all...
via disinformation
Eigentlich müsste ich meine Rubrik umbenennen:
Die anomische Herrschaft der Rackets: The Badass Jihadis in Black und der verwilderte Leviathan aka The Legitimate Racket of the Ruling Class
Klingt gut. So ist's richtig, Jungs, immer erst auf die Lampen!
Ein alter Witz fällt mir ein, wenn ich an die Blödmaschinen denke, die uns Putin und die Badass Jihadis in Black erklären:
In der Alabama-Bar in Laramie spielt der einäugige Joe jeden Abend Klavier. Wiedermal gibt es eine Schießerei und die erste Kugel trifft Joes gesundes Auge. Begeistert dreht sich Old Joe um und ruft: "So ist's richtig, Jungs, immer zuerst auf die Lampen!"
Ich habe im Bekanntenkreis zuweilen Schwierigkeiten, mich verständlich zu machen, wenn ich nicht für die Auslöschung des IS mit militärischer Gewalt plädiere.
Nicht dass ich mit den Badass Djihadis in Black sympathisierte oder als ISIL-Versteher durchgehen möchte, aber ist nicht die Frage:
Wie viel Verrohung ist eigentlich schon in alltägliches Denken ... eingesickert, dass wir nicht verrückt werden ob der dominierenden Unmenschlichkeitslogik, wenn die handlungsleitenden Logiken, denen wir folgen sollen, sich als genauso archaisch borniert und moralisch ebenso minderwertig erweisen wie die des akutellen Feindes? (Kohlberg: Moralstufe 1) - so kürzlich hier formuliert und mit The War Photo No One Would Publish vom 1991 Highway of Death versehen. Oder: Behemoth und Leviathan ...
Ein Versuch, das Problem der Urteilsbildung zur Frage des Umgangs mit dem IS (vulgo "Auslöschen") zu beschreiben
In der Politikdidaktik ist ja Urteilsbildung zusammengeschnurrt auf die Kriterien der Effizienz und der Legitimität (- ich würde das, lässt man sich auf den Ansatz ein, wenigstens umdrehen):
Erste Anmerkungen zu notwendigen Differenzierungen, um die Fragen beantworten zu können
zu 1. erstmal nur die Frage, ob unsere - medial vermittelte - Wahrnehmung des IS als Inkarnation des Bösen nicht grotesk unterkomplex ist und auf dessen Propaganda hereinfällt :
Islamistische Terroristen filmen Selbstmordattentäter meist in heroischer Pose und inszenieren ihre Anschläge als Gottes Werk - im jetzt gefundenen Geheimmaterial des IS-Kriegsministers findet sich ein Video mit einer anderen Aussage. Es zeigt einen 21-jährigen dänischen Konverititen, der keineswegs selbstsicher ist. (Süddeutsche Zeitung 15. November 2014: Videofund lässt hinter die IS-Propaganda blicken)
Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hat bereits weitgehende staatliche Strukturen errichtet. Sie ist viel mehr als eine Miliz, die Anschläge vorbereitet und verübt. Sie hat ein straff organisiertes Staatswesen mit einem ausgeklügelten Sozialsystem aufgebaut und setzt offenbar auf Schutzgeld-Erpressung, um Waffenkäufe zu finanzieren; zudem betreibt sie gezielte Personalplanung für den Einsatz von Selbstmordattentätern. Das belegen interne IS-Dokumente, die der Süddeutschen Zeitung sowie dem NDR und WDR von der irakischen Regierung in Bagdad zur Verfügung gestellt wurden. (Süddeutsche Zeitung, 14. November 2014, Geheime Dokumente über Islamischen Staat)
Last year saw the highest number of terrorist incidents since 2000, according to the latest Global Terrorism Index released by the Institute for Economics and Peace. Worldwide, the number of terrorist incidents increased from less than 1,500 in 2000 to nearly 10,000 in 2013. Sixty percent of attacks last year occurred in Iraq, Afghanistan, Pakistan, Nigeria and Syria.
The report suggests that U.S. foreign policy has played a big role in making the problem worse: "The rise in terrorist activity coincided with the US invasion of Iraq," it concludes. "This created large power vacuums in the country allowing different factions to surface and become violent." Indeed, among the five countries accounting for the bulk of attacks, the U.S. has prosecuted lengthy ground wars in two (Iraq and Afghanistan), a drone campaign in one (Pakistan), and airstrikes in a fourth (Syria)....
Vgl. auch How ten months at US run Camp Bucca in 2004 transformed Abu Bakr al-Baghdadi into a ruthless foe (Daily Kos, Aug 29, 2014)
zu 1.2 und 2.2 erstmal nur das Beharren darauf, dass Konflikte auf der Basis der Charta der Vereinten Nationen, d.h. im Rahmen von Institutionen, zu lösen sind:
Eine berufbare Grundlage ist dieResolution 1373 des UN-Sicherheitsrates vom 28. September 2001:
Die Resolution verpflichtet alle Staaten, jegliche Arten von terroristischen Aktivitäten und auch ihre bloße Unterstützung zu kriminalisieren. Den Staaten werden dazu konkrete Maßnahmen vorgegeben, wie zum Beispiel die Finanzierung von Terrorismus zu bekämpfen oder Terroristen Unterschlupf zu verweigern. Die Resolution ist für alle Staaten verpflichtend und greift mit ihren Vorgaben in die nationale Gesetzgebung der Staaten ein. Ein solches weitreichendes Vorgehen wurde zuvor in keiner anderen Resolution angewandt...
Die Resolution 1373 dagegen geht allgemein gegen die Bedrohung des internationalen Terrorismus vor und schreibt die dazu notwendigen allgemeinen Maßnahmen vor. Sie besitzt damit eine ganz neue Qualität von Sicherheitsratsentschlüssen, da sie nicht – wie sonst üblich – Sanktionen gegen ein Land erlässt, sondern alle Staaten dazu verpflichtet, ihr nationales Recht abzuändern bzw. zu ergänzen. Der Sicherheitsrat erlässt mit der Resolution 1373 faktisch Internationales Recht und agiert als ‚World Legislator’...
(Resolution in deutscher Übersetzung)
... und der Hinweis darauf, dass alle bisherigen Schnell- und Selbstmandatierungen grotesk an die Wand gefahren wurden (vgl. etwa Libyen und den völkerrechtswidrigen Krieg gegen Serbien ...)
Sehr lesenswert und hilfreich, um in den aktuellen Konflikten den Blick auf das Wesentliche in den internationalen Beziehungen nicht zu verlieren: Frieden muss gestiftet werden. Exempel Kosovokrieg oder: das Völkerrecht als Gegner
von Daniela Dahn (aus: »Blätter« 11/2014, Seite 59-71) Lesebefehl!!
via Exile On Moan Street, - dort mit dem Text versehen: "In the first night after the wedding it doesn't matter what the movements of the parties are, they still end up doing the same thing"
+ Rede Wladimir Putins auf der Waldai-Konferenz in Sotschi 2014 - Das Thema der Konferenz lautete: „Weltordnung: Neue Regeln oder ein Spiel ohne Regeln?“ (russisch „Мировой порядок: новые правила или игра без правил“, engl. „The World Order: New Rules or No Rules“); hier eine deutsche Übersetzung, hier das Video mit deutscher Übersetzung, hier die zugespitzte Zusammenfassung eines russischen Bloggers.
+ Russlands Staatspräsident Wladimir Putin über internationale politische Situation; Russia Today 18 November 2014.
Die mit der Krise des Kapitals immer stärker um sich greifende Barbarisierung könnte somit den Zivilisationsprozess zwischen zwei Mühlsteinen, die bereits jetzt oft genug in Wechselwirkung treten, zermalmen: dem verwildernden Leviathan und dem blindwütig um sich schlagenden Racket.
Vielleicht erklärt dieser Umstand einer schleichenden Annäherung der Verfallsformen sowie des Repressionsniveaus zwischen Ost und West auch die ambivalente Haltung gegenüber Putin oder China in der deutschen Öffentlichkeit, die ja zwischen Bewunderung und offenem Hass pendelt. In dem Verständnis, das weite Bevölkerungsteile und viele Prominente – wie etwa der Altkanzler Helmut Schmidt – für Putins Agieren in der Krimkrise aufbringen, kommen die eigenen autoritären Dispositionen, die Sehnsucht nach der harten Hand, die dem Krisenchaos endlich ein Ende setzen möge, zum Ausdruck, während der Hass auf Russland – neben der oftmals vorhandenen „atlantischen“ Ausrichtung der entsprechenden Akteure – durch die wichtigste historische Leistung Putins wie der chinesischen „KP“ motiviert ist: Sie haben bis zum heutigen Tag verhindert, dass ihre Länder zu einer Peripherie des Westens zugerichtet werden konnten.
In diesem Sinne Putin verstehen zu wollen, heißt ja nicht ihn sympathisch finden zu müssen, sondern einen möglichst klaren, analytischen Blick darauf zu haben, wie er macht, was er macht (- und dazu ist Seipels Interview gut geignet, wie iÜ auch das ältere von Jörg Schönenborn).
Offensichtlich gibt es zwei völlig unterschiedliche Gruppen von Putin-Verstehern. Mit denen mit der Sehnsucht nach der harten Hand sollte man sich nicht gemein machen.
Lost On The River: The New Basement Tapes is a music event 47 years in the making. The album celebrates the discovery of never-seen Bob Dylan lyrics from that legendary 1967 period and marks a creative highpoint for the album’s participants – Burnett, Costello, Giddens, Goldsmith, James and Mumford – who have brought them to life nearly 50 years later.
Bob Dylans nun komplett vorliegende "Basement Tapes" lassen Andrian Kreye (SZ, 15./16.11. - "Heimgekommen") ... an die Zeit zurückdenken, als ausgehend von Dylans Musik die Weite des offen daliegenden Amerikas in die Pop- und Rockmusik Einzug hielt. Nur in Europa nicht, wo man sich stattdessen an antiken Mythen und Troubadoren-Ästhetik orientierte. "Warum aber fand Europa im Rock niemals seine Seele?", fragt sich Kreye da und findet in Dylans lässigen Hobo-Songs die Antwort: Das "ist nicht der verbissene Kampf der Revolution. Es ist das Ende einer langen Suche nach einer Heimat, die eben nicht erobert, sondern wiederentdeckt werden muss. Der Funke zündete damals weltweit. Europa aber bleibt im Rock ein verschollener Kontinent." (perlentaucher)
Ich finde Kreyes Artikel lesenswert und erhellend: Als die europäischen Musiker nach ihrer Geschichte suchten, landeten sie beim Progrock ...
Irgendwie auch auf der Suche nach einer bewohnbaren Heimat und nach Geschichte:
Sehr gut gefällt mir (obwohl ich Rap nicht mag) der hook:
Und Günter Grass schreibt ein neues Gedicht
Und Beate Zschäpe hört U2
Und MaKss Damage landet ´nen Hit
Und Beate Zschäpe hört U2
Und aus dem Jenseits lacht Jürgen Möllemann
Und der Holger Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Und Max Mustermann zündet ein Flüchtlingsheim an
Deutschland, Deutschland du tüchtiges Land
"So ein wunderbares Zigarettenbürscherl! Das ist die Wiener Chuzpe, die man von den ganz frühen "Ja,Panik" kennt, gepaart mit einem Urvertrauen ins eigene Jungsein und ein bisschen Falco-Haargel. Es ist aber auch ein brachialer Zeitgeist, der hier und auf dem ganzen exzellent-verkorksten Debütalbum "Amore" (Problembär Records) tönt und von dem man fast annehmen möchte, dass er durch jahrzehntelanges Hören des Radiosenders FM4 entstanden ist. Eine popkulturelle Abgefeimtheit ist das, die hierzulande irgendwie noch ziemlich selten ist. Witz und Wahnsinn, Melodie und Peinlichkeit sauber auf die Bühne gebracht."
Fresh out of his latest Congressional election shellacking delivered by the minority who bothered to vote in the United States, the formerly most powerful leader in the world, US President Barack Obama, will star in a thriller this weekend, appearing in the same room with China's Xi Jinping, Japan's Shinzo Abe and - fasten your seat belts - Russia's Vladimir Putin.
What a drag - the Bomber-In-Chief must be musing. The global economy is mostly a disaster. China, even growing at "only" 7% a year, keeps eroding his "indispensable nation" aura. Japan has decided to copy the Federal Reserve and embark on its own kamikaze version of quantitative easing. Numerous Southeast Asian nations keep freaking out about a few rocks in the South China Sea.
And last but not least, Obama's nemesis, pesky Vlad "the Hammer" Putin, has just been crowned Most Powerful Leader in the world - even if for the most stupid reasons ("unpredictable" head of a "rogue state") [1] - while he, the Nobel Peace Prize leader of the exceptionalist, indispensable nation, is now nothing but a pitiful lame duck.
The get-together, extended to Monday and Tuesday, will be the highlight of the Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) summit in Beijing - actually, outside of Beijing, so presumably unpolluted blue skies may also have a chance at the photo op. This is APEC's 25th birthday. And the 20th birthday of the Indonesian summit in Bogor - I happened to be there - which, under Bill Clinton's flowery charm, set the 21-member APEC nations a goal of "free" and open trade and investment by 2020. "Free" as in US corporations dictating the rules, of course...
(Lame-duck Obama's brave new world. By Pepe Escobar, Asia Times Online, Nov 7, '14)
Was sagt uns das? [1] Lohnend wäre eine genauere Auseinandersetzung mit der methodology of Ranking The World's Most Powerful People 2014:
What do the president of Russia, the richest man in China and the first woman ever to head a Big 8 automaker have in common? They’re all featured on Forbes’ 2014 ranking of the World’s Most Powerful People – an annual snapshot of the heads of state, CEOs, financiers, philanthropists and entrepreneurs who truly run the world.
The list represents the collective wisdom of FORBES editors and advisors, who consider hundreds of nominees before ranking the planet’s 72 power brokers — one for every 100 million on Earth. We measure their power along four dimensions...
The collective wisdom of FORBES editors and advisors, die hervorbringt, dass man Macht along four dimensions misst:
- whether the candidate has power over lots of people
- the financial resources controlled by each person
- determine if the candidate is powerful in multiple spheres
- make sure that the candidates actively use their power
scheint mir doch etwas unterkomplex heranzugehen und entsprechend zu recht seltsamen Ergebnissen zu kommen.
§ 16. Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht. [Max Weber - Wirtschaft und Gesellschaft]
Heute im Auto unterwegs. Den ganzen Tag über auf allen Sendern immer wieder Winds of Change von der hannoverschen "Leopardenunterhosenband" (Wiglaff Droste, hier), angeblich der Soundtrack zum Mauerfall. Zwar erst später erschienen und erst 1991 zum Hit geworden; nach Kritikerurteil (SZ-Diskothek) auf Platz 1 der sieben schlimmsten Wende-Songs, - aber wie Klaus Meine (Pfeifen kann doch jeder, BZ 9.11.09) erzählt, eben im Herbst 1989 entstanden - und zwar so:
- Ein gemeinsamer Abend war Grundlage für das Lied. Wir sind zusammen mit allen Musikern, die auf dem Festival gespielt haben, mit Bon Jovi, Ozzy Osbourne, Mötley Crüe und Journalisten aus aller Welt an der Moskwa entlang zum Gorki-Park gefahren. Dort gab es dann Barbecue. "Follow the Moskwa, down to Gorki Park" Die Zeile beschreibt jenen Abend. Für mich war das in gewisser Weise die ganze Welt in einem Boot, und alle sprechen die gleiche Sprache - nämlich Musik.
Woher wussten Sie damals denn, dass bald die Mauer fallen würde?
- Niemand konnte das ahnen. Aber in der Zeit zwischen September und November gab es viele Zeichen, die man deuten konnte und die sich zu dem Moment des 9. November aufgebaut haben. Viele junge Leute in Moskau haben uns damals gesagt, der Kalte Krieg wird bald vorbei sein, hier ist eine junge Generation am Start...
Brillante Analyse der Zeitläufte und gut zu wissen, dass die ganze Welt im Boot des Klaus Meine aus Bon Jovi, Ozzy Osbourne, Mötley Crüe und Journalisten aus aller Welt bestand: So hört sich die Musik auch an ...
Die Musik des anderen Helden des 9. November möchte ich hier nicht kommentieren,
Wolf Biermann im Berliner Ensemble -„Stalinistische Syphilis“ - Wem Wolf Biermanns Auftritt im Bundestag nicht gereicht hat, konnte ihn in abendfüllender Länge am Berliner Ensemble erleben. Der Kanzlerin gefällt's. (taz heute)
- mir hätte iÜ seine Lebensabschnitts-Tochter besser gefallen: Live im Bundestag - Nina Hagen & Capital Dance Orchestra - Yes Sir
feat. Heino Lammert -
... und also zur Person des grauen Wolf nur diese interessanten Quellen:
- Wkipedia über Eva Maria Hagen und den Wolf: Beide waren von 1965 bis 1972 Lebenspartner. Während Biermanns Auftrittsverbot bestritt sie dessen Krankenversicherungsbeiträge und geriet zunehmend in die Schusslinie der DDR-Führung. Gegen sie wurde ein Prozess wegen „Staatsverleumdung“ geführt und ihre Engagements fanden vornehmlich in Provinztheatern statt. Ihr späteres Buch Eva und der Wolf wird als sehr offenes Bekenntnis zu ihrer Beziehung bezeichnet und beinhaltet ihren regen Briefverkehr mit Wolf Biermann, der ein Vorwort beitrug. Den Berichten Hagens ist zu entnehmen, dass die Beziehung zu Biermann insbesondere an dessen wiederholten Versuchen, aus seiner Eva eine Frau nach seiner damaligen Idealvorstellung zu formen, gescheitert sein könnte.
Es gibt kein Denken ohne Begriffe. Sie sind das Werkzeug des Geistes. Der Einfachheit halber benutzen wir immer dieselben: Dissident zum Beispiel. Oder Regimegegner. Oder Unrechtsstaat. Was sich denken lässt, ist damit schon vorentschieden. Und was sich nicht denken lässt, auch. ...
Biermann. Es gibt Menschen, auf die man sich im Notfall verlassen kann – und die anderen. Biermann gehört ziemlich eindeutig zur zweiten Gruppe, das haben viele in Ost – und später in West! – bezeugt. Und die Unterzeichner des Protests gegen die Ausbürgerung Biermanns wurden nie müde zu betonen, dass es nicht um Biermann ging, nicht um die Person, nur um den Fall. Ein Prahler, ein Geck, ein Aufreißer, der selbst vor Margot Honecker nicht haltmachte? Biermann selbst schreibt, M. H. habe bei ihm zu Hause „mit zusammengeklemmten, ideologisch weggeknickten Knien“ hochoffiziös in dem Sessel gesessen, der sonst Robert Havemann vorbehalten war. Ja, mein Gott, der Mann ist Künstler....
»Bekanntlich kam Biermann erst 1953 in die DDR. Margot Honecker, geborene Feist, die gemeinsam mit Biermann aufgewachsen war, holte den Siebzehnjährigen aus seinen bescheidenen Hamburger Verhältnissen und brachte ihn in einem Internat unter. Ihr und Biermanns Vater waren während der Nazizeit in einer Widerstandsgruppe, und nachdem die Gruppe aufgeflogen, beide Väter verhaftet und ins KZ gebracht worden waren, nahm Biermanns Mutter das Mädchen bei sich in Hamburg auf. Nach dem Krieg holte sie der Vater, der überlebte, wieder nach Halle, wo Margot in der FDJ arbeitete und deren Chef Erich Honecker kennenlernte, den sie später heiratete. Biermann machte, in der DDR angekommen, zunächst das Abitur und durfte sich danach ein Studium, nein, sogar zwei Studiengänge aussuchen – er belegte Politische Ökonomie, später Mathematik und Philosophie. Natürlich war er Mitglied der FDJ und der SED, und natürlich konnte er auch nach 1961 ungehindert in den Westen reisen, er gab dort Konzerte und ließ seine Bücher verlegen. Sein enger persönlicher Kontakt zur Familie Honecker, insbesondere zu Margot Honecker, riß nie ab. Sie ging zu ihm in die Chausseestraße, wo sie ihm eine Wohnetage besorgt hatte, er kam zu ihr ins Ministerium, wozu er weder Termine noch Passierscheine benötigte. Noch unmittelbar vor dem Verlassen der DDR hatte er Besuch von ihr, sie werden die Modalitäten des als Ausbürgerung bekannt gewordenen Umzugs und PR-Gags beredet haben. Darüber spricht und singt der Dauerwiderständler Biermann nicht nur ungern, sondern überhaupt nicht. Seine Popularität und moralische Glaubwürdigkeit, mit welcher er gegen ›die Genossen im Schmalztopf der privilegierten Kaste‹ ansang, hätte Schaden nehmen können, wenn herausgekommen wäre, daß er nicht nur im ›Neuen Deutschland‹ tagtäglich die bekannten ›Fressen‹ fand, sondern auch bei sich zu Hause.«
Jakob Moneta, dem alten Trotzkisten und ehemaligen Chefredakteur der Gewerkschaftszeitung der IG Metall verdankt Wolf Biermann die Einladung zu seinem Kölner Konzert. Dieser Massenveranstaltung folgte Biermanns Ausbürgerung aus der DDR. Moneta berichtete später auch über das »Liebesverhältnis« Wolf Biermanns zu seiner älteren Stiefschwester Margot: »Als er eines Abends erzählte, wie sehr er sich vor den Falten am Hals von Margot geekelt habe, die inzwischen die Ehefrau des Staatsratsvorsitzenden Honecker war, wollte Sigi (Monetas Lebenspartnerin d.V.) ihn, angewidert von seinem Machismus, hinaus schmeißen.«
Moneta beendete seinen Aufsatz mit dem schönsten Satz, den wir im Zusammenhang mit Wolf Biermann je gelesen oder gehört haben: »Zum Schluss kann ich es mir nicht verkneifen, Wolf Biermann einen Spruch aus meiner jiddischen Muttersprache auf den Weg zu geben: ›Nicht gedacht soll seiner werden.‹«
Margots Blick auf Hausschilds Photo mag - kennt man ihre Biographie - darauf aufmerksam machen, dass die grotesk-banale geschichtspolitische Inszenierung des 9. November 1989 auch dazu dient, die Bedeutung des Datums 9. November für die Deutung der deutschen Geschichte als Beginn des Holocausts zu eskamotieren und neu zu besetzen. Dass das dem Biermann kein Wort wert ist, ist das eigentlich Skandalöse seiner Rede, das als solches offenbar nicht wahrgenommen wird, und erledigt ihn dennoch oder gerade deshalb endgültig: ›Nicht gedacht soll seiner werden.‹
9. November 1938 – Auftakt zum Holocaust
Vor einem Jahr, als das Gedenken an die damals 75 Jahre zurückliegende »Reichskristallnacht« auch der deutschen Öffentlichkeit ein wenig wichtiger war als der Jahrestag des Mauerfalls, produzierte Sachzwang FM eine sehr hörenswerte Sendung über die Pogrome des November 1938 und über die Struktur des Antisemitismus. Dieses Wochenende, an dem staatstragend die »friedliche Revolution von 1989« und die Wiederherstellung der deutschen Nation gefeiert wird, sind die deutschen NS-Verbrechen im öffentlichen Bewusstsein vermutlich kein, jedenfalls kein großes Thema. Die richtige Zeit also, zwei von Dr. Indoctrinator verlesene, leicht gekürzte Beiträge zu hören (oder selbst zu lesen), deren erster von Rainer Bakonyi stammt und vor allem die Ereignisse in der Art einer Chronik der Verfolgung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden schildert. Im zweiten Beitrag widmet sich Rolf Pohl psychoanalytischen Theorien des antisemitischen Wahns. Im Zentrum stehen dabei die Begriffe »pathische Projektion« und »projektive Identifizierung« sowie die Wahrnehmungspsychologie. Audioarchiv kritischer Theorie & Praxis
Manfred Mann (* 21. Oktober 1940 in Johannesburg; eigentlich Manfred Sepse Lubowitz) ist der genialste Arrangeur der Rockmusik.
Ich habe mir heute sein neues Album als 2-LP set gekauft. Unbedingt empfehlenswert für Freunde des meisterhaften Arrangements.
The album features German trumpeter Till Brönner, vocal contributions from Carleen Anderson, Robert Hart, Kris Kristofferson, Noel McCalla, Caitlyn Scarlett, Viktoria Tolstoy and Ruby Turner, as well as appearances by members of the Earth Band and others.
Lone Arranger is a series of adaptations of very well-known music, including Rodrigo’s Concierto de Aranjuez, For You, I Heard It Through The Grapevine and All Right Now, alongside new versions of recordings that contained samples of Manfred’s own music – The Prodigy, Kanye West, Disco Boys.
One Hand In The Air
All Right Now
Rock You
Footprints
I Came For You
Light My Fire
I Heard It Through The Grapevine
Nothing Compares To You
Insects
UKOR
Aranjuez First Movement
Bang A Gong
The Crystal Ship
One Way Stand-Up
Die Liste der Titel mag Sie gespannt machen auf Manfreds Arrangements:
I'M NOT AN ARTIST OR WRITER; BUT AN ARRANGER - I CHANGE THINGS.
A KEYBOARD PLAYER WHO ARRANGES AND CHANGES - A KIND OF KRAFTSMAN.
NO MESSAGE. NO MEANING
Was message & meaning angeht, sehe ich das anders: Die Botschaft ist, dass man ein Leben lang exzellente, bedeutende Musik machen kann:
Vgl. zB die großartigen Arrangements auf der EP Collection aus den Jahren 1965/66! Hier das geniale Arrangement von My Generation, feat. Jack Bruce am Bass!
Mediale und politische Hetzjagd auf die Gewerkschaft der Lokführer
Der mediale und politische Mainstream wettert gegen die Gewerkschaft der Lokführer (GdL) und ihren Chef, wie zuvor nur gegen Putin in der Ukraine-Krise. Doch die GdL führt einen Arbeitskampf für die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer.
„Zaren-Motor“ – Russland entwickelt 850 PS-Motor
Russische Ingenieure arbeiten gerade an einer neuen Linie von Automotoren, speziell für zukünftige VIP-Fahrzeuge. Diese sollen vom Präsidenten und anderen hochrangigen Beamten benutzt werden. Die Premiumversion soll mit einem bis zu 850-PS starken Motor ausgestattet werden.
Und? Wer hat den Steuerberater gewählt?
Mit großer Mehrheit hat das Europaparlament die neue EU-Kommission von Jean-Claude Juncker bestätigt. Der ehemalige Luxemburger Regierungschef und sein Team erhalten die Unterstützung von Konservativen, Sozialdemokraten und Liberalen. (zB Der Tagesspiegel)
+ The Luxemburg Polka: So funktioniert Steuervermeidung (NDR-Erklärvideo)
+ EU-Kommissionspräsident machte Luxemburg zum Steuerparadies (RT Deutsch)
+ EU: Steuerflucht als Geschäftsmodell - von Axel Troost (aus: »Blätter« 12/2013, Seite 13-16)
Wenn Sie zu wohltuender Ernüchterung der Maueröffnungs-Besoffenheit mal einen wirklich guten Film sehen möchten, empfehle ich MATERIAL (2009)
Grand Prix FID Marseille
Dokumentarfilm, D 2009, 166 Min., HDCAM/Digital Betacam
sw/Farbe, 16:9 pillar box
Zur DVD finden Sie hier: Edition filmmuseum 56
Das Booklet der DVD als PDF finden Sie hier.
Man kann sich die Geschichte länglich denken. Sie ist aber ein Haufen.
Der Film MATERIAL enthält Beobachtungen, Szenen, Fragmente, Geschichten und Vorgänge. Bilder von den späten achtziger Jahren in der DDR bis in die unmittelbare Gegenwart des Jahres 2008 in Deutschland. Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft spiegeln darin einander. Es ist mein Bild. (Thomas Heise)
Den englischen Text zum Ausschnitt finde ich noch treffender: One might conceive of history as being of oblong shape, in reality, however, it is a dense cluster.
It starts with the laughter of children. Images from the late 80ies in the GDR to the immediate present of the year 2008 in Germany.
Those residual images have besieged my head, constantly reassembling themselves into new shapes that are further and further removed from their original meaning and function. They remain in motion. They become history.
The material remains incomplete. It consists of what I held on to, what remained important to me. It is my picture.
Es ist eben nicht nur his picture - wie jedes Knopp-like Zeitzeugen seins -, sondern im reassembling entsteht Geschichtsschreibung. Etwas anderes als verfilmte Geschichtspolitik, mit der wir zugedröhnt werden.
Thomas Heise
Archäologie hat mit Graben zu tun
Archäologie hat mit Graben zu tun, der Tätigkeit des Maulwurfs, der im Vergrabenen lebt. Der
Maul wurf ist nahezu blind, doch er hat eine Nase und ein Gespür, das ihn finden lässt, und er hat
die Geduld, das Gefundene zu sammeln. Er sammelt Vorräte, den Winter zu überstehen.
In Diktaturen geht es darum, verborgene Vorräte an Bildern und Worten anzulegen, die zeigen, was
in Diktaturen zwar am eigenen Leibe zu erfahren, nicht aber ohne weiteres zu sehen und zu hören
ist, um dann, wenn die Diktatur einmal nicht mehr ist, Zeugnis von ihr abzulegen. Auch diese
Arbeit braucht eine Nase und etwas Übung, denn selten zeigt ein Bild sogleich was es darstellt,
oder lässt ein Ton uns hören, was er unerhörtes enthält. In anderen Gegenden oder Zeiten, in
denen alles gleichzeitig öffentlich sicht- und hörbar scheint, ist nur schwierig zu erkennen, was
sich dahinter oder darunter tatsächlich verbirgt. Ganz abgesehen davon dass solche Überfülle suggeriert,
diese spiegelnde Fläche, dieser beliebige Klang sei ein Alles, das es für jeden zu sehen oder
zu hören gäbe. Dem ist selbstverständlich nicht so. Man hat andere Probleme, die sich bald als
ähnliche herausstellen. Und mit solchen Problemen hat sich auch Dokumentarfilm herumzu -
schlagen.
Aber es geht hier nicht um Gregor Gysi,
sondern um den Mann daneben bezie-
hungsweise dahinter. Kein Mensch kennt
am 4. November 1989 Thomas Heise, dabei
steht und filmt er im Zentrum der Weltauf-
merksamkeit, direkt neben den Markus
und Christa Wolfs, Stefan Heyms, Steffie
Spiras, die an diesem Samstagvormittag
auf die Bühne steigen, errichtet auf einem
Lkw vor dem Haus des Reisens. Den Platz,
den Heise eingenommen hat, gab es offizi-
ell nicht, er musste eingenommen werden
(legitimiert durch einen Wisch, den er sich
hatte unterschreiben lassen als Teil der
Gruppe, die in den Theatern die Demons-
tration organisierte).
Drehen konnte Heise, weil er eine eigene
Kamera besaß. Die hatte er einige Zeit zuvor
über Heiner Müller von einer Westberliner
Produktionsfirma bekommen, um Müllers
Theaterarbeit zu dokumentieren. Der ur-
sprüngliche Plan sah vor, dass ein öffentli-
cher-rechtlicher Sender aus Heises Material
ein Feature zusammengeschnitten hätte
über die Subversion in der DDR oder dissi-
dente Bühnenkunst. Dass Heise sich dem
verweigert hat, ist eine schöne Ironie der
deutschen Geschichtsfilmproduktion: Die
Westfernsehkamera, die mit eindeutigen
Absichten in die DDR gebracht wird, errnög-
licht Aufnahmen, die 20 Jahre später das
Bild dementieren, das das vereinigte West-
fernsehen von dieser DDR pausenlos macht.
Heises Material (2009) ist der klügste und
größte Film über 1989....
Kann mir einer erklären, was am Intro von Bornholmer Straße* lustig sein soll?
Das ist so doof, dass der Ferseher brummt.
Wenn schon ein Hund in der Exposition, dann so:
Auf dunklen Bänken sitzen sie gedrängt
Und heben die erloschnen Blicke auf
Zum Kreuz. Die Lichter schimmern wie verhängt,
Und trüb und wie verhängt das Wundenhaupt.
Der Weihrauch steigt aus güldenem Gefäß
Zur Höhe auf, hinsterbender Gesang
Verhaucht, und ungewiß und süß verdämmert
Wie heimgesucht der Raum. Der Priester schreitet
Vor den Altar; doch übt mit müdem Geist er
Die frommen Bräuche – ein jämmerlicher Spieler,
Vor schlechten Betern mit erstarrten Herzen,
In seelenlosem Spiel mit Brot und Wein.
Die Glocke klingt! Die Lichter flackern trüber -
Und bleicher, wie verhängt das Wundenhaupt!
Die Orgel rauscht! In toten Herzen schauert
Erinnerung auf! ein blutend Schmerzensantlitz
Hüllt sich in Dunkelheit und die Verzweiflung
Starrt ihm aus vielen Augen nach ins Leere.
Und eine, die wie aller Stimmen klang,
Schluchzt auf – indes das Grauen wuchs im Raum,
Das Todesgrauen wuchs: Erbarme dich unser –
Herr!
Zu Georg Trakls Gedicht „Die tote Kirche“
Von Thomas Anz
1909 schrieb Georg Trakl das Gedicht „Die tote Kirche“, doch zu Lebzeiten des vor 100 Jahren gestorbenen Dichters ist es nie erschienen. Lyrikanthologien haben es bis heute gemieden, Interpreten ignoriert. Gehört es zu den Gedichten, die Georg Trakl missglückt sind? Gewiss nicht. Es spricht von Gesang, vom Klang der Glocke oder vom Rauschen der Orgel, und es ist wie alle Gedichte Trakls selbst durch und durch Musik. Die rhythmische Wiederholung und Variation gleicher Laute, Wörter, Bilder und Motive, deren Sinn oft vage bleibt, rufen Stimmungen und Emotionen hervor, die einige Verse ausdrücklich benennen: innere Lähmung, Wut, Trauer, Verzweiflung und Angst...
Trakls Blick auf jämmerliche Spieler mit religiösen Ritualen scheint allerdings in der Übertragung auf ein Phänomen des Missbrauchs, das sich gegenwärtig in ganz unterschiedlichen religiösen Kulturen wieder häuft, Aktualität zu behalten... Wo sich hier sogar Gewalt mit Zeichen der Religiosität umgibt, wie es Trakl selbst in den Monaten vor seinem Tod in zahllosen Kriegsgedichten und nicht nur dort wahrnehmen konnte und wie es uns heute an vielen anderen Kriegsschauplätzen neu vorgeführt wird, ist man versucht, ihn mit dem Schreckensruf zu zitieren: „Erbarme dich unser“.
... der doch nicht seiner ist! Die Stimme, die da schluchzt auf und die wie aller Stimmen klang, ist doch die eines der schlechten Beter mit den erstarrten Herzen, dem erloschnen Blick und dem toten Herzen, die da -mit dem blutend Schmerzensantlitz - gemeinsam ins Leere starren. Wo bzw. wer also sollte das "Du" sein, das im „Erbarme dich unser“ angeschluchzt wird?
Im Übrigen wäre zu fragen, wo der Missbrauch sein soll, wenn das, was da angeblich missbraucht wird - also die Religion - selbst der Missbrauch des Menschen ist. Und sei es nur, weil sie ihn klein macht:
Badass Jihadis in White and Black
Und alle, geifernd ihren dummen Glauben, schicken
Zu Jesus bettelnd hin ihr ewiges Klagelied,
Ihm, fern den schlechten Magren und den bösen Dicken,
Den, gelb vom fahlen Fenster, hoch man träumen sieht.
Fern ihm die Fleisch und Kleiderschimmeldünste ziehen,
Kraftlose, dunkle, widerliche Spottgeburt;
Doch von gewählten Worten die Gebete blühen,
Und heiße Melodie in den Mysterien surrt.
Parqués entre des bancs de chêne, aux coins d'église
Qu'attiédit puamment leur souffle, tous leurs yeux
Vers le choeur ruisselant d'orrie et la maîtrise
Aux vingt gueules gueulant les cantiques pieux ;
Comme un parfum de pain humant l'odeur de cire,
Heureux, humiliés comme des chiens battus,
Les Pauvres au bon Dieu, les patrons et le sire,
Tendent leurs oremus risibles et têtus.
Aux femmes, c'est bien bon de faire des bancs lisses,
Après les six jours noirs où Dieu les fait souffrir !
Elles bercent, tordus dans d'étranges pelisses,
Des espèces d'enfants qui pleurent à mourir.
Leurs seins crasseux dehors, ces mangeuses de soupe,
Une prière aux yeux et ne priant jamais,
Regardent parader mauvaisement un groupe
De gamines avec leurs chapeaux déformés.
Dehors, le froid, la faim, l'homme en ribote :
C'est bon. Encore une heure ; après, les maux sans noms !
- Cependant, alentour, geint, nasille, chuchote
Une collection de vieilles à fanons :
Ces effarés y sont et ces épileptiques
Dont on se détournait hier aux carrefours ;
Et, fringalant du nez dans des missels antiques,
Ces aveugles qu'un chien introduit dans les cours.
Et tous, bavant la foi mendiante et stupide,
Récitent la complainte infinie à Jésus
Qui rêve en haut, jauni par le vitrail livide,
Loin des maigres mauvais et des méchants pansus,
Loin des senteurs de viande et d'étoffes moisies,
Farce prostrée et sombre aux gestes repoussants ;
- Et l'oraison fleurit d'expressions choisies,
Et les mysticités prennent des tons pressants,
Quand, des nefs où périt le soleil, plis de soie
Banals, sourires verts, les Dames des quartiers
Distingués, - ô Jésus ! - les malades du foie
Font baiser leur longs doigts jaunes aux bénitiers.
"The Rise of ISIS"
Der amerikanische TV-Kanal PBS hat eine einstündige Frontline-Dokumentation über den Aufstieg des "Islamischen Staats" ins Netz gestellt.
(PBS.org vom 28.10.2014)
"The Long, Shameful History of American Terrorism"
Fuer Noam Chomsky ist die Unterstuetzung der moderaten Rebellen in Syrien durch das US-Militaer und die CIA ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte des "amerikanischen Terrorismus". In einem Artikel der New York Times seien mit Angola, Nicaragua und Kuba drei andere historische Beispiele fuer derartige "verdeckte Hilfeleistungen" genannt worden, die allesamt aehnlich negative Konsequenzen gehabt haetten. "Jihadism's most fearsome current manifestation is the Islamic State, or ISIS, which has established its murderous caliphate in large areas of Iraq and Syria. 'I think the United States is one of the key creators of this organization,' reports former CIA analyst Graham Fuller, a prominent commentator on the region. 'The United States did not plan the formation of ISIS,' he adds, 'but its destructive interventions in the Middle East and the War in Iraq were the basic causes of the birth of ISIS.' To this we may add the world's greatest terrorist campaign: Obama's global project of assassination of 'terrorists.' The 'resentment-generating impact' of those drone and special-forces strikes should be too well known to require further comment. This is a record to be contemplated with some awe."
(In These Times vom 03.11.2014)
Who Runs the Islamic State?
ISIS is unlike any other terrorist group in recent memory. It has to keep hidden while also running a state. That’s created a clandestine group of leaders anxious to protect themselves from rivals — and airstrikes — but who also must engage in the mundane business of governance. They order executions and craft military campaigns, but also issue traffic tickets, regulate the price of foodstuffs and consider whether cigarettes and motorbike racing are acceptable to their brand of Islam. (They are not.) Explore more in our interactive below.
The Caliph fit to join OPEC
Caliph Ibrahim's Islamic State is now for all practical purposes an oil major worth of OPEC membership, with US$2 million in profits a day from juicy energy deals and prices to die for. All its gains would not even be remotely possible without US/Western overt/covert complicity, proving once and for all that The Caliph is the ultimate gift that keeps on giving in the Global War On Terror. - Pepe Escobar (Oct 31, '14)
... aber dazu fehlt dem Kalifen offenbar noch das ideologically suitable Fachpersonal:
The Islamic State is seeking "ideologically suitable" oil industry experts to help run oil fields and refineries it has seized in Iraq and Syria.
According to reports, the lucrative position the terrorist group (also known as ISI or ISIL) is seeking to fill is that of refineries manager, which would earn the right candidate $225,000 a year. (By Haaretz | Nov. 3, 2014)
Werden die deutschen Brigaden wohl nicht liefern können: Vgl. Islamischer Staat. IS-Miliz, al-Qaida und die deutschen Brigaden.
von Behnam T. Said, C.H. Beck (Leseprobe hier) Eine Rezension von Stefan Schölermann, NDR Info
Behnam T. Said hat in Hamburg Islamwissenschaft, Politikwissenschaft sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte studiert. Er arbeitet als Islamwissenschaftler beim Landesamt für Verfassungsschutz in Hamburg. Warum der Salafismus auch eine Jugendbewegung ist. Interview mit Behnam T. Said und Hazim Fouad, Cicero 24. Juni 2014
Grünen-Chef Cem Özdemir nimmt Bundespräsident Joachim Gauck gegen Kritik aus der Linkspartei in Schutz. Man müsse Gaucks Bedenken ernst nehmen. Zuvor hatte Gauck Bedenken geäußert, ob die Linkspartei tatsächlich schon so weit entfernt von SED-Vorstellungen sei, dass sie einen Ministerpräsidenten in Thüringen stellen könne... (Süddeutsche Zeitung zur Regierungsbildung in Thüringen)
Wenn der Özdemir den Gauck in Schutz nimmt, zitiere ich Gremliza:
"Vor ein paar Wochen noch hatte Rebecca Harms, Fraktionschefin der Grünen im Europaparlament, sich in Kiew unter die braunen Putschisten gemischt, am Arm ihrer verehrten Julia Timoschenko, die den russischen Präsidenten mit einem Kopfschuss eigenhändig umbringen wollte. Und was ist der Dank?
Die »Zeit« meldet der Welt Lohn: Der Grünen- Europapolitikerin Rebecca Harms ist die Einreise nach Russland verwehrt worden. Trotz ihres Diplomatenpasses wurde sie zunächst am Moskauer Flughafen festgehalten. Nach drei Stunden Wartezeit sei ihr erklärt worden, dass sie eine »unerwünschte« Person in Russland sei und ihre Einreise ein »krimineller Akt« wäre. Harms musste daraufhin das nächste Flugzeug nach Brüssel nehmen. Geht man so als Diktator mit einer Feindin um? In den guten alten Stalin-Zeiten, die Putin den Angaben von Harms und ihren Spießgesellinnen zufolge wiederhaben will, hat man ungebetene deutsche Besucher von Moskau auf dem Fußweg nach Hause geschickt."
Wunderbar formuliert!
Vgl. auch den 1-Euro-Blog: In anderen zeiten sprach der selbsternannte »bürgerrechtler« und »demokratielehrer« anders. Das ND berichtete am 20. juni 1988 über den kirchentag in Rostock folgendes:
Das Thema des Kirchentages »Brücken bauen« noch einmal aufnehmend, verwies Joachim Gauck, Vorsitzender des Landesausschusses Mecklenburg, in seiner Predigt während des Abschlußgottesdienstes auf das notwendige neue Leben, um Brücken bauen zu können. »wir freuen uns über jeden Schritt, der auf diesem Weg zurückgelegt wird, besonders über den begonnenen Dialog zwischen Marxisten und Christen auf unserem Kirchentag.
Allen Christen und Marxisten noch einen schönen Abend und diese schöne Erinnerung:
Grünen-Vorsitzende Claudia Roth jubelt: "Für uns Grüne ist es eine sehr große Freude, dass Gauck zum Kandidaten von uns allen geworden ist. Er kann der Demokratie wieder Glanz verleihen." Er könne Worte zum Klingen bringen und dem Amt wieder Respekt und Würde geben. Es ist ein gutes Zeichen, dass es im zweiten Anlauf eine Verständigung auf einen gemeinsamen Kandidaten gibt, ergänzt Roths Amtskollege Cem Özdemir.
Am Freitag vergangener Woche, am 31. Oktober, rettete die italienische Marine noch einmal 151 Flüchtlinge aus dem Meer vor Sizilien. Dann kam der Samstag, und es gab die Operation "Mare Nostrum" offiziell nicht mehr.
Nun soll eine Operation der EU-Grenzschutzagentur Frontex mit Namen Triton, zeitweise auch Frontex Plus genannt, als Ersatz eingesetzt werden.
Worum es eigentlich geht, stellt Thomas Steinfeld heute klar (ebenfalls in der Süddeutschen Zeitung) unter dem Titel
Etwas Besseres als den Tod:
In Europa, genauer: innerhalb der Euro-
päischen Union und der mit ihr eng verbun-
denen Staaten, hat sich in den vergange-
nen zwei Jahrzehnten ein Missverständnis
durchgesetzt, das durch das Schengener
Abkommen befördert wurde: dass man
sich in diesem Raum als Mensch und
Rechtssubjekt frei bewegen könne. Oder
anders gesagt: Die beteiligten Staaten ha-
ben sich darauf geeinigt, unter gewissen
Bedingungen Rechtssubjekte anderer Staa-
ten wie eigene Rechtssubjekte zu behan-
deln. Solche Bedingungen gelten aber
nicht für Menschen, die aufgrund ihrer
Herkunft als rechtlos und aufgrund ihrer
fehlenden Qualifikationen als unbrauch-
bar erscheinen. Tauchen sie dennoch an
den Grenzen Europas auf, werden sie da-
her gleichsam doppelt zurückgewiesen:
als Menschen und als Wesen, denen Rech-
te zugesprochen werden. Und so heißt es
zwar über die Menschenrechte, sie seien
universal. Tatsächlich aber gibt es sie nur
dort, wo ein Nationalstaat ihnen zur Gel-
tung verhilft. Und das zu tun, sind die Staa-
ten der Europäischen Union nicht gewillt.
Steinfelds Schlussfolgerung: Menschenrechte gelten nur dann, wenn sie im nationalen Interesse zu benutzen sind.
Das ist wohl so.
Im Hauptausschuss für Abrüstung und Internationale Sicherheit der UN-Generalversammlung wurde am vorigen Dienstag erneut über eine Resolution zum Verbot von Uranwaffen abgestimmt. Den Delegierten lag ein Bericht von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vor, in dem die »Auswirkungen des Einsatzes von Waffen und Munition mit abgereichertem Uran« erörtert werden (A/69/151)... Die Resolution wurde mit 143 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten Frankreich, Israel, Großbritannien und die USA; 26 Staaten, darunter auch Deutschland, enthielten sich der Stimme...
Laut UN-Pressemitteilung über die Debatte zu der Resolution wird der deutsche Vertreter Michael Biontino mit den Worten zitiert, dass man in dem Präambeltext eine Stellungnahme der IAEA vermisse. Diese besage, dass abgereichertes Uran (engl. Depleted Uranium, DU) ohnehin in der Umwelt vorkomme und allgemein keine radiologische Gefahr für die Bevölkerung darstelle. Deutschland sei der Auffassung, dass man mehr Forschung brauche. Er bedauere, dass der vorgelegte Resolutionsentwurf eine Unterstützung nicht zulasse...
(Junge Welt, 03.11.2014: Erstaunliches Desinteresse)
Erstaunliches Desinteresse auch in den hiesigen Medien: Zu UN Generalversammlung Uranmunition in der Kategorie News meldet die Wahrheitsagentur gerade mal zwei Treffer: Die Junge Welt und Die Rote Fahne. Bleiben Sie auf dem neuesten Stand zu Ergebnissen ....
Erstaunlich auch, dass Deutschland der Auffassung ist , dass man mehr Forschung braucht:
Verteidigungsminister Scharping musste sich heute im Bundestag den Fragen der Opposition zum Thema Uran-Munition stellen. Das einzig Neue: Scharping richtet einen Arbeitsstab ein, der die Gefährdung durch Uran-Munition in den letzten 30 Jahren untersuchen soll.
meldete der SPIEGEL am Donnerstag, 18.01.2001.
Da müsste ja einiges an Forschungsergebnissen aufgelaufen sein: Wie Schröder, Scharping & Fischer einmal einen Angriffskrieg vorbereiteten und durchführten: "The cost to defeat an evil" eben ...
Erstaunlich auch: Vor zwei Jahren hatte die deutsche Bundesregierung eine ähnlich lautende Resolution noch unterstützt. Hinzu gekommen sind in dem diesjährigen Resolutionstext lediglich die Forderung nach weiteren Studien über den Einfluss von Uranmunition auf Gesundheit und Umwelt sowie die Forderung, dass Staaten wie der Irak, die durch den Einsatz von Uranmunition langfristigen und schwerwiegenden Umwelt- und Gesundheitsschäden ausgesetzt sind, von der internationalen Gemeinschaft unterstützt werden.
VEREINTE NATIONEN, 28. Oktober - Die UN-Vollversammlung verabschiedete heute mit der Unterstützung von 188 seiner 193 Mitglieder die Resolution Notwendigkeit der Beendigung der von den Vereinigten Staaten von Amerika gegen Kuba verhängten Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade.
UNO erteilt der US-Blockade gegen Kuba eine klare AbsageZum dreiundzwanzigsten Mal in Folge ruft das wichtigste Forum der Vereinten Nationen kategorisch zur Aufhebung der seit mehr als einem halben Jahrhundert durch Washington auferlegten Belagerung auf, die einen wirtschaftlichen Schaden von ca. 1 Billion 112 Milliarden 534 Millionen Dollar und unberechenbaren menschlichen Schaden verursacht hat... Granma International
... Wir haben einen ziemlich mächtigen Feind, der unser nächster Nachbar ist: die Vereinigten Staaten. Wir haben ihn gewarnt, dass wir die Blockade aushalten würden, auch wenn dies unserem Land einen sehr hohen Preis abverlangen würde. Es gibt keinen schlimmeren Preis, als vor dem Feind zu kapitulieren, der dich ohne Grund oder Recht angreift. Das war das Empfinden eines kleinen und isolierten Volkes. Der Rest der Regierungen dieser Hemisphäre hatte sich, mit wenigen Ausnahmen, dem mächtigen und einflussreichen Imperium angeschlossen. Von unserer Seite aus handelte es sich nicht um eine persönliche Haltung, sondern es war das Empfinden einer kleinen Nation, die vom Beginn des Jahrhunderts an nicht nur politisches, sondern auch wirtschaftliches Eigentum der Vereinigten Staaten gewesen war. Spanien hatte uns an dieses Land abgetreten, nachdem wir fast fünf Jahrhunderte Kolonialherrschaft ertragen hatten und es im Kampf um die Unabhängigkeit zu unzählbaren Todesopfern und materiellen Verlusten gekommen war.
Das Imperium behielt sich das Recht vor, in Kuba militärisch zu intervenieren aufgrund einer perfiden Verfassungsänderung, die es einem Kongress aufzwang, der dem machtlos gegenüberstand. Abgesehen davon, dass sie die Eigentümer von fast allem in Kuba waren – ausgiebige Ländereien, die größten Zuckerfabriken, die Bergwerke, die Banken und sogar das Vorrecht, unser Geld zu drucken, - verbot man uns, genügend Getreide anzubauen, um die Bevölkerung zu ernähren... Fidel Castro Ruz
31. August 2014
Zur Erinnerung an Karl Eduard von Schnitzlers »Schwarzen Kanal«, der heute vor 25 Jahren zum letzten mal im Fernsehen der DDR lief, gibt es einen schnipsel aus der letzten sendung.
Via 1-Euro-Blog
Jeder dritte Befragte ist nach aktuellen Zahlen für die Todesstrafe, mehr als die Hälfte für Folter unter bestimmten Bedingungen. Die Befürworter haben sich in den vergangenen Jahren verdreifacht... Und auch ganz allgemein besteht heute ein größerer Drang zu harten Strafen als früher. Das alles geht aus einer Studie des Erlanger Strafrechtsprofessors Franz Streng hervor.
(Tagesspiegel 22.10.2014)
Gnadenlose Jurastudenten - Und das sollen die künftigen Verteidiger unseres Rechts sein?
(ZEIT-Online, 27. Oktober 2014)
Vermutlich sind das Leute, die auf ihrer Facebook-Seite so ein tumbes Ich bin nach 1945 geboren...-Banner zeigen und Hans-„Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein“-Filbinger liken.
Erstaunlich: Während jede Furz-Studie von Horx et al. ausführlich berichtet wird, findet diese kaum Erwähnung: 6 Ergebnisse zum Stichwort Studie des Erlanger Strafrechtsprofessors Franz Streng, jurastudenten todesstrafe meldet nur 3 Presseveröffentlichungen, der Rest sind überwiegend Blog-Einträge; todesstrafe für jurastudenten, die die todesstrafe fordern = immerhin ungefähr 505.000 Ergebnisse!
Herzlich willkommen in guter Gesellschaft! ... Und wir fragen uns hier dauernd, wie es kommt, dass junge Menschen sich dem IS anschließen .... Strange Fruit ...
"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt."
Charles Lewinsky, Der A-Quotient
Wise Man Says II
"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater."
Frank Zappa
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