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Archäologie (CCXVIa) : Dirk Alvermann - Algeria

alvermann_algerien_06_c-jpg

Algeria
by Dirk Alvermann
Steidl


When he went to Algeria in the 1950s Dirk Alvermann was only eighteen, a rebellious West German teenager thrilled by the struggle for freedom by the Algerian people against French colonial rule. Together with a unit of the Algerian liberation army, he found a way to cross the hermetically sealed border from Tunisia into the Eastern Algerian war zone, determined to keep a photographic record of the events that were unfolding there.

After his return to West Germany he set about planning the publication of his work in the most accessible form available. The book should go from hand to hand like a political manifesto. In 1950 German publishing house Rowohlt had introduced its pocket book series, known by the name rororo – an ideal format for the book Alvermann intended to produce. At first, Rowohlt agreed to publish the book but later canceled it when any partisanship with the Algerian resistance seemed inappropriate. The book was finally published by the East-Berlin publishing house Rütten & Loening in 1960 as a hardcover, contrary to Alvermann’s own vision for the project.

Steidl’s new edition of this important and classic book
gives voice to the artist’s original intentions, adopting the rororo format and softcover finish. The photographs are accompanied by historical documents, quotes taken from French military sources, and from pamphlets, newspapers and magazines.

More than fifty years after its first publication, the book is as relevant as ever as it tells the story of a people rising up against oppression and despotism: against European colonialism or, like today, against homemade dictatorial regimes.

CRISIS , WHAT CRISIS ? (LVIII): "Wie das Gift der Finanzwirtschaft ins System tröpfelt"

Naja, die Metaphorik des Titels ist wiedermal voll protofaschistisch daneben - ich weiß nicht, warum Journalisten dafür offenbar gar kein Gespühr mehr haben - und die Trennung von System (gut) und Spekulation (böse) ist so doof wie potentiell antisemitisch aufladbar, aber immerhin stellt Herr Jakobs die richtigen Fragen:

... Über all diese Posten der wundersamen Geldvermehrung entscheidet kein deutscher Parlamentarier. Zur Abstimmung werden ihm nur die Schuldpapiere der offiziellen Welt vorgelegt. Die saftigen Rechnungen der Schattengeldökonomie werden später fällig. Irgendwann aber werden die Volksvertreter entscheiden müssen, ob weiter die Bürger für die Schieflage von Banken und Staaten zahlen, oder ob das nicht Sache der Geldverleiher und der jeweiligen Gesellschafter ist. Jede neue Bad Bank verzögert den Tag eines ehrlichen Kassensturzes. Jemand wird die Lasten der vielen deutschen Bad Banks addieren und womöglich am Ende all die Schrottpapiere in einer einzigen großen Abwicklungsanstalt zusammenführen müssen. Das wäre transparent. Und vielleicht findet sich so eher ein Käufer bei all jenen großen amerikanischen Finanzfirmen, die aus Schrott Geld zu machen pflegen. Die deutschen Abgeordneten werden davon in der Zeitung lesen...

Wie das Gift der Finanzwirtschaft ins System tröpfelt - Ein Kommentar von Hans-Jürgen Jakobs - interessanterweise im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung (und nicht im Feuilleton!)

CRISIS , WHAT CRISIS ? (LVII): Nachlese

Zwei Wochen keine (deutsche) Zeitung gelesen, kein Zugang zum Internet: Anything new under the sun?

1. "Tischreise oder Bekomme den Platz von Professor Sauer!" Ein Brettspiel für die ganze Gesellschaft zur spielerischen Überwindung der eigenen Exklusionserfahrung

Matthias Dell machte im Freitag vom 02.08. Vorschläge zum Umgang mit den nun veröffentlichten Dokumenten zum „Abendessen zu Ehren von Herrn Dr. Ackermann, am Die., 22. April 2008, 19:00 Uhr, Bundeskanzleramt, 8. OG“. Sehr anregend auch seine Interpretation der Tischordnung des Abends mit Hilfe elementarer Benimmregeln ...

gesellschaftsspiel
Grafik: Der Freitag

2. Target2
Michael Jäger erläutert in derselben Ausgabe des Freitag, was es mit dem Target2-Saldo auf sich hat. Nützlich zum besseren Verständnis des kursiernden Un-Sinns und der aktuellen Jubelmeldungen (Hurra, wir sind Weltmeister!) ...

3. UmFAIRteilen?

umFAIRteilen


Inzwischen hat sich, wie ich lese, auch Herr Gabriel der Forderung angeschlossen, die ja erstmal sympathisch rüberkommt: Man kennt das von FairTrade, dass der Neger auch was für die Banane, die Rose, die Bohne oder das T-Shirt bekommen soll, und so ganz soll man sich der Logik nicht verschließen können, dass es irgendwie fair zugehen soll (wo doch auch gerade Olympische Spiele sind!).

dgb-samstagsGanz abgesehen von der traurigen Grafik zur Aktion, die - bitte - was aussagt: Dass die Omma mit dem Rollator einkaufen fährt und der Oppa oder der Junior mit dem Rolls? - Was unser Mitleid erregt? Oder eher die neuere Variante der Anti-Compassion anregt!?
- und trotz aller interessanten Information : Es erinnert alles ein wenig an die 50er Jahre: Wir bitten den Sozialpartner um Verständnis, dass wir fair behandelt werden möchten ... Ich fürchte, die beteiligten DGB-Gewerkschaften und die Bündnispartner haben noch nicht mitbekommen: La Fin Du Bal - Das Ende der Nachkriegsdemokratie!
Vgl. auch Albrecht Müller: Wo sind eigentlich die deutschen Gewerkschaften? (nds)

Hartmut Finkeldey verweist in diesem Zusammenhang auf die Blogbeiträge unseres Sonderkorrespondenten Dr. Karl Marx (Brüssel, London), die nicht an Aktualität verlieren:
    Durch ihre Finanznot war die Julimonarchie von vorn herein abhängig von der hohen Bourgeoisie, und ihre Abhängigkeit von der hohen Bourgeoisie wurde die unerschöpfliche Quelle einer wachsenden Finanznot. Unmöglich, die Staatsverwaltung dem Interesse der nationalen Produktion unterzuordnen, ohne das Gleichgewicht im Budget herzustellen, das Gleichgewicht zwischen Staatsausgaben und Staatseinnahmen. Und wie dies Gleichgewicht herstellen ohne Beschränkung des Staatsaufwandes, d.h. ohne Interessen zu verletzen, die ebenso viele Stützen des herrschenden Systems waren, und ohne die Steuerverteilung neu zu regeln, d.h. ohne einen bedeutenden Teil der Steuerlast auf die Schultern der hohen Bourgeoisie selbst zu wälzen?

    Die Verschuldung des Staates war vielmehr das direkte Interesse der durch die Kammern herrschenden und gesetzgebenden Bourgeoisfraktion. Das Staatsdefizit, es war eben der eigentliche Gegenstand ihrer Spekulation und die Hauptquelle ihrer Bereicherung. Nach jedem Jahre ein neues Defizit. Nach dem Verlaufe von vier bis fünf Jahren eine neue Anleihe. Und jede neue Anleihe bot der Finanzaristokratie neue Gelegenheit, den künstlich in der Schwebe des Bankerotts gehaltenen Staat zu prellen – er mußte unter den ungünstigsten Bedingungen mit den Bankiers kontrahieren. Jede neue Anleihe gab eine zweite Gelegenheit, das Publikum, das seine Kapitalien in Staatspapiere angelegt, durch Börsenoperationen zu plündern, in deren Geheimnis Regierung und Kammermajorität eingeweiht waren. Überhaupt bot der schwankende Stand des Staatskredits und der Besitz der Staatsgeheimnisse den Bankiers wie ihren Affiliierten in den Kammern und auf dem Throne die Möglichkeit, außerordentliche, plötzliche Schwankungen im Kurse der Staatspapiere hervorzurufen, deren stetes Resultat der Ruin einer Masse kleinerer Kapitalisten sein mußte und die fabelhafte schnelle Bereicherung der großen Spieler. War das Staatsdefizit das direkte Interesse der herrschenden Bourgeoisfraktion, so erklärt es sich, wie die außerordentlichen Staatsverwendungen in den letzten Regierungsjahren Louis-Philippes bei weitem um das Doppelte die außerordentlichen Staatsverwendungen unter Napoleon überstiegen, ja beinah jährlich die Summe von 400 Millionen frs. erreichten, während die jährliche Gesamtausfuhr Frankreichs im Durchschnitt sich selten zur Höhe von 750 Millionen frs. erhob. Die enormen Summen, die so durch die Hände des Staates flossen, gaben überdem Gelegenheit zu gaunerischen Lieferungskontrakten, Bestechungen, Unterschleifen, Spitzbübereien aller Art. Die Übervorteilung des Staates, wie sie durch die Anleihen im Großen geschah, wiederholte sich bei den Staatsarbeiten im Detail. Das Verhältnis zwischen Kammer und Regierung vervielfältigte sich als Verhältnis zwischen den einzelnen Administrationen und den einzelnen Unternehmern.

    Wie die Staatsverwendungen überhaupt und die Staatsanleihen, so exploitierte die herrschende Klasse die Eisenbahnbauten. Dem Staate wälzten die Kammern die Hauptlasten zu, und der spekulierenden Finanzaristokratie sicherten sie die goldenen Früchte. Man erinnert sich der Skandale in der Deputiertenkammer, wenn es gelegentlich zu Vorschein kam, daß sämtliche Mitglieder der Majorität, ein Teil der Minister eingerechnet, als Aktionäre bei denselben Eisenbahnbauten beteiligt waren, die sie hinterher als Gesetzgeber auf Staatskosten ausführen ließen.
4. Das System ist am Ende, aber das Leben geht weiter
Wie man in der Krisenanalyse - anders als z. B. Streeck (s. u. Wolfgang Streeck: Die Geldunion selbst ist das Problem) - die Frage nach Macht und Interesse im anthropologischen Nebel auflöst, um im Denkwerk Zukunft die Funktionsfähigkeit einer Gesellschaft auch unter Bedingungen wirtschaftlicher Stagnation und selbst Schrumpfung aufrechtzuerhalten, demonstriert Meinhard Miegel im FAZ-Gespräch vom 11.08.; - u. a. mit einer "mental-kulturellen Geldtheorie":
    ... Menschen, die über eine gemeinsame Währung verfügen, sollten sich in kulturellem Gleichklang befinden und sehr ähnliche Wertvorstellungen haben. Vor allem aber müssen sie so vertraut miteinander sein, dass sie einander trauen. Denn Geld ist ja nichts anderes als eben ein solches Vertrauen. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, wird es mit einer gemeinsamen Währung schwierig. Dann können auch wirtschaftliche und fiskalische Ausgleichsmaßnahmen im Ergebnis wenig bewirken. Sie können mentale und kulturelle Unterschiede bestenfalls ein wenig kaschieren; beseitigen können sie sie nicht. Und hier nun stehen die Europäer vor einer essentiellen und möglicherweise sogar existentiellen Frage: Sollen sie einer gemeinsamen Währung wegen ihre kulturellen Unterschiede einebnen? Das aber müssten sie, um mit einer gemeinsamen Währung erfolgreich zu sein. Ich bin da sehr zögerlich. Denn diese Unterschiede machen für mich Europa zu Europa. Das zeigt schon ein Blick auf die Weltkarte. Da sind diese riesigen homogenen Blöcke in Nord- oder Südamerika oder Asien. Und dann ist da dieses farbige Krisselkrassel Europa. Passt das wirklich unter eine Währung? ...
Merken Sie was? Hier wird nicht so grob gedacht wie bei Diekmanns, aber gemeint ist dasselbe ... Ansonsten wäre ich gespannt auf eine genauere Miegel-anthropologische Analyse z.B. des mental-kulturell homogenen Blocks Nordamerika ...
Miegels Schlussfolgerungen lassen sich im Übrigen lesen als Beiträge zum ideologischen Überbau des Merkelianismus (Seeßlen).

Klartext spricht Broder:
Nordeuropa arbeitet – und zahlt für den Süden
Südeuropas Kaffeehauskultur ist lustiger als die Disziplin des Nordens. Doch mit dem Versuch, die Lebensverhältnisse in Europa zu homogenisieren, wird die Rechnung an den Norden weitergereicht. Von Henryk M. Broder


... und der Autor freut sich wahrscheinlicfh noch über zustimmende Wortkotze wie diese, die er provoziert:

Ich hatte im Urlaub die Möglichkeit das neue Buch von Herrn Broder zu lesen: " Vergesst Ausschwitz!" und war über seine Denkweise und seine klare und rationale Aussprache und Sichtweise sehr beeindruckt. Danke für die spassigen Stunden am Stand von Mallorca.
*
Prädikat: "Lesenwert"
*
Beispiel: Die Deutschen leiden an Hitler wie andere an Schuppenflechte. Aus dem Versuch, sich gegen die eigene Geschichte zu immunisieren, ist eine Autoimmunkrankheit geworden. Immer steht das Nazi-Menetekel an der Wand.


Schön, dass sich dieser Deutsche am Strand von Mallorca an Broders Schuppenflechten-Bratze aufgeilen konnte. Hatte der nichts anderes zu tun?

CRISIS , WHAT CRISIS ? (LVI): La Fin Du Bal - Das Ende der Nachkriegsdemokratie

streeck_03In der SZ-Serie "Die Systemfrage - Ein neuer Kapitalismus" erschien heute Teil 11 (Süddeutsche Zeitung, 27. Juli 2012, S. 23):

Wolfgang Streeck: Das Ende der Nachkriegsdemokratie -
Der Klassenkampf ist zurück. Überall im Westen wollen die Menschen wissen, wer für die Krise bezahlt. Dabei ist dies längst entschieden: Bei der Verteilung der Konkursmasse des Schuldenstaats zählen die Ansprüche der Gläubiger mehr als die seiner Bürger. Der europäische Wohlfahrtsstaat ist Geschichte ...

Sehr lesenswert und gut geeignet, im kommenden Schuljahr den Lehrbüchern des Faches "Politik/Wirtschaft" als Vorwort vorangestellt zu werden, damit im Unterricht dann die himmelschreiende Blödigkeit der dort allüberall vermittelten WiWi-Schrumpftherorie auf solider Basis erarbeitet werden kann ...
Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Streeck ist Geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (MPIfG) - den wird man im Unterricht ja wohl zitieren dürfen!

MPIfG Themen
Finanzmarktkrise, Euro-Krise und Staatshaushalte
Wolfgang Streeck: Die Geldunion selbst ist das Problem - Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte 4/2012
Streeck befasst sich hier u. a. mit dem Ende des "sozialdemokratischen Kompromisses" :
    Jetzt fragen wir uns: Gibt es dafür heute ein Äquivalent? Gibt es noch die Möglichkeit einer verantwortlichen Opposition? Ich sehe das zurzeit überhaupt nicht! Zum Teil wegen der Internationalisierung, zum Teil wegen der veränderten Produktionsstrukturen, der sogenannten Dienstleistungsgesellschaft, die ja im Grunde aus zwei Gesellschaften besteht: Süd-Manhattan, wo die 30.000 Beschäftigten bei Goldman Sachs im Durchschnitt 500.000 Dollar pro Jahr verdienen. Und die andere Dienstleistungsgesellschaft der Putzfrauen und 400-Euro-Jobber. Die haben eigentlich nichts miteinander zu tun; wie soll man da die Starken und die Schwachen zusammenbringen, damit die Schwachen von der Macht der Starken profitieren?

    Das wirft die Frage auf: Wenn verantwortliche Opposition nichts mehr nützt, was ist dann mit unverantwortlicher Opposition? Vielleicht passiert etwas, wenn die Leute einfach immer wieder Steine schmeißen? Wenn alles, was vernünftig und verantwortlich ist, nur darin bestehen kann, jetzt irgendwem irgendwelche Schulden abzuzahlen, die irgendwelche anderen für mich gemacht haben, vielleicht ist es dann noch am verantwortlichsten, wenn man sich mal verantwortungslos verhält. Was passiert dann? Werden diejenigen,die dieses System zu erhalten versuchen, anfangen müssen, auf diejenigen wieder mehr Rücksicht zu nehmen, denen zwei Jahrzehnte Neoliberalismus den Boden aus dem Arbeitsmarkt geschlagen haben? In dem Moment, in dem Sie anfangen, verantwortungsethisch über Ergebnisse nachzudenken, besteht die Gefahr, dass Sie in der Logik dieser internationalen Finanzdiplomatie mit ihren Austeritätszwängen landen. Da haben die kleine Frau und der kleine Mann nichts zu gewinnen.

    NG/FH: Ihr Buch Re-Forming Capitalism hat ein fast romantisches Ende:Wir haben heute keine Antworten, eine neue Generation muss sich etwas einfallen lassen.Werden wir eine Phase irregulärer, unverantwortlicher Proteste erleben und dann Akteure, die den Laden zusammenhalten, die sagen: Jetzt muss etwas passieren, es muss wieder reguliert werden?

    Streeck: Von Polanyi kann man eine Art von Minimal-Optimismus lernen:Die Gesellschaft wird sich ihre Auflösung nicht gefallen lassen. Insoweit bin ich zuversichtlich, dass etwas geschieht. In welchen Organisationsformen, kann ich aber nicht sagen. Nehmen Sie unsere Gewerkschaften. Zur europäischen Finanz- und Fiskalkrise fällt ihnen zunächst mal ein: Wir müssen die Griechen im Euro behalten, weil diese dann nicht mehr gegen uns abwerten können und sie den Außenwert des Euro niedriger halten als es der Außenwert der D-Mark wäre. So können wir wunderbar weiter exportieren. Vielleicht müssen die so kalkulieren. Das macht sie aber unfähig, irgendetwas dagegen zu unternehmen, wie zurzeit die Logik der Demokratie der des Kapitals untergeordnet wird.Was Sie »romantisch« genannt haben, ist, wenn die Leute sich dies nicht mehr gefallen lassen und spüren, wie die Absurdität der Lage ihre Würde angreift. Im Fernsehen kommentierte eine Griechin die Senkung ihres Lohnes um 20 % so: »Das ist mir völlig egal, ich bekomme seit einem Jahr sowieso keinen Lohn mehr.« Wenn sich solche Situationen häufen, können vielleicht, ähnlich wie im 19. Jahrhundert, aus Bewegungen, die zunächst nur zielloser radikaler Protest sind, Organisationskerne neuer Art entstehen.
Ich halte das für ein wichtiges Symptom und Signal, wenn jemand, der bei Friedeburg und Habermas studiert und jahrzehntelang verantwortlich (und klug, vgl. die Publikationsliste!) am "sozialdemokratischen Projekt" eines regulierten, integrationsfähigen Kapitalismus, der Klassengegensätze ver- bzw. aushandelbar machen sollte, mitgearbeitet hat, nun zu dem Schluss kommen muss, dass nur noch "unverantwortliche Opposition" bleibt, weil alle Verantwortungsethik bereits in der TINA-Logik gefangen ist (wovon einer wie Trittin, der als Linker durchgeht, offenbar keinen Schimmer hat)!... Solche Haltung verdient Respekt und Interesse.

CRISIS , WHAT CRISIS ? (LV): La Fin Du Bal - Der Traum Europa ist ausgeträumt - oder: Wie man auf die Idee kommen konnte, diese Finanzmarkt gesteuerte Integration könne dauerhauft funktionieren ...

Wie Großkanzleien die Bundesregierung in der Eurokrise beraten

Die Quartalsirren im Abwertungswettlauf (II), Herr T. mit dem chinesischen Modell, die Weisheit der Spanier und die Rüstungsausgaben der Griechen - Dichtung und Wahrheit

Herr Rösler wollte am Sonntag in der Liga des Herrn Dobrindt mitspielen und ward gescholten und so machten sich die Kommentatoren wieder Sorgen um seine Position.

Rösler hatte sich am Sonntag in der ARD "mehr als skeptisch" gezeigt, dass Griechenland die Reformauflagen der internationalen Geldgeber erfüllen könne. In diesem Fall werde es keine weiteren Zahlungen geben. "Die Griechen werden selber zu der Überzeugung kommen, dass es vielleicht klüger ist, aus der Eurozone auszutreten", hatte Rösler hinzugefügt. "Für mich hat ein Austritt Griechenlands längst seinen Schrecken verloren."
Sein Vertrauter Patrick Döring formuliert sogar noch schärfer: „Ohne einen Austritt aus der Eurozone und eine Rückkehr zur Drachme kann Griechenland seine Wettbewerbsfähigkeit wohl nicht mehr erlangen. Athen ist bei der Euro-Rettung zum Hemmschuh geworden.“ Das ist nah bei der Meinung der Bevölkerung – was die Beliebtheit der FDP und ihres Vorsitzenden in Umfragen dennoch nicht steigert.

Am Montagabend senkte die Ratingagentur Moody's den Ausblick für Deutschland und begründete dies mit steigender Unsicherheit über den Ausgang der Schuldenkrise.
Die SPD führte das auch auf das "unverantwortliche Gequatsche des Vizekanzlers" zurück. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte dem "Hamburger Abendblatt", Röslers Gerede "lässt die Zinsen steigen und kostet Deutschland Geld und möglicherweise auch die Kreditwürdigkeit".
(Augsburger Allgemeine, Frankfurter Rundschau ...)

Das finde ich nun interessanter noch als die populistische Rede des Herrn R.
Nehmen wir für einen Augenblick an, Herr R. habe sich in einer relevanten Debatte um die Zukunft Europas und in Sorge um die Demokratie in Griechenland und Deutschland und überhaupt zu Wort gemeldet - und könnte Recht haben. Was sagt uns dann der Debattenbeitrag des Herrn T., ehemals KB?

: Debattenbeiträge, die die Zinsen steigen lassen - m. a. W. den Märkten missfallen könnten-, haben zu unterbleiben, weil sie Deutschland Geld kosten.

Das ist einfältige, zudem chauvinistische Marktgläubigkeit in der schönen Tradition der Austeritätspolitik Helmut Schmidts sowie einerseits eine konsequente Weiterentwicklung der Kapitallogik der K-Gruppen in Zeiten der finanzmarktgetriebenen Postdemokratie; - andererseits darf Herr T. doch erinnert werden an das Organisationsstatut des KB:
    Was das eigene Organisationskonzept anging, war der KB normativ an der chinesischen Kulturrevolution orientiert. Dieses historische Datum vermittele Methoden, mit denen die kommunistischen Gruppen, "die heute noch auf dem Boden des Kapitalismus für die sozialistische Revolution kämpfen", ihre eigene "revisionistische Rückentwicklung" abwenden könnten. Die Kulturrevolution lehre, "den Fragen der Beziehung zwischen kommunistischen Organisationen und den Massen sowie der innerorganisatorischen Demokratie stärkste Aufmerksamkeit zu geben" und den "Ungeist" des "sklavischen Gehorsams" entschieden zu bekämpfen und den "Gebrauch des eigenen Kopfes" zu fördern. Auf der Basis eines solchen Ansatzes widersprach der KB dem von Teilen der nachantiautoritären Bewegung vertretenen Selbstorganisationsansatz (etwa: Sozialistisches Büro) und plädierte für den Demokratischen Zentralismus als Organisationskonzept. Es müsse darum gehen, "die politisch führenden Individuen einer möglichst weitgehenden Kontrolle durch eine möglichst breite organisatorische Basis zu unterstellen und die Basisdiskussion wirklich zu entwickeln". Ein besseres Modell als den Demokratischen Zentralismus hat dafür "unseres Wissens noch niemand angeboten".
    Geschichten vom Trüffelschwein - Politik und Organisation des Kommunistischen Bundes 1971 bis 1991. Inauguraldissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie vorgelegt von Michael Steffen aus Detmold, S. 76 (Fundstück!!)

Und wieder andererseits: Marktgesetze gepaart mit demokratischem Zentralismus?! Immer noch das chinesische Modell, Jürgen?

Und à propos Markgesetzte (oder: weshalb Jürgen mit seinem Modell leider völlig daneben liegt): Für niedrige Zinsen muss man die Schulden vervielfachen - Die Weisheit der Spanier ist die Dummheit der Märkte (tp)
Spanien-Zinsen

Vgl. auch meine Lieblings-HAZ ganz hinten 21.07.2012 / HAZ Seite 13 Ressort: WIRT:
Dichtung und Wahrheit
    Hannover. Der Befund scheint eindeutig: Die Länder im Süden Europas stöhnen unter rekordhohen Schuldenlasten, die Lage der Staatsfinanzen ist verheerend, eine Pleite ohne Hilfe unvermeidlich. Wenn man die finanzielle Lage der Länder jedoch mit früheren Jahren vergleicht, zeigt sich Überraschendes, wie aus einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (iw) in Köln hervorgeht: In der Vergangenheit waren die Schuldenlasten teilweise viel höher als heute – ohne dass damals an der Zahlungsfähigkeit gezweifelt wurde. Das iw hat die Schuldenzahlen von Italien und Spanien seit 1995 untersucht und kommt zu interessanten Ergebnissen:
    Zinsen: Die beiden Länder müssen heute zwar weit höhere Zinsen zahlen als Deutschland. Allerdings kommt es für den Staatshaushalt nicht auf die Zinsen für neue Schulden an, sondern auf die Durchschnittsverzinsung der gesamten Staatsschuld. Sie lag in Spanien 1995 bei 9,2 Prozent, in Italien sogar bei 10,3 Prozent. Heute dagegen sind es in beiden Ländern nur rund 4,5 Prozent.
    Zinsquote: Derzeit muss Italien 5,3 Prozent der Wirtschaftsleistung für die Zinsen auf Staatsschulden abzweigen, 1995 lag die Quote laut iw jedoch bei 11,5 Prozent. Bei Spanien sind es derzeit sogar nur 3,2 Prozent gegenüber 5,1 Prozent im Jahr 1995. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt diese Quote derzeit 2,5 Prozent, ist also nicht viel niedriger als in Spanien.
    Staatsschulden: Die italienischen Staatsschulden sind mit 123,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im europäischen Vergleich sehr hoch. 1995 waren sie jedoch mit 120,9 Prozent nur unwesentlich geringer. Spanien kam 1995 auf 63,3 Prozent, heute sind es 80,9 Prozent – was in etwa der deutschen Schuldenquote entspricht.
    Zinsen für Neukredite: Beide Länder müssen heute für neue Kredite zwischen 6 und 7 Prozent bezahlen. Da Italien jedoch bis Ende 2014 nur ein Viertel seiner alten Schulden ablösen muss, würde ein dauerhafter Zins von 7 Prozent für neue Schulden dazu führen, dass der Durchschnittszins bis Ende kommenden Jahres nur auf rund 5 Prozent klettert. Spanien muss bis Ende 2014 sogar 60 Prozent seiner Schulden neu abschließen. Bei einem Zins von 7 Prozent für neue Anleihen würde dadurch laut iw der Durchschnittszins auf immer noch moderate 5,5 Prozent steigen. iw-Fazit: Erst wenn der Zins deutlich über 8 Prozent klettert, sollte der Rettungsschirm eingreifen, um eine Zahlungsunfähigkeit zu verhindern.
Und nochmal à propos Markgesetzte:
    Im vergangenen Jahrzehnt gehörte das kleine Griechenland laut Daten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri weltweit zu den fünf größten Waffenimporteuren und kaufte in großem Stil U-Boote, Panzer und Kampfjets. Noch im vergangenen Jahr gab Griechenland 4,6 Milliarden Euro für Verteidigung aus - 2,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Im Durchschnitt der europäischen Nato-Länder waren es nur 1,6 Prozent, in Deutschland 1,4 Prozent.
    Dennoch hat sich die Politik bislang nur halbherzig an Kürzungen des Verteidigungsetats gewagt. So kündigte die Regierung im Gegenzug für das zweite Sparpaket beim Militär Einsparungen von 300 Millionen Euro an. Allein die geplanten Kürzungen bei Medikamenten liegen dagegen bei mehr als einer Milliarde.
    Woher kommt diese Zurückhaltung? In Athen wird gerne darauf verwiesen, dass ein Großteil der Waffenlieferungen nach Griechenland von deutschen Firmen stammt, auch französische Unternehmen haben gut daran verdient. Einsparungen beim Militär könnten also den Interessen der derzeit wichtigsten Geldgeber von Griechenland zuwiderlaufen. Die Sparforderungen des Auslands seien angesichts der Waffenlieferungen nicht ohne Heuchelei, sagt Thanos Dokos, Chef der Hellenischen Vereinigung für Europäische und Außenpolitik (Eliamep).
Der Artikel bei SPON enthält wohl diese interessanten Informationen, verfällt dann aber in das herrschende Griechen-Bashing, weil der der Grieche ja zu doof ist, seine Army kostengünstig nach dem Modell der Bundeswehr umzubauen ...

Fazit:
CRISIS , WHAT CRISIS ? (LV): La Fin Du Bal - Der Traum Europa ist ausgeträumt - oder: Wie man auf die Idee kommen konnte, diese Finanzmarkt gesteuerte Integration könne dauerhauft funktionieren ...
CRISIS , WHAT CRISIS ? (LVI): La Fin Du Bal - Das Ende der Nachkriegsdemokratie

Gouvernementalité neoliberale - oder: Der Totalitarismus des deutschen Modells

Der Quartalsirre im Abwertungswettlauf

Die CSU hat die Regierung in Griechenland aufgefordert, Beamten und Rentnern ab sofort Drachmen statt Euro zu überweisen. „Der griechische Staat sollte jetzt damit anfangen, die Hälfte seiner Beamtengehälter, Renten und sonstigen Ausgaben in Drachmen auszuzahlen“, sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt der „Welt am Sonntag“.
„Der sanfte Weg zurück zur alten Währung ist für Griechenland besser als ein harter Schnitt. Die Drachme als Parallelwährung würde die Chance eröffnen, wirtschaftliches Wachstum zu entfalten.“

Quelle: FOCUS Online via nds

KONKRET Heft 03 2012
Florian Sendtner
Der Quartalsirre
Sonnenstich im Januar: CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt waltet seines Amtes.


Robert Kurz - ABWERTUNGSWETTLAUF


Monty Python: Wettlauf der Männer ohne Orientierungssinn

Robert Kurz - † 18. Juli 2012

robert-kurzRobert Kurz verstarb am Mittwoch, den 18. Juli 2012, im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Nierenoperation. Ein herausragender Kopf des deutschen Marxismus ist damit, wie man sagt, für immer verstummt, doch wird sein umfangreiches Werk zu vielen noch lange sprechen. Unter allen deutschen Marxisten war Kurz wohl der, dem die größte Aufmerksamkeit auch der außermarxistischen Öffentlichkeit zuteil wurde. Sein erfolgreichstes Buch, das Schwarzbuch Kapitalismus, veröffentlicht 2001, hat bisher fünf Auflagen erlebt. Weithin bekannt wurde er indessen schon durch sein Buch von 1991, das so sehr in die Zeit passte und ihr zugleich den Krieg ansagte: Der Kollaps der Modernisierung. Vom Zusammenbruch des Kasernensozialismus zur Krise der Weltökonomie.
Ein Nachruf von Michael Jäger im Freitag Bitte lesen!

Bitte hören: Robert Kurz über Sparterror und Revolte

Seine scharfsinnigen Analysen werden mir fehlen!

KEINE REVOLUTION, NIRGENDS

Klassenkämpfe: Wenn nicht, dann gibt's nichts ...

Meine Lieblings-HAZ hat heute ganz hinten im Lokalteil, also auf S. 18, herausgefunden:

Logistik-Unternehmen zahlen nicht nach Tarif
13.000 Beschäftigte zählt die Logistik- und Speditionsbranche in der Region Hannover. Ein Drittel der Angestellten wird nicht nach Tarif bezahlt.

[Da die HAZ seit ihrem relaunch Geld für das Lesen der Artikel nimmt, will ich vorsichtshalber daraus nicht zitierten.] Herausgefunden hat sie - bzw. eigentlich ver.di - dass Löhne von 6 € und weniger, Auslagerungen an selbständige Subunternehmer, fehlende Betriebsräte usw. eher die Regel als die Ausnahme sind - in einer Branche, für deren Ansiedlung in und um Hannover gerade viel TamTam gemacht wird (die Amazon-Netrada-Farce).

Eine Erklärung, warum das so ist, findet sich in einer Randspalte weiter vorn im Wirtschaftsteil versteckt:
Lohnunterschiede
Der desorientierend vermanschte Satz: Auch Minijobverträge und eine nachlassende Organisation von Arbeitgebern in Verbänden begünstigten diese Entwicklung. verbirgt eine tiefe Wahrheit: Wenn die Organisation der Arbeitgeber in Verbänden nachlässt und, was wohl nicht zu bestreiten ist, die Organisation der Arbeitnehmer in Verbänden ebenso, dann stehen sich - ganz einfach - auf den mittlerweile allseits geradezu geliebten Märkten Käufer und Verkäufer der Ware Arbeitskraft wieder vereinzelt gegenüber und die Kräfteverhältnisse am Markt treten wieder nackt hervor. Ein bekannter deutscher Sozialforscher und Politikberater des 19. Jahrhunderts hat untersucht, wie der Handel dann aussieht und wer die besseren Karten hat:
    Der Arbeitslohn ist, wie wir gesehn haben, der Preis einer bestimmten Ware, der Arbeitskraft. Der Arbeitslohn wird also durch dieselben Gesetze bestimmt, die den Preis jeder andern Ware bestimmen.
    Es fragt sich also, wie wird der Preis einer Ware bestimmt?

    Durch die Konkurrenz zwischen Käufern und Verkäufern, durch das Verhältnis der Nachfrage zur Zufuhr, des Begehrs zum Angebot. Die Konkurrenz, wodurch der Preis einer Ware bestimmt wird, ist dreiseitig.

    Dieselbe Ware wird von verschiednen Verkäufern angeboten. Wer Waren von derselben Güte am wohlfeilsten verkauft, ist sicher, die übrigen Verkäufer aus dem Felde zu schlagen und sich den größten Absatz zu sichern. Die Verkäufer machen sich also wechselseitig den Absatz, den Markt streitig. Jeder von ihnen will verkaufen, möglichst viel verkaufen, und womöglich allein verkaufen mit Ausschluß der übrigen Verkäufer. Der eine verkauft daher wohlfeiler als der andre. Es findet also eine Konkurrenz unter den Verkäufern statt, die den Preis der von ihnen angebotnen Waren herabdrückt.

    Es findet aber auch eine Konkurrenz unter den Käufern statt, die ihrerseits den Preis der angebotnen Waren steigen macht.

    Es findet endlich eine Konkurrenz unter den Käufern und Verkäufern statt; die einen wollen möglichst wohlfeil kaufen, die andern wollen möglichst teuer verkaufen. Das Resultat dieser Konkurrenz zwischen Käufern und Verkäufern wird davon abhängen, wie sich die beiden früher angegebnen Seiten der Konkurrenz verhalten, d.h. ob die Konkurrenz in dem Heer der Käufer oder die Konkurrenz in dem Heer der Verkäufer stärker ist. Die Industrie führt zwei Heeresmassen gegeneinander ins Feld, wovon eine jede in ihren eignen Reihen zwischen ihren eignen Truppen wieder eine Schlacht liefert. Die Heeresmasse, unter deren Truppen die geringste Prügelei stattfindet, trägt den Sieg über die entgegenstehende davon....

    Wie aber wirken diese Umstände, die von dem Wachstum des produktiven Kapitals unzertrennlich sind, auf die Bestimmung des Arbeitslohns ein?

    Die größere Teilung der Arbeit befähigt einen Arbeiter, die Arbeit von 5, 10, 20 zu tun: Sie vermehrt also die Konkurrenz unter den Arbeitern um das 5-, 10- und 20fache. Die Arbeiter machen sich nicht nur Konkurrenz, indem einer sich wohlfeiler verkauft als der andre; sie machen sich Konkurrenz, indem einer die Arbeit von 5, 10, 20 verrichtet; und die vom Kapital eingeführte und stets vergrößerte Teilung der Arbeit zwingt die Arbeiter, sich diese Art von Konkurrenz zu machen.

    Ferner: In demselben Maße, wie die Teilung der Arbeit zunimmt, vereinfacht sich die Arbeit. Die besondre Geschicklichkeit des Arbeiters wird wertlos. Er wird in eine einfache, eintönige Produktivkraft verwandelt, die weder körperliche noch geistige Spannkräfte ins Spiel zu setzen hat. Seine Arbeit wird allen zugängliche Arbeit. Es drängen daher Konkurrenten von allen Seiten auf ihn ein, und überdem erinnern wir, daß, je einfacher, je leichter erlernbar die Arbeit ist, je weniger Produktionskosten es bedarf, um sich dieselbe anzueignen, desto tiefer der Arbeitslohn sinkt, denn wie der Preis jeder andern Ware ist er durch die Produktionskosten bestimmt.

    In demselben Maße also, worin die Arbeit unbefriedigender, ekelhafter wird, in demselben Maße nimmt die Konkurrenz zu und der {98} Arbeitslohn ab. Der Arbeiter sucht die Masse seines Arbeitslohns zu behaupten, indem er mehr arbeitet, sei es, daß er mehr Stunden arbeitet, sei es, daß er mehr in der <421> selben Stunde liefert. Durch die Not getrieben, vermehrt er also noch die unheilvollen Wirkungen der Teilung der Arbeit. Das Resultat ist: Je mehr er arbeitet, um so weniger Lohn erhält er, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil er in demselben Maß seinen Mitarbeitern Konkurrenz macht, sich daher ebensoviel Konkurrenten aus seinen Mitarbeitern macht, die sich zu ebenso schlechten Bedingungen anbieten wie er selbst, weil er also in letzter Instanz sich selbst Konkurrenz macht, sich selbst als Mitglied der Arbeiterklasse.
Nach: "Lohnarbeit und Kapital" von Karl Marx,
Separat-Abdruck aus der "Neuen Rheinischen Zeitung" aus dem Jahre 1849


Die grundlegenden Einsichten, die sich daraus ergeben, werden von den verbliebenen Organsiationen derer, die früher als Arbeiterklasse bezeichnet wurden, nur noch postmodern im Wortspiel "Mehrwert" zitiert, - das die Einsicht aber sofort zurücknimmt und eigentlich zur Bitte verkommen lässt: doch bitte bitte anzuerkennen, dass die "Mitarbeiter" Arbeit leisten.... Wow!

verdi

Zugabe:
Eine sehr gelunge Formulierung aus dem Wirtschafteil der HAZ vom 10.07.:
Audi macht auf BMW Boden gut

... und was ist Bedeutung von dieses?

Mehr Schaden als Nutzen: la misère de la Bundeswehr im Einsatz

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière hält Auslandseinsätze der Bundeswehr grundsätzlich überall für möglich. Dem Sender MDR INFO sagte de Maizière am Sonntag, prinzipiell gebe es keine Regionen, in denen Deutschland nichts zu suchen habe. "Aber es gibt andere Entscheidungskriterien. Man kann nicht bei jeder Menschenrechtsverletzung Soldaten in ein fremdes Land schicken." Bei Entscheidungen über Auslandseinsätze müssten auch nüchterne Dinge abgewogen werden. Dazu gehöre zum Beispiel die Frage: "Richtet ein militärischer Einsatz mehr Schaden als Nutzen an?"
    SpON 08.07.2012
    Afghanistan
    Frau unter Jubel hingerichtet


    Eine Frau kauert auf einem erdigen Pfad am Rande eines Dorfes. Ihr Gesicht ist abgewandt. Es nähert sich ein Mann in weißer Kleidung, er schießt von hinten gezielt auf den Kopf der Frau, neunmal feuert er ab, auch dann noch, als sie längst zur Seite gefallen ist und regungslos am Boden liegt. Der Mord wurde gefilmt.
    "Allah warnt uns, keinen Ehebruch zu begehen, denn das ist falsch", sagt ein Mann vor der Hinrichtung. Nach der Exekution macht die Kamera einen Schwenk, die Hänge des Dorfes sind zu erkennen. Dort stehen Dutzende Männer, sie haben das Geschehen offenbar beobachtet und jubeln.
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Bei der Sicherheitslage sieht de Maizière allerdings erhebliche Verbesserungen.

CRISIS , WHAT CRISIS ? (LV): La Fin Du Bal - Der Traum Europa ist ausgeträumt - oder: Wie man auf die Idee kommen konnte, diese Finanzmarkt gesteuerte Integration könne dauerhauft funktionieren ...

Schöne Grüße aus der Vergangenheit vom Bankhaus Rott: In der europäischen Politik sind zahlreiche Abgeordnete und Kommissare offensichtlich verwundert, wie wenig sich die Realität für Beschlüsse irgendwelcher Räte und Kommissionen interessiert. Während so mancher immer noch glaubt, ein verringertes Defizit sei eine Ersparnis und mit ein paar hundert Milliarden mehr könne man die Welt wieder in den Tiefschlaf versetzen, schreiten die Fakten weiter voran.

Die Festlegung der Wechselkurse zur neuen Einheitswährung ist schon eine Weile her. Offenbar sind ein paar Jahre schon ausreichend dafür, dass manche Eurokraten sich gar nicht mehr daran erinnern können, dass die Kurse nicht schon immer fix waren. Es lohnt sich den Blick auf die historischen Daten zu lenken, denn die Parallelen zur aktuellen Entwicklung am Anleihenmarkt sind unverkennbar.


Rott_-FX-Quotes-versus-Dollar-preEuro

Ab dem 1. Januar 1999 war Schluss mit der Bewegungsfreiheit. Schaut man ... auf die Grafik, so fragt man sich, wie jemand auf die Idee kommen konnte, dies könne dauerhaft funktionieren.
Rott_fiktive-FX-Rates
Wirft man einen Blick auf die Kurse langlaufender Staatspapiere dieser Länder, so ist man von derartigen Werten gar nicht so weit entfernt. Anscheinend sucht sich nicht nur Wasser seinen Weg...
Aber an Ideologien ist die aktuelle Debatte ja ebenfalls nicht arm. Wer gegen den Euro ist, der sei gegen Europa, so heißt es. Wir wissen nicht, wie es Ihnen geht, aber wir kommen trotz Schwedenkrone mit den Skandinaviern ebenso gut klar wie mit griechischen Staatsbürgern, wobei uns bei der Einschätzung eines Menschen der Pass und seine heimische Währung ohnehin nicht interessieren…


Unbedingt zuende lesen und dann weiterlesen im Freitag von heute:

... Der Traum Europa ist ausgeträumt, stattdessen beruht das europäische Integrationsprojekt auf einer Fiktion. Der Maastricht-Vertrag von 1992 hat ihr Vorschub geleistet, als die Idee obsiegte, man könne eine kontinentale Integration ausschließlich an monetären und finanziellen Kriterien bemessen (Stichwort Maastricht-Kriterien) und darauf die Politik abstimmen (1). Wenn wir jedoch unter Politik das Vermögen verstehen, gesellschaftliche Zukunft zu prägen, dann verlässt der Euroraum im Augenblick das Stadium einer Finanzmarkt gesteuerten Integration und wird in eine postdemokratische und daher autoritäre Einheit gezwungen. Ob das gut geht, ist zu bezweifeln. Die Bürger Europas werden sich nicht freiwillig in den neoliberalen Schraubstock zwingen lassen...

Elmar Altvater: Im Namen der Austerität ... und dazu dann nochmal: Stephan Schulmeister - EU-Fiskalpakt: Strangulierung von Wirtschaft und Sozialstaat (vgl. hier) lesen und Flassbecks Beiträge und evtl. auch noch die WISO-Studie

Reformen und Wachstum - Die deutsche Agenda 2010 als Vorbild für Europa?

agenda-und-wirtschaftsentwicklung_small

... dann ergibt sich langsam aber sicher ein Bild davon, was wirklich los ist und wie es dazu kam!

Warum das so schwierig ist: Merkel schwimmt auf einer medialen nationalbesoffenen Welle - Kollegen, ihr habt versagt! Robert Misik in der taz

Vladimir Vysotsky - La Fin Du Bal
La Fin Du Bal ( Vladimir Vysotsky remix) by Barlos

___________________________________________
(1) Es war offensichtlich nicht einfach die Idee, die obsiegte, sondern das ERT-Strategiepapier Europe 1990: An Agenda for Action:

ERT was credited with being the driving force behind a single European market by former Commission President, Jacques Delors. A 1985 ERT paper by Wisse Dekker, Europe 1990: An Agenda for Action, was sent to heads of state and government officials throughout Europe. ERT notes: ‘The arguments were convincing and the timing perfect. The Single Market became the most visible proposal of Jacques Delors’ new Commission.’The subsequent EC White paper that the 1986 Single European Act was based on closely followed ERT’s plan for a single market.

“Business-managed democracies are those in which the political and cultural arrangements are managed in the interests of business.” - Sharon Beder, 2009

Wise Man Says

"Es gibt so viele Arschloch-Typen wie es menschliche Funktionen, Tätigkeiten und Interessengebiete gibt. Und auf jedem Gebiet kann das Verhältnis von AQ zu IQ ein anderes sein. Kein noch so kopfdenkerisches Verhalten bei einem Thema bietet Gewähr dafür, dass nicht schon beim nächsten der Arschdenk mit voller Wucht einsetzt." Charles Lewinsky, Der A-Quotient

Wise Man Says II

"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater." Frank Zappa

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